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strom

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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20 in 17 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

strom m.

Bd. 20, Sp. 1
strom, m. , strömung; flusz, groszer flusz. II. herkunft und form. I@11) gemeingermanisches wort: ahd. straum, stroum, mhd. stroum, strôm, strâm, stram, strân; frühnhd. strām, strōm; as. mnd. nd. strôm; afries. strâm; mndl. ndl. stroom; ags. me. engl. stream; an. straumr (woraus finn. rauma 'meerenge' entlehnt ist), norw. straum, n. strøm, schw. ström. got. nicht bezeugt (dafür aƕa; runs). gebildet mittels ma-suffix von der in allen idg. sprachen auszer dem italischen lebendigen wurzel sreu 'flieszen', siehe über diese Walde-Pokorny 2, 702 f. mit germ. strauma- völlig gleiche bildungen fehlen in den verwandten sprachen. dafür stehen in diesen die (theils neutralen, theils masculinen) men-bildungen gr. ῥεῦμα 'das flieszende, flusz, strom', thrak. Στρύμων, air. srúaim 'flusz', abret. strum 'copia (lactis)', lit. dial. straumuo 'strom, wildbach', wozu die weiterbildungen lit. sriaumé und lett. stràume 'strom, strömung', poln. strumień 'bach, giessbach', vgl. über die baltoslavischen worte Trautmann bsl. wb. 280. I@22) aus ahd. straum (gl. 1, 22, 26; 201, 30) ahd. mhd. stroum (gl. 1, 604, 21; 313, 45; 59; minnes. 3, 334a v. d. H.; Herbort 2244; 2181) entwickelt sich seit dem 13. jahrh. im bair. und nördl. ostfränk. strâm, das sich bis ins 17. jahrh. hält (Moser frühnhd. gr. § 79, 9; Michels mhd. el.-b.4 § 98 u. anm. 2; Weinhold bair. gr. § 40), im schwäb. strôm (Weinhold al. gr. § 42; 124), im ripuar. und moselfränk. wie im ostthür., obsächs. und ostmd. strôm (Michels mhd. el.-b.4 § 98; Paul-Gierach mhd. gr. § 100 anm.). ou, meist als au, erhalten bzw. neu gebildet im westfäl., mittelsten md. und al.; die nd., ost- und westmd. und schwäb. form strôm setzt sich nach kurzem kampf mit strâm im frühnhd. (letzte belege in der litteratursprache: C. Spangenberg mansfeldische chronica (1572) 376 a; Dreyfelder hist. d. hauses Est (1580) 273 a; Spreng Aeneis (1616) 5b; 164b usw.; Ferber eigentl. u. wahrhafte beschr. (1610) F 4a) im 17. jahrh. als schriftsprachlich allgemein durch. Pauls anderer herleitung von strom aus strâm (dt. gr. 1, 212), da im spätmhd. in theilen des bair. und schwäb. â > ô wird, widerspricht Moser § 75, 6. für die auffällige verdrängung des regulären diphthongs ou, au aus der hochsprache und seine ersetzung durch den mundartlichen monophthong seit mhd. zeit ist wohl der an- bzw. gleichklang des oft fälschlich mit strom 'fluctus' zusammengestellten, in wahrheit aus anderer wurzel schlieszlich bis zu lautlichem zusammenfall im frühnhd. entwickelten strâm, strôm 'streifen, (licht-) strahl' (s. dies) von einflusz gewesen; haben sich doch daraus sogar bedeutungsüberschneidungen entwickelt, s. II A 5. heutige mundartliche verbreitung von ō, ā, ou: Behaghel gesch. d. dt. spr. 5§ 285, 1—8. in den mundartenwbb. selten belegt: strom Fischer Samld.; Schumann wortsch. v. Lübeck 24; Woeste westfäl. ma.; Hunziker Aargauer wb.; stroom Boy P. Möller Sylter ma.; strām Crecelius oberhess. wb.; Schmeller d. maa. Baierns 70; 331 (ostlech.); stroum wb. d. luxemb. ma.; Follmann wb. d. dt.-lothr. maa.; strm Schöpf tirol. id. I@33) in altem ablautverhältnis dazu steht wohl die form mit ū: Walde-Pokorny 2, 703; Paul-Gierach § 56, 2. strum: gl. 4, 114, 50; mhd. wb. 2, 2, 704a; Lexer 2, 1253. u-formen auch in einigen maa.: Schmidt-Petersen fries.; Jensen nordfries. wb.; Christa Trierer ma.; Lenz vgl. wb. d. nhd. spr. u. d. Handschuhsheimer dial. I@44) ursprünglich starkes masc. der a-decl., pl. ahd. strouma (Graff 6, 754); erst im 12. jahrh. vereinzelt rudentibus struomin vel hellistromin gl. 1, 793, 13; noch mhd. selten umgelautet: Lexer 2, 1223/4; mhd. wb. 2, 2, 673. im 16. jahrh. wird der umlaut als functionszeichen des plurals fest; letzte belege für umlautlosigkeit: dat., acc. stramen Luther 10, 3, 408, 8 W.; Frisius 1202a, und acc. stromen ebd. 1114a; volksb. v. dr. Faust 48, 27; 54, 2 usw. 2Petsch; Ortelius schawplatz des erdbodems (1572) 1 a; die strahme Frisch (1741) 2, 349 a. daneben findet sich übergang in die schwache decl., wohl wieder unter einwirkung des gleichklingenden strâm, strôm 'streifen, strahl' (s.stram). schon mhd.: ......... der sunden teich ich schwimme in ierem stramen (: namen) Germania 5, 363; und sprach: nu wachset immer mer und mannigvaltigt ewern samen und erfüllt des wassers stramen Vintler 6989 Zingerle; vornehmlich in frühnhd. quellen süddt. herkunft: acc. den stramen Güthel eyn selig new iar (1522) S 3 a; die gantze bibel verteutscht (Zürich 1531) 4 D; Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 81; Heyden Plinius (1565) 173; volksb. v. dr. Faust 71, 1; Spreng Aeneis (1610) 164 b; dat. dem stramen hertzog Aymon (1535) F 3 b; Fabri eigentl. beschr. (1556) 177 a; Franck weltb. (1567) 2, 2, 28 a; gen. der ursprung desz aegyptischen land-strohmens Nili Parnassus boicus 4 (1725), 244. pl. die stromen, stramen volksb. v. dr. Faust 52, 32; 54, 2 u. s. w. daneben üblicher, oft in denselben quellen, starke flexion: schwamm inn vollem stram Fischart gesch. 281 neudr.; des meeres stram Spreng Aeneis 5 b. I@55) orthographie. seit dem 17. jahrh. dringt, zunächst sporadisch, h zur bezeichnung der vocallänge in die schreibung; strohm ist dann vom ende des 17. bis in die zweite hälfte des 18. jahrh. die gewöhnliche form. 'weil das wort schon umfang genug hat' (Adelung kl. wb. ... zur dt. orthogr. (1788) 384; vgl. Paul dt. gr. 1, 319), wird h im letzten drittel des 18. jahrh. schnell fallen gelassen und begegnet im anfang des 19. jahrh. nur noch vereinzelt; als einer der letzten hält Niebuhr m. gesch. (1811) 1, 54; 62; 112; 157 u. s. w. an strohm fest. IIII. bedeutung und gebrauch. II@AA. eigentlich: vom flieszenden oder offenen wasser auf der erdoberfläche. II@A@11) die dauernd gleichsinnige bewegung des wassers auf der erdoberfläche, motus aquarum continens, 'strömung'. so im ahd. und mhd. geläufig: fluxus Dief. gl. 178 a; 240 c; motus aquarum Dief. gl. 240 c; ml.-hd.-böhm. wb. 127 a; gurges gl. 4, 114, 50; zfda 5, 416, 87; Dief. gl. 267 b; 271 b; nov. gl. 199 a. ebenso im nhd. bis ins 18. jahrh.: cursus aquae Kilian (1623) O o 2 c; das geschwind fliessen eines wassers, le fil de l'eau d'une rivière Hulsius-Ravellus dict. (1616) 314 a; Frisch nouv. dict. (1730) 540; Chomel (1757) 8, 1734. die mittere flut (lauff) eines wassers Kramer (1719) 2, 208 c. im zeitalter des rationalismus führt der drang nach sprachlicher begriffsdifferenzierung zur einschränkung von strom auf die concretisierte strömung, den (groszen) flusz (s.A 2). letzte theoretische zeugnisse für strom = motus aquarum sind: Schwan nouv. dict. (1784) 2, 737 a; Benzler wasserbau-lex. (1792) 1, 157/8; Röding allg. wb. d. marine (1792) 2, 746; für die bedeutg. 'motus aquarum' wird strömung neu gebildet (s. d.). strom = strömung ist seit dem beginn des 19. jahrh. nur noch geläufig in zusammensetzungen (golfstrom, stromschnelle, stromstrich), erstarrten präpositionalen verbindungen (wider den str. u. s. w., s. A 1 c) und in den maa., in denen es freilich nicht häufig zu sein scheint: Schöpf tirol. id.; Schmeller 2, 813; Martin-Lienhart; wb. d. lux. maa.; Vilmar kurhess. id. 402; Hentrich Eichsfeld 78; Schumann Lübeck 24; Möller Sylter ma. 255 b; Siebs Helgoland 290 a; ten Doornkaat-Koolman; Schmidt-Petersen fries. bemerkenswerth: 'heute ist das wort bei uns vielleicht nicht mehr gebräuchlich' Crecelius oberhess. wb. 819/20 (vgl. sp. 6). II@A@1@aa) die durch das gefälle hervorgerufene, meist deutlich wahrnehmbare, ununterbrochene natürliche bewegung flieszender gewässer auf dem lande; strömung in flüssen, bächen: ouch vant ich einen brunnen kalt ... der eine mülen mit gewalt wol tribe an sînem stroume Konrad v. Würzburg klage d. kunst 1, 8; Wîzil ist eins wassers nam unde hât vil snellen strâm Nikolaus v. Jeroschin 3740. so auch mnd.: dat (water Edesa) so dep is unde so stark enen strom heft Korner bei Schiller-Lübben mnd. wb. 4, 440 b. so im nhd. bis ende des 18. jahrh. geläufig: hergegen fallen der Pfo ... und etliche mehr mit groszer ungestüme in das meer, behalten jren strom und geschmack sehr weit Uffenbach atlas minor (1609) 305; ward ich eines groszen baums gewahr, dessen aeste unweit vor mir aus dem wasser herfür reichten, der strom ging streng und recta darauf zu Grimmelshausen Simpl. 320 neudr.; (Ilm) meine ufer sind arm, doch höret die leisere welle, führet der strom sie vorbei, manches unsterbliche lied Schiller 11, 111 G.; das blut sprang reichlich hervor und mit der schlängelnd anspielenden welle vermischt folgte es gekreiseltem strome nach Göthe I 25, 297 W. besonders klar bei scharfer gegenüberstellung von wasser 'flusz' (vgl. th. 3, 1855; 13, 2300) und strom 'strömung': als ich drausz wolt im wasser (Nil) baden, spaciert also an den gestaten mit Eliseba, der jungkfrawen, da wardt sie in dem stram anschawen ein kestlin, war gemacht von ror H. Sachs 10, 91, 29 lit. ver.; danket gott, dasz ich ... mocht auf dem wasser davon kommen, auf dem strom, der auf die stadt zuging (1576) Schweinichen denkw. 113, und mit abhängigem gen.: als nun der Chaumigrem ... die meiste verhinderung durch den strohm des flusses gespüret hatte Ziegler asiat. Banise 572; wenn ich auf meinem vorwerk bin, so folge ich oftmalen dem sanften strohm einer klaren bache discourse der mahlern 2, 1; legt sie sich vor die mündung eines flusses, so schwellt sie den strom zurück maler Müller werke 1, 48. im 19. jahrh. ganz vereinzelt; mit mundartlichem unterton: ... bemerkt, dasz dieser Nil Abid ... sehr reiszenden strom habe Ritter erdk. 1, 489; ... in den flieszenden gräben ... mehrere arten von Potamogeton, ... welches oft so überaus zahlreich ist, dasz es den strom des wassers aufhält Allmers marschenbuch 1/2, 116. II@A@1@bb) die durch verschiedene ursachen (windwirkung, temperaturverhältnisse des weltmeers) hervorgerufene bewegung des meereswassers in dauernd gleicher richtung, meeresströmung: endlich kam wir in kurtzer zeyt zu der insel Bachi mit nam auff einem klar, glasz-lautern stram H. Sachs 4, 244 lit. ver.; fürbasz kamen wir zu einer menge der inseln on zal ... wir fanden auch fürbasz ein strom von so heiszem wasser, das wir die hend nit darin erleiden mochten Franck weltb. (1534) 223 a; strom, aestus maris Wachter gl. germ. (1737) 1632; das wasser des oceans bewegt sich auf dreierlei art, oder hat dreierlei ströhme ... die ströhme auf der tiefe vom pol nach dem äquator ..., die ströhme auf der oberfläche des meeres nach den polen allg. dt. bibl. 44 (1780) 153. in besonderer prägung bei der wiederaufnahme der griechischen vorstellung des Okeanos: die von Herodot verspottete scheibenründung mit dem umkreisenden strom Okeanos Voss antisymb. 2, 10; das ganze ringsum ist vom strom des oceans umschlossen Göthe I 41, 312 W. gern in sachlicher oder formelhafter verbindung mit wind: vor dem strom und für dem winde ist gut siegeln Bas. Faber thesaurus (1587) 880 a; hatten aber einen wiedrigen wind und strohm Schultz ostindische reise (1676) 256 b; am besten segelt sich's mit strom und winde zugleich Klopstock gelehrtenrep. 415; als wir die schiff um Maleia lenkten, da warf uns plötzlich die flut und der strom und der nordwind fern von Kythera Voss Odyssee 153, 81 Bernays; gegen strom und wind legt man nur kleine strecken zurück Göthe IV 12, 383 W. das simplex stirbt im 19. jahrh. ab (später beleg: man findet auch in der offenen see ströme, welche die schiffe ... von ihrer fahrt abbringen Eberhard synon. [1795] 1, 236) und wird durch strömung verdrängt: in den meeren finden sich oft strömungen, d. h. heftige bewegungen des wassers ... diese ströme führen daher fahrzeuge von ihrem wege ab. die ursache dieser strömungen oder ströme ... Krünitz encykl. 176 (1841) 95; 96. heute nur noch lebendig in den eigennamen bestimmter meeresströmungen: Golf-, Brasil-, Labradorstrom u. s. w. II@A@1@cc) präpositionale verbindungen, die ihre aus dem wesen der strömung sich ergebende häufigkeit formelhaft werden läszt (vgl.B 4). II@A@1@c@aα) in vollem strom gehen, flieszen fluere pleno alveo Faber thes. 41 a; 327 a; 892 a; Frisch (1741) 2, 349 a; Hederich2 (1777) 2912. nur bis zum 18. jahrh. lebendig: schwamm inn vollem stram, zur seiten, die zwär, im kreisz, auf dem rucken Fischart gesch. 281 neudr., mit anderem charakteristischen adj.: er fur ... mitten im rechten stramen (= in der stärksten strömung) wider berg (= stromauf) hertzog Aymon (1535) F 3 b. ganz isoliert steht: auf diesem blättlein schwamm ein weib im höchsten strom mit halbem leib Lenz gedichte 223, 2 Weinhold. II@A@1@c@bβ) nach dem str., in der richtung der strömung: er rüstet viel flötz zu, mit beraitschafft von allerley fewerwerck und brinnender materien, desz fertiger nach des wassers strame (= stromab) auff die feindliche Armada einzutringen Dreyfelder hist. d. hauses Est (1580) 273 a; darauff gehen nun bederseits, von Straszburg und Basel in Schweitz, von Wormbs, Speyer, nach dem strumb also auch schiff herwiderumb ausz Holland, Seeland und Brabandt Mangold marckschiff (1596) B 4 a. später, unserm sprachgebrauch näher, umgestellt: holet stillschweigend eine wasser-kanne voll wasser, aus einem flusse, es musz aber dem strome nicht entgegen, sondern dem strome nach geschöpffet werden Schmidt gestr. rockenphilosophia (1706) 1, 8; er musz ohnverzüglich I. maas flußwasser dem strohme nach ... schöpfen Heppe aufrichtiger lehrprinz (1751) 385. seitdem ausgestorben; ersetzt durch die bereits daneben bestehende wendung II@A@1@c@gγ) mit dem strom: man mag auch solches (fischköder) wohl in garnsecken und reusen binden, sonderlich in den flieszenden wassern, da der fisch mit dem stram unterwerts die witterung haben kann, gehet er dem schmagkwasser ohne das nach (1569/70) haushaltung in vorwerken 190, 12; ebda 197, 19; 20; 27; endlich verlieszen wir diese elende stadt, und trieben mit dem strom das feine dorff Pekkinsa vorbey Neuhof gesandschaft der ostind. gesellsch. 2(1669) 84 a. lexikalisch: mit dem str. fahren, schiffen Orsäus nomenclator method. (1623) 181; Stieler (1691) 2213; Kramer (1702) 64 b; 526 c; 1015 c. seit dem 19. jahrh. mit vorliebe in übertragenem gebrauch (s.B 4 b); dagegen noch lebendig in der seemannssprache Lüpkes seemannsspr. 69, 100. II@A@1@c@dδ) wider (gegen) den strom häufiger, weil bedeutsamer als bewegung gegen die strömung: secundo flumine navigo ich schiff das wasser hinab adverso flumine widern strom Alberus (1540) Z 3 b. wider den strom fahren, schiffen: Hulsius (1618) 2, 27 a; 254 b; Voigtel (1795) 3, 375 a. bis in den anfang des 19. jahrh., zuletzt freilich mit archaischem unterton, durch wider, seitdem durch das daneben gebräuchliche entgegen, gegen ausgedrückt; beides nebeneinander Heinsius (1822) 4, 891 a; Campe 4 (1810) 718 b; sie vuren uf gein strame in dem cleinen prame väterbuch 10787; man soll zur arbeit Christus ins boot nehmen, alsdann kan man wider den strom fahren und fisch fangen Lehmann floril. polit. (1662) 1, 48; Damöt schwimmt wie ein fisch, er legt sich auf den bauch ... so kan er allemal den strom entgegen schwimmen Rost gelernte liebe A 8 a; diese schiffe werden auf der Donau blosz gebraucht, um gegen den strom gezogen zu werden Nicolai reise d. Deutschld. (1783) 2, 413. auffallend: Ulnspegel is mal an de Au lank gan, ümmer gegen den strom an G. Fr. Meyer plattdt. volksmärchen 119. zum ausdruck der unmöglichkeit oder widernatürlichkeit eines vorgangs: kehre dann nur ... zurück, wenn der flusz, der dich dahinreiszt, sich gegen seinen strom wendet! Klinger werke 5, 159; so, jung, ... nu lop dal na de Au un smiet din makwark dar rin. wenn dat gegen den strom an swömmt, dann warrst du keen schoster G. Fr. Meyer plattd. volksmärchen u. schwänke (1925) 118; in ironischer übertreibung schreibt der volksmund nur dem bösen weib mit seinem stereotypen widerspruchsgeist diese fähigkeit zu: einer sucht sein ertrunken weib wider den strom Montanus schwankb. 526 lit. ver. besonders beliebt mit schwimmen: hast du kraft dazu gewonnen, magst du immer unverhohlen schwimmen gen den strom des flusses Brentano ges. schr. 3, 140; die sprichwörtliche verwendung: es ist bösz schwimmen gegen den strom Lehmann floril. polit. (1662) 3, 74; tegen den strôm is quât swemmen in cursum Rheni moliri corpore durum Tunnicius sprichw. nr. 888 Hoffmann; contra fluminis tractum niti difficile es ist schwer, gegen den str. anstreben Lüpkes seemannsspr. 164, 57 führt zu immer stärkerer verdünnung des sinnlichen gehalts bis zur abgeblaszten redensart. in dieser sinnentleerten form wird die feste präpositionale verbindung zur sprachlichen scheidemünze, bei der durch die häufigkeit ihres gebrauchs die ursprüngliche bedeutung immer schwerer erkennbar wird: s. B 4 a. II@A@1@dd) verallgemeinert und stark abgeblaszt: reiszende wasserfluth, flieszende wassermenge, sich bewegendes wasser ohne die scharfe vorstellung der strömung. diese umschichtung der betrachtungsweise, in der an die stelle der bewegung das bewegte tritt, schon seit ältester zeit: limpha gl. 1, 201, 30 (vgl. gurges sub A 1); (stillung des sturms) nis nu lang te thiu that thia stromos sculun stilrun uuerthan Heliand 2255; er wânte ûf die erden treten und lief ûf dem strâme (gegenüberstellung: erdewasser) passional 223, 61 K.; dô treip mich hitze unde sweiʒ under einen kalden boum. der kleinen weʒʒerlîn stroum hette in umbe gangen Herbort v. Fritzlar 2181. im älteren nhd.: da sie (Balenen) auch zu weit herausz geschwummen, von mangel wegen des wassers nicht mögen wieder in die tieffe kommen, so fassen sie in sich ein grosze menge wassers, brechen dasselbige für ihnen selbs herausz, und flötzen sich mit dem wallwasser wider in den strom Heyden Plinius (1565) 312; mare sinuosum, ... so seinen strom in die krümme umbher zeucht Faber thes. 765 a; ihr gleicht ... nicht Ganges, wenn sein strom ausz seinen gräntzen rinnt und reiszt die bäume fort Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 881; der Ganges, welcher ... mit seinem wunderbreiten strohm das niderste Indien berührt Abr. a s. Clara Judas (1689) 2, 99; ... der hirt alsdenn verzagt die heerde vor sich her, der strom (des über die ufer getretenen flusses) den hirten jagt König gedichte (1745) 9, 4. in jüngerer zeit recht ungewöhnlich: es neigt ein weidenbaum sich übern bach und zeigt im klaren strom sein graues laub (ganz abgeblaszt = wasser) Shakespeare 3, 318; ich spacierte damals an den ufern der Elbe, sah in den str. (vielleicht zu 2 ?) Schiller 3, 402 G. der plural unterstreicht die abstrahierende verallgemeinerung, darum häufig: denn so du durch wasser gehest, wil ich bey dir sein, das dich die ströme nicht sollen erseuffen Jes. 43, 2; wie eine strenge bach, wenn sich die ström ergieszen und häuser, bäum und vieh hinführen in die see Gryphius trauersp. 24 P.; völlig ungesehen: Donau, die mit ihren strömen weit sich zieht nach osten Rückert 1, 126. II@A@22) flieszendes gewässer in seiner ganzheit; concretisierte strömung; bach, flusz, groszer flusz. bereits altd.: amne stroume gl. 1, 313, 45; alveus 1, 22, 26; 604, 21; Dief. gl. 27a; kinden unde wiben geschit noch von Parise maniger leit unde me ... danne in dem stroume von sande oder von griʒʒe deheines dinges fliʒʒe Herbort v. Fritzlar 2244; item als dann des richs straum der Mein under und obendig Franckfurd von alder bissher von des heiligen richs wegen fry gewest ist (1417) Frankfurts reichscorresp. 1, 305 Janssen. die bedeutungen 1 'strömung' und 2 'flusz, flieszendes gewässer' laufen seit alters bis zu dem durch den trieb nach stärkerer differenzierung verursachten absterben der ersten im 19. jahrh. (vgl. sp. 2) nebeneinander her. dabei scheint der gebrauch strom 'flusz' lange auf eine kleine literarische oberschicht beschränkt und der gesprochenen sprache fremd gewesen zu sein (vgl. th. 3, 1855: entsprechend flusz): vgl. für ποταμός, amnis got. aƕa, runs; ahd. aha gl. 1, 22, 30; 4, 32, 56; 112, 21. im mhd. und frühnhd. dafür ganz üblich 'wasser' (vgl. sp. 2/3 mehrfach unter 1 a, und th. 13, 2300). so noch heute offenbar in den maa.: die wenigen, die strom bezeugen, meist nur in der bedeutung 1 (sp. 2); ausdrücklich: 'wâter ... jedes stehende oder flieszende gewässer, also auch der flusz, wofür unser plattd. kein eigenes wort hat' Schambach 288 b; Danneil 245 a. in dieser starken beschränkung auf die schriftsprache macht strom = flieszendes gewässer im nhd. eine allmähliche wandlung seines begriffsinhalts durch. es bezeichnet wie im altd. zunächst jedes flieszende gewässer, ohne berücksichtigung seiner grösze, durchaus synonym zu flusz; dabei wird bis ins 18. jahrh. die enge verbindung mit bedeutung 1 gefühlt: wenn das wasser nur klein ist, man es einen bach nennet; wenn es grosz ist, einen flusz: und wenn es mit vieler schnelle und heftigkeit flieszet, einen strom Stosch versuch in richt. best. (1772) 2, 12; une rivière rapide Schwan nouv. dict. (1784) 2, 737 a. es erfolgt eine leise begriffseinschränkung und zugleich -veränderung auf den groszen flusz: schiffreicher strom Stieler (1691) 2213; grosze und schiftragende ströme und flüsse allg. haushaltgs.-lex. (1749) 1, 500. eigentlich verdienen nur diejenigen groszen flüsse diesen nahmen, deren lauf vorzüglich schnell und reiszend ist; allein in weiterm verstande gibt man ihn oft allen groszen flüssen, so wie man hingegen auch reiszende bäche im gemeinen leben häufig ströhme zu nennen pflegt Adelung 4, 834 (1780). daher definieren systematische theoretiker in dieser übergangszeit strom als ganz groszen, schnell flieszenden flusz: Stosch (1772) 2, 13; Eberhard synon. (1795) 1, 235/6; Campe (1810) 4, 719 a. strom als 'groszen flusz' ohne erwähnung seiner wassergeschwindigkeit notieren zuerst Kramer hoch-nd. wb. (1719) 2, 208 c; Fäsch kriegs-lex. (1735) 861 b; flumen majus Frisch (1741) 2, 349 a; später oft mit einengung auf die groszen flüsse, die unmittelbar ins meer münden Eberhard (1795) 1, 236; Heinsius (1822) 4, 891 a; Oken allg. naturgesch. (1839) 1, 555 u. s. w. diese bedeutung wird im 19. jahrh. zumal durch die eindeutiger scheidungen bedürftige junge geographische wissenschaft (vgl. unten) und durch das öffentliche recht (A 3, sp. 14/5) immer systematischer herausgearbeitet, sodasz sie in der schriftsprache des 20. jahrh. zur allein möglichen geworden ist: strom, die gröszte gattung natürlicher wasserläufe Lueger lex. d. ges. technik 63 (1929) 442; flüsse: die in bestimmten rinnen der erdoberfläche sich bewegenden, von den bächen einer- und den strömen anderseits durch die grösze unterschiedenen wasseradern Kende geogr. wb. (1928) 59 a. die bedeutungsentwicklung von strom aus 'schnell flieszendes gewässer ohne rücksicht auf seine grösze' im frühnhd. über 'groszer flusz mit starker strömung' zu 'groszer, breiter flusz ohne rücksicht auf seine strömung' in jüngster zeit mit der umkehr der bedeutungsaccente läuft parallel dem innerhalb des nhd. zeitraums erfolgenden langsamen zurücktreten des charakteristischen bildes der obd. wasserläufe mit ihrer durch die oberflächengestalt gegebenen starken strömung zu gunsten der nd. mit geringem gefälle, aber stattlicher breitenausdehnung, ist also ein sprachlicher niederschlag der vor allem auf politischen ursachen beruhenden verlagerung des geistigen schwerpunkts in Deutschland von süden nach norden seit 1450 bis zur gegenwart. II@A@2@aa) strom = flieszendes gewässer, im hinblick auf seine grösze. II@A@2@a@aα) vom 16. bis 18. jahrh. kann strom jede art von wasserläufen bezeichnen. für besonders kleine wasserläufe, bäche: eim güszwasser ... das ... rauscht her mit ungestümmigkeyt und weret doch ein kurtze zeyt. wann bald der regen lesset nach, so wirt sein lauff auch mat und schwach; und verseigt endtlich dieser stram H. Sachs 7, 376, 16 lit. ver.; es musz ein general sehr accurate topographische charten haben, die ihnen ... auch sogar den geringsten busch, strohm und defilé specifique zeugen Fleming vollk. teutsche soldat (1726) 167; ein kleiner strom scheidet ihre güter von einander Gottsched dt. schaubühne 1, 471. synonym für flusz: sie lauffen ... so lange, bis dasz sie zu einem flusse kam(en). der Ferrau eben da in dieses stromes strande ... mit widerwillen ist er etwas da geblieben, weil in den strom, den umb und umb die wirbel trieben, sein helm gefallen war Dietrich v. d. Werder ras. Roland (1636) ges. 1, str. 13f.; nun gleitete der kahn ... den flusz hinab, ... sanfte ufer zu beiden seiten gewährten einen zwar einfachen doch behäglichen anblick. das kornfeld näherte sich dem strom Göthe I 25, 296 W. ebenso für grosze flüsse, die auch heute als strom bezeichnet würden: est alveus in quem duo fluvii confluunt, ein strom darein zwey wasser zusammen flieszen Faber thes. (1587) 327 b. sein merkmal ist die schiffbarkeit: dasz denen keyserlichen alle zufuhr zu lande, auf der achse, oder auch auf den strömen ... geschehen müsse Chemnitz schwed. krieg 1, 23, 2; sie müssen die fuhrleute auf denen strasen, und die schiffe auf denen ströhmen, mit keiner schatzung ... beschwehren Fleming vollk. teutsche soldat 266. von bestimmten groszen flüssen: Weichsel: Swantepol ... thete auch ... denen, die sich des strohmes gebrauchten, manchen groszen schaden Schütz hist. rerum pruss. (1592) E 3 b, Donau: dasz derjenige strom, der das neue Rom beflieszet Anton Ulrich v. Br. Octavia 1, ivb; mit charakteristischer, aber seltener vereinigung des ursprünglichen und des neu sich durchsetzenden typischen kennzeichens des stroms: brücke ... über diesen starken und breiten strom Birken Donaustrand (1664) 100, Wolga: vor Ladoga ... hat dieser strohm einen fall Olearius persian. reisebeschr. (1696) 12b. im 18. jahrh. gern vom Nil: es weicht Egyptens strom, wenn deiner sich ergiesset, und über deine wangen fliesset. Warnecke poet. versuch (1704) 21; hier liefen sie von der see her in den Nil ein, bemeisterten sich des stroms Heilmann gesch. d. Pelop. krieges (1760) 120. eine differenzierung nach der grösze ist also noch nicht eingetreten; die bedeutung der starken strömung für die verwendung von strom tritt jedoch bereits stark zurück; es werden auch typische niederungsflüsse mit kaum wahrnehmbarer strömung als strom bezeichnet. II@A@2@a@bβ) im 19. jahrh. wird die vorher im wesentlichen nur theoretische unterscheidung der gewässerbezeichnungen nach der grösze praktisch wirksam; als bezeichnung einer kleinen wasserader, eines bachs ist strom unmöglich. es begegnet, fast ausnahmslos ohne rücksicht auf die strömung, zwar noch häufig als synonymon zu flusz: warfen sie zum fenster hinaus in den vorbeiflieszenden strom ... dann ward ... das fasz bergab gekullert, bis es in den flusz rollte kind. u. hausm. nr. 13; das englische heer ... wollte über den flusz Spey gehen ... der herzog ging den 12. ... über den strom A. v. Arnim werke 12, 167; lichtlein schwimmen auf dem strome (der Tepl bei Carlsbad) Göthe I 3, 48 W.; selbst die kleinen wehrabstürze des stroms (der Saale bei Halle) Fouqué lebensgesch. 18; die Spree, ... ein strom schiffbarer als die Elbe, dabei ohne alle tücke und gefahr Arnim bei Görres ges. br. 3, 55; einen büchsenschusz nördlich ... drängt sich ein mäszig breiter, fischreicher strom durch die heide (in Holstein), abwärts einem landsee zu Storm werke (1899) 1, 203. doch wird die theoretisch längst festgelegte differenzierung beider worte nach der grösze des gewässers jetzt immer schärfer empfunden, am deutlichsten spürbar bei geographen und in reisebeschreibungen: der norden und nordosten (Australiens) ... hat zahlreiche wasserläufe von beträchtlicher breite, ... aber keinen wahren strom. eine anzahl von flüssen erweist sich hier als schiffbar auf ein paar dutzend meilen ins inland hinein, aber keiner erschlieszt in wahrheit das innere Ratzel völkerk. 2, 5; der Ogowe ist hier kein flusz, sondern ein system von strömen. drei oder vier arme schlingen sich durcheinander Schweitzer zw. wasser u. urwald 22; grotesk in der verachtung wissenschaftlicher genauigkeit: der flusz, — oder, wenn wir verbindlicher uns ausdrücken wollen: der strom zeigte sich trotz des heiszen tages nicht allzu belebt Holtei erz. schr. 7, 158. beliebt ist die hinzufügung eines charakteristischen adj. oder adv., das immer die lineare erstreckung unterstreicht, selten daneben auf die schnelligkeit der strömung hinweist: eine felsgrotte, die ein breiter abstürzender strom beschlosz maler Müller werke (1811) 1, 29; ein kühner schwimmer, dem kein deutscher strom zu breit und zu reiszend Fr. L. Jahn werke 2, 5; fast als feste epitheta ornantia erscheinen die schon im 18. jahrh. auftauchenden grosz: die mündungen der groszen ströme Haller Alfred (1773) 78, 10; wahrscheinlich, dasz Jupiter ... mit groszen strömen und meeren bedeckt ist Schubert verm. schr. 4, 31; grosze ströme wie in Amerika der Mississipi oder der Amazonas Peschel völkerk. (1874) 223, öfter durch vorstellungsstärkere adj. ersetzt: ein breites, von bedeutenden strömen, namentlich der Tiber, durchschnittenes ... gebiet Mommsen m. gesch. 12, 5; da flosz der mächtige strom (Düna) vor ihren augen Holtei erz. schr. 1, 114; der Ogowe stellt ... einen stattlichen strom dar. in seinem unterlauf ist er ein bis zwei kilometer breit Schweitzer zw. wasser u. urwald 3. besonders gern breit: den 19. (giengs) über die Elbe bis auf Halle. als wir den breiten strohm passiert hatten Bräker sämtl. schr. (1789) 1, 116; beide fliegen (im traum) ... über eine gewaltige, grüne wüste mit breiten strömen und wäldern, das ist Sibirien Thiesz d. verdammten 460 volksausg. darüber hinaus ist zweierlei für den (norddeutschen) tieflandflusz charakteristisch, windungen: wie auf einem in krümmungen und windungen dahinflieszenden strom die aussicht derselben gegend in jedem augenblick wechselt O. Jahn Mozart 4, 16; ein gemach, welches ... eine prangende fernsicht über wälder, hügel und die windungen des stromes bot Th. Mann königl. hoheit (1925) 8, und schiffbarkeit (vgl. oben Holtei und A. v. Arnim): wir waren erstaunt, den strom so leer von groszen handelsschiffen zu finden Solger nachgel. schr. 1, 26; ein hübsches landhaus mit freier aussicht über den belebten strom (Elbe) G. Hauptmann buch d. leidenschaft 2, 138. II@A@2@a@gγ) eine besondere note gewinnt strom als bezeichnung des Rheins; er wird schlechthin der strom (Deutschlands) genannt, gelegentlich schon in älterer zeit: als die kouflüte für Brisach hinab kament, da wurden si verraten uf des heiligen richs stramen zuo schif (1473) Dieb. Schilling Berner chronik 1, 98, 15 Tobler, hauptsächlich aber in neuerer zeit dann, wenn die zugehörigkeit vornehmlich seines linken ufers zu Deutschland von westen her bedroht ist. abhängig von dem allgemeinen erwachen des nationalbewusztseins, beginnt diese verwendung mit dem vormarsch der französischen revolutionsheere: treu wie dem Schweizer gebührt, bewach ich (Rhein) Germaniens grenze, aber der Gallier hüpft über den duldenden strom (1796) Schiller 11, 110 G.; vor dem 3. coalitionskriege 1804/5: die quelle der begeisterung scheint sich sichtbar vor unsern augen zu ergieszen, und der alte vaterländische strom erscheint uns wie ein mächtiger strom naturverkündender dichtkunst Fr. Schlegel sämtl. werke 6, 212, in der erhebung gegen Napoleon 1813: 'der Rhein Deutschlands strom, aber nicht Deutschlands grenze' Arndt, bei der kriegsgefahr 1840: wer will des stromes hüter sein? Schneckenburger dt. lieder (1870) 19, Rheinlandjahrtausendfeier unter fremder besatzung 1925: geschick des deutschen staates, dessen macht nun (925) am untrennbaren eigentum an beiden ufern des deutschen stromes haftete Wentzcke rheinkampf 1, 15; 'der strom. rheinische bilder aus zwei jahrtausenden' Beumelburg. II@A@2@bb) das bild des stroms vornehmlich im hinblick auf die strömung, gespiegelt in seinem gefühlsgehalt für den menschen. II@A@2@b@aα) die den menschen bedrückende, elementare naturkraft des stroms, die ihm furcht einflöszt, die sein werk oft zerstört, der er machtlos gegenübersteht. diese auffassung knüpft spürbar an die bedeutung 1 'reiszende strömung' an. II@A@2@b@a@aaαα) das gewaltsame des stromes bestimmt gefühlsgehalt und sprachgebrauch [visuelle wahrnehmung im gegensatz zu ββ)]: ströme tretten über ufer, schwellen sich und lauffen aus Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 307; ... wie ein wütender strom die umgrenzenden auen uferlos überschwemmt und wälder und felsen dahin stürzt Wieland I 1, 138 akad. ausg.; so wird vom aufgeschwoll'nen strome fortgerissen der junge rosenstrauch! Gleim briefw. 1, 50 Körte. ihm wird eine dem menschen feindliche gesinnung untergelegt: er trug euch ... auf flügeln ... die ungetreuen ström' hinüber Lessing 3, 11, 189 L.-M.; der tradition nach muszten die verstorbne über dunkle, furchtbare ströme, oder gar über den ocean Herder 15, 467 S. der mensch sucht sich künstlich vor der gewalt des stroms zu schützen; zunächst vergeblich: nicht anders als ein strom, wenn er sich losgedämmet, alsdann zwey arme macht und alles niederschwemmet Besser schr. 1, 37 König; er eilt wütend hinein, gleich einem strome, der den damm durchrissen hat Ramler einl. in d. schönen wiss. 2, 144; später mit erfolg: weil er den besten anschlag gab, wie man dem einreiszen eines stromes vorzubeugen lehrte Lichtenberg nachlasz 17, 22; zwängten ein den ungestümen strom durch pfahlgeflecht und dämme Weber Dreizehnlinden136 11. das allmähliche zurücktreten der obd. zugunsten der nd. ströme in der anschauung spiegelt sich in den verben und beiworten. auch hier herrschen zunächst die charakteristika des naturhaft-wilden vor: die ströme sich erheben, die wasser brausen sehr Rumpius bei Fischer-Tümpel kirchenlied 1, 202; die ströme schossen mächtig daher maler Müller werke 1, 17; um 1800 wird reiszend fast zum stehenden beiwort: ... er sitzt und harfeniert der verwüstung; aber der reiszende strom nimmt auch die lieder hinweg Göthe I 1, 337 W.; rasch fliegt der kahn mit dem reiszenden strom Pückler briefw. u. tageb. 156. im 19. jahrh. aber wird durch den technischen fortschritt das gefährliche der reiszenden strömung stark gemildert. daher büszt der strom das furchterregende ein: die thatsache seiner wahrnehmbaren strömung kann objectiv beobachtet werden: ... wie ein vogel singend über den schnellsten strom ohne mühe fliegt Göthe I 22, 317, 28 W.; zur linken ... die ... hoch angeschwollene Oder, mehr ein haff jetzt als ein strom Fontane ges. werke I 6, 350; die ehre eines tüchtigen schwimmers ..., welcher in möglichst gerader richtung über einen stark ziehenden strom schwimmt G. Keller ges. werke 3, 22. diese beruhigung des gefühls, die dadurch verstärkt wird, dasz in der allgemeinen anschauung das bild der nd. ströme das der obd. immer mehr verdrängt hat, erscheint in vollkommener umkehr der thatsachen sprachlich als beruhigung und verlangsamung des gefälles, der strömung selbst: bei dem zuge der ströme durch die gebirgslande Ritter erdk. 12, 76; so standen diese gestalten am zahlreichsten an dem ziehenden strom G. Keller ges. werke 4, 99; dadrunten wo die ströme gehn, die städte und die münster stehn Schneckenburger dt. lieder (1870) 32. fortsetzung dieser entwicklung β) αα). II@A@2@b@a@bbββ) akustische momente färben vorstellung und ausdruck; dieselbe innere entwicklung wie in αα): und da Araxes läufft, da seine ströme sausen, hartneckicht, brückelosz, mit wüstem sturm und brausen Opitz teutsche poemata 180 neudr.; was anders ist ein hallender strom, (wer mag immer rieseln hören?) und wieder was anders ein betäubender Klopstock gramm. gespr. (1794) 27; gegen ende des 18. jahrh. gemildert zu dem beliebten 'rauschen': unterirdische ströme umrauschen es Herder 19, 64 S.; ein strom entrauscht umwölktem felsensaale dem ocean sich eilig zu verbinden Göthe I 2, 3 W.; noch rauschen die ströme ins meer Hölderlin ges. dicht. 2, 68, 12 Litzmann. stärker in dieser zeit und später nur in jugendlicher übertreibung: hör auf, du strom, durchs feld zu brausen Schiller 1, 29 G. und ohne wirkliche anschauung: deutsche ströme sausen Körner werke 1, 110 Hempel, oder in pomphaftem epigonenstil: stellt sich ein redner in den lauf des sturmes, ein sänger an des stromes donnerfall? Raupach dram. werke ernster gattung 5, 126. weitere entwicklung β) αα). II@A@2@b@a@ggγγ) der (breite) strom als etwas hemmendes, trennendes: arbeit und fleisz, das sind die flügel, so füren vber stram und hügel Fischart gl. schiff 82 neudr.; weder hügel auf ihrem wege, noch enge thäler noch wälder, noch ströhme trennen ihre vollkommenen linien Bodmer abhdl. v. d. wunderbaren 38; ... (ihr) setzt vergeblich zwischen euch und euren überwinder jetzt berge, ströme jetzt Ramler gedichte (1772) 122; was für berge, für wüsten, was für ströme trennen uns denn noch? Lessing 3, 10, 172 L.-M.; im 19. jahrh. verliert der strom diesen charakter durch die häufigkeit der brücken und erhält ihn nur bei ihrer zerstörung: gleichsam die brücke hinter sich abwerfend, auf welcher man über den strom gekommen ist Savigny vom beruf unserer zeit (1814) 140. II@A@2@b@bβ) die entscheidende wandlung in der vorstellung des stroms im 19. jahrh. II@A@2@b@b@aaαα) durch die im 19. jahrh. vollzogene verlegung des geistigen schwerpunkts nach dem norden ist der nordd. grosze flusz zum typus des stroms geworden (sp. 6/7) und damit die beziehung zur ursprünglichen bedeutung 'strömung' im bewusztsein verloren gegangen: das gefälle des stroms ist ruhig, oft kaum merkbar [anbahnung dieser entwicklung: b) α) αα)]: und den strom in abendstunden sanft hinunter gleiten sehn Göthe I 1, 55, 19 W.; ich sehe z. b. ein schiff den strom hinab treiben Kant 3, 169, 31 akad. ausg.; man empfand, dasz der wilde wasserfall ... selbst in seinen mannichfaltigen strudeln schöner sey, als der in abgemessenen kanälen so einförmig einherschleichende strom Kretschmann sämtl. werke 1, 2; am quai jagte wagen an wagen vorbei, indesz der strom ... träge seine ... wellen rollte v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 58. das geräusch des modernen stroms als breiten flusses ist bei stärkerem gefälle gering: das murmeln der ströme kommt aus der ferne Göthe I 37, 66 W., dem typischen strom fehlt es ganz: all mein sehnen will ich, all mein denken in der Lethe stillen strom versenken Schiller 11, 9 G.; wenn die ströme schweigend rollen Strachwitz gedichte (1850) 7; lautlos wie der strom da drunten durch sonnenlicht und schattenstreifen glitt Sperl bildschnitzer v. Würzburg (1925) 177, sodasz seit der mitte des 19. jahrh. der strom dem menschen nur noch einen visuellen, keinen akustischen eindruck vermittelt. er kann nun sogar als verbindendes glied zwischen menschen wirken; sehr eigenartig: für mein gefühl ist man noch immer in der nähe seiner lieben, so lange die ströme von uns zu ihnen laufen Göthe I 24, 9, 6 W. II@A@2@b@b@bbββ) durch die technischen fortschritte der neuzeit, die im jahrh. der stromregulierungen schnellen, untiefen u. s. w. beseitigen und durch verbesserten deichbau die überschwemmungsgefahr einschränken, verliert der strom seine den menschen erschreckende elementare naturgewalt und wird ihm zum segenspender, weil er ihn sich dienstbar zu machen versteht: der mensch ... leitet ströme zusammen und führt sie in sandwüsten hin, die er dadurch in lachende fluren verwandelt Schlözer vorstellung seiner universalhist. (1772) 10; daher empfindet er ihn nunmehr als sich freundlich gesonnen: der freud'ge strom verrät ihn nicht des schilfes grünen gittern Freiligrath ges. dicht. (1870) 5, 11. dadurch erst wird die voraussetzung geschaffen, dasz auch er zum gegenstand des im 18. jahrh. allgemein erwachten naturgefühls wird. nunmehr lernt der mensch die schönheit des flieszenden wassers sehen, für den strom naturgemäsz beschränkt auf seine typisch moderne, nordd. ausprägung: in weiten beeten, grosz und hehr tritt hier der schöne strom einher Blumauer gedichte (1782) 5; die ströme sind die augen einer landschaft Novalis schr. 4, 169 Minor; ihr pappeln! erlen! weiden der grünbewachsnen ufer des lieblichsten stromes maler Müller werke 1, 350; freundlich grüszend und verheiszend lockt hinab des stromes pracht Heine werke 1, 33 Elster. auf anderer linie das erlebnis seiner farbwirkung: ein tiefer blauer strom schimmerte aus der grünen ebene herauf Novalis schr. 4, 161 Minor; o Elsasz, o Elsasz, du schönes grünes land, nimm überm blauen strome die warme bruderhand! Schneckenburger deutsche lieder 23. noch bezeichnender für den unmerklich flieszenden nordd. strom die spiegelung des lichts auf der glatten wasserfläche: seine hohen thürme spiegelten sich ... in dem vorbeyflieszenden strome Klinger werke (1809ff.) 4, 3; Goethes gleichnis, dasz der gang des echten romanes wie ein breiter, schöner, ruhiger strom die ufer spiegeln müsse, paszt nicht mehr Alexis d. hosen d. h. v. Bredow (1846) 1, viii; im abendschimmer stand der strom Hölderlin ges. dichtg. 1, 41 Litzmann; und schreitet erst der sommer durch den hag, ... dann lacht die flur, und ihre ströme blitzen Arno Holz das werk (1924) 1, 284. von starkem ästhetischen reiz der nächtlich-dunkle strom: wie von einer hexe, welche nächtlich einsam auf einem strome in dunklem kahne dahin schiesze G. Keller werke 5, 233; vor meinem geiste sah ich es flieszen und gleiten wie einen stillen dunklen strom unablässig Seidel vorstadt-gesch. 2(1880) 103 (vgl. die schluszbeispiele von B 2 a; sp. 24). II@A@2@cc) strom in festen grammatischen verbindungen. II@A@2@c@aα) in der zusammenrückung mit dem eigennamen giebt strom die gattung an, der er angehört (vgl. gr. Νῖλος ποταμός). Rinstram, R(h)einstrom: städtechr. 3, 36, 23; 37, 5; 4, 345, 28; Platter 52 Boos; volksb. v. dr. Faust 262, 19 Petsch; Rist friedewünsch. Teutschl. (1648) 49, Donaustrom: Lazius d. khunigreichs Hungern chorographica beschr. (1556) A 3 b; Lubenau reisen (1628) 1, 109 Sahm, 'ausführliche und grundrichtige beschreibung des ganzen Elb-stromes' Nürnbg. 1687, Jordanstram: Fabri eigentl. beschr. (1557) 84 a, Tyberstrom: Anton Ulrich v. Br. Octavia (1677) ivb, Nilstrom: Brown pseudodoxia (1680) 674. auch von mittelgroszen flüssen: Weserstrom: versuch eines brem.-nieders. wb. 4, 1059, Mainstram: städtechr. 3, 53, 4, Isarstrom: Parnassus boicus 1, 3 (1722), Limmatstram: Fischart gl. schiff 64. aufzählungen: Stieler 2213; Kramer 2, 1015 c. diese verwendung hauptsächlich üblich bis zum 17. jahrh., später selten; stets mit absichtlicher unterstreichung: Rheinstrom Rückert 1, 142; im süden und westen sperrte der breite grenzgraben des Rheinstromes das land ab W. H. Riehl naturgesch. d. volkes 1, 150, oder in erhöhter diction: nachdem sie sich lange im wellenlosen spiegel des farbenschimmernden Neckarstromes (bei Heidelberg) gelabt hatten Lienhard westmark 178. II@A@2@c@bβ) die genitivverbindung, zumal in den fest gewordenen formeln wassers, meeres strom und mit dem eigennamen eines gewässers umschreibt nur noch als stilistische floskel den im genitiv stehenden begriff. syntaktisch wohl aus der bedeutung 'strömung' entstanden; doch läszt sie sich wegen der starken sinnentleerung nirgends reinlich von der modernen bedeutung '(groszer) flusz' absondern. schon alt: het mi (Petrus) than tharod gangan te thi obar thesen gebenes strom drokno obar diap uuater, ef thu min drohtin sis Heliand 2936; die helden ylten von dan über des wilden wages stran us dem engen lande Göttweiger Trojanerkr. 15880. mhd. beispiele dafür: mhd. wb. 2, 2, 673 a; Lexer 2, 1223; Germania 8, 474; beitr. 47, 60 Paul u. Braune. in dieser formelhaften sinnentleertheit nur frühnhd.: Rausch das bley von stund an nam und füeret es über des möres stram Bruder Rausch, weimar. jb. 5, 412, 488; der erden kloss und meres stram mit aller irer behaltunge hat uns der mechtig aller werlte herzoge befolhen (gegensatz: festlandmeer) ackermann a. B. 8, 4 Bernt-Burdach; die andre (schiffe) aber allesamen schickt er hin auf desz wassers stramen Spreng Aeneis (1610) 164b (vgl. dagegen jüngeres strom des wassers bei Allmers als voll sinnhaltig unter 1 a). im nhd. dagegen gewuchert hat die genitivverbindung mit dem eigennamen eines flusses: als an dem himmelklaren strom des Alpheus wir plätschernd noch im abendstrahle scherzten Göthe I 17, 40 W.; ihre zwillingsknaben befahl er im strohm der Tiber zu ersäufen Niebuhr m. gesch. 1, 151; während der wagen etwas langsamer vorbeifuhr wegen des breiten stromes der Eisach, die auf der andern seite des wegs dahinschosz Heine werke 3, 240 Elster. die alltagsferne dieser verwendung beweist der vorwiegend poetische gebrauch: ... die drei legionen, die, in Sicambrien, am strom der Lippe stehn H. v. Kleist 2, 341 E. Schmidt, zumal mit vorausstellung des abhängigen genitivs als des eigentlichen begriffsträgers: die völker so des Nils fruchtbaren strom bewohnen Pietsch schriften (1740) 8 Bock; mich sahst du thronen an der Newa strom Schiller 4, 10 G. II@A@2@dd) strom in besonderen vorstellungsverbindungen, gegensatzpaaren, aufzählungen. II@A@2@d@aα) der eisbedeckte strom; als sachliches kennzeichen des winters: schaue, wie die halbe welt sich in warme pelze hüllet; wenn der schnee das flache feld und das eis die ströme füllet Gottsched gedichte2 (1751) 282. zunächst vornehmlich als symbol des trügerischen, schwankenden, unsicheren: wer auf menschen sein vertrauen setzet, der baue ... auf einen gefrohrnen strohm Lohenstein Arminius 2, 1519 a; du hast ein gutes vertrauen zu dem strome, der die eisscholle trug H. v. Kleist briefe an seine braut 146, 11 Biedermann. auf das erwachte naturgefühl der klassik und romantik wirkt die befreiung des stroms vom eise in ihrer beziehung zur menschlichen seele: vom eise befreit sind strom und bäche durch des frühlings holden belebenden blick ... denn sie (menschen) sind selber auferstanden ... sind sie alle ans licht gebracht Göthe I 14, 49 W.; o süszer mai, der strom ist frei, ich steh verschlossen A. v. Arnim werke 22, 51 Grimm. der vorgang selbst wird nun als ästhetischer reiz empfunden: hast du nie den eisgang eines groszen stromes gesehn? es ist eins der imposantesten schauspiele in der natur Bismarck briefe an braut u. gattin 631. II@A@2@d@bβ) die vorstellung, dasz das wasser der ströme durch blut roth gefärbt wird, als gewaltsame übertreibung für starkes blutvergieszen in ausgesprochen barockem sprachstil: wie würd das christenblut ... so wenig vergossen werden; mit welchem doch ... alle ström und felder gefärbt ... werden! Z. Weidner teutscher nation weisheit (1653) 3, 27; der strom flosz gantz gefärbt von edlen, die das schwerdt der Persen hat verderbt Gryphius trauersp. 165, 427 lit. ver.; dann wird sich das wasser der ströme in blut verwandeln Klinger werke (1809ff.) 3, 23. II@A@2@d@gγ) die ebenfalls übertreibende vorstellung des ströme-austrinkens als ausdruck eines übermenschlichen, hochmüthigen unterfangens geht auf die alttestamentliche vorstellung von ungeheuren wasserthieren zurück: sihe, er (der Behemoth) schluckt in sich den strom, und achts nicht grosz, lest sich dünken, er welle den Jordan mit seinem munde ausschepffen Hiob 40, 18; sie ist daher weniger stark vom modestil abhängig: wie gings dem kürbis-kopf, der mit dem groszen hauffen und seiner kriegesmacht die ströme wollt' aussauffen? Rachel satir. gedichte 77 neudr.; und käme Xerxes mit den heeren, die, ströme trinkend auszuleeren, der durst in dürren wüsten zwang Gottsched neueste gedichte (1750) 35; lieblingsvergleich Göthes: doch sind wir schon durch so vieles grose durchgegangen dasz wir wie Leviathane sind die den strom trincken und sein nicht achten IV 4, 121 W.; vgl. 33, 322, 7. auch übertragen auf abstractionen: aber doch unter desz sich mit allem fleisz bemühen, den Euphratem und strom desz bäpstischen ehrgeitzes und betrugs gar auszusauffen und zu vertrucknen Philipp Nicolai teutsche schr. (1617) 1, 1, 223a. II@A@2@d@dδ) gleichfalls biblisch: 'wie mit einem strom tränken': du tränckest sie mit wollust als mit einem strom ps. 36, 9. beschränkt auf das frühnhd.: und du (gott) trenckest mit wollust sie (die menschen) als mit eim feisten strom allhie H. Sachs 18, 155, 29 lit. ver. und die barockzeit: die betrübte seele jauchzt in ihrer höle, denn du tränkst sie wie ein strom, machst sie heilig satt und fromm Silesius heil. seelenlust 126 neudr.; hast ... meinen mund befeuchtet ... und, wie mit einem strom, mich durstigen getränkt Rompler erstes gebüsch 4. II@A@2@d@eε) neutestamentlich Jesu gleichnis: wer an mich gleubet, ... von des leibe werden ströme des lebendigen wassers flieszen Joh. 7, 38. in der späteren litteratur nur in beziehung auf diese stelle: ob er (Christus) auch in seinem gemüthe befinde, dasz der strohm des lebendigen wassers göttlicher liebe von ihm fliesze J. Böhme schr. (1620) 4, 78; wenn wir uns in dem himmlischen Jerusalem wiedersehen werden ..., wo wir sehen werden den lauteren strom des lebendigen wassers Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 69. II@A@2@d@zζ) strom in gegensatzpaaren und vergleichen, ursprünglich zur hervorhebung einer eigenschaft, meist seiner grösze. II@A@2@d@z@aaαα) gegensatz und vergleich mit kleinen und kleinsten wassermengen, seit frühnhd. zeit: da werden meine bechlin zu groszen strömen und meine ströme werden grosze see Sir. 24, 44; wer ersaufen soll, der ersaufe in einem bach oder mitten im strom, so ist er eben sowohl ersoffen Luther werke 29, 30 Erlanger ausg. sprichwörtlich: viele bäche machen einen strom Eyering proverb. (1604) 3, 282; Wander 4, 923; Lüpkes seemannsspr. 123, 10; Fischer schwäb. wb. 5, 1876; deswegen bleibt es immer wahr, dasz auch der gröszte strom nichts anders sey, als eine sammlung kleinerer gewässer Gerstenberg schlesw. lit. br. 1, 8 lit.-denkm. der mensch liebt den strom weniger als den bach, die quelle; er ist ihm, gemäsz der älteren vorstellung, zu gewaltig und vernichtend: quelle du bist mir werther denn des lauten felsenstürzenden stroms erzürnte woge Stolberg ges. werke 1, 35; ich liebe mehr den bach ... als einen strom, der wälzend erd und steine ... hinterläszt Ayrenhoff werke (1814) 5, 83, 21, oder nicht ursprünglich, sauber, klar genug: heute tauche nicht ein, ... heute trinkt von den quellen blosz Argos, und nicht von dem strome A. W. Schlegel im Athenäum 1, 133; wer möchte nicht lieber aus der quelle trinken, als weitab aus dem strome? Görres ges. briefe 3, 221. II@A@2@d@z@bbββ) strom und felsen, gebirge; zunächst zur betonung des gegensätzlichen charakters der beiden materien, des flüssigen, beweglichen, dauernd veränderlichen und des unbeweglichen, starren, harten. sprichwörtlich alt: die steinberge entstân dem strome saxosi montes fluviis amnique resistunt Tunnicius sprichw. nr. 1338 Hoffmann; wie so ganz verändert ... der zerrissne strom am felsen zum schaum aufwallt! Meiszner skizzen (1778) 1, 18; dann will ich ... ihm entgegen stehn, wie ein fels dem strom maler Müller werke 1, 66. da beide trennend wirken, steigert ihre zusammenstellung die schwierigkeiten; ihre überwindung bedeutet eine beachtliche leistung: uber stram und hügel Fischart s. 2 b α γγ); ihre wagenburg ... hinüberführend über ströme und gebirge Mommsen m. gesch. 2, 174; bergab, bergauf nach flinkem lauf leicht wie die luft durch strom und kluft Lenau sämtl. werke 196 Barthel. auch ohne besonderen accent nebeneinander gestellt: allein folgt denn daraus, dasz die erde im ganzen mit ihren gebürgen und strömen und meeren nicht ihre gestalt aus wasser könne gewonnen haben? Herder 5, 133 S.; felsen und ströme sind von halbgöttern belebt Göthe II 6, 361 W. II@A@33) strom als juristischer begriff. II@A@3@aa) das juristische merkmal des stroms besteht in seiner freiheit; als regale des königs: der strom musz frei sein zu allen zeiten Graf-Diether 130, 372; Wander 4, 921; s. Frankf. reichscorr. 1, 305 sub 2, sp. 6. doch bleibt diese freiheit in älterer zeit oft blosze forderung, sodasz strom frühnhd. bei unfreien wasserläufen geradezu 'stromabgabe, zins für die benutzung des stromwassers' bedeuten kann: bey seynem leben hat dye stat an barem geld solchen vorath, dasz man auf rent gap groszes gelt, ... dye stroem lys er erhogren nycht, wye ytzt an wayden auch geschycht (um 1570) Friedwald elbing.-preusz. gesch. 359 b Toeppen; vgl. mecklenbg. urkundenbuch 1, 184 (urk. von 1210). dazu adj.-ableitung stromfrei, s. dies sub 1, sp. 61. in neuerer zeit wird diese rechtseigenschaft des stroms bezeichnet als 'öffentlichkeit': die fischerei in öffentlichen strömen ... wurde durch privilegien einzelnen personen ... verliehen Eichhorn dt. staats- u. rechtsgesch. 23, 561; ströme sind natürlich-flieszende gewässer, welche öffentliche verkehrsstraszen bilden. das merkmal ist, dasz sie geeignet sind zur schiffahrt ... (sie) stehen als verkehrsstraszen unter dem öffentlichen rechte des staates Stengel-Fleischmann wb. d. dt. staats- u. verwaltungsrechts 3, 558 a. diese eigenschaft regt, sehr ungewöhnlich, Ranke zum vergleich für die gerechtigkeit an: s. B 2 b), sp. 25. II@A@3@bb) in der wohl unter dem einflusz der sonderbedeutungen 4 b und c erfolgten anwendung dieser rechtsvorstellung auf seen und offene wasserflächen entwickelt zu der bedeutung 'hoheitsgebiet (auf dem wasser), rheede, offener ankerplatz der schiffe': strom heiszt in der schiffssprache oft soviel als rheede Jacobsson technol. wb. (1784) 4, 327 b. so auch holl. Fäsch kriegs-lex. (1735) 862 a; Sicherer-Akfeld ndl.-hd. wb. 1067 b; welcher gestalt ... Lübeck für langen vilen jaren von römischen kaisern priveligirt und begebet seie des Dartzouwer sehes bis in die Radegast als ihr eigenen strohme zu gebrauchen, genieszen und zu befischen 6. ix. 1569; auff eins erbaren rats und dieser guten stadt freien stromen und gerechtigkeiten 13. vii. 1587 in urkunden des Lübecker staatsarchivs. 1578 nennt herzog Adolf von Holstein die heutige Lübecker bucht unser freier strom ebda Holsat. 4, 3, 39. II@A@44) abgelegenere eigentliche bedeutungen: sämtlich nur im älternhd. lebendig; versteinerungen davon heute lediglich in geogr. eigennamen erhalten. II@A@4@aa) 'fluszarm; neben-, seitenarm eines flusses', wie sonst, weit häufiger 'strang' (s. d.; Lexer 2, 1224): die von Ingelstat haben sie nit einlassen wöllen. also seindt sie auf einen wördte khomen, welcher zwischen der Thonaw und einem straum, der aus der Th. darumbher fleuszt ligen und sich verschanzt und haben die brucken uber den straum abgeworffen (1546) Schertlin v. Burtenbach br. (1852) 130 Herberger; dasz aber etliche alte scribenten fürgeben, wie von dem flusz Nilo ... zur zeit der sündflut ... die bäch und sträm also mit gedignem goldt besämbt und beflöst hab Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 42 a; die Elbe selbst (nach der zerstörung Magdeburgs) ... gering und klein ist worden, und die Elb fast nicht mehr scheint zu sein. die ströme, so von ihr und zu ihr wider kommen, ... für leid sie ihren flusz all ausgethränet han, dasz keiner fast nicht mehr ein mühle treiben kann propempticon Tillycum 1631 bei Opel-Cohn, 30 jähr. krieg 261. auch bestimmter: 'mündungsarm' bei deltabildung: der flusz Nilus teilt sich in siben straamen oder runsz aus Frisius (1556) 1202 a (vgl. Wilhelm v. Österreich 6184); von der Donaumündung Birken s. th. 11, 2, 255 unter V b; ... vom wilden volk am Don, erzähle, wo diesen flusz das meer aus sieben strömen trinke Ayrenhoff werke (1814) 5, 101. in dieser specialisierung bis zur gegenwart vorhanden: strom, ein arm von einem flusz ... die Waal ..., ein Rhein-strom oder strang Frisch (1741) 2, 349 a; Querstrom, Rickstrom, Pankstrom: nebenarme der Swine. II@A@4@bb) mit entgegengesetzter verlagerung des sinnaccentes 'fahrtrinne, tief'; durch begriffsverengung aus der bedeutung 'strömung' entwickelt, da der lauf der stärksten strömung die gröszte wassertiefe und damit die fahrtrinne bestimmt. nicht nur von groszen flüssen, sondern auch für küstennahe meerestheile gebraucht: a medio gurgitis, quod dicitur vulgariter strom (südlicher theil der Peene) (ende des 14. jahrh.) pommersches urkundenbuch (1881) 2, 187, noch heute so genannt; gab man aber die innenstadt auf und begab sich an den 'strom', wie die Swine regelmäszig genannt wurde Fontane ges. werke II 2, 60/1. noch in der gegenwart längs der deutschen küste in eigennamen häufig, an der Ostsee: Strom, 'name des tiefs bei Pillau' Frischbier preusz. wb. 2, 382 b; Friherrnstrom 'fahrwasser der Trave' Schumann Lübeck 24; Gellenstrom, Vierendehlstrom bei Rügen; ebenso an der Nordsee: Flackstrom bei Meldorf; Texel-, Vliestrom in Westfriesland. auch von flüssen: Damanscher strom: fahrtrinne der Oder nördlich Stettin. in älterer zeit wohl nicht nur mit beschränkung auf das mündungsgebiet groszer flüsse: zum 10. bitten sie, das ein stram auf und ab, wie vor alters, mit den schiffen mag gehalten werden, auf das den armen leuten durch den schiffern so merklichen schaden nicht zugefügt werde (vermuthlich durch störung der ruhigen fischerei an den ufern der Oder) (1540) ständeakten Joachims II. 1, 88 Friedensburg; (die kieser, d. h. fischer im kietz von Frankfurt a. O.) haben auch derhalben eigene wasser, darinnen niemants fischen tharf dan allein die kieser ... die fischer, die nicht kiser sint, sollen nindert fischen, allein im strame der Ader (16. jahrh.) Riedel codex diplom. Brandenb. I 23, 393. II@A@4@cc) 'meerenge, meeresarm, meerbusen': enger strom oder arm desz meers, der an und ablaufft Frisius (1558) 489 a; ähnlich Frisch (1741) 2, 349 a. die durch ebbe und fluth veranlaszte, an meerengen besonders scharf erkennbare periodische bewegung des meerwassers wird hier sprachlich der durch strömungen veranlaszten dauernd gleichsinnigen bewegung des meerwassers gleichgesetzt, während die sprache sonst beide dinge verschieden benennt. die gedankliche verknüpfung wird deutlich: stroom aestus, maris crescentis et decrescentis commotio Kilian (1623) O o 2 c. doch schwindet, entsprechend der bedeutungsentwicklung unter 2, im bewusztsein schon früh der sachliche anlasz für diese bezeichnung, sodasz strom 'meerenge, meerbusen' schlechthin ohne beachtung der darin stattfindenden wasserbewegung bedeutet: Euripus, ein enger strom des meers, zwischen Italia und Sicilia Alberus (1540) Y y 3 b; fretum, angustia maris, πορθμός, ein enger strom im meer, oder, der ort des meeres, da es enge ist Faber (1587) 339 a; meerstrom brachium vel sinus maris Stieler (1691) 2213; strom aestuarium, sinus, brachium maris Dentzler (1716) 280 a. so litterarisch in älterer zeit: wo sy (hirsche) uber ein stramen desz meers von einer insel zu der anderen schwümmend Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 81 a; wenn sie uber einen strom des meers, ihrer nahrung halber, setzen wöllen (maria trameant gregatim nantes ... hoc maxume notatur a Cilicia Cyprum traicientibus) Heyden Plinius (1565) 173; wir kamen den von Garasu zu hülff mit viertzig mannen unsers schiffs, fuhren in einem kleinen schifflin dahin. das flecklin lag auff einem stramen des meers, welchs sich 2. meil wegs landtwerts in strecket Franck weltbuch (1567) 2, 2, 28 a; hierher wohl auch zum vergleich für die dichtkunst: wie ein strohm, der seinen flusz aus dem meere genommen, und solchen wiederum hinein sendet Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustwald (1657) 7. noch heute an der ostseeküste lebendig in namen von meerbusen, -armen: Barther, Zingster, Prerower strom bei Zingst, Rassower, Gahlitzer strom beigen. II@A@4@dd) 'küste, gestade'. übertragung auf das landgebiet, das an dem strom in den bedeutungen 3 b und 4 c liegt? nach langer irrfart an dem strom der insel Cuba des wir kein end mochten faren, warden wir ... gezwungen wider zuruck zukören Franck weltb. (1534) 223 a; wohl auch hierher sträme f. 'ufer, seegestade' Schrader dt.-franz. wb. (1784) 2, 1320. verallgemeinert: 'landstrich, landschaft', gegend überhaupt, ohne geographische beziehung zum. meer oder zu flüssen: tractus ... strich, glend, gegne, gelägenheit, strom, landschafft Frisius (1556) 1321 b; ähnlich und davon abhängig: Maaler (1561) 393 b; Roth dict. (1572) Q 3 b; Kilian (1605) 538 a; 'wie revier von riviere' Frisch (1741) 2, 349 a. II@A@55) 'wasserstrahl; dünner strahl einer flüssigkeit'; erst im spätmhd. entstanden durch bedeutungsüberschneidung von strôm, strâm < ahd. mhd. stroum 'strömung, wasserlauf' mit dem zwar wurzelfremden, durch lautlich-dialectische entwicklung aber gleich klingenden strâm, strôm < mhd. strâm 'streifen, lichtstrahl' (vgl. dies und strömlein, sp. 63); beiden ist die scharf abgegrenzte einbettung in ein anderes medium gemeinsam. die hauptmasse der belege für diese compromiszbedeutung liegt in frühnhd. zeit, solange stram, strom als 'streifen, lichtstrahl' lebendig war; später nur vereinzelt, manchmal auch wohl in übertragener bedeutung (vgl. unter B). die zuordnung einzelner belege bleibt zweifelhaft: z. b. auch hett sie beinah der anlaufend stram des weins in abgrund seines magens geschwemmt Fischart geschichtkl. 378 neudr.; wenn sein (des Bobers) strom von hohen felsen schieszt Stoppe Parnasz (1735) 401; von sturz zu sturzen wälzt er jetzt in tausend dann abertausend strömen sich ergieszend Göthe I 15, 7 W. eigenthümlich für die ungetheiltheit der wasserader: das wasser (des Nils) ... rinnt in einem stramen herab bis unter Chayr, da teilet sich der flusz in zwei teil Fabri eigentl. beschr. (1556) 177a; das wasser (der Donauquelle) läuft mit einem einigen und nicht in pfützen geteilten strom Birken Donaustrand (1664) 13. für quellwasser: ich habe ... noch meinen mund genetzet aus Agenippen strom Rachel satir. gedichte 14 neudr.; es wendet nach dem strome des quells sich der lautenklang des wehenden bachs Klopstock oden (1889) 1, 182, 5 (vgl. strömlein). dagegen deutlich 'wasserstrahl' in der loslösung vom erdboden: diser kaiser ... sprach (zu dem meer): seid ich dein ... gewalt sol haben, so beweis auch mir dein gehorsam. an stund schosz ein stram wassers im in sein schosz Füetrer bayer. chr. 153 Spiller; maniger lief hindern zaun und liesz von im ein straun, als hetts ein alter esel taun Hätzlerin liederbuch 262; so schmackt ir basz des brünlins strom dann der gut griechisch wein zu Rom Scheit fröhl. heimfahrt, v. 117 Strauch. später nur vereinzelt: den (wal-) fisch, der ströme bläst Haller ged. 4 Hirzel; dort spein vier schwimmende tritone ... den dicken strom gen himmel, die flut des wasserfalls Dusch verm. werke (1754) 151; stürzte der strom des kältesten wassers (aus der pumpe) über die schreienden nackten kinder Steffens was ich erlebte 1, 32. in dieser verwendung noch in maa. lebendig: damit er (der hausbrunnen) nie versiege und einen starken strom liefere Schramek Böhmerwaldbauer (1915) 116; use schucke (pumpe) smit'n mächtigen strâmen af Beck idiot v. Nordsteimke, nd. jb. 24, 123a. — in frühnhd. zeit auch ins geistliche übertragen (vgl. oben stram B 3): leitet die selige stramen der ewigen weisheit ... in die selige brünne und teyler Israelis Mathesius werke 3 (1906), 7, 25; der grosze rohe rote drach werd ihr (der kirche) und ihrem kind zusetzen, manchen grewlichen strom nach ihr schieszen, ob er sie möchte ersäufen Artomedes christl. auslegung 2 4(1620), 290. II@BB. übertragen. zu voller üppigkeit sprachlichen lebens gelangt das wort in der beschränkung auf die bedeutung A 2 'flieszendes gewässer, (groszer) flusz' erst in den letzten jahrh. der nhd. zeit dadurch, dasz die dreiheit der übertragung auf andere concreta (B 1), des vergleichs concreter wie abstracter dinge mit dem strom (B 2) und der metaphorischen anwendung auf geistig-seelische vorgänge (B 3) in immer mächtigerer verzweigung neben den eigentlichen verwendungen (A) sich ausbildet. im mhd. und frühnhd. in einzelnen fällen schon angebahnt, entspricht die zeitliche folge, in der diese drei logischen gruppen der bildlichen übertragung zuerst als allgemein üblich auftreten, ganz im groben ihrer immer stärkeren sachlichen entfernung von der eigentlichen bedeutung. compliziert wird die genaue beobachtung und festlegung dieser sprachlichen entwicklung durch die verschiedene vorstellung, die zeiten, landschaften und persönlichkeiten vom typischen wesen des stroms haben, sodasz das tertium comparationis, das zur übertragung, zum vergleich und zur bildlichen verwendung geführt hat, alle abschattungen dieser vorstellung von der gewaltsamen, alles mit sich fortreiszenden, unwiderstehlichen bis zur imponierend-groszartigen, ästhetisch-reizvollen, gewaltlosen und kaum spürbaren, nur durch ihre masse wirkenden bewegung in dauernd gleichsinniger ablaufsrichtung zeigen kann. entsprechend der allgemeinen vorstellungsverschiebung von strom in der bedeutung 'wasserlauf in seiner ganzheit' (A 2) wird auch hier die langsame verlagerung des dominierenden vorstellungscentrums vom strom in der süd-nord-richtung, freilich um vieles verschwommener, erkennbar. II@B@11) übertragung auf andere concreta. II@B@1@aa) auf andere flüssigkeiten; ursprünglich hyperbolisch, daher in voll sinnhaltiger bedeutung üblich geworden in zeiten und bei dichtern barocker stilgebung. II@B@1@a@aα) blut: übertreibend, um den eindruck eines unerhörten blutvergieszens oder blutverlustes zu erwecken. bereits mhd.: daʒ bluot über velt ran ... swaʒ gebeines dar unter (den schilden) was, ... die muosen alle in den stran (: man) Rolandslied 4347 Wesle; do des plutes stran (Jesu blut) durch Longinum den ritters man hie trang pis auff der erden plan Folz meisterlieder 3, 84 DTdM 12. syntaktisch ist im nhd. die verbindung strom von blut üblich; gewöhnlich steht daneben bis ins 19. jahrh. die genitivverbindung strom blut(e)s, an deren stelle dann die seit dem 17. jahrh. begegnende einfache zusammenrückung strom blut tritt. den hyperbolischen charakter der übertragung verstärkt die häufige pluralische verwendung. seit dem barock geläufig: liesz er noch einen entsetzlichen sturm auf die festung wagen, in welchem es schien, nicht als ob er willens wäre, im triumphe hinein zu reiten, sondern auff einem gantzen strohm von blute hinein zu schiffen Ziegler asiat. Banise 607; ... ströme blutes stürzen von ihr aller orten Brentano ges. schr. 3, 113; ach bleib mir hold und gutes muths, bis mich die ströme deines bluts gantz rein gewaschen haben P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 406 b; sage ich euch, dasz dieses gewand in strömen eures blutes gewaschen werden wird Niebuhr m. gesch. 3, 515. die bewegung verlangsamt sich: Roland ... hieb ihm das haupt herunter, ein groszer strom von blute lief ins tiefe tal hinunter Uhland gedichte (1898) 1, 266; ströme blutes werden flieszen v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 123. anders: der strom des bluts in mir hat stolz bis jetzt in eitelkeit geflutet, nun kehrt er um, und ebbt zurück zur see Shakespeare 6, 357; Faust ... schlief zwischen den starren eisbergen, um die innere hitze zu dämpfen und des blutes feurigen strom zu löschen Aurbacher ein volksbüchlein 2 (1839) 31. zu selbständiger vorstellung, bei der der zusammenhang mit der eigentlichen bedeutung nicht mehr empfunden wird, in der verbindung mit verben entwickelt, die bei eigentlichem strom nicht begegnen, sondern von einfachem blut herüber genommen sind: es sind durch diesen kot mehr ströme bluts vergossen Weichmann poesie d. Niedersachsen 1, 58; alle gewalt ... ist, mit ströhmen blut, die sie vergieszet, nicht fähig, den namen eines einzigen weisen aus den büchern der unsterblichen zu löschen Nicolai lit.-briefe 7, 14; ströme von blut wurden bei dieser reibung zweier kriegerischer völkermassen vergossen Freytag ges. werke 18, 159; was kostet unser fried? o wie viel ströme blut! Logau sämtl. sinnged. 268 lit. ver.; und hast du dir aus strömen feindesbluts die angestammte krone kühn erobert ... Schiller 13, 194 G. II@B@1@a@bβ) thränen, zähren. erst seit dem 18. jahrh. zu belegen: wer weisz des menschen hertz, wenn thränen-volle ströhme flieszen ... geschichts aus freuden oder schmertz v. Ettner u. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 15. ursprünglich zur kennzeichnung des gewaltsamen, reiszenden, heftigen (vgl.strom = wasserlauf im älternhd.), mit besonderer steigerung pluralisch, als concreter ausdruck einer starken seelischen erschütterung: endlich seufzte er tief — ein strom von tränen schosz auf das gemälde hin Iffland theatral. werke 3, 281; vergeblich stürzten ströme von thränen, so oft meines Franz Wessely jemand erwähnte J. v. Müller sämtl. werke 6, 63; wie ich dem strohm meiner freudenthränen freyen lauf liesz Bräker sämtl. schr. 1, 280; anders: sie warf sich nieder und schlosz meine füsze an ihr herz und wusch sie mit einem strome von thränen Brentano ges. schr. 4, 95. wieder unbildhaft durch verbindung mit verben, die zu einfachem thränen gesetzt werden, nur als übertreibende mengenbezeichnung: sie vergieszt einen strom von thränen Gottsched d. neueste aus d. anmut. gelehrsamkeit 1, 59, als stehende wendung bis zur gegenwart geläufig. noch häufiger: er brach in einen strom von thränen aus Miller Siegwart (1777) 1, 142; Göthe I 21, 133 W. in der litteratur unzählige male zu belegen. völlig entsinnlicht zur bezeichnung der menge; das augenmerk ist auf den seelischen vorgang gerichtet: als ich mich selbst wieder fühlte, erleichtert ein strom von thränen mein gepresztes herz Wieland Agathon (1766) 1, 17. endlich ward er so wehmütig, dasz er sich durch einen strom von thränen luft schaffen muszte Forster sämtl. schr. 1, 295. II@B@1@a@gγ) andere flüssigkeiten. theoretisch möglich ist die übertragung von strom auf alle flüssigkeiten, wenn deren stromähnliche schnelle bewegung oder, jünger und nordd., ihre langsam sich fortwälzende breite menge charakterisiert werden soll. da diese übertragungen erst spät auftauchen und nicht durch reichliche nachahmung zu wortschablonen geworden sind, bleibt hier gewöhnlich strom in hyperbolischer übersteigerung der sinnhaltigen anschauung nahe: bald wird man ströme milch auf allen auen sehen Ramler lyr. gedichte (1772) 328; mit verben, die dem einfachen object zukommen, wieder zur bezeichnung der ungewöhnlichen menge: dem nächststehenden ast wird ein gröszerer strom nahrungssafft durch die wurzel zudringen Erhart pflanzenhistorie (1753) 1, 261; es ist mir ein ganzer strom dinte über das papier gelaufen Caroline 2, 104 Waitz. die moderne, nordd. auffassung des stroms führt zur übertragung auf gletscher: dieses gewaltige eismeer, dessen erstarrte ströme sich ... mit den massen des ... Berninagletschers vereinen Scheffel ges. werke (1907) 3, 103; es wird schlieszlich nur noch die bedeutende breitenerstreckung, keinerlei bewegung in solchem strom gesehen: ein neuer strom von eis, gleichsam ein riesenhaft aufgethürmter und aufgewölbter wall, lag quer durch den weichen schnee Stifter sämtl. werke (1901ff.) 5, 1, 237. stärkere verwischung der übertragung in der richtung von oben nach unten (vgl. blut, thränen) beim regen: als ein gewitter ... mit einem strom von regen die hier auf uns geladene blutschuld von uns abwusch Bürger briefe 4, 68 Strodtmann; blitze fuhren vom himmel und ströme wasser ergossen sich brüder Grimm dt. sagen (1891) 1, 30. selten sinnentleert: ... und mitten im strome des nektars atmend wechselten sie küsse, begeisterten blicks Mörike werke 1, 99 Göschen. II@B@1@bb) übertragung auf zähflüssige, gasförmige oder feste stoffe; erst in nhd. zeit möglich. II@B@1@b@aα) zunächst von der gleichmäszigen, unwiderstehlichen, breit sich hinwälzenden bewegung der lavamassen eines ausbrechenden vulkans: dannenhero die sonne ... aus einem flüszenden flammen-meere bestünde, welches ... wie die feuerspeyenden berge grosze ströme glutt von sich ausstiesze Lohenstein Arminius 1, 567 b; die glut des feurigen stromes, welcher die stadt Herkulanum bedecket Gottsched d. neueste aus d. anmut. gelehrsamkeit 8, 325; wie der grosze feuerreiche strom dort den kleinern hineinschlingt maler Müller werke 1, 186; alsdann für einen lang und breit sich hinziehenden feuerstreifen überhaupt: der geist sagt: ... diese feuwrige strömen were die mawr, so gott dahin gelegt, den garten zuverwahren und umbzuschrencken volksb. v. dr. Faust 169 neudr.; erwiderten unsern grusz (artilleriefeuer) mit einem solchen strom von feuer und kugeln Bürger briefe 4, 69 Strodtmann; das heil'ge öl, das du auf's haupt ihm gossest, wird unter'm fluch zum strom von feuergluthen Rückert werke (1867) 1, 38. II@B@1@b@bβ) auf luft, gas übertragen zur kennzeichnung der ungestümen, heftigen bewegung in einer richtung, meist verbunden mit dem merkmal der breite: winde sind nichts anders als ströhme oder ... ein flieszen der luft allg. haushalt.-lex. (1749ff.) 3, 737; dieser grausame erschreckliche und ungestüme wind ist hernach stracks uber den Thorandischen waldt in einem strom drey pfluggewände breit hinauszgezogen theatrum diabolorum (1587) 1, 107 a; in derselben gegend umbher, da dieser strom (= wirbelsturm) fürgezogen ebda 106 b; höre, wie die winde pfeifen, wenn ihr strom, dem alles weicht, ganze hügel aufzuhäufen, in die lockern flocken streicht Gottsched gedichte2 (1751) 282; die ermatteten glieder zu baden in den erfrischenden strömen der lüfte! Schiller 14, 49 G. deutlich von beständig flieszender luft: dieser untere strom der luft von den polen zum äquator wird sich also ... durch einen beständigen ostwind fühlbar machen v. Schubert verm. schr. 2, 88; während in einem anderen frostfreieren striche ein warmer luftstrom sich bewegte, der schon als strom nützte Ratzeburg standortgewächse (1859) 191. entfernt sich von der ursprünglichen bedeutung des wortes dadurch, dasz es meist nur noch die plötzliche starke luftbewegung ohne rücksicht auf ihre dauer und erstreckung bezeichnet; die verben passen niemals zu eigentlichem strom: (ein palast) mit schönen gruppen der herrlichsten fremden blütenbäume ... in solchem reichtum besetzt, dasz mit jeder türöffnung ein wahrer strom der süszesten wohlgerüche herausquoll Ludwig ges. schr. (1891) 2, 436; ein strom bewegter nachtluft trieb erfrischend gegen uns an Storm werke (1899) 2, 152; er sog den in einem starken strom heraufziehenden duft begierig ein Fontane ges. werke I 4, 356. ganz scharf für die heftige bewegung in einem abgegrenzten, relativ kleinen bett derselben oder anderer materie: die nasenöffnungen (des pferdes) weit gedehnt vom strom des athems Böttiger kl. schr. 2, 166 Sillig; blies die backen auf und stiesz einen strom luft aus denselben hervor Immermann werke 1, 99 Hempel; gern in der chemie: Engelhart leitete durch eine wässerige lösung von blutroth einen strom chlorgas Sömmerring vom baue d. menschl. körpers 6, 15; unterbrechen wir den strom des brennbaren gases Liebig chem. briefe (1844) 98. als akustische wahrnehmung seltsam: er wachet und horcht den strömen des windes Denis lieder Sineds (1772) 46, 3. II@B@1@b@gγ) flutendes, gleichsam wie in einem anderen medium flieszendes, scharf abgegrenztes licht: oder hörst du (sonnenlicht) dich lieber einen reinen etherischen strohme heiszen? Gottsched beytr. z. crit. historie (1732) 1, 293. fast stets wird dabei die schnelle, gleichsinnige bewegung beobachtet: wie ein ätherscher strom in schimmernden gestaden sanft wellend flieszt Wieland natur der dinge 6, 39; dort aber wo ein strom vom äther leuchtend flieszt ebda 381; in geistiges übergehend: das thierische am menschen ... kann durch die liebe ... wie mit einem strom himmlischen lichtes übergossen werden Scherer kl. schr. 1, 22. physikalisch für scharfe, rasch sich bewegende lichterscheinungen: dem physiker, welcher ... die ungleich langen ströme der durch interferenz sich vernichtenden ... lichtquellen miszt A. v. Humboldt kosm. (1845) 1, 19. als ästhetischer reiz in moderner naturempfindung unter betonung des starken, unwiderstehlichen flutens in einer richtung: die untergehende sonne sandte einen vollen strom rothgoldenen lichtes (ins zimmer) Seidel vorstadt-gesch. 2 (1880) 71; die sonne ... gosz ströme von purpur über den forst G. Hauptmann bahnwärter Thiel (1892) 26. II@B@1@b@dδ) übertragen auf aufgelöstes, lang wallendes haar, bei dem eine bewegung in längsrichtung nicht stattfindet, sondern nur optisch als solche erscheint: dem bleichen agstein gleich ist der strom ihrer haaren Weckherlin ged. 703; als er löst die demantkrone aus dem strom des silberhaares Brentano ges. schr. 3, 287; ... ein zügelfreies rosz ... ... die mähn' ein spiel des winds, ein spiel des windes seines schweifes strom Stolberg ges. werke 5, 10, 3. wesentlich wird dabei in neuerer zeit das merkmal der (relativen) breite: eine fülle äuszerst schwarzer haare ist aufgelöst und schneidet in breitem, niedergehendem strome den faltenreichen schnee des nachtgewandes Stifter sämtl. werke 1, 218; eine heldenhafte, ritterliche gestalt ... ein voller schneeweiszer bart flosz in zwei breiten strömen auf den brustharnisch herunter W. H. Riehl gesch. u. nov. 1 (1923), 134. — so auch von anderen dingen, die durch das ihnen eigene dauernde hin- und herschwanken den eindruck sich fortsetzender bewegung hervorrufen, mit deutlich moderner vorstellung des stroms: so wie ich mich durch einen breiten strom von wallendem getreide durchgewunden ... Blumauer gedichte (1782) 140; sie kann ... mit einem strom von rauschender und rieselnder seide hinter sich her ... einhertreten, wie die eitelkeit Lichtenberg verm. schr. (1801) 3, 342. noch anders in anknüpfung an die älternhd. bedeutung von strom = wasserlauf: es ist zum brautkleid wie bestellt. der weisze grund; ein bild der unschuld: und die goldnen ströme, die aller orten diesen grund durchschlängeln Lessing 3, 131 L.-M. II@B@1@b@eε) bei festen körpern, die in scharfer abgrenzung sich bewegen. dabei kann die grösze und der grad ihrer bewegung ganz verschieden sein. in anlehnung an die eigentliche bedeutung: bei wütendem sturm, der ströme von staub über uns und die felder in der gegend hergosz Novalis schr. 2, 59 Minor. das tertium comparationis ist lediglich die unaufhörlichkeit der bewegung; bereits in geistiges übergehend: wer die körner wollte zählen, die dem stundenglas entrinnen, würde zeit und ziel verfehlen, solchem strome nachzusinnen Göthe I 4, 17 W. noch entfernter: jeder körper sendet ... nach allen seiten ströme solcher atome Lange gesch. d. materialismus (1866) 58. vom steingeröll in den bergen, das unwiderstehlich in derselben richtung sich vorwärts schiebt oder fällt, in deutlicher beziehung zur modernen vorstellung des stroms; daher jung: so mächtig drängte die masse des flieszenden gerölles mir nach, dasz ich mich immer bald genöthigt sah, durch ein paar seitensprünge dem gewaltbereiche des stromes mich zu entziehen Barth nördl. Kalkalpen (1847) 103; die ungeheuren senkrechten felsen ..., zwischen ihren schluchten ein paar mächtige ströme von steingerölle hervorschiebend gegen den weichen grünen teppich des rasens Stifter sämtl. werke 1, 257. die bildhaftigkeit schon früh oft äuszerst gering: ... und jede hand schosz einen strom von donnerstrahlen Ramler fabellese (1783) 1, 10; (der fackelzug) funkelte wie ein strom von sternen Göthe I 25, 24 W.; so ungern ich nun auch in dem leicht verrinnenden strom der flugschriften etwas von dem meinigen sehe Thibaut über d. nothwendigkeit eines allg. bürg. rechts (1814) 404. nur noch bezeichnung der groszen masse, die sich vorwärts bewegt: wer wolt nicht einen strom von gold gern sehen flieszen? Weckherlin ged. 1, 473; er führt des goldes ströme in seines königs haus Novalis schr. 4, 123 Minor; ströme von gold verschlang dieser krieg Ranke sämtl. werke 1, 204. II@B@1@b@zζ) die zeitlich jüngste, zugleich üppigste übertragung auf menschen-, volksmassen, die sich in einer richtung bewegen. dabei spiegelt sich in dieser seit dem 18. jahrh. geläufigen übertragung deutlich die wandlung in der vorstellung des ausgangsbegriffs '(groszer) flusz' wider, sodasz oft dessen typische beiworte begegnen. im 18. und frühen 19. jahrh. in parallele zu der unwiderstehlichen, fortreiszenden gewalt des damals typischen bildes vom strom, sachlich stark übertreibend, von einer in groszer geschwindigkeit einseitig sich fortwälzenden, alles mit sich reiszenden menschenmenge: wenige von diesen kamen durch, und die sich an die pforten gehangen hatten, konnten in den reiszenden strom nicht eindringen Dusch verm. krit. u. satyr. schr. (1758) 161; man waffnet, man erregt sich. rasend stürzt in ungeheurem strom es (das volk) brüllend her Göthe I 9, 356 W.; hinweggerissen hatte sie der strom des volkes Schiller 13, 179 G.; in dieser älteren auffassung vom strom besonders gern auf heere übertragen; in dieser specialisierung die ältesten belege, schon aus dem 17. jahrh.: alleine was solte diese handvoll volck gegen dem strome eines siegenden heeres ausrichten? Lohenstein Arminius 1, 43 a; und wenn ein Berwick gleich erliegt, scheint Deutschland doch zu matt, der Franzen strom zu wehren Gottsched neueste ged. (1750) 26. dieser strom überschwemmt alles: bewaffnet naht der stadt ein haufe von rebellen. ihr wilder strom, der rings die fluren überschwemmt, droht dieser mauern sturz Gotter gedichte (1788) 2, 417; was ist nicht seit dem 6 october ... alles vorgegangen, und schon hat sich der strom, der bey uns durchbrach, auch bis über sie weggewälzt Göthe IV 19, 227, 1 W.; ihm widerstand leisten zu wollen, ist wahnwitz: drey edle Franzosen, ... die allein sich dem strome seines siegenden heeres entgegen stemmten Bode Montaignes ged. u. mein. (1793) 1, 2; wie hätten jetzt noch unterhandlungen den daherflutenden strom aufhalten können? Ranke sämtl. werke 3, 292. erst dem 19. jahrh. erscheint ein solcher versuch infolge der sich wandelnden stellung des menschen zum strom ausführbar: Napoleon ... eilte über die schlesische grenze, und immer noch wird der strom aufgehalten, wo er sich zeigt Laube ges. schr. 8, 40; die vereinigung Österreichs und Preuszens sei der einzige damm, welchen man dem strome entgegensetzen könne, der ganz Europa zu überfluthen drohe Häusser dt. gesch. (1854) 1, 181. seitdem bereits in ansätzen zu leiser sinnverdünnung als blosze redeformel: in drei strömen sollten sie (die heere) in den breisgau hinab Laube ges. schr. 15, 399; erst hielt des perserheeres strom noch gegen an Droysen Aischylos3 (1868) 200. allmählich verlangsamt sich die bewegung dieses stroms, er 'flieszt': wodurch der sonst den groszen städten zuflieszende strom tausend kleinere abflüsse litte Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 549; gegen abend flosz der strom ab E. M. Arndt s. w. 1, 127 R.-M.; sehr anschauungskräftig nordd.: es soll ein dunkler schweigender strom gewesen sein, dieser studentenzug Varnhagen v. Ense tagebücher 2, 228. trotzdem bleibt die bewegung dieses langsam dahinflutenden stroms unwiderstehlich, weil gleichzeitig wie bei der eigentlichen bedeutung seine breite und damit die wucht seiner masse wächst; daher bleibt der widerstand gegen ihn schwer: um den strom der ungeheuren menschenmenge zu theilen Börne ges. schr. 5, 210; wie schwer ist doch der touristische strom aus dem gewohnten bette abzuleiten! Barth aus d. nördl. Kalkalpen 397; doch ist es möglich, ihn aufzuhalten: (die) umcirkelten balladensänger ..., die in allen winckeln einen theil des stroms von volk stagnieren machen Lichtenberg briefe 1, 205; der strom der deutschen reisenden nach Italien wurde ... unterbrochen Justi Winckelmann 2, 1, 5. gewöhnlich folgt ihm der einzelne und die menge: die alten Deutschen folgten einem anderen strome der völker Herder 14, 274 S.; Hendrika fuhr in keine messe mehr, in keine beichte, selbst dem strom der ganzen stadt zu dem neuen jungen domherrn folgte sie nicht Gutzkow zauberer v. Rom 4, 72; wo von physikern, chemikern, zoologen oder anatomen merkwürdige demonstrationen angekündigt ... wurden, befand ich mich stets im strome der neugierigen, welche sich hinzudrängten G. Keller ges. werke 3, 28. im 19. jahrh. führt die beliebtheit dieser übertragung zu bildunscharfer formel: ... jedem einzelnen wächst das gemüth im groszen strom der menge Schiller 12, 111 G.; man sehe, welche ströme von reisenden jetzt München zuwandern Stifter sämtl. werke 14, 49; vom strome der alpenfreunde so förmlich gemieden ... zu sehen Barth aus d. nördl. Kalkalpen 634. das verbum ist überall im hinblick auf das jeweilige attribut zu strom gewählt; sinnwidrigkeiten werden nicht mehr als unmöglich empfunden: rings der menschen ströme wanken A. v. Arnim werke 22, 13 Grimm. II@B@1@cc) heraldisch: wellenlinie, leicht geschlängelte linie im wappen. ursprünglich: typisiertes abbild eines wasserlaufs Bernd hauptstücke d. wappenwissenschaft 2 (1849) 124; v. Querfurth krit. wb. d. herald. terminologie (1872) 172. dieses emblem begegnet auf wappenschilden nicht selten: kayser Heinrich ... beschriebe ... einen landtag zu Stendal, ... und machte alle seine hoffdiener ... zu eitel edelleuten, ... gab inen strom und kriegsrüstung zum waffen (= wappen) und helmzeichen, wie solchs der edelleut waffen vielfeltig mitbringen H. Ammersbach chur-brandenburg. chronik (1682) 72. dazu stromweise: fluvius, undosa simili sectione distinctus, tinctura opposita (schwartz und weisz, strohmweisz abgetheilt) Spener operis heraldici pars spec. (1690) 493; wellen- oder strom-weise geschoben oder gezogen, ist von dem schlangenweise gezogenen (querbalken im wappenschild) darinnen unterschieden, dasz die biegungen nicht so krumm sind Trier einl. zu der wapen-kunst (1714) 135. seit dem 18. jahrh. veraltet, ersetzt durch wellenweise: Gritzner hdb. d. herald. terminologie (1890) 308 b; vgl. Schumacher kurtzgef. teutsche wapen-kunst (1694) 17; Schmeizel einl. zur wappenlehre (1734) 136 c; 141 c; Beckenstein kurtze einl. zur wappenkunst (1731) 46; 51. auch in zss., die sich anscheinend länger halten: 'wellen-balken oder auch querstrom heiszt der balken mit wellenförmig gezogenen begrenzungslinien' Gritzner 26, 'schrägstrom, dessen begrenzungen wellenlinien bilden' ebd. 53; 50. II@B@22) vergleich von dingen mit einem strom. dabei bleibt die vorstellung des stroms unmittelbarer; es können sich nicht, wie in B 1, neue vorstellungscomplexe entwickeln, die sich von der ursprünglichen bedeutung immer weiter entfernen. solche vergleichung begegnet während der ganzen nhd. epoche; als subjecte können dabei naturgemäsz alle dinge unter B 1 dienen. II@B@2@aa) concreta. der vergleich mit dem strom wird gebraucht, um das mit groszer geschwindigkeit gepaarte unwiderstehlich fortreiszende eines vorgangs zu veranschaulichen. von mächtig flutenden menschenmassen: dann so was news ankompt zu Rom, laufft zu das volck gleich wie ein strom Fischart nachtrab 81, 3112 Kurz; (Cimbern und Teutonen) ergossen sich gleich anfangs wie ein reiszender strom M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 51; (der feind stürzt) gleich den strömen brausend auf uns ein H. v. Kleist Amphitryon 89. ungewöhnlich vom einzelnen menschen: er schosz durchs feld, wie ein empörter strom, des wogensturz die brücken niederwirft Bürger werke 1, 159, 105 Bohtz. von anderen dingen: aus dessen (des todes) augen, wie ein strom, des Orkus rothe blitze sprühen! Ramler fabellese 1, 102; bis dem (frosch-) weibchen die wehen ankommen, und sie ihren laich wie einen strom aus dem geburtsgliede schieszen läszt Reimarus wahrheiten d. nat. religion 3 (1766) 426, 22; das blut stürzte wie ein strom hervor Laube ges. schr. 4, 199. die bewegung verlangsamt sich; nur ihre stetigkeit und gleichförmige dauer dient als vergleichsmoment. schon verhältnismäszig früh: und man wird auf der ebne her die flamme sehn wie ströme flieszen Dietrich v. d. Werder buszpsalmen (1632) B 4 b; wir ... trocknen uns die thränen ab, die strömen gleich hervorgedrungen Gottsched gedichte (1751) 228; ... itzt flossen strömen gleich die unterworfne völker in die stadt Wieland I 1, 388, 287 akad. ausg. farb- und lichteindrücke dagegen erzwingen erst seit dem allgemeinen erwachen des naturgefühls den vergleich [vgl. die schluszbeispiele von A 2 b β) ββ)]: wie ein heller strom brachen sie aus ihren schluchten gegen den blinkenden damm der feindlichen glieder Eichendorff sämtl. werke (1864) 22, 249; durch die regungslose sommernacht flutete, wie ein strom, der ihn suchte, das licht von einer schimmernden weiblichen gestalt zu ihm (am fenster) hinauf, die aus dem dunkel des nachbarhauses auf die helle terrasse getreten war Binding opfergang 33 inselbücherei. II@B@2@bb) abstracta. entsprechend den geistig-seelischen vorgängen, die mit einem strom vergleichen werden, ist der vorstellungsinhalt verschieden. bei klangvorstellungen wird der vergleich gewählt zum ausdruck des reiszenden, unwiderstehlichen flieszens: bis endlich, wie ein strohm, ein frohes ach! aus meiner brust, nebst diesen worten brach Brockes ird. vergnügen in gott 4, 167; denn die lehrer, so du hegst (Leipzig), lassen ihr gelehrtes wissen auf das lehrbegierge volck, gleich wie starke ströhme flieszen Henrici ernst-scherzh. u. satir. ged. 1, 85; (der wahre redner) wird bald erhaben und prächtig, wie ein gewaltiger strom seyn J. A. Cramer nord. aufseher 1, 56; die mannliche beredsamkeit des Demosthenes, die wie ein gewaltiger strom daher rauschte Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 159. diese vorstellung naturgemäsz [vgl.A 2 b β) αα)] im 19. jahrh. vereinzelt: wer sie (elfenmusik) angehört hat, kann nicht beschreiben, mit welcher gewalt sie die seele entzücke: gleich einem strom dringe sie mächtig entgegen Scherer kl. schr. 1, 521; dagegen üblich zur bezeichnung der dauernden gleichförmigkeit ohne besondere schnelligkeit, also nordd.-moderne vorstellung vom strom: seine beredsamkeit flosz wie ein sanfter strohm Eschenburg beispielsammlg. zur theorie 8b, 167; ihr gespräch ergosz sich wie ein einförmiger, aber klarer strom über die neuesten politischen zeitbegebenheiten Eichendorff sämtl. werke 2, 70; wie ein strom flossen ihr die worte von den lippen Holtei erz. schr. 18, 81. seltsam als lichteindruck: der gesang flieszt dahin wie ein silberheller strom zwischen leuchtenden blumen E. Th. A. Hoffmann sämtl. werke 1, 30 Grisebach. der gleichförmig ruhige, aber unaufhaltsame flusz des stroms, der nie zur selben stelle wiederkehrt, führt zum vergleich mit dem dauernd gleichförmigen zeitablauf. noch mit starkem nachdruck auf der geschwindigkeit: du lessest sie (tausend jahre) da hin faren wie einen strom ps. 90, 5. auf dieser psalmstelle beruht die häufigkeit dieses vergleichs: gott lob! es ist, von meinen jahren, auch das, so man gefährlich hält, das drey und sechzigste, vergangen, und wie ein strohm, dahin gefahren Brockes ird. vergnügen in gott 8, 265; im wortlaut ferner stehend: o wenn noch stets bey ihr ich dieser zeit genossen die schneller als ein traum, und wie ein strom verflossen Besser schr. 2, 380 König; die zeit ist nicht gleichsam ein behälter, worin alles wie in einen strom gestellt ist, der flieszt Hegel werke 7, 1, 54. schlieszlich werden starke gefühlserregungen mit dem strom verglichen; in älterer zeit bis zum 19. jahrh. zur charakteristik des gewaltsamen, unwiderstehlichen: durch eine wuth, die sich wie ein strom über ein so abergläubisches volk ergosz, entstanden christliche mönche und anachoreten Zimmermann über d. einsamkeit 2, 86; herr, lasz des zornes grimm auf sie, wie ströme, flieszen Rompler v. Löwenhalt 1. gebüsch (1647) 15; und feurte sich an, die gedanken tönen zu lassen, wie ein strom sich ergieszt, wie die donnerwolke daher rauscht Klopstock Messias 5, 436; der deutsch-nationale aufschwung, welcher der französischen kriegserklärung folgte, vergleichbar einem strome, der die schleusen bricht Bismarck gedanken u. erinn. 2, 104 volksausg.; seit dem 19. jahrh. zur kennzeichnung der ruhigen, steten, unaufhörlichen bewegung: keine adern und sehnen erhitzen und regen diesen körper, sondern ein himmlischer geist, der sich wie ein sanfter strom ergossen, hat gleichsam die ganze umschreibung dieser figur erfüllt Solger Erwin (1815) 2, 103, 18; nicht einem strome, einem wasserfalle gleicht hier das leben; es flieszt nicht, es stürzt mit betäubendem geräusch Börne ges. schr. 5, 20, zu der sich gern farbeindrücke gesellen: ihr inniges und heiszes lieben, das, wie ein goldner strom, in vollen ufern quoll Stifter sämtl. werke 3, 234; das leben flieszt wie ein breiter strom durch grüne steppe Thiesz d. verdammten 500 volksausg. sehr ungewöhnlich veranlaszt das juristische merkmal des stroms (vgl.A 3) den vergleich: man wolle die gerechtigkeit nicht kaufen müssen: sie solle sein wie ein strom, aus welchem der ärmste schöpfen könne Ranke sämtl. werke 4, 70. II@B@33) als bild zur charakterisierung der eigenart abstracter, geistig-seelischer vorgänge; im mhd. sehr selten, beliebt und häufig erst seit dem 18. jahrh.; am ende steht auch hier oft ein völlig sinnentleerter miszbrauch des bildes. II@B@3@aa) als bild für klangvorstellungen, wenn ihr gleichförmiger, für längere zeit ununterbrochener ablauf gekennzeichnet werden soll: strom der worte, rede, sprache, des gesanges, der musik u. s. w. in der einzelverwendung spiegelt sich wieder der wandel und die geographische verschiedenheit der anschauung vom strom. das nächstliegende, der akustische eindruck übertrieben lauter klangvorgänge, führt trotz der sachlichen berührung selten zur herübernahme des bildes: erregt ist ganz Messina — horch! ein strom verworrner stimmen wälzt sich brausend her Schiller 14, 19 G.; in den pausen ist alles still, aber mit der musik fängt der strom der rede an zu brausen E. Th. A. Hoffmann sämtl. werke 1, 33 Grisebach; da brauste mir der walzer seinen vollen strom ins gehör Bettine Cl. Brentanos frühlingskr. (1844) 359. vielfach in verbindung mit visueller vorstellung: droben rauscht ihr (der lieder) strom erhöhter, uferlos, zur engelharfe Overbeck samml. verm. gedichte (1794) 4; vielleicht fielen sie einem rhetorischen mann in die hände, der alles dramatische in dem breiten tosenden strom der rede ersäufte E. Th. A. Hoffmann 4, 66. entscheidend bleibt, wie für strom in eigentlicher bedeutung, der visuelle eindruck. die fortreiszende, unwiderstehliche gewalt menschlicher rede oder des gesanges veranlaszt das bild; daher in neuester zeit unüblich: der strom seiner beredsamkeit ... reiszt alles mit sich fort, was er unterwegens antrifft Schwabe belustigungen 1, 321; Flamins schweigen ... gab dem strom seiner beredsamkeit einen neuen schnellen abhang Jean Paul werke 7/10, 72 Hempel; der strom seiner rede, der anfänglich in ruhiger majestät dahinflosz, wurde nach und nach so stark und hinreiszend, dasz ... Wieland Agathon (1767) 2, 172. oft vermischt sich die eigentliche bedeutung mit der übertragung auf den niederprasselnden regen im bild: der strom seiner verwünschungen war auf mich hereingestürzt H. v. Schmid alte u. neue gesch. aus Bayern 9; wie vom himmel stürzten die ströme seiner beredsamkeit H. Grimm Michelangelo 1, 102. die bewegung erscheint schon gemilderter, aber immer unaufhörlich, gleichförmig, dauernd, nicht selten in sehr kühnen vergleichsobjecten: man stelle sich einmal vor, in welchen strömen des beifalls wir uns über die begrifmäszige silbenzeit ergieszen würden Klopstock über spr. u. dichtk. 1, 47; noch zwingt uns die unsichre zeit, unsre eigne ehre zu erhalten, ganze ströme von schmeicheley zu ergieszen H. L. Wagner theaterstücke (1779) 75; Bertha ... ergosz sich in einen strom so anmuthiger und freudenreicher glückwünsche Fouqué zauberring (1812) 1, 202. die moderne vorstellung vom strom giebt seltener gelegenheit, den ruhigen, steten, darum harmonischen ablauf von klangvorgängen bildlich auszudrücken, gern mit den charakteristischen adj. (vgl.A 2 a β): ein so breiter strom der töne musz, ... wie beim drängen durch ein enges felsenthal, seine ruhe und klarheit verlieren Börne ges. schr. 1, 33; der major ... hatte schon mehrfach versucht, seinen etwas geschwätzigen hauswirt in dem sanft dahinflieszenden strome seiner rede zu unterbrechen Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 96, nicht so prägnant ohne sie: nachdem wir beide getrunken, flosz der strom der rede also weiter E. Th. A. Hoffmann 10, 226; flosz ein strom von verwünschungen und flüchen von ihren lippen Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 292. eigenartig das bild, dasz der mensch auf dem strom wohllautender klänge schwimmt, zur charakteristik der ästhetischen anziehungskraft melodischer tonfolgen; daher fast ausschlieszlich von der dichtung und musik gebraucht: ich fliege mit ihm (Horaz), oder schwimme den strom seines gesanges hinunter Herder 3, 360 S.; wo duftbestäubt, im strome der melodie, ein stolzer schwan, Hispaniens sprache schwimmt Stägemann kriegs-gesänge (1813) 32; melodien strömten auf und nieder, und ich schwamm in diesem strom und wollte untergehen E. Th. A. Hoffmann 1, 15; anders (vgl.A 2 d γ): wir trinken den strom ihrer (der töne) wohllust mit langen zügen Herder 15, 307 S. durch die häufigkeit der verwendung zur gern gebrauchten redeformel herabgesunken, die nur noch recht unbestimmt das sich überstürzende, die unaufhörliche menge oder die ununterbrochene ruhige abfolge von klangvorgängen ohne scharfe anschauung bezeichnet: mit einem solchen strome der rede zu sprechen J. A. Cramer nord. aufseher 1, 80; es herrscht hier eben der strom von worten ... und gleicher mangel an rührung und präcision allg. dt. bibliothek 2, 1, 191; ein strom von frechen stimmen, die sein (Jesu) urtheil sprechen! Bürde geistl. poesien (1787) 110; behauptete er sich gegen den strom der spottreden jener riesenstadt Justi Winckelmann 2, 208. die dadurch hervorgerufene abnützung zur anschauungsleeren worthülse zeigt die gedankenlose verbindung mit verben, die das bild nicht entstehen lassen oder gar zerstören: und überschüttet euch mit einem strom von lobe Ayrenhoff werke (1814) 1, 84, 23; der gast liesz lächelnd diesen strom des geplauders über sich ergehen Storm werke (1899) 4, 104; die orgel wälzt nicht mehr der töne strom Matthisson schr. (1825) 1, 167. II@B@3@bb) als bild für zeitabläufe: wie der strom so flieszt auch die zeit unaufhaltsam, gleichförmig und gleichsinnig. seit dem 18. jahrh. beliebt. je nach der gefühlsmäszigen bewegtheit des menschen gegenüber der thatsache des ununterbrochenen fortschreitens der zeit knüpft das bild an die verschiedenen vorstellungen vom strom an. gern pluralisch: dadurch wird das endlos-flieszende, rinnende stärker hervorgehoben. der zeitablauf wird als unwiderstehlich reiszend empfunden: die (wahrheit) zeiget mir sein edles bild, das groszmuth und verstand erfüllt, auch wenn der zeiten strom ihn mit dahin gerissen Gottsched neueste gedichte (1750) 29; der gang, den er nahm, war nicht der seine, sondern des jahrhunderts, von dessen strom die zeitgenossen willig oder unwillig mit fortgerissen werden Göthe IV 22, 222 W.; die zeit ist ein strom, der reiszend von hinnen rollt Schiller 4, 41 G.; der gewaltige strom der zeitgeschichte überfluthet in ihnen die letzten bewegungen der kaiserlichen gewalt Nitzsch dt. studien (1879) 16. die gleichförmigkeit und gewalt der bewegung ohne besondere betonung ihrer schnelligkeit: der strom der zeit rollt fort Herder 23, 14 S., steht nie still 17, 5; möge ... der strom ihrer tage unter blumen ... verrauschen Thümmel reise in die mittäglichen provinzen 8, 229; im strome der zeit rinnt die mücke und die sonne nebeneinander — keines schneller Jean Paul werke 48, 65 Hempel. der ruhig dahinziehende nordd. strom wird zum ausdruck der unmerklich, aber unaufhaltsam verflieszenden zeit: selig ... sieht er in dem langen strom der zeiten ewig nur — sein eignes bild Schiller 6, 27 G.; viel alte wunder, kühner Normann, spiegelt der ruhige strom der jahre Stägemann kriegs-gesänge (1813) 8; mit theilweise gekünstelter bildhaftigkeit: dann auch ich arbeite mit händen und füszen durch den strohm der zeit Schubart briefe 1, 72 Strausz; aber wenn denn nun unter allem diesem rauschenden vergnügen der strom der zeit mein schifflein auf den ocean hingeschwemmt hat, und ich dann ... verschlungen werde? Jung-Stilling sämtl. schr. 4a, 205; so sind sie (die menschen) seit sechs tausend jahren im strom der zeit hinab gefahren Seume gedichte (1804) 40. daneben bietet das bild des stroms eine zweite möglichkeit der übertragung auf die zeit. vergangene dinge werden allmählich vergessen: sie sinken gleichsam im wasser unter. die thatsache des flieszens hat für diese seltenere bildhafte verwendung keine bedeutung: nicht ihr alle werdet im strome der zeit oben bleiben Bürger werke 1, 323b Bohtz; ich habe im sinne, ... meine lage, in der ich dichtete, deutsch und wahr darzustellen, und sie ... in strom der zeit zu werfen (um zu sehen, ob sie schwimmt oder untergeht) Schubart briefe 2, 185 Strausz; Sophokles' ... hymnen und elegien wurden bewundert. doch sie sind verschlungen worden von dem strome der zeit Stolberg ges. werke 13, vii; glücklicherweise hat die zeit alle diese bibel- und geistlosen verwirrungen ... in den breiten strom der vergessenheit gesenkt Herder 20, 70 S. noch anders beobachtet als bild dafür, dasz lange versunkenes wieder auftaucht: oft kommen wunderbarer weise die gestalten lange verstorbener vorfahren aus dem strom der generation wieder ebd. 13, 282. anders gewendet: einige ihrer gesänge, und mehrere bruchstücke gehören unter die köstlichsten perlen, die der strom der zeit vom schiffbruch der vorwelt an das öde ufer auswarf Fr. Schlegel pros. jugendschriften 1, 26, 37 Minor; glücklicher weise hat der strom der zeit auch hier vielen schlamm abgesetzt Herder 15, 353 S. auch hier wieder läszt zufällige oder typische stilistische nachlässigkeit das verblassen des ursprünglich scharf geschauten bildes zu unsinnlicher, abgegriffener redeformel erkennen: der strom der zeit hat ihn und alle diese schimmernden tage unter vier-, fünffache schichten bodensatz gedrückt und begraben Jean Paul werke 1, 380 Hempel; gebannt im stillen kreise sanfter hügel schlingt sich ein strom von ewig gleichen tagen Eichendorff sämtl. werke 1, 386; da ... Gaius keineswegs wie sein bruder durch den strom der ereignisse weiter und weiter gedrängt ward Mommsen m. gesch. 2, 114. II@B@3@cc) eng verwandt mit dem vorigen, oft auch nicht zu trennen von B 1 b, übertragung auf den strom der entwicklung, des lebens, der welt, geistiger zeitströmungen und -tendenzen. das moment des ruhelos sich weiter entwickelns und umgestaltens veranlaszt, zum bild des stromes zu greifen, zunächst wieder, um die unwiderstehliche kraft solcher geistigen bewegungen anschaulich zu machen: mithin haben sich auch Caniz und Heräus selbst von dem groszen strohme fortreiszen lassen, und Hoffmannswaldau und Lohensteinen weyhrauch gestreuet Bodmer samml. crit. poet. schr. 2, 124; geschieht es, dasz das gedächtnis dem genie ausdrücke liefert, die von dem modelle, welchem man folgt, abweichen, so werden sie mit dem allgemeinen strome fortgerissen werden Ramler einl. in die schönen wiss. 4, 225; auf anderer linie: der strom der groszen welt hatte ihn erfaszt Schiller 4, 269 G.; so geschieht ihm selber, ... dasz deutsche denker, ernstlich suchend, mehr finden, als sie suchen, weil der strom des lebens sie mit fortreiszt Treitschke hist. u. polit. aufsätze 1, 131. das geistig vernommene geräusch solcher entwicklung (meist mit starker annäherung an B 1 b ζ) führt zum bild: es ist ein gewaltiger strom des lebens, der hier an einem vorüberbraust v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 83; wir aber müssen bei der arbeit lauschen, wohin die heil'gen ströme wollen rauschen G. Keller ges. werke 10, 25 Cotta. er ist unendlich, unerschöpflich, unaufhörlich: das ist der gang der natur bei der entwicklung der wesen auseinander; der strom geht fort, indesz sich eine welle in der andern verlieret Herder 13, 55, 1 S.; alles leben ist ein ununterbrochener strom Novalis schr. 3, 201 Minor; was unterscheidet götter von menschen? dasz viele wellen vor jenen wandeln ein ewiger strom Göthe I 2, 82 W.; die grösze, weite des lebensstroms, nicht mehr seine geschwindigkeit, führt zum bild des nordd. tieflandflusses: einen breiteren strom des lebens in einer glänzenderen fassung kann man wohl auf der erde nicht fluthen sehen, als auf diesem spatziergang, wie man ihn hier übersieht Hebbel werke 10, 13 Werner; wer die solidarität aller menschlichen interessen ... begriffen hat, weisz auch, dasz seine individuelle existenz nur ein tropfen in dem ungeheuren strome ist Spielhagen werke 2, 14; er flieszt ganz ruhig, unmerklich: in zehn minuten waren kampf, sorge, hoffnung und erwartung vergessen, und der strom seines lebens flosz zehn stunden lang so ruhig dahin, als ob nicht am folgenden morgen sein schicksal entschieden werden sollte Moltke ges. schr. u. denkwürdigk. 1, 88. es ist die aufgabe des menschen, sich durch das leben hindurchzuarbeiten, wie durch einen reiszenden oder breiten strom: so schon früh: wen durch den stromb und werbl zwar ihr durch passiert mit jammer, so werden auch handtwercker gar muster ausz euch schneiden zu ihrem zeug Höck schönes blumenfeld 7, 21 neudr.; es bildet ein talent sich in der stille, sich ein charakter in dem strom der welt Göthe I 10, 116 W.; typischer ist, dasz er sich vom strom treiben läszt: ich bin sehr unruhig ... wenn ich dich nur gesehen, mein freund! und den herrn gesprochen, alsdann will ich mich dem strom überlassen. es gehe wie es wolle: währet es doch nicht ewig Winckelmann sämtl. werke 10, 65 Eiselein; überlassen mir selbst ... hingeworfen ganz dem strome, dem wirbel! maler Müller werke 1, 29; wir werden sie (popularität) dadurch nicht wieder gewinnen, dasz wir uns vom strome treiben lassen in der meinung, ihn zu lenken Bismarck gedanken u. erinn. 2, 19 volksausgabe. das abebben des lebens, der inneren bewegtheit und entwicklung wird bildhaft mit einem vertrocknenden strom verglichen: schon wird der strom des lebens schwach, und jährlich seichter, jährlich trüber; wir werden alt! Ebert episteln u. verm. ged. (1789) 76; aber ach! schon fühl' ich bei dem besten willen, befriedigung nicht mehr aus dem busen quillen. aber warum musz der strom so bald versiegen, und wir wieder im durste liegen? Göthe I 14, 62 W.; anders: der strom des lebens erkaltet in meinen adern Klinger werke 7, 55; die beliebtheit des bildes läszt es allmählich unscharf werden, besonders in der wendung die ströme des lebens flieszen (poetisch meist mit vorangestelltem genitiv): ihm ist ja ausz der schrifft bekant, dasz die auf Christum sterben, den himmel unser vaterland unwiedersprechlich erben ... da freuden sind, und ewiglich des lebens ströme flieszen Dach in Königsbg. dichterkreis 80 neudr.; die wissenschaft, dieses meer, wohin alle ströme des lebens flieszen Börne ges. schr. 3, 129. am ende steht auch hier wieder die durch die zerstörung des bildes enthüllte anschauungsleere wortformel: die zinsen sind zuerst unter bürgern und handelsleuten aufgekommen ... die neuern colonisten sind dem strome gefolgt Möser sämtl. werke 2, 100; zweimal ... war ich zu Halle ins theater gekommen und war nur mit dem strome (der mode) hingekommen Laube ges. schr. 1, 80. II@B@3@dd) dichtung, poesie u. ä. wird als strom gesehen, vor allem wegen des ungestüms, mit dem sie den dichter oder den hörer und leser ergreift und mit sich fortreiszt: du (poesie) bist ein strom, der ungehemmt schnellt, einbricht, stürzt und überschwemmt Hagedorn vers. einiger ged. 36, 35 neudr.; mit lust und ohne anstosz folgen wir dem hinreiszenden strome ... seiner dichtung Fr. Schlegel sämtl. werke 5, 99; in kurzem ... ergriff ihn der strom jenes groszen genies (Shakespeare) Göthe I 21, 291 W.; ich begreife es gar nicht, wie ein mensch an die nacht, oder den abend, nur denken kann, ohne sogleich in einen strom von poesie hinein gerissen zu werden Hebbel briefe 1, 182. mit betonung des akustischen moments: das gebiet der heiligen poesie hat nicht allein rauschende gewässer und ströme J. A. Cramer sämtl. ged. 1, vorw.; ein mächtiger strom der darstellung, wo eine woge des lebens auf die andere rauscht Fr. Schlegel sämtl. werke 5, 174. in der auffassung, wie bei Eichendorff stets, moderner: bald faszte ihn der rasche strom der eigenen dichtung, heiter glitt er an den duftigen gestaden ... hinab sämtl. werke 2, 457. merkwürdig bedeutsam für dieses bild die vorstellung des betts, in dem der strom flieszt: wenn die bisherige pause, dies stocken des poetischen stroms nichts bedeutet hätte, als ein neues bett! Hebbel tagebücher 1, 376; alle diese rein practischen seiten hätte professor Heiberg nicht übersehen sollen, dann würde er ... nimmermehr dem strom der dramatischen literatur nach der jetzigen coulissenwelt das bett abgesteckt haben Hebbel w. 11, 17 Werner; dasz er von stund an das deutsche versemachen aufgab und seine dichterischen ströme ganz in das alte ... bette der neulateinischen poesie leitete Justi Winckelmann 1, 375. II@B@3@ee) strom einer gefühlserregung, gemütsbewegung. die bildhafte beziehung zur eigentlichen bedeutung ist hier, wenn auch oft durch verben oder adjectiva aufrecht erhalten, sehr lose, da es sich vielfach nicht mehr um eine bewegung, sondern einen, wenn auch nicht allzu lange anhaltenden zustand handelt. vielfach gebräuchliche wendung für die ungewöhnliche intensität einer gemütsbewegung: liebe, leidenschaft, dank, gnade, ehrgeiz, eitelkeit, eifersucht u. s. w. so schon in der epigonenlitteratur des mhd.: aller guete voller vluete vloʒ in gnaden stramen kumt gevloʒʒen her uʒ gotes herzen grieʒ ursprunge minnesinger 3, 61a v. d. Hagen; mime herzen durch die mitte vlihtet sich ir (mîner vrouwen) minnen stram ebd. 3, 441a. nhd. zunächst in starker bildhaftigkeit: auf! lasz durch eigne hände den thamm, an welchem sich ihr strom der liebe stöszt, von grund-ausz reiszen ein! Lohenstein Ibrahim Sultan (1680) 55, 125; Urganda, die alle kräfte ihres witzes aufbot, dem ausgerissenen strome von glückseligkeit ... dämme entgegenzusetzen Lenz ges. schr. 3, 290 Tieck; der so lang aufgedämmte strom voller liebe ergosz sich jetzt über ihn Laube ges. schr. 3, 103; ich will mich hüten von dem strom (des ehrgeizes und der eitelkeit) hingerissen zu werden Gottschedin briefe 1, 27 Runkel; viele (schwärmereien) rissen mich auch in ihrem strom mit fort Jung-Stilling sämtl. schr. 6, 5. bei geringerer gefühlserregung nur noch zur bezeichnung ihrer lang anhaltenden dauer und gleichsinnigkeit ohne besonders hervortretende leidenschaftlichkeit; wie der strom unaufhörlich flieszt, so ein bestimmtes gefühl: aus ihm und zu ihm flosz, stets gleich, unwandelbar ein strom von heilger lust, die nicht zu mehren war Giseke poet. werke 4 Gärtner; weh mir! nach allem, was ich jemals las, und jemals hört in sagen und geschichten, rann mir der strom der treuen liebe sanft Shakespeare 1, 183; allein der grosze, goldene strom der liebe, der in den jahrhunderten bis zu uns herabgeronnen Stifter sämtl. werke 2, 136. eine bildkette beruht auf der vorstellung, dasz der strom den menschen treibt oder irgendwie gelenkt, auch freigegeben wird: des volkes ..., das in jeder leidenschaft strom unrettbar treibt Klopstock oden (1889) 2, 139, 28; immer allgemeiner ward der einflusz der orientalischen denkart, ... welche von jeher auch ströme von einer glühenderen und tieferen schwärmerei mit sich führten Fr. Schlegel sämtl. werke 1, 97; (Gott) lenkt des trostes strohm in die verschmachte brust Neukirch anfangsgr. z. teutschen poesie (1724) 757; mit dem ehren werde ich mich so zeit genug müssen begnügen lassen; wenn nämlich die natur den strom seiner zärtlichkeit einen anderen weg leitet; wenn er selbst vater wird Lessing 2, 365, 18 L.-M.; der strom des interesses, der leidenschaft, findet sein bette schon gegraben, in dem er hinabrollen kann Göthe IV 14, 34 W.; sie lief in zärtlicher bestürzung auf ihn zu, nahm ihn in ihre arme, liesz dem ganzen strom ihrer empfindung den lauf Wieland Agathon (1766) 2, 345; empfang sie mit vernunft und hemm ein mahl den lauf der ströme deiner angst Günther bei Steinbach vollst. dt. wb. 2, 752; da ich sahe, dasz alle meine bescheidenheit nicht ausreichend war, dem überflieszenden strom der popularen dankbarkeit einhalt zu thun Wieland Agathon 1, 349. die vorstellung vom regen als einer von oben herabflieszenden bewegung wirkt stark bestimmend: geusz deinen strom in mich, o süsze liebe! Neukirch gedichte (1744) 70; den vollen strom der gnade, den gott über ihr inneres ergosz Brentano ges. schr. 4, 303; da ergosz sich in meine brust ein strom von schmerzen v. Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 75; von thränen: doch freund, ich merke schon, dein herz ist angefüllt von unmuth, dessen strom aus brust und auge quillt Löwen schr. (1765) 1, 19. der mensch trinkt die gefühlsbewegung in sich: was für ströme reiner lust würden unsern geist berauschen! Schwabe belustigungen 1, 511; ich trinke ströme voll seeligkeit Jung-Stilling sämtl. schr. 2, 32; da trinken sie aus dem strom der wonne maler Müller werke 1, 241. in besonders eigenthümlicher verwendung für die spiegelung der inneren gefühlsbewegtheit in den augen des menschen: und nachdem er solche geküszt — steckte er sie mit einem strome von gutherzigkeit in den augen, in seinen busem Bode Yoricks empfindsame reise 1, 50; aus seinem klugen ... gesicht brach ein strom von güte Frenssen Hilligenlei (1905) 47; es war der geheimnisvolle strom gewesen, der aus dem weiszen, stillen antlitz des mädchens am fenster ... in mich geflossen war Stehr drei nächte (1925) 235. folgerichtig nehmen hier die rein formalen verwendungen von strom, die sich in vollständiger, oft grotesker bildzerstörung enthüllen, schon seit früher zeit einen breiten raum ein: solche kranckheit ... macht, dasz man ... seinen besten fortgang in einem strohm der eitelkeit verleuert Butschky Pathmos (1677) 49; aber was will das gegen den ganzen vollen strohm ihres glücks bedeuten? Kretschmann sämtl. werke 3, 65; selbst in dem heftigsten strome einer leidenschaft müszt ihr eure bewegungen ... in eurer gewalt haben neue schausp. 7, 1, 65; wie manche überlegung machen wir da, ... die der strom der eitelkeit in seiner zerstreuten seele ersticket Zimmermann über d. einsamkeit 3, 198; es überläuft mein herz ein strom von kaltem schrecken Ayrenhoff werke 1, 86, 8. II@B@3@ff) strom des denkens, der gedanken, überhaupt intellectueller thätigkeit. trotz seiner ferne von der eigentlichen bedeutung alt: so du ... die stromen deines contemplierens in göttlichem wesen so vestigklich bestät hast Geiler v. Keisersberg granatapfel (1510) H 1d; unser Opitius ... hat es gewagt ... und den new ankommenden göttinen die furth mitten durch den ungestümmen strom menschlicher urtheil vorgebahnet Opitz teutsche poem. 23a neudr. das mitreiszende, unwiderstehliche allgemeiner geistiger strömungen, gedanklicher grundhaltungen führt zum bild: sind unter hunderten zween, die sich nicht von dem strom allherrschender vorurtheile mit fortreiszen lassen? Lavater physiogn. fragmente 1, 19; dieser gedanke kann den strom unserer einfälle nicht sehr aufhalten; denn er ist uns ziemlich geläufig Joh. E. Schlegel werke 3 (1770), 380; was unsre väter fromm gebaut, errungen, thron, burg, altar, es hat sie all verschlungen ein wilder strom entfesselter gedanken Eichendorff sämtl. werke 1, 438; wer ist mehr vom strom unsrer ideen fortgerissen worden als Wilhelm und Bismarck? Ruge briefw. u. tagebücher 1, 359 Nerrlich. in jüngerer zeit abgeschwächt; der mensch schwimmt daher nicht nur auf diesem strom: der strom meines witzes trieb ihn nur abwärts Sturz schr. 1, 81; sie fanden sich mit dem gewaltigen strom herrschender meinungen und gesinnungen fortgezogen Göthe I 49, 57 W.; Gustav wird blos durch einen strom von freundschaftlichen und medizinischen vorstellungen mit fortgeführt und morgen von uns fortgezogen Jean Paul s. w. 1, 317 Hempel, sondern leitet ihn nach seinem willen: deutsche philologen der letzten dezennien, die den strom solcher kenntnisse auch zu den weltleuten leiteten Göthe I 46, 93 W.; mittelst worten, den strom unserer gedanken in ihren kopf leiten Schopenhauer werke 2, 137 Grisebach. dem ruhigen, steten gedankenflusz bietet sich der typisch nordd. flusz als bild: so breit und zuversichtlich der strom dieser ansichten flieszt Lotze mikrokosmus (1856) 1, xiv; ein strom erwünschter bilder und gedanken zog an ihr vorüber Storm werke (1899) 7, 73. auch hier wieder seit dem 18. jahrh. zahlreich die fälle widersinniger bildformel: es steckt ein strom von scharfsinnigen einfällen in mir Gottsched dt. schaubühne 3, 489; wenn man einmal in dem strom der aufklärung drinne sitzt Brentano Godwi (1801) 1, 189; und doch erregt ... die wagenspur im felsboden einen strom von vermuthungen und nachdenken Moltke ges. schr. u. denkw. 4, 22. II@B@3@gg) strom äuszerer lebenserscheinungen. es giebt kaum ein gebiet menschlicher lebensäuszerung, das nicht gelegentlich mit einem strom verglichen worden ist, oft auch dann, wenn von keiner bewegung die rede ist; gern zur bezeichnung der bedeutenden menge, manchmal selbst ohne dies merkmal. eine auswahl veranschauliche die geradezu unerschöpflichen vergleichsmöglichkeiten mit strom. dabei tut sich barocke übertreibung hervor unter vielfach völliger hintansetzung der bildhaftigkeit: die vaterland und reich durch faust und recht geschützt, den strom der tyranney mit stahl und muth gestützt Gryphius trauersp. 153 Palm; o selig, die der strom des ersten grimms verzehret ebd. 216; dir scheust der strom der höchsten güter zu ebd. 34; wormit ihm auch hertzog Bolcko seine wohlthat nicht eintröpfelte, sondern ihn mit derselben vollen strome überschwemmete Lohenstein Arminius 2, 809a; dessen gütigkeit hat einen unermäszlichen strom auff meine wolfahrt herab flieszen lassen Chr. Weise polit. redner (1677) 186. strom von dingen, die durch die ihnen innewohnende art eine gewaltig fortreiszende wirkung auf den menschen ausüben; bei dieser verwendung wird also das bild lebendig: die gewonheit ist ein starker strom, dem ein schlechter baum nicht widerstehen kann Chr. Weise drei ärgsten erznarren 22 neudr.; was ich gethan, ... verliert sich im breiten strome des gewöhnlichen Körner 2, 141; ... den unsinn zu verdrängen, der, von der Seine her, im strom der mode kömmt? Gotter gedichte (1787) 1, 407; warum ich dem rauschenden strome der moden so gelassen nachgesehen habe Möser sämtl. werke 4, 42; der mensch treibt mit dem strom von nichtgen zeitvertreiben beständig fort briefe die neueste litter. betr. 11, 110; zur ersten quelle ..., daraus alle verschiedene ströme von vergnügen auf ihn zuflieszen Gerstenberg recensionen 16 lit.-denkm.; jugendlicher leichtsinn im strom der lärmendsten zerstreuungen K. Fr. Cramer Neseggab 1, 67; Viktor warf sich in den strom der lustbarkeiten, um unter demselben seine eigne seufzer nicht zu hören Jean Paul sämtl. werke (1826) 8, 165. ein anderes moment führt zum bild: man läszt aber dem strome des verderbens einen freien lauf J. A. Cramer nord. aufseher 1, 46; bis Sokrates dem strom des verderbens entgegen trat und ihn hemmte Fr. Schlegel sämtl. werke 1, 43; was wäre denn also das mittel, ein treues weib zu haben? sie dem strohme der verführung ungestört zu überlassen Stephanie sämtl. singspiele (1792) 374, 20; da hört ich, dasz er sich vom strom der bösen sitten, der alles hier verheert, leichtsinnig fassen liesz Castelli sämtl. werke 12, 58. wieder ein anderes: bald konnte ich dem strome der begebenheiten nicht folgen Pfeffel pros. vers. 5, 61; nachdem der strom der begebenheiten langsamer und schneller die wellen treibet Herder 17, 80 S.; noch anders: der strom der menschlichen geschäfte wechselt: nimmt man die fluth wahr, führet sie zum glück Shakespeare 2, 122. barock: seit des unsterns ganzer strohm über Hilmarn sich ergossen Grob dichter. versuchg. 68 und modern: erst viel später, da meine seele schon unrettbar in dem strom eines schweren schicksals untergetaucht war Stehr drei nächte (1925) 47. ganz abstrahierend in der zuordnung: dasz aus dero uhralten hochfürstlichen hause ... die ströhme der gerechtigkeit, weisheit, tapfferkeit ... beständigst hervorquillen, und ... in die entlegensten reiche, ja selbst in fremde welttheile sich überflüszig ergieszen mögen S. Fr. Hahn einl. (1721) 3, vorr. 3b; Frankreich, hast du mehr blut noch zu vergeuden? hat freyen lauf nun unsers rechtes strom? es wird gehemmt durch deinen widerstand Shakespeare 5, 38; und diese quelle wars, aus der dem vaterlande, dem volke des Quirins, der strom der strafen kam Hagedorn poet. werke (1769) 3, 9; aus mildem bache wird strom der rache Schenkendorf gedichte (1815) 54; doch wer dämmt der folgen strom? Müllner dram. werke 1, 51. die romantiker lieben die verknüpfung mit weichen, zarten vorstellungen; als bild meist unvorstellbar, aber voller klangschönheit. noch bildhaft: der schöpfer ... hat ... den strohm seines segens über den erdkreis ... ausgegossen Wackenroder herzensergieszungen (1797) 97; ein nie gefühltes entzücken ergriff die zuschauer, und der könig selbst fühlte sich wie auf einem strom des himmels weggetragen Novalis schr. 4, 93 Minor; nur noch wortmusik ohne bestimmten vorstellungsinhalt: wenn du von deiner schwelle ... zum strom der nacht mich treibst Brentano ges. schr. 2, 223; gute nacht! rief er fröhlich vom berge hinab, wie hat der herr nun alles untergetaucht in den wunderbaren strom der träume Eichendorff sämtl. werke 2, 605; ein wehmütiger strom von erinnerung zog da durch seine seele ebd. 2, 292; im strom des wunsches tief versunken, der all mein sinnen aufgetrunken Lenau Faust 191; doch hat der strom der schönheit mich bezwungen, der hell von dir in meine seele bricht Lenau sämtl. werke 6 Barthel; der strom der schönheit ergieszt sich ewig durch die welt Storm werke (1899) 4, 33. selten ist strom als bild für geistig-seelische trennung: zwischen vergangenheit und zukunft flieszt ein breiter strom, die gegenwart ist die brücke darüber Börne ges. schr. 6, 34; es war, als ob eine rätselhafte macht ihr ganzes denken ablenke von ihrem schmerz und ein kühler strom sich zwischen ihm und ihrem fühlen hindurch ergösse Binding opfergang 54 inselbücherei, oder, modern empfunden, für gefühlsmäszige verbindung: sogar, wenn er schwieg, ... so war das schweigen keine kluft (zwischen dem beamten und den leuten, die er abfertigt), sondern ein strom, kein abbruch, sondern eine pause Schaeffer mitternacht (1928) 43; oder zu C 2? II@B@44) in festen präpositionalen verbindungen (vgl.A 1 c). II@B@4@aa) wider, gegen den strom: sehr häufig, da psychologisch auffallend. selten als sachliche feststellung, meist subjectiv mit bewunderung oder tadel verknüpft (vgl.A 1 c δ): weisz doch der henker, dasz das weibsvolk immer wider den strom seyn musz J. G. Müller Siegfried v. Lindenberg 4 (1784) 2, 88; ihr schwimmet diesesmahl zuwieder gantz dem strom Reinicke Fuchs (1650) 263 [lautgetreue übertragung aus nd. toweddern (s. zuwider)]. nachgestelltes entgegen mit dativ nur selten und deshalb mit starkem sinngehalt: Georg Lauterbeck Vivis bücher von einigkeit und zwytracht (1578) 56b; es ist ein urtheil dem strom entgegen Lichtenberg briefe (1901) 1, 378. — fest geworden ist die verbindung mit schwimmen, ohne nähere erläuterung von strom im sinne von 'entwicklung, leben, allgemeine meinung': wir schwimmen gern wider den strom Fischart gesch.-klitt. 452 neudr.; so gebührt mir doch nicht meinem bedingten fato zu widerstreben, und wider den strom zu schwimmen Dannhawer catechism. milch 3, 17; sie suchten ... mit ihren werken wider den gemeinen strom zu schwimmen, und waren zufrieden, dasz sie wenigen kennern gefielen Gottsched crit. dichtkunst (1751) 136; dasz man uns ... noch immer in der jugend gegen den strom zu schwimmen lehrt, ob man sich gleich bewuszt ist, dasz der strom für die kraft des stärksten zu mächtig ist Klinger werke 11, 12. dasz es sich bei dieser wendung um ein bild handelt, wird zum mindesten in neuerer zeit nicht mehr empfunden; es kommt daher zu grotesker bildzerstörung: wenn ich anders gehör finden kann, so möchte ich mir eine bemerkung erlauben, welche gegen den strom schwimmt und welche angenommene tradition gegen sich hat Kürnberger lit. herzenssachen (1877) 37. als entsinnlichte redensart sprichwörtlich: gegen den strom ist schlecht (bös) schwimmen Wille sittenlehre 202; Schellhorn sprichw. 14; Wander 4, 922, auch mundartlich: lux. ma. 431 b; 432 a; Fischer schwäb. wb. 5, 1876. durch hinzufügung eines abhängigen gen. wird der eindruck der gedankenlosen formel überwunden: ... nun müszt ihr Sir John Falstaff schmeicheln, und das schwimmt gegen eurer würde strom Shakespeare 6, 353; dasz sie gleichsam gegen den strom ihres gefühls zu schwimmen strebte Mörike werke 3, 55 Göschen; unnütz, hier gegen den strom der öffentlichen meinung zu schwimmen v. Polenz Grabenhäger 2, 326. daneben viel seltener und fast ausschlieszlich im 16. und 17. jahrh. die verbindung mit anderen verben. vereinzelt als anschauungskräftiges bild: wo aber, alles unangesehen yemandtsz, woldt ye wider den strammen, verdryesz unnd widerwillen schöpffen, gibt myr auch nicht zcu schaffen C. Gütel new iar (1522) S 3 a; gewöhnlich mit uncharakteristischen verben infolge der stilistischen unbekümmertheit dieser zeit: was ists dann, das man wider den stram fechten wil und halten, das nit wil und kan gehalten seyn Luther 18, 409, 20 W. — scheme dich nicht zu bekennen, wo du gefeilet hast, und strebe nicht wider den strom Sir. 4, 31; Wander 4, 922, nachversificiert von H. Sachs 19, 18, 33 lit. ver.; die (bösen weiber) alzeit streben widern stram, ihrn willn wolln habn ins teuffels nahm P. Rebhun dramen 172, 349 Palm. wu Christus ist, gehet er allzeit widder den strahm Luther 4, 637, 40 W.; allein es ging (für Schweden) alles wider den strom Chemnitz schwed. krieg 2, 696. — derhalben bin ich der meinung, die hochgewünschete zeit sei wider den strom der natur zurück auf uns gelanget Mayfart rhetorica (1653) 148. später selten: sechs tage kämpften (Napoleons) bevollmächtigten in Paris gegen den strom, der alles, was Napoleon heiszt, verschlingen will Laube ges. schr. 4, 50. II@B@4@bb) mit dem strom: in übertragener wie in eigentlicher (vgl.A 1 c γ) bedeutung selten; meist nur spät und daher in verbindung mit schwimmen: wie jeder, der das publikum zum besten haben mag, indem er mit dem strome schwimmt, auf glück rechnen kann Göthe IV 13, 5 W.; ich schwimme mit dem strome und mache mir meinen dienst so leicht als möglich Fr. L. Schröder dram. werke (1831) 3, 175; ein politischer schriftsteller, der nicht völlig mit dem strome schwimmt Fr. v. Gentz schr. 1, ix Schlesier. II@B@4@cc) mit strömen: 'in menge, in massen, massenweise'. ohne die bildhafte vorstellung des stroms. oft durch adj. in der wirkung gesteigert: do ist denn als (alles gut und geld) hyn geschwammen mit groszen stramen und sintflussen, do mit ist den des armen hauffen vergessen und verseumpt Luther 10, 3, 408, 8 W. im barock beliebt: weil man in mich so viel nicht wasserrinnen schaut, als geilheitsöl und schwefel toller brunst mit vollem strom aus den palästen schieszen Lohenstein Ibrahim (1680) 2, 32; flöszt Argenis mit lust der klugheit lehren ein; so spürt man solche hier mit vollem strome quellen Lohenstein Arminius (1689) 1, e 1b; ... da gottes kwäl entsprungen, und durch das deutsche land mit vollen strömen dringt Zesen verm. Helikon (1656) 2, 28. stirbt in der ersten hälfte des 18. jahrh. aus: dieweil (gott) seine huld mit strömen auf mich gieszt Henrici ernst-scherzh. ged. 2, 99; die wunden (Jesu), welche blut mit gantzen ströhmen schwitzten Schmolcke sämtl. schr. (1740) 1, 319. die zeitlich letzten belege lassen die völlig verblaszte formelhaftigkeit der wendung besonders klar heraustreten: er sieht doch stets das blut mit vollen strömen flieszen Joh. El. Schlegel werke 4, 213; die wohlfahrt müsse ... auf dein ganzes haus mit vollen strömen flieszen Gottsched gedichte (1751) 1, 382. seitdem ersetzt durch das seit dem 17. jahrh. daneben stehende in strömen. II@B@4@dd) in strömen verdrängt seit dem 17. jahrh. mit strömen. seit dem ausgang des 18. jahrh. als beliebte formel zur bezeichnung der gewaltigen menge ohne die vorstellung des reiszenden, schnell flieszenden wie des breiten, majestätischen. die ablösung von der ausgangsvorstellung wird darin sichtbar, dasz die bewegung nicht, wie bei dieser, nur horizontal, sondern auch vertikal erfolgen kann. von concreten wie abstracten vorgängen, von jenen meist in verbindung mit flieszen. von allen flüssigkeiten: lieszen sie das blut ihrer feinde in strömen flieszen Schiller 9, 351 G.; da flieszt das blut in strömen aus Egypten bis nach Böhmen Kotzebue sämtl. dram. werke 1, 259. weniger abgegriffen: seit dem Kimbernkriege rann das blut der Germanen auf römischen schlachtfeldern in strömen dahin Freytag ges. werke 17, 46; Moses blickte nach dem ... fenster, an welchem der regen in strömen herniederflosz Raabe hungerpastor (1864) 1, 84. meist ganz farblos: weil es in strömen gosz Mörike werke 3, 18 Göschen; weil es schnell dunkelte und der regen in strömen lief Hans Grimm volk ohne raum 1, 481; so modern redensartlich: es regnet (gieszt) in strömen. gern vom wein: milch, honig, wein und most flosz hier in hundert ströhmen Chr. F. Weisze im theater der Deutschen 6 (1768) 46. meist ebenfalls völlig anschauungsentleert: in strömen flosz der heisze wein Grabbe werke 1, 75 Blumenthal; noch immer flosz der champagner in strömen Spielhagen 1, 190; dasz ihm der schweisz in strömen am barte niederflosz O. Ludwig ges. schr. 1, 124. ebenso blasz bei abstracten vorgängen: oft trinket der mensch die lust in strömen und dürstet E. v. Kleist werke 1, 235 Sauer; der ... von dem guten, das in strömen aus seiner hand sich über uns ergieszt, so wenig — o so gar nichts selbst genieszt! Blumauer gedichte (1782) 121; schamlose red' in strömen auf mich sendend H. v. Kleist Amphitryon 1809. noch gesteigert: in dieser zuversicht entschütt ich geist und herze und lasse meine lust in vollen strömen aus Hoffmannswaldau u. a. ged. 2, 303 Neukirch; bis endlich unser seyn ganz in die quelle sinkt und ungemischte lust in vollen strömen trinkt Wieland I 1, 51, 600 akad. ausg. durch anschauungshaltige adj. variiert und bildhaft gemacht: in wilden strömen ergieszt sich, was ich bis diese stunde eingekerkert hielt Klinger werke 2, 169; und meine schwellende empfindung darf in wollustvollen strömen sich ergieszen Schiller 5, 34 G.; wo licht und himmelsblau in breiten strömen sich herein gieszt Barth aus den nördl. Kalkalpen 65. II@B@4@ee) im strom: zur bezeichnung einer sachlichen einheit in ihrer dauernd gleichsinnigen bewegung: der ganze zweck Homers, Paris und Helena uns im fortgehenden strome seiner epopee zu schildern, ist weg Herder 3, 285 S.; überhaupt ist das ohr der ... scheueste aller sinne: es empfindet lebhaft aber nur dunkel: ... denn seine gegenstände gehn im betäubenden strom vorüber ebd. 13, 305; in der oper bedeutet (aria) nichts anders, als das werden eines besondern ganzen im strome der handlung Heinse sämtl. werke 5, 315 Schüddekopf; er wollte daher, um sie zu versöhnen, ... seine nachrichten in desto längerem strome geben Hauff sämtl. werke (1890) 1, 37, 26. besonders in der verbindung in einem strom 'gleichmäszig, ohne unterbrechung': man kann in jedem alter ... witzig seyn, nur geht es damit nicht immer in einem so steten strom, wie in der jugend Lichtenberg verm. schr. (1800 ff.) 2, 451; ich glaube, dasz jeder, der die ode in einem strome fortlieset Herder 3, 98 S.; mir brennts ordentlich in den fingern ... wie eine hungrige löwin über die mir zugewiesenen stoffe ... herzufallen, und dann, meine ich, müsse es nur so in einem strome fortgehen: gedichte, lyrisches, balladen, drama A. v. Droste briefe 51 Schücking. etwas anders in anknüpfung an die ursprüngliche bedeutung: sobald (die episodischen handlungen) sich mit der haupthandlung vereinigen, so werden sie theile davon, sie gehen mit ihr zum gemeinschaftlichen ziele und flieszen alle in einem strome fort Ramler einl. in d. schönen wiss. 2, 233; wir vergessen, dasz die zeit das grosze wie das kleine in einem strome hinwegrafft W. v. Humboldt ges. schr. (1908 ff.) 2, 21. II@CC. magnetischer, galvanischer, elektrischer strom. II@C@11) eigentlich: 'elektr. strom der ausgleich der elektr. zweier auf verschiedenem potential befindlicher körper durch einen leiter, was man sich früher als ein strömen des elektr. fluidums vorstellte' Berndt physik. wb. (1920) 39 a. zunächst also eine form der bildlichen übertragung, die festgeworden sich in der vorstellung von der eigentlichen bedeutung A 1 'strömung' völlig gelöst hat und zu selbständiger bedeutung gelangt ist. der mächtige aufschwung der naturwissenschaften im 18. jahrh. und das gleichzeitig einsetzende interesse der gebildeten an ihnen läszt seit der mitte des 18. jahrh. beobachtung und erwähnung dieser physikalischen erscheinung aus dem engen kreise abgeschlossener fachwissenschaft heraustreten und allgemein werden: dieses munterte den verfasser auf, ... den magnetischen strom in so vielen veränderungen zu betrachten, als es ihm möglich seyn würde Gottsched d. neueste aus d. anmuth. gelehrsamkeit 4, 727; wie manche einst unbekannte dinge sind in den neueren jahren entdeckt worden, die alle im medium der luft wirken. die elektrische materie und der magnetische strom Herder w. 13, 29 S.; die gelbrothe farbe (der nordlichter) entstehet daher, weil das licht der elektrischen ströhme (der luft) in der atmosphäre gebrochen werde allg. dt. bibl. 44, 153 (1780). im 19. jahrh. wird die ablösung des ursprünglichen bildes von der ausgangsvorstellung und die vorstellungsverselbständigung des wortes noch deutlicher: in folge dieser chemischen action beobachten wir die entstehung eines electrischen stroms, der, durch einen draht geleitet, diesen zu einem magneten macht Liebig chem. briefe 116; ähnlich wie zur fortpflanzung eines elektrischen stroms eine berührung nöthig ist Jhering geist d.m. rechts 2, 597; dasz, wenn man die beiden handgriffe eines solchen galvano-electrischen apparates erfaszt, so dasz der strom durch den körper geleitet wird, es unmöglich ist, die griffe loszulassen Seidel vorstadt-gesch.2 180. begriff und wort des magnetischen stroms werden im 19. jahrh. aufgegeben; galvanischer und elektrischer strom zunächst meist synonym, wobei die zweite allmählich die erste bezeichnung verdrängt; ein sehr später beleg für jene: wir wollen jetzt betrachten, was für bewegungen in den ätherzellen durch einen galvanischen strom hervorgerufen werden Boltzmann populäre schr. (1905) 16. II@C@22) übertragen. nachdem die kenntnis dieser physikalischen erscheinung allgemeingut geworden ist, werden bestimmte psycho-physische vorgänge zu ihrer schärferen charakterisierung mit der eigenthümlichen reaction verglichen, die ein elektrischer strom niedriger spannung im menschlichen körper hervorruft: es ginge ja durch ihr inneres, und das ganz körperlich, manchmal ein strom quer über den rücken hinweg, als müszte sie sich beugen und, wenn sie wollte und dabei an gott dächte, theilte sich dieser strom und liefe in die arme und fingerspitzen aus, aus denen es ihr dann wie heisze tropfen perlte Gutzkow zauberer v. Rom 5, 84; eine weiche hitze brennt auf ihren lippen und die inneren schenkel entlang fühlt sie warme ströme, die ziehen und süsz beunruhigen Kahlenberg Eva Sehring 4. deutlich von der ursprünglichen bedeutung 'strömung' abgelöst und zu eigener vorstellung geworden, wenn bezeichnende verben oder adj. den seelischen vorgang als dem physikalischen entsprechend hinstellen: die geisteskämpfer jener zeit ... trieben zu neuer arbeitsbegeisterung, sie weckten und schüttelten, und dieses schütteln zitterte wie ein galvanischer strom bis in die fernsten glieder der kette W. H. Riehl d. dt. arbeit (1861) 308; es soll sich ja das heilige durch handauflegen fortpflanzen etwa nach art eines elektrischen stroms, und so strömt auch vielleicht ein kleiner, prickelnder strom des unheiligen von unsereinem aus Fontane ges. werke I 4, 39; er steht in seinem zimmer und denkt nicht eigentlich. es flutet nur so wie elektrische ströme durch sein hirn Thiesz d. verdammten 452 volksausg.; der sympathische strom (des gefühls zwischen zwei gleichgestimmten menschen) schlosz sich sogleich Werfel Verdi (1930) 248. mit anderer, seltener lagerung des anschauungsschwerpunktes: poeten sind isolatoren und leiter des poetischen stroms zugleich Novalis schr. 2, 300 Minor. beim fehlen eindeutig charakterisierender worte bleibt öfters undeutlich, ob das bild des elektr. stroms in der anschauung vorhanden war oder der vergleich nach B 3 c oder g, also als stark abgeblasztes bild vom eigentlichen strom, aufzufassen ist: so oft von dem domvicariate ... die rede ging, ergosz sich über ihr ganzes sein ein warmer strom, in ihren adern fing es an zu rinnen Gutzkow zauberer v. Rom 3, 42; glaub mir, Amy, alle ströme meines wesens ziehn zu dir! Freiligrath ges. dicht. 5, 187. vielleicht liegt vermischung beider vorstellungen vor wie im folgenden: was wollen sie von mir? den strom durchs werk schicken, der alle mitreiszt G. Kaiser ges. werke (1928) 2, 274; vgl. ferner den letzten beleg von B 3 g. II@DD. strom als hundename (als rindername s. stram 4; ebenfalls wohl nicht hierher stromian; s. dies, sp. 62): eine aus sehr alten, abergläubischen vorstellungen von der magischen kraft flieszenden wassers hervorgegangene namengebung (vgl.wasser u. ähnl. hundenamen: Kluge bunte blätter 85—91; der versuch, beide hundenamen von der bezeichnung des flüssigen elements abzusondern nd. korresp.-bl. 34, 10; 35, 39; 96 ist abwegig). verschieden erklärt; vgl. Wuttke d. dt. volksaberglaube3 434; die heimat 37, 135; Bartsch sagen, märchen u. gebräuche aus Mecklenbg. (1879) 2, 139; Danneil altmärk. wb. 86 b; Germania 4, 146; nd. korresp.-bl. 3, 4; 34, 64; Strackerjan aberglaube u. sagen (1909) 1, 67; Schiller zum thier- u. kräuterb. d. mecklenb. volkes (1864) 3, 3 b; Densing sympathetici pulveris examen (1662) 584. der hundename Strom hat demnach offenbar ein sehr langes leben geführt, das freilich litterarisch in älterer zeit nur selten freigelegt wird: ein schäffer hat ein hundt, hiesz Strom, den hielt er züchtig und gantz from B. Waldis Esopus 3, 5, 1; der schäfer ... rufft seinen Strom, Trostrein und Greiffen ebd. 4, 94, 62. erst die kleinkunst des realismus im 19. jahrh. rückt ihnkurz vor seinem untergangins licht der dichtung: un unner'n aben liggt oll Strom, de snorkt un pust un güns't in'n drom Fritz Reuter reis' nah Belligen 1, 23; ein bauer hatte einen alten hund, namens Strom Bartsch a. a. o. 1, 519; (die katze) tut als wie ein hund. vater sagt auch, ... sie musz von rechtswegen wasser oder strom heiszen wie bei euch (in der südwestmecklenbg. heide) die hunde Joh. Gillhoff Jürnjakob Swehn (1921) 108; ein gelbbunter schäferhund ... Strom Löns dahinten in der haide 42. volkskundliche beobachtung belegt ihn als lebendig bis zur jahrh.-wende, ebenfalls nur für Norddeutschland: Gilow de diere (1871) 619 b; Bartsch 2, 139; Schiller 3, 3 b; nd. korresp.-bl. 34, 64; Danneil 86 b; für jagdhunde: Lüpkes ostfriesische volkskde 2190; mündlich bezeugt um 1900 für Königswusterhausen b. Berlin; für schäferhunde: Andree Braunschweiger volksk.2 217, 1; Strackerjan 1, 67. seit beginn des 20. jahrh. stirbt dieser hundename schnell ab: 'nur früher üblich' ebd. (1909); Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 928 (1929); fehlt in der vollständigen aufzählung bei Heckscher volksk. d. prov. Hannover 1, 248 (1930). II@EE. compositionsgebrauch und -typen. im 16. und beginn des 17. jahrh. sind keine compositionen belegt; reich entwickelt erst seit der 2. hälfte des 18. jahrh., dabei im gegensatz zur geschichte des simplex fast ausschlieszlich auf die eigentlichen bedeutungen beschränkt (II A; C). II@E@11) substantivcompositionen. für gewöhnlich ohne fugenbezeichnung componiert; nur in solchen zusammensetzungen steht neben strom- seltener stromes-, bei denen die erste silbe des zweiten substantivs einen stamm darstellt, demnach hochbetont ist: also aus gründen der klangschönheit. daher ist das vorkommen der compp. mit dem genitiv fast ausschlieszlich auf verse und rhythmisierte prosa, vielfach in klanganalogie zu benachbarten wort- und begriffsbildungen, beschränkt. die ausfüllung der fuge erfolgt stets bei solchen compp., die rein lyrische vorstellungen enthalten und fast durchweg der romantik ihre bildung verdanken, z. b. stromesglanz, -kühle, -rauschen; dagegen natürlich stets stromgebraus, -gemurmel. in der umgangs- und durchschnittlichen litteratursprache spielen nur die fugenlosen substantivzusammenrückungen eine rolle. II@E@1@aa) II@E@1@a@aα) strom(es)- als sachlich-objective bezeichnung zur specialisierung allgemein-concreter dinge auf die strömung oder den (groszen) flusz. da die ursprüngliche bedeutung 'strömung' um die wende des 18. und 19. jahrh. abstirbt (s. sp. 2; 6.), begegnet sie unzweideutig nur in wenigen compp., z. b. stromänderung, -versetzung, -strich; vielfach schillert die bedeutung, wie bei stromkraft, -wirbel, sodasz eine reinliche scheidung von der hauptmasse der compp. in der modernen bedeutung '(groszer) flusz' nicht möglich ist. seit dem beginn des 19. jahrh. wuchert dieser typus von zusammensetzungen unerschöpflich:
141304 Zeichen · 2597 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    strôm

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer)

    strôm s. stroum.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Strom

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Strom , des -es, plur. die Ströme, von dem Zeitworte strömen. 1. Der Zustand, da ein flüssiger Körper strömet; ohne …

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Strom

    Goethe-Wörterbuch

    Strom [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Strom

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Strom , ein großer Fluß; in der Physik die Bewegung der elektrischen, magnetischen etc. Materie; S. messer , soviel als …

  5. modern
    Dialekt
    Strom

    Elsässisches Wb. · +4 Parallelbelege

    Strom [ʿStróm Co. Henry ] m. Strömung. — Bayer. 2, 814.

  6. Sprichwörter
    Strom

    Wander (Sprichwörter)

    Strom 1. An grossen Strömen ist schlimm fischen. It. : A fiume famoso non andar a pesca. ( Bohn I, 68. ) 2. Auch Ströme …

  7. Spezial
    Stromm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Strom , m поток , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit strom

414 Bildungen · 387 Erstglied · 25 Zweitglied · 2 Ableitungen

strom‑ als Erstglied (30 von 387)

stromab

SHW

strom-ab Band 5, Spalte 1563-1564

stromauf

SHW

strom-auf Band 5, Spalte 1563-1564

Stromaal

RhWB

stro·maal

Strom-aal Düss-OLörick m.: der im frischen Wasser lebende Paling.

stromab

DWB

stromab , adv. , die strömung hinunter: er befehlichte etliche wagehälse, dasz sie drey schiffe des nachts stromab führen sollten Lohenstein…

stromabnehmer

DWB

stromab·nehmer

-abnehmer 1) vorrichtung zur überleitung der elektrizität vom stromerzeuger oder -speicher zur verbrauchsstelle; 2) der verbraucher des stro…

stromabsatz

DWB

strom·absatz

stromabsatz was der strom an sedimenten auf der ohle abgesetzt hat: der schwarze Nilschlamm, welcher ... auf gleicher unterlage ruhte auf de…

stromabschnitt

DWB

stromab·schnitt

stromabschnitt : der verlauf der kämpfe veranlaszte Clerfait, seine truppen auf das rechte Rheinufer zurückzuführen, da er nur hinter diesem…

stromader

DWB

strom·ader

-ader ' strom ', gesehen in geographischen groszformen ebd. 4, 428; anders ungewöhnlich: man kann in einigen seen diese dunkeln stromadern a…

strōmaf

WWB

strōm-af Adv. [WMünsterl Rek] in Richtung auf die Mündung (eines Stroms).

stroman

DWB

stro·man

stroman , adv. , die strömung hinan, gegen die strömung: bisweilen schwimmet er die starken bach strom an, des fluten voller macht manch brü…

stromanfuhrt

DWB

-anfuhrt : seine augen haben viele Deutsche solcher art und gestalt gesehen ... an ihren häfen und stromanfuhrten E. M. Arndt schr. für u. a…

stromanker

DWB

strom·anker

stromanker , m. , fachausdruck für die anker, die gegen die strömung geworfen werden, besonders bei schiffsbrücken s. Mothes ill. baulex. 4,…

stromarm

DWB

strom·arm

stromarm , m. , in älterer zeit meist pluralisch [ mit ungewöhnlichem umlaut -ärme allg. dt. bibl. 58 (1784), 550], da vor der regulierung e…

stromartig

DWB

strom·artig

stromartig , adv. , 1) zu 1 strom A 2 a ' groszer flusz '. modern: ( das ) flüszchen Hilde, das an dieser stelle stromartig erweitert in ein…

Stromatoporoïden

Meyers

Stromatoporoïden , eine Gruppe vorwiegend paläozoischer, zum Teil auch mesozoischer Cölenteraten, die sich namentlich zur Silur- und Devonze…

strômatte

MNWB

strom·atte

strômatte , f. , nur Plur. s.n Strohmatten als Verpackungsmaterial.

strômatze

Lexer

strom·atze

strô-matze f. strohmatte. und was ietlichem ein ströw matzen dar geleit, dar ûf soltent wir schlâfen schweiz. geschichtsfr. 8,231 ( 1498 ).

strom als Zweitglied (25 von 25)

kₑstrom

KöblerIdg

*kₑstrom , Sb. nhd. Messer (N.), Schneidewerkzeug ne. knife (N.); RB.: Pokorny 586 Vw.: s. *k̑es- E.: s. *k̑es-<o:p></o:p>

wedderstrom

KöblerMnd

*wedderstrom , M. nhd. „Gegenstrom“, Gegenbewegung Hw.: s. wedderstrȫmich; vgl. mhd. widersturm E.: s. wedder (2), strōm (1) W.: s. nhd. (äl…

bergstrom

DWB

berg·strom

bergstrom , m. torrens: mit bergstroms eile fliehet die stund hinweg. Chr. Stolberg 1, 341 .

Beystrom

Adelung

bey·strom

Der Beystrom , des -es, plur. die -ströme, ein Nebenarm eines Flusses, im Gegensatze seines Hauptbettes oder Hauptstromes. S. auch Altwasser…

Chǟstrom

Idiotikon

Chǟstrom Band 14, Spalte 1013 Chǟstrom 14,1013

flammenstrom

DWB

flammen·strom

flammenstrom , m. nicht weit von ihm ( Friedrich des gr. palast ) in furchtbar schöner pracht das haus, wo seine donner schlafen, weh euch! …

Mahlstrom

Adelung

mahl·strom

Der Mahlstrom , des -es, plur. die -ströme, ein Strudel in der See, wo sich das Wasser in einem Kreise drehet, unter welchem Nahmen besonder…

Meeresstrom

Adelung

meer·es·strom

Der Meeresstrom , des -es, plur. die -ströme, der Strom im Meere, diejenige Bewegung des Meeres, da dessen Wasser nach einer gewissen Richtu…

meerstrom

DWB

meer·strom

meerstrom , m. brachium, vel sinus maris. Stieler 2213 : ( Holland ) ist ein seeigs und weidreichs land, mit viel seen und meerstromen ergos…

Nuurdenstrom

MeckWBN

Wossidia Nuurdenstrom m. Strömung aus nördlicher Richtung: wenn dor man nich to väl Nuurdenstrom is Ro Rostock@Dierhagen Dierh .

Ooststrom

MeckWBN

oost·strom

Wossidia Ooststrom m. Seegang von Osten: de Fischer seggen Ooststrom, de Seemann seggt Oostwell Ro Rostock@Warnemünde Warn .

oustrôm

MNWB

oust·rom

*° oustrôm (ouw-) , m. : Wasserlauf, ût dem lütken sê ên ōlt grāve schüt int sü̂den went in den o. (Neoc. 2, 265).

Reichsstrom

DRW

reich·s·strom

Reichsstrom, m. Wasserweg, schiffbares Gewässer im Reich (II) vgl. Reichsstraße (II) [die Glarner haben sich] der fachen halber, so die beme…

rheinstrom

DWB

rhein·strom

rheinstrom , m. fluvius Rheni Stieler 2213 . vergl. auch Rhein: war gerne am Reinstrom, da die guoten starcken wein wachsen. Lindener Katzip…

rînstrôm

MNWB

rin·strom

rînstrôm ( -stroem ), m. : der Rhein, de vranken ôk êrsten schȫlen herûtgekāmen ... sîn und sik vȫr êrste an den r. hengesettet (Beninga ed.…

seestrom

DWB

see·strom

seestrom , m. 1 1) in den ältern Nordseedialekten meerfluth, meer, so ags. sæ-stréam, alts. sêostrôm ( Hel. 2948), mnd. sêstrôm Schiller-Lüb…

slü̂sestrôm

MNWB

sluse·strom

slü̂sestrôm , m. , Hauptkanal in den die übrigen Abwässerungsgräben münden und der das gesammelte Wasser zur Schleuse führt.

waldstrom

DWB

wald·strom

waldstrom , m. reiszender, leicht anschwellender flusz in einem walde ( gebirgswald ). Adelung : der reiszende waldstrom rollt mit gewaltige…

Ableitungen von strom (2 von 2)

strôm(e)

MNWB

strôm(e) (stroem , stroͤm , stroom) , ° strâm(e) (Chr. d. d. St. 6, 276 A. 1, sonst elbostfäl. und brandenburg.), m. , 1. Strömen, Strömung …

urstrom

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urstrom , m. (ur- C 4 c): so muszte die gestalt aller urströme sein Ritter erdk. 1, 513 ; das reich der kalten urströme W. Schäfer 13 bücher…