schimmern,
verb. micare, coruscare Schottel 1399,
nitere Stieler 1756; schimmern, blincken, funkeln, einen kleinen blitzenden schein geben, als geschliffene edelgesteine mit ihren kleinen glatten flächen, als sterne
die wie puncte leuchten,
micare, coruscando micare, radiare, scintillare Frisch 2, 183
a.
eine intensivbildung zu schimmen (
s. daselbst),
das mit scheim,
alts. scimo (
s. unter schim), schemen,
altn. skimta, schimmel
und weiterhin schein, scheinen, schier
zu der wurzel skî-,
leuchten, gehört, vergl. die angezogenen wörter. dieselbe bildung liegt vor in schwed. skimra,
ags. scimrian Bosworth-Toller 832
b,
mittelengl. shimeren,
neuengl. shimmer,
vgl. Skeat 548
a und Kluge 302
a.
im nd. findet sich das wort mit dem vocal e (
aus älterem i,
vgl. and. scimeringe
crepusculum Graff 6, 512)
und in abweichender bedeutung: mnd. schemeren
schattig, dunkel sein oder werden, umbrare Schiller - Lübben 4, 69
b,
und so auch im neund., meist von der (
morgen- oder abend-)
dämmerung oder vom flimmern vor den augen, häufig mit der nebenform schummern,
s. brem. wb. 4, 634. Dähnert 403
b. Schambach 182
b,
westf. schiemern,
vom tagesanbruch Woeste 228
b.
dieses selbe schemmern,
zu dem hinsichtlich der bedeutung schemen
zu vergleichen ist, findet sich nach Weigand 2, 576
im 15.
jahrh. auch md. dem ältern hd. ist das wort vollkommen fremd; es begegnet zuerst bei Luther (
vgl. die belege) und fehlt noch in den wörterbüchern vor Schottel.
gleichwol ist die annahme einer entlehnung aus nd. md. schemmeren
wegen des abweichenden vocals und der gänzlich verschiedenen bedeutung, zumal angesichts der zum hd. stimmenden engl. und schwed. wörter, abzuweisen, wenn auch das nd. die entwickelung der bedeutung beeinfluszt haben wird (
s. unten 4. 5. 7). 11)
zur bezeichnung eines leuchtenden, meist zitternden glanzes. von lichtquellen: wenn die sterne schimmern,
quando stellae vibrant Steinbach 2, 414; so schimmert dann das fewer dein. Uhland
volksl.2 526 (258, 4); dem sonne, mond und stern stets unbewundert schimmert. Wieland 18, 130; rothes sternlicht schimmert hindurch dazwischen der schreitenden fliegendem haar. Herder
z. litt. 8, 8; der mond ist's, so der wolk' entrollt, ins kirchenfenster schimmert. Hölty 174
Halm; schimmernd tritt er (
der genius dieses tages) aus der nacht wie der erdensöhne keiner. Schiller 4, 6; so sieht ein licht er schimmern. Chamisso 1, 206
Koch; sieh auf den bergen die schimmernden lichter. Ludwig 1, 21.
von andern hellglänzenden gegenständen, wie edelsteinen, metallen: das gold schimmert,
aurum micat; die schwerter schimmern,
micantes fulgent gladii Steinbach 2, 414; becher, so von edelgesteinen schimmern; waffen, die mit perlen schimmern; sein kleid schimmert von golde. Stieler 1756; wenn jr zu felde ligt, so glentzets als der tauben flügel, die wie silber und gold schimmern.
ps. 68, 14; wie der gülden zeug schimmert. 2
Macc. 5, 3; sie nickte ihm noch einmal von ihrem zierlichen sitze freundlich zu, und bald war die ganze schimmernde erscheinung in der nacht verschwunden. Eichendorff (1864) 3, 116; in einem schnell umgeworfenen schimmernden jagdkleide. 135; und felsen schimmern hoch auf dem Harz besonnt, und flimmern von spat und quarz. Göckingk 1, 203; sie sah ihn im glänzenden stahl, der schimmert zum brande der sterne. Herder
z. litt. 8, 8; schimmre glas auch in des königs krone. 9, 149; es glänzt der saal, es schimmert das gemach. Göthe 18, 233; und sammelt im reinlich geglätteten schrein die schimmernde wolle, den schneeigten lein. Schiller 11, 309; denn der thron der könige, der von golde schimmert, ist das obdach der verlassenen.
prolog 3;
mit zusatz in die augen schimmern
u. ähnl.: als bey dem ersten morgenstrahl ... ein schlosz von hell poliertem stahl ihm fernher in die augen schimmert. Wieland 18, 246; doch die thürme von Toulouse schimmern meinen augen schon. Thümmel
reise 6, 325;
mit angabe der farbe: roth schimmern,
rutilare Steinbach 2, 414; hingesenkt vor die wangen des haupts hellschimmernde schleier. Voss
Od. 1, 335.
häufig mit beziehung auf die weisze farbe: bisz sie einem sehen das weisz in augen schimmern. Kirchhof
milit. discipl. 157; da aber der teufel in einem augenblick ihren milchweiszen, vollen, schimmernden und hebenden busen aufdeckte. Klinger 3, 88; hals und arme schimmerten weisz durch die nacht. Grillparzer
4 11, 224. 22)
häufig in freierer verwendung. von personen mit übergang in die bildliche bedeutung: sey jener (
satan) der erste meiner besiegten, durch den, als der götter obermonarch, ich (
Adramelech) schimmre! Klopstock
Mess. 2, 878; und (
Gilbrich) ward ein schimmernder krieger um sold und um gewinn. Kretschman 1, 68; morgens eh der tag anbricht ... fehl' ich mein liebchen nicht, das wie morgen schimmert. Herder
z. litt. 8, 30.
in ausgeführterem bilde: wo man so sehr auf die erfindung und schilderung historischer charakter erpicht ist, und anstatt in handlungen zu reden, das gemählde mit schimmernden colorit beschwert. Möser
patriot. phant. 1, 65; wie bescheiden (
erscheint nicht) der grosze gelehrte, der .. die fackel der aufklärung über welttheilen schimmern liesz, neben dem dumpfen pedanten, der seine quartbände hütet? Schiller 3, 510; diese knabenjahre hatten einen dunkeln spiegel in händen, in dem die dämmernde perspektive seiner kinderjahre zurücklief — und in dieser entfernten zauber - nacht stand schimmernd Dahore. J. Paul
Hesperus 1, 46.
in mannigfachen übertragenen gebrauchsweisen: die tugend schimmert auch im tunkeln,
virtus lucet in tenebris. Stieler 1756; hinwider ist keiner so gering und bösz, es musz ie ein tugend an im herfür schimmern. Kirchhof
wendunm. 1, 283
Österley (1, 228); in allen (
stücken Marivaux') der nehmliche schimmernde, und öfters allzugesuchte witz. Lessing 7, 80; wiewohl diese meinung .. seit undenklichen zeiten zu so vielen schimmernden gegensätzen (
wir würden sagen blendenden antithesen) und spruchreichen deklamazionen anlasz gegeben hat. Wieland 14, 286; welche gelegenheit zu schimmernden gedanken, und feinen sprüchen! 323; wenn ein volk sich einmal aus der edeln einfalt in das mehr schimmernde verloren hat. Lichtenberg 1, 256; ich sehe den mann voll schimmernden hofnungen, voll fürstlicher ansprüche zu meiner weinenden puppe herunter sinken. Schiller
Fiesko 4, 10
bühnenbearb.; wenn die schimmernden thaten der ruhmsucht .. auf unsere bewunderung anspruch machen.
werke 7, 7; der glanz des kaiserlichen nahmens machte ihn (
den römischen kaiserthron) schimmernd. 9, 238; dasz sich der kardinal von Lothringen mit dem gröszten nachdruck des colloquiums annahm, bey welchem er zugleich durch seine theologische wissenschaft und seine beredsamkeit schimmern wollte. 277; augenblick! der nur in der ewigkeit wiederholt wird, schimmere nicht so stark, damit ich es ertragen kann! J. Paul
Hesp. 3, 238; ich tröstete ihn darüber mit der herrlichen entschädigung, dafür mit eignem wizze schimmern zu können.
litterar. nachl. 4, 78; vergnügt auch ohne schimmernd glück. Uz 33, 24
Sauer. 33)
dichterisch mit acc. der wirkung: ihr name hätt' im feldpanier den rittern muth geschimmert. Bürger 16
b. 44)
von einem schwächeren lichte, wie dem der morgen- oder abenddämmerung: seine phantasierende aufmerksamkeit auf den schimmernden morgen. J. Paul
Hesp. 2, 87; wo an der wand die todtenkränze manches verstorbenen mädchens schimmern. Hölty 109
Halm; durch die reichen blätterkränze schimmert seinen abschied dort das abendroth. Körner 1, 108
Hempel. bildlich: ich brenne nicht für ihn. keine flamme umglüht mein herz. sanft schimmert's nur in meinem busen. Klinger 2, 190; dann will im innersten die stille freude in stillen kummer zerrinnen und schimmert traurig in diesem, wie der mond in den regenbogen, den die nacht aufrichtet. J. Paul
unsichtb. loge 3, 5; wo keines wiedersehens ferne hoffnung schimmert, schmerzt der abschied. Platen 331
b. 55)
im nd. hat schemeren
gradezu die bedeutung '
dämmern' (
vgl. oben): den avendt, do idt begunde tho schemeren.
quelle bei Schiller - Lübben 4, 69
b;
sprichwörtlich: he let schemmern (
abend werden) un dagen,
läszt es gehen, wie es geht, s. ebenda. brem. wb. 4, 634.
doch auch ikk sagg so wat schemern,
ich sah etwas, das ich im dunkeln nicht erkennen konnte. Dähnert 403
b. 66)
häufig sagt man schimmern
vom feuchten glanze der augen: die augen schimmern ihm im kopfe,
lucem jaculantur oculi. Stieler 1756;
vergl.: enthüll' der augen schimmernden krystall. Grillparzer
4 3, 233;
meist als ausdruck eines affektes: er konnte die guten seelen um ihn nur mit liebenden schimmernden augen anblicken, diese noch schimmernder wegwenden und nichts sagen. J. Paul
Hesp. 2, 93
f.; Viktor bat sie mit schimmernden augen um den brief. 175; das auge schimmert vor freude
u. ähnl., dichterisch auch schimmert freude: deine augen schimmern des feigen tückische freude. Klinger 2, 421; ein zartes freulein fein, der angesicht ausz freuden schimert.
fastnsp. 264, 23; im auge schimmert eine thräne, schimmert gefühl
u. ähnliche wendungen: trauer überzieht ihr gesicht ... und eine thräne schimmert in ihrem auge. Schiller 4, 340; die gefühle deines herzens schimmerten in dem süszesten, lüsternsten feuer der dir noch unbekannten gottheit (
der liebe) aus den augen. Klinger 10, 37; sein herz schimmerte durch seine augen mit so vieler dankbarkeit und unschuld, dasz sich Rose in nichts irren konnte. 70; in Fanno's augen schimmerte jenes glück, das wir nur in den schönen tagen der reinen unschuld fühlen. 127. 77)
in andern fällen bezeichnet schimmern
auch eine schwäche der augen, wo man undeutlich sieht oder blinzelt: ich sehe übel, die augen scheimern mir,
caecutio, caligant oculi. Apherdian. 188
bei Frisch 2, 183
a; dey meyster spreken, de dyt crut (
lactuca) vele ete, dat ome de oghen dar von schemeren. Schiller-Lübben 4, 69
b; katzen .. sehen bey der nacht, beim tag blintzen oder schimmern sie. Heerbrand
ketzer katzen (
Tüb. 1559) 102; schiemerstu, so setze den beryll auf,
si caecutias sume conspicillum. Apherdiani
tirocin. (1580) 14,
s. Frisch 2, 183
a; mer ic meen, hem schemerden doghen, also hi ons sach van boven int dal.
Rein. 6372.