anbinden,
alligare, adalligare, nnl. aanbinden, die rebe, den wein an (
den pfal)
binden; die kuh an (
die krippe) binden; die blume an (
den arm) binden; den gefangnen an (
den stock) binden; am narrenseil ligst angebunden. H. Sachs I, 225
a; anbinden an einen pfal. I, 265
d; wie
das wasser angebunden ist seinem ursprung, also ist die sel des menschen angebunden an gott. Keisersb.
post. 2, 113;
häufig anbinden
oder auch blosz binden: das feierliche geschenk (
band, strausz, geld) an den arm, um den hals binden,
knüpfen: so soll er, aller blumen schein, mit blumen angebunden sein? nicht mit blumen nur alleine, dieses band sol auch sein seine, das wir haben aufgewunden, darmit sei er angebunden. Fleming 42;
vgl. binden, angebinde
und die abhandlung über schenken und geben. Berlin 1849
s. 13—18.
auch pflegen schnitterinnen, ar beitende handwerker vorübergehende, die ihnen störend in den weg treten, anzubinden
oder zu schnüren,
und erst gegen geringe gabe an geld loszulassen. Das unbändige, wilde thier kurz anbinden,
ihm keinen spielraum zu freier bewegung lassen, daher kurz angebunden,
proclivis ad iram, von menschen parum affabilis, difficilis, Thümmels
reisen 10, 324; wie sie kurz angebunden war. Göthe 12, 133; das mädchen war aber kurz angebunden. Tieck 9, 306; mit einem anbinden,
östr. anbandeln,
inceptare, in certamen descendere cum aliquo: ein savoyischer ritter .. nach gelegenheit suchte mit mir im ernste anzubinden.
Felsenb. 1, 515; ich glaube, verzeih mirs gott, sie wären toll genug mit dem teufel und seiner groszmutter anzubinden. Wieland 11, 165; hunde, die auch einen löwen nicht fürchten und kühn mit ihm anbinden. Lessing 1, 137; sobald sie mit dem herzen anbinden, werden die bösewichter dumm. Schiller 206; unglück über unglück für immer und immer auf diejenige, die zum ersten male nach mir diese lippen küst! wage es nun wieder mit ihm anzubinden. Göthe 25, 286; die kleine drückte dem neuen freunde die hände, dasz er mit Edmund anband. Tieck
Cev. 1, 54; weil ich weisz, dasz sie mit keinem andern mehr anbindet, und abgeschlossen für mich da ist. Bettine 1, 35.
in der letzten stelle bedeutet es blosz sich einlassen, zu umgang, nicht zu kampf und streit, östr. mit dem diendl anbandeln;
ist solch ein friedliches anknüpfen der fäden ursprünglicher sinn der redensart? denn von symbolischem anheften eines bandes, als kampfzeichens bei ausforderungen, ähnlich dem hinwerfen und aufheben des handschuhs, von anbinden der linken hände, wie Frisch 99
a meint, ist sonst nichts bekannt, vgl. das nicht unähnliche es mit einem angehen. Den bären anbinden,
fallere hospitem, symbolum non solvere, soll von einem bärenführer stammen, der, als er nicht zahlen konnte, sich aus dem staube machte, und dem wirt den bären an die thür band: dasz ich ihnen seltzame bären hätte anbinden können.
Simpl. 1, 296;
heute heiszt bei einem den bären anbinden,
ihn nicht bezahlen, schulden bei ihm machen. Luther
verwendet anbinden
für übersetzen, vielleicht mit dem gedanken an das anbinden des übersetzenden nachens: darumb habens die apostel auch selbs für nötig angesehen, das sie das neue testament in die griechische sprach fasseten und anbunden. 2, 475
a.
Den buchbindern ist anbinden
ein kleines buch an das grosze einbinden, adalligare.