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schwelle

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

schwelle f.

Bd. 15, Sp. 2487
schwelle, f. grundbalken, wagerechte grundlage eines aufbaus. gemeingerm. wort, das indes in zwiefacher form erscheint, idg. *svelyâ und *suliâ entsprechend, wozu auch gr. ὑλιά (glosse bei Hesych: ὑλίας! τοὺς καρπατίνους τόμους) und lat. solea, s. Fick4 1, 580. die zu grunde liegende wurzel ist wol nicht schwellen (Grimm gramm. 2, 32. Weigand 2, 667), sondern eine besondere gleichlautende wurzel (svelo-) in der bedeutung 'gründen', wozu ferner säule (th. 8, 1900 f.) und altn. svalar, plur. balcon. vgl. Kluge5 321a. die nicht-hochdeutschen sprachen haben meist die form mit tiefstufenvocal; got. sulja (?) sohle, wozu auch gasuljan gründen (nicht aus lat. solea entlehnt, s. Feist s. 146. Uhlenbeck 137; über hochd. sohle s. das.); altn. syll, ganz selten svill, f., neuisl. sylla, f. (schwach); norw. syll, f. Aasen 786b, schwed. syll, m., dial. auch svill. Rietz 706b, n. syld (veraltet); ags. syll, f., mittelengl. sille, sylle, selle, neuengl. sill, s. Skeat 553b, mnd. sul, sulle, sille, m. Schiller-Lübben 4, 461b f., nnd. süll, m. Richey 300. Strodtmann 382a. brem. wb. 4, 1093. Dähnert 472b. Schütze 4, 224. Mi 89a. Danneil 216a; süll, sülle (f.?) Stürenburg 272a. ten Doornkaat Koolman 3, 216a. meist als masc. bezeichnet, nur Woeste 262b hat dat süll (daneben der süll). wenn sich vereinzelt nd. swelle, f. findet, so wird dies aus der schriftsprache herübergenommen sein, so in der redensart dem kreiger up de schwell pisse, nicht bis in die schenke hineinkommen. nd. korrespondenzbl. 11, 60; einheimisch ist dagegen wol dat swell von dem obern querpfosten einer thür.im hd. herrscht andrerseits die form mit hochtonvocal, und zwar in der ältern sprache sowol als fem. wie als neutr.: ahd. suelli, limen, basis, in suellim, in basibus Graff 6, 874 f., daneben als fem. suuella. Wiesbad. gloss. 131, s. zschr. f. d. alterth. 6, 323a, dazu W. Grimms anm. s. 328 (= kl. schr. 3, 575); mhd. swelle, gew. starkes od. schwaches fem., vereinzelt auch starkes od. schwaches neutr. Lexer handwb. 2, 1356 f. s. auch W. Grimm a. a. o. J. Grimm gramm. 3, 431 (ebenda 431 f. sind die gleichbedeutenden ausdrücke der ältern sprache zusammengestellt). sonst finden sich kaum abweichungen der form: limen hd. swelle, geswelle, suelle, scwelle, swel, schwell, schwöll, swelde, sule, sul vel sulle, geschwöl vel antrit, geschwelle vel geschwel, geswell o. druschfel. Dief. gloss. 330a; vgl. nov. gloss. 235b. nhd. ebenso durchgehend die schwelle, schwell, vereinzelt dafür die schreibung mit ö: in meinem hause will ich ihn in ewigkeit nit mehr haben; er soll mir die schwöll nit mehr betretten. Simpl. schr. 4, 337, 26. so auch noch in der bibelconcordanz von Agricola-Zeisius (Frankf. a. M. 1674). über schwell s. das. selbständige parallelbildungen bez. ableitungen sind schweller und geschwelle (s. th. 4, 1, 3991). von weitern synonymen kennt Adelung nd. sull, sülle (s. oben), dörpel, der drüssel (dithmars.) und die lehde (Schleswig). — idiotiken führen das wort selten auf, wahrscheinlich weil der mundartliche sprachgebrauch mit der schriftsprache übereinstimmt; schweiz. schwelle, -i. Stalder 2, 363, im Aargau dafür selle, f. Hunziker 239; bair. gschwell. Schm. 2, 630; thür. schwelle und schwel, m. Hertel sprachsch. 225. bedeutung. 11) eigentlich, grundbalken, der irgend einen aufbau trägt. 1@aa) ein schwell unter einen baw ziehen, faire un seuil. Hulsius 293a, so als grundlage eines ganzen gebäudes: die haus-schwelle, limen aedificii lignei, trabs infima. die untersten balcken, trabes liminares Frisch 2, 247b; (der löwe) suochte al umbe unz er vant bî her erde an der want eine vûle swelle. Iwein 6745; doch tröste gott den hausherrn, der noch hofft, sobald der kern in schwell' und ständer modert! Bürger 69b; gleich, als loderte schon die hochaufragende Troia hoch von oben bis tief hinab zu den schwellen im feuer. 240a (Ilias 22, 410). hierher auch: ich sunge ein swellen in daz hor. Kolm. meisterl. 94, 46? 1@bb) die einzelnen schwellen werden ihrer lage nach unterschieden als grundschwellen, plattstücken, saumschwellen, sohlbänder, dachschwellen, stuhlfetten u. a., s. Eggers kriegslex. 2, 861. Jacobsson 4, 99a. bei einzelnen bautheilen, thürschwelle (siehe unten 2), fensterschwelle ebenda; von gesimsen: gesimse dar under, die alle glîch besunder ir swellen hatten unde keln. erlösung 445. 1@cc) so auch bei andern bauanlagen: die grundschwellen der schleusen, les seuils d'écluse, bestehen aus 2 stücken, die gegen die flut einen spitzen winkel bilden. Eggers a. a. o. schwelle bey einem schleusenthor, s. drempel. Jacobsson 4, 99b; sie besteht aus dem schlagebalken, dem haupte und den beiden schlagschwellen. 1, 465. so schweiz. schwelli, damm von grundbalken an einem wasser; er heiszt drommschwelli, wenn er quer durch das fluszbett liegt, streichschwelli, wenn er mit dem strome parallel läuft. Stalder 2, 363. — schwelle einer zugbrücke, seuil de pont-levis. Eggers a. a. o. — schwelle des hafens im bilde: mir ist ruhe bereit, und ganz an der schwelle des hafens (in limine portus). Voss Aeneis 7, 598. schwelle bei eisenbahnen, die hölzernen balken, worauf die schienen ruhen, bahnschwelle. — in bergwerken, 'hölzer, die quer über die pfahlbäume liegen, und worin die haspelstützen stecken' Jacobsson 4, 99b. 1@dd) schwelle bezeichnet auch die behauenen balken, die zu solcher verwendung geeignet sind: darumb liesz er denselben zu ainer hilzin schwelen füeren, und mit aim bihel die schnebel ab den schuhen hawen. Zimm. chron.2 1, 480, 24 Barack; so einer ein breszhafftigen baw hat, ... so sole man jm nach geburlicher notturft zue stewer kommen mit schweln, rigeln, sparn und drueder, nach zimlicher notturft das die bew ehrhalten mögen werdenn. ordenung der marck Rodenbach in der Wetterau v. j. 1565. 22) meistens steht schwelle im sinne von thürschwelle; siehe Karmarsch-Heeren3 8, 111. 9, 456. 2@aa) thür schwell, limen. das zur schwelle oder thür gehört, liminaris. Dasypod.; die schwell und überschwellen an einer thüren, limen. Maaler 367a; schwell, f. linteau, ou sueil de l'huis. Hulsius 293a; schwell, schwelle, f. ... soglia, limitare. thür-schwelle, idem. eine schwelle unter eine thür machen (eine thür schwellen ò beschwellen). Kramer dict. 2, 711c f.; die schwelle ist verfault, limina computruerunt. Stieler 1695; schwelle (die, plur. schwellen, ...) limen. eine hohe schwelle. Steinbach 2, 511; machet der thürhüter auff (öffnet er), so hebe den fusz auff, damit du nicht an der schwelle (den süll) anstossest: und dasz du nicht das häupt an die uberschwelle stössest, so bücke dich. Comenius sprachenth. 541. 2@bb) der der schwelle entsprechende balken, der die thür oben deckt und abschlieszt, heiszt über- oder obere schwelle; in analogie dazu wird die eigentliche schwelle auch unter- oder niederschwelle genannt: oberst schwell, limen superum, superliminare. Dasypod.; limen, n. die schwelle. duplex est: superum, et inferum, die ober und unter thür schwelle. Corvinus fons latinit. 363b; oberschwelle, sublimen, superlimen, limen superius. under- sive niederschwelle, hypothyrum, limen inferius, inferum. Stieler 1694; und solt seins bluts nemen, und beide pfosten an der thür, und die öberste schwelle da mit bestreichen. 2 Mose 12, 7. 2@cc) belege aus der litteratur: 'bruoder Berhtolt, ob diu swelle danne hôch ist unde wirn (den leichnam) an die swellen bringen, sô müeʒen wir in dannoch an grîfen.' niht, in deheine wîse! ir sult eine gruoben in die erden graben under der swellen unde sult in under der swellen hin an daʒ velt ziehen als ein schelmigeʒ rint. Berthold v. Regensburg 1, 119, 25—29; (als etwann geschach den wuochrern) wenn ainer gestarb in seinem haus so zoch man in under den schwellen naus und ward im der kirchhof verzigen. quelle bei Schm. 2, 630; sihe, da lag sein kebsweib fur der thür des hauses, und jre hende auff der schwelle. richt. 19, 27; aber sein heubt und seine beide hende abgehawen, auff der schwelle. 1 Sam. 5, 4; ich zog einen ertrunkenen knaben aus dem wasser und schnit ihm den finger ab. denn unter die schwelle gelegt, läszt er den teufel nicht drüber, bis er verfault. H. v. Kleist 1, s. 345 Zolling (fam. Ghonorez 5); ir wiʒʒet wol, als der diep dem wirt die want an gehebt unde im die swellen undergrebt, so geschiht vil lîhte schade dâ. Eraclius 3796; dieselbe redensart auch freier, eigentlich einen einbruch begehen, dann überhaupt betrügen, s. Germ. 30, 398 f.: (sie) wöln doch sîn gesellen. und graben under die swellen: hie vor man über swellen gie, drunder hin sliefen sie. Kön. v. Odenwalde XII, 24 f. (Germ. 23, 306); nu mirchet, wî he mit Adâme ani hûf, deme he zêrst durch sîne svelle grûf undi rît, dat in got virstîʒ, dû hê im mit logen wârheit inthîʒ. der wilde Mann III, 240 Köhn; ferner: und sæʒen ûf der swellen mîn alle [die tiuvel], die in der helle sîn, ir getörste keiner zuo ir komen. ges. abent. 3, 365, 350; daʒ ich mich nit stiesz mit füeʒʒen an dü swellen. Laszberg liedersaal 3, 10, 212; des lammes [blut] saltu rein under die sweln der thoren lein, darzu uff die oberthore. Alsf. passionssp. 3257; denn wer mein kindlein stehlen thut, den müszt ihr binden an die schwell, dasz er nicht kann von seiner stell. wunderhorn 1, 116 Boxberger; und von jeder hohen schwelle sah ein himmlischer mich an. Grillparzer5 1, 213. 33) vielfach in formelhafter und freierer anwendung, so besonders in einer reihe festgeprägter, meist präpositioneller, verbindungen. 3@aa) über die schwelle schreiten, limen transgredi Corvinus fons latin. 363b; über die schwelle gehen, tretten, die schwelle ein- ò austretten, passare la soglia, scavare la soglia. er darf nicht mehr über die schwelle gehen, er soll mir nicht über meine schwelle kommen. Kramer dict. 2, 712a; keinen fusz über die schwelle setzen, pedem limine non efferre; einen nicht über die schwelle kommen lassen, prohibere aliquem limine et tecto Steinbach 2, 541; den fusz nicht über die schwelle setzen, das ist, nicht aus seinem hause kommen. Frisch 2, 247b; es soll mir wohl leichtlich kein studente wieder über meine schwelle schreiten. Chr. Reuter d. ehrl. frau Schlampampe krankh. u. tod s. 94 ndr. (1, 1); denn steht unsere frau auf, so ist der teufel los. da wollte ichs nicht wagen, einen schritt über die schwelle zu thun. Weisze kom. op. 2, 71 (d. teufel ist los 2, 3); sie soll aber nicht einen fusz wieder über ihre schwelle setzen. 117 (3, 3); nicht über die schwelle! K. Lessing schausp. 281; o, der ist in jahr und tag mit keinem fusze über die schwelle gekommen. Wieland 27, 86; furcht kann nicht über meine schwelle. Schiller Fiesko 3, 5; mir soll er nicht wieder über die schwelle. Kotzebue dram. sp. 2, 264; bevor es über die thürschwelle ging, machte der brautführer auf der mannsseite mit gezogenem degen drei kreuze auf die schwelle in den höchsten drei namen, steckte den degen ein und der zug schritt über die schwelle. Birlinger volksthüml. 2, s. 392; den segne, lied ... der über Wingolfs hohe schwelle heiter, im haine gekränzt, hereintritt. Klopstock 1, 6; es sollte kein buch im laufe des jahres über die schwelle mir kommen, vom bücherverleiher gesendet. Göthe 1, 344; noch ist sie rein — noch! das verbrechen kam nicht über diese schwelle noch. Schiller Wallensteins tod 1, 4; tritt über seine schwelle. A. v. Droste - Hülshoff 1, 237; nun lautlos gleitet's über die schwelle. 300. ähnlich: und da sie auff die schwelle des hauses kam, starb der knabe. 1n. 14, 17; auch wil ich zur selbigen zeit, die heimsuchen, so uber die schwelle springen, die jrer herrn haus füllen mit rauben und trigen. Zephanja 1, 9. — im bilde: herr Klotz strauchelt bey dem ersten schritte, den er über die schwelle thut. Lessing 11, 184; dafür auch über die schwelle stolpern: wollen wir wohl untersuchen, ob der gaul nicht gleich über die schwelle gestolpert ist? 5, 81. sprichwörtlich: er ist auf der schwelle schon müde geworden. wer über die schwelle ist, hat die reise halb gethan. die schwelle ist der höchste berg. Wander 4, 463 f.seltner über die schwelle treten um hinauszugehen: 'wollen wir doch lieber bleiben?' sagte Melitta, die schon den fusz über die schwelle gesetzt hatte, zu Oswald zurückgewandt. Spielhagen problem. nat.4 1, 93 (cap. 13); eliminare, über die schwellen, oder zum hausz hinausz bringen, auszwaschen. Corvinus fons latin. 363b. 3@bb) in gleichem sinne (jemandes) schwelle betreten, kaum verschieden von das haus betreten: manche freude erwartete sie nach ihrer zurückkunft, als sie, mit mancherlei schätzen der kunst und der erfahrung geschmückt, ihre häusliche schwelle betrat. Göthe 32, 229; sie versichern, dasz keiner, sobald dieser anschlag gelungen, die schwelle je wieder betreten werde. 36, 185; und ich eilte beschämt und verdrieszlich wieder nach hause, ... und schwur nicht mehr zu betreten die schwelle. Göthe 40, 255; ja, es schien die thüre zu klein, die hohen gestalten einzulassen, die nun zusammen betraten die schwelle. 325; als in der heiligen Pytho er einst die steinerne schwelle forschend betrat. Voss Odyssee 8, 80; als sie nunmehr die kammer erreicht, die edle der weiber, und die eichene schwelle hinanstieg. 21, 43. dafür: tritt ein zu dieser schwelle! Uhland ged. 95. so auch: kerls die zehenmal krepiren, eh sie ihre zinsen überrechnen, trippelten mir die schwelle ab, eine handvoll elende schulden einzutreiben. Schiller räuber 1, 3 trauerspiel.das gegentheil: das letzte kleine gedränge feiler augenknechte zerflosz um seine person, seine schwelle wurde verlassen. Schiller 7, 133. 3@cc) vor der schwelle lassen u. ähnliches: wisse also .., dasz du, von dem augenblick an, da du dich in dieses grosze haus verdingtest, alles recht verlohren hast, dich als frey und edelgebohren anzusehen; du hast dein gutes herkommen, deine familie, deine vorältern ... auszen vor der schwelle gelassen. Wieland Luc. 5, 138; wie war es sonst für mich entehrend, wenn jedermann die duldung pries und mich als thörig und bethörend hinaus ach! vor die schwelle wies. Göthe 11, 341. 3@dd) an der schwelle stehen bleiben, restarsi, fermarsi, star fermo sulla soglia. Kramer dict. 2, 712a; an der schwelle stehen, imminere, impendere, propr. ad limen adesse, fores obsidere, observare januam Stieler 1694; die priester die an der schwelle hüteten. 2n. 12, 9; das sie warteten an der schwelle der hütten. 1 chron. 10, 19; Talmon und Akub waren thorhüter an der hut, an den schwellen in den thoren. Nehem. 12, 25; er aber sol auff der schwelle des thors anbeten, und darnach wider hinaus gehen. Hes. 46, 2; wenn nicht treue — ewige, an seine schwelle gebannt, mir endlich ihn erwirbt! Bettina briefw. 1, 6; da erschien sie, schüchtern und manierlich, unversehens auf der schwelle der krankenstube. Keller 1, 252; du zierlicher knabe, du komm herein, was stehst du denn da auf der schwelle? Göthe 5, 210; auf der schwelle will ich liegen und erwachen wenn du schleichest. 211; er sah sie sitzen an des hüttleins schwelle. Geibel 3, 102; der herr vom hause ... empfing den sänger und seinen freund herzlich an der schwelle des hauses. Eichendorff2 3, 130; sprichwörtlich: jemand oder etwas auf der schwelle begrüszen, einen besuch nicht in die stube führen, sondern an der hausthür oder auf dem flur empfangen, um ihn bald wieder los zu werden; dann auch von gegenständen, womit man nur oberflächliche bekanntschaft gemacht hat. Wander 4, 464. — an die schwelle anstoszen, coffeel. avant. 160. unsinnlicher: poche siegend an des himmels schwelle. Schiller 1, 283. 3@ee) vielfach geht schwelle geradezu in die bedeutung 'haus, wohnung' über: nie wurde seine schwelle leer, wenn er zu hause war. Schiller 4, 269; der diaconus ... rief in den bestimmtesten ausdrücken, dasz er zur zerstörung einer solchen liebe ... nicht die hand biete, vielmehr sie, so lange sie das gastrecht seiner schwelle geniesze, zu schützen wissen werde. Immermann Münchh. 4, 108; forscht nach in den hütten, ob nicht, entfernt von den schwellen der groszen, ein weiser sich selber dort lebt. E. v. Kleist 2, 12; unentweihte, reine stelle, werde, wie des tempels schwelle, mir zum heiligen asyl! Grillparzer4 3, 36 (ahnfrau 1); die bewohner dieser insel, ... sind stets bereit beim ersten hülferuf, in waffen zu beschützen Sappho's schwelle. 216 (Sappho 4, 5); von festeszügen, fremden beterschaaren war nimmer dieses hauses schwelle leer. 6, 8 (des meeres u. der liebe wellen 1). vgl. auch: welche jre schwelle an meine schwellen und jre pfosten an meine pfosten gesetzt haben, das nur eine wand zwisschen mir und jnen war. Hes. 43, 8. — mit dichterischer freiheit für 'thür': zwo sind pforten des kriegs ... hundert eherne hebel, und ewige barren des eisens schlieszen sie, niemals weicht von der schwelle der hütende Janus. wann nun kämpfe gebot die entscheidende stimme der väter, geht er selbst, im Quirinusgewand' und gabinischem aufschlag feierlich, aufzuschlieszen die knarrenden schwellen, der konsul (reserat stridentia limina consul). Voss Aeneis 7, 607—613. 3@ff) zuweilen steht dichterisch auch der plural ohne merklichen sinnesunterschied: eilt, ihn (Friedrich) in erz den enkeln aufzustellen! eilt, einen tempel ihm zu weihn am rande meines stroms! ich brenne, seine schwellen mit blumen zu bestreun. Ramler 1, 37; wie bebend stand sie da, die perle der pücellen! wie ein verklärter geist. den an des himmels schwellen ein schauer der verherrlichung zum erstenmal ergreift! Thümmel reise 4, 238. 44) schwelle in übertragener und bildlicher verwendung. 4@aa) von schwellenähnlichem in der natur: und dort von fels'ger schwelle hüpft braun herab die quelle. Geibel 1, 181. ähnlich schwelle des kahnes, die schmale hinterwand, über die man eintritt: auf des kahnes schmale schwelle legt sie lustig die gewande. Brentano 2, 411. 4@bb) freier, schwelle des himmels (s. auch 3, d, f) u. ähnl.: fern von Olymps gestirnter schwelle verbannt ihn (Tantalus) Jupiters entschlusz. Uz s. 120 Sauer; wohl scheint dies gitter ihm die dunkle schwelle, nicht weisz er, ob des himmels, ob der hölle. Schulze bezauberte rose 3, 49. bildlich: erst wirbelt sie (die hölle) mich künstlich auf der freude leztes glättestes schwindeldach, schwäzt mich bis an die schwelle des himmels. Schiller Fiesko 5, 13. — schwelle des grabes: o mutter, halte dein kindlein warm, die welt ist kalt und helle, und trag' es fromm, bist du zu arm, hin an des grabes schwelle. Brentano 4, 18. 4@cc) schwelle des landes: so weit war Gustav Adolph von sieg zu sieg ... fortgeschritten ... bis an die schwelle der österreichischen monarchie hatte ein nie unterbrochenes glück ihn begleitet. Schiller 8, 236; ich, den als bettler das vaterland von seiner schwelle stiesz. Geibel 7, 31. 4@dd) ebenso von der zeit: so sind es ermunternde hoffnungen, welche das vaterland an der schwelle des neuen jahrhunderts fassen darf. Fr. V. Reinhard pred. vom j. 1799 bei Wackernagel leseb. 3, 2, 1028, 6; unter vertraulichem gespräch zog sich der abend diesmal bis nahe an die schwelle der mitternacht. Gutzkow werke (1845) 11, 109; o sel'ge doppelhelle von wunderbarem schein, an jedes jahres schwelle mir leuchtend aus und ein. Rückert ged. (1841) 239 ('morgen-abendstern'). 4@ee) schwelle des herzens: in des freundes hertzen swelle nie wart geleit zu freundes gemach. Hugo v. Trimberg renner 17189; o mutter, halte dein kindlein warm, ... und trag' es fromm in deinem arm an deines herzens schwelle. Brentano 4, 16. schwelle im ausgeführten bilde: beim herzog sagst du? — hast du vergessen, dasz ich die schwelle bin, worüber du springen oder den hals brechen must? Schiller kab. u. liebe 2, 6. 4@ff) schwelle, der anfang von etwas: dreierlei macht aber den autoren das leben sauer, erstlich der anfang, weil sie gleich auf der schwelle mit wolken und juwelen vor den lesern blitzen wollen. J. Paul leb. Fibels s. 85. vergl. auch: der, schmählich strauchelnd an der schwelle groszer thaten, nun umkam jämmerlich, von seinem floh verrathen. Rückert werke (1882) 2, 207. schwelle einer kunst, wissenschaft u. ä.: verdienstvolle skizzen groszer meister ... führen den ächten liebhaber nach und nach an die schwelle der gesammten kunst ... der angehende künstler aber hat mehr als der liebhaber zu fürchten .. denn wenn er durch diese pforte am raschesten in den kunstkreis hineintritt, so kommt er dabei gerade am ersten in gefahr an der schwelle haften zu bleiben. Göthe 38, 137; unsere metaphysik ist, wie viele andere wissenschaften, in der that nur an der schwelle einer recht gründlichen erkenntnisz; gott weisz, wenn man sie selbige wird überschreiten sehen. Kant 8, 34. so als kunstwort der psychologie schwelle des bewusztseins von dem stärkegrade, den eine vorstellung erreicht haben musz, um ins bewusztsein einzutreten, unterschiedsschwelle das mindestmasz der differenz z. b. zwischen zwei farben, damit sie als verschieden wahrgenommen werden u. a. 4@gg) seltener bezeichnet schwelle bildlich den punkt, wo man aus etwas hinaustritt: womit könntest du dich entschuldigen, dasz du in einem so hohen alter, und so zu sagen an der schwelle des lebens, dich selbst in eine so unedle dienstbarkeit gesteckt hast? Wieland Luc. 5, 173. — ähnlich auch die schwelle der natur (?): der zorn wan er allein kumpt von natürlicher complexion, so ist es kein sünd die weill er die schwel der natur nit ubertrifft. Keisersberg narrenschiff 81c. 55) besonderheiten. 5@aa) schwellen, saxi species. Agricola bergwerkb. gloss. 5@bb) in Aachen op de schwell gohn oder schwelle 'den bauern das obst von den bäumen stehlen.' Müller-Weitz 226.
21668 Zeichen · 481 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schwêlle

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Schwêlle , plur. die -n, Diminut. das Schwellchen, ein jedes starkes horizontales Holz, welches die erste Anlage, de…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Schwelle

    Goethe-Wörterbuch

    Schwelle metrumbedingt ‘Schwell'’ 6,487 Vs 52 1 (meist aus einem erhöht liegenden Querbalken od Brett bestehender) unter…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schwelle

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Schwelle , ein auf einer Mauer oder auf Balken wagerecht liegendes Holz, auf dem sich eine Holzkonstruktion, z. B. eine …

  4. modern
    Dialekt
    Schwelle

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Schwelle das Wort ist in der Bed. »Eisenbahnschwelle« nach dem Nhd. allg.; in mdl. Bed. am reichsten im Rip, Berg, SNfrk…

  5. Sprichwörter
    Schwelle

    Wander (Sprichwörter)

    Schwelle 1. Die schwelle ist der höchste berg. (S. Dürpel und Süll.) – Tappius, 9 b u. 243 a ; Eyering, III, 538; Petri,…

  6. Spezial
    Schwelle

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Schwel|le f. (-,-n) 1 (Türschwelle) limo (limi) m. 2 ‹fig› (Beginn) scomenciamënt (-nc) m. ▬ an der Schwelle des neuen J…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schwelle

58 Bildungen · 45 Erstglied · 12 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von schwelle 2 Komponenten

sch+welle

schwelle setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schwelle‑ als Erstglied (30 von 45)

Schwelle(n)chopf

Idiotikon

Schwelle(n)chopf Band 3, Spalte 415 Schwelle(n)chopf 3,415

Schwelle(n)gericht

Idiotikon

Schwelle(n)gericht Band 6, Spalte 369 Schwelle(n)gericht 6,369

Schwelle(n)nagel

Idiotikon

Schwelle(n)nagel Band 4, Spalte 689 Schwelle(n)nagel 4,689

Schwelle(n)pflicht

Idiotikon

Schwelle(n)pflicht Band 5, Spalte 1215 Schwelle(n)pflicht 5,1215

Schwelle(n)wëbstuel

Idiotikon

Schwelle(n)wëbstuel Band 11, Spalte 325 Schwelle(n)wëbstuel 11,325

Schwellebau

DRW

schwelle·bau

Schwellebau, m. Anlegen einer ²Schwelle (I) vnsere ... verordneten ratsanwält inen ... anzeigung gäben, was jedes ort vnd gmeynd für hilf un…

schwelleiche

DWB

schwel·leiche

schwelleiche , f. quercus ad trabem domus liminarem. Frisch 2, 247 b : ein schwell eiche umb 18 groschen. Coler 2, 263 ; ein schwelleichen 1…

schwellen1

PfWB

sch·wellen1

schwellen 1 st. : 1. a. 'sich aufblähen, an Ausdehnung zunehmen, dick werden', schwelle (šwęlə, šwelə) [mancherorts ges. Pf, Höh 50 Mang 89,…

schwellen2

PfWB

sch·wellen2

schwellen 2 schw. : 1. 'Wasser aufstauen', bes. zum Bewässern der Wiesen, schwelle (šwelə, šwęlə) [mancherorts ges. Pf]; Part. Perf. g(e)sch…

Schwellenangst

LDWB2

schwellen·angst

Schwel|len|angst f. (-, ...ängste) 1 tëma da passé ite le limo (de na ciasa) f. 2 ‹fig› tëma da tó na dezijiun f.

schwellenbau

DWB

schwellen·bau

schwellenbau , m. zu dem zweiten schwelle 2: nun kannte ich das land, und kannte auch etwas vom straszen- und schwellenbau. Gotthelf bauerns…

Schwellenbeize

PfWB

schwellen·beize

Schwellen-beize f. : 'Betrieb, in dem Eisenbahnschwellen imprägniert werden', Schwellebääz [Spey]. —

schwelleneⁿ

Idiotikon

schwelleneⁿ Band 9, Spalte 1820 schwelleneⁿ 9,1820

Schwellenfeile

PfWB

schwellen·feile

Schwellen-feile f. : 'Feile für die Schwelle ', Handwerkszeug des Zwickers in der Schuhindustrie, -feil [Pirmas ( Kieffer 73) PS-Rodalb ( Be…

Schwellengeld

DRW

schwellen·geld

Schwellengeld, n. Gebühr für die Benutzung eines Stauwerks? schwöllen oder flotzgellt 1593 (Hs. 18. Jh.) SchwäbWB. V 1275 Faksimile

schwellen II

RhWB

sch·wellenii

schwellen II: 1. st. Allg., u. zwar Rhfrk -ęl-, –e-, Part. gəšwol, –u- ; Mosfrk -ę·l. [uSaar, Trier -e-, –ø- ], Part. jəšwol, –ǫ·l.ə ; Rip -…

Schwellenmeister

DRW

schwellen·meister

Schwellenmeister, m. Aufseher über ²Schwellen (II) mentag nach jacobi 1527 [bestellten Schultheiß u. kleiner Rat] einen schwellimeyster ... …

schwelle als Zweitglied (12 von 12)

Hemmschwelle

RDWB1

Hemmschwelle f (kein Bezug zu "сомнение, затруднение") порог восприятия

Schmerzschwelle

RDWB1

Schmerzschwelle f болевой порог er hat eine hohe Schmerzschwelle - он невосприимчив к боли

dachschwelle

DWB

dach·schwelle

dachschwelle , f. bei den zimmerleuten ein starker, fünfeckiger balken, dergleichen in die lager- und hauptbalken eingelassen werden, und wo…

Freundesschwelle

Wander

freund·es·schwelle

Freundesschwelle Freundesschwelle betritt nicht zu schnelle. – Philippi, I, 27. D.h. nicht zu oft hintereinander. (S. Freund 341.)

grundschwelle

DWB

grund·schwelle

grundschwelle , f. 1 1) zu grund I A 1 ( vgl. grundbalken 1 und comp.-typ. 5 a) wasserbautechnisch in verschiedenen bedeutungen; ' fachbaum …

oberschwelle

DWB

obersch·welle

oberschwelle , f. sublimen, superlimen Stieler 1694 ( s. überschwelle): da nit dis creutz .. gleich ob der oberschwellen steht. Fischart bie…

rostschwelle

DWB

rost·schwelle

rostschwelle , f. von starken balken, welche rostartig verbunden, auf eingerammten pfählen ruhend, zur fundamentierung in sumpfigem boden di…

thürschwelle

DWB

thuer·schwelle

thürschwelle , f. limen, thürschwöll Dasyp. (1556) Q 3 a , türschwelle Stieler 1694 , thürschwelle oben und unten, limen superum, inferum We…

überschwelle

DWB

ueber·schwelle

überschwelle , f. auch oberschwelle, der balken, der die thür oben deckt, s. o. th. 9 sp. 2488; von den wbb. seit dem 15. jahrh. für superli…

unterschwelle

DWB

unter·schwelle

unterschwelle , f. limen inferum Alberus ; der unterschwell Orsäus (1623) 151 ; vgl. niederschwelle th. 9, 2488, schwelle 2 b; gs. oberschwe…

Ableitungen von schwelle (1 von 1)

Geschwelle

RhWB

Ge-schwelle -šwīl Bitb-Dahlem Geichl Mettend Outschd NWeis ; -i- Prüm-Habschd ; -ø- Monsch-Kesternich ; -šwę·l. Wend-Freisen , kurköln. Neuw…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „schwelle". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 12. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/schwelle/dwb?formid=S21892
MLA
Cotta, Marcel. „schwelle". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/schwelle/dwb?formid=S21892. Abgerufen 12. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „schwelle". lautwandel.de. Zugegriffen 12. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/schwelle/dwb?formid=S21892.
BibTeX
@misc{lautwandel_schwelle_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„schwelle"},
  year         = {2026},
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  urldate      = {2026-05-12},
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