lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

wärmen

nhd. bis spez. · 11 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
11 in 11 Wb.
Sprachstufen
5 von 16
Verweise rein
17
Verweise raus
26

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

wärmen verb.

Bd. 27, Sp. 2061
wärmen, verb. warm machen, causativum zu warm; ahd. mhd. warmen, wermen (aus warmjan), entsprechend as. wermian, mnd. ndl. warmen, ags. wyrman, mengl. warmen, wermen, nengl. warm, anord. verma, schwed. värma, n. varme, got. warmjan. die umgelauteten formen sind im ahd. mhd. die gewöhnlichen, im alemannischen aber auch ohne umlaut: warmet Notker ps. 18, 7; ich warme mich Tauler predigten 17, 7 Vetter. mundartlich warmen jetzt nur im nd.: ten Doornkaat Koolman 3, 517. Dähnert 539. Fischer Samland 159. Eilsdorf bei Halberstadt, nd. jahrb. 34, 100; daher auch bei Warnecke poet. versuche (1704) 276 warmen (: armen). auf ä führt bair. wármen Schmeller 2, 1000, beitr. 28, 61. das umlaut-e geht mundartlich weiter in i über: erwirmen himelriche 249; gewyermt, calefactus Diefenbach nov. gl. 362a; jetzt oberhess. wirme (neben worme) Crecelius 894, in Waldeck wiermen Bauer-Collitz 113. im 16. jahrh. erscheint in alem. quellen öfter wörmen (s. u. Keisersberg, Murner, Bock, Eppendorff, S. Münster); die schreibung wärmen (im md. früher meist wermen) dringt im 17. jahrh. durch. der rückumlaut im praet. und part. praet. erhält sich bis ins 15. jahrh.: warmtind Richental chronik des Constanzer konzils 35; warmpten N. v. Wyle transl. 37, 26. doch hat schon früh ausgleichung mit den praesensformen stattgefunden. das a erscheint auch als o: gewormpt Diefenbach gl. 578c (rheinländ.), 3. sg. praet. wormpt Crecelius 894 (15. jahrh.). vor dem endungs-t wird nach m bis anfang des 17. jahrh. häufig ein übergangslaut eingeschoben, z. b. wermbt, wermpt Brant narrenschiff 21, 26. schweiz. schausp. 2, 295, 4664. H. Sachs 22, 23, 28. Paracelsus (1616) 2, 332; wermbten Eyering (1601) 1, 130. Stumpf Schwytzerchr. (1606) 413a; gewermpt, gewärmpt, gewermbt, gewärmbd Fischart Eulenspiegel 11792. Calepinus XI ling. (1598) 187a. Bech Agricola 216. bedeutung. 11) wärmen ist warm machen: wermen, calefacere voc. theut. (1482) n n 8a. voc. inc. teut. C 5b; fovere Diefenbach gl. 245a. 1@aa) der unterschied zwischen dem wohlthuenden wärmen und dem schädigenden erhitzen, brennen wird oft betont: wann das füwr der vernunfft brennet nit uff uns ynn, sonder wermet es uff wolgefallen Steinhöwel de claris mulier. 111 Drescher; ich musz heimlich über mich selbst lachen, wenn ich hinzusetze: das feuer (der jugend) brennt nicht mehr, aber es wärmt noch fürst Pückler briefwechsel u. tageb. 4, 65 (vgl. 1, 291); gebt mir leichten wein, der sanft wärme, nicht erhitz' ein blut! Rückert ges. ged. 6, 299. 1@bb) selten ist gleichsetzung mit erhitzen: ignire, wermen und hytzigen Diefenbach gl. 285b; estuare 211a. doch metalle wärmen, sie erhitzen, glühend machen (vgl.warm II 1 b): candefacere, also wärmen oder glüyig machen, das es gerad weysz scheynt Frisius dict. (1556) 180a; wie man die gewermete stück bley vor der hütten mit axten schrotet Mathesius Sarepta (1571) 28a; diese stück aber des ertzes schmeltzen darnach die schmeltzer, so sie es in eisernen pfenlin vorhin gewermbt haben, in den treiböfen Bech Agricola (1621) 216; nimpt der müntzer dise kleine guldine ... stücklin ..., wörmt sie im fewr so offt es not thuot S. Münster cosmogr. 691; wärmen 'nennen diese (eisenarbeiter) das ausglühen des eisens überhaupt, wenn es gebildet oder geschweiszt werden soll' Jacobsson 4, 591b. 1@cc) auf der anderen seite auch vereinzelt 'lau machen': tepefacere, wermen, tepefactus, gewormpt Diefenbach gl. 578a. 22) wärmen in der älteren naturlehre (vgl.warm II 2, wärme 2): melissen oder mtterkraut, das gemein ist fast allen weibern bekandt, soll wörmen, druckenen Bock kreutterbuch (1539) 5; ingwer, die wurtz ist all zeit gut, dasz sie hitzen und wermen thut. H. Sachs 21, 43, 11 Götze. 33) wärmen in eigentlicher bedeutung. 3@aa) sonne, feuer u. s. w. wärmt: die sonne wärmt die erde Steinbach 2, 943; die sonne giebt wonne, ... sie wärmet die felder. Zesen Helikon (1656) 1, 268. absolut: die herbstsonne wärmte sehr angenehm v. Eichendorff (1864) 2, 174; die wind ..., welche ... dann trocknen und dörren, nun kälten, nun wärmen Sebiz feldbau (1579) 6. das feuer wärmet Stieler 2436; ain armen wärmt ain klaines fewr, da der reiche nimpt ganz bäum zu stewr. Fischart podagr. trostb. 83, 32 Hauffen; das feuer wärmet und erquickt, wenn man nicht nah hinzu gerückt. Triller poet. betrachtungen 6, 584. wie licht und wärme (s. d. 3 a) so gehört leuchten und wärmen zusammen: so warte, bis der rauch sich verzieht, und die flamme wird leuchten und wärmen Lessing 10, 288; durchs dunkel meiner seel' und der natur (dies doppelt dunkel!) send' erbarmend mir nur einen stral, zu leuchten und zu wärmen. Herder 27, 394 Suphan; gegenübergestellt: sie glänzen nicht, diese tugenden; aber sie wärmen 17, 391. — der ofen wärmt die stube. Logau 2, 2, 35 (s. 255 Eitner); doch soll man kein ander wasser zum bad brauchen, weder zum wärmen, noch zum kälten, es seye dann über die kräuter gesotten Gäbelkover artzneybuch (1595) 2, 31. warme speisen, getränke wärmen: mein coffe ... ... wärmet und belebt durch seine braune flut das stockendkalte blut. Stoppe Parnasz (1735) 174; ein bischof ist wie ich denke ein sehr angenehmes getränke ... er wärmet und stärket mit groszer kraft. Kortüm Jobsiade (1799) 1, 88. auch kalte geistige getränke wärmen, erregen das gefühl der wärme: er wermbd mich wol un macht mich gsund. H. R. Manuel weinspiel 2484 neudr.; o kelner, misz im eben des besten safts der reben! er wermet bald im winter kalt, macht jugent alt. Uhland volksl. 601; mich bedunckt, die sonne scheine mir in bauch, so wol wärmt der wein Harsdörffer gesprechspiele 2, 322. kleider, decken u. ä. wärmen, indem sie die wärme zusammenhalten: die moral ist eine schöne sache, ein weites hemd; es paszt über jeden leib, aber es wärmt nicht v. Knigge roman meines lebens (1781) 2, 85; die pelzkappe wärmte ihm sein mit einem groszen gedanken beruhigtes gehirn Gutzkow (1872 ff.) 4, 413; der schnee wärmt und decket die saat Herder 17, 122 Suphan. 3@bb) mit äuszeren wärmemitteln etwas wärmen. 3@b@aα) die stube wärmen Stieler 2436 'den stubenofen heizen': er (der klingeler) sol ouch den winter der manne stub wermen, am morgen so man das ave Maria lütet und am obend zuo vesperzit Straszburger zunftordnungen 57 Brucker; eichenstämme warf ich in's lustige feuer, mir die stube zu hellen und zu wärmen. Lenau ged. (1857) 1, 243; das bett wärmen Krämer 1210. Steinbach 2, 943; wasser wärmen, scaldar' acqua Krämer 1210; daʒ bat wart schiere dar getragen; eʒ wart gewarmt ze rehte. Reinhart Fuchs 2009; bis dir ein warmes bad die lockige Hekamede wärmt. Voss Ilias 14, 7; ihr mögt ... euch zwagen lassen, dann die lauge wol gewermet ist B. Krüger Clawert 47 neudr. bildlich vom bad der läuterung: das unser sach nit gat von stat, wa got nit wer mit seiner gnad und wörmet selb menschliches bad. Murner badenfart 3, 10. getränke, speisen wärmen: dan sij wermen den wijn zo eynem tzeichen des warmen bloytʒ Jhesu pilgerfahrt des ritters von Harff 74 v. Groote; auch 'erhitzen, kochen': das man ... eyer ... mit eim kleynen fewr ... gewörmet hat Eppendorff Plinius (1543) 10, 170 (10, 49); aber ist sie (die milch) auch gewärmet? engl. comedien u. tragedien (1624) C 6b. meist aber 'aufwärmen': kalte speise wärmen, aufwärmen. eine gewärmte oder aufgewärmte speise Ludwig 2385; wenn man den pfeffer sauber behalt und in wider wörmet, so würt er ye besser weder do er erst frisch gemacht was Keisersberg has im pfeffer Ee 5b; essen halten sie schon gekocht parat und wärmen es nur Göthe briefe 23, 328 Weim. ausg. bei den lichtziehern bedeutete die wachslichter wärmen 'durch einpacken in decken ihre abkühlung verlangsamen' Jacobsson 8, 120. 3@b@bβ) den körper, die glieder wärmen: zu trucknen (er) sein gewand auszzoch, und setzt sich an die sonnen nider, allda zu wärmen seine glider. Spreng Ilias (1610) 87b; hier ... sasz er und wärmte seine glieder in der frühlingssonne Storm 3, 136. die hände, die füsze wärmen Krämer 1210: wann er autemet an syn hend und wermet die mit dem autem Steinhöwel Äsop 286; du warmtest (durch anblasen) e die hende din unt chulest nu den win. altd. wälder 3, 227 (altd. beispiele); werm die zarten fszlin dein, wo sie so sehr erfroren sein. Scheit Grobianus 4555 neudr.; im dorfe mach' ich halt, da wärm' ich mir die hände, bleibt auch das herze kalt. Uhland ged.2 72. bildlich (sich) die (seine) hände wärmen, sich gütlich thun: wann sie die händ wol gewärmet haben, so lassen sie die spitäl in schulden stecken J. Nas antipap. eins und hundert 2, 187b; ein despote ... wärmet seine hände in den eingeweiden des volkes J. G. Zimmermann von dem nationalstolze 202; mit dem nebensinn 'unthätig sein': ob wir denn gar nicht müde werden, uns behaglich die hände zu wärmen an dem feuer vergangener grösze Treitschke hist. u. pol. aufsätze 1, 113; werden wir uns lang noch die hände wärmen, da die feinde schon frisch im feld herum schwärmen? Schiller 12, 18 (Wallenst. lager 4). für 'bähen': die augen salben und wärmen, oculos inungere, ac refovere Maaler 482a. durch kleidung wärmen: ir (nackende) wert gewermt und gesatt Mentels bibel, Jac. 2, 16; alle yhre frage lappen, da sie sich so bettelisch mit pletzen und flicken und doch yhr boses gewissen damit nyrgend konnen decken noch wermen Luther 23, 206, 25 Weim. ausg. 3@cc) lebende wesen können auch mit ihrer eigenwärme wärmen: eine dirne ... schlaffe in seinen armen, und werme meinen herrn den könig 1.n. 1, 2; dasz ... Beelzebub in der gestalt eines schönen weibes ... ihn liebkose, reize, necke, wärme Zimmermann über die einsamkeit 2, 50. das bett: du solt ligen und ruwe han und solt das bette wermen mir. liedersaal 1 514, 181. von thieren: das herausgebrütete küchlein zu wärmen, zu füttern J. J. Engel (1801 ff.) 1, 269. beim brüten: mit der mutterliebe schwingen wärmt die nachtigall das ey. Gotter im Gött. musenalmanach 1770, 35 (40, 2) neudr. daher wärmen und brüten: die alt bärin gebäre ersts allein ein rauw stuck fleisch, das selbig wärme und bruote sy erst an ir brust recht ausz Gesner thierbuch übs. v. Herold u. Forer (1563) 14b. bildlich: sie sehen was die erde dem keim thut, das thut der naturgeist auch dem vertrauen in ihn, er wärmt er brütet Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 1, 205. 44) übertragene bedeutungen des nicht reflexiven wärmen. 4@aa) in der älteren zeit sind sie kaum nachzuweisen; vereinzelt bildlich vom feuer des heil. geistes u. ä.: daʒ ist spiritus sanctus, der alliû herzen wêiʒ, unde réhtiû wármet ioh zúndet Notker psalm 18, 7; du (heil. geist) wermis unde kulis, du fuhtes unde dirres, du entsluʒis unde versperris. litanîe 148 Maszmann; uf daʒ wermet gotes geist dem menschen sin gemute. Passional 118, 7 Hahn; 'hegen und pflegen', auch noch bildlich: unser statt Marpurg, welche viel leute, so hundert jahr und drüber, in ihrem schosz wärmet Schupp schriften 777; den wird gott, das höchste gut, gnädiglich in seinen ärmen als ein liebster vater wärmen. P. Gerhardt 130 Gödeke. von leidenschaften 'erhitzen' (hier noch im eigentlichen sinne, aber den ursprung einer übertragung anzeigend): und ist zu mercken daʒ wüeten und zorn, lieb und fründtschafft und fröd des menschen lyb wermen und hitzigen Braunschweig liber pestentialis 13a; vgl. aus neuerer zeit: schimpf dich aus. das macht leichter und wärmt Alexis Roland von Berlin (1840) 1, 292. 4@bb) im 18. jahrh. entwickelt wärmen gleichzeitig mit warm und wärme verinnerlichte bedeutungen, 'beleben, erquicken, erregen, begeistern', doch ist ihr gebrauch nicht sehr ausgedehnt, und die gänzliche loslösung von der bildlichen verwendung ist selten; so zeigen die folgenden belege den übergang vom bild zur übertragung: hast du den säugling gesehn, der, unbewuszt noch der liebe, die ihn wärmet und wiegt, schlafend von arme zu arm wandert. Schiller 11, 71; seine liebeswuth wärmt ihr starres blut. Göthe 1, 223 Weim. ausg.; oder wie Kypris ... wärmte mit mächtiger glut den Sokrates. A. W. Schlegel, Athenäum 1, 124; (gott zu Luther). und wärme sie an meiner liebe strahlen. Z. Werner Martin Luther IX (prolog); wohl wärmet die göttin der jugend das blut. Arndt werke 3, 19; stets, als wär' er ein wams von büffel, hat mich ruhiger sinn gewärmt. A. W. Schlegel, Athenäum 3, 162; wir wollen, leser, unser licht zusammen tragen, und unser menschengefühl an einander zu wärmen suchen Lavater physiogn. fragmente 1, 209; wärmte deine brust ein theilnehmendes feuer Göthe 21, 81 Weim. ausg. 4@cc) übertragen 'wolthun, erquicken': lauter liebevolle lobreden auf den verschmähten liebling drängten und wärmten sein verarmtes herz J. Paul Hesperus 3, 159; das gefällige wesen, das sie dabey hat, ... wärmt und erheitert mich sehr angenehm Heinse 4, 149 Schüddekopf. lebenskräfte wärmen, durchdringen erquickend, anregend, den menschen: wie anders tragen uns die geistesfreuden von buch zu buch, von blatt zu blatt! da werden winternächte hold und schön, ein selig leben wärmet alle glieder. Göthe 14, 57 (Faust 1, 1107) Weim. ausg.; ein muntrer sinn bewegt die leichten säfte, doch keine seele wärmt das eingeweide. Schiller 12, 286 (Wallensteins tod 3, 7). 'begeistern, anspornen': bis ihm ... die tugend im traum erscheint ... der göttliche traum wärmt so sein herz, dasz er dem laster ... einen kopf nach dem andern heruntersäbelt Göthe 38, 358 Weim. ausg.; Athanasius verstand mich und ich ihn ... ein geist wärmte den andern Jung Stilling (1835 ff.) 4, 427. 'veredeln, läutern': immer nur das schöne ... aufzuspüren, zu bestimmen, mein gesicht daran zu gewöhnen, mein gefühl daran zu wärmen Lavater physiogn. fragmente 1, 11; die beiden vorreden des ersten bändchens werden ihnen sagen, wie oft ich mich in ihre welten gegen die jetzige rette und wie ich in ihrem geist meinen wärme J. Paul an Herder, aus Herders nachlasz 1, 294; die tugend schwebe vor ihm am höhern himmel über unserer sonne, und wärme und erhelle und ziehe allmälich sein herz Hesperus 2, 114. 55) in der neueren dichtersprache hängen zuweilen richtungspräpositionen von wärmen ab: ach! sie (die fackel) lodert gleich der todtenkerze, die kein leben in die urne wärmt. Bürger 99b; dein saft (der wein) knüpft menschen an ein band, und wärmt zum handschlag freundeshand. Blumauer gedichte (1782) 10. 66) reflexiver gebrauch. 6@aa) in eigentlicher bedeutung. 6@a@aα) sich wärmen, in der sonne, am feuer: thâr stuant Petrus untar in,sih warmta saman thâr mit in. Otfrid 4, 18, 12; geet zum offen und wermbt eüch! H. Sachs 22, 23, 28 Götze; und hiesz man die rautstuben wermen, ... das sie sich warmtind Richenthal Constanzer concil 35; von diesem gelde kann sich ein armes jetzt eine ganze woche hindurch wärmen Gellert 10, 61. mit kleidung: so aber ein bruder oder schwester blos were, und mangel hette der teglichen narunge, und jemand unter euch spreche zu inen ... wermet euch und settiget euch, gebet inen aber nichts, was des leibs notdurfft ist Jacob. 2, 16; legt die dame plötzlich ihren muff der alten auf die kniee. '... nehmen sie das und wärmen sie sich' v. Ebner-Eschenbach (1893 f.) 4, 336. sich wärmen an, bei, in (mhd. auch zuo) etwas: so ist er ze nihte anders guot niwan daʒ man in ûf die gluot ze helle, dâ er brinne, tuo: dâ wermet sich der tiuvel zuo. Th. v. Zirclaria der wälsche gast 7250; dô vant ich schône bereit ein viure ûf dem palas, des ich starke vrô was; ich stuont und warmte mich dâ bî. H. v. d. Türlin krone 10180; si können ir leben nicht erretten fur der flammen, denn es wird nicht eine glut seyn, da bey man sich werme, oder ein fewr, da man umb sitzen müge Jes. 47, 14. sich am feuer wärmen Stieler 2436, an der sonne Rädlein 1029; und ich war, wie die biene schwärmt, sich an den sommerlüften wärmt. Kretschmann 1, 40; wärme dich in meiner sonne, kühle dich in meinem mond. Brentano 2, 256. 6@a@bβ) gegenseitig, in der umarmung: auch wenn zwey bey einander ligen, wermen sie sich, wie kan ein eintzeler warm werden? pred. Salom. 4, 11; zuo dem letzten sie bathe ... das sie ihme vergünnet ein klein sich bey ihr zu wermen Montanus 98 Bolte; ich bin so hart erfrorn; lasz wermen mich ein vierteil-stund! H. Sachs 2, 214, 20 Keller; lag sie zu bett?die chronika sagt nichts davon.genug, der arme junker wärmt sich da, bis glocke zwölfe schlug. Pfeffel poet. versuche (1812) 1, 58; ach! sie bleibt gern zu haus und läszt mich immer schwärmen; denn sie versteht die kunst, sich ohne mich zu wärmen. Göthe 9, 104 (mitschuld. 3, 9) Weim. ausg. 6@a@gγ) sich durch warme oder geistige getränke wärmen: so wärmet euch! dort dampft ein punschvulkan! Grabbe 1, 234 (herzog v. Gothl. 4, 2) Blumenthal; wolt ein halb mäszly weyn trincken und sich wermen Frey gartengesellschaft 48, 5 Bolte. 6@bb) sich wärmen 6@b@aα) bildlich (an, bei jemandes feuer, kohlen) und übertragen 'seinen nutzen ziehen von einer person oder sache' (besonders im älteren nhd.): da iszt sy (die kellnerin) vyl der guoten mol, sy wermbt sich fyn bym pfaffen kol. schweiz. schauspiele 2, 295, 4664; dyn frow wermt sich by pfaffen kolen. Murner narrenbeschw. 57, 20; aber vil ämpter schmecken wol, man wermbt sich bald by groszem kol. Brant narrenschiff 18, 26. sich bey fremden feuer wärmen, profiter d'un bien qui n'est pas à nous Rondeau: bischof Ruoprecht ... begund mit eszen und trinken, den eren zuo klainer steure wärmet er sich bei ander leute feure. Liliencron hist. volksl. 2, 46, 24 (1475); wann sie sehen, dasz es den leuten wol gehet, dasz man sich bey ihrem feuer wärmen könne, so kommen sie täglich gelauffen Schupp schriften 233; es soll die dummheit sich nicht wärmen an dem feuer des unterdrückten verdienstes Görres 2, 120. — wiewol ich mich die zeit bereyt darbey (bei diesem amt) wol hab gewärmpt und gweydt. Fischart Eulenspiegel 11792 Hauffen; bey meiner gerichtschreiberey hatte ich gleichwol zimblich vil gelts erschunden und mich wol gewärmet Albertinus Gusman v. Alfarche 421; vom hoffleben pflegt er (Friedrich der Weise) auch zusagen: bey uns herren kan man sich wol wärmen, aber auch verbrennen Zinkgref apophth. 138; jeder will sich wärmen, und solte das publicum erfrieren. Wille sittenlehre (1781) 204; schweiz. sich a öpisem werme, es sich zu nutzen machen Hunziker 287. 6@b@bβ) seit dem 18. jahrh. 'sich erquicken, sich anregen' (vgl. sich sonnen): wenn es mir, nach seinen menschenfreundlichen gesinnungen gelungen wäre, näher um ihn zu seyn, und mich in seinem lichte zu wärmen Schubart leben u. gesinnungen 1, 99; ach dasz ich Georgen noch einmal sähe, mich an seinem blick wärmte! Göthe 8, 168 (Götz 5) Weim. ausg.; soeben durch ein wildes schneegestöber von einem termin zurückgekehrt ... habe ich mich an deinem lieben brief gewärmt Bismarck briefe an s. braut u. gattin 14; ich kann mich nicht, wie so ein wortheld, so ein tugendschwätzer, an meinem willen wärmen und gedanken. Schiller 12, 231 (Wallenst. tod 1, 7); in deinem busen flammet mutterliebe, an dieser flamme wärmte sich ihr herz. Collin Regulus (1802) 95 (3, 4). 77) das part. praes. wärmend wird oft adjectivisch gebraucht: deiner sonne wärmend licht. Drollinger gedichte 32; auf die postille gebückt, zur seite des wärmenden ofens, sasz der redliche Tamm. J. H. Voss gedichte (1802) 2, 267; lobsingt in den schall! mit wärmendem punsch im glase! 3, 136; lodert denn auf im kamin, ihr tröstlichen flammen, und scheuche, wärmender becher, den druck trüber gedanken mir fort! Geibel 4, 29 (spätherbstbl.); wärmende arzeney Stieler 2436; die herden ruhen eingeschlossen im wärmenden stroh S. Geszner (1777) 1, 29; er ... verschmäht die ihm dargebotene wärmende wolldecke für seine füsze Holtei erzähl. schriften 1, 165; ach! nicht schlang um die erde den wärmenden arm der Olymp hier. Hölderlin 1, 155, 23 Litzmann; auch brachte seine beliebte gesammtliebe ... und endlich seine wärmende menschenfreundlichkeit ihm eine aufmerksamkeit von Joachimen zuwege J. Paul Hesperus 2, 147; es (das pferd) blickt' mich an mit stiller lebenslust, die wärmend mir gedrungen in die brust. Lenau ged. (1857) 1, 234; als dankbare pietät das kühle selbstgefühl ... an wärmender und beglückender kraft überwiegt Heyse jugenderinnerungen 1. 88) das part. praet. gewärmt (vgl. th. 4, 1, 3, 5333): die übrigen ... halfen einander, den kapitain in ein gewärmtes bett zu tragen Bode Thomas Jones 1, 225. 'aufgewärmt': er soll ... heute einen löffel gewärmter suppe mit uns speisen. gewärmt! dahin kommt es auch noch! Gutzkow ritter vom geist2 3, 282. 99) redensarten (soweit nicht schon erwähnt). kohl wärmen (üblicher aufwärmen), oft gesagtes wiederholen: das ekle Leipzig lacht, wenn mancher (schlechte poet) raast und lärmt, und doch nur sauren kohl zum zehntenmale wärmt. Gottsched ged. (1751) 1, 404. einem das wasser wärmen, wie das bad heizen, ihn in ungemach bringen, nach dem nd.: beide (Isegrim u. Braun) waren elend genug, gebunden, verwundet, und vom feinde verspottet.es fehlte Hinze der kater; Reineke wünschte so sehr auch ihm das wasser zu wärmen (Reinke hadde êm ôk gewermet dat wâter). Göthe 50, 76 (Rein. Fuchs 6, 85) Weim. ausg. eine schlange, eine natter am, im busen wärmen (nach Äsop fab. 130), schadenbringendes begünstigen: wir wärmen in den wälschen sprachen die natter im busen Jahn merke 182; eine solche schlange will ich nicht länger an meinem busen wärmen O. Ludwig 2, 457. dann auch: zu fröhnen dem tyrannen, den ihr selbst an eurem busen wärmtet. F. L. Stolberg 5, 6. lothr. ebber s' plätz wärme, einem platz bereiten (vgl.warm halten sp. 2043) Follmann 530b. in betheuerungen (vgl.warm II 4 b γ): hab indesz auff meine treue, trautstes, keinen bösen wahn, weil mich sieht der himmel an ... weil mich wärmt mein schwaches leben. geharnschte Venus 113 neudr.; ich werde, so lange das blut diese adern wärmt, nicht vor einer groszen that zagen Fr. Müller 2, 121; wär' ich dann wohl werth, dasz mich diese sonne wärmte A. G. Meiszner Alcibiades (1781) 2, 104. — sich auf spanisch wärmen, an der sonne Ludwig 2383; ich hette mich auch gern gewermet, aber ich konde nicht zum ofen kommen Agricola sprichwörter (1534) V 8b. sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 72b. Schottel 1133; ich weisz, bey welchem feuer er sich wärmet, I know his kidney or inclination Ludwig 2385; je sai quel homme c'est Rondeau. — sprichwörtliches: bei groszen öfen ist sich guot zu wärmen, sie bedörffen aber vil holtzs S. Franck sprichw. 2, 206a. Eyering 1, 179; der nächste beym feuer wärmt sich Kirchhofer 148; zudem ist frisch fleisch allzeit besser als das gewärmet Lehmann 163; gewärmte essen schmecken nicht wohl Kirchhofer 251. 1010) wärmen in intransitiver verwendung ist ganz vereinzelt, auf vermischung mit warmen beruhend: tepere, esse vel fieri tepidum, wermen voc. ex quo s 1b; calere, wermen vel scheynen Diefenbach gl. 90a; ut mus sub tecto, sic calet foemina lecto, meusz wermen under einem brett, die weiber im bett Fischart groszmutter 613 Scheible; jetzt im elsäss. unpersönlich: 's wärmt wider guet hüte 'ist sehr warm' Martin - Lienhart 2, 854a.
23143 Zeichen · 483 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wärmen

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Wärmen , verb. regul. act. warm machen. Wasser wärmen, eine Speise wärmen. Das Zimmer läßt sich leicht wärmen, heitzen. …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    wärmen

    Goethe-Wörterbuch

    wärmen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    wärmen

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    wärme n [wærmə Su. ; wèrmə Co. Str. K. Z. Han. Betschd. ] wärmen, warm machen, erwärmen. I ch will mi ch w. Su. D Supp w…

  4. Sprichwörter
    Wärmen

    Wander (Sprichwörter)

    Wärmen 1. Der wärmt sich zu nahe, der sich verbrennt. 2. Es meint einer offt, er woll sich wermen, so wird er bereuchert…

  5. Spezial
    wärmen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    wär|men I vb.tr. 1 scialdé (-da) 2 (ein wenig) temperé (-rëia) II vb.refl. sich wärmen se scialdé.

Verweisungsnetz

28 Knoten, 29 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 4 Kompositum 17 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit waermen

18 Bildungen · 2 Erstglied · 12 Zweitglied · 4 Ableitungen

Zerlegung von waermen 2 Komponenten

war+men

waermen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

waermen‑ als Erstglied (2 von 2)

wärmenerv

DWB

waerme·nerv

wärmenerv , m. nerv, der besonders für wärmereize empfänglich ist, im gegensatz zum kältenerv Goldscheider die bedeutung der reize 66 ; vgl.…

waermen als Zweitglied (12 von 12)

abschwärmen

DWB

abschwärmen , examen emittere, die bienen haben abgeschwärmt.

abwärmen

DWB

abwärmen , calefacere: ofen, schmelzherd abwärmen, zu einem erforderlichen wärmegrad bringen.

anwärmen

DWB

anwärmen , incalefacere, anheben zu erwärmen: den ofen, den treibeherd anwärmen; Viktors seele war wie die natur ( im winter ), o der himmel…

aufwärmen

DWB

auf·waermen

aufwärmen , recalefacere, recoquere, ahd. arwaraman, nnl. opwarmen: warum wärmet ihr nicht alle altväterische worte wieder auf? Weise erzn. …

ausschwärmen

DWB

aus·schwaermen

ausschwärmen , strependo evolare, von vögeln, bienen: dasz die tauben nicht zu viel ausschwermen. Kirchhof wendunm. 139 a ; die bienen sind …

auswärmen

DWB

aus·waermen

auswärmen , percalefacere, durchwärmen: ein wol ausgewärmtes ruhebett. ehe eines mannes 318; damit mich die schilderung ganz besonders auswä…

durchwärmen

DWB

durch·waermen

durchwärmen , durch und durch warm machen, völlig erwärmen Rädlein 209 a , niederd. dôrwarmen Schambach 46 a . 1 1. untrennbar. die sonne ha…

erwärmen

DWB

erwärmen , calefacere, mhd. erwermen: haben wir nicht gesegenet seine seiten ( benedixerunt latera ejus ), da er von den fellen meiner lemme…

schwärmen

DWB

schwa·ermen

schwärmen , verb. als schwarm, mit, im schwarme fahren oder gebahren; auf deutschem boden nach der hier reich entfalteten bedeutung des subs…

überwärmen

DWB

ueber·waermen

überwärmen , v. , untrennb. verbindung. a a) oberflächlich wärmen: calefacere, tepidare Stieler 2437 ; überwärmt werden, tepescere ebenda. V…

verschwärmen

DWB

versch·waermen

verschwärmen , verb. , Adelung kennt das wort ' nur im gebrauch von bienen '. die bienen haben verschwärmet, ' wenn sie ausgeschwärmet, oder…

vorschwärmen

DWB

vorsch·waermen

vorschwärmen , verb. , von Campe verzeichnet. 1 1) in der sprache der bienenzüchter entsprechend dem sinne von vorschwarm: vorschwärmen sagt…

Ableitungen von waermen (4 von 4)

bewärmen

DWB

bewärmen , sich, calefacere, sich wärmen, erwärmen: sich wiederumb bei dem brennenden holz zu bewärmen. Spangenberg lustg. 103 .

entwärmen

DWB

entwärmen , in gleichem doppelsinne, würde refrigerare und calefacere ausdrücken können.

erwärmen

DWB

erwärmen , calefacere, mhd. erwermen: haben wir nicht gesegenet seine seiten ( benedixerunt latera ejus ), da er von den fellen meiner lemme…

gewärmen

DWB

gewärmen , verb. , verstärktes wärmen ( s. d. ), mit vorliebe reflexiv gebraucht. schon in der sinnlichen bedeutung ist das verb in zusammen…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „waermen". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 17. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/waermen/dwb
MLA
Cotta, Marcel. „waermen". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/waermen/dwb. Abgerufen 17. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „waermen". lautwandel.de. Zugegriffen 17. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/waermen/dwb.
BibTeX
@misc{lautwandel_waermen_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„waermen"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/waermen/dwb},
  urldate      = {2026-05-17},
}