Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
leinen swV.
1.1 intr. (vgl. lënen )
1.1.1 ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder aufgestützte) Haltung einnehmen’
1.1.2 mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder liegen’
1.2 tr.
1.2.1 ‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.
1.2.2 mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.
1.2.2.1 ‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’ (FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen)
1.2.2.2 ‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’
1.2.2.3 ‘sich stützen’
1.2.2.4 ‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’
2 ‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’
3 ‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’
1 ‘(ab-/ auf-)stützen, (an-)lehnen’ 1.1 intr. (vgl. lënen ) 1.1.1 ohne präp. Erg., ‘eine halb liegende, halb sitzende (angelehnte oder aufgestützte) Haltung einnehmen’ von ime so habe wir den gedanc / von ime daz wir gehoren, / [...] sagen unte singen, / liken [liegen] unte leinen, / suften unte weinen ArnoltSieb 58a,11; den sitzen, disen leinen sah man manegen degen NibB 2227,1; (vgl. zu → lënen : Anfortas sîn bruoder lent: / der mac gerîten noch gegên / noch geligen noch gestên Parz 251,16. 491,3 ). – oft abwertend, ‘(ohne die Haltung zu bewahren, nachlässig) flegeln, fläzen’ der herzog stuont, sie sâzen, / [...] / saz er bî in, sie leinten. / dâ mit sie bescheinten / ir unzuht Helbl 4,261; so sitzet mancher als ein pfluch [Pflug] : / er let bein und arm ragen, / als in die gusse dar hab getragen; / [...] / er leinet, als im tun we die lende Jüngl 562 1.1.2 mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. ‘gestützt, angelehnt oder in Berührung mit einer vertrauten Person (oft bequem) stehen, sitzen oder liegen’ dâ er die recken beide stênde vant / ûzen vor dem hûse geleinet an den sal NibB 2328,3; an dem pavilune leynden funff schild Lanc 195,19; von der kerzen, diu dâ bran, / dâ gesach er lützel van: / dâ leinde ein schâhzabel vor Tr 13589; er leinte an sîner hant NibB 1575,2; er leit sinen backen in syn hant und leynte off synen ellebogen Lanc 306,9; der [Ritter] noch off eyner stat hielt und leynet off syner glenen ebd. 264,27; von derselben Szene: der úber sin glen leynte ebd. 264,37; Parz 513,27; sô ich in dem venster leine Helbl 1,1299; der guͦt sant Johannes [...] waz im [Jesus] so haimlich, daz er in auf siner brust lainen lie Konr 3 O,7 (= PrOberalt 21,4 ). 19,39; geleinet er si ligen sach / zein ander schône und ebene KvWEngelh 3254. – reduziert auf ‘sich befinden’ ein troͮm mir geschach; / oͮf minem hoͮbet sách ich leinen [ haberem super caput Gen 40,16] von / melwe volle dri zeinen [Körbe] GenM 81,21 1.2 tr. 1.2.1 ‘etw./jmdn. lehnen’ mit präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv.: er stach daz sper in daz gras / und leinde sînen schilt dran UvZLanz 2383; ir tôtez volc si leinde / gewâpent an die zinnen Wh 230,6; das du [Jesus] nit hattest do du din verwundet houbt mochtest an geleinen PrWack 99,40; Mechth 4: 3,18; Wig 413; NibB 977,3; BdN 84,1; in den nuosk [Trog] er si [die Pappelruten] leinte Gen 1403; Rennewart die stangen swære / under ein gewelbe leinde Wh 270,5; Lanc 312,19; Tr 13507; NibB 1833,2. – bildl.: ich sal min herz an’t dine leinen, / wir sulen dan samen van trurcheit sagen MarlbRh 22,8. – übertr., zur begrifflichen Inbeziehungsetzung von Wörtern (vgl. im Detail FrlWB, S. 208): sit got wolte ez [das Wort mulier ] dar [an das Wort meit ] leinen Frl 5:111,12. 5:111,17 1.2.2 mit Refl.-Pron. und präp. Erg. (lokal) oder Pron.-Adv. 1.2.2.1 ‘sich in eine halb liegende, halb sitzende Position begeben’ (FWB: ‘hinlegen’ mit weiteren späteren Belegen): der Markis sich hatte geleinet / neben Arabeln [ gein Arabel *A (zu 1.2.2.2)] vf den matraz [Sitz- und Schlafpolster] TürlArabel *R 130,26. – im weiteren Sinne ‘es sich bequem machen’ do was schier entschlafen der keiser lobsam. / zu im leite sich der bracke, der helfant leinen sich began WolfdD (H) 820,3 (die jüngere Umarbeitung vereindeutigt zu 1.2.2.2: zuͦ ÿm leit sich der brack, der helfant lonen [d.i. lënen ] sich began / zuͦ ÿm an die linde WolfdD 820,3 ) 1.2.2.2 ‘sich stehend, sitzend oder liegend lehnen’ an ein venster er sich leinte Krone 13005; da sich die muoden an die linebergen [Zinnen] suln leinen Himmelr 8,8; Will 52,23; Pass III 626,87; si stiurte unde leinde sich / mit ir ellebogen an in Tr 11970; Gen 1242; daz bret, / dâ gegen und sich geleinet het / dar an der tugende rîche man Kreuzf 7596; dô ich [Johannes] [...] [beim Abendmahl] an dîner sîten saz / unde mich nâch mînr gelust / leinete ûf dîne brust WvRh 11559. – bildl.: henk dich und leine dich zartlichen und guͤtlichen an dinen guͦten got Tauler 213,2 1.2.2.3 ‘sich stützen’ er lainte sich auf den stabe gut HvNstAp 4183; über sîne crucken leinder sich Tr 15349; NibB 2009,3; Wernh D 1903. – bildl.: an gedingen, des mir nie zeran, / ze trôste ich mich noch leine HartmKlage (G) 1756; besich min herze, wiͤ ’t dich meine, / sich, wiͤ ser ’t sich up dich leine! MarlbRh 2,28 1.2.2.4 ‘sich über etw./jmdn. aufstützend beugen’ dô si sich uber die burgmûre leinten Gen 2932; daz si da selbes bi im stunt / uber ein venster geleinet Pass III 425,29; sie hatt sich geleynet / v̀ber jne, da er lag. / mit kùszen sie des recken pflag Krone 26399; Will 135,2 2 ‘sich in eine bestimmte Richtung neigen, bewegen, wenden’ si [die Winde] taten die galinen [Schiffe] / sich lainen uf und dann nider, / hin und her, fúr und wider SHort 10341; der kunic wirt sich leynen / heimwert kein [gegen] sime lande Daniel 7038; – übertr.: vleischlicher liebe akust / trugen sie kein [gegen] der reinen. / ir sinne wart sich leinen / niderwert Daniel 7456; 3 ‘sich gegen etw./jmdn. auflehnen’ er [Luzifer] leinete sich îsa / an sinen scephâre / er hazzete in ze ware VMos 4,21; ein greve [...] wolde ein striten angan / mit den, die viende waren, / und sich in den iaren / wider daz riche leinten Pass III 308,7
MWB 3,3 1021,63; Bearbeiterin: Baumgarte