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troedel

nhd. bis sprichw. · 9 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

trödel m.

Bd. 22, Sp. 772
trödel, m. , seit d. 15. jh. belegt, wie die zugehörigen trödeln und trödler in verschiedenartigen bedeutungskreisen, die sich z. t. bei den sinnverwandten trendel, trendeln (vgl. unten die bedeutung 1, 2 und 4) sowie grempel, grempeln, krämpel, krämpeln (vgl. unten 2 und 3) wiederfinden, ohne dasz, hier wie dort, der zusammenhang der einzelbedeutungen völlig geklärt wäre. auch das verhältnis von trödel, m., zu trödeln, vb., scheint verschiedenartig: trödel 'drehung' (s. u. 1), 'zögerung' (4) und z. t. wohl auch 'streit', 'zank' (3) sind als postverbalia von trödeln 'drehen' (1), 'zaudern' (2) her verständlich, nicht aber trödel 'kleinkram, handel' (2), von dem umgekehrt trödeln 'mit trödel handeln' als denominative ableitung erklärlich (s. u.trödeln 3, sp. 778). beachtenswert sind die gerade auf diesen bedeutungsbezirk beschränkten -eu-, -ei-varianten des stammvocals im älteren ostmd., s. u. offenbar musz mit mehrfachen bildungen, vielleicht sogar mit verschiedenen wortstämmen gerechnet werden, die sich überkreuzt haben. der stammvokal ist im 15. und 16. jh. vereinzelt -o-: trodel Tucher (s. u. 1); 1540 Leipzig. stadtrechn. (s. u. 2 b), troddelkremer Luther 34, 2, 331 W., sonst durchgehend -ö-. ostmd. entrundung zeigt tredel Stör (1602), s. u. 2; so heute mundartlich: tredel Pasch Altenburg 101. in der bedeutungsgruppe 2 begegnet neben -ö- in der thüring.-obersächs. schriftsprache vom 16. bis gegen ende des 17. jh. -eu- und -ei-, s. u. Luther, Speratus, Werner, Galenus, treutel Zendorius, treutelkramer Tetzelocramia (1617) e 4a. reste in den mundarten des gebiets: treidel 'trödel' Schulze nordthür. 32; vgl. auch s. v. trödeln, trödler sowie treudelfrau, -mann, -markt, treudlerey. 11) postverbal zu trödeln als 'drehung, sich drehendes, gedrehtes' nur vereinzelt. als 'wasserstrudel': das die schiffe [] erschnappet, in einem trödel herumbgerissen, augenblicklichen zugrundt gefüret und zerschlunden worden J. B. Fickler Olay Magny historia (1567) 50. im 15. jh. von der überdrehung eines seils: dasz si dass moss mit keinem newen seil nemen, es wer denn, ... das das vor gar woll gestreckt und der trodel daraus kommen wäre E. Tucher baumeisterbuch 285 lit. ver. s. dazu: trödel zusammengedrehter faden Stalder 1, 306; drodel dass. Schmid schwäb. 136. 22) am meisten gebraucht in dem bedeutungskreis 'kleinhandel, kleinkram', indem trödel wettbe werber wie grempel, trendel, tändel aus der schriftsprache verdrängt hat. 2@aa) häufiger uneigentlich mit einem allgemeineren bedeutungsgehalt in verächtlichem ton in der antikatholischen polemik: quia dominus praevidit quod ex isto sacramento satan würde ein trödel machen pro quibusdam personis Luther 34, 1, 212 W.; sie (die pfaffen) machen beim beten darumb so viel plapperns und plauderns, das si hoffeten ... das si durch disen treudel (hoc ostento) vom volck den zins verdienen und damit jhre wenste mesten P. Speratus übers. v. Luthers de instituendis ministris ecclesiae (1524) f 4b; kein treidel mach aus gottes wort Werner chronik von Magdeburg (1584) 191; doch mus der prediger viel bas ausrichten dan die glocken, sonst würde ein teuffels treudel draus Luther 26, 234 W. aus jüngerer zeit vgl.: nun sind ... die messen krämerei und trödel Fr. L. Jahn werke 1, 386. gelegentlich prägnanter als 'feilsch-, hausierhandel': die empörungen der juden zeigen, dasz sie keine ... trödel treibende bevölkerung bildeten J. v. Döllinger akad. vorträge (1888) 1, 225; der ambulante trödel, welcher nichts anderes ist als hausierhandel Avé-Lallement gaunertum (1858) 2, 323. 2@bb) lokal: der trödelmarkt, vgl. forum promercale, scrutarium trödel A. Siber gemma (1588) 181: vor eynen alten maulkorp, auffm trodel kaufft, 3 gr. geben Leipziger stadtrechnung von 1540, aus d. manuscr. f. 144; die megde gehen zum trödel, es bleibt keine in keinem dienst, was si ein gantz jar an irem sauren liedlon erübrigen, das gehet umb st. Blasiustag alles dahin Joh. Matthesius Sarepta (1571) 25a; denn kommen sie auff universitäten, da legen sie das geschencke auffn trödel und vermarcken es wieder J. Prätorius der abentheuerliche glückstopf (1669) 131; hernachmahls verkauffte ichs (das gestohlene buch) auf dem treutel Zendor. a Zend. teutsche winternächte (1682) 398; hier will ich dich abmahlen und unter der alten weiber raritäten auf den treidel setzen G. Galenus d. verl. frauenzimmers schulkrankh. (1683) 167; so (zum verkauf) auf den trödel schicken Stoppe ged. 2 (1729) 179, geben Hippel s. w. (1828) 5, 172; meine liederhandschrift, die ich in Bonn auf dem trödel gekauft hatte H. Hoffmann v. Fallersleben ges. schriften (1888) 7, 128. specialisierter: treutel, drödel vestiarium (1723) Diefenbach 616a; wolan, wir wolln die narrenkapn den übergülten teuren lappn, des bapsts, der pfaffen beste beut, den höchsten diebstahl armer leut, weil er alhie am tredel hangt, und in des geistes kind auffschwangt, beschauen wol G. Stör geistl. schimpf und ernst (1602) 47. 2@cc) trödelware, neues und altes wertloses zeug: mit ohrengehängen, halsketten und silbernen sporen und anderem solchem trödel Eichendorff sämtliche werke (1864) 4, 140; wie ein jude (schätzt) seinen lumpichten trödel J. Gotthelf sämtliche schriften (1855) 3, 70; ich streife von mir diesen alten trödel (das gewand), und wer erkennt mich noch als Aschenbrödel? Platen werke (1839) 179; falschglänzender trödel in jedem fach, billige tassen und leuchter H. Carossa führung und geleit (1933) 181. 2@dd) übertragen auf geringgeschätztes: ist es nicht staub, was diese hohe wand aus hundert fächern mir verenget? der trödel, der mit tausendfachem tand in dieser mottenwelt mich dränget? Göthe 14, 38 W., [] ich liebe die kirchen auf den bergen, sie gehören nicht in diesen häusertrödel B. Auerbach dorfgeschichten (1871) 3, 5; sie soll das frische naturkind bleiben mitten im trödel der stadt ebda 3, 58. so in weiter, auch abstracter anwendung, häufig mit geringwertenden attributen wie alt, veraltet u. ähnl.: er verfolgte gern die ettikette, diesen anständigen trödel, ... wo er konnte und durfte Lose schattenrisse (1783) 2, 46; heute ist wohlerzogenheit, diskretion, schonung von schwächeren — alles alter trödel P. Heyse wahrheit in: deutsche dichtung 11, 21b. zur kennzeichnung wertloser geistiger producte: ein ... kritiker, der hier mit seinem trödel von unreifen einfällen und aftergedanken und machtsprüchen aufgezogen kömmt Gerstenberg Hamb. neue ztg. 226 lit.-denkm.; den menschen als menschen zu erziehen und auszubilden, ... dazu sind die künste der musen oder sie sind trödel Herder werke 22, 315 S.; der müffigste mystische trödel Immermann werke 2, 168 Boxb.; so ganz von allem literarischen trödel entfernt A. Ruge briefwechsel 2, 103 Nerrlich; mit dem alten langweiligen trödel von romanen und schauspielen G. Steinhausen tgb. e. unbedeutenden 90. 33) 'streit, lärm': mit den fischweibern mag sie trödel anfangen W. Alexis ruhe (1852) 4, 205; jetzt ist wieder ein trödel im gange, angeregt von puritanern über das neue gesangbuch Fr. v. Raumer lebenserinn. (1861) 2, 308. s. dazu: trödel schelte Brendicke Berliner wortschatz 185; trödel streit, zank, händel Albrecht Leipziger ma. 225a. auch 'spasz, vergnügen': ... 'nein, kerl, es macht mir keinen trödel'. 'ich sage dir, der beste jux, geht erst an' Immermann werke 16, 381 Boxberger; es macht viel trödel bei Kluge studentenspr. 131; einen trödel anstellen für 1839 ebda. er hat seinen trödel mit ihm 'zieht ihn auf' Bauer-Collitz Waldeck 177. vgl.trödelhaft 3. 44) nur vereinzelt postverbal zu dem so häufig gebrauchten trödeln 2: trödel verzögerung Müller-Fraureuth obersächs. 1, 252; mach ken tredel mach keine umstände Pasch Altenburg 101.
7764 Zeichen · 164 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Trödel

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Der Trödel , des -s, plur. ut nom. sing. der öffentliche Platz, wo die Trödelleute alte Kleider und Geräthschaften feil …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Trödel

    Goethe-Wörterbuch

    Trödel [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  3. modern
    Dialekt
    Trödelm.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Wossidia Trödel m. wie im Hd.; vereinzelte Lautform Treudel Gü Güstrow@Kobrow Kobr ; Trödelware, wertloses Zeug: all's m…

  4. Sprichwörter
    Trödel

    Wander (Sprichwörter)

    Trödel 1. Wa Tréïdel (Lärm, Zank) will, wird bald eine Ursach finden. ( Nordböhmen. ) 2. Den Trödel hab' ich satt. – Kli…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit troedel

71 Bildungen · 63 Erstglied · 7 Zweitglied · 1 Ableitungen

troedel‑ als Erstglied (30 von 63)

trödelarbeit

DWB

troedel·arbeit

trödelarbeit , f. , schlechte arbeit: gute köchinnen können sich mit demjenigen, was man mit recht trödelarbeit nennt, nicht behelfen J. Swi…

trödelausgabe

DWB

troedel·ausgabe

trödelausgabe , f. , alte wertlose ausgabe eines buches, die man auf dem trödel feilhält: ein altes, elendes lexicon ohne anfang und ende, f…

trödelbuch

DWB

troedel·buch

trödelbuch , n. , buch, in das sämtliche als alt gekaufte gegenstände eingetragen werden: zur führung eines trödelbuches sind neuerdings ein…

trödelbude

DWB

troedel·bude

trödelbude , f. , officina vestium promercalium, scrutarii taberna Hederich (1777) 2, 3009 : ein schwarm von streitschrifften, ... die noch …

trödelding

DWB

troedel·ding

trödelding , n. : und einen augenblick ihn ( Luther ) als den unbestimmten schwätzer, das trödelding für alle zeiten gedacht — und der ganze…

trödelei

DWB

trödelei , f. 1) verkauf alter sachen, althandel, veraltet: und weil durch alte erkaufte kleider und lumpen ein ort letztlich angesteckt wer…

Trödeler

Adelung

Der Trödeler , zusammen gezogen Trödler, derjenige, welcher trödelt. 1. Von trödeln zaudern, ist der Trödler, Fämin. die Trödlerinn, in manc…

trödelfrau

DWB

troedel·frau

trödelfrau , treudelfrau , f. , ' eine mäcklerin, so allerhand alte kleider, geschmeide und andere dinge entweder marckttags über an einer g…

trödelgarn

DWB

troedel·garn

trödelgarn , n. : wade, trödelgarn ist ein zugnetz ... mit ... einem engmaschigen sack Lueger (1894) 4, 278 ; A. Seligo die fanggeräte (1914…

trödelgasse

DWB

troedel·gasse

trödelgasse , f. , strasze mit althandlungen: dasz es ( das stück tuch ) aus der trödelgasse gekommen Bode Yoriks empfindsame reise (1768) 2…

trödelgeist

DWB

troedel·geist

trödelgeist , m. : fürchtet ihr, der schachergeist ( der juden ) würde sich auf die richterstühle setzen? der trödelgeist hinter die polizei…

trödelgeschäft

DWB

troedel·geschaeft

trödelgeschäft , n. : das hockenwerk und das trödelgeschäft ... sind vielfach in den händen von frauen K. Bücher frauenfrage im mittelalter …

trödelgreis

DWB

troedel·greis

trödelgreis , m. , alter trödler: der trödelgreis beeilte sich eifrig, das fenster so weit zu öffnen, als es wegen der hinter demselben befi…

trödelhaft

DWB

troedel·haft

trödelhaft , adj. 1) trödelhaft mangonicus Kirsch cornucopiae 2 (1732) 295 ; es war ( in dem zimmer ) ein trödelhaftes gewirr künstlicher ge…

trödelhandel

DWB

troedel·handel

trödelhandel , m. , vgl. allg. dt. bibl. 109, 381: handel mit alten kleidern, mit gebrauchten metallgerät (der sogenannte trödelhandel) hwb.…

trödelhans

DWB

troedel·hans

trödelhans , m. ebenso wie trödelfritz, trödelliese etc. schelte eines zaudernden. sprechender name bei Er. Alberus : es hiess ein bauer Dre…

trödelhaus

DWB

troedel·haus

trödelhaus , n. : denn blosz mit theriak und dürren wurtzeln prangen und etwa stickend schmaltz vor balsam geben aus; disz kan noch nicht de…

trödelhexe

DWB

troedel·hexe

trödelhexe , f. , schimpfwort für eine alte trödlerin: trödelhexe Göthe 14, 206 W. ( Faust ); du sohn einer trödelhexe, mein besuch ist für …

trödelhure

DWB

troedel·hure

trödelhure , f. : wenn aber manch loses weib des sonntags mit andern losen purschen, coppel- und trödelhuren oder spaszgalanen ist spazieren…

trödelicht

DWB

troedel·icht

trödelicht , trödlich, trödelig , adj. 1) trödelicht frivolarius, mangonicus Steinbach (1734) 2, 861 ; trödelig Hederich 3009 ; das modegewa…

Trödeljohr

MeckWB

Wossidia Trödeljohr n. Jahr, in dem die Erntearbeiten sehr langsam vor sich gehen, durch Regen usw. Wa.

trödeljude

DWB

troedel·jude

trödeljude , m. , jüdischer althändler: ist man seines kaufs mit einem trödeljuden völlig einig, so wird er doch noch versuchen, uns zu hint…

trödelkammer

DWB

troedel·kammer

trödelkammer , f. , rumpelkammer: in deiner trödelkammer hangt ein schlittschuhpaar C. F. Meyer gedichte (1900) 80 . im bilde: die alten ver…

trödelkeller

DWB

troedel·keller

trödelkeller , auch trödlerkeller, m.: ( der schutzmann ) sah, dasz sie im Hirschfeldschen trödelkeller ... verschwanden ... im trödlerkelle…

trödelkleid

DWB

troedel·kleid

trödelkleid , n. , wertlose geputzte kleidung: ein alberner geck, der den bauer unter dem trödelkleid eines städters verbergen will Pfeffel …

trödelkontrakt

DWB

troedel·kontrakt

trödelkontrakt , m. , vollmacht für einen limitierten verkauf im 18. jh., s. allg. haush.-lex. (1749) 3, 547: formularien über trödelcontrac…

trödelkopf

DWB

troedel·kopf

trödelkopf , m. , langsam denkender mensch: manche trödelköpfe können es durchaus nicht begreifen Herder 8, 26 S. —

trödelkorb

DWB

troedel·korb

trödelkorb , m. , hausierertragkorb: das geringste seyl oder bändigen, so der grillenfänger in seinem ... trödelkorbe ... hatte Joh. Prätori…

trödelkrämer

DWB

troedel·kraemer

trödelkrämer , m. : scrutarius wenderarz, tredelkramer J. Murmellius nom. trilinguis (1666) 166 ; trädeler, trädel- oder sonnenkrämer Reyher…

troedel als Zweitglied (7 von 7)

getrödel

DWB

get·roedel

getrödel , n. , vereinigt zwei bildungen und functionen in sich ; einmal ist es collectivbildung zu trödel ( s. d. ), andererseits verbalsub…

teufelströdel

DWB

teufels·troedel

teufelströdel , m. : doch mus der prediger viel bas ausrichten denn die glocken, sonst würde ein teufelstreudel daraus. Luther 4, 348 b .

Ableitungen von troedel (1 von 1)

getrödel

DWB

getrödel , n. , vereinigt zwei bildungen und functionen in sich ; einmal ist es collectivbildung zu trödel ( s. d. ), andererseits verbalsub…