zehren,
verb. ,
jüngere j-
bildung *tarjan (
as. terian
aufzehren, verbrauchen, farterian
Heliand 4363; 4373
vernichten, zerstören, mnd., nld., nnd. teren,
mhd. zern)
zu dem starken verbum got. gataíran
zerreiszen, zerstören, vernichten, ags. teran
zerreiszen (
ne. tear),
ahd. zeran
destruere, certare, firzeran
aufzehren, verbrauchen, mhd. part. perf. zezorn (der wolf hæt mir den lîp zezorn Boner
edelst. 35, 54),
welches seinerseits dem lit. dìrti
schinden, asl. drati
spalten, zerreiszen, griech. δέρειν schinden, skr. dṛṇti
birst, spaltet entspricht. nächstverwandt sind zergen
und zerren (
s. d.).
von diesen beiden gewährt zerren
im südalemannischen gebiet, wo seine doppelconsonanz vereinfacht wird, dem worte zehren
einen formzuwachs, vgl. zehren zupfen und viel essen Stalder 2, 467,
auch Seiler 324
b,
ferner für den Tuttlinger und einen theil des Ulmer bezirks Fischer 6, 1143.
anderseits kann zehren
im hochalemannischen, wo noch die kurze stammsilbe ungedehnt verharrt (zare
zehren, zerren L. Brun
mda. v. Obersaxen 71),
in der schreibung zerren
auftreten. die gleiche erscheinung begegnet im mittelfränkischen (zehre, zerre
zehren Hönig 207
a).
im bairischen gebiet sind beide verben lautlich geschieden, nur im äuszersten süden gilt noch ein älterer zustand: zern
zehren, zerren Schmeller
cimbr. 244
a.
literarische zeugnisse sprechen nicht immer eindeutig, vgl. des leybs zerrend und stAechend kranckheiten Herold-Forer
Gesners thierb. 26
b neben ein solch grimmen und zeren in seinem leib und därme Ch. Marstaller
in theatr. diab. 2, 125
b,
wo beide verben möglich sind, aber zerren
den vorzug verdient; ebenso: doch wann es an ein zerren geht und fressen, was sie (
raben) han getOedt Fischart
nachtrab 935
Kurz; aber sicher für zehren: (
die) in reichtumb, bracht und übermuot zerren von uns armen schwaysz und bluot O. Clemen
reform.-flugschr. 1, 366.
aus dieser berührung mit zerren
erklärt sich die a-
form des präteritums: das er gelt (
aus seinem säckel) nAeme und zarte
Fortunatus 40
ndr.; fiel das fheür vom himmel herab und zart das brandopffer
Zürcher bib. (1531) 2.
Makk. 2, 10; als der bott mit dem gelt ... in das wirtzhuss, da Hans Kuffer zart, kumpt Tschudi
chron. helv. 2, 675.
der klang des gedehnten vocals ist im obd. meist offen; ö
gilt in theilen des bair.-österreichischen, doch auch zOeren Weckherlin
ged. 1, 503
F. die dehnung wird früh bezeichnet: zeeren Luther 19, 654
W.; zeehret Boltz
Terenz 113
a, zeeren
schweiz. schausp. 2, 198
Bächtold, zähren H. Sachs 17, 118
G., zeeren 9, 151
K. die dem starken verbum eigene bedeutung reiszen, ziehen, schinden, vernichten, welche in ahd. cerandi, zaeranti
certantes gll. 1, 203
37 auf kampf gewendet erscheint, hält sich im mhd.: alsô der herzoge sich werte, die vînde er vaste zerte (
vernichtete), ir villen mancher vor im tôt
herzog Ernst D 912 (
v. d. Hagen u. Büsch.),
ohne dasz indessen die sinnliche anschauung noch rein zu tage träte. die frühesten belege betonen vielmehr den nutzen für den handelnden und die wehrlosigkeit des opfers, woraus die bedeutung des heutigen verzehren erwächst. nur indem auch das essen, also das zu sich nehmen einzelner stücke, durch z.
ausgedrückt wurde, blieb noch die vorstellung des reiszens oder zerreiszens einigermaszen gewahrt. diese tritt noch deutlich vor augen in folgenden späten fällen: kein adler zehrete mehr an seiner nimmerverzehrten leber Herder 17, 112
S.; 26, 216
S. gesiegt hat schlieszlich die vorstellung des saugens, wie ein kind von der mutterbrust saugt, namentlich an einem hilf- und wehrlosen, wenn auch widerwillig duldenden wesen, oder des stetigen gebrauches eines vorrathes. den langsamen fortgang des geschehens wie vielleicht noch die zupfende, zerrende aufnahme von der masse mag man in dem überwiegenden partitiven object erkennen. 11)
essen und trinken, schmausen, gelage halten 1@aa)
mit persönlichem subject 1@a@aα)
ohne angabe eines objectes: ich wOelt gern mit üch zabend zeren R. Manuel
weinsp. 332
ndr.; als man zu abend zert hat
schwäb. 1525 Fischer 6, 1129; Wiederhold 432
a; und sauffst wie der frOemst abt zum zeren Fischart
bienenkorb 171
a; ich wehr dir nicht zimlich zu zern H. Sachs 3, 66
K.; brassen, zeren P. Gengenbach 33
G.; welcher gemerckt wirt, das er uberflüssiger zert, dann sein vermOegen geacht wirt, soll bim ait anzeigt werden den obern Eberlin v. Günzburg 1, 129
ndr.; kaum der bAehr dieses hatte gehOeret, dasz hett so ssze Reinke gezehret
Reinicke fuchs (
Rost. 1650) 63;
im besondern häufig in einem wirtshause auf eigene kosten: welchem ein zeit zu practicirn vergönnt wurde, der soll nicht eigen rauch noch kost haben, sondern zu offem wirth zehren
Nürnberger verordnung 1580
in anz. f. kde dtsch. vorz. 12, 21; wann ainer zu ainem wirt zert
augsb. chr. 2, 112;
gern stabreimend: will der gast zehrn und zechen Ayrer 3, 2147
K.; der im pfenningwert zehrete,
d. h. der einzelne gerichte, wobei der wirt deren preis angab, verzehrte, also nach der karte, wie wir heute sagen, speiste Grimmelshausen 3, 17
K.; vgl. convivaliter leben, nicht ein zucker (
filz) seyn und das pfenningwert essen, sondern ein gesellenmahl halten Keisersberg
post. 185
b (
Frisch 2, 51
c)
und weitere belege th. 7, 1672; es ist allhier sonsten auch sehr wohlfeil z. v. Troilo
orient. reis. (1676) 512; dasz man sehr theuer in Wien zehrt Knigge
rom. m. leb. 4, 51; werden sie in die stadt einlosiret, muszten um ihr geld z. v. Schweinichen
denkw. 54; in denen winterquartieren mssen sie vor ihr eigen geld z. v. Fleming
vollk. sold. 205;
dagegen werden boten und amtspersonen verköstigt: item 2 m Lorencz dem schuczen zu zeren gegeben
Marienb. treszlerb. 191
Joach.; es weren jeger oder fogeler, ... die sulten zeren zü dem schulteiszen
weisth. 6, 25;
hier bedeutet z.
geradezu beköstigt werden; und weisten auch, wan ein gesworn montag ist, so sol der richter vom stabe uf den tag zeren 6, 40; es soll auch ein herr von Rotenfels uf die drei geschworen montag in den hof reiten und soll vom stab zehren, und der hofmann soll ein weisz tuch aufn tisch legen 6, 49 (
der stab als symbol des richteramtes, s. stabgericht th. 10, 2, 368); — die selbigen knaben, die zeren alwegen bey den wirten, die zu dem stecken heiszen, das ist also vil, das sie keinen wirt bezalen, was sie yhm schuldig sind Luther 26, 651
W.; wer auffs kerbholtz zehret, der musz auch rechnen und zahlen Lehmann
flor. pol. (1662) 2, 939;
auch im bürgerlichen leben galt die pflicht des verköstigens: so mag der knecht gan in eins wirtz huss und dar inne zeren alz lang, biss in der meister ussrichtet (
eine art einlager, s. zehrung 1
a α)
schwäb. 1432 Fischer;
gegen miszbrauch wendet sich der volksmund: aus andrer leute beutel ist gut z. Pistorius
thes. paroem. 2, 231;
älter: glychsam einer uf eines andern seckel zeeren wellte Zwingli
dtsche schr. 1, 40; er wolle sich da ins wirthshausz legen und auff ihn z. Schupp
schr. (1663) 169; auf den alten käyser z.,
d. h. einem reichen, aber längst verstorbenen ankreiden lassen Kramer
teutsch-it. 1, 39
a,
vgl. th. 5, 39; die damit auff ander leut gut zeren und prassen Luther 32, 396
W.; gewöhnlich: auf anderer leut kosten z. Kramer 2, 1431
a;
auch: auff gemeinen seckel z. Hulsius 2, 107
a;
eine wirtshauszeche auf kosten eines dienstbaren landgutes scheint vorzuschweben: dann stat es alls in dem bezalen Christi, so wirt ein jeder in den hof zeeren, das ist, hufechtig sünden Zwingli
dtsche schr. 1, 187; 1@a@bβ)
mit object: das frümal ... zeren H. Sachs 6, 138
K.; theren eine mahltidt Schiller-Lübben 4, 534
a; haben die herren noch was zu z. (
zu trinken und zu essen)? Kramer 2, 1431
a; was zehrst im tag?
wieviel iszt du täglich? Martin-L. 2, 913
a; z.
wird als ein der elsässischen sprache eigenthümliches wort für essen bezeichnet: raht, in welchem land man nichts iszt oder trinkt. antwort: in dem Elsas, da zehrt man, morgen z., zuo imbis z., zu vesper z., abend z.
raterbüchlein (
Magdeb. 1584) E 1
b;
vgl. Frisch,
der 1, 4
a zabend z.
als auffälligen straszburgischen ausdruck anführt; doch ist er auch schwäbisch und schweizerisch, s. oben α; häufiger erscheint ein partitives object: kompt, zehret von meinem brot Luther
spr. Sal. 9, 5; da ich von meinem wildbräd zehrte Grimmelshausen 3, 430
K.; von kalter küche z. Lichtwer
äsop. fab. 61; und Adam mit vom apfel zehrt R.
Z. Becker
Mild. liederb. 20;
auch verdauen: ich han min essen gezehrt Follmann 555
a; 1@a@gγ)
verpflegung, zehrpfennig für die reise; eigenartig ist der wegfall eines besonderen ausdrucks für die reise: item 12 schog bemischer grossen her Molheym ... gegeben, das her do mete wider her in das landt sulde zeren
Marienb. treszlerb. 155
Joach.; Wickram
w. 2, 63
lit. ver.; ein gut stück geld, mit welchem er sich wiederumb in sein vaterland gezehret Wiedemann
gefangensch. nov. 26; Herder 26, 71
S., vgl. wegzehrung th. 13, 3158; 1@bb)
thiere und pflanzen als subject; 1@b@aα)
fressen: (
die trappen) z. ... von ... rübenarten J. Naumann
natg. d. vög. 7, 50;
s. auch ob. sp. 467; hast (
du ochse) von den schönsten blumen gezehrt
bei Bücher
arb. u. rhythm.2 208; 1@b@bβ)
insbesondere von schmarotzenden geschöpfen, die ihre nahrung aus dem körper ihres wirtes saugen: wie sie ... an ihren wirthen z. Ratzeburg
ichneum. 1, 12; ihr (
der schmarotzerpflanzen) fliegender same ... zehrt an ihm (
einem baum) Göthe
gespr. 2, 262
v. Bied.; 22)
verbrauchen, aufbrauchen 2@aa)
mit persönlichem subject 2@a@aα)
mittel und vorräte zum unterhalt: hab ir gelt hie zert
schwäb. 1528 Fischer 6, 1129; alle frembde gest, die bey den gastgeben ab und zu ziehen und iren phenning zeren (
d. h. sich gegen entgelt bewirten lassen)
Nürnb. polizeiordn. 254
Baad.; weyl du nur thust dein pfenning zehren H. Sachs 15, 25
G.; das ir ... in seinen pfening by ew zeren lassent
chr. dtsch. st. 4, 260,
woraus der sinn wohnen, leben bei jemand folgt; schon mhd.: zwiu sol ein guot ân êr gezert?
Seifried Helbling 2, 918
Seem.; das sind die tischfreund, unsre theuren freunde, die manches tausend mark, manch landgut zehrten Tieck
schr. 3, 25; zehrte (
im gasthofe) ... von seiner barschaft G. Keller
ges. w. 5, 95;
die redensart von der schnur z.
ist nach Fischer 5, 1087
am einfachsten von der schnur des geldsäckels zu verstehen; sie bedeutet von dem vermögen, den vorhandenen mitteln zehren: damit er 'nit gar ab der schnüre z.' müsse
schwäb. 1482 Fischer 6, 1130 (
s. d.); dasz sie von der schnur z. und endlich verderben müssen J. Andreä
wucher 141; Stieler 2607; Schellhorn
sprichw. 53; Schwan
n. dict. 2, 1091
b;
dazu: mein werckstat öd liesz ich zuspern, weib und kind vom bendlein zern H. Sachs 7, 30
K.; vom bändel z.
vom grundstock des vermögens leben Müller-Fraur. 2, 697
a;
sodann allgemein: theten von rend und zinsten zern H. Sachs 3, 532
K.; soll ich (
dein weib) dich nun mit meinem weben in deinem blinden alter nern, so müsz wir nerlich darvon zern 1, 139
K.; das siht man an vatter und muotter wol, wie sie gnau zeren (
wirtschaften, haushalten), damit etwas an ir kind reych S. Franck
sprüchw. (1545) 1, 80
a; der einzelne wie der staat zehrt von dem erworbenen, ohne zu erwerben Moltke
ges. schr. 1, 166; 2@a@bβ)
im mhd. nicht selten von der zeit oder dem leben, das man hinbringt, mit alter transitiver construction: dâ man den lîp durch wirde zert Wolfram
Willeh. 220, 9; sîn tage zern
passional 343, 64
Hahn; die zernt ân êre diz kranke leben Hugo von Trimberg
renner 934
Ehr., wofür der Frankfurter druck (1549) 8
a disz leben fren
setzt; auszerdem werden ritterlich-höfische begriffe als objecte gebraucht: sy zerten payde der mynne sold Heinrich von Neustadt
Apollon. 1936
Sing.; dînen schœnen lîp in wîbe dienste soltu zern U. v. Türheim
Willeh. 187
d (Lexer 3, 1075); 2@a@gγ)
abstractes oder unstoffliches als object, so dasz der ge nusz rein geistig ist: so wollen wir ... an euren tugenden und gebrechen z. Göthe IV 33, 323
W.; an ihrem so werthen brief ... habe ich diese monate her gezehrt
ebda 228,
öft.; von der gnade gottes ... z. Kretschmann
s. w. 5, 168; zehrten von der erinnerung G. Keller
ges. w. 1, 166; 2@bb)
von thieren, 2@b@aα)
die von dem eigenen fett zehren, während sie einen winterschlaf halten: dasz die thiere, so den winter ber ohne speisen in den hOelen leben, gleichsam von ihrem wesen leben, oder wie man spricht, von ihrem rcken z. J. Prätorius
winterflucht 275; er zehrt von seinem eigenen fett wie der dachs Binder 49;
ebenso auch von menschen: von seinem eigenen schmAer z. Kramer
teutsch-it. 2, 1431
b; von den rippen z. Campe 5, 827
a; 2@b@bβ)
die die mittel des landwirtes, ohne genügenden nutzen abzuwerfen, aufzehren: das pferd zehrt, die kuh nährt Rosegger
weltgift (1903) 114;
in diesem sinne häufig auf drohnen angewandt, aber auch sonst, vgl. verterbliche oder zehrende waare
Breslauer polizeiordn. von 1577,
wo eine ware, die wartung verlangt, wie auch eine sich verzehrende ware (
s. 2
c β)
gemeint sein kann; ferner: ein yeder (
monat) hat sein aigne art, einer der zert, der ander spart Forster
frische teutsche liedl. 96
ndr.; der unterschied zwischen blosz herrschenden und zehrenden und blosz dienenden und arbeitenden staatsangehörigen Mommsen
röm. gesch. 2, 127; 2@cc)
von dingen, sachen oder seelischen kräften, 2@c@aα)
krankheiten; im magischen denken des volkes als dämonen gedacht: mit solchen würmern in der haut (
s.zehrwurm) geplagt ..., die man insgemein die mitesser, auch an vielen orten die zehrenden elben zu nennen pfleget J. G. Schmidt
rockenphil. 1, 66; Stieler 318;
herpes fera, exedens truckne, zehrende blattern Orsäus
nomencl. 237; darrsucht an dem stiere zehrt Bürger
s. w. 1, 297
b Bohtz; es (
war) beym grafen eine lange zehrende, bey meiner mutter eine hitzige krankheit Hippel
lebensl. 3, 2, 67; Kramer
teutsch-it. 2, 1431
b; ein zehrendes fieber Schwan
n. dict. 2, 1091
b; 2@c@bβ)
luft, wasser, speisen: eine zehrende luft Immermann 1, 63
H.; Scheffel
ges. w. 1, 164; was trank er auch wasser? es zehrt und bleicht! J. H. Vosz
s. ged. 4, 16; was (
an speisen) aber schwächet oder zehrt, ist ihm mit vielem recht verwehrt Hagedorn
bei Weichmann
poes. d. Nieders. 4, 412; zehrnde austern Heinse
s. w. 2, 223
Sch.; z-de pillen Zedler 61, 519; der wein und der essig zehret, aber das bier mästet Kramer 2, 1431
a; de wein zehrt, de beier nehrt Follmann 555
a; der einschlag wird den weinen darum gegeben, dasz sie etwas zu z. haben, denn die weine wollen immer z. Coler
hausb. 90; 2@c@gγ)
sonstiges: der rost zehret das eisen Wiederhold 432
a;
subst. inf.: der bawren tantz und betler zehren Rollenhagen
froschm. (1621) G 4
b; 2@c@dδ)
häufig mark
object: der thewre holtzkauff zehrt uns schier das marck aus allen beinen S.
Dach bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 85; der augenblick zehrt schon wieder an unserm marck Göthe IV 22, 300
W.; doch sünde zehrt des landes mark A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 1, 60; 2@c@eε)
natur-, geisteskräfte, seelische mächte, geschehnisse u. ä. als subjecte: die bäche zehren stets an den erweichten hügeln Gottsched
n. ged. 60; es zehren heftge flammen am herzen Göthe 9, 26
W.; und in meinen eingeweiden zehret eine fremde glut Heine 2, 5
Elst.; (
o tod,) zer mit dinen smerzen daz leben von minem herzen Mone
schausp. d. mas. 1, 228; kummer zehret, gott ernähret B. Schmolcke
trost- u. geistr. schr. 1, 670; ihm zehrt der gram das nächste glück vor seinen lippen weg Göthe 10, 3
W. (
Iphigenie 16); die sehnsucht ... zehrte an meinem leben Gaudy
s. w. 4, 76; ein historischer roman fordert und zehrt viele kräfte W. Alexis
Is. 3, 249;
syn. oft nagen; 2@dd)
reflexiv und absolut: 2@d@aα) indem ich ... mich fast zum gerippe zehrte J.
M. Miller
briefw. 2, 211; der göttersohn fängt an sich zu z. Klinger
theat. 3, 407; sich grämen und z. Campe 5, 827
a; R. Wagner
ges. schr. 5, 206;
schon mhd.: Lexer 3, 1075; 2@d@bβ)
absolut dahinschwinden, abmagern; hier ist die anfangs gefühlte thätigkeit des subjects allmählich als vorgang, wandel am subjecte vorgestellt worden; zunächst vom wein, dessen menge im fasse durch verdunsten abnimmt: der wein zehret im fasz Kramer
teutsch-it. 2, 1431
a; Stieler 2607;
allg. haush.-lex. 1, d 4
a; Krünitz 241, 110;
ebenso sind die seltenen fälle, in denen z.
abnehmen, abmagern durch schwindsucht, also wie ab-
und auszehren (
th. 1, 157. 1024),
bedeutet, aufzufassen, auch hier ist der mensch zunächst der handelnde, als object werden kräfte, säfte, fett, muskeln
empfunden. ob indessen teeren
tabescere Kilian 665
b und z.
consumarsi, smagrire Kramer
teutsch-it. 2, 1431
a,
wie Schmeller
2 1147
zu meinen scheint, mit bestimmtheit als belege für diese anwendung zu gelten haben, erscheint ungewisz; zuverlässig hierher gehört, aber nur einen seelischen vorgang treffend: ich vernahm sein stummes flehn, und ich konnt ihn zehren sehn Göthe 5, 1, 15
W.; völlig zutreffend jedoch: der gefangene blasz und verkümmert wie ein zehrender, der die ewigkeit nahe fühlt Jung-Stilling 6, 243; dat teren
die auszehrung Woeste 270
b;
s.zehrer 3, zehrig 3;
gleichfalls elliptisch: die stunde zehrt A. v. Droste-Hülshoff
ges. schr. 2, 8;
deutlich wieder von kühen, deren milch sich während der alpzeit vermindert: Stalder 2, 467; 33)
besonderes, 3@aa)
verbalnomina: viel zehren und gasten leeret keller und kasten Lehmann
flor. pol. (1662) 3, 447; im zehrenden winter Gellert
w. 6, 202; der z-de ostwind Herder 10, 358
S.; die z-dste land- und seeluft Bode
Thom. Jones 6, 39; z-des feuer Platen
w. 1, 194
H.; z-de sehnsucht Gutzkow
ges. w. 3, 44; zehrend,
f., auszehrende krankheit Martin-L. 2, 913
a; zehrendbang G. Renner
ged. 76, ein z-dstilles weh 93; 3@bb)
rotwelsch: z.
betteln, erpressen Ostwald
rinnsteinspr. nachtr.; 3@cc) ab- (
th. 1, 157), auf- (1, 782), aus- (1, 1024), ein- (3, 349), nach- (Stieler 2608), ver-, vor- (Stieler 2608), zerzehren.