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ungewitter

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

ungewitter n.

Bd. 24, Sp. 924
ungewitter, n. , gegenstück zu gewitter und seitenstück zu unwetter (s. diese und vgl. ungewitterung, miszwetter, gegenwetter). in ä. spr. früher und reicher entwickelt als gewitter, heute von diesem in bed. 1 c überflügelt; Luther liebt u., wie er gewitter (s. d. sp. 6380) meidet; in der n. spr. überwiegt uneigentlicher gebrauch; singularische collectivbildung (s. gewitter sp. 6378) erscheint bei bed. 1 a am häufigsten, bei bed. 1 c verhältnismäszig am seltensten; die zunehmende häufigkeit der plur.-bildung ist durch begriffsschwächung, individualisierung, reimbindungen und bes. durch den starken ausbau der übertragung gefördert. das verhältnis zu gewitter wechselt: in bed. 1 a kann u. gth. des (guten, schönen, angenehmen, rechtmäszigen, sanftmütigen) gewitters, der schönen zeit, des wetters (gewitter sp. 6380, 6385, 6381) sein (un IV A); in bed. 1 b steht es gewitter oft gleich (sp. 6381; un IV C); nach durchdringen des wissenschaftlichen gewitterbegriffs 1 c verstärkt sich die neigung, u. als heftiges, gesteigertes gewitter zu fassen (un IV B, D; Braun orth. gramm. wb. 271a; Weigand syn. 3, 1123) oder die sinnliche vorstellung in der übertragung überhaupt zu verdunkeln. ags. ungeweder, -gewidere, -gewiderung, alts. ungiwideri. ahd. ungawitiri. mhd. ungewitere, ungewiter, ungewitter, md. mnd. ungeweder(e), mnl. ongeweder, ongewederte, ongeweerte. nl. ongeweder (veraltet). westfläm. ongeweder, ongeweer, ongeweerte De Bo 673b. zu den formen s. gewitter: ungewider Diefenbach gl. 576c; ungewetir Trebn. psalm. s. gewitter sp. 6379; Schröer voc. 1334; ungewetter einmal Luther sp. 6380; Kehrein kirchenl. 4, 124b; Reutter v. Speir kriegsordn. 43; H. Braun beschr. u. contrafactur 5, vorw. A 2a u. ö.; ungewettert Achatius 193b (dazu die mnl., nl. und fläm. formen oben). unwitter Megiser ann. Car. 1307. ungewütter Seb. Bürster 206. die mundarten scheinen sich i. a. wie bei gewitter zu verhalten; sie retten z. th. veraltetes (Hupel 245) oder spuren myth. denkens (obers. 1, 418a), sonst ziehen sie wetter und seine sippe vor. 11) eigentlich. wenn auch die theilvorstellungen sich vielfach nahestehen und zusammenfallen können, lassen sich doch drei hauptvorstellungsgruppen erkennen. 1@aa) der indifferenten bed. von gewitter entsprechend, 'ungünstige, schlechte, schädliche, ungedeihliche, strenge' u. dgl. witterung (ungewitterung), deren folgen, wirkungen, begleiterscheinungen, unbilden des wetters u. dgl.: in Otlohs gebet 187, 66 St. entspricht umba daz ungiwitiri, daz tir ioner si dem lat. aeris temperiem; schlechtes wetter ahd. gl. 2, 630, 1; unbilden der witterung 2, 633, 67; sündflutwetter Rud. v. Ems weltchr. 800; die (falken) wir denne uch ungewitters und grosser kelde halbin nicht ehr habin geschicken konnen privatbr. 1, 174 Steinh.; unstet zeit mit ungewitter macht die natur siech und bitter contra pestem (1500) A 6; aurugo (gemeint erugo) gemma gem. 1508 c 3b (undrechticheyt der lucht Diefenbach n. gl. 43b; intemperies u., ungesuntheit, unmessigung n 2b; ἀκρασία Decimator; des morgens sprecht ir, es wird heute u. sein, denn der himel ist rot und trübe Math. 16, 3; Luther 8, 368 W.; Butschky Pathm. 218; platzregen (vgl. stilles gewitter) Wilwolt v. Schaumburg 14; Reutter v. Speir kriegsordn. 43; ein ungschlachtes jar, ... vol ungewitters war Sachs 17, 218, 21 G.; auf ein u. in hieme Züricher bib. 1531, ecclesiastic. 21, 9; im (Hannibal) von stetem wachen und u. das ein aug abgieng Carbach Liv. 115b; zukünfftiges wetter (aura) oder u. (intempestas) theatr. diab. 97a; wenn die mäuse tanzen, so verkündend sy änderung des wätters, namlich u. Gesner-Herold-Forer 108a; regen und u. macht den hund in der spur irr Lehman flor. 1, 430; wenn der winter herein thut dringen, viel ungewitter thut mit sich bringen Venusgärtlein 107, 4 ndr.; die alten massiven steinernen häuser, die schon seit jahrhunderten jedem u. (heute 'unwetter', aber 1 b, c wirkt ein) trotzten, sind jezt ... umgeschaffen J. M. Miller br. 1, 86; grundmauern und strebepfeiler, die ... durch zeit und u. (heute 'verwitterung') beinahe dieselbe braungelbe farbe wie die steinmasse, auf der sie ruhten, angenommen hatten Hauff 1, 183, 18; ähnlich wider lufft und u. (witterungseinflüsse) getauret Lohenstein Arm. 1, 28a. mit attributen: ze wynter zyt in groszem u. von schnee, ryffen und groszer kelty Steinhöwel Äs. 286 Öst.; das rauche u. (in dem kalten und bergichten lande) Forbiger Guicc. 90b; trübes ungewiter J. Grob versuchg. 63 u. ä.: subst. parallelverbindungen: welches ist das sichtige ubel? feyndtschafft, kranckheyt, u., pestilentz 2 ält. katechism. 43 ndr.; vor eusserlichem regen und u. H. v. Cronberg 137 ndr.; Aitinger jagdb. A IIIb; es were mir leydt, wen ihr disz regen undt u. im Schlangenbaadt haben soltet El. Charl. v. Orleans 4, 303; vor dem u. und unbequemer lufft Bastel v. d. Sohle (1648) 125; miszwachs und u. Lohenstein Arm. 1, 22; sein (des winters) nachtrab uns doch noch bös heimsucht mit ungewitter und kalten reifen Arnim 14, 72 (wunderhorn 2). zusammenfassend: ackermann a. B. 33, 4; item regen, schnee, hagel und alles u. Agricola sprw. (1534) p IIb; Weise kl. leute 187 (vgl. Heliand 1813). u. heiszt ... zuweilen auch überhaupt schlechtes wetter Hupel 245. sonst veraltet. 1@bb) in verengtem sinne 'sturmwetter, meeressturm, wogenschwall, wassersnot' u. dgl., wobei dann übergreifen nach c bisweilen nicht ausgeschlossen ist (vgl. vehementissimos imbres, sonantia aquae tonitrua et levatitias auras Agobard 1, 161 Bal.): Otfrid 3, 8, 10; ein michel u. des windes wart gemacht erste d. bib. 1, 135, 21; so kumpt ein u. von wind Keisersberg narrensch. 200b; Fischart ehzb. 297, 34 H. (gs. schOen still wetter); von dem u. des meeres hin und herwieder ... verworffen M. Böhme roszarzn. (1680) vorr. va; zu ungewitters zeit (seesturm) Teurdank 76, 5 G.; Luther 10, 3, 422, 16 W.; da aber der herr wollt Elia ym u. (per turbinem) ... holen bib. (W. 1906) 1, 199, Zerbst. hds. 2n. 2, 1; Herder 19, 63; wie sprew die das u. (sonst sturmwind) wegfuret bib. 1, 421, Berl. hds. Hiob 21, 18; widriger wind b. d. liebe 78d; das ungewitter wuchs, es wuchs ein jede welle D. v. d. Werder ras. Rol. 215; solch ein grausam mördrisch ungewitter Schiller 14, 374 (Tell IV 1); 6, 390; sie fallen ihm, wie saat den ungewittern Tieck 1, 217; ein guten schiffmann erkennt man im u. Lehman flor. 1, 205; Scheibe crit. mus. 224 a.; obwohl die jahreszeit der u. noch nicht vergangen war Niebuhr m. gesch. 3, 553; schnell wie ein u. s. 2 a. den windt und das u. des wassers, τῷ κλύδωνι τοῦ ὕδατος, tempestatem aquae) erste d. bib. 1, 237, 30; eyn wind und u. Luther 17, 1, 447, 28 W.; th. 14, 263; von meeres u. und ungestümigkeit getrieben Ambach zusauffen C IIa; eyn fortun (ital. fortuna für burrasca) und u. Carbach Liv. 99b; sturm und u. Steffens was ich erl. 1, 95; ein grosz u. Pauli sch. u. ernst 196 Öst.; wirbeliges Fischart Bodin 146a; erschreckliches Ramler einl. 3, 18. wer wind seet, der erndet ungewitter ein Petri l i i IIa (älter windsbraut ernten th. 14, 264); du hast wind gesäet und u. geärndtet E. M. Arndt 1, 261; Hosea 8, 7. heute unüblich geworden. 1@cc) für die elektrische entladung und ihre begleiterscheinungen, heutigem gewitter entsprechend. so lange es der beobachtung an wissenschaftlicher bestimmtheit fehlt, bleibt der begriff mehrdeutig. schon mhd. und mnl. belege schlieszen die elektrischen entladungen mit ein; u. faszt verschiedenstes zusammen: kein dunder trifft in uff den weg, kein blitz, kein hagel und kein reg; als ungewytter schadt im nüt Murner gaüchmatt 892; noch allgemeiner: u. ist der inbegriff von allem, was sich in der natur fürchterliches zuträgt Krünitz 196, 329. bestimmter: den sibenden schlecht ungewitter Sachs 4, 131, 25 Keller; Franck chr. G. (1538) 285a; u. in der marter wochen Petri Q q 8a; verrückt R 3b; schläft ein Dannhawer cat. 1, 130; ist vorbey J. G. Schmidt rockenphil. 2, 324; vergangen Henrici 3, 202 u. s. w.; auch als bewunderte naturerscheinung: das u. ist schrecklich, aber doch prächtig Herder 23, 299; Göthe 46, 371 W. heute verzichtet die spr. der wissenschaftlichen wetterkunde und die davon abhängige gemeinspr. i. a. auf u. zu gunsten des einfachen gewitter (s. d. sp. 6388 f.; 6381 wird u. von Behlen als nordd. dafür angeführt, u. heiszt donnerwetter Hupel 245), während unter u. gern ein besonders heftiges, schreckliches gewitter verstanden wird. 'am gewöhnlichsten gebraucht man es jetzt von einem heftigen mit sturm verbundenem gewitter oder donnerwetter' Adelung; Weigand syn. 3, 1123 (u., gewitter, donnerwetter, wetter); Lyon 856: es brach gleich nach meiner ankunft ein donnerwetter aus, und ich kann bezeugen, dasz ich nie ... ein so entsetzliches u. gesehen habe Pallas bei Nehring tundren 50; als auch die ersten schweren tropfen fielen und bald darauf das u. mit voller wuth losbrach Gaudy 13, 63. verbindungen: tonder und u. Tirol. passionssp. 430 Wackernell; donner oder u. Faustbuch (ndr. 1911) 43; donner, blitz und u. Widmann Fausts leben 194 K.; regen und ungewitter hielten diesen ganzen vormittag über an und die blitze waren so heftig ... Forster 2, 44 u. a. mit gen. subj.: des ungewitters wt- und toben Schottel 674; das finstre dunkel des ungewitters Klinger 8, 366; in des ungewitters grimme Brentano 1, 294; gen. obj.: man lese die beschreibung der schlacht, des ungewitters Göthe 49, 1, 235, 6 W. attribute (vgl.grosze und schwere gewitter th. 4, 1, 3, 6382): ein gros u. Sachs 21, 192, 11 G.; nach dem u. grell Wickram 6, 85, 2383; grausam Schütz hist. r. Pruss. A 5a; schrecklichs Prätorius Blockesb. verr. 3; schwefelschwanger Gottsched d. neueste 8, 601; heftig allg. d. bib. anh. 37—52, 802; stark Bräker 2, 135; grausam, mörd'risch Schiller 13, 310 (j. v. Orl. 5, 1); eines instAehenden ungewitters Zesen Adr. Rosemund 11 ndr.; plötzlich Buchholtz Herk. 51; unvermuthet Leipz. av. 1, 263; es murmelte in der luft erstlich ein kleines u. vern. tadl. 1, 385; physische Forster 3, 140; magnetische Humboldt kosm. 2, 24; nächtliches Holtei erz. schr. 13, 154 u. s. w. mit präpos.: nach dem u. machst du die still erste d. bib. 7, 11, 28; Tob. 3, 22; durch u. Albertinus Lucif. 13, 29 ndr.; vom u. Herder 5, 170; mit dem u. 3, 56; im u. Matthisson 1, 49 u. s. w. plural beliebt: Ringwaldt l. warheit a 2b; die meisten u. Göchhausen not. 158; drey Hippel lebensl. 1, 417; Tieck 8, 137; schlimmer als feuersbrunst, hagel und alle u. zusammen Polenz büttnerb. 1, 65; ungewittern: zittern Gottsched ged. 1, 338; Hagedorn 1, 7; Erlach volksl. 2, 463 u. o. 22) uneigentlich; schon ahd., mhd., mnl.; die ausgangsvorstellung ist dabei nicht selten unentschieden und uneinheitlich, die hauptvorstellung (z. b. ungestüm, hast; lärm, aufruhr, tumult, zank, zorn; unheil, übel, fluch u. dgl.) von der verbindung im einzelfalle abhängig; bisweilen, wie bei u. der geschosse, schläge u. ä. wirken fremde ausdrücke ein. bes. häufig in der gehobenen spr. der bibel, der geistlichen lit., in der spr. der dichtung, im vergleich und bild. 2@aa) von begriffen aus dem bereich der natürlichen welt, die aber denn oft zur menschenwelt in beziehung treten: die schedlichen u. dises möres (der welt) (vgl. Logau unter b) sp. menschl. behaltnus 23b; Folz meisterl. 74, 75 M.; des ungewitters mer einschenckt er in zuo lone Sachs bei Wackernagel kirchenl. 3, 63; kunst ist ein schild gegen alles u. Petri M m 2a; Königsb. dichterkr. 120 ndr.; im u. der schlacht theat. d. D. 16, 12; in kampfes u. Rückert 7, 167. das u. der persischen pfeile (tempestas telorum) Lohenstein Arm. 1, 223a; vom hagel der geschosse: das u., das vom schlosse fiel, zerschlug und schleuderte zum grund den feind E. v. Kleist 1, 257 (Cissides u. Paches 1, 168); ein u. von schlägen H. v. Kleist 1, 210; flüchen, scheltworten u. ä.; das ganze u. von pauken, trommeln, becken, posaunen, trompeten, hörnern (vgl. die hörner ungewittern) E. Th. A. Hoffmann 15, 80; 'prinz Eugen, der edle ritter!' hei, das klang wie ungewitter weit in's Türkenlager hin Freiligrath 1, 45; schnell dreht sich Sacripant, wie ungewitter Gries ras. Rot. 1, 23; wie ein u. kam er mir nachgeritten Alexis hosen 1, 29; das geht wie ein u., schnell, flink wie ein u. u. dgl. in nordd. umgangsspr.; jahrtausende zogen abwärts in die ferne wie u. Novalis 3, 192; wenn solche löwen dick um ihn mit wuth, gleich schwarzen ungewittern sich drängen Ditfurth volksl. d. pr. heeres 25; 2@bb) bes. von begriffen aus dem kreise der menschlichen gefühlswelt: Notker 2, 263, 25; 345, 22. 26 P.; Tauler pred. 188, 17 V.; si vis esse christianus et intrare hanc navem, so ruste dich, das du u. hast Luther 34, 1, 127, 20 W.; u. leidest 129, 22 W. (unfaal Frisius 868b); ein solch u. inn unserm hertzen 30, 3, 580 W.; Guarinonius 222; und ist also vergeblich alle yhr u. und toben, das sie deuteley suchen Luther 26, 315 W.; von der ewigkeit A. Silesius seelenl. 232 ndr.; die welt ist wie das meer; ihr leben ist gar bitter; der teuffel machet sturm, die sünden ungewitter Logau 94, 388; dasz eine ... arbeit .., in sonnenschein und u. (eigentlich bed. 1 a) das gemüth am gesundesten erhält Niebuhr m. gesch. 1, 378; (Jupiter die obere und Juno die untere luft, ... mann und weib; daher der ewige zank, eigentlich u. Vosz krit. bl. 1, 114); 'uneigentlich nennt man im gemeinen leben einen heftigen lauten zank und lärm ein u.; es entstand ein groszes u. im hause' Campe; um sich von dem ewigen u. seiner frau zu befreyen Bode Mont. 5, 218; da brach das u. (furchtbarer tumult) von neuem los Börne 5, 200; dichterisch: vor des wüthrichs ungewittern Körner 1, 116. gern mit erläuterndem gen.: Notker 2, 462, 22 P.: das u. grosses unlümdens N. v. Wyle transl. 318, 35 K.; der papst plitzte und donnerte mit seinem u. des bannes uber und wider könig G. Rätel Schles. chr. 173; die u. des öffentlichen rufs Lenz 3, 97 T.; in des grimmes ungewittern Arndt 3, 32; der rache Arnim 15, 336; der eifersucht Nestroy 11, 201; der leidenschaft Kurz sonnenwirt 124 u. ä.; dem groszen u. des kriegs Carbach Liv. 204a; Meinecke Boyen 1, 23; auch ohne zusatz vom krieg verstanden Justi Winckelmann 1, vii; bey den schrecklichsten ungewittern des glücks samml. v. schausp. 6, 123; das u. der tiefe Ranke 2, 147; dichterisch des kreutzes u. Rist n. t. Parn. 798; deines heeres u. Rückert 1, 20. subst. parallelverbindungen: u. und wint (versuchung) Tauler 188, 17 V.; kein u. oder betruobnusz der zeit A. v. Eyb d. schr. 1, 35, 30; kein trüber sturm, kein u. Gryphius ged. 142, 10; sturm u. P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 390b; Gentz 2, 14; Hoffmann v. Fallersleben 4, 276; Laube 1, 386; reich entwickelt sind die attribute: núwes kúnftiges Suso d. schr. 145, 12 B.; sich zusammenziehendes Wieland Ag. 1, 353; beständiges Stilling 1, 371; drohendes M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 206; bedrohetes pol. maulaffe 21; bedrohliches E. Th. A. Hoffmann 6, 14; abgewendetes Fr. L. Jahn 1, 20; böses Spreng Il. 40a; grewlich Sachs 18, 60, 20 G.; jAemmerlich Xylander Polyb. 26; grausam Sandrub kurzw. 139 ndr.; betrübtes Lohenstein Arm. 2, 250b; grösseres 1, 787a; schwarzes Weichmann Nieders. 2, 182; entsetzliches Lessing 5, 45; schreckliches Herder 16, 412; dichtes A. G. Meiszner Alc. 3, 95; arges Freytag 2, 165; schweres Gryphius trauersp. 59 P.; P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel 3, 333a; Neukirch anfangsgr. 562; das ganze u. Knigge roman 1, 126; in heil'gen ungewittern Arent-Conradi-Henckell 241; doppeltes H. v. Kleist 3, 177; das französische u. streift noch immer jenseit des Thüringer waldes hin Göthe IV 11, 144, 4 W.; inneres u. J. v. Müller 6, 226; Hebbel I 7, 77; häusliches Holtei erz. schr. 4, 38; Storm 5, 272; bei dem geringsten u. Möser 1, 366; dir u. Terenz (1499) 21; dieses Forster 6, 236; jedem u. Göthe Faust 4907 u. s. f. das u. aus Oszmannstädt Schiller br. 6, 60; ein u. ohne gleichen Ranke 30, 207. die verbalverbindungen entsprechen denen der bed. 1 c (bereitet sich vor Mommsen r. g. 3, 423; kündigt sich an Dahlmann g. v. Dännem. 3, 150; ist im anzug Scheffel 2, 35; bedroht Deutschland Ranke 31/32, 9; lagert über 14, 320; entsteht in Görres br. 3, 161; zieht sich über ... zusammen disc. d. mahlern 1, 5; Knigge umg. 2, 140; zieht mir nah am kopf vorbei Göthe mitschuld. 498; IV 36, 232 W.; ist hinüber A. U. v. Braunschweig Oct. 1, 528; sieht man aufsteigen Wieland Ag. 2, 247; abwenden Leibniz d. schr. 1, 251; ableiten Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 411 u. s. f.), theilweise sind sie dichterischer (will sich zur ruhe legen Hoffmannswaldau-Neukirch 2, 259; dem u. stehen Schiller 12, 80, vgl. Göthe Faust 4907; u. wölken sich J. M. Miller ged. 285; diese u. stillen Gries ras. Rol. 3, 112 u. a.). plur. noch häufiger als bei 1 c (Gottsched schaub. 1, 3; ged. 379; und in den ungewittern erzeigt sich erst der muth Göthe 12, 75 W.; schr. d. Götheges. 17, 175; mit ungewittern reden Seume ged. 38; Schubart ged. 1, 295; J. G. Jacobi 5, 19; Deutschland dunkelt tief in ungewittern Eichendorff 1, 437 u. s. f.). 33) in der spr. des mythologischen denkens, des aberglaubens, des euphemismus leistet u. dem vordringenden gewitter kräftigen widerstand J. Grimm d. myth. cap. 20, 3; welches ungewitter (oder donnerwetter) hat dich hergebracht? myth. 24, 847; ihr habt meine liebste mit den jungen kerln alleine gelassen? das u. soll sie von der stube führen! Gottsched schaub. 5, 341; 4, 484; ich wollte, dasz das u. alle quälerinnen zum henker führte Eschenburg beisp. 8b, 60; pasteten, dergleichen ich ihm (dem koch) alle jahre eine mit allen ungewittern in die küche schicke Möser 2, 262; dem himmel sey dank für das gnädige u., das itzt kommen wird! C. F. Weise lustsp. 1, 31; 's heilige u'gewitter wär 'ne mit schlusen un blitz in de aardöppeln gefahren obers. 1, 418a (vgl. heilig bei naturerscheinungen Staub-Tobler 2, 1148 und lieb zs. f. d. wortf. 10, 151, liebes gewitter, wetter); der brauch ..., das widder das u. die glocken geleutet sind worden Luther 26, 234; das bild Jovis ward auffgestelt wider all u. Franck sprw. (1541) 2, 148a; kügelein fürs u. Fischart binenk. 164a; würtzwisch ... für gespenst und u. Garg. 231 ndr.; Prätorius phil. col. 58; aura levatitia, verursacht von tempestarii oder durch bestimmte handlung: Grimm sagen 1, 38; vom teufel Nigrinus zäub. 3; u. machen Stainhöwel ber. fr. 68; Parac. 2, 107 B.; Körte sprw. 186; altd. pass. a. Tirol 430 W.; Sachs 9, 273, 6 K.; erwecken Kramer (1702) 2, 1274a; brauen Fouqué bilders. 1, 42; ausströmen Vosz ged. 3, 109; erregen Laistner nebels. 256; durch blasen der hörner das u. zu vertreiben Göthe 48, 152, 23 W.; wie ... durch beschwörung und zauber sturm und u. entstanden Fr. L. Jahn 2, 309; urheber von sturm und u. Laistner nebels. 13. oft ist der myth. bezug ganz verblaszt (Abr. a St. Clara mercks Wien 79), bes. in der übertragung: nun? werden sie sagen, das verspricht doch auch kein u. Lessing 8, 226; A. G. Kästner 2, 220; mehr als ein u. zieht er mit künstlich kühner hand auf seine feinde selbst hernieder Herder 17, 40; Müllner dram. w. 8, 100; dasz statt des ungewitters, das er beschworen ... ein noch drohenderes über ihm schwebte H. Schmid alte u. n. gesch. a. Bayern 70; nimm dich in acht! es gibt ein u. (tadel, schelte, strafe, prügel, zornesausbruch u. dgl.) umgangsspr. 44) in der bezeichnung von personen mischt sich bei u. übertragung (s. 2) mit lat. vorbilde (vgl.tempestas Siculorum, pacis, comitiorum): ungewitter, teufels-braut, zahn-bruch, neid der guten tage ... alte, pack dich! geharnschte Venus 128, 6 ndr.; o du groszes ungewitta Hartmann volksschausp. in Bayern u. Öst. 186; das ale u. böses frauenzimmer obers 1, 418a. u. als familienname nicht selten, z. B Zedler 49, 1479 wie noch heute. ein mensch ist desz andern wolff, teuffel, hagel oder u. Petri X 7a; die frau sey ein schiffbruch des mannes, ein u. des hauses Rein. Fuchs (1650) 180. 55) zusammensetzungen einerseits: beifalls-, kampfes-, nacht-, schlachten-, weltenungewitter Sanders erg. 646b. anderseits: ungewitter-besorgnisse Hohberg g. 2, 132; -gesicht Zschokke 20, 121; -gewölke Willamow s. schr. 64; -grauen K. Förster ged. 1, 40; -hitze (fieber) Hippel lebensl. 1, 278; -loch Valvasor ehre d. h. Crain 1, 633; -schlag Rückert 2, 486; -stimmen Herder 9, 51; -sturm 28, 4; -vogel, m., procellaria Nemnich naturg. 610, thalassidroma pelagica Naumann vögel 10, 557, Krünitz 196, 341, petersvogel, petersläufer, petrel, sturmvogel; -wolke Hohberg Ottobert T 4a; Herder 11, 290; 3, 154; 6, 33; Heinse 3, 152; Gutzkow zaub. 5, 278; -wort Herder 5, 257 u. a.
20779 Zeichen · 730 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    ungewitterst. N.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    ungewitter , st. N. Vw.: s. ungewitere

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Ungewitter

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Das Ungewitter , des -s, plur. ut nom. sing. ein im hohen Grade ungestümes Wetter, in welchem Verstande auch ein heftige…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Ungewitter

    Goethe-Wörterbuch

    Ungewitter [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. modern
    Dialekt
    Ungewittern.

    Mecklenburgisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Ungewitter n. in der Verbindung dat heilig Ungewitter die Wilde Jagd Schö Sab .

  5. Sprichwörter
    Ungewitter

    Wander (Sprichwörter)

    Ungewitter 1. Gross Ungewitter kommt von grosser Hitze. 2. Nach Ungewitter kommt (folgt) Sonnenschein. – Tob. 3, 22; Sch…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit ungewitter

4 Bildungen · 4 Erstglied · 0 Zweitglied · 0 Ableitungen

Ableitung von ungewitter 3 Analysen

un- + gewitter

ungewitter leitet sich vom Lemma gewitter ab mit Präfix un-.

Alternativen: un-+gewittern+-er ungewittern+-er

Zerlegung von ungewitter 2 Komponenten

ung+e+witter

ungewitter setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

ungewitter‑ als Erstglied (4 von 4)

ungewitterlich

DWB

ungewitter·lich

ungewitterlich , adj. zu ungewitter. gewitterlich unbelegt ( vgl. gewitterig, -erisch, -wittersch, unwetterlich). tempestuosus (für den verg…

ungewitterung

DWB

ungewitter·ung

ungewitterung , f. , gleich ungewitter 1 a: was im vorhergehenden monat u. halber nicht hat können verrichtet werden Becker kluger hausvater…

Ungewittervogel

Adelung

ungewitter·vogel

Der Ungewittervogel , des -s, plur. die -vögel, ein Vogel, welcher durch sein Geschrey ein bevor stehendes Ungewitter verkündiget. Besonders…