wedeln,
verb. in luftbewegung sein, von der luft bewegt werden, die luft in bewegung setzen, eine körperbewegung machen, den schwanz bewegen. eine ableitung von wedel,
mit der ein älteres verbum, ahd. wadalôn '
vagari, evagari, fluctuare' (
s.wadeln
sp. 246)
zusammengefallen ist, das aber nur für die ersten beiden bedeutungen in betracht kommt. das abgeleitete verbum liegt sicher um 1200
vor (
s. 5
a Th. v. Zirclaria)
und wird, da der vokal der ersten silbe unumgelautet bleiben kann, für das ahd. als *wadalôn,
daneben *wedilôn,
anzusetzen sein. im älteren mhd. tritt nur wadeln
auf, im 15.
jahrh. steht wedeln
bei Füetrer
Seifrid de Ardemont 490, 5
und Rosenblut
in Liliencrons
hist. volksl. 109, 15;
im 16.
und 17.
jahrh. haben die Oberdeutschen (Keisersberg, Franck, Forer, Albertinus, Bürster)
meist wadeln
[] (wadlen),
die Mitteldeutschen (Luther, Kirchhof, Spangenberg)
meist wedeln,
doch steht wedlen
bei Pauli 256,
dagegen wadelt
bei Lehman 1, 414
und noch 1742 wadelten
bei Lindenborn
Diogenes 1, 773.
von wörterbüchern haben Frisius, Maaler, Dentzler wadlen; Güntzel 825
bezeichnet wadeln
als die Nürnberger (wedeln
als die Leipziger)
form; aber auch Schottel
hat wadelen '
caudam movere'
und noch Steinbach
und Nieremberger
kennen wadeln
neben wedeln. Kramer, Rädlein
u. a. schreiben wädeln.
die aus dem Harz angeführte form weddeln
steht auch bei Schnabel
Felsenburg 4, 43. 111. 308.
vereinzelt übergang des e
in i
in wideln
Cats sinnreiche wercke 2, 603.
die jetzigen obd. dialekte haben neben wadeln
die umgelauteten formen; z. th. scheint in wadeln
späterer umlaut eingedrungen zu sein: wadeln Stalder 2, 427,
aber wälda Tobler 437, wädle Hunziker 284; wedle Martin-Lienhart 2, 790 (
daneben wadle 2, 789
b); wädeln Birlinger 424
a; wàdlen
neben wedlen Schöpf 793; wádln Lexer 249.
im md. tritt a
nur in wadeln '
reisholz machen' Reinwald 2, 137
auf. litterarisch erscheint wadeln
in neuerer zeit nur bei Gotthelf 21, 387
u. ö. das verbum hat sich im nhd. besser gehalten als wedel
und liegt noch fast in allen seinen bedeutungen vor. 11)
in luftbewegung sein (
zu wedel II 1).
schwäb.-fränk. und in ostmd. mundarten sagt man es wedelt,
wenn es im zimmer so heisz ist, dasz sich die luft bewegt Birlinger 424. Reinwald 2, 138. Anton (1840) 8; wedelnde wärme Bernd
Posen 344; kein holz darf mir vergebens auf dem heerde brennen, und stuben, welche vor hizze, wie die badstuben, wedeln, kan ich nicht leiden
die lustigen Leipzigerinnen (1790) 40; wedelnde ofenwärme schlug ihm, der aus der kälte kam, entgegen Fr. v. Bülow
Velhagen u. Klasings monatshefte 1902, i, 575
a.
am Harz gebraucht man wedeln
vom schneegestöber, leicht und flüchtig treibendem schnee Liesenberg 102.
zeitschr. f. d. mda. 1911, 27 (
Hohegeisz); weddeln, et weddelt Damköhler
mundartliches aus Cattenstedt a. H. 11.
das wort tritt bei Cyr.
und Wolfh. Spangenberg
auf: den siebenden (
schnee) mag man das stette wedeln und wehen nennen, so umb das fest der heiligen drei könige, etliche tage lang an einander geweret C. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 492
a; und dasz der schnee gantz hauffen weisz her wedele mit sausen. W. Spangenberg
anm. weiszheit lustg. 478.
vom rauch: der rauch wedelte über's gewölbe hin, und sah zu, wo er hinaus konnte v. Gaudy 2, 84. 22)
von der luft bewegt werden, flattern. bei älteren belegen ist mit nachklängen des verbums wadeln '
schwanken, schweben'
zu rechnen, aus dem auch die bedeutung '
flattern'
hervorgehen konnte. im mhd. steht wadeln (wedeln)
öfter von fahnen (
s. auch a. a. o. den beleg aus Athis): ain vænlin grn sol vor dir wadel (
var. wadeln). J. v. Würzburg
Wilh. v. Österreich 13430
Regel; got mit dem cruze kam gevarn, der totsigenunftige vane wadelt dort oben ane. H. v. Hesler
ev. Nicodemi 3280
var. (
text: swebete)
Helm; do sach man in den lufften hoch umb wedeln dy zimierd und paniere ob kunigen und sunst mengem fursten edeln. U. Füetrer
Seifrid de Ardemont 490, 5
Panzer. an wadeln '
schwanken'
ist vielleicht noch bei folg. stelle aus dem 18.
jahrh. zu denken: flanquierten sie (
die schiffe) noch einige tage um die gegend der sandbäncke herum ... so beobachteten wir ihr hin und her weddeln Schnabel
Felsenburg 4, 308 (4, 33 weddeln
von einer flagge);
sowie bei schwäb. wädeln '
das wellenförmige sichlegen der hohen saaten auf getraidefeldern beim winde' Birlinger 424 (
s. auch u. Frisius).
in der neueren sprache hat sich aber sicher auch das intransitive wedeln
aus wedeln '
fächeln, schwenken'
entwickelt, wie umgekehrt aus dem zunächst intransitiven wehen
ein wehen '
fächeln'
hervorgegangen ist (
th. 14, i, 92);
die bedeutung '
wehen'
ist auch zu '
sich hin und her bewegen, baumeln'
erweitert: die flaggen, fahnen wedeln vor dem wind,
ondoïent, flottent Rondeau;
[] in selbem grunde schritt oft und viel ein edler jüngling spazieren, hinter jedem ohre ein federkiel, das thät ihn wunderbar zieren! am rücken ein gänseflügelpaar, die thäten rauschen und wedeln. v. Droste-Hülshoff 3, 296
Kreiten; dem herrn wedelt sein zöpfchen gar possierlich unter den engelsflügeln Uhland
briefwechsel 1, 30; die hängenden ohren wedeln auf und ab Grasz
sizilische reise (1815) 1, 43; eine goldene kette wedelt ihm (
dem hausherrn) auf dem schwellenden embonpoint Gutzkow 8, 73. etwas wedeln lassen:
undantem chlamydem facere, den mantel lassen fliegen und wadlen im gon, grad wie die wällen Frisius (1556) 1400
b; seine speckseitekutte liesz er wadeln hinter sich, dasz es fry einen luft gab Gotthelf (1856
ff.) 21, 387; mops, von höflichen maniren, als sein meister scheint zu sein, stellt sich schmeichelnd bei mir ein, läst sein schwäntzchen wideln, rühren, beut mir seinen pfoten dar.
Cats sinnreiche wercke (1711) 2, 603; sehe ich den fahrenden, der die zipfel seines gewandes zu zwei langen ohren gestaltet hatte, die er neben den meinigen winken und wedeln läszt C.
F. Meyer
könig und heiliger 24. wedelnd '
schlotternd': strumpf, der aus der wedelnden wade und übrigen hülse der beine eines grafen gegerbet worden J. Paul
aus des teufels pap. 1, 82. 33)
weit häufiger ist die bedeutung '
die luft mit einem fächelnden werkzeug in bewegung setzen'
; die wörterbücher führen sie neben der vierten (
die Adelung
allein kennt)
seit Krämer
an, flabello ventilare, ventum facere Stieler 2461. 3@aa)
am häufigsten ist mit etwas wedeln: da wedelt unser frow mit dem ermel, da wurden sye alle gesund
der heyligen leben summerteil (1472) 148
b; (
haben sie) gar stark mit brinnenden lunden gewadlet Seb. Bürster
schwed. krieg 121
v. Weech; dann wie er ... gar unfürsichtig, mit einer zündruten, hin und wieder fächelte und wedelte, fielen etliche funken in ein pulverfäszlein E. Francisci
schau- u. ehren-platz (1684) 37; welche alle weisze fähnlein in ihren händen führeten, und damit wedelten, welches wir als ein zeichen des friedens erkannten Schnabel
Felsenb. 4, 285; eine mutter ermahnte die ihrigen zur flucht, als sie den erbherrn in der nähe spazieren sah. 'lauft! sagte sie; seht ihr nicht, wie er schon mit dem stocke wedelt?' G. Merkel
die Letten (1797) 34; der priester ... verbeugte sich, sprach salaams, wedelte mit einem fächer Ritter
erdkunde 6, 217; das eigene wedeln der Heiterethei mit dem tragband in ihren händen O. Ludwig 2, 23; noch immer wedelten die damen des chors mit ihren notenblättern Anders (Allihn)
das duett in as-dur 123. 3@bb)
während hier die bedeutung z. th. zu '
in der luft mit etwas herumfahren'
erweitert ist, hält sich die ursprüngliche bedeutung von wedeln
besser, wenn ein acc. angeschlossen ist (
ungewöhnlich ein dat. bei H. v. Kleist 1, 184
E. Schmidt).
er kann das vom luftmachen betroffene bezeichnen: sich (sein gesicht) mit dem schnupftuch wedeln;
mit weiterer bestimmung: hierauf erhebet sich der vogel über die übrigen armeen, denen er grausam viel leute über den haufen wädelt
polit. hanswurst (1759) 23; die männer sprangen auf die bänke und versuchten mit schnupftüchern den ungebetenen gast hinaus zu wedeln v. Gaudy 14, 100.
in Sachsen sagt man: der wind wedelt die wäsche recht rum Müller - Fraureuth 2, 645
a. die fliegen wedeln,
mit dem wedel vertreiben, muscas abigere Stieler 2461: 12 schiffsjungen ..., welche die fliegen von der leiche hinwegweddeln musten Schnabel
Felsenb. 111; wedelt ihm das glück die fliegen und die sorgen von der stirne? Heine 1, 386
Elster; es darf (
beim erdbad) nichts frey bleiben, als der kopf, selbst die arme nicht, daher man sich in ameisenreichen gegenden die ameisen wedeln lassen musz Lichtenberg
verm. schr. 5 (1803) 183.
seltener bezeichnet der acc. das, womit man luft macht: als ... Ulrich von Werdenberg einen zundel ... frevenlich wädlete, ist ein fewr in das
[] nächst fasz voller pulfer hinein gefallen Conr. Dietz
annales (1621) 276; sie wedelt über ihm den hut, und seinen schläfen that's nicht gut. Overbeck
verm. ged. 151; holder von schmink' und gestein liebäugelt es, wedelnd den fächer. Voss 2, 138.
im folg. ist es '
durch bewegungen in der luft etwas zum ausdruck bringen': brich auf! — da haspelt in behendem lauf das wirthlein abschied wedelnd uns entgegen. v. Droste-Hülshoff 3, 107
Kreiten. 3@cc) wedeln
absolut gebraucht: der erst sasz gegen dem wind uff einem hohen turn, der wadlet empsigklichen, als ob er den gantz wolt verschlucken Keisersberg
der seelen paradisz 154
d; ein federbuschen hengt daran, nach welchem sie thuet greiffen, damit sie gschwind einn kuhlen windt mit wadlen kann hertreiben.
lied v. 1637
bei Schmeller 2, 847; wenn solchen herren einmal eine mucke hinter die ohren geflogen ist, so bringt man sie höchstens mit vielem wadeln wieder weg Gotthelf 2, 174
Vetter; sie wedeln (
die anzeiger schwingen die anzeigerstange hin und her bei einem fehlschusse) Horn
die deutsche soldatensprache 79. 3@dd)
eine besondere bedeutung entwickelt wedeln,
wenn es auf eine bewegung geht, die man beim gehen zu machen pflegt; die grundbedeutung '
wehen'
tritt hier völlig zurück. mit etwas, das man an sich hat, wedeln:
qui suam undantem chlamydem quassando facit ... der da gehet und wedelt mit dem reitrock Corvinus
fons latinitatis (1646) 187; mit den kleidern wedeln,
sive auf den gassen stolz daher wedeln,
in vestium splendore et apparatu superbire Stieler 2461; (
er) wuszte gleichwohl durch nachlässigen gang und ein gewisses wedeln mit den rockschöszen seine volle würde zu behaupten Pröhle
Harzsagen 60; herr
F., der auch wieder aufblüht ... und wieder con amore mit seinem zöpfchen wedelt A. v. Droste-Hülshoff
briefe 281
Schücking. mit körpertheilen wedeln: mit den armen müssen sie daher wadlen, gleich als wann sie fliehen (
fliegen) wolten oder im schiff füren und ruderten Albertinus
zeitkürtzer 57; (
die blattlaus) wedelt mit dem hinterleibe Ratzeburg
ichneumen der forstinsekten 1, 51; mit dem hindern wedeln,
agitare nates, clunes motitare Stieler 246.
für dies auch nur wedeln: wädele,
ambulando posteriora versari (
Bern) Frommann 4, 148.
es bedeutet '
rasch mit kurzen schritten gehen',
bes. von dicken leuten: der wirth wädelte in seinem schnellsten schritt zur hausthüre Gotthelf (1856
f.) 10, 37;
els. wadeln,
sich drehen und wenden im gehen Klein 2, 223; wadle, wädle,
schwerfällig laufen, rasch oder zimperlich mit kurzen schritten gehen Martin-Lienhart 2, 789
b;
henneb. wedeln Frommann 2, 170.
mit anlehnung an wedeln 4: daher wadlen wie ein pfau Dentzler 2, 340.
kaum gehört hierher schwäb. wadle,
gehen wie eine ente, schwankend gehen Wagner
mda. v. Reutlingen 60; die ente wadelt und trippelt sehr eilents mit iren kurtzen beinen hinach Kirchhof
wendunmuth 1, 299
Österley; vgl. wateln
sp. 2571.
es scheinen hier verschiedene bildungen zusammengekommen zu sein. 44)
das von wedel '
schwanz'
ausgehende wedeln
erscheint seit dem spätmhd. und tritt an die stelle der umständlicheren bildungen zagelweiben, weibe-, wende-, wandelzageln,
das vorkommen in der bibel trägt zur verbreitung des wortes bei (
für das H. Sachs
u. a. wecheln
gebrauchen s. wächeln),
und es verbleibt der schriftsprache, auch nachdem wedel
selbst wieder aus der allgemeinen sprache gewichen ist. es wird am häufigsten vom hunde gebraucht, aber auch sonst von vierfüszigen thieren, den raubthieren (
löwe, wolf, fuchs),
von rindern und schafen, selten von pferden. auf fische und vögel wird wedeln
nicht wie das subst. ausgedehnt. 4@aa)
zunächst kommt wedeln
mit angeschlossenem acc. vor, was jetzt in der gewöhnlichen sprache nicht mehr üblich ist: der hund der peiszt des mannes nicht, so er den zagel wedelt. Liliencron
hist. volksl. (1, 510) 109, 15 (Rosenblut);
[] din sun kumpt, der hund wädelt den schwantz (
var.: wendelt den zagel, wendelzagelt
u. a.)
historienbibeln 524
Merzdorf; er ... wädelt seynen schwancz gtlich gegen im
der heiligen leben winterteil (1471) 71
a;
agere caudam, den schwantz wadlen oder rren, bewegen Frisius 65
a (= Maaler 480
a,
fehlt noch bei Dasypodius, Alberus, Hulsius).
jetzt noch dichterisch: an seinem goldhorn kannte der höllenhund den schönen Bacchus, wedelte sanft den schweif. Herder 26, 255
Suphan. 4@bb) mit dem schwanz wedeln
tritt seit Luther
auf: da lieff der hund vorhin ... und wedelt mit seinem schwantz, sprang und stellet sich frölich
Tob. 11, 9 (und frawet sich mit der wadlung seins zagels Mentel, wädlet mit dem schwantz in fröuden
Züricher bibel, ebenso Eck); der esel ... spitzt und wirfft die oren hin und wider, wadlet mit dem schwantz, rühelt und gumpet Forer
thierb. 42
a; als aber der löw den Androdum erkennet, wedelt er wie ein schmeichlender hund gegen seinem herren mit dem schwantz Kirchhof
wendunmuth 1, 249
Österley; auff solche wort wedelt der lewe mit seinem wadel oder schwantz, gieng hin und legte sich in seinen schrancken Cyr. Spangenberg
Schauenburg. chron. (1614) 146; wenn sie (
die hunde) ihm aber zu nahe kommen, so wedele er mit dem schwantz um das maul
Reinicke fuchs (
Rostock 1650) 398; dieser (
der hund Argos, als er den Odysseus erkannte) ... wedelte zwar mit dem schwanz und senkte die ohren herunter, aber er war zu schwach sich seinem herren zu nähern. Voss
Odyssee 17, 302; die pferde wedelten mit dem schwanz, so traulich wie alte bekannte. Heine 2, 448
Elster. sprichwörtlich: es ist kein hund, er wadelt mit dem schwantz Lehman (1662) 1, 414; man muss dem hund nicht so offt brod geben, als er mit dem schwantze wedelt Winckler 2000
gutte gedancken (1685) A 6
b; wenn der fuchs gänse fangen will, wedelt er mit dem schwanze Blum
sprichw. (1782) 2, 23.
ungewöhnlich von amphibien: die eidechschen ... wedelten mit den schwänzchen Immermann 3, 85
Hempel. vom teufel: andre aber gliechen den zahmen hauszkatzen und wadelten mit ihren sanfften schwänzen so freundlich, als ob sie nur auff liebkosungen bedacht wären Lindenborn
Diogenes 1, 773. 4@cc)
einfaches wedeln
vom pfau, das ausbreiten des schwanzes: das wadlen des pfawen,
rotatio Dentzler 1, 666.
von vierfüszlern ist es anfangs selten, später aber ohne zusatz ganz gewöhnlich: der abenthürer lockt dem hund wider, da kam der hund wider zuo ihm wedlen Pauli
schimpf u. ernst 256
Österley; sein mops, der keine kunst vergasz, und wedelnd bey dem kessel sasz. Hagedorn (1769) 2, 121; er knurrt und zweifelt, legt sich auf den bauch, er wedelt.alles hunde brauch. Göthe 14, 59 (
Faust 1, 1165)
Weim. ausg.; was winselt und wedelt der zott'ge gesell? Heine 1, 21
Elster; im klosterhof war alles stumm und still. ein groszer hund wedelte am fremden gast hinauf, ohne laut zu geben, er bellte keine kutte an Scheffel
Ekkeh. 70; der hirte Gregor, ... gefolgt von dem mutterschafe, das wedelnd und blökend zu ihm aufsah Stifter 2, 23.
das part. praes. adjectivisch: diese (
die wölfe der Kirke) sprangen nicht wild auf die männer, sondern sie stiegen schmeichelnd an ihnen empor mit langen wedelnden schwänzen. Voss
Odyssee 10, 215.
der substant. inf.: und sie empfing an der pforte der hund mit freundlichem wedeln. Voss
ged. 1, 73; dein zierlich gelockter schwanz ist der sitz einer zärtlichen und aufgeweckten seele, welche ihre regungen durch freudiges wedeln an den tag legt Rabener 1, 193; das zugvieh stürzte ... sich drängend (
zum wasser) hinzu und gab durch wedeln der schweife seine freude zu erkennen Ritter
erdkunde 1, 391; da entsagen alle, weil allen die trauben zu sauer sind, und die fuchsschwänze
[] schlagen mit bittersüszem wedeln um die dürren flanken G. Keller 1, 384. 4@dd)
die bedeutung '
schmeicheln, hofieren, kriechen'
geht von dem einschmeichelnden und unterwürfigen wedeln
des hundes aus: es seindt etlich, die wöllen sich den leuten angenem machen ..., wadlen gleich wie die hunde Keisersberg
narrenschiff 273
Scheible; wer nicht kriechen will und hündisch wedeln, bette früh sich bei den totenschädeln. Platen 22; knechtisch wedeln deutsche hunde, wedeln sich das brod zum munde, schreien gegen vaterland. Arndt
ged. (1860) 157.
daneben mischt sich die redensart mit dem fuchsschwanz streichen (
th. 4, i, 352)
ein: mit dem fuchsschwantz wadlen S. Franck
sprichw. 1, 27
a; fuchszeit ist jetzt. wedelnder schwanz wirbt sich zuletzt streichelnd den kranz, schmeicheln und heucheln, bübeln und meucheln, muszt du verstehen. Arndt
ged. (1860) 348.
ohne bildliche ausdrucksweise: wie steht der kerl so ungeschickt, weisz nicht, dasz vor uns reichen man wedeln musz und schleichen! Hegner
ges. schr. 223; sie wissen, wie es an höfen geht, dasz alles in einer gewissen carriere schritt vor schritt und nicht anders sich bewegt, kurz, dasz man warten, hofiren, wedeln musz J. G. Forster
briefwechsel 1, 179; die Holländer ... wedeln und schmeicheln nicht Niebuhr
nachgel. schriften 92; die unabhängige freie sinnesart, die er (
Reichardt) ... mitten aus einer kriechenden und wedelnden zeit sich gerettet hat Görres 2, 118;
der zweite. es schien, sie wünschte unsrer los zu sein.
der dritte. beim himmel, ja; das sag' ich auch.sie ging um diesen wunsch herum, mit worten wedelnd; mir fiel das sprichwort ein vom heiszen brei. H. v. Kleist 1, 174 (
Guiskard 4)
E. Schmidt. auch aus der elsäss. volkssprache wird die bedeutung '
schmeicheln, buhlen, den hof machen'
angegeben Martin-Lienhart 2, 790
b. 4@ee)
der wendung mit dem schwanz wedeln
ist mit den ohren wedeln
nachgebildet: was wedelt denn der rattelhund so munter mit den ohren? Ed. Paulus
ges. dicht. 197; als Adam den tieren ihren namen gab, war eines darunter, das wedelte gar bedächtig mit den ohren und ... Adam sagte: du sollst esel heiszen G. Keller 1, 406.
auch von menschen: des professors eigener sohn, der die ohren brillant bewegen konnte, muszte dann erscheinen, um mit den ohren zu wedeln Ahrens
gelehrten-anekdoten 83. 55)
vereinzelte bedeutungen. 5@aa)
an mhd. wadel '
laubbüschel, mit dem man im bade gestrichen wird'
schlieszt sich wadeln
bei Th. v. Zirclaria
an: diu keten die wir mit untugent vlehten an alter und an jugent, diu wirt ze helle stælîn gar ... seht, dâ mit wadelt man wol swer dâ ze helle paden sol.
d. wälsche gast 6757,
vgl. 6669
ff. 5@bb) wadeln '
reisholz machen' Reinwald 2, 137. Weber
ökon. lex. 627
a (
Franken)
geht wol auf wedel II 3
a '
baumwipfel'
zurück, doch vgl. auch sp. 246 wadeln '
abholzen' (
eig. zur richtigen zeit schlagen, wobei dann auch reisholz gemacht werden kann), gewedelt holz '
holz, das zur richtigen zeit geschlagen ist'
; vielleicht ist wadel '
reisholz' (
sp. 2821)
erst von dem verb. ausgegangen. dasselbe gilt für schweiz. wedeln
neben wedele '
reisigbündel'.
redensart: ' s isch g'wedelet und putzt Wander 4, 1841 (
Solothurn) '
es ist ganz vorbei damit' (
wenn die wellen gebunden sind, werden sie mit einem handbeil aufgeputzt). 5@cc)
schweiz. wädla (
auch wadla),
die geronnene milch mit dem querl umrühren Tobler 437
b.
zu wedel II 5
k. [] 5@dd)
kärnt. wedln,
streiten, zanken, processiren Lexer 252
gehört nicht hierher, sondern geht auf wedel '
kampf, streit' (
s.wadel
sp. 245)
zurück. 5@ee)
auch wädelen,
träumen Frommann 6, 20 (
Eifel)
ist als ein anderes wort anzusehen.