Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
drücken swV.
1.1 ‘jmdn./etw. drücken, pressen’
1.2 ‘jmdn./etw. unterdrücken, unter Druck setzen, bedrängen’
2 mit Akk. und präp. Erg. (meist zur Angabe der Richtung, überw. an ) ‘jmdn./etw. irgendwohin drücken, pressen’
3 mit Refl.-Pron.
3.1 ‘sich (weg-) drücken’
3.2 mit präp. Erg. oder Lokaladv.
4 intr. (vgl. 2 5 Mhd. Gr. § S 30,1)
1 mit Akk., selten mit Dat. ( HvNstAp , GTroj ) 1.1 ‘jmdn./etw. drücken, pressen’ alsô töunde druhte er in / daz im daz bluot zer nase dranc Wig 5117; si drukte im dannoch, das das plüt / in zu den oren auß wüt HvNstAp 10084; do ward mund rotten munde / güttlich an der selben stunde / getrukett inneklichen do GTroj 9127; daz man die ölfrüht dreistunt twingt und druckt und presst BdN 335,11; daz sie schiere / druhten [senkten] ir baniere / und sie begunden kêren RvEAlex 7518; erst wurden die ross getrukett, / mitt sporen serr geschmukett / ze samen GTroj 1055; dú trukendú burdi Seuse 126,11; mit gedructen worten swinde / hôrte man si antwürte pflegen KlageC 3040; zwuo stimme in irm [der prunksüchtigen Frau] munde sint: / diu eine ist kleine, als ein kint / diu wort niht vol drücket [hervorpresst, artikuliert] / und si halbiu underzücket Renner 12291. – mit Akk.d.S. und Dat.d.P.: si druht’ im sîne hende, daz ûz den nageln spranc / daz bluot NibB 675,2; der hœhsten hant getrûwe ich wol, / daz si drucke und ziehe mir den arm [führe die Hand] Wh 150,15; diu zwai geliebe ein ander zart / diu hændel dicke dructen WhvÖst 2511. – mit Ersparung des Obj.: si [die Minne] derret unde brennet, / si drücket unde bindet KvWPart 12189; ein búrde heisset ein ding daz sere trucket oder swere vellet Tauler 25,17 1.2 ‘jmdn./etw. unterdrücken, unter Druck setzen, bedrängen’ ein künic der tet den juden übel unde wart si grœzlîchen druckende BuchdKg 30,9; RvEBarl 2198; min vane sol fuͤr sich rucken, / der heiden her so drucken / daz sie shiere ligen tot Rennew 21120; die ubelen scult ir [als Ritter] drucchen, die goͮten vristen Spec 141,27; ritter gnug die gern recht hulffen stercken und unrecht trúcken Lanc 306,2; dat de burgere van Kolne da ane ieman druckin ove drengin wolde [...] mit gewelde inde zuͦnrehte UrkCorp (WMU) 69AB,13; daz du ritter leben druckest [abwertest] / und knecht leben chuckest StrKD 4,51; dirre welte kint: / die drücket er und hœhet die / mit rehter dêmuot wâren ie RvEBarl 13051; [das Blei] drükt und senftigt etleich smerzen ain weil BdN 481,12; du vindest iemer etzwas das dich truket oder bisset in dinem hertzen PrEngelb 195,58. – diu nahtigal unkäuscht etswenn mit der spirken [Sperling] und læzt sich drucken von der spirken BdN 221,15. 221,23 2 mit Akk. und präp. Erg. (meist zur Angabe der Richtung, überw. an) ‘jmdn./etw. irgendwohin drücken, pressen’ diu tet im umbevâhens schîn, / si druct in vaste an ir lîp Parz 199,25; Volmar 611; die schoenen druhte ich her ze mir Tannh 2,61; mische ole dar zoͮ. vnde druchez durch ein toͮc Ipocr 16; unt druht’ in ungefuoge zwischen die want und ein schrîn NibB 672,4; wan si druket ain ôr auf die erden BdN 262,22; nu hat si mich gedruket in einen grundelosen sumpf Mechth 6: 19,8. – uns drücke diu welt under sich RvEBarl 4559. – oft in Kampfsituationen (z.T. mit Ersparung des Obj.): dringen unde drucken / wart dâ sô grôz, / daz ein widerstôz / in der stat wart, / [...] / zahei, wie dâ wart gevohten! Ottok 50650; Gracius uf in dructe / mit einir starkin sturien Athis A** 74; KvWTurn 935; mit maniger poinder / herter unde swinder / die heiden an si dructen Ottok 50197; di tjoste wart gedrucket dar gen dem Anschevine JTit 949,1; do spranc der loͤwe zuo zim vf den sal. er drucket wol hundert ritter v́ber ein ander hin zuͦ tal WolfdD 1825,4; Suchenw 17,66. – ‘etw. aufprägen’ swenne man iuch wîhet, sô wirt ein karacter gedrücket in iuwer sêle, dâ man iuch iemer mêr bekennet PrBerth 1:362,8; dâ was gedrucket in ein tuoch / daz bilde Jêsu Kristes KvWAlex 266; der helle rigel / druhte da sin insigel / an die tür mit siner hant Martina 221,76; sins bildes ingesigel / got druckt in einen kloß Mügeln 345,4. – ‘etw. aus etw. pressen’ ole daz man drucket uon den olbern SalArz 16,13; electuarium daz ist ein souch der wirt gedrucket uz den wilden kumberlin ebd. 86,28. – ein Ergebnis bezeichnend: der wagin druckte den man ce tôde PrMd(J) 348,27; der nem batonien, wegerich, ysenchrut aller gelich und druche daz ze pulver BenRez 44 3 mit Refl.-Pron. 3.1 ‘sich (weg-) drücken’ als er [der Reiher] des hanen wart gewar / [...] / er begunde sich drücke Reiher 51; swelch junger man sich drücket / und nû für Troie niht envert / der muoz an wirde sîn verhert KvWTroj 27892; daz wir trurig und vro / sin von natur und leben so / daz wir uns nit gedruken / munt [können] SHort 5345 3.2 mit präp. Erg. oder Lokaladv.: und vloch ouh Adonẏas / hin da gotis altir was, / und druhte sere sih daran RvEWchr 31549; si umbeviengen sich mit armen / und dructen sich zesamme Ottok 3383; der heiden diet michel tropel / sich hêten zu hûfe in ein kopel / gedruct, gedrungen herte gar Kreuzf 5749; Minneb 137; in di formen des ewigin lichtes sal sich druckin di edele sele Parad 22,15; [die Kräuter] habent wunderleicheu werch von der stern kreften, die sich in ir form drückent BdN 379,35 4 intr. (vgl. 2 5Mhd. Gr. § S 30,1): nu kam dort her gedruckt [angaloppiert] / lo reys Appolonius HvNstAp 18848
MWB 1 1384,31; Bearbeiter: Diehl