Hexe
hęks, –gs [ö. Ürd.-L. Sg.
-sə], Pl.
-sə(n) f.: 1. die Weibsperson, welcher der Aberglaube zur Zeit eine Art Wunderkraft, Zauberkraft auf Grund der Verbindung mit dem Teufel zuschrieb; in der Überlieferung u. in Volkssagen werden noch viele H.geschichten erzählt, z. T. an bestimmte Örtlichkeiten gebunden; man erzählt vom
Hexenball, –sprung, –platz, –plei, –tanz, –platz, –kessel, –kreis, –loch, –ritt usf.; hier u. da spricht man
auch noch von dem Wirken irgendeiner als H. verschrieenen Person;
auf dene ihrem Perd (Kuh) wor e H. Ottw, Allg.;
de H.ə hommich gepetscht gekniffen, wenn man blaue Flecken am Körper hat u. nicht weiss, woher sie kommen Simm; H. entziehen frischmelkenden Kühen die Milch, indem sie unter Zaubersprüchen an einem Handtuch das Melken nachahmen; die H. haben stets Milch, Butter u. Käse im Hause Allg.; eine H., nachts in ihrer Spinnstube, hockt plötzlich nieder, so dass der Rock sich aufbauscht; wenn sie dann aufsteht, läuft eine Herde Küchlein unter dem Rock heraus (usf.). — Man lernt eine Frau als H. kennen, indem man Karfreitag ein Ei, das am Gründonnerstag gelegt wurde, mit in die Kirche nimmt; sieht man sich hier dann um, so sieht man alle, die H. sind, verkehrt in den Stühlen sitzen oNahe; man legte zwei Besen kreuzweise übereinander vor die Haustüre; wer dann des Morgens zuerst ins Haus kam, war eine H. Hunsr; H. verwandeln sich in Katzen; ein Mann, der nicht glauben wollte, dass seine Frau eine H. sei, schlug mit der Axt nach einer Katze, die die Nachbarn ihm als seine Frau bezeichneten; am andern Morgen wollte seine Frau nicht aufstehen, u. es stellte sich heraus, dass ihr ein Fuss fehlte Verbr.; man hing einen Kranz von
H.kraut (
s. d.) in den Durchzug; der Kr. macht allerhand leise Drehbewegungen, steht aber plötzlich still, wenn eine H. das Zimmer betritt Neuw. — Um sich vor H. zu schützen, wenn man von ihnen spricht, musste man sagen:
Op disen helligen Dag, dat ech van de H.ən kallen mag MGladb-Korschenbr;
et es van Dag en godden Fridag, dat de Deuvel nit alles witen (wissen)
mag Mettm-Dönbg;
hock (heute)
as den helligen Mondig (usf.) Prü
m. Wer zweierlei Strimp anhot oder
wer se äbsch (verkehrt)
anhot, dem duhn de H.ə neist Simm-Schlierschd; man gehe nicht rückwärts, spucke nicht auf die Erde, antworte nicht, wenn man nachts seinen Namen rufen hört, setze sich beim Beten nicht krumm, verlasse nicht ungewaschen das Haus, gehe nicht mit weissem Käse über die Strasse, stelle zum Schutze des Viehs eine Ziege in den Kuhstall Verbr.; man machte in der Mainacht
drei Kreuze an die Türen Hunsr; das Bestecken der Türen mit geweihtem Palmwisch ist noch allg. Sitte; Holunder schützt gegen H. Allg.; war eine Kuh behext, so wurde der Dünger des erkrankten Tieres in einen Sack gestopft u. dieser zugebundene S. drei Abende mit Prügeln verarbeitet; die H. sollte dann jeden Schlag an ihrem Leibe spüren u. gezwungen sein, am dritten Abend selbst zu kommen, um sich dadurch als Übeltäterin zu bezeichnen; ebenso peitschte man die Kleider der H. oder die siedende, wallende Milch mit einer Haselgerte Verbr. — In der Mainacht treiben die H. ihr Wesen, tanzen auf Besen an Kreuzwegen u. bes. auf H.bergen, –plätzen Allg.;
am erschte Mai lafe de H.ə de Lilschberg ausse Wend-Baltesw; in Wend, Birkf nennt man das Feuer am Maiabend
de H.ə verbrenne. — Bis 1890 liess man beim Getreideschnitt einige Halme stehen
för de al H. Gummb-Gimborn. — Einige Orte haben bes. Ruf als H.orte:
Se danze wie de H.ə van Iəlendörp Aach-Eilend.
Wen sech nit van de H.ə well lote betöre, mott för het Sevelse (Geld-Sevelen)
Hecken (Toreingang)
ömkehre. En Haare (Heinsb-Haren)
es wohlgefahre; do es gen Heck of gene Struk, do spröngt en H. erut. Se breten (brinten)
zo Ohnder (MülhRh-Odenth)
de H.ən wie Hohnder; Odenth wird als
Hexenohnder bezeichnet, wie Dür-Echtz als
H.ənechtz, Lennep-Olpe als
H.ənolpe;
de Natemer H.ən Neckn. derer von Bitb-Nattenh. RA.:
Gewess get's H.ə sagt man, wenn jmd. etwas Unglaubwürdiges erzählt Saarbr-Sulzb;
richtig, en H.! wahrhaftig, das ist so Bergh-Buir.
Et ös en H. em Weg bei Wirbelwind Bo-Walberbg;
de H.ə han e Krützfettmännche (Kreuz-) (alte Münze)
drengeworfe Köln.
De H.ə kochen Nebel steigt aus dem Walde auf Bernk-Winterich, Birkf-Hoppstädten;
de H.ə danze on de Loft wenn es bei Sonnenschein regnet Aden-Virnebg;
dat Wedder hant de H.ə extra für os gekouch Bergh-Blatzh;
da's e W. für de H.ə Dür-Heistern.
Et es en H. em Für wenn das Feuer knistert Dür-Langerwehe;
do's en H. dren das ist kaum zu entwirren,
z. B. ein Strang Garn Kemp, Sieg;
äls of de H. dre süəss (sässe) Äusserung des Unmutes bei kleinen Widerwärtigkeiten Aach;
et ös wer en H. en de Kerk (Wehr) ein störender Zwischenfall; da stimmt etwas nicht, gesagt, wenn das Benehmen jmds. anzeigt, dass er übel gelaunt ist SNfrk, Altk;
doə hät en H. en de Kerk kiəke Kemp.
Van de H. beriən (beritten)
sin Albdruck MülhRuhr.
Dat sönd H.ə, dej ent (nicht)
de Schottel utete (ausessen) Eup.
Dat os noch lang net H. geflocht (geflucht)
! noch nicht schlecht Daun-Strohn.
Do ka mer de H. beim Deiwel verklä (-klagen) da ist man vor die echte Schmiede gekommen Siegen.
Ek well en Deubel un en H. sin! Beteuerung Gummb.
Et gef hü ene hete (heissen)
Dag, sät de H., do wuərd se verbronnt Heinsb, Nfrk, Rip.
Praktikus et Multiplex, en Jongkfrau os ken al H. Prüm-Ihren.
Wann de H. alt wird, dann wird se fromm Dür.
Die Alt lo hat en Gesicht wie en H. Saarl, Allg.;
dau seuhs (siehst)
aus be de Strossburger H. (aus der Genovevasage) ein Kind, Weib mit zerzaustem Haar May, uAhr;
ich sen su fruh wie en H. Goar-Weiler;
de es su voll (bezecht)
wie en H. Mettm.
De löpp (dat geht) wie en H. schnell Kemp;
de löft wie en H., die et Hatz (Herz)
verbrangkt hat Aach.
En Wedder, mer ment, et hätt en H. sech gehange Aden-Borler.
E Gesit (Gesicht),
äs wenn de Katz H. gesot (gesagt)
hätt Prüm-GrLangenf Heckhuschd.
H., H., Hehnerfoss, mach, datste fählen moss! sagen die Kinder zum mitspielenden Kinde, damit es etwa beim Fangsteinsp. fehlen soll Koch-Leienkaul. — 2. übertr. a. persönl. α. jede Weibsperson, die sich durch List, Falschheit, Böswilligkeit bei der Allgemeinheit oder bei einzelnen verhasst gemacht hat, daher auch Schimpfw.;
en al H. Allg.;
en frede (zähe)
alde H. Wesel;
en verdrihnde H. eigensinniges, mürrisches Weib Monsch-Strauch, Kemp, Düss;
en zwadderig H. dass. Wend-Marping;
en glehnig H. böses Weib Siegld;
en well (wilde)
H. ausgelassenes Mädchen Allg.;
en huffärdig H. Schleid-Ripsd;
en ful H. träges Weib Gummb, May, Wittl;
en zänke H. zanksüchtiges W. Aach;
en dorr H. mageres W. Birkf;
en schworz H. durchtriebenes schwarzhaariges Mädchen Trier, Allg.;
rut H. rothaariges Weib Goar-Weiler;
en ärm H. armes W. Rip;
s. auch
Sau-, Schindh. RA.:
En Gesicht machen wie en alt H. Trier-Mettnich.
Ech well liewer met dem Deiwel hausen äs wie met esu er alen H. Prüm-Habschd. — β.
en klen H., H.chen Kosew. für kleines Kind Allg. — γ. die Frau oder das Mädchen, welche(s) das Trocknen der Hanf-, Flachsstengel vor dem Brechen über einem Feuer oder im Backofen besorgt Saarbg. — δ. Maskierter zu Fastnacht, auch Ruf hinter den Maskierten her Bergh-NEmbt;
krabbelege H. Neuw-Linz. — ε.
de H. em Keller Kindersp.; ein Kind stellt sich als Hexe in einen Winkel; eine Mitspielerin (oder mehrere) ist die Mutter der übrigen; sie schickt ein Kind in den Keller, um etwas zu holen, dies kommt schreiend zurück u. meldet die Anwesenheit der Hexe; die Mutter geht hin u. nun beginnt Frage (A.) u. Antw. (B.): A.:
Wat maste (machst du)
en mingem Keller? B.: Für stochen. A.:
Wat maste met dem F.? B.: Wasser kochen. A.:
Wat maste met dem W.? B.: Metzer schlifen. A.:
Wat maste met den Metzern? B.: Dir on den andern den Hals afschniggen; darauf sucht B. ein Kind zu haschen, u. dies ist dann Hexe Wippf-Wipperf;
alt H. im Kellerloch Bernk-Wolf;
alt H. om Bergelche Schleid-Hellenth;
H., wo küs de eröm? Sieg-OPleis;
H.ches Meis. — ζ.
H., in der Erregtheit im Umgange mit störrischem Vieh (Kuh, Mähre) als Schimpfw. gebraucht Bitb. — η. Nachtschmetterling, Motte MülhRuhr, Ess-Kettwig. — θ.
m. Name eines weibl. Hundes Verbr. [
higsχən Merz-Bergen;
hęgsəl Merz-Morscholz]. — ι. Sg. t.
m. böser, verschlagener Kerl, den man fürchtet; böses Tier,
z. B. ein Pferd, das schlägt Kemp-Dülken;
en suren H. (
m.) böses Pferd Geld-Straelen. — κ. wertloser, kleiner Fisch mit bartartigen Fühlern auf beiden Seiten des Kopfes Siegld;
spösse H. Stichling Klev. — b. sachl. α. Wirbelwind Klev-Cranenbg;
en alde H. Geld;
blende H. Klev-Warbeyen. — β. Feuerwerkskörper Köln-Stdt. — γ. beim Klickersp. eine römische X als Grenzbezeichnung; kommt jmd. mit seinem Kl. dahinter, so darf er nicht mehr mitspielen;
henger der H. sin auch allg. RA. sein Vermögen verloren haben, verarmt sein uWupp 1870. — δ. ein Grashalm, in ein 10 cm langes, rundes Holz eingeklemmt, zwischen die Lippen gepresst u. darauf geblasen u. verschiedene Töne erzeugend Bernk-Bollenb. — ε. Haken, Vorder- u. Hinterpflug verbindend Kemp-Süchteln, Klev-Warbeyen Gaesdonk, Dinsl-Aldenr. — ζ.Loch im Eise Saarbg-Rodt. — η. farbiger Klicker Simm-Dichtelb, Siegld;
H.che kleinster Kl. Kreuzn-Bockenau, Simm-Ebschd;
H.ən hauen (häuern) ein Klickersp., wobei in einem gewissen Abstande dreimal je zwei Kl. hintereinander in einer Reihe eingesetzt sind; jeder Spieler sucht eine H. zu treffen oder einen anderen
Sp. durch Treffschuss auf dessen Schiesskl. aus dem Spiel zu entfernen; wer die meisten H. besitzt, hat gewonnen Sol, Mettm, Lennep, Wippf. — θ. Tauereidampfer Rheinschiff. — ι.
en H. mache dem Vater heimlich einen Sack Getreide wegnehmen u. ihn verkaufen, um zu Taschengeld zu gelangen Sieg-Ägid.