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Erdapfel

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RhWB
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15 in 14 Wb.
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Eintrag · Rheinisches Wb.

Erdapfel

Bd. 2, Sp. 154
Erd-apfel m. (hier u. da f.): 1. Eətapəl, Pl. -ępəl; Nfrk -apələ; Klevld Sg. ęrapəl; doch überall daneben in gleicher MA. meist verkürzt > Eərpəl. Er-, ēə-, ēă-, īă- (s. Erde), Pl-ələ; im Selfk, Klevld von Mörs, Geld an u. n. Ruhr mit Kürze ęrpəl; in Kemp im gleichen Orte Schwanken [MülhRuhr ę·r.pəl; Geld-Pont ęrpəl u. ęlpər; Wermelsk ęipəl]; das Wort ist Rip, Nfrk die geläufige Bezeichnung, doch LRip an der Ahr meist jrompər wie Mosfrk, Rhfrk; in SRheinb, SEusk, Schleid, Monsch steht jr. seltener neben ę.; in Schleid, Monsch dazu eine Kompromissform Eəbīərən u. Eəbərən (Pl.), z. B. Schleid-Dreiborn, Monsch-Rohren, woneben seltener hier Eədapəl oder jrompər; in Monsch neben ę. u. in Eup krpet; rrhn. setzt sich das westerw. ębərn, ęăbęărn (ębšərn, ęrbən) in Neuw, Altk als Erbəl fort [schon Kobl-Bend Erdabəl]; vom Siegld aus die Sieg entlang bis Sieg-Ägid Honnef dofəl, tufəl, dies in SSieg mit Eərpəl oft am gleichen Orte; das Nfrk hat einheitlich ę., hier u. da pətāt u. in Rees Ertnot, Eup-Raeren knudəl [die Kinderbezeichnungen fallen hier ausser Betracht, wie Babbel, Bubben, Pippers]. a. Kartoffel; noch 1790 wurden auf den grossen Höfen um Kemp-SHubert nur 5 — 10 Malter E. geerntet, »so nur an den Feiertagen einmal genossen wurden«. Sorten, teils allg. nach Kennzeichen als wisse, gele, rude, blaue, Blauögskes, Blaukinne, Rauhbas, rauhschalege, glatte Ruə, Blankschale, fröhe, späde (late) bezeichnet, teils mit bes. Namen, die jüngst den landwirtschaftlichen Katalogen entnommen sind; da man die frühesten Kart. (Nüngweəkes [Neunwochen]) auf Margaretentag (13. VII.) ausmachte, nannte man die früheste Sorte Margrite (Juli-Nieren); an der Sieg (Altk-Birken) nennt man die früheste freje Rose on Gehanneseəbel, in Emmerich Zint Jans Erdappele; als beste, aber immer mehr aussterbende Sorte gelten de Niere (Moll, Mäus-che, Fescherbel. Schleifstanche); beliebt ist die Bezeichnung nach der Herkunft: Hunsröcker, gele Englänner, Daler Füss = Rheindahlener Rote, Grefröər E. (Grefrath) usf.; andere Bezeichnungen: Bloe Riese, gele Industrie, rude Professer (Westerw). Rosen, Schneeflocken, Wolfmann, weisse Urbaner, weise Kaiserkadoffele, Magnum bonum (volksetymol. entstellt zu Mangel am Bodem Trier, — am Bauch Trier-Gilzem (scherzh.), Bedemcher Trier) usf. — Da sich mit der Kultur der Kartoffel u. ihrer Zurichtung bestimmte Tätigkeiten verbinden, so seien diese zugleich mit den sich hiermit verbindenden RA. genannt (s· Verbr. der einzelnen Wörter unter den betr. Stichwörtern); de E.ə werde gesatz (gepoət Nfrk) mit der Hau, engeplög mit dem Pflug (Setzplog) en de Strich (Rip). RA.: Hej es so schmerig. in den sinen Dreck köj E.ə pote Klevld. He mak e Gesich, do ka me en Mauler (Malter) E.n drop rejoalen MülhRuhr. Nach dem Setzen mout me de E.ə kippen die Schollen zerschlagen Gummb; oder sie opkratzen (hickelen), behauen; dann werden sie gehöf (gehäuft, auch behöf, –höfelt, gehüffelt, gehögt) entweder mit der Hacke (bescheren Gummb) oder dem Huffeleplog; im OBerg werden die E.ə meist geritz mit dem räderlosen, von Menschen gezogenen Ritzhok (-haken). RA.: De hät en Nas für E.ə ze rehe Aggertal. Die Kartoffel entwickelt nun den Struch; se setze gehüreg Struch an (s. auch Stamen, Sturken) mit dem Gelöf (Geläube), das bei Frost schwarz geflämmp ist; de E.ə sen arg en et Lof geschosse; in der Erde entwickeln sich die E. zu einem Plock (Putschen, Kludder) E.ə, der in einer Mott ruht (en Möttche E.ə); sind sie zeitig, dann geht mer an de (neu) E.ə; sie werden usgemach (ütgedohn), genauer gekarscht (utgehackt) oder (us)geplög (mit dem Usmachplog) oder utgedabbt (gescharrt), wobei die Kinder meist die auf der Spreite (Spret, Jon, Strau, Schlau, Retsch) liegenden E. (op)lesen (scharen, krabbeln Nfrk); am Schluss der Ernte wird de kromme E. vertert, d. h. krumme E. werden mit Dornen (Peus) zusammengesetzt u. mit Blumen gepeelt oder gepärlt; dann wird der kr. E. mit folg. Ansprache der Hofherrin überreicht: Frauw, hier es den E. van et Land, hej es gewasse in de Sand; ek sen well en bäche (bis-chen) Mann, mär hej es ok wat kromm; häj gej nor wat mehr Verstand, da kommt gej met de volle Fläss (Flasche) in de Hand Klev-Üdem; hier es den E. van et Land, den de Edelmann hät geplant; hen es well wat kromm, on ek sin wat domm; gej hät well wat mehr Verstand, dat gej kommt met de Fläss in de Hand Geld-Capellen; der leste E. van et Land gef ik Moder in de Hand, es nit grot un es nit klein, tum Eten äwer got un fein, es nit drög un es nit nat (nass), geft uns en Dröppken ut et Fat (Fass) Rees-Mehr. Für die Qualität der E. eine Reihe feststehender Formeln: E.ə wie Köpp, Köndeköpp, Kegelklötz, Klotzer, Schohn usf. so dick; dat send E., do sall mer ne Bur möt vam Perd schmite MGladb; de E. könnt mer en e Strühbangk benge Monsch. RA.: Decke wette E.ə fölle de Pott en schmere de Reppe Geld-Kevelaer. En groten E. es ok en Bas Emmerich. De dömmste Bure han de deckste E.ə Rip, Allg. E.ə wie Duveneier, Nöss, Mörmele (Klicker) usf. so klein; Krauelserpel Heinsb; dat es der en Gefisel, mer mant, de Deiwel hätt seine Somesack ausgeschitt Westerw; auch durch bes. Demin., die kleine Dinge bezeichnen, so: dat sen de renste Hippes-cher, Primmes-cher, Friselchen, Prippelchen Altk-Birken (u. so viele a.). — Fehlerhafte Eigenschaften: Glaserige, pockige (krentige), plackege, zweiwassege E. RA.: Die Saken üs keine fulen E. wert MülhRuhr. En Gesech wie ene kapotten E. Mörs-Asbg; de kickt dren wie en neuen E. Lennep. — Die E. werden geschält, die frühesten geschrapp; zu dick geschält beschlohn. RA.: Goht no Hüs en schält de Katt wat kleine E.ən! dem gesagt, der nichts Gescheites redet oder tut Klev. Die kann noch genen E. schälen keine häuslichen Arbeiten verrichten Rip. Et ös dech jet gedohn (et es e Led) in der Welt, wemmer E.ə schält; sch. mer ze deck, dann bromme de Lü; sch. mer ze dönn, dann br. (gromme) de Küh Kref; su geiht et en der Welt, wemmer E. schält on Rifkuəken backt, de nit schmackt Mettm, — mäkt mer domm Denger, schnidd mer sech en de Fenger Kref, — on schneck (schneidet) sich en de Fönger on blot sich dut Schleid-Hellenth, — dann schnidd me sek en de Dumme, dann krit me leckere Prumme NBerg. Die Augen (Boken, Bozen) werden usgeketsch; sind sie nicht alle rein ausgeschnitten, su sehn enen de E.ə an. Die gekochten E. werden afgeschott. De E.ə afschödde gemeiner Ausdruck für urinieren Aach, Sol, Mettm, MGladb; die klen E. a. coire Mettm-Haan; ömmes de E. a. die Meinung sagen Barm. De E. werden gekocht, gebroden, gedämp, gepiepscht (s. d. W.). — Gerichte (s. auch bei den Zs.). Drügen E. mit Salz u. Wasser abgekocht Remsch; E. aus em Wasser Westerw; gekochte, gequallte, gerengelte, gebrodene, gedämpte, kurte (kurz gestossen), dönn, schmal E.; E. ze Perd gekochte E. mit etwas Milch u. vieler Brühe uWupp, Mettm; E. op näcke Föut (Füssen) ohne Zugabe, ‘nur’ K. Kref-Linn Fischeln. Bes. die Verb. Kaffe on E., Bottermelch on E. ist beliebt. RA.: He frot die E. met samt der Mondierung Schale Mettm-Haan. De Sauss makt den E. Geld-Straelen. Jeder no sinem Appetit, dann ett den enen den Stockfisch on den annern de E.ən Ess. Klage über das Einerlei der Mahlzeit: Merges gerift (gerieben), middags gestift (Brei) un owends mit de ganze Mondor (Quellkartoffeln) Dinsl-Gahlen. Mer han jeden Dag wät annerscht, heut Kaffe on gedämpte E., morn E. on Kaffe Altk-Wissen. Et geht wie gedämpte E. en de Pann bei Geräuschen Altk-Hecken. — Andere RA.: Den E. es den Bas van de Kelder on et Brot den Bas van et Hüs Geld. Et geht nicks boven enen gouen E. Kemp. En der Nut koch mer E. on Brut Sieg-Thomasbg. Dat Fraumensch het och mehr em Lif as E. un Brot sie ist schwanger Waldbr-Hahn. Enen E. em Mongk, enen op de Gaffel, enen em Zangk (Zahn) essgierig sein Dür-Gürzenich, — em Ug Remschd. Er sengt, als of e ene E. em Hals hätt Rip, Allg.; et es mer, als hätt ech nen hessen E. em Mongk steche Rip. Seng ens dat Stöck, wo fröher de E.ə drop stongen wenn jmd. singen will MGladb-Rheydt. Wenn jmd. zum zweiten Male fragt: Wat säs de? Antw.: E., van de decke, ruə ebd. Su arm, dat e ke Salz op de E.ə hät Bergh. Tösche Supp on E. scherzh. Zeitbestimmung Heinsb-Bocket. Sua E.sgenau dörfs de't ni nehme MülhRuhr. De werp met em E. nom Häring Eusk-Billig. De E. sen am wassen die Ferse kommt aus dem Strumpf Allg., — sen rif Rip, Allg., — kommen rut Wippf, — sen am blöhen Sieg-Much, — sen bellig Verbr.; de hät E. geposs Bergh, Köln, — hat E.ə ze verkaufe Köln; wat kosten de E.ə? ebd., Ruhr; fresche E.ə gefällig? MGladb-Rheind; noch ene gode Ren, dann sind de E.ə rif Düss; du konns joa all de E.ə döbbe Heinsb-Myhl. — Was haben wir gekocht? Antw.: Blotwursch met E.ə oder de Düvel es lous en all Ecke Dür-Nideggen. Ze Mäəte, ze M., wat hät di Mor gekouch? En go Schottel E. on och ene fette Knouch Dür. De hät esu völl Verstangk wie ene E. Erk-Keyenbg; su domm wie ene E. MGladb; e hät en Nas wie ene Mozemer (aus Mozenborn) E. Dür. E.ə fitsche ein Nachlaufesp. MGladb-Rheydt. — b. übertr. scherzh. α. sachl. αα. Kopf Berg, Kref, Geld. — ββ. das Gesäss; ömmes den E. verpöhlen verhauen Sol — γγ. dicke Nase Aach. — δδ. Taschenuhr Verbr. — β. persönl. enen drügen E. trockener Kerl Kemp-UWeiden; leckeren E. hübsches Mädchen Duisb. — 2. andere Früchte. a. helianthus tuberosus Hunsr; russische E. Heinsb. — b. topinambur, Knollengewächs, als Viehfutter gebraucht Kreuzn-Hahnenb, Bernk-Neumag.
9473 Zeichen · 246 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    erdapfelstm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +1 Parallelbeleg

    erdapfel stm. erdepphile die suoʒen Genes. fundgr. 2,43,36. melonen? Hoffm. sumerl. erdaphil cucumer. Schmeller 1,104 : …

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Êrdapfel

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Der Êrdapfel , des -s, plur. die -äpfel, ein Nahme, der verschiedenen runden, einem Apfel ähnlichen Wurzeln oder Früchte…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Erdapfel

    Goethe-Wörterbuch

    Erdapfel mit 16 Belegen knapp die Hälfte gegenüb ‘Kartoffel’ 1 Kartoffel a die Ackerpflanze, im Hinblick auf Anbau, Herk…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Erdapfel

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Erdapfel , Erdbirne, Tobinambour , knollige Sonnenblume (Helianthus tuberosus) , ein hohes Gewächs mit den Sonnenblumen …

  5. modern
    Dialekt
    Erdapfel

    Bayerisches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    Erdapfel Band 1, Spalte 1,459–463

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit erdapfel

208 Bildungen · 184 Erstglied · 24 Zweitglied · 0 Ableitungen

Zerlegung von erdapfel 2 Komponenten

erd+apfel

erdapfel setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

erdapfel‑ als Erstglied (30 von 184)

Erdapfelinfusion

GWB

erdapfel·infusion

Erdapfelinfusion -ä-, -infiusion u Bindestrichschr wässriger Aufguß zerquetschter Kartoffeln (iZshg mikroskop Beobachtungen an Infusorien) N…

Erdapfelsbauch

RhWB

erdapfels·bauch

Erd-apfels-bauch -bux, –būk (s. S.) Allg. m.: dicker Leib; dicker Mensch, von dem es heisst: he iss de Wech 35mol Erpele Monsch-Witzerath ; …

Erdapfelsbläch

RhWB

erdapfels·blaech

Erd-apfels-bläch -blēək, –E- SNfrk, Berg n.: 1. –feld im Garten. — 2. Schmierstelle am untern Ärmel, wo der Junge sich die Nase abzuwischen …

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