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Sattel

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Campe
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17 in 15 Wb.
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Eintrag · Campe (1807–1813)

Sattel Der

Bd. 4, Sp. 35b
Der Sattel, — s, Mz. die Sättel, ein Ort, wo man sitzt, ein Ding, auf welchem man sitzet und in weiterer Bedeutung, auf welchem etwas ruhet. Ehemahls gebrauchte man es von einem jeden Sitze. S. Sessel und Siedel. So ist der Sattel noch im Bergbaue ein Sitz, auf welchem ein Mann sitzen und in die Grube gelassen werden kann. I Österreichschen versteht man unter Sattel zwei rund ausgeschnittene Stücke Holz, auf welchen ein Faß im Keller liegt, dergleichen Unterlage für mehrere Fässer zugleich ein Ganter heißt. Jetzt gebraucht man dies Wort nur noch 1) von dem meist gepolsterten Sitze, welchen man einem Pferde oder andern Thiere auflegt und aufschnallt, um bequem darauf zu reiten. Ein Pferd mit Sattel und Zeug. Einem Pferde den Sattel auflegen, abnehmen. Einen aus dem Sattel heben oder werfen, bei den ehemahligen Ritterkämpfen, seinen Gegner mit der Lanze vom Pferde stoßen, uneigentlich, ihn durch Geschicklichkeit, Geschwindigkeit oder List überwinden, oder eines Vortheils berauben. Fest im Sattel sitzen, seinen Vortheil sich nicht nehmen lassen, seiner Sache gewiß sein. Sich in den Sattel schwingen, uneigentlich, sich durch seine Geschicklichkeit  einen Vortheil verschaffen. Einem in den Sattel helfen, ihm zu einem Vortheile, zu einem Amte behülflich sein. I alle Sättel gerecht sein, sich in alle Umstände zu fügen wissen, auf alle Fälle passen. † Sich auf den Sattel legen, in der Oberlausitz, müßig leben. Ein Reitsattel, Pferdesattel, oder Sattel schlechthin, ein Saumsattel. Ein Deutscher, Englischer, Polischer Sattel. Ein Tummelsattel, Kleppersattel, Quer= oder Weibersattel. 2) Uneigentlich werden eine Menge von Dingen und Theilen an Werkzeugen, die Ähnlichkeit mit einem Sattel haben oder auf welchen ein anderes Ding sitzet oder ruhet, Sattel genannt. So heißt das sattelförmige Dach, welches das äußere Räderwerk einer Panstermühle bedeckt, der Sattel, eben so die auf beiden Seiten abhängige Bedeckung eines Bäres oder gemauerten Wehres; auch der Eselsrücken. Ferner heißt, wegen Ähnlichkeit in der Gestalt, das Gewölbe in einer Malzdarre, welches auf den Seitenmauern ruhet, der Sattel. Aus ähnlichem Grunde wird sowol eine Art Austern der Sattel, Englischer oder Polischer Sattel, s. Sattelmuschel, als auch eine Bohrmuschel, die sich an andere Körper anhängt, Sattel genannt (Anomia ephippium L); auch Klebauster, weiße Zwiebelschale, und, weil sie dünn und durchscheinend ist, Fensterladen. I der Zerglk. ist der Sattel oder das Sattelbein (Sella equina) ein Theil des siebförmigen Beines am Schädel, welches mit der dazwischen liegenden Höhle einem Pferdesattel ähnlich ist. I Bergbaue nennt man an den Kunstgestängen das Stück harten Holzes mit einem Loche in der Mitte, durch welches eine Spindel gesteckt wird, damit es sich mit dem darauf liegenden Kunstgestänge hin und her bewegen könne, den Sattel. I den Hüttenwerken ist der Sattel ein eisernes auf beiden Seiten erhobenes Werkzeug, worauf die Kupfer gelegt werden, wenn sie zerbrochen werden sollen. Die Glaser verstehen darunter ein vierkantiges und vorspringendes Stück von hartem Eisen in der Mitte der beiden Wände des Ziehwerkes. I Mühlenbaue wird das runde Holz des Gerüstes, worin der Zapfen des Mehlbaumes stehet und in welchem das ganze Gebäude der Mühle umgedrehet werden kann, der Sattel genannt. Ein kurzes Quer= oder Deckelholz, womit die Köpfe zweier Pfähle oder Sparren beim Sielenbaue zusammengeheftet werden, führt ebenfalls den Namen Sattel. Bei den Tischlern ist er ein Klötzchen am Knechte derselben, welches hoch und niedrig gehängt werden kann, und auf welchem das eine Ende des Brettes, welches bearbeitet wird, ruhet, während das andere Ende fest geschraubt ist. Bei den Tuchbereitern ist der Sattel ein Galgen von Holz, der die Tuchschere in ihrer Lage erhält. An den Kupferdrukkerpressen führen die vier Büchsen, worin die beiden Walzen mit ihren Zapfenenden ruhen und deren ausgeschweifte Ecken mit Eisenblech überzogen sind, den Namen Sättel. Bei den Schriftgießern ist der Sattel derjenige Theil des Gießwerkzeuges, auf welchem die Schriftmutter ruhet. Bei den Kahnbauern ist der Sattel eine Erhöhung mitten auf dem Sparrblocke, in welchen ein viereckiges Loch gehauen wird, den Fuß des Mastes einzusetzen. An den Wälschen Nüssen heißt die Scheidewand, welche den Kern in vier Theile theilet, der Sattel, auch der Butzen. Die Vogelsteller verstehen unter dem Sattel eine Art des Vogelfanges, da mit Schlingen von Pferdehaaren auf einer lebendigen Taube nach den Raubvögeln gestellet wird, welches sie auf dem Sattel fangen nennen. I gemeinen Leben nennt man auch eine breite Erhöhung auf der Nase einen Sattel. I weiterer uneigentlicher Bedeutung nannte man ehemahls auch einen Sitz auf dem Lande, d. h. ein Wohnhaus mit dazu gehörigen Ländereien, einen Sattel. So heißt in der Kärnthischen Gerichtsordnung: den Kläger in den Sattel weisen, ihn in den Besitz des Gutes setzen.
4922 Zeichen · 43 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    sattel

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    sattel- s. satel-.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sattel

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Der Sattel , des -s, plur. die Sättel, ein Ort, wo man sitzet, ein Werkzeug oder Gestell, worauf eine Person oder ein Di…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Sattel

    Goethe-Wörterbuch

    Sattel -t- GB2 1 ,86,2 1 (mit Halterungen für Gepäckstücke versehene) Sitzvorrichtung auf einem Reittier (Pferd, Esel bz…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Sattel

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +2 Parallelbelege

    Sattel , in der Geographie soviel wie Einsattelung, s. Gebirge , S. 407; in der Geologie, s. Schichtung . – Bei Geigen- …

  5. modern
    Dialekt
    Sattel

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Sattel [Sàtl fast allg.; Sâtl K. Ingenh. ] m. 1. Sattel des Pferdes. E Ross üngerm S. han reiten, wenn der Ggs. zum Fahr…

  6. Sprichwörter
    Sattel

    Wander (Sprichwörter)

    Sattel 1. Auf eigenem Sattel reitet man am besten (sicher). Daher sagen die Araber: Reite nicht auf dem Sattel deines Na…

  7. Spezial
    Sattel

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Sat|tel m. (-s, Sättel) 1 (Reitsattel) sela (seles) f. 2 (Packsattel, Saumsattel) bastin (-s) m. 3 (an Fahrrädern, Motor…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sattel

216 Bildungen · 184 Erstglied · 31 Zweitglied · 1 Ableitungen

Zerlegung von sattel 2 Komponenten

sat+tel

sattel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

sattel‑ als Erstglied (30 von 184)

Sattel'ungeld

DRW

Sattel'ungeld, n. Kompositum? Handelsabgabe, die vom Sattler zu zahlen ist hain ich entfangen ... von dem sadel ungelt, ussginge a. (14)53, …

Sattelkuh

SHW

Sattel-kuh Band 5, Spalte 75-76

sattel als Zweitglied (30 von 31)

Būre(n)sattel

Idiotikon

Būre(n)sattel Band 7, Spalte 1437 Būre(n)sattel 7,1437

Frau(w)e(n)sattel

Idiotikon

Frau(w)e(n)sattel Band 7, Spalte 1437 Frau(w)e(n)sattel 7,1437

Fróschsattel

Adelung

frosch·sattel

Der Fróschsattel , des -s, plur. die -sättel, eine Art Sättel ohne After, hinten und vorn mit kleinen Bäuschen von sämisch garem Leder oder …

fuhrsattel

DWB

fuhr·sattel

fuhrsattel , m. ein sattel, der einem der dem wagen vorgespannten pferde aufgelegt wird oder ist, damit der fuhrmann oder fuhrknecht auf die…

Hundssattel

Adelung

hunds·sattel

Der Hundssattel , des -s, plur. die -sättel, ein Nahme sehr haariger Raupen, welche in Niedersachsen Hundesporen, und schon bey dem Raban Ma…

Krǖzsattel

Idiotikon

Krǖzsattel Band 7, Spalte 1437 Krǖzsattel 7,1437

Manne(n)sattel

Idiotikon

Manne(n)sattel Band 7, Spalte 1437 Manne(n)sattel 7,1437

packsattel

DWB

pack·sattel

packsattel , m. , mnl. packsadel ( Kilian 390 b ), sattelähnliche vorrichtung zum tragen einer last für saumthiere. Ludwig 1372 : hier werde…

pferdesattel

DWB

pferd·e·sattel

pferdesattel , m. sattel des pferdes: den ritt versucht' ich, ob es möchte glücken, auf pferdesattel. Rückert Hamasa 1, 224 .

postsattel

DWB

post·sattel

postsattel , m. : mancher ist wie ein postsattel, der auf jedes pferd gerecht ist. Lehmann 297, 61 .

quersattel

DWB

quer·sattel

quersattel , m. sattel für quer auf dem pferde sitzende damen, damensattel Stieler 2045 . Frisch 2, 78 c : im jahr 1380 fiengen die damen an…

reitsattel

DWB

reit·sattel

reitsattel , m. ephippium equitantis Frisch 2, 109 b , im gegensatze zum fuhrmannssattel, saumsattel. Jacobsson 3, 397 b .

Rītsattel

Idiotikon

Rītsattel Band 7, Spalte 1437 Rītsattel 7,1437

saumsattel

DWB

saum·sattel

saumsattel , m. ein hölzerner sattel, auf dem die saumthiere ihre last tragen, clitellae Dasypodius. Maaler 343 c . Stieler 2045 . Frisch 2,…

Schlinge(n)sattel

Idiotikon

Schlinge(n)sattel Band 7, Spalte 1438 Schlinge(n)sattel 7,1438

schulsattel

DWB

schul·sattel

schulsattel , m. in reitschulen, sattel für die, welche reiten lernen, mit hohem after, hohen pauschen und festem schenkelschlusse Jacobsson…

Säumersattel

Idiotikon

Säumersattel Band 7, Spalte 1438 Säumersattel 7,1438

tummelsattel

DWB

tummel·sattel

tummelsattel , m. , ' welcher den pferden aufgelegt wird, wenn sie sollen getummelt werden ' Schrader dt.-franz. wb. (1781/84) 2, 1392; allg…

Wage(n)sattel

Idiotikon

Wage(n)sattel Band 7, Spalte 1438 Wage(n)sattel 7,1438

weibersattel

DWB

weib·er·sattel

weibersattel , m. älter als quersattel th. 7, 2363: ein schönes pferd mit einem aufgelegten weiber-sattel Widmann Faust (1599) 255 ; lex. vo…

Ableitungen von sattel (1 von 1)

Gesattel

Campe

Х Das Gesattel , des — s , o. Mz. s. Ge — 2. 2).