Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
gezouwe stN.
1.1 allg.
1.2 bildl., bes. in myst. Texten, für den Menschen oder seine Seele als Werkzeug oder Mittel, durch das Gott wirkt
1.3 Bez. für unterschiedliche, für das jeweilige Handwerk typische Arbeitsmittel (vgl. DWB 4,1,4, 6876-85 s.v. gezähe )
2 ‘Ausrüstung, Ausstattung’
3 ‘angemessene Mittel’ (?)
1 ‘Werkzeug, Gerät, Vorrichtung, (Hilfs-)mittel’ 1.1 allg.: nû enwürket das gezöu niht, es werde danne beweget von deme, des gezöu es ist, alse der hamer. der hamer der gesleht niemer, der smit bewege in denne Vorsmak 1,437; vil vru ouch der arzte quam, / mit im sine gezouwe er nam, / daz er gemachet het scharf Vät 17420; dô liz her ime vore brengen alle di gezowe di grûwelich wâren, dô mite man di heiligen pînegete HvFritzlHl 176,20. 70,25; Pilatus 1,7; dô hîz er [Alexander] starc gewerke / machen [...] / und hîz di mûren howen / mit stehelînen gezowen SAlex 1210; Köditz 34,26; NvJer 15058. – alse zuo der volheit menschlichez wesennes behöret, daz ez si etwaz zesamengesastes von libe unde von sele, unde habe alle mechte unde gezouwe der bekentnüsse unde der bewegde [ habens omnes potentias et instrumenta cognitionis et motus ] ThvASu 150,14; di sele hait zveigirleige crefte: mit den nidersten ist si geheftit in den lip und wirkit in liplichin gezowin, on di si ir werc nicht follinbrengin mac Parad 25,10. – euphemistisch für ‘Hoden’ sines geczewes oderen [l. aderen, übers. hier nervi ] / clingwerft sint [ nervi testiculorum eius perplexi (verflochten) sunt Iob 40,12] unde Hiob 14783 1.2 bildl., bes. in myst. Texten, für den Menschen oder seine Seele als Werkzeug oder Mittel, durch das Gott wirkt: unde doch so gebruchet die gotliche nature der wirkunge der menschlicher nature alse ein wurkunge sines gezouwes [ et similiter humana natura participat operationem divinae naturae, sicut intrumentum participat operationem principalis agentis ] ThvASu 104,12; der mensche ist ein gezouwe gotes Eckh 3:427,13; Parad 109,26; Tauler 312,10 1.3 Bez. für unterschiedliche, für das jeweilige Handwerk typische Arbeitsmittel (vgl. DWB 4,1,4, 6876-85 s.v. gezähe): – ‘Webstuhl, -rahmen’ ponat instrumenta texendi iuxta textores, quod wlgariter dicitur ‘gezuͦwe’ UrkBresl 68 (um 1300); bildl.: hie von ist genuk gesaget. / ich wil uf min gezouwe eber [d.i. mnd. aber ‘erneut’ ] / und wil weben also ein weber Brun 1855. – Geräte zum Fangen von Tieren und Fischen: wie ain vischære / zôch sîne segene [ ‘Zugnetz’, La. mit sinre gezouwe ] , / dô flôz im engegene / ain maget Kchr 11898; der bischof und der kunic nâmen ire knechte unde ire hunde und ir gezowe, dô man di tir phliget mite zu vâhene, und zugen in den walt unde jageten HvFritzlHl 193,27; auch sall eyn faut von Mintzenberg weren in den wassern, die jnne deme wiltbanne gelegen sint, spangetzauwe, waden vnd die kyselgarn vnd alle vnrechte stricke vnd gezauwe, damit mann fahen mag wilt vnd fogele vnd fische WeistGr 1,499 (a. 1338) 2 ‘Ausrüstung, Ausstattung’ des beginnet denne smielen / des tîvels juncfrowe. / si hât vil guot gezowe, / hemde unt röchel Priesterl 700; der ist der aller schoniste man / der ie von wibe gequam / vnde veret mit grozzer menige / ime dienint suelle [l. snelle ] helede / scal vnde vedirspil / des ist inminis herren hove vil / ros vnde iu#;cnvrowen / vnde ander ritaris gezowe Roth 301; KlageB 2835; Kudr 262,3; dî brûdre sundir beitin / begondin zu bereitin / gezouwis und gereitis gnûc NvJer 10101; do quam ein sturm mit grozer craft, der des boten schif begreif. / ir gezowe in zusleif / und dar zu alle ir wisheit. / des grozen sturmes hertekeit / treib daz schif uf dem mer Pass I/II (HSW) 30312; Pass III 11,49 3 ‘angemessene Mittel’ (?): ist di wunde schibelecht, / he mache ir ire wike [d.i. wieche ‘Reinigung mit einem getränkten Hanfbausch’ o.ä.] recht. / ist der stich adir hou / lanc, he mache ir sin gezcou PfzdHech 314,2; er wurt do ergetzet / leides unde sorgen / die naht unze an den morgen / mit guoten gezowen MinneR 302 149
MWB 2 772,46; Bearbeiterin: Baumgarte