schlüssel,
m. clavis. formen: ahd. sluʒil, sluʒʒil Graff 6, 814,
mhd. slüʒʒel
mhd. wb. 2, 2, 413
a. Lexer
mhd. handwb. 2, 993,
alts. slutil (
Hel. 3073),
altfries. sletel, slotel Richthofen 1037
a,
mnd. slotel Schiller-Lübben 4, 249
a,
nnd. slötel, sltel, slött'l, slätel, slüetel,
holländ. sleutel,
nhd. schlüssel,
daneben im nassauischen schlössel Kehrein 1, 355. Schmidt
westerw. id. 193,
in Mittel- und Süddeutschland mit der aussprache schlissel Steinbach 2, 450; ain trüchele mit dreien schlissl
tirol. weisth. 4, 135, 5.
das wort fehlt im goth., angels. und nord., es ist eine frühe nur nieder- und hochdeutsche bildung aus dem doch wol ursprünglich fremden slioʒan (
vgl. oben schlieszen),
gebildet wie ahd. zuhil, zugil,
mhd. nhd. zügel
zu ziohan,
und das werkzeug zum schlieszen bezeichnend. gebrauch. 11)
im eigentlichen sinne, 1@aa)
in allitterierender verbindung mit schlosz: noch slôʒ noch slüʒʒel was dar
an. Trist. 426, 40
Maszmann. schlosz und schlüssel macht man nicht für treue finger. Simrock
sprichw. 9091. schlüssel
zum haus oder haustheilen, hof, garten, palast, kirche: dem reichen übergiebt der baumeister mit dem schlüssel des palastes alle bequemlichkeit Göthe 17, 223; der knappe des garten slüʒʒel truoc. Pleier
Garel 3201; zum garten hat jedoch den schlüssel er allein. Wieland 22, 282 (
Ober. 6, 62);
zu kloster, festung, ketten: dâ er inne ligen vant die slüʒʒel zuo den banden. er lôst im von den handen. Pleier
Garel 6135;
zu koffer und truhe, schrein, schrank, schatulle u. s. w.: der schlüssel zum koffer ist verloren. Hebbel 2, 108; ok bevelet ome de rad eynen slötel to der kesten.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 249
a; vermiszte er den schlüssel zu einer kleinen schatulle. Schiller 4, 205. der schlüssel schlieszt, paszt: wo kein schlüssel, da öffnet geduld. Wander 4, 251, 34; der schrein blickt wie aus augen ihr entgegen; der schlüssel paszt, der deckel fliegt. Grillparzer 1, 237; der schlüssel steckt: dieser merkwürdige schlüssel blieb eines sonntag morgens .. stecken. Göthe 18, 22. den schlüssel abziehen: hatte sie den schlüssel abgezogen. Thümmel (1794) 4, 400; er hat den schlüssel zur hofgartenthür abgezogen. Raimund 2, 230
Glossy-Sauer. schlüssel in wachs drücken,
um nach dem abdruck nachschlüssel anzufertigen: man sol niht slüʒʒel würchen die auf teic oder auf wahs sint gedrucket.
stadtrecht von München 355; wenn er mir seines herrn schlüssel in wachs drücken wollte. Schiller 2, 85 (
räuber 2, 3); swenne der wirt entsliefe, sân solde sie im die slüʒʒel stelen ... und in ein wachs drücken. H. v. Freiberg
Tristan 5885; jedoch lert si die lieb ein sinn, in wachs drückt sie die schlüssel ab und wurff imbs von dem schlosz hinab. darnach machet er schlüssel fein, gieng darmit zu ir ausz und ein. H. Sachs
fastn. sp. 1, 6, 189
neudruck. viele sprichwörter: rast' ich, so rost' ich, sagt der schlüssel. Höfer
wie das volk spricht5 1237,
man verlernt den gebrauch einer sache, wenn man sie nicht oft gebraucht; der schlüssel, den man oft braucht, ist immer blank. Wander 4, 250, 3; der alte schlüssel schlieszt am besten. 250, 2;
dagegen: viele schlüssel verderben das schlosz. 4, 251, 24.
man unterscheidet deutsche schlüssel,
die hohl sind und sich auf dem dorne des schlosses drehen, und die massiven französischen schlüssel. 1@bb)
als zeichen der kammerherrenwürde ist der schlüssel
von gold oder doch vergoldet, hinten am rock getragen Frisch 2, 203
b; er hat den güldenen schlüssel bekommen,
camerarius clavis aureae designatus, constitutus est Stieler 1843; so starrte nie der ehrsucht lodernd feuer im Arouet, den goldnen schlüssel an, den seine sittenlose leyer mit eines königs gunst gewann. Göckingk
lieder zweier lieb. (1779) 144. 1@cc)
ebenso ist der schlüssel
das zeichen hausfräulicher gewalt. rechtsalt. 176
fg.; deshalb die schlüssel kriegen,
hausfrau werden: wie sie (
die weiber) pflegen zu thun, wenn sie die schlüssel kriegen. Luther 4, 150
a; wie ängstlich hatte ich die alte hausmutter geschildert mit dem rocken im gürtel, mit schlüsseln an der seite. Göthe 18, 42; hörst du die schlüssel klingen? dein mutter ist nicht weit.
des knaben wunderhorn 1, 105
Boxberger. deshalb erscheinen im mittelalter auf den grabplatten bei frauen abbildungen von schlüsseln oder scheeren, vgl. Schultz
höf. leb.2 2, 474.
ähnlich, wenn der schlüssel
als das zeichen der schaffnerin oder des schaffners erscheint: vil edel küneginne,lât mich der slüʒel pflegen.
Nib. 483, 1; die mädchen sind gut und machen sich gerne was zu schaffen. da gieb nur dem einen die schlüssel zum keller, dasz es die weine des vaters besorge. Göthe 1, 341.
auch übertragen: die slüʒʒel treit si (
frau Minne) beide ze liebe und ze leide, si sliuʒet unde entsliuʒet.
gute frau 307
in Haupts
zeitschr. 2, 402; scham treit slüʒʒel reines mundes und ouch des edeln herzen grundes.
minnes. 3, 440
a Hagen. schlüssel einem nehmen,
den dienst kündigen, schlüssel zurückgeben,
den dienst verlassen: und du unflat, lang her mein schlüssel und komb mir nimmer inn mein hausz! H. Sachs
fastn. sp. 1, 42, 173
neudruck; lieber herr gott .. lasz uns doch dir die schlüssel nicht für die füsze werffen. Luther
tischr. (1568) 147
b; lasz uns dir die schlüssel nicht für die thür werffen.
ebenda. damit zusammenhängend ist die sitte, dasz eine frau, die nicht gewillt oder vermögend ist, die schulden ihres verstorbenen mannes zu bezahlen, dem toten als ihrem herrn die schlüssel,
das zeichen ihrer dienstbarkeit, zurückgibt, um damit auszudrücken, dasz sie aller ihrer verpflichtungen ledig sei (
vgl. dazu Grimm
rechtsalt. 453): item dasz ein weib nach absterben ires ehemannes, der mit schulden beladen gewesen, die schlüssel auf die baar legen und darmit von hab und guet abtreten möge. Fischer
erbf. 2, 213 (
aus Schwaben). die schlüssel auf das grab werfen,
nolle alicujus hœredem esse, war vor alters gebräuchlich, sich der erbschafft verzeihen. Frisch 2, 203
b; einem den schlüssel aufs grab legen,
des verstorbenen schulden nicht bezahlen wollen. noch jetzt ist diese formel bekannt und hin und wieder üblich Vilmar 358;
auch holländ.: slotel op t' graf legghen (op de kist) Kilian. 1@dd)
als zeichen des kerkermeisters oder schlieszers: seit dem eintritt in dieselbe (
die klause des gefangenen) hatte der kerkermeister das amt der schlüssel hier nicht wieder verwaltet. Musäus
volksm. 1, 90
Hempel; ja manche (
jungfer) hat fürwar das bund der schlüssel hangen, nicht anders als wenn kömmt thor-Märten angegangen.
jungfernanatomie bei Schultz
alltagsleb. 55.
vgl. auch schlüsselmeister. 1@ee)
als wappen erscheinen zwei gekreuzte schlüssel
von der tiara gekrönt für den kirchenstaat, in anlehnung an die schlüssel
Petri (
worüber unten): warumb füret denn der babst zween schlüssel in seinem wappen? Luther 5, 221
b;
für Bremen der einfache schlüssel: 1 schepell haueren myt den secken, dar up der stad slotell.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 249
b.
auch für Worms: so ist auch noch ein fliegender wurm oder drach der schildführer des wappens dieser stadt, welches ein schlüssel ist, den Seyfried dem riesen abgewonnen. W. Grimm
heldensage2 s. 324,
vgl. ebenda s. 329
f. 22) schlüssel
bildlich; von festen orten, die den zugang zu einem ganzen land gewähren: dat slot (
Gottorp) was ein slötel unde ein bewaringe des gantzen koninckrikes to Denemarken.
quelle bei Schiller-Lübben 4, 249
b; disse statt und schlosz seind ein schlüssel in das Westrich. Seb. Münster
cosm. 322; belagerte Eger, den schlüssel zu diesem königreich. Schiller 8, 409; da er (
der Türk) denn auch eröbert hat, .. Rab, vielen leuten wolbekandt, den schlüssel zu dem deutschen landt. Ringwaldt
laut. wahrh. (1597) 7. schlüssel zum himmel: wenn du keinen schlüssel zum himmel hattest, warum musztest du mich der erde entführen? Schiller 4, 37; der schlüssel des künftigen himmels, wofür Muhammed das schwert erklärte. J. Paul
dämm. 54;
von Christus: der himmel ward aufgeschlossen durch gotes schlüssel klar, Maria ist der garten da der schlüssel gewachsen war. Liliencron
deutsches leb. im volksl. 17, 8. schlüssel zum herzen,
gefühl, neigung, liebe, vertrauen öffnend: minnen slüʒʒel kurteis!
Parz. 748, 30;
gesell. laszt mich doch meiner trew genieszen und thut mir ewer hertz auffschlieszen!
magd. ey botz ich hab den schlüssel verlorn. H. Sachs
fastn. sp. 1, 38, 59
neudruck, mit dem goldnen schlüssel des vertrauens hat ihr herz die liebste mir erschlossen. Rückert 1, 389 (1882); der kassenschlüssel sey der schlüssel zu den herzen. Wieland 10, 229; ein goldener schlüssel öffnet herz und schüssel. Wander 4, 250, 9;
gedanken, pläne erschlieszend: sie (
die erfahrung seiner selbsten) ist der schlüssel das hertze andrer aufzuschlieszen und blosz zu geben.
discurse d. mahlern 1, 17; in herzen ligt gedanch besloʒʒen gar mit guoter tür, daʒ sloʒ wirt aufgesloʒʒen ganz mit rehter rede slüʒʒel. K. v. Megenberg 1, 3; weit offen liesz ich des gedankens thore, und warf die schlüssel weiser vorsicht weg. Schiller 12, 309 (
Wallenst. tod 3, 18). schlüssel zur ehre: den schlüssel zur ehre darf man nicht verborgen. Wander 4, 250, 1; wenn ich den schlüssel zu meinem weiblichen heiligthum an dich vertändle. Schiller 3, 124 (
Fiesko 4, 12). schlüssel zur freude: wer kan nu den slüʒʒel vinden, der mir vröude entslieʒen sol.
minnes. 1, 292
b Hagen; schlüssel zur vollkommenheit: scham ist ein slüʒʒel aller sælikeit. 3, 93
a.
als bild des zugangs zu etwas, in sprichwörtern: wozu jeder den schlüssel hat, das ist schwer zu verwahren. Wander 4, 251, 35; er hat den schlüssel ins feld. 252, 46 (
er kann hingehen, wohin er will); der goldene schlüssel,
das gold, das zu etwas verhilft, etwas erschlieszt: ein goldener schlüssel öffnet alle schlösser. 4, 250, 6; ein goldener schlüssel öffnet das höllenthor. 8;
auch mittel zu etwas: daʒ ander ampt ist, daʒ si (
die zunge) der rede slüʒʒel ist, wann kain mensch gereden mag ân die zungen. K. v. Megenberg 14, 28. 33) schlüssel,
sinnbildlich für macht, insofern er sowol gewährt wie verwehrt: schlüssel übergeben,
potestatem facere, muneri praeficere, schlüssel nehmen,
ordine removere, dejicere aliquem Stieler 1843; die schlüssel der stadt einem entgegen tragen,
recognoscere potestatem ejus tamquam superioris Frisch 2, 203
b; in unterwürfigkeit, mein herr und kaiser, bring ich die schlüssel euch der stadt von Wien, .. mein amt, ich leg' es mit den schlüsseln ab. Grillparzer 5, 96
daher die schlüssel suchen,
macht über etwas zu erlangen trachten: zuvor, dann ich diese wirde erlangt, sucht ich die schlüssel zum kloster, nun aber ich sie funden, hab ich mich fürter dieser unnützen müh ledig geachtet. Kirchhof
wendunmuth 1, 488
Österley. etwas unter seinem schlüssel haben,
in seiner gewalt: als ob er sie (
die weiber) in einem einzigen harem unter seinem schlüssel gehabt hätte. Wieland 8, 428; so ergib ich mich ân allen strît gevangenlîche in dînen rât: dîn gebot den slüʒʒel hât. Wolfram
Willeh. 159, 30; unterworfen ist alles, unterm schlüssel eines weibes. Schiller 12, 481 (
M. Stuart 2, 8);
vergl. dazu: die schlüssel hängen nicht alle an einem gürtel. Wander 4, 250, 4;
nd. de slottelen en hangen nicht (al) an eines wywes êrse. Tunnicius 379; solt ich pflegen der zweier slüʒʒel huote, dort ir lîbes, hie ir tugent, disiu wirtschaft næme mich ûʒ sendem muote. Walther 93, 36.
in der bibelsprache, schlüssel des himmelreichs,
die gewalt darüber: und ich will dir des himelreichs schlüssel geben, alles was du auff erden binden wirst, sol auch im himel gebunden sein, und alles was du auff erden lösen wirst, sol auch im himel los sein.
Matth. 16, 19; thir willu ih geban innan thessluʒila himiles, thaʒ thu waltes allesthes selben inganges. Otfrid 3, 12, 37. die schlüssel Petri,
das symbol für die macht über das himmelreich: saget ir uns, daʒ er (
der papst) sant Pêters slüʒʒel habe. Walther 33, 3. die schlüssel üben,
das amt der schlüssel üben: an stat der rechten sünde uben sie die schlüssel an eitel ertichten falschen sünden. Luther 5, 230
b; die schlüssel übt er wie sanct Peter, das untre so das ohre schlieszt er auf. Göthe 41, 96. die schlüssel der kirche,
die gewalt, ihre angehörigen zu ihren gnadenmitteln zuzulassen oder davon auszuschlieszen, daher amt der schlüssel,
im kirchlichen sinne: da man doch von der idee des priesterthums und des amts der schlüssel zurückkömmt. Fr. Nicolai
im leben desselben von Göckingk 112;
eine eigene schrift: von den schlüsseln. Luther 5, 217
b; der schlüssel bindet vergangne sünde. 218
b; und ist der schlüssel ampt hohes göttlichs ampt, das den seelen von sünden und tod, zur gnaden und leben hilft, und gibt inen die gerechtigkeit, on allen verdienst der werck, allein durch vergebung der sünden. 219
a; diese zween schlüssel: der bindeschlüssel ist die macht oder ampt den sünder (so nicht büssen wil) zu straffen mit einem ordentlichen urteil zum ewigen tod durch absonderung von der christenheit .. der löseschlüssel ist die macht oder ampt, den sünder, so da bekennet und sich bekeret, los zu sprechen von sünden, und ewiges leben wider zu verheiszen. 235
a; ja alle sünde (keine ausgenomen) sollen Petro oder dem schlüssel unterworffen sein. 236
a.
auch schlüssel der hölle: ich bin lebendig von ewigkeit zu ewigkeit, und habe die schlüssel der helle und des tods.
offenb. 1, 18; und ich sahe einen engel vom himel faren, der hatte den schlüssel zum abgrund. 20, 1,
vgl. 9, 1;
zur geisterwelt, name eines zauberbuches schlüssel Salomonis,
clavicula Salomonis: sie (
die buhler) bewerben sich üm allerhand verbotene stüklein; zauberey und schwartzkünste, üm den ring Gygis, üm den schlüssel Salomonis, üm den stein der weisen. Butschky
Pathmos 249; für solche halbe höllenbrut ist Salomonis schlüssel gut. Göthe 12, 67. 44)
in erweitertem sinne, von dem, was richtiges verständnis, gewollte auffassung erschlieszt. 4@aa)
in der musik, das zeichen vorn auf den linien, vermittelst dessen man erkennen kann, welchen ton jede note bezeichnet, c-schlüssel, f-schlüssel, g-schlüssel; tenor-, sopran-, baszschlüssel,
u. a.; bildlich: iegelîch vogel sanc in sîner wîse, einer hôch, der ander niderie nâch der slüʒʒel leite.
jüng. Titurel 373, 1; welches warlich nit wol stimmen würde, wiewol wir sonst vil gute chorbassirer auf unser seiten haben: dann sie würdens uns ausz einem anderen clave machen, welche unsere schlüssel weit uberklingen und uberstimmen würde. Fischart
bienenk. 49
a.
zweideutig: Ulyss. sie spielt euch jedem auf beim ersten anblick.
Thers. und jeder spielt sie vom blatt, wenn er den schlüssel weisz; sie ist notiert.
Shakesp. Troil. u. Cress. 5, 2 (
vgl. unten 5,
c, γ). 4@bb)
bei einer geheimschrift das verzeichnis der geheimen zeichen und ihre erklärung: die beantwortung der österreichischen zollsommation von seiten Preuszens ist in ermangelung des chiffreschlüssels des herrn v. Bismarck verschoben.
schles. zeit. vom 17.
oct. 1864. 4@cc)
übersetzung aus einer sprache in eine andere, aus einer schrift in die andere, zur erleichterung des lernenden oder lehrenden, besonders bei schulbüchern gebräuchlich. 4@dd)
erklärung eines geheimnisses, schlüssel zu einer sache,
medium detegendi secretum, ratio solvendi aenigmata, modus penetrandi ad obscuriora, explicandi occulta Frisch 2, 203
b: geheimnisvoll, doch zeig' ich euch den schlüssel. Göthe 41, 38;
deshalb werden methoden, auf chemischem wege etwas geheimes herzustellen, auch chemische schlüssel
genannt: philosophischer haupt-schlüssel über
F. Basilii Valentini seine 12. chymische schlüssel.
verlagsanzeige vom j. 1743
hinter dem 4.
theil der insel Felsenburg. 4@ee)
allgemein, das verständnis von etwas erschlieszend: denn ir den schlüssel des erkentnis habt.
Luc. 11, 52; darumb nennet er in auch den schlüssel des erkentnis oder zum erkentnis, das er dienen solle zum erkentnis. Luther 5, 229
b; ich will ihnen den schlüssel zu dem, was sie hören sollen, gleich voraus geben. Lessing 1, 454; schlüssel liegen im buche zerstreut, das räthsel zu lösen. Göthe 1, 333;
in ausgeführtem bilde: ihr instrumente freilich spottet mein mit rad und kämmen, walz' und bügel: ich stand am thor, ihr solltet schlüssel sein; zwar euer bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die riegel. 12, 42.
zu naturerscheinungen: weil die naturerscheinungen gegenstände sind, .. zu denen .. der schlüssel nicht in uns und unserem reinen denken .. liegt. Kant 2, 382;
zur philosophie: dise zwen schlüssel (
typica und physica) braucht man allermeist inn den schulen und klöstern, und holt darmit wunderliche scharffsinnige philosophey und speculation ausz eim winckel. Fischart
bienenk. 69
b;
zu einem werke, schriften: darumb ists ein grosze tohrheit an disen eigenwilligen ketzern, dasz sie mit jrem einigen schlüssel vermeinen alle ding klar zu haben, und darmit die schrifft allein on behülff der andern auszzulegen. 70
a; der eintzige schlüssel eines moralischen werckes .. ist der lasterhaffte oder der ehrliche mensch.
discurse d. mahlern 1, 20; die anekdote ... ist mir ein schlüssel zu allen seinen werken. Göthe 18, 289;
zu dem betragen eines menschen: aus dem oben berührten beweggrunde, welcher der schlüssel zu seinem ganzen betragen gegen unsern helden ist. Wieland 3, 33; in diesen worten, dünkt mich, liegt der schlüssel zu Hamlets ganzem betragen. Göthe 19, 75,
vergl. 21, 161;
zu plänen: und damit sie den schlüssel zu all meinen entwürfen, zu unsrer ganzen künftigen glückseligkeit haben — la Fare ist arm. Lenz 1, 243. 55) schlüssel,
von schlüsselähnlichen gegenständen. 5@aa)
verschiedene arten von hebeln: bei der uhr dazu dienend, das räderwerk aufzuziehen; bei tonwerkzeugen bestimmt, die saiten zu spannen oder zu stimmen Stieler 1843,
z. b. bei klavier, zither, harfe; auch die tasten selbst: bei einigen werden die tasten (
auf dem klavier) schlüssel genannt, weil sie durch ihre berührung der seiten den laut gleichsam aufschlieszen. Mattheson
generalbaszschule 69;
sprichwörtlich: er hat den rechten schlüssel zur harfe gefunden. Wander 4, 252, 45;
drücker oder zunge der armbrust: mit der hant druckte er den sluʒʒil und snalt im ab den druʒʒil, daʒ er tôt aldâ belac. Nic. v. Jeroschin 11847. schraubenschlüssel,
zum anziehen oder lösen der schrauben Karmarsch-Heeren
3 7, 797;
im bergbau, ein an beiden enden nach entgegengesetzter richtung doppelt gebogner haken, womit das oberstück oder der anfangsbohrer von dem mittelstücke eines bergbohrers an- und abgeschraubt wird Jacobsson 3, 634
b;
bei einer wassersäulenmaschine dasjenige werkzeug, wodurch man den wendungshahn öffnet und zuschraubt. ebenda; eine mit einem öhr versehene eiserne schiene, um den bohrer fester und sicherer fassen und drehen zu können Veith 423;
instrument des wundarztes, ein werkzeug zum trepanationsapparat gehörig Jacobsson 7, 244
b,
des zahnarztes zum ausziehen der zähne, des schriftgieszers. ebenda, des kupferdruckers, um die schrauben der presse anzuziehen. 3, 634
b;
bei schlossern und wagnern eine art hobel, zum anziehen von schrauben Campe;
beim nadeltelegraphen eine drehbare welle von holz, die der telegraphist nach erfordernis nach rechts oder links dreht Karmarsch-Heeren
1 1, 691. 5@bb)
verschiedene gegenstände, die irgendwie zum schlieszen einer sache verwandt werden: bei pfeifen bewegliche verschluszstücke der pfeifenlöcher, die man mit den fingern nicht bedecken kann Jacobsson 3, 634
b;
beim schlachter ein metallstab, der in einen ring endet, beim füllen der därme angewandt; beim schuster, besonders in Schlesien, ein keil, welcher zwischen die zwei hälften eines zerschnittenen leistens getrieben wird, einen schuh damit weiter zu machen Adelung;
im schiffsbau, auf den schlüsseln, welches stücke sind, die zwischen den balkenköpfen dicht gegen den bord an fest sind Jacobsson 5, 228
a;
bei den zimmerleuten ein querbalken, der in zwei andere balken winkelrecht eingezapft wird Eggers
kriegslex. 2, 1005;
in der schifffahrt, eine befestigung der an ein segel angereihten streifen segeltuchs Campe;
ein gerät bei der winterfischerei in Masuren Frischbier 2, 291
b. 472
a;
beim gewehr 88
ein widerlager, das nach entfernung des verschluszkopfes vorn auf das schlosz gesetzt wird, um das schlosz bequem auseinandernehmen zu können. 5@cc)
besonderheiten: 5@c@aα) schlüssel,
acker-, wiesen-, waldstück, das eine gewisse ähnlichkeit mit einem schlüssel hat, rechtwinkeliger ausschnitt aus einem ackerfeld, auch oft name von gemarkungstheilen, in Nassau Kehrein 1, 355,
dann auch doppelter schlüssel Schmidt
westerw. id. 193; ein stugk acker hatt ein schlussel zwischen den zweyen enckwegen. Dief.-Wülcker 841 (
von 1594);
der name Schlüsselfeld
für einen ort in der nähe von Nürnberg d. städtechr. 2, 112. 182. 5@c@bβ)
strafinstrument, zum brandmarken: den deev schall men ... mit einem glöenden slotel an sin ene led bernen. Haltaus 1637; inde mit dem schluissel richten. Scherz-Oberlin 2, 1420. 5@c@gγ)
in der bedeutung penis als schlüssel der vagina in Süddeutschland: imago verendorum virilium, quam imaginem laici solito vocabulo clavem solent appellare Schmeller 2, 537;
auch in Preuszen: er hat sich den schlüssel verdreht,
er ist siphylitisch Frischbier 2, 291
b.