griffel,
m. ,
graphium, stilus. herkunft und form. reindeutsche ableitung von grîfan (Wilmanns 2, 262)
schon aus gründen der bedeutung unwahrscheinlich; vielmehr aus lat. graphium (
gr. γραφεῖον)
mit dem deutschen suffix -il
der werkzeuge und geräthe gebildet, das auch das geschlecht bestimmt hat; die ausgangsform liegt vor in der glosse grauio zraf (
l. graf)
ahd. gl. 1, 255, 24 Weigand
51, 768;
trotz griffel 5 (
s. d.)
kaum reinlateinischen ursprungs aus dem in der bedeutung '
schreibstift'
anscheinend ungebräuchlichen graphiolum.
vom selben grundwort ags. græf,
afranz. grefe,
mnl. greffie, griffie;
vgl. griffe graphium Diefenbach 268
c (
ndrhein.).
der vocal in ahd. grifil
durch nachträgliche anlehnung an den stamm griff-;
die echte form *grafil ('
vox celtica, quae Cambris effertur crafel' Wachter 614)
auf deutschem boden nur in unsicheren spuren: greffel
graphium Graff 4, 312;
kaum hierher aus modernen maa. krefl Martin-Lienhart 1, 271
a; grefel Leihener
cronenberg. 47
b; greffel Hönig
köln. 68
a;
vgl. mnl. griffel, greffel, greffeel;
dän. schwed. nur griffel;
gelegentlich gerundet zu grüfel Neidhart 48, 11;
im älteren nhd. unter anlehnung an greifen
gelegentlich greifel: mit eisern greiffeln Menius
chronica Carionis (1564) 3, 235
a;
vgl. den ersten beleg aus Sebiz
u. 1;
in westlichen maa. bisweilen das griffel Martin-Lienhart 1, 271
a; Follmann 216
a;
stellenweise auch fem. Leihener
cronenberg. 47
b,
wie im mnl. zuweilen und im nnl. allgemein. wie das wort bis in die mhd. zeit ziemlich beschränkt ist auf den literarischen süden, lebt es auch in heutiger ma. wesentlich im obd., dazu in westmd. dialecten, und zwar in der bedeutung '
schieferstift',
vgl. Schmeller 1, 991; Fischer
schwäb. 3, 834 (
stellenweise drieffel); Meisinger
rappenau. 78; Staub-Tobler 2, 722; Martin-Lienhart 1, 271
a; Follmann 216
a;
lux. ma. 154
b; Leihener
cronenberg. 47
b;
auch bei Fischer
samländ. 53
als jröffel.
thür. vertreten durch blei-, schieferstift Müller-Fraureuth 1, 442,
nd. durch rekensticke
u. ä. Adelung.
bedeutung. 11)
grundbedeutung: der stift des schreibers; grifil, grifel, criphil
graphium, stilus Graff 4, 312; griffel
graphium, graphius, graphus Diefenbach 268
c. 269
a;
stilus, stilarium 552
c;
stigulus 552
b;
fragitida 245
b;
pugillaris griffel, pfryeme
nov. gloss. 308
a; also dero geblânetûn tábelun bûohstaba gerizzôt uuérdent mít kríffele Notker 1, 340, 9; das vessel ist ain tevelein, da schreybt man mit dem griffel ein H. v. Neustadt
Apollonius 16652; bringe herausz ain griffel, ain wächsse taffel A. v. Eyb
spiegel der sitten (1511) cc viii
b; man könnte sagen, Schiller schreibe mit dem griffel in wachs, Goethe halte in seinen fingern ein bleistift zu leichten ... zügen J. Grimm
kl. schr. 1, 390;
nach jüngerem gebrauch auch für federhalter: grieffel stylus ... quibus in cera, in tabulis scribitur, penna, calamus, quo in papyro, in membrana Serranus
synon. (1579)
s. v.; werft, musen, blatt und griffel hin Schwabe
belustigungen 3, 223; alsdenn zeigte er ... schreibepapier, worauf sie mit griffeln schreiben
leipziger avanturieur (1756) 2, 47; wenn des geliebten namen sonst so gern die lippe bildet und der griffel zieht Göthe 9, 384
Weim.; da sitz ich schon, den tintebetunkten griffel in der erwartungsvollen hand Nestroy 12, 8;
so noch heute in schles. umgangssprache; wieder um eine stufe jünger, erst im 19.
jh. recht gebräuchlich, der schreibstift für die schiefertafel: eins soll zimlich dick von schiferstein sein, mit einem kleinen greiffel, so mit einem schnürlin an der tafel hanget Sebiz
feldbau (1580) 473; dasz Teteus gewöhnlich mit einem griffel auf schiefertafeln calculirt Cramer
Neseggab 1, 9; das schreiben musz .. zuerst mit dem griffel auf schiefertafeln versucht werden Pestalozzi 5, 172;
daneben von jeder andern art des schreibens: Tyridates .. etliche schriften mit einem griffel in dieses marmor eingegraben ersehen (
hatte) A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 6; man kratzte die hieroglyphen mit spitzen griffeln ein Becker
weltgesch. 1, 105; ein guldîn griffelîn
Flore 2358; ein glesîn grüfel Neidhart 48, 11; mit eim silberin griffel Keisersberg
brösaml. 8
b; schreib in die rinde mit eynem ährinen griffel Sebiz
feldbau (1579) 338; ist von Römern ein stylus, schreibstiel oder eiserner griffel gebraucht worden Harsdörffer
teutscher secretar. 1, Ccc viii
b; (
wachstafeln) worauf man mit einem eisernen oder beinernen griffel schrieb
bibl. älterer schriftwerke d. Schweiz II 3, 8; baumblätter waren ihr papier, und spitzige hölzerne griffel ihre schreibfedern Meissner
skizzen 2, 176. 22)
werkzeug des künstlers, und zwar besonders der stift des zeichners oder malers: stylus pictorius Henisch 1743;
im 18.
jh. sehr gebräuchlich, zumal in der parallele pinsel und griffel: dasz sie sich die emulation lassen aufmuntern, die natur mit ihren federn so .. geschickt nachzufolgen, wie sie mit ihren delicaten pinseln und griffeln gethan haben
discourse d. mahlern 1, 1; hier wollt ich nachstammeln der natur, mit meinem griffel aufs tuch hintragen maler Müller 1, 357; ich habe mädchen gekannt, die vortrefflich zeichneten, aber sobald sie frauen ... wurden, war es aus; sie ... nahmen keinen griffel mehr in die hand Göthe
gespräche 5, 128
Biedermann; ich war der meinung, dasz ein kunstwerk nicht allein mit hülfe des griffels, pinsels oder meiszels .. darzustellen sei Pückler
briefw. u. tageb. 13; so dasz .. dem maler sein inneres gemälde ungehemmt in die fingerspitzen, die den griffel und pinsel führen, übergienge Vischer
ästhetik 3, 1, 11;
diese formel meist in bildlichem gebrauch, s. u. 3 a;
gern in wendungen wie: welche anmuthige grouppe hätte der vortreffliche griffel einer Wernerin nicht entwerfen können Gottschedin
briefe 1, 244; dasz die feder eines Aretin und der griffel eines la Fage sich unvermögend hätten bekennen müssen, weiter zu gehen Wieland
Agathon 2, 104; daher .. all das phantastische ... und zauberische des Schwindschen griffels in diesen blättern erscheint Stifter 14, 173;
weiter: caelum, instrument des kupferstechers Chomel
öcon. lex. 4, 1288; grabeisen, schroteisen,
caelum, .. quo opifices aliquid sculpunt in aere, ligno, saxo Henisch 1743; fürsten .. setzten eine ehre darin, sich von seinem griffel auf ihren münzen abbilden zu lassen Wackenroder
herzenserg. (1797) 30;
vgl. die gedanken der gottheit mit dem griffel des bildenden künstlers in die tafeln der natur zu graben Fr. Schlegel im
Athenäum 2, 3. 33)
zu ausgebreitetem literarischen leben gelangt das wort in bildlichem gebrauch, der an die bedeutungen 1
und 2
anknüpft. 3@aa)
in gewissen mehr oder minder typischen verbalen verbindungen metaphorisch für schreiben und jede form literarischen oder künstlerischen schaffens; immer in poetischer oder wenigstens gewählter sprache; schon mhd. sich ankündigend: daz ander teil hie ende hât: mîn griffel an daz dritte gât Thomasin 2528; nimm den griffel und schreib, schreib was das volk dir sang Hoffm. v. Fallersleben 6, 230; dann
greif ich zum griffel rasch und wild und male mit worten das zaubergebild Heine 2, 57; erhebend zu des tages feier den griffel ernster wissenschaft Rückert 1, 265; ein andrer leget nicht so bald den griffel nieder, doch mir ist alle schrifft, die stacheln führt, zuwieder Canitz
gedichte (1727) 92; Busch hat seit längerer zeit den griffel niedergelegt Vischer
altes u. neues 1, 126; ach, meiner brust entsinkt der griffel, wenn mordgier zur entmenschung schwärmt A. W. Schlegel
im Athenäum 3, 162, beschämt lasse ich den griffel sinken und kann nur im nüchternsten zeitungsstyle .. berichten Gaudy 13, 81:
besonders häufig in der wendung den griffel führen,
die fast ausschlieszlich bildlich gebraucht wird; dabei schwebt bald der stilus scriptorius, bald der st. pictorius vor; seit dem 17.
jh.: kein so beregter geist, kein so begeistert regen führt meinen griffel an Morhof
unterricht v. d. dtsch. sprache 1, 791; dieser hat seine feder in .. drachenblut getaucht, jener (
Tacitus) hingegen seinen griffel gantz aufrichtig geführet Butschky
Pathmos 496; (
epigramme) in denen sie (
die liebe) .. den zeichnenden griffel führte Herder 15, 361; dasz bei diesem abrisz nicht der lohn, sondern wahrheit den griffel führt J. v. Voss
milit. laufbahn 244; recht! ich will den griffel schärfen und dir dein verlohrnes gut, deiner gattin werth, entwerfen Gottsched
ged. (1751) 137; die meisten spitzten sich den griffel kluger schriften, den toderblaszten ruhm, sich selbsten dank zu stiften Neidhard
bei Gottsched
versuch e. crit. dichtkunst 283; obgleich ein Zoilus den griffel an dir wetzet, die miszgunst stellt sich stets zu unserm ehren-mahl Besser
schr. 2, 780
König; verstand er doch so wenig vom innern organismus des menschlichen herzens, wie treffend sein griffel es sonst immer nachzubilden wuszte Holtei
erzähl. schr. 11, 195; kaum andeutend wagt der griffel luftgebilde dieser art zu bezeichnen Herder 22, 271;
darüber hinaus in freiestem gebrauch: dasz er .. sich einen andern advokaten annehme als der war, durch dessen griffel er mich verklaget hat Laukhard
leben u. schicksale 5, 107; mein griffel soll auch die poeten nicht schonen, die doch von andern für könige des Helikons ausgeschrieen werden Schwabe
belustigungen 1, 68; mein griffel wollte nur der wahrheit herold seyn Gottsched
ged. (1751) 1, 399; Gottsched
hat eine ausgesprochene vorliebe für ähnliche metaphern, vgl. neueste ged. (1750) 130;
ged. (1751) 1, 190. 191. 219;
dtsch. schaub. 6, 57; meisterhafter versbau zeichnet auch sie (
die dramen) wie alles, was Platens griffel gleichsam in erz gegraben, wunderbar herrlich aus Holtei
erz. schr. 38, 182;
in ausgeführtem vergleich oder bilde: der hailig Chrysostomus hat den poeten Aristophanes alls für einen griffel teglichs in seiner hand gehapt und alle seine reden nach im geformt und gespitzt Reuchlin
augensp. xi
b; und liesz sich keinen rum des zeitenbuchs belieben, den Mavors griffel nicht mit blut hineingeschrieben Weichmann
poesie d. Niedersachsen 1, 58. 3@bb)
mit dem 18.
jh. stellt sich ein bildlicher gebrauch ein, der durch ein beigefügtes adjectiv besondere arten und formen literarischen und künstlerischen schaffens characterisiert: du hast die güte sie (
die gesänge), den kritischen griffel in der hand, zu durchgehen Göthe IV 10, 111
Weim.; du kennst Leidenfrosts humoristischen griffel Gutzkow
ritter v. geiste 3, 177; an den dichtungen des alterthums bildeten sich poeten in antiker weise; mit leichtigkeit führten sie den römischen griffel, aber für die deutsche sache Gervinus
gesch. der dtsch. dichtung 2, 261; hier müssen wir .. den elenden griffel des stümpers beklagen
allg. dtsch. bibl., anh. zu 13—24, 1456; was mein leichter griffel entwirft, ist leicht zu verlöschen Göthe 1, 298
Weim.; wär ich zugegen gewesen, als die vergleichspunkte entworfen wurden, wohl möglich, dasz einige von ihnen ein schärferer griffel niedergeschrieben hätte Meissner
Alcibiades 4, 112; die naturwahrheiten seiner gemälde scheinen uns nachlässig mit grobem griffel hingeworfen Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung 5, 33; dasz man höchstens mit ungewissem griffel einige kategorien ... zu umreiszen suchen wolle Vischer
ästhetik 2, 208;
seltener substantivische attribute: die kühnen bilder des korans ... mit dem glühenden griffel der begeisterung hingezeichnet Klinger 4, 15; hingeschrieben mit dem griffel des blizes Schiller 1, 274. 3@cc)
gewisse formen bildlichen gebrauchs gehen auf Luthers
bibel zurück: die sunde Juda ist geschrieben mit eisern griffeln, .. und auf die tafel ires hertzen gegraben
Jer. 17, 1; ah, das meine rede geschrieben würden .. mit einem eisern griffel auf bley
Hiob 19, 24; derhalb Paulus nit unartig anzücht das das gsatz gottes mit dem finger und griffel gottes in aller menschen hertz geschriben sei Seb. Franck
chronica (1531) 2
b (
vermischung mit Hebr. 8, 10; 10, 16); die thränen ... sind nicht schlechtes wasser, sondern griffel, die das unrecht dergleichen leute ... in das hertz der nachkommenden welt einschreiben Zend. a Zendoriis
winternächte 518; der seine lieb ins hertz mit eisern griffeln schreibet Treuer
deutscher Dädalus 1, 336; die schöne zügeinerin ist mit einem guldenen griffel in mein hertz geschrieben Harsdörffer
frauenz. gesprechsp. 2, 343; wir aber ... möchten mit ehernem griffel grundsätze in dein herz graben, welche der gefahr ewigen todes vorbeugen Raumer
gesch. d. Hohenstaufen 3, 419;
hier vielleicht anzuschlieszen fälle wie: betrachten sie mein blasses gesicht. die leidenschaften haben sich mit ehernem griffel hineingegraben;
zur Hiobstelle vgl. wendungen wie: es sei ... diese kritik mit eisernen griffeln in metalltafeln eingeschrieben Steffens
was ich erlebte 4, 268; qui Jhesum Christum pure praedicat, illius lingua ist ein griffel, quo scribit in corda hominum Luther 27, 155
Weim., vermengung mit ps. 45, 2: mein hertz tichtet ein feines lied, ... meine zunge ist ein griffel eines guten schreibers;
eine viel citierte stelle; vgl. dazu: dasz keines redners zunge so fertig, die es könte aussprechen, noch keines dichters griffel so wol gespitzet, der es könte beschreiben Rist
friedejauchz. Deutschland (1653) 225. 3@dd)
alt ist bildlicher gebrauch in der gegenüberstellung oder vergleichung von schreiber- und schwerthandwerk: ouch was mir ie vil ger für den griffel zuo dem sper, für die veder ze dem swerte Hartmann
Gregorius 1590; si (
die ritter) wâren alle viere tiurlîche schrîbære. ir griffel wâren swære Stricker
Daniel 3544; ob wol die sach nit mit degen oder spiessen entschayden wirt, so erstechen sy sich doch aneinander mit griflen, die mit gifft angestrichen seind Spalatin
klage des frids (1531) C 1
a; ach schmolz der väter tugendkraft so weich, die ernst wie Rom so schwert als griffel führten Fr. v. Schlegel 10, 11; frühling! frühling! der griffel wird zur klinge, die mutig die verjüngte welt befreit Herwegh
ged. e. lebendigen (1841) 89; einen vormund .., der .. fähig war, für sie den degen des feldherrn und den griffel des gesetzgebers zu führen Mommsen
röm. gesch. 2, 373. 3@ee)
jüngerer zeit gehört die bildliche wendung vom '
griffel der geschichte'
an, auf der bekannten allegorischen darstellung beruhend: aber Klio, mit dem gerechten griffel, schrieb unsichtbare worte darauf (
auf den leichenstein) Heine 3, 160; wie ist da die .. wahrheit auf den kopf gestellt! und zwar ganz offenbar, weil Klios griffel vom parteigeist gestohlen ... wurde Scherer
kl. schr. 1, 41; allein, ich hoffe, der universalhistorie griffel verewigt unsere unterhaltungen noch Cramer
Neseggab 4, 504; die thaten, die umstralt von fabelhaftem lichte, die ferne nachwelt einst dem griffel der geschichte kaum glauben wird Gotter
ged. (1787) 2, 320;
auf derselben vorstellung beruhen wendungen wie: was in das buch mit ehrnem griffel schon der genius der zeiten eingetragen Chamisso 4, 55; die meisten geschichtsschreiber haben den fehler gemein, dasz sie das volk, dem sie ihren griffel weihen, unvermerkt liebgewinnen Zschokke 2, 4; keine zeit aber hat den bewahrenden griffel nothwendiger gehabt als die gegenwärtige Steub
drei sommer 1, 321;
auch Urania führt den griffel: Urania durch den auf den globus hinweisenden griffel bezeichnet
archäol. zeitung 1, 120
Gerhard; die (
himmelskunde) zeichnet rein den gang der sphäre, ihr griffel regelt nacht und tag Göthe 16, 303
Weim. 44)
seit je auch, ohne die specialisierung von 1
und 2,
ein spitzes oder scharfes instrument für die verschiedensten zwecke: griffel
scalpellum, radula Wachter 614; griffel zum radiren Kramer
teutsch-ital. (1700) 1, 559
c;
der umgekehrte schreibstift konnte diesem zwecke dienen: sie wissen, wie schwerfällig ich arbeite, und dasz ich mehr mit umgekehrtem griffel als mit dem spitzen ende desselben schreiben musz Hamann 1, 471
Roth; grieffel, zayger,
stylus quo pueri monstrant literas Henisch 1743; griffel zum buchstabieren
stecco, tocco da lettere Kramer
teutsch-ital. a. a. o.; '
ein spitziges hölzchen oder ein draht, womit die kinder in den leseschulen die buchstaben zeigen' Adelung;
ein chirurgisches instrument: und wann man das an dem falcken mercket, so sol man im die naslöcher mit ainem silbrin griffel oder nadeln uf prennen Mynsinger
von den falken 23
lit. ver.; vgl. wundgriffel Steinbach 1, 639; '
allerhand chirurgische und anatomische instrumente' Chomel
öcon. lex. 4, 1351;
grabstichel des goldarbeiters Jacobsson
technol. wb. 2, 143
b;
instrument des graveurs Beil
technol. wb. 1, 261; wer in (
balsam) vorn an ainen griffel tuo und in anzünd, so prinn er K. v. Megenberg
buch d. natur 359, 32;
vgl. 360, 3; do stach einer ein loch unden in die luzerne mit eime griffel
städtechron. 8, 431, 4; die zweig, die sie setzen wöllen, spalten sie so weit als sie in den grund kommen sollen, und nemen mit einem griffel das marck herausz
M. Herr
feldbau (1551) 67
a; fleckige (
demant-)steine werden in splitter geschlagen, die man zu griffeln verwendet, womit man in glas graviert, glas schneidet, harte steine durchbohrt Oken
allg. naturgesch. 1, 149; Lasa Thimrae, die einen lekythos und einen spitzen griffel, une espèce de stylet (nicht ein schreibzeug) hält Welcker
alte denkm. 3, 538; beim drehen des griffels greift ein kleines zahnrad in
zwei zahnstangen ein (
fensterverschlusz) Karmarsch-Heeren 3, 406. 55) griffel, losz, zweigschosz
calamus arborum ac vitium, teres particula ac virga, apta ad serendum in terra, vel quae ramo alicuius arboris inseritur Henisch 1743; Stieler 699;
ebenso im mnl., vgl. Verwijs-Verdam 2, 2138;
noch heute in westl. maa.: grefel
pfropfreis Müller-Weitz 73;
vgl.gröff
edelreis lux. ma. 154
b;
hier scheint unmittelbarer zusammenhang mit lat. graffiolum
surculus, taleola du Cange 4, 102
b vorzuliegen. 66)
in botanischer kunstsprache der mittlere theil der weiblichen befruchtungsorgane, der die narbe über den fruchtknoten erhebt; übersetzung von lat. stilus;
früheste belege: der mittlere griffel ist zackigt und steht auch noch auf der jungen frucht Gottsched
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. 3, 257; der griffelbau der pflanzen
allg. dtsch. bibl. 69, 441;
lexicalisch seit Adelung, Campe. 77)
anatomisch: '
eine griffelförmige hervorragung an den knochen (
stylus)' Campe; die rechte seite des unterkiefers .. ist auf eine so merkwürdige weise geschwunden, dasz der aufsteigende ast mehr einen zugespitzten griffel als einen breiten knochen darstellt Sömmering
bau des menschl. körpers 2, cii;
vgl. zwei gegliederte griffel am hinterleibsende bei den moderkäferlarven Brehm
thierl. 9, 60
Pechuel-Loesche. 88)
gelegentlich scheint die bedeutung bestimmt durch substantiva ähnlichen klanges: griffel,
m., eisernes, mehrzinkiges geräte Pfister
nachtr. zu Vilmar 82 (
vgl. greif,
m., dreizinkige mistgabel sp. 10); griffel,
f., etwas gabelspaltiges Woeste 36
a (
vgl. nd. grēpe,
f. [
sp. 10]
und gaffel,
f., mehrzinkige gabel).