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Begriff

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Begriff

Bd. 2, Sp. 564
Begriff, in der Logik jeder durch das Denken fest abgegrenzte Vorstellungsinhalt. Der B. ist also niemals, wie die Vorstellung, etwas fertig im Bewußtsein Anzutreffendes, sondern im Grunde ein Inbegriff von Denkakten oder Urteilen (s. d.). Sobald wir einen B. verdeutlichen wollen, werden wir zum Aussprechen eines oder mehrerer Urteile getrieben (Definition), die also in dem B. gewissermaßen verdichtet sind; umgekehrt gewinnt in jedem Urteil ein Vorstellungsinhalt dadurch, daß er mit einem andern in Beziehung gesetzt wird, eine begriffliche Bedeutung. Den ersten Anstoß zur Bildung von Begriffen gibt die sinnliche Wahrnehmung, insofern auf Grund derselben nach den psychologischen Assoziationsgesetzen gewisse Elemente des Wahrgenommenen miteinander in engere Beziehung treten und sich von andern sondern; so entwickeln sich zunächst die Vorstellungen der einzelnen Dinge (s. Ding). Die Wahrnehmung vieler ähnlicher Dinge endlich bildet den Anlaß, daß bei der Wahrnehmung eines einzelnen von ihnen (z. B. eines Hundes) die Erinnerung an die andern lebendig wird, es treten dadurch in der gegenwärtigen Wahrnehmungsvorstellung die Elemente hervor, die sie mit den Erinnerungsbildern gemein hat, und so kommt es zu dem Urteil: dies ist ein Hund, und damit zugleich zu dem B. des Hundes. Ein wesentliches Hilfsmittel ist dabei natürlich das Wort, das, indem es z. B. ein Ding mit Rücksicht auf seine Ähnlichkeit mit andern bezeichnet, zwar in gewissem Grade die begriffliche Auffassung des Gegebenen schon voraussetzt, weiterhin aber die dauernde Festhaltung der letztern selbst ermöglicht. Aus dem angeführten Beispiel erhellt auch die eigentliche Bedeutung der durch Worte fixierten Begriffe für das Denken; ihre Rolle ist die, dem Bewußtsein die Übersicht und Herrschaft über den unabsehbaren Stoff, den die Wahrnehmung bietet, dadurch zu ermöglichen, daß sie das Neue, noch Unbekannte mit Altem, Bekanntem verknüpfen, wodurch das erstere sein Befremdendes verliert, uns »begreiflich« wird. Hiernach liegt also zugleich die wesentliche Eigentümlichkeit des Begriffs in seiner (numerischen) Allgemeinheit; jeder B. kann in einer unendlichen Zahl von Exemplaren gegeben sein, d. h. er bezeichnet ein Prädikat, welches das Denken mit einer unbestimmten Zahl von Subjekten verbinden kann. Der Mangel der naturwüchsigen Begriffe, die uns mit den Worten der Muttersprache überliefert werden, ist nun aber ihre Unbestimmtheit. Ein großer Teil alles Streites in der Welt rührt daher, daß verschiedene Menschen bei denselben Worten an ganz Verschiedenes denken; sollen deshalb die Begriffe den Zwecken des Erkennens dienen, so muß vor allem Klarheit und Übereinstimmung über den Gehalt dieser Marken des Denkens herrschen. Dies wird erreicht durch die Definition (s. d.). Der Inbegriff dessen, was (der Definition nach) mit einem B. gedacht wird, heißt sein Inhalt, jeder einzelne Bestandteil des Inhalts ein Merkmal. Schließt man aus der Zahl der Merkmale eines Begriffs eins oder mehrere durch Abstraktion (s. d.) aus, ohne daß jedoch die Zusammenhangsform der Merkmale dabei geändert wird, so erhält man einen dem gegebenen übergeordneten, fügt man zu den vorhandenen Merkmalen (unter der gleichen Einschränkung) ein neues hinzu (Determination), so erhält man einen ihm untergeordneten B. Der B. des Parallelogramms z. B. bedeutet eine durch zwei Paar parallele Gerade begrenzte Figur; läßt man nun (unter der Voraussetzung, daß es sich immer noch um eine irgendwie begrenzte Figur handeln soll) das Merkmal des Parallelismus fallen, so erhält man den übergeordneten B. des Vierecks, fügt man noch die Bestimmung hinzu, daß die Seiten gleich sein sollen, so entsteht der untergeordnete B. des Rhombus. Durch Abstraktion wird also der Inhalt eines Begriffs ärmer, durch Determination reicher; gerade entgegengesetzt verhält es sich dabei aber mit dem Umfang desselben. Unter Umfang eines Begriffs versteht man nämlich die Gesamtheit der demselben sich unterordnenden Arten und Unterarten, und es ist klar, daß ein inhaltsärmerer B. der Determination einen größern Spielraum bietet, also einen größern Umfang hat, als ein inhaltsreicherer. Sofern ein B. überhaupt einer Determination fähig ist, also Arten (s. d.) zuläßt, besitzt er (generelle) Allgemeinheit; so ist der B. des Parallelogramms ein allgemeiner, der des Quadrats dagegen ein Einzelbegriff, denn Arten des Quadrats kann es nicht geben. Liegen zwei beliebige Begriffe vor, so läßt sich in den meisten Fällen ein höherer B. finden, dem beide untergeordnet sind (z. B. zu den Begriffen Mensch und Stein der des Gegenstandes), geht dies nicht an (z. B. bei Mensch und Tugend), so heißen die Begriffe disparat. Über koordinierte und disjunkte Begriffe s. Determination. Für das Erkennen sind bestimmte, eindeutige Begriffe zwar ein unentbehrliches Hilfsmittel, aber sie genügen keineswegs (wie die Scholastik und in einem tiefern Sinn auch Hegel meinte) allein, um den ganzen Reichtum des uns Menschen möglichen Wissens aus ihnen zu entwickeln. Die Forschung bedient sich zwar zunächst der Begriffe, die sie in der gewöhnlichen Sprache fixiert vorfindet, aber sie gestaltet dieselben weiterhin vielfach um und bereichert ihren Inhalt, und nicht am Anfang, sondern erst am Ende ihrer Arbeit besitzt sie adäquate Begriffe der Gegenstände, in denen die Resultate ihrer Arbeit lediglich einen prägnanten Ausdruck finden. Nicht ein System alles Wißbaren (wie Raimundus Lullus in seiner »Ars magna«), sondern nur eine zweckmäßigere Bezeichnung der Begrifle strebte Leibniz in seiner »Characteristica universalis« an, indem er, der spätern »symbolischen« oder »algebraischen« Logik vorarbeitend, an eine Art Formeln dachte, die das innere Gefüge derselben anschaulich darstellen sollten. Ob übrigens den logischen Beziehungsformen der Begriffe die unabhängig vom Denken bestehende Ordnung des Seienden genau entspricht, oder ob jene nur für unsre subjektive Auffassung gelten, ist eine zwischen dem Rationalismus und dem Empirismus (s. d.) strittige Frage.
6020 Zeichen · 60 Sätze

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Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Begriff

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Begriff , des -es, plur. die -e. 1) In dem figürlichen Verstande der zweyten Bedeutung des Verbi begreifen, die völl…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Begriff

    Goethe-Wörterbuch

    Begriff Annähernd 1700 Belege. — In wesentl Anwendungsbereichen verknüpft G den Begriff unmittelbar mit der Anschauung. …

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Begriff

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Begriff (notio) die deutliche Vorstellung von einem Gegenstande nach seinen Merkmalen. Die Lehre von den Begriffen behan…

  4. modern
    Dialekt
    Begriff

    Schweizerisches Idiotikon · +4 Parallelbelege

    Begriff Band 2, Spalte 712 Begriff 2,712

  5. Sprichwörter
    Begriff

    Wander (Sprichwörter)

    Begriff 1. Da vergehen mir die Begriffe, sagte Graf Bassewitz. Als in der 23. Sitzung des norddeutschen Reichstages, am …

  6. Spezial
    Begriffm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +5 Parallelbelege

    Begriff , m понятие , ср

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit begriff

59 Bildungen · 44 Erstglied · 10 Zweitglied · 5 Ableitungen

Ableitung von begriff

be- + griff

begriff leitet sich vom Lemma griff ab mit Präfix be-.

Zerlegung von begriff 2 Komponenten

beg+riff

begriff setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

begriff‑ als Erstglied (30 von 44)

begriffec

Lexer

be-griffec adj. capax Dfg. 96 c .

begriffen

RDWB1

beg·riffen

begriffen eine Art Continuous заниматься чем-л. как раз в настоящий момент: etw. ist im Entstehen ~ - что-л. как раз в стадии возникновения …

begriffenheit

MWB

begriffen·heit

begriffenheit stF. ‘Begriffsvermögen’ daz er alzemal sich selb dur got minne und meine nach der aller volkomnesten begriffenheit Seuse 337,3…

begriffenlich

Lexer

begriff·enlich

be-griffen-lich adj. leicht fassend des was eʒ gar begr. und lernde mê Alexius 120,47 ; vgl. begrîflich;

begriffenlichheit

KöblerMhd

begriffenlich·heit

begriffenlichheit , st. F. nhd. Verständnis, Begriffsvermögen, Vorstellungsvermögen Q.: Tauler, Pilgerf (FB begriffenlicheit), Eckh (1. Drit…

begriffic

KöblerMhd

begriffic , Adj. nhd. „begriffig“, umfassend, viel fassend ÜG.: lat. capax Gl Q.: Gl, Mersw (3. Viertel 14. Jh.) W.: nhd. DW- L.: LexerHW 1,…

begriffig

FWB

1. ›verstehbar, faßbar‹; 2. ›erkenntnisfähig, etw. verstehend, fassend‹; 3. ›umfassend, umgreifend‹

Begriffleer

Campe

begriff·leer

○ Begriffleer , adj. u. adv. leer an Begriffen. »Ein begriffleeres Kind.« Gedike.

begrifflich

Pfeifer_etym

begriff·lich

begreifen Vb. ‘verstehen, geistig voll erfassen, umfassen, einschließen’. Ahd. bigrīfan (8. Jh.), mhd. begrīfen, mnd. begrīpen, nl. begrijpe…

Begriffsangabe

Campe

begriffs·angabe

○ Die Begriffsangabe , Mz. die — n, so viel als Begriffsbestimmung. S. d. Eine genaue und richtige Begriffsangabe ist eine sehr wichtige abe…

Begriffsbestimmung

Campe

begriffs·bestimmung

◎ Die Begriffsbestimmung , Mz. die — en, die Bestimmung, bestimmte Angabe des Begriffs, der mit einem Worte, einer Sache zu verbinden ist; d…

Begriffsblock

FiloSlov

begriffs·block

Begriffsblock , m поле , ср , семантическое → FiloSlov Feld, semantisches, n

Begriffsfach

Campe

begriffs·fach

◎ Das Begriffsfach , des — es, Mz. die — fächer, die allgemeinen Fächer gleichsam, in welche sich alle unsre Begriffe, indem wir sie zu Sätz…

Begriffsfachung

Campe

begriffsfach·ung

◎ Die Begriffsfachung , d. Mz. ungew. die Verfachung oder Ordnung der Begriffe in Bezug auf diejenigen Seelenkräfte, welchen die Bearbeitung…

Begriffsforscher

Campe

begriffs·forscher

◎ Der Begriffsforscher , des — s, d. Mz. w. d. Ez. ein Forscher der Begriffe, dessen Forschung es nur mit Begriffen zu thun hat (Philosoph, …

Begriffsforschung

Campe

begriffs·forschung

◎ Die Begriffsforschung , o. Mz. die Vernunftforschung, sofern sie es bloß mit Begriffen zu thun hat (das Philosophiren nach dem Schulbegrif…

Begriffsgesellung

Campe

begriffs·gesellung

◎ Die Begriffsgesellung , Mz. die — en, die Gesellung, Verbindung verwandter Begriffe (Ideenassociation). » Ih kam auf diesen Gedanken durch…

Begriffsgrund

Campe

begriffs·grund

◎ Der Begriffsgrund , des — es, Mz. die — gründe, dasjenige was einem jedem Begriffe zum Grunde liegt, und von welchem etwas ausgesagt, beja…

begriff als Zweitglied (10 von 10)

Inbegriff

RDWB1

Inbegriff m самая суть, сущность, квинтэссенция, символ (а не "понятие")

grundbegriff

DWB

grund·begriff

grundbegriff , m. 1) ein gr. ..., der von keinem andern weiter abgeleitet werden kann Kant w. (1867) 4, 418 H. ; es sind ebendieselben grund…

hauptbegriff

DWB

haupt·begriff

hauptbegriff , m. : die herrlichkeit solcher haupt- und grundbegriffe. Göthe 25, 163 ; ihre verschiedensten bildungen unter einen hauptbegri…

inbegriff

DWB

inbegriff , m. das was innerhalb seiner etwas anderes begriffen, umschlossen hält, summa, complexio, comprehensio; die umschlossene sache st…

lehrbegriff

DWB

lehr·begriff

lehrbegriff , m. systema: hierauf kann nach unserm lehrbegriffe hinreichende antwort gegeben werden. Kant 2, 326 ; dieser lehrbegriff legt d…

mittelbegriff

DWB

mittel·begriff

mittelbegriff , m. terminus medius im syllogismus. Kant 1, 456 ; die mittelbegriffe, welche die glieder mit einander verbinden, aber selbst …

nebenbegriff

DWB

neben·begriff

nebenbegriff , m. synechdoche Schottel 640 a : unsichtbarkeit ist ein nebenbegriff vom geiste. Kant 10, 243 ; diesen nebenbegriff muszte der…

scheinbegriff

DWB

schein·begriff

scheinbegriff , m. : jeder begriff, den ich glaube anschauend zu erkennen, da er doch blosz eine wirkung der abstraktion ist, ist ein schein…

Summaribegriff

DRW

summari·begriff

Summaribegriff, m. zusammenfassende Inhaltsangabe, Kerngehalt diß bůch ist in zehen hauptstuck getheylt, vnd eins ieden hauptstucks oder the…

wechselbegriff

DWB

wechsel·begriff

wechselbegriff , m. pl. ' begriffe, die einerlei sphäre ( umfang ) haben, conceptus reciproci ' Kant 1, 428 ; ' die beiden begriffe in einem…

Ableitungen von begriff (5 von 5)

Mißbegriff

Campe

Der Mißbegriff , — es, Mz. — e , ein falscher irriger Begriff. »Nur diese wenigen unerheblichen Mißbegriffe .« Lessing.

unbegriff

DWB

unbegriff , m. , gegentheil von begriff. von Campe irrig als neubildung bezeichnet. 1 1) gegentheil von begriff verständnis, geistiges fassu…

unbegriffen

DWB

unbegriffen , part.-adj. , schon mhd. synonym mit adj. gebraucht Lexer 2, 1754 ; Staub-Tobler 2, 719 unbeschränkt. imperceptus, incomprehens…

unbegrifflich

DWB

unbegrifflich , adj. , vielfach in unbegriffenlich übergehend: ach hertzigliches unbegriffliches guot betbüchlin (1518) xvii b ; die unbegri…

urbegriff

DWB

urbegriff ( Jac. Grimm schrieb urbegrif), m. a) zu grunde liegender begriff, der den ausgangspunkt bildet, im gs. zum abgeleiteten begriff: …

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Cotta, M. (2026). „begriff". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/begriff/meyers?formid=B02824
MLA
Cotta, Marcel. „begriff". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/begriff/meyers?formid=B02824. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „begriff". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/begriff/meyers?formid=B02824.
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