wadel,
wädel,
wedel,
m. n. mondphase, vollmond, zeit des abnehmenden monds, rechte zeit etwas vorzunehmen u. s. w. ein in mehrfacher beziehung schwer zu beurtheilendes wort. 11)
die seit Adelung
im deutschen wörterbuch erscheinende form wadel
m. beruht hauptsächlich auf dem niederdeutschen: waal (
mit schwinden des inlautenden d)
brem. wb. 5, 166; wadel Dähnert 534. Frischbier 2, 452.
dagegen heiszt es in schweizerischen mundarten, wo das wort auch noch lebt, nur wädel. Stalder 2, 426. Tobler 441
b (wedel,
mit offenem e). Seiler 307; wädal Bühler
Davos 1, 205.
mhd. kommt neben häufigem wedel, wädel
nur einmal wadel
vor (Lexer 3, 628),
das auch Schmeller 2, 848. 849
vereinzelt aus älterer sprache (
neben sonstigem wedel, wädel)
belegt, mnd. (16.
jahrh.)
dagegen immer wadel,
aus dem ahd. ist einmal wedal
bezeugt. wadel
stimmt zu dem einmal im ags. vorkommenden waðol,
grundform *waþul. wädel
kann, soweit an echtes ä
zu denken ist (
was z. b. bei Megenberg
notwendig ist),
durch ableitung daraus hervorgegangen sein und würde einem vorauszusetzenden ahd. *wadali
entsprechen; es ist dabei zu erinnern, dasz das wort früher (
s. die belege)
häufig als n. vorkommt, wenn auch in der jetzigen sprache dies genus (
wol unter einflusz von mond)
ganz durch das m. verdrängt scheint. dies *wadali
kann aber mit dem belegten ahd. wedal
nicht vereinbart werden, sondern dies führt auf ein aus *wadil
umgelautetes *wedil (
oder mit ablaut wëdal?)
und auch bei Ottokar
ist nach den reimen wädel
ausgeschlossen und nur wedel
oder wëdel
möglich, vgl. auch kärnt. wêdl.
es musz mithin von mehreren grundformen ausgegangen werden. 22)
ahd. wedal
ist '
neumond'
: interlunia, wedal Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 336, 6.
auch davos. wädal
ist '
neumond'
und auch sonst kommt in der Schweiz (
nach freundl. angabe A. Bachmanns)
diese bedeutung vor. sonst ist die bedeutung '
vollmond'
die herrschende. wir werden daher auf '
mondwechsel'
als grundbedeutung geführt, wofür auch die etymologie spricht. ein mhd. wadel '
das schweifen, schwanken'
ist aus enwadele (enwedele) varn '
umherziehen'
zu erschlieszen, wadelen, wedelen '
schweifen, schwanken'.
ahd. wadal
ist '
egenus, pauper' (
ursprünglich '
vagus',
auch mhd. bei H. v.
d. Türlin
kommt noch einmal wadel '
unstät'
vor), wadalôn,
vagari, fluctuare. Graff 1, 776.
vgl. auch wadeler, wadeln, wadelung.
im ags. ist wǽdla (
mit abweichendem vocal)
wie ahd. wadal '
arm'
; verwandt ist ferner waðuma, waðum
m. flut, meer als '
das schwankende'.
die bedeutung '
hin und her schwanken'
hat auch mengl. weoðelen Stratmann-Bradley 678
und engl. waddle,
das nach Halliwell 912
auch vom mondwechsel gebraucht wird. anknüpfungen auszerhalb des german. bieten sich nicht. wadel, wedel
schweif, das J. Grimm
mit heranzieht, gehört zu wehen
und ist ganz fernzuhalten. ags. waðol
geht auf den mond, wol als '
das schwankende gestirn': nu scýneð þes móna, waðol under wolcnum.
kampf um Finnsburg 8.
dasz auch im deutschen wadel, wedel
den mond selbst bezeichnen konnte, bezeugt das in einem denkmal des 12.
jahrh. (
hohelied, erklärt von Rilindis und Herrat 87, 19)
überlieferte wedelscim
mondschein. sonst ist es hier nicht der himmelskörper an sich, sondern die mondphase und zwar mit den erwähnten ausnahmen (
vgl. auch unten die stelle aus Kantzow)
die phase des vollmondes, sowie die daran sich anschlieszende periode des abnehmenden mondes (
wie auch neumond —
früher das neu
genannt —
zugleich auf die periode des zunehmenden mondes geht).
oppositio, wedel Diefenbach
nov. gl. 272
b (
oppositio wird gl. 398
b erklärt: der man wan her volle ist); wädel, vollmon,
plenilunium. Dasypodius 450
c;
luna cava, wenn es wädel ist. Frisius (1568) 203
a;
plenilunium, vollmon oder wädel. 1012
b; wädel (das), wenn der mon voll und seine hörner zuosamen gestossen sind,
coactum cornu, plenilunium, luna cava, senium lunae. Maaler 480
c;
plenilunium, wadel, voller mon. Junius (1577) 254
a; waedel (
germ. sicambr.),
senium lunae. Kilian 644;
plenilunium, vollmond, wedel. Dentzler 1, 416. Kirsch 1, 918. Frisch 2, 414
gibt wadel
an und belegt wädel, wedel
aus älteren quellen. alle übrigen wörterbücher kennen das wort nicht, das erst durch Adelung
wieder bekannter wurde. die litterarischen belege bezeugen, dasz wadel, wedel
auszer in Niederdeutschland, wo die bedeutung '
vollmond',
die Adelung
noch bekannt ist, jetzt erloschen ist, auch im ganzen süden (
auch im Elsasz, Schwaben, Baiern, Franken)
noch in der älteren nhd. zeit verbreitet war; in Mitteldeutschland scheint es, wenigstens in der ursprünglichen bedeutung, früh ausgestorben zu sein (
nach J. Grimms —
sonst nicht bestätigter —
angabe, myth.4 593,
ist wädel
als '
vollmond'
noch in Deutschböhmen üblich);
bei vollem leben erhielt sich das wort in der Schweiz: dô diu mâninne suintet, dâ si wider deme sunnen wintet, si negât niht ze sedele an deme niu noch an deme wedele unt newirt nimer muode. Diemer
d. ged. 342, 28; alsz der mon, der sich stetigs bewegt und nit bleibt in eim wesen: ietzt so ist er nüw, ietzt foll, ietzt alt, ietzt ist die erst quart, ietz die ander quart, ietz ist es wedel. Keisersberg
postill 136
b bei Scherz-Oberlin 1955; in keinem wädel d' sonnen kan natürlich finsternussen han, ihr finsternusz gar nicht einfalt, der mon sey dan dreyssg tagen alt. der mon verfinstret wirt allein natürlich in dem wädel g'mein, wann er ist alt fünffzehen tag, anderst es nicht geschehen mag. Rebmann
naturae magnalia (
Bern 1620) 49; es ist yetz zum drittenmal wädel oder bruch,
tertia jam lunae se cornua lumine complent. Maaler 79
b; es seien sonne, mond und sterne gleich geblieben, alle vier wochen sei wädel ... Gotthelf 9, 159
volksausg. (
Anne Bäbi 2). wedel
ist namentlich der (
in den einzelnen monaten verschiedene)
tag, auf den vollmond fällt, zuweilen auch mit einschlusz der darauf folgenden tage, und dient so zur zeitbestimmung: hornungswedel, aprillenwedel, mertzenwedel
u. s. w. kalender von 1350,
Alemannia 1, 155; der mertz hauwet die alten mit dem schlack ... wan es ist sein wedel, sein volmon. Keisersberg
v. menschl. baum 19
bei Scherz-Oberlin 1955; daz wir die ostern muszten begen in dem abrellenwadel; nu chumpt daz selb wädel gar ungeleich.
Münchener hs. bei Schmeller
2 2, 848; den juden ist in der alten e geboten, daz sy daz osterlam solten essen an aberellen wedel, daz ist an dem funfzehenden tag des nuwen manen. 2, 849; dasz solche erdbidem by inen (
nid dem wald) seydt 1601 nie uffgehört ..., deren sonderlich zwen gsin, namlich der ein in dem wedel um das mittel octobris, den andern in dem nächst daruff volgenden wedel uf samstag den 6. tag novembris.
geschichtsfreund 3, 115; dat ein ider meister des amptes alle jahr in sunte Mychaelis wadel sös lange, gude eeckhesteren vorschaffen sall.
Hamburger zunftrollen (1566)
bei Schiller-Lübben 5, 572.
die allgemeine bedeutung '
tag des mondwechsels'
scheint noch an folgender stelle vorzuliegen: setzte er keinen tag an ... anders, wan auff den newen mon oder auff den fullen mon, dan nach dem wadel hielten sie es unglucklich. Kantzow
chronik 266
Böhmer. wedel
faszt auch die ganze zeit des abnehmenden mondes zusammen: swilich man sich hi nider leizit ... di mac sich hi woli virsuchi ein niuwe unde ein wedil, daz sint vir wochin
Mühlhauser ratsgesetzgebung 177
Lambert; wer mit uns hy in der stad siczit nuwe und wedel und koyfft und vorkoyfft oder unser statrechte gebrucht.
stadtrecht von Rudolstadt bei Michelsen
rechtsdenkm. aus Thüringen 209; wer in der pfarr Alten - Glan einen wachsmonath oder weydel (das ist ein näw oder voll licht) wohnet.
aus acten von 1601
bei Schmeller
2 2, 849; wissent daz der hornung durch unde durch gantz wedel ist.
kalender (
um 1305),
Haupts zeitschr. 6, 353 (
in dem betr. jahr fiel neumond auf den 31.
januar, wedel
geht also hier auf den ganzen mondumlauf mit ausschlusz des tags des neumonds).
in bestimmten wendungen steht wedel
freier für einen bevorstehenden zeitpunkt: aber weiter mehr irrung, so ir in den salben gepflegen, ist, das ihr bleyweisz, mennig, gletten, darein thund und vermeinend dann die gesundheit sey geben, die auff den nechsten wädel zerbricht. Paracelsus
chirurg. schriften (
Straszb. 1618) 255 C; allweg, sagte Stini, wenn's g'fresse sein musz, vo wege ein junger hätte bessere zähne, machte g'schwinder. es weisz kein mensch, wie lange du mit deinen storzen machen würdest, käust ja an einem brodranft vom neu bis zum wedel. Gotthelf
erz. u. bilder 4, 14. 33)
nach dem volksglauben hat der mond auf das was auf der erde vor sich geht einflusz (Grimm
myth.4 2, 594
f. 3, 208),
gewisse geschäfte müssen darum zur zeit des neumonds (
zunehmenden monds),
andere zur zeit des vollmonds (
abnehmenden monds)
vorgenommen werden: besser wäre es, das bad im abnemmenden mon anzufahen und im andern wedel oder abnemmen erst aufzuhören. Schmeller
2 2, 849; im wädel isch guet z'bschütte (
mist auszuführen). Wander 4, 1723 (
aus Solothurn).
besonders hat das holzfällen zur vollmondzeit zu geschehen, sonst wird das holz wurmstichig: der wurm wechst in den hölzern, diu man ze unrehter zeit abhawet ... dar umb prüefent die holzhacker an daz wädel und daz new des monen, wenn si das holz oder die paum hawen wellent. K. v. Megenberg 309, 10
Pfeiffer; es ist gut holtz anheben abzuhawen mit des mondes wedel.
kalender von 1511
bei Scherz - Oberlin 1957; ihr weiber habt gut acht auff des mons wedel: im wachsenden mon ist nicht gut holtz abhawen, es wird sonst wurmstichig. Fischart
groszm. 559
Scheible; der mensch desz hirn und sinn verwirrt wirt ins mons endrung fast verirrt: der krebs im wädel voll sich findt, desz fleisch im neuwen fast verschwind ... wilt fellen holtz welchs wirig bleib, magst mercken wol auf mones scheib. Rebmann
naturae magnalia (
Bern 1620) 58.
mitunter wird hervorgehoben, dasz bei dem was geschieht der wedel
unberücksichtigt bleibt oder bleiben soll: der louwe was erbermede frî ... sîne clâwen waren hæle ... des wart aldâ geschernet sîn (
des überfallenen) ungetoufter hirneschede im was unkunt des mânen wedel, er wolde im niht entwîchen, ê daʒ er im daʒ kîchen buoʒte und daʒ kallen.
Martina 181, 76; er (
gott) wirt ouch dich noch nit verlan, leg nun ein rüstig panzer an, bschow weder nüw noch wädel! H. R. Manuel 384, 23
Bächtold; es ist im (
dem tod) alwegen wedel bäum abzuhauwen, gewild zu schiessen oder zu mejen. Keisersberg
v. menschl. baum 19
a bei Schmidt
els. wb. 414.
bauernregel: seis wedel oder neu, wenn gut wetter ist, so heu. Wander 4, 1841.
eine erweiterung des gebrauches des wortes findet nun insofern statt, als es —
zunächst noch in beschränkung auf die mondphasen —
überhaupt den richtigen termin bezeichnet, an dem etwas zu geschehen hat, beim forstwesen und in der landwirthschaft. was recht ausgeführt werden soll, musz im wedel, zu wedel
oder, wie auch gesagt wird, im rechten
oder guten wedel
erfolgen; der gegensatz davon ist der böse wedel,
d. h. die ungeeignete zeit (
nicht mit Rochholz
deutscher glaube und brauch 2, 16
auf den zunehmenden mond zu beschränken).
ob im wedel
auf vollmond oder neumond zu beziehen ist, ergibt sich aus den vorschriften, die für die einzelnen geschäfte galten: was über der erden wachsen und grösser werden soll, musz im wadel, das ist um das 0 (
neu) gesäet und gepflantzet werden, als erbis, bohnen, obst-bäumlein. Hohberg 3.
th. 1.
abth. 483
a; das sie des walthawerampts getrewlich warten und pflegen wollen, auch alles holtz zu rechtem wedel am monat hawen und fellen. Tucher
baumeisterbuch 70, 15; so hat alles reisholz, als vorhens, thenes, fiechtes, (
zu) wedel zu hawen, im zunemen des monscheins, und alles laubholtz, als eichen, büchen, bircken im abnemen des monscheines. 73, 8; wo er rechtz kaufs hinter eichen pretter ... auch püchen mangpretter, das alles zu wedel gehawen wer, bekomen mocht. 78, 1; wie solichs (
holz) der wurm angriffen het und in dem eingang des mertzen, do es nit wedel hette, gefallen wer. 79, 16.
im forstwesen wird dem wort noch eine weitere ausdehnung gegeben, indem man dabei an die jahreszeit denkt, die sich besonders zur holzfällung eignet, die wintermonate. gewöhnlich wird die zeit vom october bis märz angenommen (Frischbier 2, 452),
während andere die zahl dieser monate auf zwei oder drei (Behlen 6, 188)
beschränken, s. auch wadelzeit.
diese bedeutung ist in der neueren sprache die vorwiegende. bei den folgenden belegen ist es unsicher, ob bei wadel, wedel
überhaupt noch an die mondzeiten gedacht werden darf: tempestivitas, tempestiva caesura, der wädel. Zehner
nomencl. (1622) 461;
arbor tempestive caesa, ein baum der zu rechter zeit oder im wädel gefället ist.
ebenda; worumme he dat holt buten tydes und buten wadels gehouwen?
Wismarer protocoll von 1571
bei Schiller-Lübben 5, 572; dat de hölter tho rechter tydt unde im wadel gehouwen werden unde nicht allent up ein jar ummegebracht werde.
Pommersche kirchenordnung von 1690,
Haupts zeitschr. 3, 90 (
wo der herausgeber im wadel
kaum richtig durch '
im richtigen schlag'
erklärt); die holzfällung soll in einem guten wädel vorgenommen werden.
Würzburger waldordnung von 1721
bei Schmeller
2 2, 849.
in alten forstordnungen pflegt für das holzfällen auszer auf die jahreszeit doch auch auf bestimmte tage hingewiesen zu werden, die auch in den kalendern durch ein beil bezeichnet waren: so soll alles bawholtz nach gemeiner regel zween oder drey tag vor oder nach dem newen, bey kleinem mon, gehawen und gefellet werden ... das aichin bawholtz mag von Galli an bisz auff den mertzen, alle new- oder bey kleinem mon, gefällt werden ... ob es aber jemand thäte, und darüber holtz in eim bösen wädel hawen wurde, der soll, so offt er ergriffen, drey pfund, fünff schilling zu straff geben.
desz hertzogthumbs Würtemberg ernewerte vorst-ordnung (1651) 31; dasz allwegen alles und iedes holtzhauen zu rechter zeit, und nicht ehe gefället oder abgehauen werde, dann so der haw gut ist, oder wie man sagt, in guten wädel ... so viel das eichen bauholtz belangt, soll der hau am besten seyn von Jacobi an bisz in hornung und dasz solch holtz ebenmässig, wann der mond drey oder vier tag abgenommen hat, gefället werden soll.
Hohenlohische jagt- und forstordnung tit. 22
im corpus juris venatorio-forestale ed. Fritsch (1702) 3, 242
b; in der alten forstsprache wird der wadel, wedel oder rechte wedel (
die wintermonate, zwei bis fünf an der zahl), auch der gute wädel genennet; allein er hat seine hin und wider vorgeschriebene leuchter oder lichter ... die leuchter, lichter oder mondesviertel, besonders der vollmond, als der gärtner wedel, sind weniger richtig, auch der witterung halber nicht immer zu halten oder zureichend genug. Stahl
forst-, fisch- u. jagdlex. (1780) 7, 1039. Jacobsson 8, 124
a.
darnach war die beziehung von wedel
auf die mondzeiten damals zwar noch bekannt, galt aber als ein misbrauch. spätere forstlexica erwähnen das wort gar nicht mehr; am längsten hält sich der ausdruck wadelzeit. Dähnert 534,
der wadel
als '
vollmond'
nicht mehr kennt, bemerkt allgemein: '
die rechte zeit eine jede art holzes zu hauen, nu is't im goden wadel'. —
zu diesem auf das holzfällen sich beziehenden wadel
könnte auch henneberg. wadel
reisig, reisholz Spiesz 273
gezogen werden (
vgl.wadelholz),
das indes doch wol zu wedel '
zweig, busch'
gehört. wedel '
die richtige zeit'
in freierem sinne: es hett yetz wedel und fug, sein anligen und beschwernusz auch dem ausschusz anzubringen. Baumann
quellen z. gesch. des bauernkriegs aus Rotenburg 156; es ist erteilt, unangesehen, das diser zeit nit wedel ist, grosze summa gelts von handen kumen zu lassen, der königlichen majestät noch mit viertausend guldin zu willfahren (
von 1577).
Nürnberger acten bei Schmeller
2 2, 849; mit den steuer-registern ... soll man aus etlichen ursachen ein zeitlang ... ruhen lassen, bisz besser wedel sei, dis und anders zuhandeln (
von 1529).
ebenda; ey, lasz dich nit verachten gantz, sonder hilff uns die manheit retten, weil sie uns alle samb will fretten! so ist es gleich der rechte wedel. schlag ir gleich den stul an den schedel! Hans Sachs
fastnachtsp. 4, 451
Götze, da sprach das kleine Gredel: dort ligt er in der not und hat ein loch im schedel, gehackt in bösem wedel. Uhland
volksl. 658, 9 (
jüngerer text); ihr glück ist im sparen (
l. spaten) wädel gehawen, dann der alt galgen zu Rufach hat gut eychen holtz. Fischart
groszm. 622
Scheible; spat ehe, spat wehe, spat wedel, spat edel. 591.
in S. Gallen sagt man wädel hā
für '
glück haben'. 44)
ferner stehen einige der älteren sprache angehörige gebrauchswesen von wedel. 4@aa)
allgemein '
zeitperiode': daz (
kind) hat der sinne ze ubelen dingen nith. iz hat ouch der sinne ze guoten dingen nith. ist also in dem wedel, daz iz weder ubel noh guot gevrumen mah. Wackernagel
altd. predigten 26, 28.
mit angeschlossenem genetiv: wir hetten wenig ruo die langen wintterzit ... bis das des sumers wedel vast her gen ostern drang. Altswert 244, 28; siu leiten alle ir maht, wie siu die maget geslaht gewurfen von den (
l. dem) sedel, der in der genâden wedel (
gedr. tredel) âne wâfen wart verhouwen Martinun der frouwen.
Martina 147, 8. 4@bb)
besonders '
schlechte, unglückliche zeit': und swaʒ der nach sei lebendeder soltu pflegen in dem selben wedele.
j. Titurel 3831,
wo von kriegerischen verwicklungen die rede ist. mit angeschlossenem genetiv: barmunge tiuret dir dinen lîp, dich, und nimt dir iemer werndeʒ ach und arge tregede, barmunge birt dir stæter hôher êren sedel, barmunge vremdet dir gar aller schanden wedel, barmunge verret dir heischeʒ gejegede. Boppe
minnesinger 2, 381
b Hagen. häufig bei Aventin,
wo es auf kriegsnöte, hungersnot, pestilenz u. dgl. geht: von stundan wart eine grosse teuerung und hunger im land ... den Abraham trib der wedel in Ägypten, und do es wider wolfail und guet wart, zoch er wider ausz Ägypten in das gelobt land.
werke 4, 90, 24
Lexer; es kam auch ein grosser sterb under ped partei, was ein grosser gmainer wedel, nam vil volks hin im slos und im geleger. 4, 323, 9; die güeter, so im obern wedel und verderben erblos warn, schenkt er den stetten und flecken, so die obgenant prunst verderbt hat. 4, 840, 15; Plinius ... ist auch erstickt und umbkummen in disem wedel (
ausbruch des Vesuvs). 4, 841, 4; bisher war im römischen reich ain lange zeit gueter frid und still gewesen. nun ... gieng ain gros ungewitter über das römisch reich. darumb ward von got disem wedel ain weiser und bestendiger fürst entgegen gesetzt. 4, 872, 24.
bair. wedel '
krankheitsstoff, epidemie' Schmeller
2 2, 848 (es regiert
oder es geht ein böser wedel rum)
gehört wol nicht hierher, sondern zu wedel '
wehe'. 4@cc)
von wedel '
kriegsläufte'
kann wieder wedel
bei Ottokar
kaum getrennt werden, das die bedeutung von '
streitigkeit, kampf'
hat: in der selber wedel, daʒ si heten an der kür, nû kômen die boten für, dâ si innerhalp sâʒen, und hieʒen sich in lâʒen.
reimchr. 38517
Seemüller; in dem selben wedel, daʒ der admirat zogte ûʒ der stat, grôʒen schaden er kô
s. 51126; ê sich der strît zelieʒ, dô was in dem wedel gefuort der herzog edel ze Takenbrunn ûf die burc. 60755.
mit angeschlossenem genetiv: si wolden des krieges wedel geben ein ende. 59066.
hierher gehört wol auch: da sprach das winzig Gredel: si seind auch in dem däm (
prügelei) dort niden in dem wedel, er hat ein loch im schedel. Uhland
volksl. 658, 9.
kärnt. wêdl
ist streit, zank. Lexer 252.