Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kunst stF.
1.1 allg.
1.2 bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht Gottes
2 ‘Wissenschaft’
2.1 allg.
2.2 einzelne Wissenschaften
2.2.1 septem artes liberales
2.2.2 weitere Disziplinen
3 ‘Fähigkeit, Können, Vermögen’
3.1 allg.
3.2 bezogen auf höfische Fähigkeiten
3.3 bezogen auf Dichtkunst
3.4 bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten
3.5 bezogen auf Handarbeit
3.6 bezogen auf Obst-/ Weinbau
3.7 bezogen auf Heilkunst
3.8 bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können
3.9 von religiöser Ekstase
3.10 bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung
3.10.1 Magie, Zauberei
3.10.2 List, Hinterlist, Bosheit
3.11 bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684 s.v. Kunst 6.a )
4 ‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’
1 ‘Wissen, Kenntnis’ 1.1 allg.: Jeronimus sprichet: nieman enmac von gote genemen kunst, wîsheit und vröude, er ensî denne ein guot mensche Eckh 2:161,1; hoch ob aller kunste muze wir die wisen / mit gotlicher vernunste uber die liste und liste macher prisen JTit 2605,1; diu kint diu vor drin jâren / zuo gesetzet wâren, / mit kunst ez diu sô schiere ervuor / daz der meister selbe swuor, / er gesæhe von aller hande tugent / nie sô sinnerîche jugent Greg 1175; der eilfte der hiez Zêleon [der Priester mit hôher wîsheit, V. 2746 ] , / an dem man künste was gewon KvWSilv 2768; den beiden [Adam und Eva] gap sîn witze sâ / rehte wîsheit unde sin. / vernunstic leben gap er [Gott] in / und machte sie von künste wîs RvEBarl 2027; vil pfaffen ist der kuͤnste bloz, / die doch wænent kuͤnnen vil Rennew 31870; di einen di gehôren zu der vornunft, daz ist wîsheit, kunst und klugheit; und di in disen sint beslozzen diz heizen vornunftige tugende HvFritzlHl 181,21; kunst und rât gehôren zu der wârheit der werkunge: kunst zu urteilne und rât zu vindene ebd. 181,33; Reinfr 19800; BdN 3,10. – bezogen auf ein bestimmtes Wissen(sgebiet): dar an [an der Tafelrunde] ein kunst mich verbirt [fehlt mir] , / ine weiz niht welher hinne ist wirt Parz 148,7 1.2 bezogen auf Gottes Schaffenskraft, Gesamtheit des Wissens, Allmacht Gottes: in gote lît alle kunst Kröllwitz 3964; got der hât geleit / sîne kunst und sîne kraft, / sînen vlîz und sîne meisterschaft, / an disen lobelîchen lîp [der Laudine] : / ez ist ein engel und niht ein wîp Iw 1687; daz an dir diu gotes kunst / hât volbrâht der sælden gunst. / der got der an dich sîne kunst / leite und ouch der sælden gunst, / der behüete dir dîn leben RvEGer 6339; von den helden er [Parzival] geschouwet wart: / dô lac diu gotes kunst an im Parz 123,13. 130,22; got in sînes geistes brünste / an dir zeigte sîne künste, / dô er aller sünden tünste / gar von dir geveimet hât SM:EvS 1: 12,2; ChristhChr 2024; Pass I/II (HSW) 26610. – personifiziert auch von den göttlichen Personen selbst: der maide sün Jesus Christ, / der auch ist die ware chünst Märt 24905; [Jesus Christus] ist mein chünst und ist mein got ebd. 24927 auf die Trinität bezogen: si namten den vatter den ungeschaffen ewigen got, den sun die unbegunnen wisheit, ir beider geist nanten si die rehte kunst der warheit Mechth 4: 14,10 2 ‘Wissenschaft’ 2.1 allg.: sciencia : kunst VocOpt 38.001; doctrina : kunst ebd. 38.002; disciplina: kunst ebd. 38.003; so ist diu vunfte gebe sa / geheizen sciencia. / daz chut chunst ze diute / unte manet uns tumpen liute, / daz wir leren wistoum ArnoltSieb 11,3 2.2 einzelne Wissenschaften 2.2.1 septem artes liberales: – allg.: daz sint die sieben hohe kuͦnst HvNstGZ 775; der vliz darnah ze Attene was, / da man sit lerte unde las / der sibin liste hohe kunst RvEWchr 15768; wir haben künste vil geschriben, / der sint ûz erwelt siben WälGa 8899; Kostus [...] satzte si zu schule, alsô daz si wol gelêret was der siben kunste HvFritzlHl 253,21; die siben frîen künste Renner 16075. 1249; wie die kvnste weren. / an einer leret man buchstaben. / die ander ist erhaben, / [...] zv den scharfen sinnen. / die dritte zv der werlde zirde, / zv dem sange die vierde. / die funfte leret mezzen wol; / die seste, wie man zelen sol. / die sibende leret die list, / waz wunders an dem gestirne ist Herb 7666; Minneb 448; KLD:Kzl 16: 10,16. – Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik): die brief mit grammaticâ het meisters kunst geblüemet Loheng 7577; ganzir sprache wort vnd sin / mit kvnste habent vnder in Martina 245,104; [Platons] kvnst vnde sine list, / [...] : / daz ist dialetica Herb 10671; Martina 245,106; loyca ist ein tief kunst Vät 22623; JTit 1870,4; nû was ein meister under in / der truoc von kunst vil hôhen sin, / Dêmostenes was er genant, / wîs an filosofîe erkant RvEAlex 3654; so vellet mir iez ein spruch in, den las ich in der schule der natúrlichen kunst [hier: Metaphysik von Aristoteles] Seuse 388,2; RvEAlex 1385. – Quadrivium (Geometrie, Arithmetik, Astronomie, Musik): ouch kunde er wol von listen daz / wie man der dinge lenge maz / von gêometrîe: / diu kunst was sîn âmîe RvEAlex 140; ez ist ain lere in der kunst, die man geometriam oder erdenmezzerinne haizzet KvMSph 19,13; von arismetica der kvnste Martina 245,79; chunst der astronomei HvHürnh 26,16; die [...] jehent das die chunst der planetenn schwär sei ebd. 26,5; der steren chunst ebd. 26,16. 26,1; ain lerespruch in der sternseher kunst KvMSph 43,15; BdN 106,14; Martina 14,98; Tannh 5,60 2.2.2 weitere Disziplinen: – Theologie: wir sprechen vmbe die kunst. die man hinze got wendet [...] div ist scientia scientiarum div ist ein chunst aller kunste PrKlostern 33; verworfen ist Divînitas / diu ie der künste vrouwe was WälGa 9150. 9123. 9136; dar nâch in den jâren drin / dô gebezzerte sich sîn sin / alsô daz im dîvînitas / gar durchliuhtet was: / diu kunst ist von der goteheit Greg 1189. – Medizin: al der arzte kunst Parz 643,21; von arzenîe erwelte kunst / sîn herze vinden kunde KvWPant 140; ez wære von in dô / gedisputieret wol alsô / ûz der kunste von Salerne Ottok 30018; Crane 492; dy konst van Ypocras OvBaierl 72,1. – Recht: der nâch las er von lêgibus / und daz kint wart alsus / in dem selben liste / ein edel lêgiste: / diu kunst sprichet von der ê Greg 1197; der was einer ein juriste, / an der kunst und an dem liste / het er meisterschaft genomen Ottok 21677 3 ‘Fähigkeit, Können, Vermögen’ 3.1 allg.: so suͦln si auch iren chinden einen schulmaister schaffen, des si nvtz vnd ere haben an chuͦnst vnd an eren, so si in aller besten immer vinden UrkCorp (WMU) 2345,19; dâ [Burgtor] reit der wirt vor im [Iwein] in. / der hete die kunst und den sin / daz im dâ von niht arges enwar Iw 1096; dar umbe hât uns unsir herre gesant alsô wît sô die werlt ist, daz wir sie bikêrtin, unt gab uns die kunst, daz wir sprêchin zwô unt sibinzic zungin PrMd (J) 350,31 3.2 bezogen auf höfische Fähigkeiten: – allg.: si kam zuo disem man gevarn, / der künde hovelîche kunst, / dâ mite er hôher liute gunst / verdienet hete mangen tac KvWTroj 5839; nuͦ hat ez der Strickære / geniwet durch der werden gunst, / di noch minnent hoͤfesliche chunst StrKarl (S) 118. – ritterliche Fähigkeiten wie Reiten, Kämpfen o.ä., häufig kombiniert mit kraft, manheit o.ä.: [Gregorius besaß] ganze kunst ze ritterschaft Greg 1994; in strîte man ouch kunst bedarf Parz 756,6; mit kunst si de arme erswungen: / fiurs blicke ûz helmen sprungen ebd. 742,11; ir kunst unde ir manheit / wart dâ erzeiget schiere ebd. 739,14. 265,7; dô was hie kunst unde kraft: / sî mohten von rîterschaft / schuole gehabet hân Iw 7003; [ Volkêr, der videlære, ] begonde im sîner künste alsolhen teil dâ geben, / daz er von sînem swerte muose ligen tôt NibB 2285,2; er hêt mänlîche kraft / und ganze kunst ze strîte Wig 7538; Gâwein, / des kunst an rîterschefte schein ebd. 10428. 7652; manic puneiz muotesrîch / wart dâ mit ritters kunst geriten UvLFrd 456,7. 262,9; das da ein ritter were mit vollen waffenen und von edeler kunst unde mit warer mankraft Mechth 3: 18,5. – Jagd: phlac ich ie meisterschefte / an weidenlîcher kunste Hadam 334,2; dar gie diu cumpanîe / und nâmen sîner [Tristans] künste [des Wilderlegens] war Tr 2997; die kunst von der curîe ebd. 3474; nu kunde birsin, schiezin, jagen / Lamech durh chunst und durh bejac: / dirre selbin chunst er pflac / gewerlich al ungelogen RvEWchr 547. 21331. – Musizieren, Instrumentenspiel: [sie] kâmen des beid über ein, / daz er si lêrte künste vil. / [...] / hie mite er si dô seiten spil / begunde lêren alzehant KvWTroj 15811; RvEWchr 524; si hete eine pfifen, / darin si blies mit ir kunst Pass I/II (HSW) 28179; so leert zy menige guͦnst / van alre melodyen kuͦnst MinneR 496 110 3.3 bezogen auf Dichtkunst: Frouwenlop meister Heinrich, / der ûf die kunst ist kluoc Ottok 86557; uz kezzels grunde gat min kunst, so gicht min munt Frl 5:115,7; her Walther unde zwen Reimar, ein Wolferam, / der künste stam / mit sange noch uz in loubet ebd. 5:117G,8; gefiolierte blüte kunst ebd. 8:26,1; hete ich ûf tihten kunst, / sô sold ich von dem zagen / sîn missetât sagen / und von dem frumen frumikeit Ottok 57414; swer siner kvnst meister ist, / der hat gewalt an siner list. / [...] / des ist der tichtere / wise vnd gewere Herb 1; Wig 124; FvSonnenburg 19,9; Loheng 7637; StrAmis 13 3.4 bezogen auf handwerkliche Fertigkeiten: – Zimmererhandwerk: dirre Joseph burger was / ze Bethleem, als ich ez las [...] / der kunst was er ein zimberman WvRh 2195; ez warn zwene zimberman, / den an ir chunste niht zeran, / si wærn harte meisterlich StrKD 63,2; Parad 98,2. – Schmiedehandwerk: der smit was sîner künste kluoc, / er konde smidewerkes gnuoc HvFreibTr 6005; helm und schilt, die gâben glîz, / dar an was gelegt mit künsten manic vlîz / von meisters handen gar mit kluogen witzen Loheng 3975; [die Schmiede] Mime unde Hertrîch: / ir kunst was vil ungelîch Bit 172; EnikWchr 1552; HvFritzlHl 198,36; RvEWchr 538. – Goldschmiedehandwerk: wol dem edlen gold schmide! / der siner hochen künste lide [Glieder] / also zartlich gerüren kan GTroj 7618; daz selbe harnasch wehe des goldes was mit kunste / geworht JTit 1682,1; Loheng 5340; übertr.: der helig geist hat si [die Krone] geworcht und gesmidet [...] mit der edelen kunst der heligen drivaltekeit Mechth 7: 1,47 3.5 bezogen auf Handarbeit: kein snîder lebt sô rehte stolz, / der sîne kunst bewære, / gebristet im der schære, / dâ mite er schrôte ein edel tuoch KvWTroj 111; [von Figuren auf einem Wappenrock:] die wâren drîn geweben wol, / als ez gebôt der künste vlîz ebd. 9561; Maria machte dem kindelin / gar listeklichen ain roͤklin, / [...] / wan dú froͮwe mære / kunde alle froͮliche kunst WernhMl 5509; [Aquila und Priscilla] waren der kunst, daz sy gezelt kunden machen Apostelgesch 18,3. – auch als wîpliche ~ bezeichnet: [vom Spinnen:] wan in began wîplicher kunst / zehant verdriezen und beviln KvWTroj 15880; dú was von erst dú mit begunst / irdahte wipliche kunst / mit nadiln und mit drihin: / nejen, brettin, rihin RvEWchr 542 3.6 bezogen auf Obst-/ Weinbau: wer ich ein peltzgebure [einer, der Bäume pfropft] , so wer ich an der kunst hie niht geletzet, / wie mangerley er edeles obzes baere JTit 4879,2; kunde der wingarter nút die kunst, er snitte also balde abe daz edel holtz daz die trúbel schiere bringen sol, also daz boͤse und verderbete den wingarten Tauler 31,29 3.7 bezogen auf Heilkunst: den [beiden juncvrouwen ] bevalch er in dô, / daz sî im sîne wunden / salbeten und bunden. / ouch wonte in ir gemüete / schœner kunst diu güete / daz sî in schier ernerten Iw 5618; die besten arzâte, / als die heidenschaft sie hâte, / der natûrlîchen kunste / mit getrûwer gunste / er im gewinnen wolde Kreuzf 7701 3.8 bezogen auf schöpferische Fähigkeiten, künstlerisches Können: – Baukunst: Augustînus sprichet: ein meister, der ein hûs machet, der bewîset sîne kunst dar an Eckh (Pf) 164,22; den [ palas ] kund ein meister bowen, der winkel mez und wage / lert nach der snuͤre howen. er kan auch snelle wurken sunder vrage, / der himel und erde uf nichte hat gesetzet. / des ist er siner kunste von allen meistern immer ungeletzet JTit 6257,4; dâ mit sant Babel zehant / dâ man mûrmeister vant. / zwên und sibenzic was ir zal. / ir kunst si kunden über al EnikWchr 3282. – bildende Kunst: der künic sprach: ‘nu sagt mir, / meister, waz künste kunnet ir?’ ‘da kan ich malen alsô wol / daz ez alle diu werlt loben sol. / [...].’ StrAmis 504; als ein gemalet bilde, / daz nach eines meisters list / mit richer kunst gemachet ist Vät 32806; vil bild in richem werde ergozzen, ergraben, erhowen, / [...], / von hoher kunst JTit 345,3; ein mâler, der ein volkomen bilde hât gemachet, dâ prüevet man sîne kunst ane Eckh 1:330,2; BraunschwRchr 4535 3.9 von religiöser Ekstase: der prister Eli sprach, / do er si [ frauwe Anna ] in andaht peten sach: / ‘wie pist du von weine so naß; / ge hin, piz du in verdeuest paß.’ / wan si der hailigen kunst / waz worden so in brunst, / daz in dez muste dunken / sie wer von weine drunken MvHeilGr 787; diu sehste gâbe ist der kunst, von der die lêrer sprechent, dâ ein mensche sîniu werc bringen kan zuo einer solhen sache, dâ mit er sich mit got vereinet Eckh (Pf) 369,19; swie tump ich doch anders sî, / mir ist iedoch diu wîsheit bî, / daz ich wol weiz Jesum Christ / daz er diu obrist wîsheit ist, / diu daz herze durhgrebet / und den inren sin erhebet / in die kunst, die nieman / mit rede zende bringen kan LvRegSyon 2833. 2838 3.10 bezogen auf Fähigkeiten der Täuschung 3.10.1 Magie, Zauberei: swaz man von zouberlisten seit / dar an was sîn kunst sô grôz RvEAlex 113. 424; von starker zouberîe kunst / was diu geschrift getihtet KvWTroj 9652; ander kvnst ich wiste: / daz waren zouberliste. / die kvnst ich also lange treip, / vnz mir der name bekleip, / ich were ein zouberinne Herb 845; so lernt er zauberie, / die kuͦnst nigromancie HvNstGZ 5075; BdN 451,25. 434,7; WhvÖst 11384. 4908; Pass I/II (HSW) 20139; Ottok 32601; Brun 10311. – swarze ~ : dô saiten di knechte dem herren, daz si [hl. Agnes] mit der swarzen kunst betrogen wêre HvFritzlHl 68,2; sundirlich was her wol erfarn in astronomien unde in der swarzin kunst Köditz 10,16. 10,24. – Wahrsagerei: Joseph sprach ‘war daht ir daz ir iht uerstalet mir? [...] an liezzen [Wahrsagen] ist nieman mir gelich; die chunst han gelernet ich.’ GenM 96,21; den [Leuten] saget er [Apollon] solhiu mære, / daz er ein wîssage wære. / alsolher kunst nam er sich an: / swaz gerne hôrte der man, / daz seit er im künftic gar RvEBarl 10167. 2495; sin [Judas, ein weiser Mann] kunst wiste also, / daz Antigonus solde do / sterben in Pirgostraton ie, / doch in welcheme oder wie, / des hat sin kunst im niht geseit Macc 11689. 11693 3.10.2 List, Hinterlist, Bosheit: ich chlage der loesære [Heuchler] chunst / und versage in dar zu mine gunst StrKD 158,213; nu vant ir arclistiger sin / die kunst, daz si wol quemen / von in und sich entnemen [sich drückten] / von der kirchen arbeit Pass III 150,43. 152,95; [Irekel zu Meliur, nachdem sie Partonopier unter die zum Ritterschlag bestimmten Knappen eingeschleust hat:] ich schuof alhie mit mîner kunst, / daz er von iu ze ritter wart KvWPart 14870. – von den Fähigkeiten des Teufels: sie wæren stæte an ir begunst [Vorhaben] / und lerneten des tiuvels kunst. / sie wâren gotes künste vrî RvEBarl 10584; [Teufel:] dis kint wart ane súnde gezilet und geborn, es were mir anders nie verholn. nu habe ich alle mine kunst verlorn Mechth 5: 23,90; WernhMl 4696; Brun 6289; personifiziert: du arge kunst, du bose list, / genuget dir niht daz du bist / mit dinen leiden huten / ein irrer der guten? Vät 5113 3.11 bezogen auf die Fähigkeit von Feuer ‘Kraft, Macht’ (s.a. DWB 5,2684 s.v. Kunst 6.a): [Lucia, die mit Feuer gemartert wird:] ich habe got, den herren min, / gebeten umme dise vrist, / daz noch min leben an mir ist. / sin vruntschaft und sin hohe gunst / bewart mich vor des vures kunst, / die mir nicht kan gesigen an Pass III 30,28 4 ‘Haltung, Gesinnung, Sittlichkeit, Tugend’ si kêrte ir herze an guote kunst: / des bejagte si der werlde gunst. / frou Herzeloyd diu künegin, / ir site an lobe vant gewin, / ir kiusche was für prîs erkant Parz 103,1; daz er muz beliben alda vor / mit den vumf juncvrouwen / die niht vor beschouwen / wolden ires herzen kunst [ ‘ihre Gesinnung prüfen’ ] Vät 19575; Jesus crist, / der dirre kunst ein meister ist, / der sprichet: ‘lernet von mir den sin, / wan ich demutiges herzen bin!’ ebd. 22670; von kunst gewinnt man tugent WälGa 9263. 9271. 9273; diu kunst, diu êwic ist [...] und dâ mite man daz himelrîche erwirbet [...], daz ist tugentlîchez leben DvASchr 309,7; Boner 4,44. – Lit.: J. Trier, Der deutsche Wortschatz im Sinnbezirk des Verstandes, 1931; Bruno Boesch, Die Kunstanschauung in der mittelhochdeutschen Dichtung, 1976.
MWB 3,2 734,23; Bearbeiterin: Herbers