Axiom Von 21 Belegen 16 in natwiss Schr, überwiegend nach 1800 u in krit Verwendung, vornehmlich iZshg der Farbenlehre, erkennbar motiviert durch den Wortgebrauch Newtons, der seinen ‘Opticks’ nach der von Euklid herkommenden Tradition ‘Definitions’ u ‘Axioms’ voranstellte.1) Da G nicht bereit war, die beweislose Geltung u Wahrheit dieser Grundaussagen in materieller Hinsicht anzuerkennen, vielmehr darin Meinungsaussagen, also individuelle Hypothesen sah, bestritt er zugleich erkenntniskrit den apriorischen Charakter der Axiome. Definitorisch stellte er dem Axiom das ‘Enthymem’ gegenüber, das er hier nicht, wie sonst üblich, als verkürzten Syllogismus definiert, sondern im aristotelischen Sinne als Schluß aus dem, was sich in der konkreten Erfahrung als das Gewöhnliche u Regelmäßige ergeben hat 1 wiss: eine prinzipielle Aussage von unmittelbarer Evidenz u Wahrheit a in der begriffl Definition Was ist der Unterschied zwischen A. und Enthymen? A. was wir von Haus aus, ohne Beweis, anerkennen; Enthymem was uns an viele Fälle erinnert und das zusammenknüpft, was wir schon einzeln erkannten GWBN11,260,16f MuR(1144) b Grundsatz der Erkenntnis [üb Newtons ‘Opticks’] An der Spitze nämlich stehen Definitionen und A-e, welche wir künftig durchgehen werden, wenn sie unsern Lesern nicht mehr imponiren können GWBN2,5,5 FlP 8 [gegen die Newtonianer] weßhalb denn die freilich unbedingt ausgesprochenen A-e durch die Erfahrung bis zu Nichts bedingt und limitirt werden GWBN4,380,20 Fl Taf 12 Ihr erster {§} enthält ein A. welches mich anlächelte indem die Verkleinerung des schwarzen Bildes gegen das weiße daraus abzuleiten schien .. Jene Maxime will jedoch bey den physischen Versuchen nicht ganz zutreffen GWBB28,247,5 Schultz 7.9.17 Fichte hat mir den zweyten Theil seines Naturrechts geschickt .. Ich mag mich stellen wie ich will, so sehe ich in vielen berühmten A-en nur die Aussprüche einer Individualität, und gerade das was am allgemeinsten als wahr anerkannt wird ist gewöhnlich nur ein Vorurtheil der Masse, die unter gewissen Zeitbedingungen steht GWBB13,137,26 Schiller 5.5.98 GWBN51,190,17 FarbenerschRefraktion 21 uö c in der Wiedergabe älterer Auffassungen α durch Erfahrung gewonnener Grundsatz [FBacon üb Forschungsorganisation in seiner Utopie ‘Nova Atlantis’, um 1624] haben wir drei [Gesellen], die jene Erfindungen und Offenbarungen der Natur durch Versuche zu höheren Beobachtungen, A-en [Axiomata] und Aphorismen erheben und befördern GWBN4,19,18 FlH VI [Bodley gegen FBacons rigorose Wissenschaftskritik] “Sollten wir unsre A-e [Axiomata], Maximen und allgemeine Behauptungen abthun, die wir von unsern Vorfahren erhalten, und welche durch die scharfsinnigsten Menschen aller Zeiten gebilligt worden ..” [dazu G:] .. wahrscheinlich versteht hier Bodley nicht etwa die subjectiven A-e, welche durch eine fortschreitende Zeit weniger Veränderung erleiden, als solche, welche aus der Betrachtung der Natur entspringen und sich auf die Natur beziehen. Und da ist es denn nicht zu läugnen, daß dergleichen Grundsätze der ältern Schulen .. dem Fortschritt wahrer Naturansichten sehr unbequem im Wege standen GWBN3,233,4 u 234,19 FlH IV BacoVer uö β iSv Hypothese, abstrakter Grundsatz, allg Voraussetzung Seit einiger Zeit giebt es ja genug Schriftsteller, die von allgemeinen A-en ausgehen, von abstracten Betrachtungen anfangen, daß der entgegengesetzte Fehler nicht seinen Werth haben .. sollte GWBN7,358 PrincPhilZool II Plp Übs2) [aus d’Alemberts ‘Discours préliminaire de l’Encyclopédie’] Was wollen denn die meisten dieser A-e [axiomes] bedeuten, worauf die Geometrie so stolz ist? Sie sind eigentlich nur der Ausdruck einer einfachen Idee durch zwei verschiedene Zeichen oder Worte. .. daß wir gar manchen Irrthum dem Mißbrauch der Worte verdanken. Ist es vielleicht derselbige Mißbrauch woher die A-e [axiomes] sich ableiten? GWBN11,80,24 u 81,9 MathMißbr γ als synthet Grundsatz a priori [Exzerpt aus Kants ‘Kritik der reinen Vernunft’] Grundsätze. A-e der Anschauung. Princip. Alle Anschauungen sind extensive Größen GWBN13,463,2 Plp 2 als Grundeinsicht der sittl u ästh Erfahrung, selten A. | Freund, wer ein Lump ist, bleibt ein Lump GWB51,105 ZXenNachl Titel vor 3053) Die Poesie ist doch eigentlich auf die Darstellung des empirisch pathologischen Zustandes des Menschen gegründet .. Hat ein Mann wie Garve4) .. denn nur die geringste Ahndung eines solchen A-s? GWBB12,362,1 Schiller 25.11.97 vgl GWBAphorismus GWBBegriff(allgemeiner B.) GWBBehauptung(allgemeine B.) GWBGrundsatz GWBGrundwahre GWBGrundwahrheit GWBHypothese GWBMaxime Naturmaxime Prämisse Prinzip Proposition Theorem Vorsatz 1) Newton, Opticks .., Neudr 1952,1—20 2) frz Autor nach DKuhn, Empirische u ideelle Wirklichkeit, 1967,294, nicht ermittelt 3) Lavater zitiert diesen Spruch bereits 1780 u läßt ihn 1790 unter der Überschrift ‘Lump’ drucken (s 52,268). Die Überschrift des aus dem Nachlaß veröffentlichten Xenions nur in der 1836 von Eckermann u Riemer hg Auswahl von G-s Werken (Q), fehlt in dem 1842 ersch Text der Ausg.l.H. 4) G bezieht sich auf zwei Briefe von Garve an Schiller: die Garvischen Briefe .. zurück .. Welch eine Litaney von jammervollen Betrachtungen .. keine Spur eines ästhetischen Gefühls! GWBB12,359 Schiller 24.11.97Horst Umbach H. U.