rascheln,
verb. schnelles geräusch machen wie im grase, laube, stroh, papier u. s. w. ein seit dem vorigen jahrh. bezeugtes verbum, das sich der form nach als iterativum zu dem schlesischen raschen
gleicher bedeutung (
s. d.)
stellt, also nicht eine entartung von rasseln
sein wird, wenn es sich auch dem sinne nach theilweise mit ihm deckt. rascheln
als nebenform zu rasseln,
strepere, crepere Steinbach 2, 218;
es ist ein wort Schlesiens (rascheln, roscheln Fromm. 6, 276)
und der nachbarländer, und der aufzeichner mochte es vorzugsweise aus einem alten, noch jetzt gesungenen wiegenliede kennen, von dem Picander
um dieselbe zeit den anfang mittheilt: endlich wird es schöne klingen, wenn die kinderfrau wird singen: proye nine sause was raschelt im stroh! 2, 417 (
v. 1728).
noch Adelung
aber läszt es unbeachtet, obwol zu und vor seiner zeit die belege für das vorkommen in schriftquellen sich mehren: inzwischen, dasz das wild geschwinde durch das verworrne farrenkraut, mit raschlendem geräusche, springt. Brockes 10, 13; da das zu hauf gewehte stroh, vom gegenwinde schnell beweget, sich, raschlend, hin und wieder reget. 445; st! st! was raschelt dort, dort hinter jenem strauche? Lessing 1, 125 (
v. 1747);
häufig und gern gebrauchtes dichterwort ist es allerdings erst seit der klassischen zeit geworden: er verlor sie in einem dichten gebüsche, wo er den ganzen tag hin und wieder lief, und jedem rascheln oder flüstern, das er hörte, nachging. Wieland 12, 177; einen augenblick darauf hört ich ein rascheln durchs gebüsch. 36, 360; was raschelt im genist? da! sa sa! musz immer gefaszt auf bär und wolf .. Fr. Müller 3, 236; es ist nacht, man liegt im bette, es raschelt, man schaudert. Göthe 19, 169; bemerkenswerth schien mir ein schwer zu erklärender ton, ganz nahe bei mir; es war kein rascheln, kein rauschen, und bei näherer aufmerksamkeit entdeckte ich, dasz es unter der erde und das arbeiten von kleinem gethier sei. 48, 58; da hört ichs rascheln an der thür. Bettine
briefe 1, 162; erzählte sie, dasz etwas im zimmer geraschelt habe wie papier. 2, 267; da überliesz er (
der krankenpfleger) mir endlich auf einzelne stunden den platz, und zuletzt auch der Struvelius, aber ungern, weil er behauptete, dasz diese zuviel raschele. Freytag
verl. handschr. 2, 82; wie ein heimischer lufthauch im welkenden laube zittert und raschelt. Keller
sinngedicht 119; als plötzlich vom gestade ein raschelndes geräusch ihm in die ohren rauscht. Wieland 17, 21 (
Idris 1, 20); er hört ein rascheln, stutzt, erschrickt. 26 (1, 28); die ratte die raschle so lange sie mag! Göthe 1, 196; schon raschelt eine (
ratte) hier und wird sogleich mich hören. 12, 77; und es rauscht in jedem laube, raschelt um von stock zu stock. 41, 249; stille, was schlüpft durch die hecken raschelnd mit eilendem lauf? Schiller
hist.-krit. ausgabe 11, 208 (
die erwartung); ruh ich im grase und es raschelt eben ein eidechs in der näh, so kostets ihr das leben. Kotzebue
dram. sp. 2, 175; was rauscht, was raschelt durch den busch? ein mörder, der mir droht? mein liebchen kommt gesprungen, husch! Uhland
ged. 24; rings um die alten mauern ist holz und stroh gehäuft .. drein schieszt man glühnde pfeile: wie raschelts da im stroh! 362; und lauter raschelte der wald. A. v. Droste-Hülshoff
ged. 11; was raschelt drüben am hage? das ist der gespenstige gräberknecht. 59; verdrieszlich rascheln im parterr etwelche ratten hin und her. H. Heine 18, 165;
auch in die oberdeutschen mundarten gedrungen, z. b. tirolisch die maus raschlt herum,
und zum theil mit ausbildung der bedeutung mit den zähnen rascheln oder grascheln Schöpf 535;
ungewöhnlich bei Klinger: wie das zehrende fieber unter meiner haut raschelt.
theater 3, 398.