BITTERLICH adj. mhd. bitterlich.
mnd. bitterlik;
mnl. bitterlijc,
nnl. bitterlijk;
afrs. bitterlike
adv. ; ae. bitterlic (?), bitterlīce
adv., me. bitterlī
adv., ne. bitterly
adv. ; an. bitrligr.
abl. von bitter adj. 1
schmerzhaft, leidvoll. oft intensivierend: hs.E12.jh. swa er iê nah ringet,/ daz chan er wol bestæten/ mit bitterlichen ræten priester Wernher
D 4856 W. ⟨u1280⟩ gæb ich iu daz swert mîn,/ mich twinge dann der slege nôt/ oder der bitterlîche tôt Jansen Enikel
fürstenb. 667 MGH. ⟨M14.jh.⟩ Jherusalem was eine stat des friden und ouch eine stat des unfriden, wan Cristus do so unmessekliche leit und bitterlichen starp Tauler
85 DTM. 1519 gedenck, wie bitterlich Christus zartes fleysch zurgeysselt .. wirt Luther
w. 2,141 W. 1611 vnd im büchlein Ruth sagete die betrübete Naemi: heisset mich nicht Naemi (die lustige oder schöne frau) sondern Mara, denn der herr hat mich sehr vnd bitterlich betrübet Herberger
trawrbinden 1,107. 1695 als solches die frau gehört, fangt sie an bitterlich zu weinen
in: predigtmärlein barockzeit 275 M.‐R. 1732 als ihm dahero die königin Fredegundis ihres gemahls tod zu wissen thun, .. vergoß er .. bitterliche thränen Bünau
kayser‐hist. (1728)2,123b. ⟨1851⟩ ’s muß manchem .. das sterben am bergüner galgen gar bitterlich gewesen sein Scheffel
3,96 P. 1998 dass .. kinder täglich bitterlich verhungern
st. galler tagbl. (24.9.), IdS-arch. 2
heftig, stark. überwiegend von leid, trauer u. dgl. jünger meist adverbial und im übergang zur verstärkungspartikel ‘sehr’: ⟨u1180/90⟩ so wart daz gesreie und der strit/ also bitterliche hart/ daz di helle alle iruullit wart
Tundalus 435 K. ⟨u1270/5⟩ sîn herze ûf ungemüete swal/ unde ûf bitterlichen haz Konrad v. Würzburg
Engelhard 23565 ATB. 1500/10 ei, wi pitterlich er schreit und wüeft
märendicht. 15. jh. 504 F. 1557
(Felicitas) fing damit bitterlichen an zů seufftzen und die zeher auß ihren augen zů vergiessen Wickram
2,363 LV. 1604
(die) haydnischen bischouen, welche die zän bitterlich gegen den patribus auffeinander gebissen J. Mayr
epitome 2104b. 1656 bitterlich so wolt ich bitten, ../ last mich nur/ allein, in ewer hertz geschlossen seyn
venus‐gärtlein 119 HND. 1732 und hätt ich ihr
(braut) aus noth einmahl was abgeschlagen,/ so muß sie sich bey mir recht bitterlich beklagen Henrici
ged. (1727)3,415. 1790 könig Carl der Dritte von Spanien nahm hingegen diesen brief bitterlich übel Zimmermann
fragm. 2,304. 1801 weise mir auch bald geld zu, denn es fehlt uns bitterlich C. Schlegel
br. 2,73 W. 1873 ich arbeite wenig oder habe doch nur bitterlich wenig zu stande gebracht Müllenhoff
brw. 497 L. 1930 es gibt keinen noch so geliebten menschen, den man nicht zuweilen bitterlich hassen muß G. Hauptmann
leidenschaft 2,148. 1997 hatte die queen eine träne in den augen? der eine tv‐kommentator wollte sie gesehen haben, seine kollegin vermisste sie bitterlich
st. galler tagbl. (8.9.), IdS‐arch. 2009 die arme schützend vor sich verschränkt, baut er
(handballtrainer) unterbewusst eine barriere zwischen sich und jenen jungen wilden auf, die ihn am mittwochabend so bitterlich enttäuschten
frankf. rundschau (9.1.)27a. –
in festen verbindungen mit weinen, tränen: ⟨u1194⟩ die recken dô niht liezen/ sin weinten bitterlîche Ulrich v. Zazikhoven
6849 H. ⟨u1295⟩ uz sines herzen tougen/ weind er vil bitterliche Heinrich v. Hesler
evangelium Nicodemi 677 LV. ⟨u1300⟩ si weinten bitterlîchen/ um Jesum Johannes v. Frankenstein
8121 LV. 1472/3 die elende fraw gar pitterlich ir erstes vnglücke vnd auch nun das kleglich beweynet Arigo
decameron 110 LV. 1522 welche vnseligkeit bitterlichen beweinet Hieremios der prophet in dem bůch seiner traͤher über das zerstoͤret Hierusalem
flugschr. ref. 3,290 C. 1569 fräwlein Melicia, deß königs Perions tochter, vor jhm gantz bitterlich weynend fürüber gienge
Amadis 107 LV. 1620 hie wil ich liegen, vnd mit bitterlichen weinen nicht auffhören
schausp. engl. komödianten 34 DNL. 1671 wir begaben uns nach diesem zum gestade, und beweineten bitterlich den leib des verstorbenen
Pinto, reisen 65. ⟨1746/8⟩ die mädchen .. schalten/ auf den, der diesen mord gethan,/ und weinten endlich mit der alten/ recht bitterlich um ihren hahn Gellert
(1769)1,176. 1778 man bracht ihn zu mir, da er bitterlich wainend erzehlte, in welche schwäre krankheit dieser graf gefallen
ephemeriden d. menschheit 4,121. 1847 sie setzte sich an die furche und weinte bitterlich und Johannesli setzte sich neben sie und weinte noch weit bitterlicher Gotthelf
Käthi 1,104. ⟨1869⟩ noch weiß ich’s, wie ich bitterlich weinte, als einst der vater sagte, daß am nächsten markt der gelbe weißfuß verkauft werden müsse Felder
1,15 S. 1919 es überfiel mich dieses bitterliche drauflosweinen, das ich seit kind her nicht mehr kannte Bartsch
heidentum 73. 1983 Jürgen .. verging der trotz, so daß er bitterlich zu weinen anfing und jämmerlich flehte Behrens
fee 107. 3
von scharfem, herbem geschmack (älter auch geruch): ⟨u1295⟩ nu smecket erst an mir der smac/ des alden itewizzes/ und bitterlich smac des bizzes,/ den Adam in daz obez beiz;/ des lid ich blutigen sweiz Heinrich v. Hesler
evangelium Nicodemi 1962 LV. hs.A14.jh. e er got und den gebuze,/ im wirt der hunere suͤze/ ein bitterliche seure,/ daz si in dunckent ungeheure
kl. mhd. erz. III 150,165 DTM. hs.15.jh. der track ist iez komen,/ der uns die lüt hat genomen,/ mit feur und pitterlichem schmack
fastnachtsp., nachlese 143 LV. ⟨1594⟩ er
(der saft vom kraut) ist eines sehr hitzigen scharffen geschmacks vnd was bitterlich, am geruch ist er sehr starck, ja fast wie zwibeln oder knoblauch riechende Khunrath
destillierb. (1614)1,494. ⟨1685⟩ der
(trank aus der arabischen bohne) ist denn von geschmack etwas bitterlich, wer den nicht liebet, kan etwas zucker dazu thun Koschwitz
apotheke (1693)1/4,952b. 1723 die wurzel war etwas bitterlich an geschmack Messerschmidt
Sibirien 2,58 W. 1796 der geruch dieser pflanze ist der knotigen braunwurz ähnlich, und der geschmack ist bitterlich Schkuhr
botan. hdb. (1791)2,196. 1848 es gab davon
(vom honig) dunkel und hell gefärbten, süßen und halb bitterlichen
M. Wagner
Kaukasus 1,179. 1878 bei der läuterung .. durch kalk findet ein äußerst wichtiges verhalten zwischen kalk und zucker statt. beide gehen nämlich eine unkrystallisirbare, bitterlich schmeckende verbindung ein
b. d. erfindungen 75,59. ⟨1925⟩ die sumpfmücken surrten, es roch bitterlich nach schlamm und altem fallaub Gagern
birschen (1931)115. 1981 ich roch den salzigen geruch ihres blutes und den bitterlichen geruch ihres schweißes
M. W. Schulz
fliegerin 144. 2001 das leicht bitterlich schmeckende kerngehäuse
(der asiatischen birne) kann vorher entfernt werden
mannh. morgen (5.5.), IdS‐arch.Arbeitsstelle