triefen,
vb. , '
stillare, guttare'.
herkunft und form. 11)
mit ausnahme des gotischen allen germ. sprachen angehörig: aisl. driúpa,
alt- und neuschw. drypa,
älterdän. drybe,
ags. dréopan,
afr. driapa,
as. driopan,
mnd. drēpen,
ahd. triufan, triofan,
mhd. triefen.
hierzu weiter mit tiefstufe, falls die wurzel als langdiphthongisch anzusetzen, oder mit analogisch eingeführtem ū (Franck
mnl. gr.2 124),
bzw. lautsymbolischer dehnung im abgeleiteten verbum (
vgl. über diese Wissmann
nom. postverb. 1, 126
ff.)
mnl. mnd. drūpen,
st. v. '
triefen, tropfen, herabhängen, baumeln' (
letztere bedeutung im nd. belegt bei Lauremberg
scherzged. 124; 125
lit. ver., vgl. afr. driapa '
triefen, herabhängen')
und an. drúpa < drūpēn '
hängen lassen, herabhängen'.
auszerhalb des germanischen ist in form und bedeutung sicher nur air. drucht < druptu-, drubtu- '
tau, tautropfen', dructae '
imbres'
zugehörig, vgl. Fick 2,
4157, Thurneysen
hdb. d. altirischen § 228.
idg. dhreub-
ist vielleicht erweiterung von dhreu- '
zerbrechen, zerbröckeln',
vgl. mit anderer labialerweiterung gr. θρύπτω '
zerreiben',
τρύφος '
bruchstück',
lett. drupt '
zerbröckeln, zerfallen'
sowie Walde-Pokorny 1, 872
f. 22)
in den deutschen dialekten ist triefen
im allgemeinen durch die synonymen tropfen, tröpfeln, traufen, träufeln, trupfen
verdrängt, vgl. den ähnlichen vorgang im englischen: drip <
ags. dryppan, drop < dropian
und dän. dryppe
aus mnd. druppen.
nur im obd. vereinzelt, aber auszer im schwäb., vgl. Fischer 2, 378,
unsicher, ob es nicht auch hier mehr ein literarisches wort ist und nur noch der höheren schreibart eignet, vgl. Schmeller-Fr.
bair. 1, 652; Schöpf
tirol. 756. 33)
ursprünglich gehörte triefen
in die 2.
klasse der st. vb. das starke part. prät. getroffen
dauert bis ins 17.
jh.: getroffen Mathesius
Sarepta (1578) 34
b; Opel-Cohn
der dreiszigjähr. krieg 112;
in wörterbüchern bis ins 18.
jh.: getroffen Stieler (1691) 2323; getroffen, getrifft Steinbach (1725) 394; '
neben der schwachen üblicheren form' Adelung 4, 678
f. wegen des zusammenfalls mit dem part. prät. von treffen
setzt seit dem 17.
jh. eine schwache form getriefft
ein: getrifft Hohberg
Proserpina (1661)
vorr.; trüffet Spreng
Äneis (1610) 26
a. 44)
die starken formen des präteritums sind in der gewählten sprache auch heute noch üblich: troff Hebbel
br. 1, 7
Werner; troff St. George
stern des bundes 8; P. Alverdes
pfeiferstube (1929) 30.
daneben tritt seit der zweiten hälfte des 17.
jh. ein schw. prät. triefte
auf, das sich immer mehr durchsetzt und heute wohl —
wenigstens in der umgangssprache —
die herrschende form ist: schwerter triefften Grimmelshausen 1, 335
Keller, neben troffen
in anderen ausgaben; lippen trieften J. v. Besser
schr. (1732) 2, 361; das herz triefte D. W. Triller
poet. betr. (1750) 1, 590; die frau triefte A. v. Arnim
s. w. 2, 361
Gr.; H. v. Kleist 4, 118
E. Schm.; das fett triefte Fr. Wedekind
ges. w. (1919) 1, 52; Ina Seidel
labyrinth (1924) 9;
bei manchen sind beide formen in gebrauch: trieffete, troffe Kramer 2 (1702) 1140
c; troff
oder trieffte Spanutius (1720) 99; das haar triefte Tieck
schr. (1828) 8, 114,
neben der pelz troff
ebda 2, 348; der sporn triefte Platen 1, 13
Redlich, neben troff 2, 332; triefte Storm 2, 17,
neben troff 3, 39. 55)
im frühnhd. im präs. und imperativ teilweise lautgesetzliche -eu-
formen: treuft, treufe.
wegen des dadurch bedingten zusammenfalls mit formen von träufen
vgl. dort B
und B 2,
sp. 1420, 1421.
bedeutung und gebrauch. der wesentliche sinngehalt von triefen
besteht gegenüber andern verbalen ableitungen von dem zugrunde liegenden stamme darin, dasz bei ihm an eine anhaltende folge von fallenden tropfen gedacht wird; vgl.: guttare i. stillare tryeffen
guttito frequentativum voc. theut. lat. (
Nürnberg 1482)
s. v. g. die gewonten sunden trieffent zu tag und naht, spat und fru, untz ir stæte got vertribet das er in dem hus niht beliebet
kl. mhd. erz. 17, 91
Rosenhagen; der grad der schnelligkeit, mit der ein tropfen dem andern folgt, wird dabei, gewöhnlich gemäsz der inneren beschaffenheit der flüssigkeit verschieden vorgestellt. so kann triefen
einmal der bedeutung '
rinnen'
nahekommen, wie die verwendung vom regen (
s. u.A 1 a
β)
und folgende belege erweisen: das wasser stürzt und trieft von den felsen, als wenn die ungeheuren massen sich auch in dem allgemeinen elemente auflösen wollten Göthe 32, 30
W.; und er weinte so gewaltig und so stürmisch, dasz die hellen thränengüsse troffen durch die magern finger H. Heine
werke 2, 137
Elster. in abhebung gegenüber strömendem flieszen oder bei dickflüssigen substanzen kommt triefen
anderseits auch zur bedeutung des langsamen fallens: guttatim driffende
vel langsamlich (15.
jh.) Diefenbach 271
c; triefen '
in langsamen tropfen herabfallen' Krünitz 188, 56; Adelung 4, 678; Eberhard
synonym. (1828) 343; we drepende pisset, de drinke warmen wyn
bei Schiller-Lübben 1, 573
b; aber diszer bron flosze nicht eilend als die andern, sunder entzlichen triffende
buch der geistl. gnaden (
Leipz. 1503) 17
b; wann nach dem räbenschnitt die stöck nicht so fast und wässerig, sonder dick und zähe trieffen
M. Herr
feldbau (1551) 69
a; die wasserschwangern himmel, die sonst triefen, die stürtzten alle miteinander drauf Zinzendorf
kl. schr. (1740) 32; vergib ... dasz ich ihme seine noch trieffende wunde zu einem noch hefftigeren bluten reitze Ettner v. Eiteritz
med. maulaffe (1719) 12; sein noch triefendes blut ergosz sich aufs neue
theater der Deutschen (1768) 4, 95.
synonym neben triefen
steht träufen,
zumal in intransitivem gebrauch, s. sp. 1420;
aber auch tropfen, tröpfeln
können nahezu synonym verwendet werden: resina stillatitia hartz ausz den bäumen trieffende, tropffhartz oder trieffend hartz Frisius (1556) 1242
a; wie tropffst und bist so gar trieffnasz H. Sachs 9, 113
lit. ver.; nec ultra stillavit pluvia super terram Ex. 9, 33
wird übersetzt einmal als: der regen troff nicht mehr auf die erde Luther;
Züricher bibel; das andere mal als: der regen tropfft fürbasz nit auf die erde
erste dtsche bibel; Eck.
bei Obersachsen auch triefen
und tröpfeln
formelmäszig zusammengeschlossen: du ... gott ... lest gold und silber ausz deiner wunderbaren und milten hand drein trieffen und tröpfflen Mathesius
ausgew. w. 4, 697
Lösche; herr, du weist grub und gänge, wo ertz verborgen liegt, ... der eymer trieff und tröpfel mit silber, glaaszertz, knospen
M. Rinckhart
christl. ritter 67
ndr. vgl. ferner: to drip or drop trieffen, trieffeln, träuffen, träuffeln, tropfen Ludwig (1716) 2, 2020;
stillare trieffen, tropffen, treuffen Maaler (1561) 408
a;
stillare tropffen, tröpfflen, tropffweisz fallen, trieffen Emmelius
sylva quinqueling. vocab. (1592) N n 4
c;
roro ... trieffen wie der thau, tröpfeln, träuffeln Corvinus (1660) 1191. AA.
intransitiv '
in tropfen fallen'
oder '
tropfen fallen lassen'. A@11)
subject ist die herabträufelnde flüssigkeit. A@1@aa)
concret. A@1@a@aα)
ohne nähere bestimmung. im ganzen seltener; vereinzelt in der frühzeit: drop is diurlic suet al so dror kumid wallan fan uundun
Heliand 4751
S.; dina lefsa, gemahela, sint trieffenter uuabo (
cant. cantic. 4, 11
favus distillans) Williram 66, 1
Seemüller; (
die geschlachteten opferlämmer) trieffend in sein (
gottes) nutze (
Lev. 23, 20:
cedent in usum eius)
erste dtsche bibel 3, 439; wehe (
wind) durch meinen garten, das seine würtze trieffen (
fluant aromata illius)
hohes lied 4, 16; (
sie) küsseten die sarch mit trieffenden zehern Dan. Federmann
beschreib. des ndl. kriegs (1570) 32
b;
seit dem ende des 18.
jh. gern in poetischer sprache: als ich an der Arne wiesen gestern, da der nachttau troff, dich verliesz ... J.
N. Götz
verm. ged. (1785) 2, 241; auf Golgatha da trof es ja diesz blut für meine sünden Schubart
sämtl. ged. (1825) 1, 76; wie glühet die wange, wie triefet der schweisz! Becker
Mild. liederb. (1799) 50;
figürlich: die geschichte der groszen künstler beweist es, wie viel schweisz bei ihren übungen troff Chr. Dan. Schubart 5, 374; zu Hochheim, Cypern und Burgund troff nektar schon für meinen mund Bürger
werke 12
b Bohtz; nach langer dürre erquickender regen trieft J. Grimm
kl. schr. 7, 607; mächtig heulte der sturm, prasselnd und wild troff der regen Hebbel
briefe 1, 7
Werner; vom regen bes. im part. präs. gebräuchlicher: das schmutzige, aufgewühlte wasser, der triefende regen Göthe
werke 32, 30
W.; im triefenden regen Auerbach
schr. 4, 26; wenn einer einen ritt durch triefende nässe acht bis neun stunden ... allein gewesen ist H. Grimm
volk ohne raum 1, 464.
veraltet von krankheiten mit tropfenförmigen ausscheidungen im part. präs.; im 16.
jh. zur bezeichnung des trippers, s. auch s. v. tripper: geisz unschlit ... mit honig ... ofnets trieffende schaden der scham Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 59
b; hierzu (
Mercurius) gar nichts tüchtig ist, sonderlich zu den trieffenden frantzosen L. Thurneyszer
magna alchymia (1583) 88.
allgemeiner: triefender flusz
catarro, deflussione, reumatismo Kramer 2 (1702) 1141
a;
vgl. unten 2 a
α. A@1@a@bβ)
mit localer bestimmung, die gewöhnliche gebrauchsweise: von regen und tau seit dem ahd. bzw. mhd., zunächst allgemeiner gebräuchlich, in jüngerer zeit aber wesentlich poetisch: stillavit (
pluvia super terram) trauf (
anfang 9.
jh.)
ahd. gl. 1, 291, 16; als die tropffen trieffent auf der erde
erste dtsche bibel 7, 345; do kam ein regen der was grosz, vil fast der uff si troff und flosz
Reinhart fuchs 368
J. Grimm; ein sanfter regen, der aus einer abendwolke herab trieft Giseke
poet. w. (1767) 99
Gärtner; uneigentlich: es brannt ein wald ... vom haar der bäume trof feuer auf mich Schubart
sämtl. ged. (1825) 2, 63;
vgl. auch unter B 1 a
α und tropfen,
m., A 2 c;
vom tau: tou mit vollenaber triufet ûf die rôsenâne tuft Konrad von Würzburg
leiche, lied. u. spr. 38
Schröder; ihm trieft von dem spitzen hute der tau auf die bleiche wange G. Freytag
ges. w. 1, 268. —
sonst von quellen (
s. 1 b)
u. ä.: als he sick in den gate des berges beslotten hadde, drop dar water ut den steyne des berges unde dar en drop nicht mer ut dan Martinus behovede (1473)
bei Schiller-Lübben 1, 573
a;
in jüngerer zeit vor allem bei wasser, das aus durchnäszten stoffen tropfenweise abflieszt: und setzt sich an das ufer dort. vor trauren redt er nicht ein wort; das wasser trüfft aus allen enden, er schüttelt sich und rürt die lenden, gleich wie ein schwarzer pudelhund, der aus den wassern kompt zur stund Fischart
sämtl. dichtg. 1, 143
Kurz; die nässe troff ihm von kleid und haaren Heinse
s. w. 6, 83
Sch.; von den kleidern und von den herabhängenden armen troff das wasser Storm
werke (1899) 6, 77.
beim menschen vom blut: stillante (
sanguine) mit driapanthemo (11.
jh.)
ahd. gl. 2, 585, 7; so daz Eliases pluotin erda kitriufit
Muspilli 50; die bluottropfen hiengen an dem heupte über al und truffen sere hin zu tal
das alte passional 66, 76
Hahn; Konrad von Würzburg
Troj. 10761
Keller; von ihm das schwarze blut abloff und über seine backen troff Spreng
Äneis (1610) 58
a; weil Abels blut von seiner (
Kains) keule troff E.
M. Arndt
schr. f. s. l. Deutschen (1845) 1, 25; sprang ihm das blut ... hoch heraus wie ein brunnenstrahl und troff ihm warm auf das antlitz zurück P. Alverdes
pfeiferstube (1929) 30.
alt auch vom schweisz, s. die Heliandstelle unter α,
besonders häufig seit dem ende des 18.
jh., immer zur verstärkung des ausdrucks der mühsal: nu mag ein man wol nemen war, wi uzer hude slufet der sweiz und abe drufet
hl. Elisabeth 10396
Rieger; daz sin (
Christi) sweiz in pluotes weise ab im traof
dt. predigten des 13./14.
jh. 9, 37
Leyser; in solcher arbeit war ihm heisz, vor müde troff ihm ab der schweisz Spreng
Ilias (1610) 220
a; dasz mir schon zum voraus der angstschweisz von der stirne troff U. Bräker
s. schr. 1, 124; meine beiden knie wurden brüchig, von der stirne triefte mir das fett Fr. Wedekind
ges. w. (1919) 1, 52.
seit dem 16.
jh. auch von den tränen bezeugt: und troffen ihr sichtiglichen die zehren ... auff die füsze J. Barth
weiberspiegel (1565) g 1
b; ihr (
laszt) einen threnenbach aus den augen trieffen Harsdörffer
teutsche secretarius (1656) 1, 120; ... sie können nur thränen über sie triefen lassen J. J. Bodmer
Noah 32.
von meist dickflüssigeren speisen und getränken: dâ mane ich mîne friunde bî, ûf swen daz muos getroffen sî, ... daz er in einen vride gebe, unz er sich selben wol besehe
altdt. beispiele (13.-14.
jh.)
in zs. f. dt. altert. 7, 372, 54; das (
essen) halt in deiner hand so starck, dasz durch die finger trieff das marck Scheit
Grobianus 190
ndr.; lasset den teig durch einen trichter auf ein mit butter beschmiertes papier trieffen v. Hohberg
georg. cur. aucta 3 (1715) 168
a;
gern vom honig, bereits spätahd., s. oben α: er sach ûz einem aste ... ein kleine honicseimes gân ... er habete sich dar sâ zestunt und liez im triefen in den munt Rudolf von Ems
Barlaam 118, 40
Pfeiffer; ... da drang aus dem nächsten gebüsche hinter mir nachtigallschlag herrlich auf einmal hervor, troff wie honig durch das gezweig Mörike
werke 1, 119
Göschen; von öl: do de ungelovigen seyghen, dat dar nyn olye ut der presse en drop (1473)
bei Schiller-Lübben 1, 573
a; aus den händen (
einer springbrunnenfigur) troff öl, aus den füszen honig Lohenstein
Arminius 2, 261
b;
beim wein meist im gegensatz zum '
flieszen'
vom tropfenförmigen, langsameren eingieszen: und dürstet dichs nach edlem feuerwein so trieft er dir ins glas von eignen hügeln Geibel (1893) 4, 82.
gern von fett, das beim rösten und braten heraustritt: der hunger het inz fleisch vertriben ... in trouf vil wênic in die kolen Wolfram von Eschenbach
Parzival 184, 18
Lachmann; darnach sol man die gans prautten und das smaltz, das darvon truifft, sol man fahen in ein irdins geschirr Mynsinger
von den falken 41
lit. ver.; sprichwörtlich: es ist kein braten so gering, es triefft je etwas davon Petri
der Teutschen weisheit (1604) 2, A a 8
a;
bei der marter durch feuersglut: s. Laurentii vet, dat von om drepende was, do he lach up der vurigen rosten
bei Schiller-Lübben 1, 573
a; sêre er (
der teufel) siu (
die menschen) brennet, schier er siu zerennet. si triefent hin durch die gluot, als daz wahs durch den biutel tuot
Tundalus in ged. des 12. u. 13. jh. 47, 71
Hahn; iy dasz üch der speck in das hellisch für trief! wie beschissend ir die armen lüt wider alles das, das got verbütt Nik. Manuel 138
Bächtold. von baumsäften, spezereien, vgl. bereits spätahd.: ûzen den selben worton truiffet diu mirra Williram 91, 4
Seemüller (
als erklärung zu cant. cant. 5, 13:
labia eius lilia distillantia myrrham primam; bei Luther: seine lippen sint wie rosen, die mit flieszenden myrrhen triefen
hohes lied 5, 13); die alten sagen, es trieff ein wasser usz den rinden eines campherbaumes
M. Herr
schachtafel der gesundheit (1533) g 3
a; sie trincken ein saft, welcher ausz einer sonderbaren art palmbäumen, die
dazu sonderlich geschnitten werden, trieffet und aufgefangen wird
J. Boterus weltbeschr. (1596) 1, 246; das ist aber ... wunderns werth, dasz in diesem lande weirauch und myrrhen gefunden wirdt, nicht ausz den bäumen heraus schwitzend und triffend wie in andern ländern J. Prätorius
anthropod. pluton. (1666) 1, 65; ihm schiene ... am glaublichsten zu seyn, dasz das von kiefern ... trieffende hartzt durch das saltzwasser ausgeleutert und durch die krafft der sonne zu agsteine bereitet würde Lohenstein
Arminius (1689) 2, 857
a.
in der bergwerks- und hüttensprache auch von der guhr, einer breiigen erdigen flüssigkeit, und von geschmolzenem metall; bezeugt fürs 16./17.
jh.: es sagen glaubwirdige leut, dasz eine ghur ausz der first auf ein klüftigen stein gesintert oder getroffen, da zeinicht silber darausz gewachsen Mathesius
Sarepta (1578) 34
b; guhr, eine feuchtigkeit, die aus dem gestein treufft A. v. Schönberg
berginformat. (1693) 2, 46; (
der herd) soll gleich bisz zu dem understen teil haldechtig sein, dasz also das schwartzplei, ab welchem die stuck trieffendt (
quo stillant panes), in tiegel herabfliessen mögen Ph. Bech
Agricolas bergwerckbuch (1580) 423. A@1@bb)
bildlich. A@1@b@aα)
die bildliche verwendung im nhd. geht wesentlich auf biblischen ursprung zurück. von göttlichem zorn und strafen, vgl. bereits frühe ahd. glossen: gitriufit (
um 800)
ahd. gl. 1, 467, 67
und (9.
jh.)
ahd. gl. 1, 468, 38
zu 2. chron. 34, 25:
stillabit furor meus super locum istum; Luther: mein grim sol trieffen
ebda; nit wirt trieffen über dise ... die beschemung (
zu Micha 2, 6:
non stillabit super istos ... confusio)
erste dtsche bibel 10, 71; es wirt das unglück nit über uns trieffen Dietenberger (1534)
ebda; hierher von dem ausdruck menschlicher erbitterung auch: aber do sie (
die propheten) in sich selber sahen, befundin sie sich liblosz, lobledig und gnadlosz. darumb vilen sie in ein grewlich clag und trieffende geschrei, über sich selber Carlstadt
auszlegung ... etzlicher heiligenn geschrifften (1519) b 5
b,
vgl. dazu träufen A 1 b, c,
sp. 1418;
von göttlicher belehrung: mein (
Moses) leer trieffe wie der regen (
concrescat ut pluvia doctrina mea)
5. Mos. 32, 2;
Züricher bibel (1530) 108
a; mich bedunckt warlich, die und andert leer wollen dir ytzund selb in puessen trieffen J. Fundling
anzaig. zwaier zungen Luthers (1525) e 4
a;
poetisch von wohltuenden worten und klängen überhaupt: wenn neuer sang in die herzen des volkes lebendig troff Fulda
ne. ged. (1900) 193;
vgl. oben sp. 472 Mörike 1, 119: nachtigallschlag ... troff ... durch das gezweig
und unter 2 b;
besonders von dem barmherzigen wirken gottes, vgl. bereits: triuffanter (
dominus ... misericordiae initium stillans 2.
Macc. 8, 27)
ahd. gl. 1, 702, 69; der brunn der gnaden war gegen ihm ganz versigen, daz kein tröppflein auff ihn trieffen mocht J. Wörner
postill (1587) 161
a; die göttliche lieb von obenherab auf uns unwirdige menschen triefet Harsdörffer
gesprächspiele (1641) 1, 105
b; liesze gott aus seinen tiefen nicht des segens regen triefen Brockes
ird. vergnügen (1721) 1, 83;
bei weltlichen verhältnissen panegyrisch oder sehr gewählt: o du aller wohlfahrt quell (
der grosze kurfürst), rinn und treufe für und für, fleusz uns klar ... S.
Dach 593
Österley; du friedensbild, es trieft aus deiner hand die wohlfahrt für dies ganze land v. König
ged. (1745) 70; da troff erfüllung aus geweihten händen St. George
stern des bundes 8;
zu aus der hand triefen
vgl. die biblische vorstellung die hände triefen von myrrhen
unter 2 a
β;
wo der vergleich mit dem regen nahe gelegt wird, findet sich auch freiere bildliche verwendung des wortes: was trieffen nicht in diesem längstgewünschten regen in das fast ausgedorrte land für anmuth, fruchtbarkeit und segen Brockes
ird. vergnügen (1721) 5, 33; tugend und freude füllten ihr herz und trofen wie regen aus den wolken von ihrem himmlischen angesicht Lavater
verm. schr. (1774) 2, 421;
vgl. auch unter 2 b;
neben der vorstellung des regens wirkt die der '
von honigseim triefenden lippen' (
s. 2 b)
mit: daraus (
aus Christi munde) die rechte lust des herzens und trieffen über uns ... flieszen soll
M. Opitz
dt. poem. 186
ndr.; auf diese vorstellung werden, von der sprache gebraucht, letztlich auch wendungen zurückgehen wie: kein jovialischer einfall trof von seinen lippen Schubart
briefe 2, 266
Strausz; ... von den fetten lippen troffs fast wie ein fluch A. Pichler
marksteine (1874) 155. A@1@b@bβ)
nach dem 16.
jh. scheinen veraltet bildliche wendungen wie in die asche triefen
im sinne von '
verloren gehen'
nach der vorstellung des herabtropfenden bratenfetts (
s. o.): man ficht uns all gar zeitlich an; welche dan nit wol versagen kan, der treuft ir keusch wol halb in die aschen
fastnachtspiele 387, 19
Keller; der leien freiheit drüfft in die kuchin, so der geistlichen ein lutze bettlerey ist und nit der senff gegen iren freiheiten zu bezalen Murner
an den adel 24
ndr.; durch die finger triefen
im sinne von '
aus der hand rinnen': obwol solche (
güter) nit mehr im halbenteil beim stift zu finden, so seint sei ebenwol auch nit ebender stadt, sunder vilmehr durch die graveschaft Dietz einem hir, dem andern dort zugeflossen und durch die finger getroffen Mechtel
Limburger chronik 46; in den säckel triefen '
zum eigenen vorteil gereichen': so lang der herr (
Christus) wunderzeichen thet und der nutz ihnen in den seckel troff (
sc. den menschen), ... solang leid man in Keisersberg
post. (1522) 3, 93
a. A@22)
subject ist der gegenstand, von dem eine flüssigkeit in tropfenform herabfällt. hierher wohl, da transitiver gebrauch unwahrscheinlich ist: truffun '(
manus meae)
stillaverunt (
myrrham)'
ahd. gl. 2, 282, 57;
über einige vielleicht zu träufen
gehörige belege s. dort sp. 1421. A@2@aa)
concret: A@2@a@aα)
ohne bezeichnung der flüssigkeit. von regennassen oder feuchten gegenständen, zufrühest vom dach, vgl. bereits: (
tecta)
perstillantia triuffentiu (
um 800)
ahd. gl. 1, 535, 67; dâ ist rehtiu vröude und vollez gemach, dâ enirrent riechendiu hûs und triefendiu dach
minnesinger 3, 468
v. d. Hagen; auch sprichwörtlich: triefends tach man bessern mag H. Wittenweiler
ring 5051
Wieszner; nach prov. 19, 13: ein zenkisch weib bringt ungemach dem man gleich wie ein triefens dach H. Sachs 9, 437, 12
lit. ver.; vgl. auch: ein zänkisches weib und stätiges triefen, wenn es sehr regnet, werden wohl mit einander verglichen (
tecta perstillantia in die frigoris et litigiosa mulier comparantur)
sprüche Salomos 27, 15;
daraus in vielen sprichwörtersammlungen; von pflanzen: reht als ein vrischiu rôse, diu naz von touwe triufet Konrad von Würzburg
Troj. 7529
Keller; vorbei war sturm und regen, nur drauszen hört ich noch die tannen triefen Lenau
sämtl. w. 1, 231
Castle; man blieb zu hause, um grämlich ... auf den triefenden ... park hinaus zu sehen W. Raabe
hungerpastor (1864) 2, 185; ich legte mich in das triefende haidekraut und liesz auf mich regnen Bismarck
briefe an s. braut 179.
vom gestein s. auch β: was schlurfst aus dumpfem moos und triefendem gestein wie eine kröte nahrung ein? Göthe 14, 165
W.; vom himmel, auf biblischer grundlage und poetisch, s. auch β; bei Luther: da bebet die erde und die himmel troffen (
caeli distillaverunt)
psalm 68, 9; Jehovah ... als du einherzogst von Edoms gebürg: da bebete die erde, der himmel troff Herder 12, 172
Suphan (
nach richter 5, 4); sondern recht im regenwetter, als der ganze himmel troff Fr. Rückert
werke (1867) 1, 240.
von regenfeuchten oder sonst durchnäszten menschen und ihren kleidern: so zugen si in herus also triefenden an das land Seuse
dt. schr. 81
Bihlm.; da kham an ihn ein regen grosz ... er stan nasser und aller troff Hans Sachs 5, 140, 20
lit. ver.; endlich ward er doch herausgegabelt und zog niedergeschlagen und kläglich triefend weiter voran A. v. Droste-Hülshoff 2, 319
Schücking; mein leben und mein triefend kleid war alles, was mir blieb Hölderlin 2, 183
Litzm.; oft die haare: Jupiter Pluvius, welcher in gestalt eines alten kopfes mit triefendem barte ... über dem heere der Römer schwebt
gr. Stolberg
ges. w. 7, 279; die triefenden haare ganz dicht und schlicht an seine schläfen angegossen Fouqué
bildersaal (1818) 2, 117;
überhaupt wasserdurchtränkte stoffe: netz ein schleier in frischem kalten wasser, wind ihn doch zuvor ein wenig ausz, dasz er nicht trieff O. Gäbelkover
artzneybuch (1595) 1, 227;
bei der kleidung weiterhin von schweisz und blut: das vom schwitzen ihre hembder so nasz werden und dermaszen trieffen
theatr. diabol. (1569) 259
b; zwei wîp ze der tür în drungen, ir gewant sach man triefen, als ez in bluote wære gebadet
Servatius 248
Wilhelm; vom blut bei wunden und waffen: ouch brach an der stunde Keiî sîn alte wunde von dirre arbeit ûf, die sêre harte vlôz und trouf Heinr. v.
d. Türlin
krone 27150
Scholl; (
bei einer himmelserscheinung erschienen) augenblicklichen unter den spieszen blutstriemen, als ab sie flüssen und tröffen ... C. Spangenberg
Mansfeld. chron. (1592) 484
a; komm! ich bebe vor lust! reich mir den adler und das triefende schwert Klopstock
oden 1, 105
M.-P.; von fett, das beim braten herabrinnt: wann die gans gebraten ist, dasz sie nicht mehr treufft, so wirff sie hin O. Gäbelkover
artzneyb. (
Tübingen 1594) 405;
älter schon: den (
liebhaber) briet ich pei dem fewr ... dar nach so ruert ich in den haffen, und macht in trieffen unde paffen (
schreien)
altdt. passionsspiele aus Tirol 273
Wackernell; sonst: der alt schlang ... schmirt das kerder und angel, dasz es troeff Dulichius
vom alten und neuen gott (1522) c 4
a;
von genossenen speisen oder geifer am munde: es wird geschwelgt, dasz die mäuler triefen G. Keller 6, 122; zeigst mit triefendem gebisz mir den panther unter myrthen Freiligrath
ges. dicht. 1, 135;
vom saft der bäume: (
die beste zeit des pfropfens ist,) wann nach dem räbenschnitt die stöck nicht so fast und wässerig sonder dick und zähe trieffen Michael Herr
feldbau (1551) 69
a;
von leckenden gefäszen: er schwitzt alsz trüff ein wasserschoup Murner
dt. schr. 1, 2, 237
Michels. triefen
wird seit alters gern gebraucht, um verschiedene körperliche gebrechen und zustände anzudeuten. vgl. oben 1 a
α am schlusz. schon mhd.: merke swer ein trifendiz houbit hat ... der sal nicht ligen uf der linken siten (13.
jh.)
Breslauer arzneibuch 35
Külz-Trosse; die lippen sind lazur, das ohr noch trieft und schwitzt S. v. Birken
forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 95.
gewöhnlich von nase und augen: wand er die meistere swigen sach und hengelhoubten, als ob in die nase truffe an bluote hin
passional 677, 90
Köpke; vermeinten, es were im herbst und drüff ihn die nasen Paracelsus
opus chir. (1565) 300; ihre rothe nase troff ihr in den häszlich verzogenen mund Simrock
dt. volksbücher 1, 5;
auch von tieren: so ein pferd wasserrechtig ist, welches man an den trieffenden nasenlöchern leichtlich erkennen kan J. Walther
pferdezucht (1658) 139;
sehr oft gilt das nasentriefen
als zeichen des alters und wird als solches, z. teil mit spöttischem unterton, bis zum ende des 17.
jh. häufig verwendet: als balde ... die handt dürre ... wirt, die zene schwartz ... die nasen triffende, so wirt die fraw verschmecht A. v. Eyb
dt. schr. 1, 17; (
der alte narr:) krachen mir d bein und trüfft mir d nosz P. Gengenbach 71
Gödeke; es stehet ein kurtze zeit an, so ... gleichet das angesicht einer grotta, in dero mitte, an statt der wasserkunst, die trieffende nasen Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 695.
die augen, in reicher fülle, besonders im frühnhd., in den verschiedensten nuancierungen von objectiver krankheitsbeschreibung bis zum spott über dummheit und häszlichkeit der menschen verwendet; als krankheit: die flieszenden oder trieffenden augen ... werden auch mit dieser latwergen getrücknet W. H. Ryff
confectbuch (1548) 13
b; wann man dasselbige (
blut) auf die flieszende oder trieffende augen leget oder drein treuffelt
viehbüchlein (1667) 115; L. Aurbacher
volksbüchlein (1835) 112; auszer einem etwas triefenden auge spüre ich nicht die mindeste unbequemlichkeit G. Forster
s. schr. 7, 201;
als alterserscheinung: ich für menschlich frisch und lustig was, nun trieffen mir die augen und die nas
klage über das alter (15.
jh.)
in anz. f. d. kunde d. dt. vorzeit 20, 132
Wattenbach; seid mir aber die augen trieffn, mir die runtzel ins angsicht lieffn und mir mein gsesz portzt hinden nausz so ists gantz und gar mit mir ausz J. Ayrer
dramen 4, 2712
lit. ver.; das auge büszt (
im alter) seinen glanz ein, dunkelt und trieft J. Grimm
kl. schr. 1, 197.
bei tieren: die rehe bekommen kein trieffende blöde augen, sehen des nachts eben so scharpff als des tags J. Heyden
Plinius (1565) 275;
bei trinkern als krankheitssymptom: etlichen trieffen (
vom saufen) die augen oder verderben schier gar J. Schenck
Paulus sprüch ... saufet euch nicht voll weins (
Wittenberg 1540) h 4
a; der leib geschwöllet ihn (
den trinkern), die augen triefend
M. Ambach
vom zusauffen (1544) e 3
b; dann wo man vol ist, da ist man auch doll, thörecht, kranck, roten trieffend augen S. Franck
sprichw. (1541) 1, 153
a;
vom tränen der augen bei zu heftigem schlucken: ir suffend, das üch d ougen trüffen Manuel
weinspiel 2261
ndr.; und thut darauff ein truncke klar, das ihm die augen trieffen gar Ringwaldt
lauter warheit (1598) 63.
gelegentlich auch für '
weinen': und als balde er das kint ersach sin ougen trüffen als ein tach von groszem jamer und smertzen H. v. Bühel
Diocletians leben 6402
Keller; der (
Luther] hat uns einmal ins maul gegriffen, für seiner gewalt uns noch die augen triefen
bei Schade
satiren 1, 54; die augen trieffen mir noch meines maydels wegen J. v. Besser
schr. (1732) 1, 307
König. A@2@a@bβ)
mit näherer bezeichnung der flüssigkeit, seit dem 16.
jh. belegt; der name der flüssigkeit wird gewöhnlich durch von
angeschlossen; Luther: trieffen von fett
psalm 65, 12; trieffen von myrrhen H. Sachs 19, 416
lit. ver.; von pech und harz triefen Sebiz
feldbau (1579) 323; der ... vom biere treuft P. Fleming
dt. ged. 1, 199
lit. ver.; daneben steht im 16.
und 17.
jh. mit;
bei Luther: meine hende troffen mit myrrhen (
manus meae stillaverunt myrrham)
hohes lied 5, 5;
ebda 5, 13; die wolcken troffen mit regen (
nubes distillaverunt aquis)
richter 5, 4;
Züricher bibel (1531)
ebda; mit myrrhen H. Sachs 19, 414
lit. ver. von wässerigen flüssigkeiten, meist vom regen; von himmel und wolken biblisch oder poetisch: die wolcken durch weisheit (schaw!) hat gott trieffend gemacht mit thau Hans Sachs 19, 235
lit. ver.; die trüben wolken liefen, und lieszen eilends nach, mit regen so zu triefen P. Fleming
dt. ged. 1, 157
lit. ver.; danach auch: wann bei der Römer zeit man sah mit milche triffen den himmel ... Fr. v. Logau
sinnged. 110
lit. ver. von feuchten pflanzen und gestein: auch farb an farbe klärt sich los vom grunde, wo blum und blatt von zitterperlen triefen Göthe 15, 6
W.; es trieffen die felsen mit öhlichtem safft G. Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 336; im winkel zwischen der drehbank und der mauer, die förmlich troff von feuchtigkeit Ebner-Eschenbach
ges. schr. 2, 60;
uneigentlich: die berge standen wieder alle da und troffen von dem weiszen niederrinnenden (
mond-) lichte A. Stifter
s. w. (1901) 1, 143;
von saft ausscheidenden pflanzen: gummitragende bäume ..., die von pech und harz trieffen Sebiz
feldbau (1579) 323; (
der frühling treibt) im feigenbaume knoten; die ranke trieft von saft Tiedge
werke (1823) 4, 117;
von durchnäszter kleidung: die ziegenfelle, mit denen er bekleidet war, trieften von wasser v. Schönaich
ästhetik (1754) 371; liebe Henne, du triefest von schnee und himmlischer kälte Herder 26, 43
Suphan; der könig sprach: du Siguruna bist schuld, wenn ich von tau triefe G. Freytag
ges. w. 17, 93;
vom blut am menschlichen körper und am kleide, s. auch bluttriefend
teil 2, 196: entzwischen Hectors leichnam todt troff noch vom warmen blut so roth Spreng
Ilias (1610) 317
b; o des edlen greises Abubeker, dessen silberhaar so schrecklich auf den steinen ausgebreitet lag und von blute triefte Tieck
schr. (1828) 8, 114;
bildhaft: zu oft hatte der gütige gesehen, wie die edelsten lorbeern vom besten blute der krieger troffen A. v. Haller
Alfred (1773) 45; Wieland I 3, 27
akad.; sie treffen sich und treffen gut, des herzogs nothemd trieft von blut Uhland
ged. (1898) 1, 275;
übertragen auch: triefen nicht alle länder vom blute derer, die es (
Europa) erschlug? Herder 17, 108
Suphan; von dem durch mord vergossenen blut an dem schuldigen, als emphatischer ausdruck des abscheus: weil demnach euch, ihr vom unschuldigen blute trieffende Bramaer, nicht mit dem edeln frieden gedienet ist, so raubet, mordet ... nach wohlgefallen Ziegler
asiat. Banise (1689) 614; Gerstenberg
Ugolino 262
Hamel; von dem blute triefend des vatermordes und des kaisermordes wagst du zu treten in mein reines haus Schiller 14, 420
G.; Hebbel
werke 4, 308
Werner; übertragen: abscheulger aberglaube, du priesterin der wuth des würgens und des rasens, du triefst von menschenblut Dusch
verm. w. (1754) 17.
am verletzenden gegenstande: (
die wiese soll) es inne werden, wie so stracks mein speer von diesem schwarzen blute triefen soll Bürger
werke 145
Bohtz; er wandte sein rosz und jagte nach haus, vom blute troffen die sporen Geibel 2, 167;
vom schweisz: indessen wundert es ... mich, wie sie es ertragen können, mit einem manne zu leben, der ... von schweisz trieft Wieland
Lucian 2, 118; (
es) kamen ihm etliche Tahitier ganz auszer athem und von schweisz triefend entgegen G. Forster
s. schr. (1843) 2, 75.
von salben: er (
hüpfte) von wein und salben trieffend ... in die ratsversammlung Wieland
Agathon (1766) 2, 74.
die vorstellung der von myrrhen triefenden hände geht auf das biblische vorbild zurück, vgl. bereits ahd.: truffun (
manus meae stillaverunt myrrham cantica canticorum 5, 5)
ahd. gl. 2, 282, 57; Luther: meine hende troffen mit myrrhen
hohes lied 5, 5;
in der psalmenübersetzung: mit myrrhen trofen mir meine hend Hans Sachs 19, 414
lit. ver.; ebda 19, 416. A@2@bb)
bildlich. früh gelegentlich nach der vorstellung des abtropfenden bratenfetts von bauern, die ausgepreszt, geschröpft werden: der schryber musz ein buren han, der veiszt syg und mög trieffen wol, do mit er ryechen mag syn kol Seb. Brant
narrenschiff 77
b Zarncke; vgl. unter 3;
biblischen ursprungs wie unter 1 b
ist: wenn sich deine hand auffthut, trieffen wir von deinem gut S. Dach
bei Fischer-Tümpel 3, 83; ... deine (
des fürsten) schlanken, gesalbten hände, daraus heiltum trieft St. George
d. siebente ring (1909) 40;
biblisch ist auch nach cant. cant. 4, 11:
favum distillant labia tua, o sponsa: dyne lyppen drepen von honnychseme
Oldenburger missale (
anfang 16.
jh.)
bei Schiller-Lübben 1, 573
a; o braut, die lippen trieffen dir von honigseime für und für Opitz
opera geistl. ged. (1690) 3, 7;
in weiterer übertragung: wenn von Friedrichs preise ihm die trunkene lippe trieft Klopstock
oden 1, 128
M.-P.; und die lippen troffen von hellem scherz Schubart
s. ged. (1828) 2, 308; der in des waldes dunkelgrünem schosz von liedern trieft, die lechzend flammen: derselbe schnabel singt nicht lieder blosz Freiligrath
ges. dicht. (1870) 2, 196;
wie unter 1 b
im vergleich auch vom aussehen: du, deren junge seele ... von wollüstiger schönheit gänzlich triefte wie die mit ölen gesalbte braut eines perserkönigs H. v. Kleist 2, 212
E. Schmidt; auch die verwendung des wortes in der wendung von fett triefen,
danach auch von andern dingen zur bezeichnung der fruchtbarkeit und reichlichen fülle eines landes ist biblischen ursprungs; Luther
lehnte die wörtliche übersetzung in der 3.
vorr. auf den psalter ab: denn wir im deudschen, auch ein gut fruchtbar land, ein fett land und ein schmaltzgruben nennen, nicht das mit schmaltz geschmieret sei oder von fettem trieffe
bibel 7, 324
Bindseil; er umschreibt deshalb mit einer nicht über ihn zurückführbaren wendung: du krönest das jar mit deinem gut und deine fusztapffen trieffen von fett (
campi tui replebuntur ubertate)
psalm 65, 12;
danach im 17.
jh. zur redensart geworden: Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, G g 3
b; Schupp
schriften (1662) 39; Chr. Weise
polit. redner (1677) 29; jeder fusztritt triefe von segen Seume 2, 219;
dagegen ist Luther
unanstöszig: es werden die berge mit süssem wein trieffen
Joel 3, 23.
für lat.: stillabunt montes dulcedinem Joel 4, 18; davon er (
gott) beim propheten Joel sich vernehmen laszt: es werden in demselben (
tage) die berge mit süszem wein trieffen und die hügel mit milch flieszen Dannhawer
catechismusmilch (1657) 1, 11; der trächtige ... triefende ... wunderschöne acker G. Treuer
dt. Dädalus (1675) 1, 29; oben vom gipfel sahen wir ... tiefe von fruchtbarkeit triefende thäler
gr. Stolberg
ges. w. (1820) 6, 33; der boden, der von honig trof, nur thränen bringt er noch hervor Herwegh
ged. eines lebend. (1841) 117;
abgezogener zum ausdruck des behaftetseins mit gewissen negativen eigenschaften: wenn Reinke gleich gantz überteufet von list und boszeit treufet
Reinicke fuchs (
Rostock 1650) 145; wer wollte sich vertieffen in lüsten, die von pein und herben schmertzen trieffen J. G. Neukirch
anfangsgründe (1724) 222;
zugleich mit dem beisinn eines miszfälligen überflusses seit dem 18.
jh.: er (
der urenkel des getreuen Eckhart) trieft recht von deutschen sprichwörtern Klopstock
gelehrtenrepublik (1774) 82; G. Forster
s. schr. 5, 180; er strotzte von erziehung, er triefte von kenntnissen H. Laube
ges. schr. (1875) 15, 65; (
der wirt) trieft von artigkeiten Hebbel
werke 8, 258
Werner; (
die zeitungen, die) vor anstand triefen Hitler
mein kampf (1933) 268; wenngleich ihr adreszentwurf von loyalitätsversicherungen trieft Bismarck
ged. u. erinn. volksausg. 1, 279; H. v. Treitscke
dt. geschichte (1897) 4, 716. A@33)
unpersönlich, sehr selten: wir sind im regen angekommen und es trieft gewaltig Göthe IV 7, 59
W.; von den fetten lippen troffs fast wie ein fluch A. Pichler
marksteine (1874) 155;
sprichwörtlich: das kynnendt die puren von sich clagen, wie ir sy braten, sieden schinden all wyl ir eynen tropffen finden all wyl es tryfft, ersycht es nit Murner
dt. schr. 2, 205
Spanier. BB.
transitiv. der transitive gebrauch von triefen
setzt erst mit dem anfang des 16.
jh. ein, als sich nicht nur in der bedeutung, sondern auch in der form übereinstimmungen mit träufen
zeigten. vgl. darüber träufen B
sp. 1420; 1421.
daher werden die unter A
angeführten ahd. glossenbelege trotz des trans. verwandten lat. lemmas (
stillare)
besser als intransitiv gefaszt. der transit. gebrauch tritt dem intransitiven gegenüber immer zurück. mundartlich nur bei Albrecht
Leipziger mundart 224
b in der redensart 'mich schwitzt und trieft'. B@11)
flüssigkeiten in tropfen fallen machen. B@1@aa)
concret. B@1@a@aα)
ohne locale bestimmung: die wolken triefen regen Stieler 2328; die wolken troffen wasserstrom Herder 12, 172
Suphan (
nach richter 5, 4:
nubes stillaverunt aquas);
vgl. dazu die zusammenrückung regentriefend Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 257; ... was kunst und was natur nur immer leisten kan, leist er (
der dichter) in frischer spuhr, die blosz sein kiel getrifft W. H. v. Hohberg
Proserpina (1661)
vorrede; uneigentlich: zeug es, o stille nacht, die ... nach den gluten des tags, schimmer und kühlungen troff J. H. Voss
ged. 192, 22
Sauer; die luft trieft feuer und mit giergem schlunde verschlingt die woge, was die glut vergessen Geibel 2, 103;
vgl. auch A 1 a
β und tropfen,
m., A 2 c.
auf transitiven gebrauch weist auch die seit dem 16.
jh. gängige zusammenrückung bluttriefend
s. teil 2, 196. B@1@a@bβ)
mit localen bestimmungen: stosz ein höltzlein darein und trieff es (
salpeteringredienzien) auf eine glüende kohlen L. Fronsperger
kriegsb. 2 (1573) 211
b; trinck nicht unter dem essen. trieffe nicht auff die kleider J. P. de Memel
lustige gesellsch. (1656) 106; drucke es hernach durch ein tuch, trieffe den safft in den schaden J. Walther
pferdezucht (1658) 131; das meidet er, als sey es solch ein gifft, das Hydra selbst ausz ihren adern triefft Morhof
unterricht (1682) 1, 794. B@1@bb)
bildlich, meist ohne locale bestimmung, auf biblischer grundlage: sein lepsen sint mit lieligen trieffent die ersten mirren (
labia eius lilia distillantia myrrham primam cant. cant. 4, 11)
erste dtsche bibel 8, 125;
so auch noch Göthe: honig trieffen deine lippen 37, 305
W.; deyne wagenleysz trieffend feyszte. die schönen owen trieffend feyszte (
campi tui replebuntur ubertate. pinguescunt speciosa deserti)
Züricher bibel (1531)
ps. 65, 12; da werden die berg trieffen süssen wein Ad. Reiszner
Jerusalem (1574) 1, 121
b; nach wetter und regen grünt herrlich die flur, die erde trieft segen J. C. Kaffka
Polyhymnia 1, 8;
vgl. auch A 2 b;
sonst gelegentlich seit ende des 18.
jh. in ähnlicher verwendung wie unter A 1 b, A 2 b: könnten wir vielmehr öl in eure wunden und balsam der tröstung in eure herzen triefen Sonnenfels
ges. schr. 3, 477; und aufwärts klang, als ob sie schlummer triefe, aus eichenhainen Pans gedämpfte flöte Rückert
s. w. 1, 351;
von ausdruck und aussehen: wangen, die inniges mitleid trofen Schubart
leben und gesinnung. 2, 143; gestern war dein gesicht wirklich ein schönheit triefendes Lenau
an Sophie Löwenthal 372
Castle. B@22)
ganz vereinzelt steht die bedeutung '
beträufeln'
bei reflexivem gebrauch des verbs, entsprechend reflexivem träufen A 2 b
α,
sp. 1418,
und wie dieses für '
sich bekleckern': der musz feist seyn, der sich mit seinem eigenen schmaltz kan trieffen Chr. Lehman
floril. polit. (1662) 1, 402;
zu dem sprichwort vgl. träufen A 2 c,
sp. 1419
und beträufen
teil 1, 1710.