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Schwere

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Meyers
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14 in 14 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Schwere

Bd. 18, Sp. 203
Schwere, das Bestreben der Körper, nach der Erde zu fallen, das sich durch den wirklichen Fall oder durch den Druck auf die ruhende horizontale Unterlage äußert. Dieser Druck wird von den Physikern Gewicht (s. d.) genannt, was insofern zu manchen Mißverständnissen führt, als im gewöhnlichen Leben das Gewicht eines Körpers, das durch Wägen mit der Wage gefunden wird, eben nicht das Gewicht im physikalischen Sinne, sondern die Masse des Körpers ist. Die S. ist ein besonderer Fall der Gravitation (s. d.), d. h. der Anziehung, die jedes Massenteilchen auf jedes andre im direkten Verhältnis der Massen und im umgekehrten Verhältnis des Quadrats der Entfernung ausübt. Nach diesem Gesetz zieht die Erde, die als nahezu kugelförmig betrachtet werden kann, jeden außer ihr befindlichen Körper an, und zwar so, als ob die ganze Masse des Erdballes in seinem Mittelpunkt vereinigt wäre. Die Schwerkraft (so nennen wir diese Anziehung) ist daher, abgesehen von minimalen, durch die Zentrifugalkraft, lokale Verschiedenheiten der Dichtigkeit der Erdrinde, Nähe großer Berge etc., bedingten Abweichungen überall nach dem Erdmittelpunkt (lotrecht oder vertikal) gerichtet und steht senkrecht zu der idealen, durch das ruhige Meer repräsentierten Erdoberfläche. Von der Erdoberfläche aus nimmt die S. sowohl nach der Tiefe als nach der Höhe ab; im Erdinnern ist sie nämlich dem Abstand vom Erdzentrum proportional, während sie außerhalb der Erde dem Quadrat der Entfernung vom Erdmittelpunkt umgekehrt proportional ist. Aber auch an der Erdoberfläche ist die S. nicht überall gleich, sondern nimmt von den Polen nach dem Äquator hin ab. Ihre Intensität wird bemessen nach der Beschleunigung g, die sie einem frei fallenden Körper während einer Sekunde erteilt; diese ergibt sich durch Beobachtung der Schwingungsdauer eines Pendels, denn die ganze Schwingungsdauer ist T = 2π√(1/g);, wenn l die Länge bedeutet, also g = 4π2. l/T2. Ist das Pendel ein Sekundenpendel, d. h. die Dauer einer halben Schwingung 1 Sekunde, so wird T = 2, also g = π2. l. Um genauere Werte für l zu erhalten, bedient man sich des Reversionspendels (s. Pendel, S. 561) und der größern Sicherheit wegen Pendel von verschiedenem Gewicht und verschiedener Länge. Folgende Tabelle gibt die Resultate von Sabines Pendelmessungen: 350@@break Da nach obiger Formel bei gleicher Schwingungsdauer die Beschleunigungen sich verhalten wie die Pendellängen, so nimmt hiernach die Wirkung der Schwerkraft ab vom Pol bis zum Äquator; während nämlich dort die Beschleunigung des freien Falles 983,19 cm, unter 45° Breite 980,60 cm beträgt, ist sie unter dem Äquator 978,00 cm. Die Ursache dieser Verminderung ist zum Teil die durch den Umschwung der Erde um ihre Achse erzeugte Zentrifugalkraft; da die Umdrehungsgeschwindigkeit und der Halbmesser der Erde bekannt sind, so läßt sich die Größe der Zentrifugalkraft leicht berechnen, sie beträgt am Äquator, wo sie am größten ist und der Schwerkraft gerade entgegenwirkt, 1/288,4 derselben, und die Beschleunigung müßte dort um 34 mm kleiner sein als an den Polen. Die Pendelbeobachtungen aber zeigen, daß die Abnahme der Beschleunigung von den Polen nach dem Äquator nahezu 52 mm beträgt. Es muß demnach für diese Verminderung noch eine andre Ursache vorhanden sein als die Zentrifugalkraft, und diese kann nur darin bestehen, daß die Pole dem Erdmittelpunkt näher liegen als die Punkte des Äquators, oder daß die Erde an den Polen abgeplattet ist. Aus den mittels des Pendels gefundenen Werten der Beschleunigung und aus der Größe der Zentrifugalkraft berechnet man die Abplattung der Erde auf 1/299,26; diese Zahl stimmt mit dem aus Gradmessungen gefundenen Wert 1/299,15 sehr nahe überein. Als Normalschwere bezeichnet man den Wert von g in Meereshöhe und unter 45° Breite; er beträgt 980,6. Für die geographische Breite φ und die Höhe H Meter über dem Meere ist: g = 980,6 (1–0,0026. cos2φ-0,0000002. H). abgesehen von lokalen Abweichungen, die selten 0,2 erreichen. Letztere pflegt man mittels des Sterneckschen Pendels von geringen Dimensionen und konstanter Länge zu bestimmen, das relative Schweremessungen ermöglicht, d. h. Bestimmung der Verschiedenheit der Werte von g an verschiedenen Orten. Die Abweichungen ergeben sich bald positiv, bald negativ. In letzterem Fall sind Massendefekte anzunehmen, unter denen man sich z. B. große Hohlräume in der Erdrinde oder große Mengen von spezifisch leichtem Gestein denken kann. Nach Koch sollen auch zeitliche Änderungen der S. am gleichen Orte zu beobachten sein. Kurzdauernde zeitliche Änderungen werden durch die Stellung des Mondes zur Erde hervorgerufen. Zur Beobachtung dient das Horizontalpendel, das sich um eine nahezu vertikale Achse dreht. Man beobachtet damit auch die Richtungsänderung der Lotlinie, d. h. die Bewegungen und Erschütterungen der Erdrinde. Zu relativen Schweremessungen kann auch ein Barometer dienen, wenn der wahre Luftdruck mittels eines Aneroids bestimmt wird, da der Druck der Quecksilbersäule von der Intensität der Schwere abhängt, nicht aber die Federspannung des Aneroids. Genaue Angaben eines Druckes in Quecksilber beziehen sich deshalb stets auf Normalschwere. Der Barometerstand z. B. wird auf letztere reduziert.
5227 Zeichen · 55 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schwêre

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Schwêre , plur. inus. das Abstractum des vorigen Beywortes, die Eigenschaft, da ein Ding schwer ist. So wohl im eige…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schwere

    Goethe-Wörterbuch

    Schwere als fem Subst ca 100 Belege, Schwerpunkt in Bed 1; mehrf -ee- (insbes in frühen Briefen), selten Kleinschr (zB B…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schwere

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Schwere , Schwerkraft, Gravitation , heißt im weitesten Sinne die Anziehung, welche alle Körper im Weltraume gegenseitig…

  4. modern
    Dialekt
    Schwëre

    Elsässisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Schwëre , Schwere [ʿSwêrə Dü. Betschd. ; ʿSwǽrə Str. ; ʿSwárə K. Z. ] f. Schwere, Gewicht. D e r Schwëre noch könnte n s…

  5. Sprichwörter
    Schwere

    Wander (Sprichwörter)

    Schwere 1. Er fiel von der Schwere, als ob es ein Baum wäre. Lat. : Ruet ipse mole sua. 2. Nach der Schwere. Wie wir jet…

  6. Spezial
    Schweref

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Schwere , f слог , м , ритмически сильный

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schwere

31 Bildungen · 27 Erstglied · 4 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von schwere 2 Komponenten

sch+were

schwere setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schwere‑ als Erstglied (27 von 27)

Schwerebret

Wander

schwere·bret

Schwerebret Na (o) Schwerebret! Der Ausruf ist in Schlesien bei unangenehmen Ueberraschungen sehr gebräuchlich. Es wird offenbar verhüllend …

Schwer(e)hacken

PfWB

schwere·hacken

Schwer(e)-hacken Pl. : nur in Ausrufen, ver-Verwünschungen (wohl verhüllend für Schwerenot ), Schwerehacke (šwērəhagə) [ FR-Colgst ], Schweʳ…

schwerehackennocheinmal

PfWB

schwerehacken-nocheinmal Interj. : Ausruf der Verärgerung, Fluchwort, Schwerehackenochemool (šwērəhagənoxə'mōl) [ RO-Lettw ]; vgl. Schwereha…

Schwer(e)hagel

PfWB

schwere·hagel

Schwer(e)-hagel Pl. : = Schwerehacken ; Du sollst die Schweʳʳhachel krie'e [KL-Gimsb und Umg.]. Südhess. V 919 .

schwerelenz

DWB

schwere·lenz

schwerelenz , f. , nd. swärelenz Danneil 218 a , swärelenze Schambach 220 b , glimpffluch, wol aus pestilenz unter anlehnung an schwer umgeb…

Schwere Lösungen

Meyers

Schwere Lösungen , Lösungen von Körpern von hohem spezifischen Gewicht, die man zur Trennung von Gesteinsbestandteilen durch das spezifische…

schweren I

RhWB

schweren I = eitern s. bei Schwären;

Schwer(e)nichtsel

PfWB

schwere·nichtsel

Schwer(e)-nichtsel f. : nur in Ausrufen, Verwünschungen (verhüllend für Schwerenot ), Schwernixel (šwēʳnigsəl) [ KL-Hirschhn ]. Du sellscht …

Schwerenöter

Pfeifer_etym

schwere·noeter

schwer Adj. ‘von großem Gewicht, von hohem Schwierigkeitsgrad’, ahd. swār (8. Jh.), swāri (9. Jh.) ‘schwer, drückend, schmerzlich’, mhd. swæ…

Schwerenöther

Wander

schwere·noether

Schwerenöther Er spielt gern den kleinen Schwerenöther. ( Köthen. ) »Schwerenöther ist ein leichteres Scheltwort, während es, genau genommen…

Schwerenotskerl

GWB

schwerenot·s·kerl

*Schwerenotskerl als bewundernder Ausdruck in emphatischer Steigerung für einen anderen Autor [ Goethe über BJonson nach der Lektüre von des…

schwererde

DWB

schwer·erde

schwererde , f. ponderosa terra, barytes. Nemnich, dasselbe wie schwerspatherde. Campe, s. dies.

schwererdig

DWB

schwer·erdig

schwererdig , adj. mit schwererde verbunden, schwererdig arseniksalz, eine verbindung der arseniksäure mit der schwererde, ebenso schwererdi…

schwererrungen

GWB

schwerer·rungen

schwererrungen mühsam, unter Anstrengung erlangt theilhaft so mancher s-en Güter B25,327,19 CarlAug [Mitte] Mai 15 K Syn schwererworben Chri…

schwererworben

DWB

schwerer·worben

schwererworben , part. : gern irrt auch der erfahrne mann mit dir ( Elpenor ), und selbst der greis entsagt der schwererworbnen weisheit, un…

schwere als Zweitglied (4 von 4)

Bleyschwêre

Adelung

bley·schwere

Die Bleyschwêre , plur. die -n, bey den Probierern, eine gewisse Quantität Bley, welche den Erz- und Silberproben zugesetzet wird.

Luftschwêre

Adelung

luft·schwere

Die Luftschwêre , plur. die -n, eigentlich, die eigenthümliche Schwere der Luft. In engerer Bedeutung, die veränderliche Schwere der mit Dün…

Wasserschwêre

Adelung

wasser·schwere

Die Wasserschwêre , plur. von mehrern Arten, die -n. 1. Die Schwere des Wassers. 2. Bey den Münzproben, das von dem Scheidewasser bey dem Go…