unzucht,
f. ,
mangel an zucht (
s. d. III,
th. 16, 260
ff.)
und ihr gs. (un IV A
und B).
ein m. (
unzüchtiger mensch)
s. u. 2
g. e. ahd. unzuht, ungazuht;
mhd. unzuht;
mnd. untucht;
mnl. nl. ontucht;
dän. utugt;
mschwed u. schwed. otukt. undzucht
Alsfelder passionssp. 1079.
umgelautete formen (
vgl.zucht III 10): unzüht
Nürnberger polizeiordnungen 13
Baader; weisth. 6, 118; S. Brant
narrenschiff 110
a, 73
Z.; plur. unzuchten (
bed. 3)
österr. weisth. 6, 95, 20; Stumpf
Schweizerchron. 128
b; Brendicke
Berliner wortschatz 187;
oft umgelautet: onzüchten Hedio
Cuspinian (1541) 5; Sarcerius
ehestand (1553) 117
b;
rotweilische hofgerichtsordnung (1564) 5
b; J. B. Grasz
schöne historie (1570) 53
a; Höniger
sarrazenische gesch. (1580) 57; Prätorius
anthropodemus plut. 1 (1666), 37; einer in unzucht
ò unzüchten begehren Kramer (1702) 2, 1479
c;
nur noch alterthümelnd und spottend: H. Heine
bei Sanders 2, 1782
b; dasz zwei in züchten oder in unzüchten zusammen kommen
d. literaturzeitung 32, 2874. inzichten Haltaus 1974; Fischart
ritter v. Staufenberg 1236
H. unsicher ein sing. unzühte,
f. Haltaus 1974.
vgl. mhd. ungezühte,
n. 11) zucht III 1
entspricht die ahd. glossierung unzuht
ineruditio Graff 5, 616,
auch für ungazuht
ebda. 22) zucht III 5, 6, 7, 9
entsprechend, mangel an zucht, verstosz gegen sitte, lebensart, feine bildung, anstand, selbstbeherschung, zucht. mhd. wb. 3, 940
a; Lexer 2, 1996; Fischer
schwäb. wb. 6, 285; Schmidt
els. wb. 384
f., ungezogenheit, unartigkeit Schöpf 828.
immodestia u. (
unschicklichkeit),
immodestiae est, suam ipsius praedicare modestiam Alberus (1540) d d 4
b; Frisius 652
b;
immoderatio ebda; ich hab ihn (
den schüler) angezeichnet ... wegen u.,
immodestiae Orsäus (1623) 308.
mit dem durchdringen der bed. 4
im wesentlichen veraltet und fast nur noch in historischer darstellung: in der kindererziehung Rud. v. Ems
Barlaam 380, 1
Pf.; auch die elteren, die da kinder haben, sollen lehrnen, dasz sie dieselben auf guotes ziehen und nit auf schalkheit oder u.
V. Schumann
nachtb. 244
B.; die kinder lernen nichts bey ihnen (
dem gesinde) als ... u. in worten und werken Moscherosch
insomnis cura 17
ndr. mein histori on u. ist Arigo
decam. 486, 26
K.; von disches u. S. Brant
narrenschiff 110
a; dasz ist eyn bOeser maszgenosz und würt geheiszen wol eyn frosz, der sich nit solcher unzücht mosz 110
a, 73
Z.; Scheit
Grobianus 3541; 4984
ndr.; Maria nicht eylende gelaufen, sunder zcuchtig gegangen, ... one u. gegangen Luther 29, 446
W.; so gaffen die ölgötzen mer denselbigen dorfgensen zuo, dann dem todten auf der bar, richtend mer u. der ergernus auf dann bewarung der gottesvorcht Eberlin v. Günzburg 2, 18
ndr.; eyn u. ist es und bauernstuck, dasz ich eynen grüszen soll, der mehr were denn ich J. Agricola
sprichw. (1534) y 6
b; hab wol auch zugericht manch schimpfliches gedicht, doch ohn alle unzucht H. Sachs 6, 21, 20
K.; 21, 341, 19
G.; 9, 1, 2
K.; freches benehmen 9, 50, 29
K.; ich muosz kotzen mit u. Menius
Naogeorgs kaufmann (1540) j
a; der breutgam ... schlug die gut braut ins angesicht ... alle umbstender ... der u. des breutgams wenig gefallens hatten Wickram 3, 115
B.; vielerley u., gezank und eifer der weiber Fronsperger
kriegsb. 1, 115
b; Fischart
flöhhatz 1838
ndr.; die unzuchtherrn
die censoren Xylander
Plutarch (1580) 209
b; wenn einer in eine canzley kömpt, soll er keine briefe anrüren, in keinen sehen und in andrer leute truhn, tisch oder kestlein nicht kucken, vil minder meusen, denn solches ist eine grosze schande und u. Mathesius
Syrach (1586) 140
b; unter den (
jungfrauen) die schöneste zu ihm gieng und sprache: ich hab nie kein edelmann so unzüchtig gesehen, dasz er für einem frauwenbilde hinritte oder gienge und nicht mit ir redet. R. antwortet ir allzeit nichts. da fieng sie an und schuldiget in groszer untrew und u., dasz er nicht mit ir redte
b. d. liebe (1587) 263
d; ritter und Teutscher vom adel, welcher ... sich ... thurnierfähig weis, der auch ... keiner u. ... schüldig ist Schottel
friedenssieg 49
ndr.; er fuhr den truchsessen seiner u. wegen (
er hatte das kind geschlagen) mit harten worten an br. Grimm
d. sagen (1891) 2, 90;
didaktik, womit sie u. entfernen und zucht wiederbringen wollen Gervinus
gesch. d. d. dicht. 2, 12; darauf trat die fürstin im hofe zu Ingo und erhob laute klage über die u. seiner mannen (
sie hatten mägde geküszt u. dgl.) G. Freytag 8, 88.
vereinzelt: auch daher ist unsitte und u. gekommen, dasz die menschen nichts herrliches und gewaltiges hatten, womit sie das fliegende und ätherische des gemüthes beschäftigen konnten E.
M. Arndt (1845) 1, 464.
personificiert: frau Zucht und Scham die tantzten mit, Frechheyt und Unzucht sah man nit Scheit
frölich heimfart 2772
Str.; ein unzucht (
unzüchtiger) liesz viel winde von ihm wehen W. Bütner
Claus narr (1602) 459; unzuchte
unartige kinder, aus Mecklenburg Sanders 2, 1782
b; Mi 97
a; Frischbier 2, 425
a.
die stärke des tadels kann erheblich sein: unehre Murner
entehrung Mariä 261; u. beweisen Windecke
denkwürdigkeiten 11;
zuchtlosigkeit klugreden (1548) 106
a;
mit anklang an bed. 4: ohne philosophie (
wird die religion) ausschweifend in aller u. Fr. Schlegel
Athenäum 3, 31; die u. der bühne Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 32. 33)
rechtssprachlich ein leichteres rechtliches vergehen, als niederer frevel gebüszt, meist unterschieden von malefiz und frevel; Lexer 2, 1996;
mnd. wb. 5, 84
a;
mnl. wb. 5, 1324; Haltaus 1973
ff.; Fischer
schwäb. wb. 6, 285
f.; Schmeller-Fr. 2, 1108.
vgl.zucht III 3.
totschlag wird ausgenommen Haltaus 1974; gemeine unzuchten und händl
werden in den österr. weisth. 6, 95, 20
von dem unterschieden, was leib und leben anbetrifft.
es handelt sich meist um polizeilich zu ahndende vergehen, prügelei, verwundung, friedensbruch, aufruhr, widersetzlichkeit, lästerung, beleidigung, störung des gerichts, ausbleiben im termin u. ä., seltener um schwerere vergehen. a)
vergehen gegen weltliches recht: wer es och, daz keiner dem andern u. dette, der daz antwerk hat, ez si mit bengeln oder werfen oder mit füszen slahen
Straszburger weber (1400-1436) 26
Schmoller; weisth. 6, 116;
österr. weisth. 11, 355; Lori
bergrecht 45 (1454): Hans H. hat u. mit uberigen worten vor gerichte geubet (1483)
urkb. d. klosters Pforta 2, 278; die allweg ... für u., misshandel und schaden sicher geleit und trostung haben söllen Riederer
rhetoric (1493) w 6
b; wer des hoffgerichts geschworne botten ... miszhandelt mit schlahen, fahen oder mit anderen unzüchten beleidigte (1564)
rotweilische hofgerichtsordnung 5
b; vil tausent ... klöster ... seind ... verwüst ... worden, geschweig all unzucht, ungerechtigkeit, ... so daneben eingefallen Nas
eins u. hundert 1, 18
a; seltzame abentheurer, die neben dem sie allerhand unzuchten begangen, ... hingericht worden Stumpf
Schweizerchron. 128
b;
ins unzuchtbuch
wird der im termin ausbleibende beklagte geschrieben (1618) Fischer
schwäb. wb. 6, 286; alles war darin bestimmt ... wie hader, schimpf und u. in der hütte zu meiden Immermann 5, 144
B.; man kennt einen baum an seiner frucht, einen schelm an seiner that und u. Düringsfeld
sprichw. (1875) 1, 209
a; wir haben (
sagt Jakob Weidelich im Martin Salander 18) ... berathschlagt und gegrübelt, woher die buben die u. (
verbrecherische anlage) geerbt haben G. Keller 8, 315.
sonst veraltet. vgl. he was mi untugt (
unbillige dinge) anmoden Dähnert 508
a. b)
vergehen gegen geistliches recht, gottes gebote, kirchliche vorschriften: R. v. Ems
weltchron. 12920
E.; Daniel 8254
H.; väterb. 4723
R.; doch Melitio umb seiner unzucht willen (
er war Arrianer) ist solchs nit zugelassen Hedio
chron. germ. 119
a; also dasz sie zuletzt dahin seind komen, dasz sie mit lestern, u. und allerley sünd got haben wölln ehren S. Franck
sprichw. (1541) 2, 148
a; und wer sonsten ... seine (
des dekans) geistliche u. nach der weite erzehlen wolte, dem würde es gewisz fast an der zeit ermangeln wollen
acta publ. 2, 186
P. veraltet. c)
insbes. lärm, unfug, spectakel, unwesen, beunruhigung, aufruhr u. dgl.: den scharwechtern zu sagen, die u. und gekrische zu stauwen und after 10 uren nymant uff der gassen zu lassen (1437) Bücher
Frankf. berufswb. 103
b; ich sich, das J. mit groszer u. und mit groszem gerümpel gefürt wirdet zu dem bischof Caypha Keisersberg
schiff d. penitenz 86
b; verrer als unsers gnedigen herrn vormünder bericht seyen, dasz die fuerknecht, schaffer und scheider der laiter ain ainigkeit ... under in selbs gemacht haben, dasz ain yeder knecht, der erst ansteet, von den andern wirdet vertrunken ... und zu erst den spott aus im treiben und mit u. ausschreyen, auch ain gelt in ir zech oder zunft von ime dringen ... (1509) Lori
bergr. 140; dardurch dan oft der gottsdienst geirret ist worden
durch ... geschray mit ... u. Knebel
chron. v. Kaisheim 297
lit. ver.; der Frankfurter druck des renners ersetzt 6308 unfur
durch u. Warlies 72
a; darvon (
von Wiklifs schriften) doch der römischen kirchen und pfaffheit vil u. entstund Stumpf
concil zu Costenz 1
b; das bezeuge ich mit den göttern und der ganzen gemein der statt, die allzeit mich gesehen, und doch keinerley u. oder aufruhr sich nie begeben hat
b. d. liebe (1587) 123
c; unzuchten machen lärm
machen Brendike
Berliner wortschatz 187; hier wird u. (
wildheit, roheit, aber ohne besonderen tadel) getrieben (1813) Kluge
studentenspr. 132
a;
ungeziemender lärm Crecelius 936; Weigand
syn. 3, 909;
mutwille, büberei bei Adelung
als schwäbisch; unordnung, unanständigkeit Fischer
schwäb. wb. 6, 286.
schriftsprachlich veraltet. 44)
die einengung des begriffs auf das geschlechtliche ist erst nhd. durchgedrungen. freilich ist bei bed. 2
das geschlechtliche bisweilen implicite in u.
mit enthalten, z. b. im vergleich der reinen frau mit der turteltaube bei Konrad v. Megenberg
b. d. natur 226, 8, 20
Pf., und im mnd. adv. untuchtliken
Magdeburger schöppenchron. 18, 24; 100, 11
ist die geschlechtliche bed. schon ausgeprägt; aber Verdam (
mnl. wb. 5, 1324)
hat doch i. a. recht, die neuere bed. den germ. sprachen des mittelalters abzusprechen. den glossaren des mittelalters fehlt sie. auch im schwäbischen ist sie bis heute nicht populär, bei unzüchtig
nicht einmal in der halbmundart (Fischer
schwäb. wb. 6, 286). Adelung
sah in u.
einen glimpflichern ausdruck für hurerei (Herder
ersetzte hurenbegriff 8, 71
S. durch unzuchtbegriff), Weigand
syn. 3, 903
unterscheidet zu eng u.
und hurerei,
indem er diese im gs. zu u.
als auszereheliche unsittliche befriedigung des geschlechtstriebes bezeichnet. vgl. unkeuschheit 3.
bed. 2
und 4
werden noch mehrfach nebeneinander gestellt; z. b. u.
impudentia, immodestia und u.
meretricium Schönsleder (1647) q q q 5
b; 6
a;
ähnlich bei Frisch (1730) 640.
unzuchtsdelicte, sittlichkeitsverbrechen, arten der u.
s. strafgb. 171
ff.; Meyers convers.-lex. 16
5, 4
b f. a)
eigentlich: diejenigen, welche gott verachten und allein umb u. willen weiber nemen, wie das tumme vieh
Tob. 6, 18; u., ehebrechen Luther 34, 1, 312
W.; die helfanten konnen der menschen u. gar nicht vertragen Heyden
Plinius (1565) 93; wo sich ein tochter in offene schande odder u. begibt, dasz sie alsdann enterbet werden möge
statutenb. 135
a; Musculus
hosenteufel 18
ndr.; sie schreiben wunder von der geilheit und u. dises alten hellischen bocks Nigrinus
papist. inquisition 639; Hennenberger
landtafel 160; der u. sünd ist unergründ Petri p 3
a; besser mit einem bösen weibe in der ehe gelebt denn mit einer frommen hurn in u. k 6
a; die augen verführen leicht zur u. q 1
a. Sandrub
kurzweil 23
ndr.; 37
ndr.; Chemnitz
schwed. krieg 1, 79; spiel, unzucht und der wein läszt reich, stark, alt nicht seyn Logau 297
E.; es kan ... einer ... mit seinem weib auch zu viel u. treiben Lehmann
florileg. (1662) 1, 159; wenn ... ein hur scham hat, so ists ihr schad, u. ist ihr nutz 2, 784; die unzucht ward noch nicht galanterie genannt B. Neukirch
ged. (1744) 108; das laster der u. Scheibe
crit. musicus 808; R. führt seinen Ämil ... in ein siechenhaus, um durch die sichtbaren folgen der u. vor u. zu warnen Lavater
physiogn. fragm. 1, 96; unreinigkeit und u. Herder 8, 631
S.; 12, 334
S.; die neue zucht ist u. Brentano 7, 73; 6, 152; u. mit vieh J. H. Vosz
antisymb. 1, 179; im lande H. und K., wo zwar ... das gesinde noch das tischgebet sprechen musz, herrschen gerade unter diesem u. und rohheit, wie nirgends Allmers
marschenb. 1, 2, 165.
von verbindungen seien noch erwähnt: interpellare de adulterio ... ich beger mit u. Alberus (1540) 71
a; zu u. nötigen
Amadis 1, 140
K.; zu unzüchten gebrauchen Höniger
sarracen. gesch. 57; in u. geraten Rhot
Jesus Sirach 1, 41
b; sich in u. geben J. Ayrer
dramen 1, 108, 8
K.; zu u. begeren Spreng
Ilias 75
a; der u. nachgehen
nomenclator hamburg. (1634) 249; in u. bringen Hertzog
schiltwache a 5; einer jungfer u. anmuten Kramer (1702) 2, 87
c; eine zur u. reizen, bereden 2, 1479
b; in die u. einwilligen mit einem 1479
c; in u. leben
ebda; seine u. auslassen, büszen
ebda; sich der u. ergeben
ebda; über der u. ertappet werden
ebda; ohne ainige u. bey einem wohnen
ebda; die u. vollbringen
ebda; u. mit sich selbsten 1480
a.
attribute: darumb sollen billichen die weiber zu keiner unbillichen u. nit gebraucht werden Paracelsus (1616) 2, 674 b
H.; florencinische, fleischliche, gräuliche, viehische, grosze, strafbare, verbottene, ungewöhnliche, seltsame, sodomitische, stumme, unbenannte, bestialische, abscheuliche, schnöde, allerverderblichste, wildeste, feile, begehrliche, welsche, französische, celtische, ekelhafte
u. s. w. Paumgartner
briefw. 238; Grasz
schöne historie 53
a; Reuter v. Speir
kriegsordnung 13; Sattler
phraseologey (1631) 478; Kramer (1702) 2, 1479
c; Henrici 1, 372; Lavater
verm. schr. 2, 296; Sulzer
theorie d. sch. künste 3, 84; Herder 18, 124
S.; Creuzer
symbolik 2, 348; Immermann 16, 383
B.; Görres
br. 2, 133; Dahlmann
franz. revol. 7; Ranke
s. w. 8, 133. b)
bildlich und personificiert: die grosze Babilon, die mutter aller u. Matthesius 3, 188
bibl. d. schr. a. B.; der u. flamm und feuer D. v.
d. Werder
buszpsalmen (1632) b 1
b; dasz du dich in der unfläterey der u. ... umbgewältzet Grimmelshausen 4, 690
Keller; er hat der bösen brunst und unzucht schon geschworen Harsdörfer
gesprächspiele 2, 27; am joch der u. ziehen
Königsb. dichterkreis 142
ndr.; die unzucht ist ein feur, aus Phlegethon gestohlen, der seelen ärgste pest Rachel
sat. ged. 95
ndr.; man find ... u. ... auf allen märkten, auf allen gassen feyl Lehmann
florileg. (1662) 1, 285; arzeney für hurerey und u. 1, 432; der u. nester 1, 458; Pelagia war ... ein original der u. und die Venus selbst Abr. a
s. Clara
Judas 3, 28; schaum der u. Bodmer
crit. poet. schr. 2, 119; würze von u. A. v. Haller
tageb. (1787) 1, 186; kinder der u. Fr. L. Jahn 1, 364
E.; in schmutz und u. versinken Ritter
erdk. 1, 289; in jeder runzel deines leibes nistet u. G. Büchner
nachgel. schr. 60; dieses (
des Casanova) Napoleons der u. Grabbe 1, 429
Bl. ich sach, das ringweisz umb mich saszen ... ein unzal der greulichen laster, Lüg, Untreu, Unzucht und Unkeusch H. Sachs 3, 393, 27
K. c)
übertragen: es heiszet die keusche deutsche dichtkunst wohl recht mit gewalt zur u. genötiget Zesen
verm. helikon (1656) 1, 198; seitdem Thalia und Melpomene ... mit dem nonsens u. treiben, hat sich ihr geschlecht vermehrt wie die frösche Göthe 37, 229
W.; 5, 195
W.; Schiller 3, 159
G.; diese szientifische u. (
das hypothesieren) stumpft den sinn für wahrheit gänzlich ab Novalis 2, 13
M.; weichliche musikalische u. Brentano 5, 336; intellektuelle u. Lenau
an M. Löwenthal 5
Castle; es giebt eine u. der geister wie der leiber E.
M. Arndt (1845
ff.) 2, 143; glaub nicht, ich sei ein weicher mondscheinheld ..., der mit den sternen unzucht treibt H. Heine 2, 325
E.; Laube 14, 22; diese u. von auffassung Nietzsche 8, 269; er (
der gemeine mann) zeigt es selten, wenn er seine kinder liebt, er macht nicht worte von dem, was in seinem herzen und gewissen vorgeht; aber die gebildeten, die künstler, die literaten thun dies bis zur u. mit sich selbst B. Goltz
zur physiognomie des volkes (1859) 23. d)
unzüchtiges: kein u. (
notdurft) ... solle andern enden, dann an denn ortt, da es sich gebürt und die darzu verordnet, verricht ... werden
hofordnungen 2, 154
Kern; Ulrich v. Liechtenstein 347, 27; damit (
mit d. feigenblatt) die babylonische hur ihre u. (
muliebria) und scham gedenket zu bedecken Dannhauer
catechismusmilch 1, 121; i! da fällt ... gold heraus und u. (
aus dem anzug derer, die von Charon übergefahren sein wollen) Wieland
Lucian 2, 226. e)
unrath: es soll die u. von den metzgern ab dem fleisch ... abgeschnitten ... werden
quelle (1694)
bei Fischer
schwäb. wb. 6, 286. g) u.
in zusammensetzungen. selten als 2.
compositionsglied, z. b. blutu.
incesto Kramer (1702) 2, 1480
a; bordellu.
u. dgl. häufiger als 1.
compositionsglied, α)
in der form eigentlicher composita: