Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
wadel stm.
1. das schwanken, schweifen. si wolten des chriegs wedel dem schwanken des krieges geben ein end Ottoc. 511. a. sonst nur in der verbindung enwadele, enwedele vage; vgl. Gr. 3,145. ir sin fuor enwedele sam vor dem winde diu vedere unt ouch daʒ loub gerne tuot Mar. 29. swie vil ich var enwadele (: zadele), sô bin ich an dekeiner stete dâ man mir tuo als man im tete Helmbr. 848 u. anm.
2. die phasen des abnehmenden und zunehmenden mondes mit ausschluss des neumondes. vgl. R. v. Liliencron in H. zeitschr. 6,368. mehrfach wird das wort auch für vollmond im gegensatze zu dem neumond genommen. plenilunium, der volmôn, wädel Dasyp. mehr d. mythol. u. Schmeller a. a. o. Stalder 2,456. diu mâninne ne gât niht ze sedele an deme niu noch an deme wedele Diemer 342, 28. ein nûwe unde ein wedil. daʒ sint vîr wochin Mühlh. str. 49. des mânen wedel Mart. 181. c. wissent daʒ der hornung durch unde durch ganz wedel ist (weil, wie s. 368 ausgeführt wird, der neumond auf den 31. januar fiel) H. zeitschr. 6,353. — ietz sô ist er nüw, ietz fol, ietz alt, ietz die erst quart, ietz die ander quart, ietz ist es wedel Keisersp. post. 138. b. vgl. Oberl. 1957.
3. wallender, wehender dampf, dunst. Schmeller 4,22. vgl. vaporare auʒ wademen voc. 1419.
4. büschel oder bündel von haaren, federn, zweigen u. dgl. vgl. pensum wedel gl. Mone 7,591. peniculum wadel sumerl. 12,57. daher besonders
a. wedel zum sprengen. aspersorium wadel voc. o. 11,20. hierher wohl: du bist ein hôchgewurkter wadel, mit dem man sich vor laster nert MS. 2,244. b. wobei wohl an den zum weihwasser gebrauchten wedel gedacht ist. Gr. z. Ath. a. a. o. erklärt wedel für geisel.
b. fächer. flabrum wadel, wedel gl. Mone 7,589. sumerl. 7,75. Diefenb. gl. 126. du bist daʒ küneclîche sedel, dar ûf, durch küeler tugende wedel, got selbe wolte sitzen g. sm. 1730.
c. büschel von federn, oder auch einzelne federn als schmuck. eins pfâwen zwêne wedele fuort er ûf sînem helme guot Engelh. 2522. u. anm. vgl. schwanr. 922. turn. 69,5.
d. buschichter wipfel eines bäumchens nach Schmeller a. a. o., auch reisbündel. Stalder 2, 431. daher
e. büschel von reisern im bade zum streichen und peitschen gebraucht. als ich zuo dem badehûse kam, der kneht von mir nam daʒ gewant und leit eʒ hin. — er sprach 'nu her ân allen tadel einen frischen niuwen wadel, hinden wol gebunden' Helbl. 3,20. mich juckent arm unde bein. nu dar zwei scheffel an die stein, dâ wir nâch erswitzen! macht vinster dâ wir sitzen, daʒ wir die wedel swingen das. 3,41. wie der queste (s. dieses wort) wurde der wadel auch gebraucht, um sich damit die scham zu decken. daher perizomata wadol bei Graff 1,622. ebenso machten in wadel von veigen paum Oberl. 1920. aus einer übersetzung der bibel (Genes. 3,9.) vgl. H. zeitschr. 11,52.
5. buschichter schwanz verschiedener thiere. eʒ (das pferd) was gar bar des zagels — man mohte niht geprîsen des wedels noch der ôren vorn krone 244. b Sch. sîn wedel der wurm ze samene scheip das. 165. b. vgl. Suchenw. 12, 109. sîn wadel was ûf gebunden Ls. 2,415. dem chalb das wedel ab snîden ab sînem swenzel Gr. d. mythol. XLVII. ausg. 1. der löw fieng an ze schmucken sînen wadel Halbsuter, leseb. 924,37. ein pfâwen wadel krone 129. b. daʒ der wedel solte sîn, daʒ wâren lange visches gran das. 13. a. beide male nach P, dagegen hat V zagel.