trabant,
m. , '
fuszkrieger, leibwächter, diener, begleiter, nebenplanet'.
in fast allen europäischen sprachen verbreitet (
s. u.),
im deutschen seit 1424
belegt (
s. u.).
herkunft umstritten und noch nicht endgültig geklärt, vgl. Hellquist
sv. et. ordbok (1922) 99; Gombocz-Melich
magy. etym. szöt. 1, 1274.
versucht ist die herleitung 1)
aus dem ital. trabante,
das seinerseits auf dem deutschen traben,
vb., beruhen soll Adelung 4 (1780) 1015; Berneker
slav. et. wb. 1 (1910) 219,
bzw. auf ungar. darabant Falk-Torp
norw.-dän. 1, 150, 2)
aus dem deutschen traben,
das im deutschen selbst mit romanischer endung versehen sei, seit Kramer 2 (1702) 1101
c,
s. Lexer 1, 456; Miklosich
et. wb. (1886) 49; Diez
nr. 690; Körting
nr. 9637; Weigand-Hirt 2, 1057, 3)
aus pers.-türk. derbân '
türhüter',
das seinen weg über magy. drabant, darabant
und rumän. darabán, drban(t)
in die westeurop. spr. genommen habe Rösler
Wien. S. B. 50 (1865) 591; Miklosich
d. türk. el. (1884) 46
und daraufhin Heyne 3, 997; Murray 10, 1, 211; Gamillscheg
et. wb. (1928) 855
u. a., angezweifelt von Kluyver
zs. f. d. wortf. 4, 153
wegen schwierigkeiten der bedeutungsentwicklung von '
türhüter'
zu '
fuszkrieger'
s. 154
und der anlaut- und auslautverhältnisse im magy. und rumän. s. 156
f., neuerdings aber wieder vertreten von Lokotsch
et. wb. (1927)
nr. 490,
während Gombocz-Melich
a. a. o. magy. drabant —
so als älteste form, die allein für die etymologie in betracht kommt, seit 1439
belegt —
aus dem slav. oder deutschen, rumän. daraban(t)
u. s. w. mit Cihac
dict. d'et. 495
aus dem magy. entlehnt erklären, 4)
aus dem čech. dráb, drabant '
fuszkrieger'
nach einem hinweis von Schmeller-Fr. 1, 639 Kluyver (1903)
a. a. o., der aber keine bestimmte etymologie des wortes vorschlagen will. doch folgen ihm Kluge
7, Franck - v. Wyjk
et. wb. (1912) 707, Meyer-Lübke
nr. 8822
u. a., die aber alle auf čech. dráb
zurückgehen, wobei die endung -ant
unerklärt bleibt; analogie nach sarjant, brigant
zog Kluyver
tijdschr. 8, 264
in betracht. dagegen hat schon Miklosich
d. türk. el. nachtr. (1890) 101;
et. wb. 49
die herleitung des gesamten slav.-rumän. bestandes aus dem deutschen traben
erwogen, die Berneker
a. a. o. mit gröszerer bestimmtheit vertritt: serbokroat., čech., slov., poln. drabant,
poln. trabant
sei aus mhd., älter nhd. drabant, trabant
entlehnt, ebenso magy. darabant,
und weiterhin komme čech., poln., klruss. dráb '
kriegsknecht', '
fuszsoldat'
ganz sicher aus dem deutschen, und zwar aus mhd. drab, trab,
wobei er auf nhd. -trab '
gesamtheit der marschierenden'
in vortrab, nachtrab
hinweist. ebenso A. Mayer
d. dtsch. lehnw. im tschech. (1927) 9; 11; 54
und Weigand-Hirt 2, 1057.
diesen ableitungsversuchen gegenüber ist festzustellen: 1)
im ital. ist trabante
nicht vor dem ende des 17.
jh.s nachzuweisen, zunächst nur in ital.-dtsch. wbb. gebucht, zuerst von Kramer 2 (1702) 1101
c,
später erst in rein ital. wbb., in das voc. d. acc. d. Crusca aber überhaupt nicht aufgenommen. ital. trabante
ist eine späte entlehnung aus dem deutschen trabant,
vgl. auch Zaccaria
el. germ. (1901) 517. 2)
bedeutung und gebrauch von traben,
vb. und trab,
m. bieten keinerlei verbindungsmöglichkeiten mit der art des ersten auftretens und der anfänglichen bedeutung und verwendung von trabant (
vgl. 1 a).
erst nachträglich ist trabant
auf grund der relativ späten und abgeleiteten bedeutung '
läufer',
vgl. 5 b,
an traben,
vb., volksetymologisch angelehnt, vgl. die belege bei Luther, Seb. Wild
und Kolrosz 5 b
α u. β z. b. fusztrabant
im sinne von '
fuszgänger' Musäus
phys. reis. 3, 3. 3)
čech. dráb '
fuszkrieger'
kann nicht aus dem deutschen drab, trab
stammen, da die von Berneker
angenommene bedeutungsgrundlage von trab '
gesamtheit der marschierenden'
nur ganz vereinzelt erst am ende des 18.
jh.s als lexikalische abstraction aus nachtrab
belegt ist (
s. o. sp. 927),
das selbst erst seit dem ende des 17.
jh.s, und vortrab,
das als übersetzung für praemissae cohortes schon 1493
bezeugt ist. vortrab
allein kann aber unmöglich ein čech. dráb '
krieger zu fusz'
veranlaszt haben, das bereits in der ersten hälfte des 15.
jh.s als čech. lehnwort ins deutsche gedrungen (
s. 6trab)
und 1528
im čech. in übertragener anwendung belegt ist, vgl. J.
Gebauer slov. star. (1903) 1, 320. 4)
auftreten, gebrauch und bedeutung der ersten deutschen belege (
vgl. u. 1 a)
führen unmittelbar in den čech. grenzbereich und die zeit der ersten Hussitenkriege und erweisen in ihrer eigenart trabant
als ein fremdwort im deutschen, das öfters nicht einmal als appellativ, sondern als volksname verstanden wird, vgl. 1 a.
das deutsche trabant
ist demnach in der zeit und gegend der ersten Hussitenkriege aus dem čech. entlehnt, entweder unmittelbar aus dem bereits im 15.
jh. im čech. belegten (
s. Gebauer
a. a. o.) drabant —
wegen der in echt čech. wörtern unmöglichen lautgruppe -ant (
s. J. Gebauer
hist. ml. jaz. česk. 1, 45)
müszte dann dafür nach einer fremden, aber nichtdeutschen, und auch nichtmagy. (
s. o.)
herkunft gesucht werden —
oder, im hinblick auf die deutschen belege jedoch sehr viel weniger wahrscheinlich, in der art, dasz das deutsche trabant
eine selbständige weiterbildung aus dem entlehnten čechischen dráb
darstellt nach analogie von sarjant, brigant,
die dann sehr bald ins čech. zurückentlehnt wäre. in beiden fällen bedarf die ableitung von čech. dráb,
im ersten auch sein verhältnis zu čech. drabant
noch der klärung. die endbetonung erhielt das wort im deutschen nach dem muster sonstiger fremdwörter auf -ant. —
der zug des worts geht deutlich von osten nach westen, zunächst im deutschen selbst (
s. 1 a
u. b)
und weiterhin in Westeuropa überhaupt: aus dem deutschen drang es im 16.
jh. ins dän. (dravante(re)
seit 1514,
vgl. Kalkar 1, 379
a),
ins schwed. (drabant
seit 1526,
vgl. ordbok 7, 1999),
ins ndl. (trauant
und trauwant
seit Plantijn
thes. theut. (1573) Gg 4
b),
im 17.
jh. ins engl. (trabant
seit 1617,
vgl. Murray 10, 1, 211)
und ins franz. (traban(t)
um 1640,
vgl. La Curne 10, 72),
ende des 17.
jh.s ins ital., vgl. oben. form: in der ältesten deutschen beleggruppe erscheint dieselbe form wie im čech.: drabant,
neben seltenem trabant
und vereinzeltem drawant,
vgl. 1 a. drabant
bleibt auch im 15.
und 16.
jh. für das ursprüngliche verbreitungsgebiet des worts bezeichnend, im ostmd. bis nach Nürnberg, im ostnd. bis nach Magdeburg, vgl. 1 b
und z. b. 1571
Cölln a. d. Spr. bei v.
d. Ölsnitz 1.
inf. reg. 5; 1587
bei dem Niederlausitzer B. Faber
thes. 798
b; 1592 Schütz
Pruss. 2 k 4
a u. ö. auch für Luther
ist es noch die normalform, im südosten in Siebenbürgen 1539
qu. z. gesch. d. st. Kronst. 3, 6; 64 (
einflusz des ungar. drabant?),
nach westen hin aber nur vereinzelt: obd. 1492
Augsburg, s. 1 a; 1539 Ruff
s. 2 b; 1542
M. Tacius
s. 2 a; 1616 Henisch 739,
nd. vor 1542
Hamburg. chr. s. 5 a; 1593
Braunschweig G. Schwartzkopf
Herod. 267.
für das westl. nd. gilt dravant (drawant(h), drawent, drafent, drevant, drevent, dr(i)vant),
vgl. 1 a
u. b; 5 b
β; 2 b; Schi.-Lü. 1, 567; Lasch-Borchling 468,
auf hochd. gebiet überwiegt trabant,
das seit 1449
zuerst in Nürnberg zur herrschaft kommt, s. 1 a,
ende des 15.
jh.s auch auf nd. boden (
z. b. 1473
in Prenzlau n. cod. dipl. Br. 2, 100
Riedel; 1477
in Cölln a. d. Spree ebda 205; 1491
in Pommern, s. 1 b),
sowie in Siebenbürgen auftaucht: 1500
qu. z. gesch. Kronst. 3, 3.
dies wird die allgemein gültige form der nhd. schriftspr., auch bei autoren nd. herkunft: z. b. 1592 Runau
krieg i. Pr. j 2
a; 1616
in Mecklenburg jb. d. ver. f. meckl. gesch. 6, 152
Lisch; 1623 Orsäus
nomencl. 127; 1634
nomencl. Hamburg 506.
eine mischform trawant
findet sich am anfang des 16.
jh.s im obd.: 1510
urkd. z. gesch. Max. I 490
Chmel; 1525
in Augsburg, s. 2 a;
z. j. 1530
chr. d. d. st. 23 (
Augsburg) 267; 270; 280; 308,
die Lasch-Borchling 468
auch für das nd. verzeichnen. —
die flexion ist überall die des schwachen masc., ein acc. sg. drawent
s. 1 b
ist vereinzelt. bedeutung und gebrauch. 11)
fuszkrieger, söldner zu fusz. 1@aa)
in dieser bedeutung erscheint trabant
neben älteren knecht, fuszgenger, -gengel, -männer
u. ä. zuerst in chron. u. urkdn a. d. zeit u. gegend der ersten Hussitenkriege zunächst zur bezeichnung hussitischer krieger zu fusz im gegensatz zu den berittenen: an. dom. in dem 24. ... qwam der Botczko mit 700 pferden und 8000 drabanten
Zittau jb. 1424
scr. rer. Lus. 1 (1839) 59;
vgl. M. v. Bolkenhain
z. j. 1424
ebda 354; die keczere mit irem reisegen gezeuge und drabanten (
Görlitz 1431)
cod. dipl. Lus. sup. II 2, 216; trabanten (
ebendaher 1431) 2, 276; ere (
der ketzer) waene (
wagen) und drawanten (
Löwenberg 1431)
urkdl. beitr. z. gesch. d. Huss. 2, 190
Palacky; trabanten 192; 292; 393 (
Görlitz 1431; 1432; 1433); drabanten
zittau. jb. 1433
scr. rer. Lus. 1 (1839) 64.
so auch noch später z. b. dij ketczer mit wagenburg, reisigen und drawanten (
Bunzlau 1469)
scr. rer. Siles. 13, 9.
in anwendung auf deutsche bezw. auf deutscher seite fechtende fuszkrieger stehen datierbare belege aus demselben quellenkreis seit d. j. 1435
zur verfügung: zu versuldin 100 pherde und 200 drabanten (
Bautzen)
cod. dipl. Lus. sup. II 2, 582; (
gegen die Hussiten) wurden gesandt 3 hern des rats mit 40 pherden und also vil wagin und mit 300 drabanten (
Görlitz 1438)
scr. rer. Lus. 1 (1839) 235;
ähnl. a. d. j. 1440
und 1442
ebda 247; 254;
a. d. j. 1467
urkdl. beitr. z. gesch. Böhmens 484
Palacky; vgl. z. j. 1428
bei M. v. Bolkenhain
scr. rer. Lus. 1 (1839) 359.
bezeichnenderweise tritt drabant
in chron. d. dtsch. ordens zuerst anläszlich des erscheinens der Hussitenschwärme in Preuszen 1433
für den hussitischen fuszkrieger auf: der Behemen ... sturben vil und kamen der drabanten wenig heyme zcu lande 1.
forts. d. ält. hochm. chr. z. j. 1433
scr. rer. Pruss. 3, 637.
auch im nordwestlicheren Deutschland knüpft sich die bezeugung für das wort an einen zug hussitischer söldner gegen Soest 1447
und bezeichnet hier nur den hussitischen fuszkrieger: de landgreve van Doringen mit einem here der Behmen, de heit men drabanten
Magdeb. schöppenchr., chr. d. d. st. 7, 409;
ebda 30 (
Lübeck) 60; vele behemisscher herren ... hadden der fotlude, de men dravanthen nomide ... unkristlike lude
Götting. urk.-b. 2, 196; in dat heer der dravanten
hildesheim. stadtrechn. 2, 738
Döbner; alsze wolden thein uppe de dravanten 2, 739; 731; 737.
ja eine reihe von quellen nehmen das wort noch deutlicher als einen volksnamen: hic populus qui ... vulgo extunc drawanten vocabantur E. Erdmann
chron. ep. Osnabrug. bei Meibom rer. germ. scr. 2, 260; eratque in praefato exercitu quaedam gens maledicta quae vulgo Drvanten vocabatur longe distans a bonis christianis
chron. mon. in Lothen (
Minden)
bei Meibom a. a. o. 532; ... a regno Bohemorum et multos de gente Dravantorum ... propter insultus istius gentis ... H. Wolter
chron. Bremensis, Meibom a. a. o. 77; eyn grot tall volckes geheyten de Drevanten, anders genomet de Bemer. dusse Dryvanten genant Bemer weren vreslijke lude ... se weren neophyten Arnd Bevergen
münster. chr. bei J. Ficker 249.
im nordwestl. Deutschland war also das wort in dieser zeit völlig unbekannt, was auch in der unsicherheit der formen zum ausdruck kommt, s. o. 1@bb)
dagegen zeigen schon für die jahre 1449
und 1450
die ordnungen und chroniken von Nürnberg, das seit 1421
an Hussitenkämpfen beteiligt gewesen war, das wort in völlig geläufigem gebrauch (
etwa 50
mal nachgewiesen, davon 8
mal als drabant,
über 40
mal als trabant,
vgl. auch zs. f. pr. gesch. 7, 512)
für den fuszkrieger, speciell den söldner zu fusz ohne eine beziehung auf Hussiten im gleichwertigen wechsel mit fuszgengel
u. ä.: riten hie aus bei 40 geraisiger und luffen mit in bei 50 trabanten
chr. d. d. st. 2, 159; alle drabanten, die solt hetten, und die, den man aus den firteilen aufbot, und die, die mit wolten zihen auf gleiche beut
ebda 2, 257; und wart der fuszknecht und wagenleut wol 100 erslagen ... und fürten die gefangen mit in hin, der warn 50 oder mehr eitel arm leut, pauren, wagenleut und ander drabanten
ebda 2, 181.
in dieser allgemeinen bedeutung und anwendung ist das wort seit mitte des 15.
jh.s verbreitet über Ostdeutschland (
seit 1453
in Preuszen, vgl. zs. f. pr. gesch. 7, 517; 1460
in Danziger urk. s. Baltzer Danzigs kriegswes. 15;
auch noch auf grund ihrer quellen Sim. Grunau
pr. chr. 2, 288 (
z. j. 1465); Runau
krieg i. Pr. (1582) j 2
a; C. Hennenberger (1595) 106;
seit 1462
in Brandenburger urkd. vgl. zs. f. pr. gesch. 7, 515,
in Pommern de vothknechte und trabbanten
a. d. j. 1491
bei Klempin dipl. beitr. z. gesch. Pomm. 531)
über theile des mittleren Niederdeutschland (
z. j. 1452
Lübeck, chr. d. d. st. 30, 131; so leit de hertoge knechte annehmen up ein drawent, 1494
Braunschweig, zs. d. hist. ver. f. Ndsachs. [1863] 221),
über das östliche Mitteldeutschland (
vgl. oben 1 a
u. a. d. j. 1471
urkdb. d. st. Freiberg i. Sa. 3, 609
b)
und theile von Süddeutschland (
z. j. 1462
in Augsburg, chr. d. d. st. 22, 190; 194; 25, 333; 338;
a. d. j. 1468
in Bayern urkdl. vgl. Würdinger kriegsgesch. v. B. 2, 319),
während der gesamte westen auszufallen scheint. je nach den ländern, aus denen in dieser zeit die meisten söldner geworben wurden, ist die rede von Schweizern als tr. (2000 trabanten, Sweiczer und ander
z. j. 1450,
chr. d. d. st. 2 [
Nürnberg] 226;
vgl. ebda 2, 408)
u. besonders von behemischen trabanten,
vgl. Riedel nov. cod. dipl. Brand. 2, 205 (
Cöln a. d. Sprew 1477); de dravanten unde de Bemen
im dienste Christians von Dänemark 1452
chr. d. d. st. 30 (
Lübeck) 131; do komen 400 Beheim hie an den solt, trabanten (
z. j. 1504)
chr. d. d. st. 11 (
Nürnberg) 676,
ohne dasz in dieser letzten verbindung eine directe beziehung auf die Hussiten liegt. gelegentlich auch: it. die fränkischen trabanten, die sächsischen und die andern trabanten (
im dienste des kurfürsten von Brandenburg)
urkde a. d. j. 1478,
vgl. Ledeburs allg. arch. 1, 270;
dasz die verwendung des worts nicht auf die geworbenen berufssöldner beschränkt ist, zeigen: die drabanten, die die stet gein Satzk zugelegt haben, sind gemeiniglich bawrn und unwerdlich leuth (
a. d. j. 1478)
cod. dipl. Brand. 2, 33
v. Raumer; 300 reisiger und 300 paurn drabanten (
z. j. 1465) S. Grunau
pr. chr. 2, 287; bei 18000 geschribner und bestellter fuoszknecht und bei 1600 drabanten, die kain sold hetten, guot gewinner, und der raissiger waren bei 2600 pferdten (
z. j. 1492)
chr. d. d. st. 23 (
Augsburg) 415.
in der dichtung erscheint drabant
um 1450: da sach man mangen mden drabanten H. Rosenplüt
ged. v. Markgrafenkrieg 1450
bei Liliencron 1, 433; drabanten vil der bœsen die findt man hie und dort Hermann v. Sachsenheim
sleigertüechl. in meister Altswert 254
lit. ver. 22)
soldat, landsknecht. nach der neuordnung des deutschen heerwesens durch Maximilian am ende des 15.
jh.s ging die bezeichnung tr.
auf die der landschaft selbst entstammenden knechte über, vgl. M. Jähns hdb. e. gesch. d. kriegswesens 939. 2@aa)
im eigentlichen militärischen bereich ist freilich die anwendung meist eingeschränkt auf den jeweils oder dauernd einem officier mit besonderen aufträgen oder zu persönlichem dienst zugetheilten: (
dem generalöberst hauptmann) werden gehalten
n. trabanten, die nimpt er von andern einfachen söldnern und knechten, den wirt dopel sold gegeben Fronsperger
kriegsreg. (1558) 4
a; jedem haubtman ... in disen leufen etlich trawandten zuzugeben, die auf sy warten und sy solhe hin und wider schicken mogen
ordn. d. st. Augsburg 1525,
zs. d. hist. ver. f. Schwaben-Neuburg 7, 243;
so schon 1507
Wilw. v. Schaumb. 117
lit. ver. die person des vorgesetzten zu schützen, ist eine ihrer besonderen aufgaben, was zu bedeutung 3
sp. 946
hinüberführt: deren (
der trabanten) ampt und befelch ist, das si mit iren hellenparten jeder zeyt bey irer herrschaft seyen ... sie, wo not, vor denjenigen, so irer herrschaft wolten zusetzen, zu beschützen Fronsperger
kriegsb. 1 (1571) 136
b.
in der schlacht aber stehen sie in reih und glied: begibt es sich aber, das man mit den feinden handlen wil, so dann ir herrschaft in die ordnung steht, sollen sie auch zu andern irs gleichen in die ordnung stehn
a. a. o. vornehme standespersonen erhalten tr.: so haben wir (
kaiser Maximilian einem grafen) ... bewilligt ... die zeit der kriegsleuff vier trabanten zu halten (
a. e. musterbestellbrief)
rhet. u. teutsch notar. (1556) 120
a,
auch auf eigne kosten: wil auch jemandts rosz, trabanten oder buoben auff sein kosten halten, ist im unverbotten S. Wolder
Türkenbüchl. (1558) 12
a.
auch im dienste militärischer beamten: (
dem pfennigmeister) werden gehalten zween trabanten Fronsperger
kriegsb. 1 (1573) 76
a,
sowie der militärischen gerichtsbarkeit: wird im (
dem schultheisz) gehalten ein trabant und ein jung
ebda 1, 5
a,
speciell des profosses, wodurch sich die bedeutung 5 c '
gerichtsdiener'
vorbereitet: so jemand ... ein straff verwirckt, es sey malefitz oder ander sachen, den soll der profosz ... trabanten annemen, den in eisen an einen wagen geschmid gefencklich verwaren
ders. kriegsordn. (1564) 31
a; werden (
dem profosz) gehalten zwen trabanten etwan drey oder vier, oder vier steckenknecht und ein jung
ders. kriegsreg. (1558) 64
b;
vgl. kriegsb. 1 (1573) 77
b; 37
b.
wie durch den doppelsold (
vgl. oben)
wird der tr.
öfters durch gleichstellung mit den niedern militärischen chargen aus der menge der gemeinen knechte herausgehoben: dem hauptman 25 söld. ..., zwoyen fenderichen jedem 5 söld., vier trabanten jedem 2 sold., vier waibeln jedem 2 sold (
a. d. j. 1542)
slg. d. württ. gesetze 19, 1 (1849) 29
Reyscher; seinen underfendrichen und drabanten, so in nachgliden stuonden (
postsignanis, qui in secunda acie erant)
M. Tacius
Frontini kriegsanschlege (1542) 19
b; hauptmann ... fenderich ... zween gemein weybel ... rottmeister, trabanten, ambesanten, diese ... empter Fronsperger
kriegsb. 1 (1573) 82
b; die hauptleut sach ich eillent reiten sambt den drabanten und waibeln lauffen, hin und herwider umb den hauffen Hans Sachs 22, 184
G. (
a. d. j. 1539);
nur vereinzelt in niederer stellung als trosz- und packknechte: der riter impedimenta, das sind trabanten
Vegetius rittersch. (1529) h 3
b. 2@bb)
im allgemeinen sprachgebrauch dagegen geläufig für den '
soldaten der neuen heeresverfassung überhaupt oder des vom landesfürsten bestellten aufgebots': auf das hot man das schlos besetzt mit vil trabanten ungeletzt
volkslied a. d. j. 1512
bei Liliencron 3, 79;
ebenso a. d. j. 1514
ebda 3, 151;
miles ein tr. Trochus
voc. (1517) f 2
a; ainem ieden geringesten trabanten oder landsknecht geleich (1524)
urk. z. gesch. d. univ. Tübingen 138; dieser text solte mir lieber sein den 4000 drabanten, denn er ist ... eine mauer und wehre der regiment Luther 28, 536
W.; die obersten uber hundert ... und die drabanten
2. kön. 11, 4 (
vulg.: centuriones ... et milites; erste dtsche bib., die tr.
überhaupt nicht kennt: hunderter ... und ritter);
2. kön. 10, 25; wasz grote landag tho Gottorp mit den vam adel und musten de lande dravanten holden und de uthkleden (
z. j. 1599) Neocorus 2, 362; den 1. juni ziehen unser trabanten mit dem hauptmann ... aus der stadt (1660)
quellen z. gesch. d. st. Brasso 3, 181.
dagegen gehören die wenigen schweizerischen belege der zeit dem reisläufertum an, vgl. th. 6, 137: her fendrich, sind uff schnell und bhend! ouch alle, die den sold hie nend! jr drabanten, versend ouch uwer ampt! Ruef (1539)
in schweiz. schausp. 3, 292
Bächt. 33)
leibwächter, pl. collectiv leibwache, durch die spec. aufgaben des tr.
als '
soldat, söldner' (
vgl. II 1 a)
schon vorbereitet, im 16.
und 17.
jh. besonders geläufig und so von zahlreichen wbb. vom 16.—18.
jh. vorwiegend gebucht: satelles, miles mercede conductus ut ab imperatoris latere non discedat, teutsch tr.
oder schariant Altenstaig
voc. (1516) 23
a; tr. gewardtknecht, schirmknecht Dasypodius (1536) 209;
somatophylax Maaler 404. tr.
leibschütz, heyduck zu fusz M. Kramer
niderhocht. (1719) 214;
milites palatini Apinus (1728) 534.
in der regel zu fusz, zuweilen aber beritten gemacht, vgl. Ayrenhoff 6, 53; Fäsch 915;
s. Jany
preusz. armee 1, 21. 3@aa)
im dienste eines herschers, insbesondere des deutschen königs und kaisers: als ich von jugendt auff bey dem hauss Osterreich in kriegslewffen und nun ew. kayserlichen mt. auch bey vier jar lang gedienet habe und bin noch des willens ... bey dem yetzigen meinem dienst zu verharren ... nachdem auch die zerung am hoff tewer ist ... Ulrich Sonnentag, trabanndt
urk. z. gesch. Max. I. 509
Chmel; der kaiser (
auf dem reichstag von Augsburg 1530) ... hat auch zuo bewarung seines leibs 300 trawanten, 100 Teutsch, 100 Niderlender und 100 Spaniolen
chr. d. d. st. 23, 267; ain landtsknecht, der ... kaiser Karel des 5
ten tr. gewesen 33, 97; zu einem kayserlichen trabanten angenommen Abr. a
s. Clara
etw. f. alle 2, 381; wir, ehrenvoll geschützt von eigenen trabanten, erwarten kaiserlich der völker abgesandten Göthe 15, 1, 282
W. (
Faust 10853).
Deutsche und Schweizer sind bevorzugte trabanten: wie dan ... der pabst und künig von Frankreich etlich hundert teutsche knecht zu trabanten halten Aventin
bayr. chr. 1, 585
L.; des hertzogen guardia oder trabanten ... mögen ohngefehr 30 Schweitzer und Hochdeutsche seyn J. W. Neumaier v. R.
reise d. Welschland (1622) 99; 101; S. Kiechel
reis. 175
lit. ver.; ein tr. in alter Schweizertracht A. W. Schlegel
s. w. 9, 71;
vgl. Schweizertrabanten Krünitz 186, 531.
wie in der garde du corps des französischen königs seit mitte des 15.
jh.s (
vgl. v. Alten 4, 33)
erscheinen auch in Deutschland adlige als tr.
in der leibwache: 100 trawanten, welche der merer tail edel sind (
z. j. 1530)
chr. d. d. st. 23, 270; etliche trabanten ... 3 vom adel die auf gnad warten, bisz man sie zu trucksessen macht Hainhofer
rel. 65
Häutle, vgl. die adelbursche
als leibgarde z. b. 1596 A. B. König
denkw. (1787) 101;
zs. f. preusz. gesch. 7, 539; Jany
pr. armee 1, 22.
später an ihrer statt officiere z. b. in Schweden unter Carl XII. Eggers 2, 1136.
vgl. die nobelgarden
z. b. in Österreich. gern mit verdeutlichendem synonymon: hertzog Albrecht von Saxen mit seinen leibshütern und trabanten hinab fuor (
in die sant Jörgen gruben) S. Münster
cosm. (1550) 9; trabanten und leibguardi Grimmelshausen
Simpl. 423
Kögel; tyrannen ... haben ihnen leibwächter und trabanten beigelegt E.
M. Arndt
schr. f. u. a. s. l. D. 1, 268; die trabanten, die leibwache des fürsten Ritter
erdk. 1, 984.
auch auf königliche leibwächter ferner zeiten und gegenden angewandt z. b. von Luther
im alten testament: die trabanten standen um den könig her, ein jeglicher mit seiner wehr in der hand
2. kön. 11, 11; könig Layus get ein mit ... zweyen trabanten H. Sachs 8, 30
K.; leibhüter ... des königs (
von Guinea) guardy und drabanten Hulsius 7.
schiffart (1606) 95.
übertragen: weil er (
der bienenkönig) ohne stachel, musz er von seinen trabanten versichert werden G. Treuer
Däd. (1675) 1, 202,
und bildlich gebraucht: (
gesundheit und reines gewissen) die getrewen trabanten und wächter seines lebens Guarinonius
grewel 108; ein fürst könne kein besseren oder vertrawlichern leibschützen oder trabanten haben als die lieb seiner unterthanen Zinkgref
apophth. (1628) 1, 62; Herder 26, 270
S. in ihrer äuszeren erscheinung sind die tr.
gerade als leibwächter durch ihre besonderen waffen gekennzeichnet: trabanten mit spieszen, hellebarden und partesanen
chr. d. d. st. 33, 329; Pocci
kom. büchl. 3, 227,
was in den umschreibungen der wbb. zum ausdruck kommt: doryphorus Dasypodius (1536) 439
a; Frisius 449
a; Reyher
thes. n 2
b;
satelles tr., gwardeknecht, helleparthierer Schöpper
syn. 108
a Sch.-K., vgl. Fäsch
kriegslex. (1735) 915; Zedler 44, 1789,
nicht selten auch durch einheitliche, oft prächtige kleidung: in dem ersten (
saal der herzogin) stehen ... 100 trabanten mit helleparten in altteutschen auszgezogenen langen hosen, blaw und weisz und in kurzen mänteln, auch mit blaw und weiszen strichen gebremt ... und gehen ... die trabanten alle gleich gekleidet Ph. Hainhofer
relat. 59
Häutle (
a. d. j. 1611);
chr. d. d. st. 33, 239 (
z. j. 1562); S. Kiechel
reis. 175
lit. ver.; jb. d. ver. f. meckl. gesch. 6, 152
Lisch; J. W. Neumaier v. Ramszla
reise d. Welschland (1622) 99; Laner
H. v. Kerssenbroich gesch. d. wiedertäufer (1771) 2, 58; 61;
vgl. Jany
preusz. armee 1, 22. 3@bb)
aus der allgemeinen aufgabe der tr.
als leibwächter hebt sich mit mehr oder weniger deutlich entwickelter nebenbed. heraus ihre verwendung als ständige begleiter, gefolge des herrn: stipatores ... tr. die ohn unterlasz umb den herrn sein, ihn zu beschützen und beschirmen S. Roth (1571) p 5
b; auch send an beiden seiten neben ir. mt. 50 trabanten nebenher gangen
chr. d. d. st. 33, 239; 280; 360; rings um ihn her giengen 40 trabanten mit groszen silbernen keulen Ziegler
Banise (1689) 363,
als ehrenposten, ehrenwächter bei den verschiedensten festlichen gelegenheiten: in ankunfft der frOembden herrschaften sollen auch die trabanten semptlich aufwarten (1592)
bei A. B. König
denkw. 99,
als thronwächter: door seet syne (
des fischers) fru (
als kaiser) up enem troon ... un up beyden syden by eer door stünnen de trabanten so in twe regen
kind. u. hausmärchen 1 (1857) 105,
bes. häufig als wache vor den fürstlichen gemächern, '
türhüter': tr., so für eines fürsten losament wachen
accubii Dentzler (1716) 2, 288
a; einen trabanten für das zimmer geordnet, welcher tag und nacht davor aufwarten müssen Ph. Hainhofer
rel. 23
Häutle; Gottsched
dtsche schaub. 6, 27; er führte sie ... zur thüre hinaus, wo sie ... 4 fürstliche trabanten, von einem unterofficier befehligt, vorfanden Nicolai
Seb. Nothanker 1, 50,
vor dem thor des palastes: drabanten, die der thür hutten am hause des königes
3. kön. 14, 27; des hertzogen guardia oder trabanten pflegen unter dem thor allzeit auffzuwarten J. W. Neumaier v. R.
reis. d. Welschland (1622) 99; ein thorwärter oder tr. Moscherosch
ges. 1 (1650) 496;
alabardière tr., thorsteher, hatschier
N. v. Castelli (1741) 1, 28
b; G. Freytag 12, 64.
auszerdem ergibt sich aus der ständigen anwesenheit des tr.
in der nähe des herrn eine fülle von gelegentlichen aufgaben, die öfters auszerhalb eines militärischen dienstes liegen, wodurch sich ein übergang zu der bedeutung 5
anbahnt, als '
bote': der marggraf spricht zum ersten trabanten geh auf das nechste dorf hinausz in eines armen hirten hausz ... heisz in zu uns kummen zu hand H. Sachs 2, 44
K.; Herder 27, 70
S.; Christoff Richter, ein tr. und einspenniger (
vgl. th. 3, 301;
zs. f. pr. gesch. 7, 510; Jany
pr. arm. 1, 22) emeritus J. Andersen
or. reisebeschr. (1669) 166
Olear., als hüter der ordnung: soll ein jeglicher tr. auf den burghfrieden acht haben, es sey am hoflager oder andern jagdtheuszern (
a. d. j. 1571)
bei v.
d. Ölsnitz 1.
inf. reg. 5,
bei der ausführung fürstlicher verhafts- und blutbefehle, wobei sich die nebenbedeutung '
scherge'
ergeben kann, die mit 2 a
zu 5 c
hinüberweist: hat der kaiser seinen profosz mit 200 trawanten geschickt und Hansen Schneyden in seinem haus laussen fahen
chr. d. d. st. 23, 308; 32, 59;
buch d. liebe (1587) 223
a; der könig sprach zu seinen drabanten (
emissariis vulg., knechten
erste dtsche bib.) die neben im stunden, wendet euch und tötet des herrn priester
1. Sam. 22, 17; A. U. v. Braunschweig
Oct. 1, 599; wolan, ir trabanten, bringt balt den David zu mir mit gewalt W. Spangenberg
Saul (1606) e 6
b; Lohenstein
Agrippina (1665) 75; Göthe 13, 2, 20
W. 44) trabanten
leibgarde zu pferde, cavallerieformation des stehenden heeres, die sich seit der mitte des 17.
jh.s z. b. in Brandenburg und Kursachsen aus den trabanten
der leibwache entwickelt, vgl. Jany
pr. arm. 1, 22;
zs. f. pr. gesch. 7, 540,
in Preuszen seit 1692
als garde du corps v. Alten 2, 465
a: 4 schwadronen cavallerie, eine von den trabanten und 3 vom regiment Anhalt v. Kessel
tagebuch D. S. v. Buch 1, 123; Fr. W. v. Kyau ... trat ... in das sächsische heer ein und wurde ... 1734 zum major und commandeur einer compagnie reitender trabanten ernannt H. Wagener
staats- u. gesellschaftslex. 11 (1862) 668; Stuhr
brand.-preusz. kriegsverf. (1819) 1, 218; wohin (
ins lager) die reutenden ansehnlichen trabanten nebst den carabinirs sich nun zurücke wandten, nachdem sie hier zuvor in ordnung ausgerückt ... auch zogen sich zurück nun die ulanerhorden ... v. König
ged. (1745) 242. 55)
diener, aus 3 '
leibwächter'
entwickelt, vgl. die ähnliche bedeutungsentwicklung von lakai
th. 6, 79; Schulz-Basler 2, 5,
wie in der wirklichkeit so im sprachgebrauch von 3
nicht immer klar geschieden, hauptsächlich fürstendiener: drabant ... herrendiener Serranus
syn. 53
b;
assecla ein herrenknächt, der dem herren nachtritt, tr. Frisius 127
a;
regius ... minister ein tr., hofediener B. Farer 717
b; Henisch 739. 5@aa)
in allgemeiner verwendung: (
Jan v. Leyden) havet ... enen koningshof an, mit stadtholderen, scenken, diskdeneren, reden ... credenzeren ... drabanten, werkmesteren
hamb. chr. 83
Lapp. (
vor d. j. 1542); ... da ihre frstl. gn. ... mich fortraisen lassen, als ich ... dem silbercammerer, den trabanten in kuchen, keller, stall und wer bemühet gewesen ... die verehrung zuvor austheilen lassen Ph. Hainhofer
rel. 48
Häutle (
a. d. j. 1611).
in der rangordnung der hofbediensteten gilt der tr.
mehr als der lakai: der stallknecht nennet sich einen stallmeister, der cammerdiener einen hoffmeister ... der lacquay trabandt Moscherosch
ges. (1646) 1, 45.
übertragen auf das reich gottes, wobei die bedeutung 3 b
und 2 b
nachklingen kann: die apparitores, die göttliche trabanten und himmlische heer der heiligen engel Dannhawer
cat.-m. 1, 44; die englischen trabanten, ... gottes hofediener, vertraute cammerboten G. Treuer
Däd. 1, 451,
und des teufels: der fürst der finsternisz mit seinem hofgesinde und trabanten Prätorius
Blockesb. verr. 141,
auch bildlich: die feinde seynd der satan und seine trabanten, fleisch und blut, welt und geld G. Treuer
Däd. 1, 260,
sowie auf die antike mythologie angewandt: die satyri und sileni sind seine (
Pans) trabanten Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. 4, 16;
weitergeführt: den Zeus ersuchte sein trabant, der adler, einst um das vergnügen Pfeffel
poet. vers. 2, 107,
mit dem nebensinn des unterwürfigen dieners auf standespersonen am hof in dem abschätzigen sinne des '
höflings'
und '
schmeichlers': ... wo ihre (
der fürsten) trabanten einen nebelkreis von lügen um sie ausdünsten Bettine
d. buch gehört d. k. 1, 148; unscheinbar von auszen sind sie von innen schöner und leuchtender denn all die stolzen Leviten des tempels und des Herodes trabanten und höflinge, die goldgeschmückten, die purpurgekleideten H. Heine 1, 193
E.; da drängte durch die schaar umschmeichelnder trabanten zum könig sich ein mann Fr. Rückert 3, 386. 5@bb)
als '
beiläufer', '
vorläufer'. 5@b@aα)
eigentlich: servus a pedibus ein lagkey oder löuffer, tr. Frisius 28
b; eynen furtraber und trabanten, wie für den königen herlauffen Luther 17, 1, 222
W.; 1. kön. 1, 5;
2. Sam. 15, 1; trabanten, lackeienfüsz ... (
courratiers, laquais ...) Fischart
groszm. (1606) e 6
b; herzog Heinrich ... hatte 12 rosz und ein trommeter und zwei trabanten bei sich laufen v. Schweinichen
denkw. 169;
im wortspiel mit traben: in disem land hab ich nie kein esel sehen trabanten haben, welche neben im einher traben Seb. Wild
in schausp. a. d. 16. jh. 1, 221
Tittm.; in vermischung mit 3 b,
vgl.tr. '
leibwächter oder diener, welche neben der gutschen eines groszen herrn hergehen' Belemnon 191: als der künig nun für über war, kame der frawen kamerwagen, do giengent so vil trabanten mit
Tristrant 138
lit. ver.; A. H. Bucholtz
Herkuliskus 25;
M. Kramer
nid.-hocht. (1719) 400.
selten im städtischen dienst: die herren des raths (
zu Breslau) fiehren sich ... in einer karuz ... mit trabanten oder dieneren neben der karuzen auf das rathausz (
a. d. j. 1697) Ertinger
raisbeschr. 71; H. v. Fleming
vollk. soldat 307;
im vergleich studierte ich das stück ... ergriff alle rollen ... nur dasz ich mich meist an den platz der haupthelden zu setzen pflegte und die übrigen wie trabanten nur im gedächtnisse mitlaufen liesz Göthe 21, 23
W. 5@b@bβ)
in der übertragung entwickelt sich unter allmählicher verblassung der eigentlichen vorstellung die allgemeinere bedeutung '
gefolge, begleiter',
bei der auch 3 b
und in neuerer zeit 6
mit anklingt: der herr Jesus hat kein trumeter, blind und lam sind sin trabanten (1522)
N. Manuel 105
Bächt.; siben trabanten ich ouch hab, mit denen ich die welt durchtrab ... der dritt trabant heyszt unküscheyt Kolross (1532)
in schweiz. schausp. d. 16. jh.s 1, 88
B.; des todes fürgenger und trabanten, trübnusz, angst, not ... Mathesius
Sar. 208
b; nit manglets (
dem mond) an trabanten, an sternen klar und hell Spee
trutzn. (1649) 40; die unwillkommenen trabanten der kulturpflanzen, die acker- und gartenunkräuter Wimmer
gesch. d. dtsch. bod. 228; der hochgeschwungene kegel des Hundstod im kreise seiner felsenkahlen trabanten H. v. Barth
Kalkalpen 17; 520.
von geistiger, persönlicher, politischer, cultureller abhängigkeit und anhänglichkeit nach einem vereinzelten frühen beleg des 16.
jh.s.: dat nu Luther, des duvels knecht, und sine dravanten leren Daniel v. Soest 225
Jostes erst in jüngerer zeit bezeugt: (
magister) Knellius und ... seine trabanten maler Müller 2, 103; Arnim, Brentano, deines (
der romantik) zugs trabanten Freiligrath
ges. dicht. 3, 18; meine Lucie und ich sind wenigstens durch unsere gesinnung werth gewesen, sich ihnen (
anrede) als treue trabanten in allen lagen des lebens in gedanken anzuschlieszen fürst Pückler
briefw. u. tgb. 6, 165; als er nebst seinen trabanten (
cameraden) gehörig zugedeckt schien Keller 6, 301; sei es den Belgiern und ihren deutschen trabanten gesagt, dasz Deutschland ...
preusz. jb. (1930) 116; Frankreich und seine trabanten im osten (
die kleineren slaw. staaten)
dtsche allg. ztg. (1931)
nr. 309. 5@cc)
diener der gerichtsbarkeit; als solcher war schon gelegentlich der tr.
als '
soldat'
und '
leibwächter'
verwandt, vgl. 2 a
und 3 b,
sowie praetor ein profosz ...
praetoriani milites trabandten oder steckenknecht Serranus
dict. (1540) x 1
a; tr.
lictores ders. syn. (1579) b b 3
a und wer ist der mitten geht gleich zwischen Minos drabanten (
im personenverz. gerichtsknecht) (1542) Schade
sat. u. pasqu. 1, 128.
deutlicher: birro, sbirro, zaffo stattknecht, der obrigkeit diener, tr. Hulsius 2 (1618) 60
b;
spiculator tr., hencker, scharffrichter Dentzler (1716) 1, 743; dem pedell und dem häscher ..., der mit seinen trabanten vor der thür wartete, zu folgen Laukhard
leben 2, 156; sah ich zween stadtknechte in schäckichten röcken heraneilen. es waren die diener der rache des regierenden bürgermeisters ... beide trabanten ... Pfeffel
pros. vers. 1, 207.
in der bedeutung '
polizist'
in Österr.-Ungarn: arretirte ihn ein hartherziger 'trabant'
M. Nordau
seifenblasen (1879) 28; 22
Recl.; vgl. zs. f. dtsche wortf. 4, 159. 66) '
nebenplanet', '
mond',
auf grund der lateinischen bezeichnung '
satellites' (
s. z. b. Kepler narr. de Jovis satellitibus Prag 1610)
für die 1609
und 1655
entdeckten monde des Jupiter und Saturn aus 5 b
übertragen auf kleinere himmelskörper, die sich um einen gröszeren bewegen: sie nennen ihn (
den mond) daher einen trabanten der erde, weil er sie auf ihrer jährlichen ... reise um den ... sonnenkörper nicht verläszt Gottsched
das neueste 1, 42,
und als eigne bedeutung verselbständigt. 6@aa)
eigentlich: die satellites Jovis oder die sogenandten Jupiters trabanten, welche andere lunae Joviales oder wie Kepler ... circulatores Joviales nennen J. L. Rost
astr. hdb. (1726) 428; Liscow
schr. (1739) 56; 6 planeten, davon drei begleiter haben ... die erde mit ihrem monde ... Jupiter mit 4 und Saturn mit 5 trabanten Kant
nat. gesch. d. him. (1755)
einl. I; unter den Jovialischen trabanten (
comitum Jovialium)
Hügens weltbeschauer (1767) 145; A. v. Humboldt
kosm. 1, 101; wären die monde (trabanten, satelliten) des Jupiter ihrem centralcörper nicht so sehr nahe gerückt J. Plaszmann
d. planet Jupiter (1892) 13; 74; 88; H. Struve
beob. d. Saturnstrabanten (1888) 12.
in erweiterter anwendung: die erde, deren tr. er (
der mond) ist J. G. Krüger
diät. (1751) 469,
noch allgemeiner: ihm (
dem menschen) ist der gang der planeten und ihrer trabanten nicht fremde
N. d. Giseke
poet. w. (1767) 41; Lavater
physiogn. fragm. (1775) 1, 154; Voss 4, 304,
mit erweiterung der bedeutung zu '
planet': millionen von sonnen ... jede von werdenden welten und ihren trabanten umringet Zachariä (1764) 4, 17.
den übergang zeigt: die sonne mit ihren planeten als trabanten Lichtenberg
verm. schr. 4, 253; der seiner sonne entwichene, erstarrte, unfruchtbare tr. Klinger 11, 46; G. Forster
s. schr. 4, 313; Fr. A. Lange
material. 109. 6@bb)
übertragen auf menschliche verhältnisse: jeder dieser neuen planeten am gelehrten horizonte hat nun auch wieder seine trabanten Bremser
parömien (1802) 122; Schreyvogel
ges. schr. 2, 1, 174; umfassen die ... biographen ... die ersten versuche der kunst und ihre vollendung, sterne erster grösze und trabanten Justi
Winckelmann 1, 297.
auch: don Gaston bleibt tr. von diesem stern (
einem schönen mädchen) C. A. West
Diana (1862) 201; wir (
frauen) wissen, dasz wir nur die gehorsamen trabanten dieser mächtigen planeten (
männer) sind Bauernfeld
ges. schr. 2, 17.
in anderer art: seine innere welt steht weit abgerissen neben der äuszern, er kann von keiner in die andere, die äuszere ist nur der tr. und nebenplanet der innern Jean Paul 1, 219
H.; die eitelkeit ist der mond dieser erde, der ehre kühler und kleiner tr. Börne
ges. schr. 3, 253,
seltener auf den bereich der natur: mit dem sommersolstitium und dem herbstäquinoctium stieg und fiel nun mit den himmelsgestirnen so regelmäszig der landesstrom (
Nil), als wenn er ihr tr. auf erden wäre Ritter
erdk. 1, 836. —
gelegentlich tritt bei unklar gewordenem bilde fremdartiges hinzu: zu seinem endzweck ..., sich allen andern vorgezogen zu sehen und die andern ... nur als trabanten in seiner atmosphäre sich umdrehen zu lassen Lenz
verth. d. h. Wieland 13
lit. denkm.; dieser karakter (
Franz Moor) ist ein eigenes universum, das sich gern jenseits der sublunarischen welt, vielleicht in einen trabanten der hölle einquartiert wissen möchte Schiller 2, 364
G. 77)
besonderheiten der bedeutung finden sich in der ma. nahestehender umgangssprache: 7@aa)
als bezeichnung für '
kleine kinder'
bes. für Mittel- und Westdeutschland bezeugt, meist von den eltern oder in bezug auf die eltern so gebraucht, oft als scherzhaft empfunden: Martin-Lienhart
els. 2, 737;
auch niederrh.; Buchrucker
Elberf. 164; Leithäuser
Barmen 159; Woeste-
N. westf. 273
b; Jellinghaus
Rav. 153; Leihener
Cron. 124; Kehrein
hess.-nass. 406; drawanden Hofmann
ndhess. 240; trawanten Reuting
Höchster ma. 45; Damköhler
Nordharz. 195; Kleemann
nord.-thür. 23.
specialisiert auf '
jungen': trawant Schön
Saarbrücken 210;
heitere, geweckte knaben Martin-Lienhart,
wilde, ungezogene jungen bzw. kinder Rovenhagen
Aachen. 146; Hönig
Köln. 181
b; Müller-Fraureuth
obers. 1, 235; Jäschke
schles. 149; Frischbier
preusz. 2, 407,
lästige kinderschar trawants Lenz
Handschuhsh. 71.
wohl eher als an 6 (
so Kehrein
a. a. o.)
an 5 b
anzuschlieszen; gelegentlich an traben,
vb., angelehnt: drabant '
ein kleiner junge mit dem nebenbegriff des lustigen umherspringens' Scholl
Ottweiler 97. 7@bb) '
gesellschafter' Leihener
Cron. 124, '
unerwünschter lästiger begleiter': wet hjist dy dir far trabantere Jensen
Wied. 637; Unger-Khull
steir. 163;
dazu in gemilderter bedeutung trabantling
ebda; trapantə Meisinger
Rappenauer ma. 204,
vgl. 5 b
β. 7@cc)
in unbestimmterer allgemeinbedeutung, abschätzig gebraucht: '
kerl, mensch': W. Clausz
Uri 130; Hunziker
Aarg. 57; ne liederliken tr. Woeste-
N. 273; dat es mek en schleiten tr. Leithäuser
Barm. 159; du böss en netten tr.! (
ironisch) Buchrucker
Elberf. 164. '
herrischer mensch' Wipf
Vispert. im Wallis 76. '
plumpe weibsperson' Unger-Khull
steir. 163,
insbesondere als schimpfname für unbeholfene weibliche dienstboten: ebda; Hügel
Wien. 165; aber die ausdrücke, die man hört ... tr., landpatsch, trampel, das sind noch die besten wörter, die ich (
die magd Sepherl) krieg Nestroy 2, 160,
vgl.küchentrabant H. Hopfen
glänz. elend (1893) 2, 159; kucheltrabant Hügel
Wien. 165. 88)
zusammensetzungen mit trabant-
sind häufiger nur zu der bedeutung 3 '
leibwächter'
seit dem 17.
jh., und in neuerer zeit zu 6 '
nebenplanet'
; zu den übrigen bedeutungen gibt es nur vereinzelte bildungen: