abstehen,
descendere, distare, deesse, desistere, nnl. afstaan.
die älteste sinnliche bedeutung des wortes, worin ab
fast noch lose stelle, wie in absein,
einnimmt, war die heute erloschne des stehens,
steigens von dem pferde, von dem sattel, des absteigens, absitzens. so heiszt es im Aimon und Galmy oft: stund ab von dem pferd, stund ab, als er abgestanden war,
auch in Freys
garteng. 92; soll der herre absteen von seime pferde.
weisth. 3, 837; der postpott ist gleich vom pferd abgestanden. Ayrer 390
b; XXV cardinäl wolgerüst, die seind von iren eseln abgestanden, seiner mai. entgegen gangen. Frank
chron. 226
a.
nicht anders mhd. vom orse stuont der küene man.
Parz. 275, 5; dô muoser von dem rosse stâ
n. Iw. 5568; si stuonden von den satelen.
Gudr. 1464, 4; dô stuonden von den rossen.
Nib. 1660, 1; die stuonden von den marken.
Dietr. 3032; si wâren von den rossen gestanden ûf den sant.
Gudr. 1574, 1.
wofür anderwärts auch vallen
und treten von den rossen,
ahd. aber läszt sich ein stuontun aba hrossum, aba satalum
erwarten. ferner hiesz es von dem schiffe abstehn,
ans land steigen; der jäger steht ab,
wenn er den anstand vergebens verläszt, das geflügel steht ab,
wenn es vom baume entfliegt. nach dem mhd. von dem wege, von dem steine stân
wäre auch ein nhd. von dem wege, der thür, der schwelle abstehn = abtreten
vollkommen gerecht. hieran grenzt aber das räumliche abstehn,
von einander stehn, distare: himmel und erde stehn weit von einander ab; weit wie die sterne abstehn von der erde; der stuhl steht von der wand ab; Frankfurt und Mainz stehn sich drei meilen ab; die ohren stehn ihm vom kopfe ab; die abstehenden ohren des pferdes.
auf geistige zustände angewandt: weit von einander abstehende (
der zeit nach entfernte) beobachtungen. Kant 8, 256; es steht mir ein begrif ab, wodurch mir sonst die dinge denklich sind. 3, 53; die leute stehen wol durch zustände und verhältnisse von einander ab. Göthe 33, 204.
Sahen wir eben sinnliches abstehn
und abfallen, absitzen
sich begegnen, so bezeichnet auch abstehn
mit dem dat. der person von einem oder einem abfallen, gleich dem absetzen,
einen verlassen, alicui deesse. sehr oft im Aimon: als lang wir leben, wöllen wir euch nit absteen; dannoch soll ich inen nicht absteen; so will ich inen, als lang ich etwas hab, nit absteen; hat er meinethalben unrecht, so will ich im doch nit absteen; so ir mir absteet, was schaff ich dann?; wo uns die götlich gnad nit absteet; du nützlichster der meinen stehst mir zu zeitlich ab. Fleming 145;
wiewol dies letzte bedeuten kann du verlässest mich,
oder gehst mir ab,
oder gehst mir zu grunde.
denn abstehn
drückt auch aus de statu suo declinare, deterius fieri: abgestandner wein,
vinum fugiens; abgestandne fische,
pisces emortui; der baum steht ab; perlen, aber alle verdorben oder abgestanden.
Simplic. 1, 296; ein abgestandenes gericht. Tieck 15, 132; alle meine jugendlichen empfindungen erschienen mir schal und abgestanden. 7, 301. abgestanden
drückt wie abgegangen
todt und gestorben aus. R. A. von 1521 §. 30. dahingegen die verpflanzten beischosz leichtlich abstehn,
pereunt. Hohberg 3, 522
a. Eines dinges abstehn
ist desistere a proposito: das eben dis die alleradelichst tugent des glaubens ist, das er sein augen zuthut und einfeltiglich solcher forschung abstehet und frölich gott alles heim stellet. Luther 2, 271
b.
br. 2, 254; hiesz sie auch des nicht abstehen, sondern bestetigets vielmehr. 3, 317; weil sie der sachen nicht abstehen.
br. 4, 142; seiner laster gar abstehn. H. Sachs 1, 243
b; so einer seines oberhern bevelch(s) abstehet. Fronsp. 3, 283
a; als er seines stelens nit abstund. Kirchhof
wendunm. 271
a; der pfaf bate sie gar freundlich, sie wolten ires fragens abstehn. Wickram
rollw. 59; wa si widerruften, ihres irrthumbs abstunden. Frank
weltb. 100
b.
an die stelle des gen. tritt aber, und heute immer, die praeposition: abstehn von unrecht nicht betrübt. Kirchhof
wendunm. 282
b; wir würden von der forderung gern abstehn. Kant 2, 385; er will vom bauen, von seiner behauptung abstehn.
es kann auch bloszes abstehn,
im sinne von cessare gesetzt werden: was bei diesem planeten sei zu begehn oder abzustehn. Fischart
groszm. 55; je mehr ich küss, je mehr dein schnee mein herz ganz wunderlich anzündet, darumb ich billich nu absteh, eh gänzlich mich dein schein verblindet. Weckherlin 406; die mühle steht ab,
steht still. Von einer sache abstehn,
sich ihrer entäuszern zu gunsten eines andern, sie ihm abtreten, überlassen wendet die neuere sprache um in einem
oder an ihn eine sache abstehn: so wie er zehn jahre darauf seine hälfte für die hälfte des bezahlten preises an ihn gänzlich abstand. Lessing 9, 226; der landphysikus, der ihm den halben palast abstand. J. Paul 1, 170; ich glaube nicht, dasz sie für das blosze exemplar des buchs den lorbeerkranz abstehn wollen.
teufelspap. 2, 108; ists nicht eine schande titularämter theurer abzustehn als wirkliche?
Q. Fixl. 104.
vgl. zugestehen.
Bemerkenswerth noch: das pferd hat sich im stall abgestanden,
durch zu langes stehn schaden gethan; die pferde stehn ihre bein ab und können hernach niergent fortkommen. Agricola
spr. 168
b.