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vermögen

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

vermögen verb.

Bd. 25, Sp. 882
vermögen, verb. zu stande bringen, kraft haben zu etwas, mhd. vermügen, mnd. vormogen, ahd. farmagan. zusammensetzung mit dem präterito-präs. mugen, mögen (s. 6, 2449), dessen bedeutung durch die zusammensetzung nicht wesentlich beeinfluszt ist. dieselbe entwicklung, die das einfache zeitwort durchmacht, macht auch die zusammensetzung durch. somit ist also das wichtigste der übergang von a zu u im plur. des präs., dessen entwicklung wir uns in derselben weise wie bei mugen denken, wenn wir auch ihn nicht in der weise zahlreich besonders im ahd. belegen können. die u-formen verdrängen im plur. des präs. wol schon in der ahd. periode die formen mit a. im mhd. bleiben diese u-formen, am ende dieser periode tritt aber ü für u ein und sehr bald ein geschwächtes ö. diese ö neben ü können wir noch im ältesten nhd. verfolgen (z. b. bei Luther, s. unten). 11) intrans. vermögen, macht haben, besitzen: aber unter den jüngern beschlos ein iglicher, nach dem er vermochte, zu senden eine handreichung den brüdern. apostelgesch. 11, 29; nachdem je die gottes und menschlich gebot vermögen. reichstagsabsch. 1530 § 6; du wirst zwar weise (waise) werden nach deines vatern todt, der kürtzlich dieser erden soll geben gute nacht, wie unser buch vermag. doch die, durch welche du gebracht wirst an den tag, wird nicht nur mutter seyn. Opitz 2, 270. dazu tritt mitunter ein dativ der person, eine sache vermag einem: und ich widerumb auch ja nicht gern wollt anders gegen euch seyn, wo mir immer vermocht. Luther br. 4, 586. 22) trans., macht haben über etwas, in älterer zeit gern mit dem persönlichen accus. ohne weiteren zusatz. heute accus. meist durch satz mit zu ergänzt. in älterer zeit und mundartlich hat die construction mit absolutem accus. mancherlei bedeutungen: einen vermögen, einen in seiner gewalt haben, eines habhaft werden: welcher freund den andern vermag, der steckt jn in sack. Luther 5, 271; einer von seinen fürnehmen bedienten, der ihn wohl vermochte. pers. rosenth. 1, 21; der den andern vermag, der steckt denselben in sack. Neander ethice vetus 326; geld, vermögen zur erhaltung jemandes haben: wenn man nicht mägde vermag. Gotthelf Uli der knecht 114. 116; unter diesen eilf lendern (Preuszens) war kein landt so geringe, es vermochte tausend reuter und tausend fuszgenger. etliches aber vermochte wol fünf, etliches auch sechs tausend mann. Waiszel chron. 5b (1559); ein klein dörffgen, das .. ungefehr 13 bawren vermochte. Simpl. vogeln. 314. vermögen = mögen: man soll einen discurs und gespräch also anstellen, nachdem man siehet, wie die leute, mit denen man umbgehet, genaturet und wozu sie geneiget sind, sonderlich wenn man verspühret, dasz sie einen gerne vermögen und hören mögen. pers. rosenth. 8, 115. einen zu etwas vermögen, meist mit folgendem infin. mit zu (s. unten), doch zuweilen auch anders: wie es dann nun so gar ein groszer lermen im land war, dasz niemand bey hausz bleiben konte, vermogten wir kaum ein pfarrherrn, der bey der begräbniss war und das kind tauffte. Simpl. 1, 40, 4 Kurz; dasz man sie mit einer bouteille wein und einer hand voll ducaten zu allem vermögen könnte. Rabener sat. 3, 64 (Leipzig 1752); damit sie seine aufmerksamkeit auf ihre reitzungen ein wenig zerstreuen möchte, vermochte sie ihn nach und nach durch frag und antwort zu einer umständlichen erzählung alles dessen, was ihm von der geschichte seines jungen herrn bekannt war. Wieland 12, 325; der prinz von Oranien war unter diesen (die eilig flohen), aber noch vor seinem abschied versuchte er, den grafen von Egmont zu einem ähnlichen entschlusz zu vermögen. Schiller hist.-krit. ausg. 9, 16. statt des gegenstandes mit zu ein infin.: und diese nachricht vermochte Wernern, sein biszchen armuth mit mir zu theilen. Lessing 1, 516. accus. der sache, die fähigkeit zu etwas besitzen, über etwas verfügen; vom gelde und besitze: als wenn einer kaum zwey hundert gülden vermag und füret ein handel auff fünff oder sechs hundert gülden. Luther 2, 488b; vermag er aber nicht ein schaf, so bringe er dem herrn für seine schuld, die er gethan hat, zwo dordeldauben. 3 Mos. 5, 7; vermag er aber nicht zwo dordeldauben, so bringe er fur seine sunde zu opfer ein zehenden theil Ephi semelmilch zu sündopfer. 11; wenn ein reicher man were, der etlich tausent gülden vermöcht und wolt doch sagen, er were arm. 5, 321; dasz ich ... nicht mehr dann viertzig gülden an leib und gut vermöget habe. Wickram rollw. 91b; eine aber, welche beynahe 10000 gulden vermochte. coffeelandes aventuriers 171; hör junger! es steht in dem hausz allenthalben wol überausz, dein frau musz groses gut vermögen. Ayrer Antreuxo F 1, 2d (4, 2346, 52 Keller); dasz der kauffman etlich tonnen goldes vermöchte. Neander menschensp. 52b; gemeldte jungfrau hatte an baarem gelde über 80 000 thlr. vermocht. Schweinichen 1, 219; es vermochten des Eurili eltern über 60 000 thaler. colica 42. von andern dingen: ich glaub an den allmechtigen gott, der alle dinge vermag und auch beschaffen. heil. leben (1472) 20; er ist nit ein statthalter Christi im himmel, sondern allein Christi auff erden wandelnd, dan Christus im himel in der regirenden form darff keines statthalters, sondern sitzt, sihet, thut, weisz und vermag alle ding. Luther adel 38 neudruck; man weisz wol, das herzog Heinrich den zug nicht vermochte, man weisz wol, das aus Welschland zutrefflich rüstung in das Deutschland geschickt und verordent gewest. 8, 252b; desgleichen wer eine arme hebe vermag, der welet ein holtz, das nicht faulet. Jes. 40, 20; die thuns, aber vermügens nicht, dasz sie irgend ein blöd gewissen solten trösten und frölich machen. 7, 46; wo aber der dieb kein solche geldbusz vermag, soll er mit dem kerker gestrafft werden. Carolina (1533) art. 157; der vergahe alle sach, wie sie weren mit yhm umbgangen, wie dis history vor her durch alle capitel vermag. Frank chron. 223b; wer den wein nicht vermag, würd sich das wasser zuo trincken nicht verschmehen lassen. Fischart groszm. 24 neudr.; ich weisz, wie einem zu muth ist, der dessen einen zimlichen vorraht hat, so habe ich auch nicht nur einmal erfahren, wie derjenige gesinnet sey, der keinen einzigen heller vermag. Simpl. 1, 298, 29 Kurz; gleichwie mons. Canard mehr wildpret hinweg zu werfen, als mancher zu fressen hatte, der eine eigne wildbahne vermag .. also hatte er täglich viel schmarotzer. 1, 362, 26; solches nam ich auf den buckel, den degen in der hand und den weg unter die füsze, der mich in ein klein städtlein trug, so gleichwol eine eigne apothecke vermochte. 1, 382, 4; wie so? sprach ich, und durch was für mittel vermag er so grosze dienste? Philander 67; wie man vermöcht solch gwaltig pau. Schmelzl lobspr. 68; die götter alle ding vermügen. H. Sachs 2, 3, 89 (8, 335, 28 Keller); den krieg wir weiter nit vermügen. 2, 3, 2 (8, 7, 26); wer einen guten trunck vermag, hat er denn einen ruhm? ja, wann er trinckt, dasz doch vernunfft behelt das meisterthum. Logau 3, 260, 246 (673 Eitner). eine seltne verwendung des wortes ist vermögen = bedeutung haben, bedeuten: der hebräisch text vermag, wann ich mein seel nicht setzet und stillet, so wurde ... S. Frank Erasmus lob der thorheit 93b. abstracte dinge: aber wenn Erasmus auffstehet, der vermag solch unterscheiden der bösen und fromen, weder treffen noch halten, schlehet in den hauffen wie es trifft. Luther 2, 67; Friedrich churfürst .. entbieten königlicher wird, könig Heinrichen zu Engeland jren freundlichen grus und was sie liebs und guts vermügen. 2, 218; des treyds und vichs vermag es eine guotte notturft. S. Frank weltb. 52; doch muste ich das cleinod, so er mir anfänglich geben .. stracks von mir thun, dann ich hätte sonst in der lufft entweder ersauffen, oder athem zu holen, den kopff wieder ins wasser stecken müssen, weil gedachter stein solche würckung vermogte. Simpl. 1, 81, 23 Kurz; so lang ich einen athemzug vermag, soll .. Klinger 2, 421; keine andere europäische zunge vermag diesen einfachen wollaut in solcher reinheit; aber die ahd. mundart kommt der gothischen zunächst. Grimm gesch. d. d. spr. 291; mein vater war überhaupt lebhafter natur und bei seiner entfernung von geschäften wollte er gern, was er wuszte und vermochte, auf andere übertragen. Göthe 24, 18; er (Max) ist noch hier. er hat mich nicht verrathen, hat es nicht vermocht — ich habe nie daran gezweifelt. Schiller 12, 306 (Wallenst. tod 3, 18); gern ist das object ein allgemeines wort des maszes, der grösze, etwas, alles, viel, nichts, wenig, was u. s. w.: und die pforten der hellen sollen nichts dawider vermügen. Luther 1, 422b; die durch diese allermildeste und veterliche wolthat ewer heiligkeit werden gelockt und bewegt werden, alles das sie mit vleis, arbeit und ehrerbietung, alles das sie mit trewem zuthun und verstand, alles das sie mit reichthum und macht vermügen, dasselbig alles ewer seligkeit und des heiligen bepstlichen stuels wird zu schützen ... verheiszen werden. 2, 177; sondern das der rechte wechter auffhöret zu bewaren, und lies sehen, was menschenwitz und krafft vermöcht, on sein wachen und bewahren. 2, 393b; und wenn sie (die bibel) ein groszer, mächtiger baum wäre und alle wort wären ästlin und zweige, so hab ich doch an allen ästlin und reislin angeklopft und gerne wissen wollen, was daran wäre und was sie vermöchten und alle zeit noch ein paar äpfel oder birnlein herunter geklopft. Luther tischreden 1, 43; sie müssen selbst sagen, sie (die kirche) sey ein fels, dawider die hellen pforten nichts vermügen. Hans Wurst 32 neudruck; und ob sie es mit der that nicht vermügen, so feilets doch am guten willen nicht. 6, 16; sonst würde der teuffel zu mechtig ... und sein reich dempffen, das niemand wüszte, was gott were und vermöchte. 6, 48b; wie auch Moses in seinem gebet im selben capitel anzeigt, das er gottes zorn gestillet hat mit dem einigen wort, das gott solt gedencken an Abraham, Isaak, Jacob, welche nu lengest tod, aber ... für gott lebten und alles vermöchten u. s. w. 7, 33; in deinem namen sind wir komen, wider diese menge. herr unser gott wider dich vermag kein mensch etwas. 2 chron. 14, 10; aber du gewaltiger herrscher, richtest mit lindigkeit, und regirest uns mit viel verschonen, denn du vermagst alles, was du wilt. weish. Sal. 12, 18; des gerechten gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Jac. 5, 16; der ich dem meer den sand zum ufer setze, darin es alle zeit bleiben musz, und obs schon wallet, so vermag es doch nichts und ob seine wellen schon toben, so müssen sie doch drüber faren. Jerem. 5, 23; was das recht vermag. Fronsperger kriegsb. 12b; die schönste ducaten, kleider und in summa, was er vermöchte, hatte er nach und nach herausgefischt. Simpl. 1, 93, 26; geht weg, seht euch wol für: je mehr sie trunken sein, je mehr vermögen sie in list und liebespein. Opitz 2, 240; was vermag der fromme mann, wann er die frau nicht meistern kann? Schuppius 406; wieviel hat es (die ritterliche übung) vermögt, die tugend zu kriegs- und friedenszeit in denselbigen dapfferen gemühtern zu erhalten. 711; was hat das schieszpulver in kriegssachen vermöcht? 768; was kann er gegen dich vermögen? Lessing 1, 268; so leistet er, wie du siehst, sehr viel, sobald man ihn stört, vermag er gar nichts. Göthe 17, 43; dieweil das gesetz nicht hilfft, noch gnade gibt, sondern nur gebeut und foddert zu thun, das doch der mensch nicht vermag, noch gerne thut. Luther 1, 432; ja hie wirt der teuffel ein heylig und ein got datzu, was hymel und erden nit vormag, dasz vormag disz hausz. adel 29 neudruck; nu wöll wir heim, drey mann erwelen gerüstet auff den kampffplatz stellen und sehen, was das glück vermag. H. Sachs 2, 3, 3 (8, 10, 6 Keller); nun aber weil auch solche meng nicht viel vermag on gwalt und streng, so wolt jetzt lehren, jr Suiter, dasz auch ein bischoff und ein jeder, der geistlich ist, mög brauchen gwalt. Fischart dicht. 1, 39, 1397 Kurz; o jr wiszt nicht, was plut vermag: es kochet in eim sein lebtag, bisz entlich es ainmal ausprech und sich an seinem thäter rech. 2, 21, 713 Kurz; gott weisz wol, was wir vermögen und wie stark die schulter sei, da er will sein kreuz hinlegen. P. Gerhardt 29, 25 Gödeke; (er) speiset, was ihm fängt die angel, was stall und nest vermaag und was sein garten trägt. P. Fleming 73; kalte ruhige vernunft will alles über sie allein vermögen. Lessing 2, 348; was unser schlechtes dach vermag, ist euer. Schiller 480; unser hauptmann und hochgebietender herr, der jetzt alles vermag und kann, war erst nur ein schlichter edelmann. hist.-krit. ausg. 12, 32 (Wallenst. lager 7); drum schick zur freude dich recht an, vermag gleich küch und keller wenig. Göckingk 1, 202. mit näherer bezeichnung: aber ich habe meine lere, von gottes gnade nicht allein vom himel erlangt, sondern auch für einem erhalten, der mehr vermag in seinem kleinen finger denn tausend bepste, könige, fürsten und doctores. Luther 2, 146; es geschehe williglich oder unwilliglich, des und kein anders wenn sie noch zehenmal so viel weren, und ein jeglicher so viel vermöcht, als sie jtzt alle sampt vermögen. 2, 215; und thut mehr denn man begeret, etliche mehr denn sie vermügen. Hans Worst 47 neudruck; so sie nit mehr vermugen in (auf) uns. briefe 2, 61; denn wer vermag dis dein mechtig volck zu richten? 1n. 3, 9; vermag er wider mich zustreitten, und schlegt mich, so wollen wir ewr knechte sein, vermag ich aber wider jn, und schlage jn, so sollt jr unser knechte sein, das jr uns dienet. 1 Sam. 17, 9; dasz wider zwo städte, in welchen die bürger einträchtig bleiben, keine feindschaft leicht etwas vermag. Lokmans fab. 1; welche predig eyns weysen het so viel vermöcht, als die erticht hinte Sertorii hat zu wegen bracht oder als der spöttlich fund Laconis. S. Frank Erasmus lob d. thorh. 19; was die gewohnheit auf unsern körper vermag. M. Mendelssohn in Nicolai leben Göckingks 177; Violette, die sonst bei dem Scapin alles vermag, thut ihm den vorschlag und verspricht ihn zu heirathen, wenn ... Lessing 4, 379; der mensch wirkt alles, was er vermag auf den menschen, durch seine persönlichkeit, die jugend am stärksten auf die jugend. Göthe 25, 370; du vermagst nichts auf deine freunde, als ihnen ihre freuden zu lassen und ihr glück zu vermehren, indem du es mit ihnen genieszest. 16, 47; ja hat entdeckt, dasz unser horn nit mehr vermög den gottes zorn und mit den hörnern nit mehr schaden, dann so viel uns die leut gestatten. Fischart dicht. 2, 244, 91 Kurz; wer nichts mehr vermag von thaten, ob er viel vermag im rathen, mag nur bey den buhlereyen dieses nahmens sich verzeihen. Logau 1, 148, 43 (146 Eitner); alsdann vermag die zeit, das alter nichts auf dich, und nichts der freche ruf. Göthe 9, 182; ich weisz, dasz Pedrarias flammenhasz auf den gerechten richter nichts vermag. Collin bei Campe s. v. flammenhasz. der infin. ist das object, in älterer sprache meist ohne zu: denn wo ein vater nicht allein vermag sein kind aufziehen, nimpt er ein schulmeister dazu, der es lere. Luther 4, 397; denn er vermocht solch strenge leben nicht ertragen. 6, 10; dieser segen ist nicht ein menschlicher segen, da man mit worten segnet oder guten morgen und guten abend wündscht, denn anders vermag der mensch nicht segenen. 8, 158b; ich vermag das volk nicht allein alles ertragen, denn es ist mir zu schwer. 4 Mos. 11, 14; allein gläuben musz man sie, mit vernunft vermag sie niemand verstehen noch ergründen. Luther tischr. 2, 161; es vermöchten auch der verstandt und wille etwas anders wählen. Melanchthon hauptart. Christ. l. 436 (corp. doctr. Christ. 560); wie der vatter das vermerckt, lobt er seines sohns erfindung, vermöchte doch ausz vätterlichem hertzen zulaszen, seine trew unterweisung ihm zu verhälen und sagte ... Kirchhof wendunm. 4, 82 Österley; wer hierausz der weiber stärcke nicht vermöcht erkennen, der wird zwar kein verständig hertz bey ihm tragen. 4, 232; nichts hilfft sein eigen heiligkeit, all sein thun ist verloren, die erbsund machts zur nichtigkeit, darin er ist geboren, vermag jm selbs nicht helffen. Luther 8, 363. schon im frühesten nhd. beginnt die zusammenstellung mit infin. und zu, die allmählich die einzig übliche wird: weil denn die churfürsten .. unter andern vermerckt, das deudsche land zu solcher armut und unvermögen komen sind, das sie es nicht allein nicht vermöchten etwas redlichs wider die allergrimmigsten feinde des christlichen glaubens, die Türcken, zu handeln und auszurichten, sondern auch .. Luther 2, 176; es hat mich, gnedigen herrn, dis geschicht in e. gn. landen von gott beweiset vermocht, an e. gn. diesen brieff zu schreiben. 2, 381; ist der schüldiger arm, und vermags nicht wiederzugeben, und der ander nicht arm, so soltu hie frey gehen lassen der liebe recht. 2, 205; ich sage euch, gott vermag dem Abraham, aus diesen steinen kinder zu wecken. Matth. 3, 9; er hat den rechten meister teufel, der sich so schön putzen kan und doch darunter uns lutherische buben schalt und was er wider diese lere vermocht zu thun, nicht unterlassen hat. Luther Hans Worst 46 neudruck; auch soltu nicht bey deinem heubt schweren, denn du vermagst nicht ein einigs haar weis und schwartz zu machen. Matth. 5, 36; vermöchtest du nicht eine stunde zu wachen? Marc. 14, 37; und wo er (der gefangene) sich von seinen selbs güttern in solcher gefengknus zu enthalten nit vermöcht, so soll alsdann durch den ankläger zu seiner enthaltnusz dem büttel sein gebürlich wartgelt gegeben werden, und er der ankläger deshalb zimlichen bestandt thun. wo nun der ankläger solchen kosten auch nit vermöcht, soll die oberkeyt denselben kosten tragen. Carolina art. 176; weil ich das bayde zu leisten vermag und gewon bin. S. Frank Erasm. lob d. thorh. 10; das sie mit vollem hals über mich schrien und wen sie nur vermöchten mir entgegen zu bewegen. Kirchhof wendunm. 4, 4 Österley; Cato .. hat gesagt: die amtleut und regenten sollt man mit steinen zu tod werfen, die gewalt vermöchten zu erwehren und erwehrens nit. Hutten 5, 13 Münch; aber die menner, die mit jm waren hinauff gezogen, sprachen, wir vermügen nicht hinauff zu ziehen gegen das volck, denn sie sind uns zu starck. 4 Mos. 13, 32; besorget er, er vermöchte den groszen kosten lenger nicht zu tragen, wie bisher. 1 Maccab. 3, 30; und wann ich den morgenstern jemals gehöret oder dessen melodey auff meiner sackpfeiffe aufzumachen vermögt, so wär ich aus der hütte gewischt, meine karte mit einzuwerffen. Simpl. 1, 29, 17 Kurz; gleichsam, als ob meines magens ein- und auszgang einen wettstreit mit einander gehalten hätten, welcher unter ihnen beyden die schröcklichste stimme von sich zu donnern vermöchte. 1, 105, 2; kein europäisches band vermag die völcker zu binden, wie z. b. die Indier an ihren Ganga, an ihre heiligen örter und pagoden gebunden sind. Herder phil. u. gesch. 1, 14 (1820); er wird dieselbe (welke blätter) nicht an ihre vorigen stellen auf zweige und gipfel setzen wollen: denn kann er ihnen ihre vorige frische, vermag er ihnen den saft wieder zu geben, der sie einst mit dem baum zu einem lebendigen ganzen machte? 2, 207 (1820); oft möcht' ich auf deine kunst zürnen, dasz die zaubrerin, die dem bloszen gefärbten schatten so viel lebenähnliches geben konnte, ihnen nicht auch das, was zu leben noch fehlt, zu geben vermochte. Wieland 23, 313 (Göschens ausg. 1839); und den fusz vom boden zu heben vermochtest du nicht, und alle qualen zu enden. Göthe 16, 152; aber wer vermag den begrif der materie von der undurchdringlichkeit der materie zu sondern? Schiller hist.-krit. ausg. 1, 76; kaum vermochte die mitternacht, die kleine gesellschaft zu trennen. Göthe 22, 37; nur sonntagskinder vermögen etwas von der privatgesinnung der einwohner zu errathen. H. Heine 2, 10; was im für kam in dem gesicht, vermügen die warsager nicht zu sagen durch ir kunst gemein, sondern gott von himel allein kan verborgne ding offenbarn. H. Sachs 3, 1, 145 (11, 35, 10 Keller); (Murner) hat auch offt ihr (der henne) kinder genommen, wo er sie vermochte zu bekommen. Froschm. 4, Jb; und sovil schrifften sunst, die keine macht der zeit, kein wetter, keine brunst zu dämpffen hat vermocht. Opitz 1, 129, 63; bisz dasz Aurora kompt .. und ihren weiszen zug fast hinter sich läszt gehn, dieweil sie umb den berg sieht eine wolcken stehn, dardurch ihr heller glantz mit allen seinen strahlen zu dringen nicht vermag. 1, 31; ich vermochte nicht zu schlaffen, bisz ich wieder zu dir kam und noch einmal abschied nahm. Opitz 2, 185; da sie zu reden vermochte, wandte sie gegen Johannes ihr antlitz und lächelte weinend. Klopstock Mess. 4, 722. manchmal ist auch der infinitivische zusatz in einen satz mit dasz aufgelöst: das ist solche krafft, die keine creatur, weder engel noch mensche nie gehabt, noch in ewigkeit haben wird, beten können sie wol und gott vermügen, durch sein wort und zusage, das er gebe und thue, was wir bedürffen .. aber das stehet bei jnen nicht, das sie solten aus eigner krafft solches geben und thun. Luther 7, 78b; saget einmal dr. Luther, dasz himmel und erden, auch aller könige und kaiser schlösser nicht vermöchten, dasz gott ihme eine wohnunge daraus machete, aber im menschen, der sein wort hält, da wolle er wohnen. tischr. 1, 50; darumb ist das falsch, das sie sagen, das klar evangelium vermüge, man mus die satisfactiones halten (quod expresso evangelio cogamur satisfactiones illas canonicas suscipere). J. Jonas bei Luther 6, 435a. reflexiv, sich vermögen mit einem, gut stehen, gewalt haben über jemand: die priester teutscher nation vermögen sich nicht wol mit jnen (denen vom adel), jedoch damit sie zufrieden mit jhnen seien, heuchlen sie jnen redlich. S. Frank weltb. 46; weil ich mich mit ihm wol vermochte. pers. rosenth. 7, 6. ohne bezeichnung der person = vermögen: die damen wollten nach dem kaffee aufbrechen, wir finden aber in unsern documenten, dasz seine gnaden sich so sehr vermochten, und mit glücklichem erfolge dagegen gesetzet. Siegfr. v. Lindenberg 2, 243. schon im ältesten nhd. findet sich das partic. prät. in starkem gebrauche. vom partic. ausgehend nimmt es durchaus adjectivische bedeutung an. heute hat es besonders eine besondere bedeutung angenommen. partic. vermügende: der an glidern wol vermügend, der grosze und starcke glider hat, membris valens, vermügend seyn, valere Maaler 425b; bitten, das er uns möglichst beyzustehen geruhen wolle und wir seyn es, vermogend zu verdinen, euserst beflissen. Butschky kanzl. 844; männlich faszt er sie an und nöthiget sie nieder auf sein vermögendes knie. Fr. Müller 1, 14; ihr war der blick Fausts so wenig entgangen, als seine vermögende gestalt. Klinger 3, 74; glücklicherweise hatte der genius schon früher dafür gesorgt und ihn angetrieben, in vermögender jugendzeit das nächst vergangene festzuhalten. Göthe 26, 151; stärken ihn alle heiligen, dasz er sein bestes thut; der ist allein was vermögend. 8, 242; solte der reiche vermögende schöpfer mit einer seele geizen, die noch dazu die schlechteste seiner schöpfung ist? Schiller historisch-kritische ausg. 3, 455 (kabale u. liebe 4, 4); am wenigsten aber sind sie vermögend, ihrem originale nachzudenken. Lessing 6, 7; dasz nur eine heroische tugend vermögend sein kann, einen sterblichen zur annehmung einer krone zu bewegen. Wieland 6, 164; ich bin vermögender (locupletior) geworden, durch erwerbung einer activen obligation auf die freiheit und das vermögen eines anderen. Kant 5, 79; diese gesetzliche unmündigkeit in ansehung öffentlicher verhandlungen macht sie in ansehung der häuslichen wohlfahrt nur desto vermögender. 10, 223; er (der sanguinische) verspricht ehrlicher weise, aber hält nicht wort; wie er nicht vorher tief genug nachgedacht hat, ob er es auch zu halten vermögend sein werde. 10, 320; hr. prof. Reccard .. ist hier überaus beliebt ... obzwar freilich nur wenige vermögend sind, sein ganzes verdienst zu schätzen. 10, 474; was hätte auch das deutsche reich von einem fürsten erwarten sollen, der nicht einmal vermögend war, seine eignen erbländer gegen innerlichen feind zu behaupten? Schiller hist.-krit. ausg. 8, 27. mit infin. und zu: doch höret den beding, den nichts zu widerrufen vermögend ist! Wieland Oberon 1, 65. ganz besonders ist in unserer heutigen sprache vermögend für 'durch geld macht, einflusz habend' gebräuchlich. 'vermögend sein, ein gutes vermögen besitzen. vermögend ist weniger als reich und ungefähr so viel als wohlhabend, so viel zeitliches vermögen besitzend, als nicht nur zur notdurft, sondern auch zur bequemlichkeit gehöret, so viel, dasz man etwas damit auszurichten vermag, ausrichten kann.' Adelung vers. 4, 1482: Martin hatte von der herrschaft das grosze gut gepachtet und lebte mit seiner frau und seinem einzigen kinde vergnügt, denn er legte jährlich zurück und hatte die aussicht, durch thätigkeit ein vermögender mann zu werden. Tieck 4, 366. sehr häufig ist das partic. als substantiv gebraucht: viel arme werden gesättiget, und viel vermögende gehen offters zu boden. pers. baumg. 219; (jeder) greife mit allen seinen fertigkeiten so weit umher als er zu reichen fähig ist; immer aber denke er dabei, wie er andre daran will theil nehmen lassen: denn nur insofern werden die vermögenden geschätzt, als andre durch sie genieszen. Göthe 20, 99. das partic. vermögend ist manchmal verstümmelt, denn so ist wol zu erklären: nicht ohne ists, dasz hierabe der adel auffm lande und sonst vermögene leute .. auch herrliche und prechtige gebew von steinen auffgebawet. Dillich hess. chron. 28; ich geriethe plötzlich in einen solchen vermögten stand, als ich in einem halben jahr nicht gewesen. Simpl. 4, 21, 26 Kurz; zu einem andern betagten und vormügenem manne. B. Ringwald tr. Eckart A 6a; ein wol vermügner man K 8a (dieselben formen im ältern niederd., sieh Schiller-Lübben 5, 408).
25809 Zeichen · 406 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    vermögenadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +1 Parallelbeleg

    vermögen adj. du bist ein ritter ellenthaft und ein vermögen jüngelinc troj. f. 190. Oberl. 1758.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    vermȫgenn.

    Mittelniederdeutsches Wb.

    1 unvormȫgen , -vermȫgen , n. : 1. Unfähigkeit , „ in der zeilen hefft he een vnuermoghen dat gud to done ” (Jord. v. Qu…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Vermögen

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Vermögen , verb. irregul. act. S. Adelung Mögen , welches in verschiedenen nahe verwandten Bedeutungen gebraucht wird. 1…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    vermögen

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    vermögen [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Vermögen

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Vermögen , die Fähigkeit zu einer Tätigkeit, z. B. Sehvermögen, geistiges V.; die Summe der einem einzelnen zustehenden …

  6. modern
    Dialekt
    vermögen

    Elsässisches Wb. · +6 Parallelbelege

    vermöge n [frmêkə Fisl. Su. ; fərmêjə Dü. Str. ; fərmânə Z. ; fərmônə Wh. ] Vermögen besitzen, vermögen, können. Er v e …

  7. Spezial
    vermögen

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ver|mö|gen vb.intr. (in der Lage sein, imstande sein) ester bun (da), ester datan, ester al’altëza (da), avëi le bastala…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit vermoegen

64 Bildungen · 54 Erstglied · 8 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von vermoegen

ver- + moegen

vermoegen leitet sich vom Lemma moegen ab mit Präfix ver-.

Zerlegung von vermoegen 2 Komponenten

ver+moegen

vermoegen setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

vermoegen‑ als Erstglied (30 von 54)

Vermögende

GWB

Vermögende [bisher nicht publizierter Wortartikel]

vermögenheit

DWB

vermoegen·heit

vermögenheit , f. macht, fähigkeit, mhd. vermügenheit, mnd. vormogenheit Schiller-Lübben 5, 408 , nhd. bei Maaler guot oder bösz, das ist ge…

Vermögenlos

Campe

vermoegen·los

Vermögenlos , — er, — este , adj . u. adv . kein Vermögen, keine Glücksgüter besitzend, ohne Vermögen. Davon d. — igkeit .

vermögensabfall

DWB

vermoegens·abfall

vermögensabfall , m. : ein dichter hat sonst keine leidenschaft als seine lust im dichten; die allein beherrscht ihn ganz und gar, er lebt u…

vermögensbestand

DWB

vermoegens·bestand

vermögensbestand , m. : ich habe zwar oft gesehen ... dasz vernünftige männer weib und kinder und jedes andere glück des lebens hintansetzte…

vermögensgemäsz

DWB

vermögensgemäsz , adj. im richtigen verhältnisse, masze zu dem vermögen stehend: vermögensgemäszer unterhalt.

vermögensklasse

DWB

vermoegens·klasse

vermögensklasse , f. : Servius Tullius schritt zu einer vermögensschätzung ... diesem gemäsz bildeten die sämmtlichen bürger fünf vermögensc…

vermögenslos

DWB

vermoegens·los

vermögenslos , adj. ohne vermögen. vermögenslosigkeit: er beredete sich dabei, dasz er bei seiner vermögenslosigkeit es doch nie zu einem ei…

vermögensmäszig

DWB

vermögensmäszig , adj. dem vermögen angemessen: vermögensmäsziger unterhalt.

vermögensrecht

DWB

vermoegens·recht

vermögensrecht , n. ansprüche, nach denen ich über mein vermögen verfügen kann, im gegensatze zu andern, z. b. dem vater.

Vermögensschaden

DERW

vermoegens·schaden

Vermögensschaden, M., ›jeder in Geld bewertbare Schaden einer Person an ihrem Vermögen‹, 19. Jh., s. Vermögen, Schaden

Vermögenssorge

DERW

vermoegens·sorge

Vermögenssorge, F., ›Recht und Pflicht der Eltern eines ehelichen Kindes für das Vermögen des Kindes zu sorgen‹, vor 1964, im Bürgerlichen G…

vermoegen als Zweitglied (8 von 8)

Aufnahmevermögen

RDWB1

Aufnahmevermögen n восприимчивость; понятливость; сообразительность; способность быстро и адекватно воспринять что-л. mein Aufnahmevermögen …

Durchhaltevermögen

RDWB1

Durchhaltevermögen n (Lakune) стойкость, терпение, выдержка mangelndes Durchhaltevermögen - отсутствие терпения, нетерпение, нехватка выдерж…

Einfühlsvermögen

RDWB1

Einfühlsvermögen n чувствительность; чуткость; отзывчивость; эмпатия; способность встать на место другого человека; способность посочувствов…

Stehvermögen

RDWB1

Stehvermögen n (kein Bezug zu "стоять") выдержка, выносливость

Unvermögen

RDWB1

Unvermögen n das ~, sich zu entschuldigen - неспособность извиниться

Urteilsvermögen

RDWB1

Urteilsvermögen n (kein Bezug zu "состояние" oder "способность") [auch RDWB1 Urteilskraft ] здравый смысл устойч. , трезвый взгляд на вещи у…

unvermögen

DWB

unver·moegen

unvermögen , n. , mangel des vermögens ( s. vermögen 1) und sein gs.; ohne plural. zu den formen s. vermögen , mögen . nl. onvermogen; schwe…

Weibervermögen

Wander

weib·er·vermoegen

Weibervermögen Weibervermögen geht über alle Schulden. – Graf, 154, 100. Bei Auflösung der Ehe wird eingebrachtes Gut von des Mannes Nachlas…

Ableitungen von vermoegen (2 von 2)

unvermögen

DWB

unvermögen , n. , mangel des vermögens ( s. vermögen 1) und sein gs.; ohne plural. zu den formen s. vermögen , mögen . nl. onvermogen; schwe…

urvermögen

DWB

-vermögen , n. (ur- C 4 c) Windelband gesch. d. n. philosophie 2 4 , 416 ,