wärmen,
verb. warm machen, causativum zu warm;
ahd. mhd. warmen, wermen (
aus warmjan),
entsprechend as. wermian,
mnd. ndl. warmen,
ags. wyrman,
mengl. warmen, wermen,
nengl. warm,
anord. verma,
schwed. värma,
dän. varme,
got. warmjan.
die umgelauteten formen sind im ahd. mhd. die gewöhnlichen, im alemannischen aber auch ohne umlaut: warmet Notker
ps. 18, 7; ich warme mich Tauler
predigten 17, 7
Vetter. mundartlich warmen
jetzt nur im nd.: ten Doornkaat Koolman 3, 517. Dähnert 539. Fischer
Samland 159.
Eilsdorf bei Halberstadt, nd. jahrb. 34, 100;
daher auch bei Warnecke
poet. versuche (1704) 276 warmen (: armen).
auf ä
führt bair. wármen Schmeller 2, 1000,
beitr. 28, 61.
das umlaut-e
geht mundartlich weiter in i
über: erwirmen
himelriche 249; gewyermt,
calefactus Diefenbach
nov. gl. 362
a;
jetzt oberhess. wirme (
neben worme) Crecelius 894,
in Waldeck wi
erm
en Bauer-Collitz 113.
im 16.
jahrh. erscheint in alem. quellen öfter wörmen (
s. u. Keisersberg, Murner, Bock, Eppendorff, S. Münster);
die schreibung wärmen (
im md. früher meist wermen)
dringt im 17.
jahrh. durch. der rückumlaut im praet. und part. praet. erhält sich bis ins 15.
jahrh.: warmtind Richental
chronik des Constanzer konzils 35; warmpten
N. v. Wyle
transl. 37, 26.
doch hat schon früh ausgleichung mit den praesensformen stattgefunden. das a
erscheint auch als o: gewormpt Diefenbach
gl. 578
c (
rheinländ.), 3.
sg. praet. wormpt Crecelius 894 (15.
jahrh.).
vor dem endungs-t
wird nach m
bis anfang des 17.
jahrh. häufig ein übergangslaut eingeschoben, z. b. wermbt, wermpt Brant
narrenschiff 21, 26.
schweiz. schausp. 2, 295, 4664. H. Sachs 22, 23, 28. Paracelsus (1616) 2, 332; wermbten Eyering (1601) 1, 130. Stumpf
Schwytzerchr. (1606) 413
a; gewermpt, gewärmpt, gewermbt, gewärmbd Fischart
Eulenspiegel 11792. Calepinus XI
ling. (1598) 187
a. Bech
Agricola 216.
bedeutung. 11) wärmen
ist warm machen: wermen,
calefacere voc. theut. (1482) n n 8
a.
voc. inc. teut. C 5
b;
fovere Diefenbach
gl. 245
a. 1@aa)
der unterschied zwischen dem wohlthuenden wärmen
und dem schädigenden erhitzen, brennen
wird oft betont: wann das füwr der vernunfft brennet nit uff uns ynn, sonder wermet es uff wolgefallen Steinhöwel
de claris mulier. 111
Drescher; ich musz heimlich über mich selbst lachen, wenn ich hinzusetze: das feuer (
der jugend) brennt nicht mehr, aber es wärmt noch
fürst Pückler
briefwechsel u. tageb. 4, 65 (
vgl. 1, 291); gebt mir leichten wein, der sanft wärme, nicht erhitz' ein blut! Rückert
ges. ged. 6, 299. 1@bb)
selten ist gleichsetzung mit erhitzen:
ignire, wermen und hytzigen Diefenbach
gl. 285
b;
estuare 211
a.
doch metalle wärmen,
sie erhitzen, glühend machen (
vgl.warm II 1
b):
candefacere, also wärmen oder glüyig machen, das es gerad weysz scheynt Frisius
dict. (1556) 180
a; wie man die gewermete stück bley vor der hütten mit axten schrotet Mathesius
Sarepta (1571) 28
a; diese stück aber des ertzes schmeltzen darnach die schmeltzer, so sie es in eisernen pfenlin vorhin gewermbt haben, in den treiböfen Bech
Agricola (1621) 216; nimpt der müntzer dise kleine guldine ... stücklin ..., wörmt sie im fewr so offt es not
thuot S. Münster
cosmogr. 691; wärmen '
nennen diese (
eisenarbeiter)
das ausglühen des eisens überhaupt, wenn es gebildet oder geschweiszt werden soll' Jacobsson 4, 591
b. 1@cc)
auf der anderen seite auch vereinzelt '
lau machen':
tepefacere, wermen,
tepefactus, gewormpt Diefenbach
gl. 578
a. 22) wärmen
in der älteren naturlehre (
vgl.warm II 2, wärme 2): melissen oder mtterkraut, das gemein ist fast allen weibern bekandt, soll wörmen, druckenen Bock
kreutterbuch (1539) 5; ingwer, die wurtz ist all zeit gut, dasz sie hitzen und wermen thut. H. Sachs 21, 43, 11
Götze. 33) wärmen
in eigentlicher bedeutung. 3@aa) sonne, feuer
u. s. w. wärmt: die sonne wärmt die erde Steinbach 2, 943; die sonne giebt wonne, ... sie wärmet die felder. Zesen
Helikon (1656) 1, 268.
absolut: die herbstsonne wärmte sehr angenehm v. Eichendorff (1864) 2, 174; die wind ..., welche ... dann trocknen und dörren, nun kälten, nun wärmen Sebiz
feldbau (1579) 6. das feuer wärmet Stieler 2436; ain armen wärmt ain klaines fewr, da der reiche nimpt ganz bäum zu stewr. Fischart
podagr. trostb. 83, 32
Hauffen; das feuer wärmet und erquickt, wenn man nicht nah hinzu gerückt. Triller
poet. betrachtungen 6, 584.
wie licht
und wärme (
s. d. 3
a)
so gehört leuchten
und wärmen
zusammen: so warte, bis der rauch sich verzieht, und die flamme wird leuchten und wärmen Lessing 10, 288; durchs dunkel meiner seel' und der natur (dies doppelt dunkel!) send' erbarmend mir nur einen stral, zu leuchten und zu wärmen. Herder 27, 394
Suphan;
gegenübergestellt: sie glänzen nicht, diese tugenden; aber sie wärmen 17, 391. — der ofen wärmt die stube. Logau 2, 2, 35 (
s. 255
Eitner); doch soll man kein ander wasser zum bad brauchen, weder zum wärmen, noch zum kälten, es seye dann über die kräuter gesotten Gäbelkover
artzneybuch (1595) 2, 31.
warme speisen, getränke wärmen: mein coffe ... ... wärmet und belebt durch seine braune flut das stockendkalte blut. Stoppe
Parnasz (1735) 174; ein bischof ist wie ich denke ein sehr angenehmes getränke ... er wärmet und stärket mit groszer kraft. Kortüm
Jobsiade (1799) 1, 88.
auch kalte geistige getränke wärmen,
erregen das gefühl der wärme: er wermbd mich wol un macht mich gsund. H. R. Manuel
weinspiel 2484
neudr.; o kelner, misz im eben des besten safts der reben! er wermet bald im winter kalt, macht jugent alt. Uhland
volksl. 601; mich bedunckt, die sonne scheine mir in bauch, so wol wärmt der wein Harsdörffer
gesprechspiele 2, 322.
kleider, decken u. ä. wärmen,
indem sie die wärme zusammenhalten: die moral ist eine schöne sache, ein weites hemd; es paszt über jeden leib, aber es wärmt nicht v. Knigge
roman meines lebens (1781) 2, 85; die pelzkappe wärmte ihm sein mit einem groszen gedanken beruhigtes gehirn Gutzkow (1872
ff.) 4, 413; der schnee wärmt und decket die saat Herder 17, 122
Suphan. 3@bb)
mit äuszeren wärmemitteln etwas wärmen. 3@b@aα) die stube wärmen Stieler 2436 '
den stubenofen heizen': er (
der klingeler) sol ouch den winter der manne stub wermen, am morgen so man das ave Maria lütet und am obend zuo vesperzit
Straszburger zunftordnungen 57
Brucker; eichenstämme warf ich in's lustige feuer, mir die stube zu hellen und zu wärmen. Lenau
ged. (1857) 1, 243; das bett wärmen Krämer 1210. Steinbach 2, 943; wasser wärmen,
scaldar' acqua Krämer 1210; daʒ bat wart schiere dar getragen; eʒ wart gewarmt ze rehte.
Reinhart Fuchs 2009; bis dir ein warmes bad die lockige Hekamede wärmt. Voss
Ilias 14, 7; ihr mögt ... euch zwagen lassen, dann die lauge wol gewermet ist B. Krüger
Clawert 47
neudr. bildlich vom bad der läuterung: das unser sach nit gat von stat, wa got nit wer mit seiner gnad und wörmet selb menschliches bad. Murner
badenfart 3, 10. getränke, speisen wärmen: dan sij wermen den wijn zo eynem tzeichen des warmen bloytʒ Jhesu
pilgerfahrt des ritters von Harff 74
v. Groote; auch '
erhitzen, kochen': das man ... eyer ... mit eim kleynen fewr ... gewörmet hat Eppendorff
Plinius (1543) 10, 170 (10, 49); aber ist sie (
die milch) auch gewärmet?
engl. comedien u. tragedien (1624) C 6
b.
meist aber '
aufwärmen': kalte speise wärmen, aufwärmen. eine gewärmte oder aufgewärmte speise Ludwig 2385; wenn man den pfeffer sauber behalt und in wider wörmet, so würt er ye besser weder do er erst frisch gemacht was Keisersberg
has im pfeffer Ee 5
b; essen halten sie schon gekocht parat und wärmen es nur Göthe
briefe 23, 328
Weim. ausg. bei den lichtziehern bedeutete die wachslichter wärmen '
durch einpacken in decken ihre abkühlung verlangsamen' Jacobsson 8, 120. 3@b@bβ) den körper, die glieder wärmen: zu trucknen (
er) sein gewand auszzoch, und setzt sich an die sonnen nider, allda zu wärmen seine glider. Spreng
Ilias (1610) 87
b; hier ... sasz er und wärmte seine glieder in der frühlingssonne Storm 3, 136. die hände, die füsze wärmen Krämer 1210: wann er autemet an syn hend und wermet die mit dem autem Steinhöwel
Äsop 286; du warmtest (
durch anblasen) e die hende din unt chulest nu den win.
altd. wälder 3, 227 (
altd. beispiele); werm die zarten fszlin dein, wo sie so sehr erfroren sein. Scheit
Grobianus 4555
neudr.; im dorfe mach' ich halt, da wärm' ich mir die hände, bleibt auch das herze kalt. Uhland
ged.2 72.
bildlich (sich) die (seine) hände wärmen,
sich gütlich thun: wann sie die händ wol gewärmet haben, so lassen sie die spitäl in schulden stecken J. Nas
antipap. eins und hundert 2, 187
b; ein despote ... wärmet seine hände in den eingeweiden des volkes J. G. Zimmermann
von dem nationalstolze 202;
mit dem nebensinn '
unthätig sein': ob wir denn gar nicht müde werden, uns behaglich die hände zu wärmen an dem feuer vergangener grösze Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 1, 113; werden wir uns lang noch die hände wärmen, da die feinde schon frisch im feld herum schwärmen? Schiller 12, 18 (
Wallenst. lager 4).
für '
bähen': die augen salben und wärmen,
oculos inungere, ac refovere Maaler 482
a.
durch kleidung wärmen: ir (
nackende) wert gewermt und gesatt Mentels
bibel, Jac. 2, 16; alle yhre frage lappen, da sie sich so bettelisch mit pletzen und flicken und doch yhr boses gewissen damit nyrgend konnen decken noch wermen Luther 23, 206, 25
Weim. ausg. 3@cc)
lebende wesen können auch mit ihrer eigenwärme wärmen: eine dirne ... schlaffe in seinen armen, und werme meinen herrn den könig
1. kön. 1, 2; dasz ... Beelzebub in der gestalt eines schönen weibes ... ihn liebkose, reize, necke, wärme Zimmermann
über die einsamkeit 2, 50. das bett: du solt ligen und ruwe han und solt das bette wermen mir.
liedersaal 1 514, 181.
von thieren: das herausgebrütete küchlein zu wärmen, zu füttern J. J. Engel (1801
ff.) 1, 269.
beim brüten: mit der mutterliebe schwingen wärmt die nachtigall das ey. Gotter
im Gött. musenalmanach 1770, 35 (40, 2)
neudr. daher wärmen und brüten: die alt bärin gebäre ersts allein ein rauw stuck fleisch, das selbig wärme und bruote sy erst an ir brust recht ausz
Gesner thierbuch übs. v. Herold
u. Forer (1563) 14
b.
bildlich: sie sehen was die erde dem keim thut, das thut der naturgeist auch dem vertrauen in ihn, er wärmt er brütet Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 205. 44)
übertragene bedeutungen des nicht reflexiven wärmen. 4@aa)
in der älteren zeit sind sie kaum nachzuweisen; vereinzelt bildlich vom feuer des heil. geistes u. ä.: daʒ ist spiritus sanctus, der alliû herzen wêiʒ, unde réhtiû wármet ioh zúndet Notker
psalm 18, 7; du (
heil. geist) wermis unde kulis, du fuhtes unde dirres, du entsluʒis unde versperris.
litanîe 148
Maszmann; uf daʒ wermet gotes geist dem menschen sin gemute.
Passional 118, 7
Hahn; '
hegen und pflegen',
auch noch bildlich: unser statt Marpurg, welche viel leute, so hundert jahr und drüber, in ihrem schosz wärmet Schupp
schriften 777; den wird gott, das höchste gut, gnädiglich in seinen ärmen als ein liebster vater wärmen. P. Gerhardt 130
Gödeke. von leidenschaften '
erhitzen' (
hier noch im eigentlichen sinne, aber den ursprung einer übertragung anzeigend): und ist zu mercken daʒ wüeten und zorn, lieb und fründtschafft und fröd des menschen lyb wermen und hitzigen Braunschweig
liber pestentialis 13
a;
vgl. aus neuerer zeit: schimpf dich aus. das macht leichter und wärmt Alexis
Roland von Berlin (1840) 1, 292. 4@bb)
im 18.
jahrh. entwickelt wärmen
gleichzeitig mit warm
und wärme
verinnerlichte bedeutungen, '
beleben, erquicken, erregen, begeistern',
doch ist ihr gebrauch nicht sehr ausgedehnt, und die gänzliche loslösung von der bildlichen verwendung ist selten; so zeigen die folgenden belege den übergang vom bild zur übertragung: hast du den säugling gesehn, der, unbewuszt noch der liebe, die ihn wärmet und wiegt, schlafend von arme zu arm wandert. Schiller 11, 71; seine liebeswuth wärmt ihr starres blut. Göthe 1, 223
Weim. ausg.; oder wie Kypris ... wärmte mit mächtiger glut den Sokrates. A. W. Schlegel,
Athenäum 1, 124; (
gott zu Luther). und wärme sie an meiner liebe strahlen.
Z. Werner
Martin Luther IX (
prolog); wohl wärmet die göttin der jugend das blut. Arndt
werke 3, 19; stets, als wär' er ein wams von büffel, hat mich ruhiger sinn gewärmt. A. W. Schlegel,
Athenäum 3, 162; wir wollen, leser, unser licht zusammen tragen, und unser menschengefühl an einander zu wärmen suchen Lavater
physiogn. fragmente 1, 209; wärmte deine brust ein theilnehmendes feuer Göthe 21, 81
Weim. ausg. 4@cc)
übertragen '
wolthun, erquicken': lauter liebevolle lobreden auf den verschmähten liebling drängten und wärmten sein verarmtes herz J. Paul
Hesperus 3, 159; das gefällige wesen, das sie dabey hat, ... wärmt und erheitert mich sehr angenehm Heinse 4, 149
Schüddekopf. lebenskräfte wärmen,
durchdringen erquickend, anregend, den menschen: wie anders tragen uns die geistesfreuden von buch zu buch, von blatt zu blatt! da werden winternächte hold und schön, ein selig leben wärmet alle glieder. Göthe 14, 57 (
Faust 1, 1107)
Weim. ausg.; ein muntrer sinn bewegt die leichten säfte, doch keine seele wärmt das eingeweide. Schiller 12, 286 (
Wallensteins tod 3, 7). '
begeistern, anspornen': bis ihm ... die tugend im traum erscheint ... der göttliche traum wärmt so sein herz, dasz er dem laster ... einen kopf nach dem andern heruntersäbelt Göthe 38, 358
Weim. ausg.; Athanasius verstand mich und ich ihn ... ein geist wärmte den andern Jung Stilling (1835
ff.) 4, 427. '
veredeln, läutern': immer nur das schöne ... aufzuspüren, zu bestimmen, mein gesicht daran zu gewöhnen, mein gefühl daran zu wärmen Lavater
physiogn. fragmente 1, 11; die beiden vorreden des ersten bändchens werden ihnen sagen, wie oft ich mich in ihre welten gegen die jetzige rette und wie ich in ihrem geist meinen wärme J. Paul
an Herder, aus Herders nachlasz 1, 294; die tugend schwebe vor ihm am höhern himmel über unserer sonne, und wärme und erhelle und ziehe allmälich sein herz
Hesperus 2, 114. 55)
in der neueren dichtersprache hängen zuweilen richtungspräpositionen von wärmen
ab: ach! sie (
die fackel) lodert gleich der todtenkerze, die kein leben in die urne wärmt. Bürger 99
b; dein saft (
der wein) knüpft menschen an ein band, und wärmt zum handschlag freundeshand. Blumauer
gedichte (1782) 10. 66)
reflexiver gebrauch. 6@aa)
in eigentlicher bedeutung. 6@a@aα) sich wärmen,
in der sonne, am feuer: thâr stuant Petrus untar in,sih warmta saman thâr mit in. Otfrid 4, 18, 12; geet zum offen und wermbt eüch! H. Sachs 22, 23, 28
Götze; und hiesz man die rautstuben wermen, ... das sie sich warmtind Richenthal
Constanzer concil 35; von diesem gelde kann sich ein armes jetzt eine ganze woche hindurch wärmen Gellert 10, 61.
mit kleidung: so aber ein bruder oder schwester blos were, und mangel hette der teglichen narunge, und jemand unter euch spreche zu inen ... wermet euch und settiget euch, gebet inen aber nichts, was des leibs notdurfft ist
Jacob. 2, 16; legt die dame plötzlich ihren muff der alten auf die kniee. '... nehmen sie das und wärmen sie sich' v. Ebner-Eschenbach (1893
f.) 4, 336. sich wärmen an, bei, in (
mhd. auch zuo) etwas: so ist er ze nihte anders guot niwan daʒ man in ûf die gluot ze helle, dâ er brinne, tuo: dâ wermet sich der tiuvel zuo. Th. v. Zirclaria
der wälsche gast 7250; dô vant ich schône bereit ein viure ûf dem palas, des ich starke vrô was; ich stuont und warmte mich dâ bî. H. v.
d. Türlin
krone 10180; si können ir leben nicht erretten fur der flammen, denn es wird nicht eine glut seyn, da bey man sich werme, oder ein fewr, da man umb sitzen müge
Jes. 47, 14. sich am feuer wärmen Stieler 2436, an der sonne Rädlein 1029; und ich war, wie die biene schwärmt, sich an den sommerlüften wärmt. Kretschmann 1, 40; wärme dich in meiner sonne, kühle dich in meinem mond. Brentano 2, 256. 6@a@bβ)
gegenseitig, in der umarmung: auch wenn zwey bey einander ligen, wermen sie sich, wie kan ein eintzeler warm werden?
pred. Salom. 4, 11; zuo dem letzten sie bathe ... das sie ihme vergünnet ein klein sich bey ihr zu wermen Montanus 98
Bolte; ich bin so hart erfrorn; lasz wermen mich ein vierteil-stund! H. Sachs 2, 214, 20
Keller; lag sie zu bett?die chronika sagt nichts davon.genug, der arme junker wärmt sich da, bis glocke zwölfe schlug. Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 58; ach! sie bleibt gern zu haus und läszt mich immer schwärmen; denn sie versteht die kunst, sich ohne mich zu wärmen. Göthe 9, 104 (
mitschuld. 3, 9)
Weim. ausg. 6@a@gγ) sich
durch warme oder geistige getränke wärmen: so wärmet euch! dort dampft ein punschvulkan! Grabbe 1, 234 (
herzog v. Gothl. 4, 2)
Blumenthal; wolt ein halb mäszly weyn trincken und sich wermen Frey
gartengesellschaft 48, 5
Bolte. 6@bb) sich wärmen 6@b@aα)
bildlich (an, bei jemandes feuer, kohlen)
und übertragen '
seinen nutzen ziehen von einer person oder sache' (
besonders im älteren nhd.): da iszt sy (
die kellnerin) vyl der guoten mol, sy wermbt sich fyn bym pfaffen kol.
schweiz. schauspiele 2, 295, 4664; dyn frow wermt sich by pfaffen kolen. Murner
narrenbeschw. 57, 20; aber vil ämpter schmecken wol, man wermbt sich bald by groszem kol. Brant
narrenschiff 18, 26. sich bey fremden feuer wärmen,
profiter d'un bien qui n'est pas à nous Rondeau: bischof Ruoprecht ... begund mit eszen und trinken, den eren zuo klainer steure wärmet er sich bei ander leute feure. Liliencron
hist. volksl. 2, 46, 24 (1475); wann sie sehen, dasz es den leuten wol gehet, dasz man sich bey ihrem feuer wärmen könne, so kommen sie täglich gelauffen Schupp
schriften 233; es soll die dummheit sich nicht wärmen an dem feuer des unterdrückten verdienstes Görres 2, 120. — wiewol ich mich die zeit bereyt darbey (
bei diesem amt) wol hab gewärmpt und gweydt. Fischart
Eulenspiegel 11792
Hauffen; bey meiner gerichtschreiberey hatte ich gleichwol zimblich vil gelts erschunden und mich wol gewärmet Albertinus
Gusman v. Alfarche 421; vom hoffleben pflegt er (
Friedrich der Weise) auch zusagen: bey uns herren kan man sich wol wärmen, aber auch verbrennen Zinkgref
apophth. 138; jeder will sich wärmen, und solte das publicum erfrieren. Wille
sittenlehre (1781) 204;
schweiz. sich a öpisem werme,
es sich zu nutzen machen Hunziker 287. 6@b@bβ)
seit dem 18.
jahrh. '
sich erquicken, sich anregen' (
vgl. sich sonnen): wenn es mir, nach seinen menschenfreundlichen gesinnungen gelungen wäre, näher um ihn zu seyn, und mich in seinem lichte zu wärmen Schubart
leben u. gesinnungen 1, 99; ach dasz ich Georgen noch einmal sähe, mich an seinem blick wärmte! Göthe 8, 168 (
Götz 5)
Weim. ausg.; soeben durch ein wildes schneegestöber von einem termin zurückgekehrt ... habe ich mich an deinem lieben brief gewärmt Bismarck
briefe an s. braut u. gattin 14; ich kann mich nicht, wie so ein wortheld, so ein tugendschwätzer, an meinem willen wärmen und gedanken. Schiller 12, 231 (
Wallenst. tod 1, 7); in deinem busen flammet mutterliebe, an dieser flamme wärmte sich ihr herz. Collin
Regulus (1802) 95 (3, 4). 77)
das part. praes. wärmend
wird oft adjectivisch gebraucht: deiner sonne wärmend licht. Drollinger
gedichte 32; auf die postille gebückt, zur seite des wärmenden ofens, sasz der redliche Tamm. J. H. Voss
gedichte (1802) 2, 267; lobsingt in den schall! mit wärmendem punsch im glase! 3, 136; lodert denn auf im kamin, ihr tröstlichen flammen, und scheuche, wärmender becher, den druck trüber gedanken mir fort! Geibel 4, 29 (
spätherbstbl.); wärmende arzeney Stieler 2436; die herden ruhen eingeschlossen im wärmenden stroh S. Geszner (1777) 1, 29; er ... verschmäht die ihm dargebotene wärmende wolldecke für seine füsze Holtei
erzähl. schriften 1, 165; ach! nicht schlang um die erde den wärmenden arm der Olymp hier. Hölderlin 1, 155, 23
Litzmann; auch brachte seine beliebte gesammtliebe ... und endlich seine wärmende menschenfreundlichkeit ihm eine aufmerksamkeit von Joachimen zuwege J. Paul
Hesperus 2, 147; es (
das pferd) blickt' mich an mit stiller lebenslust, die wärmend mir gedrungen in die brust. Lenau
ged. (1857) 1, 234; als dankbare pietät das kühle selbstgefühl ... an wärmender und beglückender kraft überwiegt Heyse
jugenderinnerungen 1. 88)
das part. praet. gewärmt (
vgl. th. 4, 1, 3, 5333): die übrigen ... halfen einander, den kapitain in ein gewärmtes bett zu tragen Bode
Thomas Jones 1, 225. '
aufgewärmt': er soll ... heute einen löffel gewärmter suppe mit uns speisen. gewärmt! dahin kommt es auch noch! Gutzkow
ritter vom geist2 3, 282. 99)
redensarten (
soweit nicht schon erwähnt). kohl wärmen (
üblicher aufwärmen),
oft gesagtes wiederholen: das ekle Leipzig lacht, wenn mancher (
schlechte poet) raast und lärmt, und doch nur sauren kohl zum zehntenmale wärmt. Gottsched
ged. (1751) 1, 404. einem das wasser wärmen,
wie das bad heizen,
ihn in ungemach bringen, nach dem nd.: beide (
Isegrim u. Braun) waren elend genug, gebunden, verwundet, und vom feinde verspottet.es fehlte Hinze der kater; Reineke wünschte so sehr auch ihm das wasser zu wärmen (Reinke hadde êm ôk gewermet dat wâter). Göthe 50, 76 (
Rein. Fuchs 6, 85)
Weim. ausg. eine schlange, eine natter am, im busen wärmen (
nach Äsop
fab. 130),
schadenbringendes begünstigen: wir wärmen in den wälschen sprachen die natter im busen Jahn
merke 182; eine solche schlange will ich nicht länger an meinem busen wärmen O. Ludwig 2, 457.
dann auch: zu fröhnen dem tyrannen, den ihr selbst an eurem busen wärmtet.
F. L. Stolberg 5, 6.
lothr. ebber s' plätz wärme,
einem platz bereiten (
vgl.warm halten
sp. 2043) Follmann 530
b.
in betheuerungen (
vgl.warm II 4
b γ): hab indesz auff meine treue, trautstes, keinen bösen wahn, weil mich sieht der himmel an ... weil mich wärmt mein schwaches leben.
geharnschte Venus 113
neudr.; ich werde, so lange das blut diese adern wärmt, nicht vor einer groszen that zagen Fr. Müller 2, 121; wär' ich dann wohl werth, dasz mich diese sonne wärmte A. G. Meiszner
Alcibiades (1781) 2, 104. — sich auf spanisch wärmen,
an der sonne Ludwig 2383; ich hette mich auch gern gewermet, aber ich konde nicht zum ofen kommen Agricola
sprichwörter (1534) V 8
b.
sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 72
b. Schottel 1133; ich weisz, bey welchem feuer er sich wärmet,
I know his kidney or inclination Ludwig 2385;
je sai quel homme c'est Rondeau. —
sprichwörtliches: bei groszen öfen ist sich guot zu wärmen, sie bedörffen aber vil holtzs S. Franck
sprichw. 2, 206
a. Eyering 1, 179; der nächste beym feuer wärmt sich Kirchhofer 148; zudem ist frisch fleisch allzeit besser als das gewärmet Lehmann 163; gewärmte essen schmecken nicht wohl Kirchhofer 251. 1010) wärmen
in intransitiver verwendung ist ganz vereinzelt, auf vermischung mit warmen
beruhend: tepere, esse vel fieri tepidum, wermen
voc. ex quo s 1
b;
calere, wermen
vel scheynen Diefenbach
gl. 90
a;
ut mus sub tecto, sic calet foemina lecto, meusz wermen under einem brett, die weiber im bett Fischart
groszmutter 613
Scheible; jetzt im elsäss. unpersönlich: 's wärmt wider guet hüte '
ist sehr warm' Martin - Lienhart 2, 854
a.