zuwider,
adv. ,
präp., eine erweiterung von wider,
wie zugegen
sp. 401, zuher, 454, zuhin 455, zuneben 566,
ähnlich gebildet wie entgegen
th. 3, 526.
zu vergl. sind auch zurück
sp. 678
und zusammen
sp. 729
ff. zuwider
mhd. noch nicht belegt, aber mnd. towedder, toweddern Schiller-Lübben 4, 603,
s. auch Verwijs-Verdam 8, 288.
hd. ist zuwider
im 16.
jh. allgemein bekannt: das ist dem glauben zewider Frisius 5
b; die hert und rauch zeyt, der guldinen zewider 53
b,
doch scheint sich die einführung an das nd. angeschlossen zu haben, wie die festhaltung der form zuwidern
zeigt, bes. bei nordd. u. md. quellen: jetzt weigerstu mir mein gemach, ich seh, du bist zuwidern mir B. Waldis
Esopus 1, 51
K.; jener form gantz und gar zuwidern Hennenberger
preusz. landtaffel (1695) 5; der stadt constitution zuwidern Micrälius
Pommerland (1646) 4, 8; das glück zuwiedern haben
nomencl. hamb. (1634) 5; er wil sein mütlin an dem kühlen, der ihm nichtes zuwidern gethan 178; einem weibe ist ein alt man zuwidern 239; sie ihr den dacischen könig ... noch mehr zuwidern machte A. U. v. Braunschweig
Octavia 5, 138.
als präp. wird z.
in der regel nach dem subst. im dat. gebraucht, doch kommen einzelne abweichungen vor: z. ihres erlangeten majestätbrieffes
acta publ. 1, 221
P.; deiner willen bin ich nie z. gewesen
mediz. maulaffe (1719) 18.
die verwendung von z.
als attributives adj. ist in den österr. u. bair. maa., auch in der literatur, häufig, wo es auch in der prädikativen bed. beliebt ist. präd.: das hinaufsteigen ist mir allezeit z. gewesen Stranitzky
ollapatr. 27, 24
Wiener ndr.; dös glatteis is so zwider! K. Stieler 2, 60; herrgott, die hitz is zwider! 3, 57; du, der lieutenant is gar ned zwider Hügel 201.
[] attributiv: alte kokette! zwidere person Nestroy
ges. w. 4, 223; er ... braucht sich nicht von den zuwideren launen eines bissigen weibes ... malträtieren zu lassen 2, 168; dasz wir einander nicht als zuwidere leute verschreien wollen Anzengruber
ges. w. 6, 130; die zuwidere sach Rosegger
wildlinge 276; mit einem zuwidern gesicht Ebner-Eschenbach
ges. schr. 4, 392; a zwiders bier K. Stieler
ged. 3, 50; wo ihr ihnen am zuwidersten seid L. Steub
drei sommer in Tirol 2, 143; mir ist auf der welt nichts zuwiderer Grillparzer 16, 109
S. früher auch ostfr. (
nürnberg.): die ihm zuwidere reichsstände Harsdörfer
gesprächsp. 5, 196; da ist einem ... die schönste musik eine zuwidere verstörung K. R. v. Greiffenberg
betrachtungen (1678) 864.
anderswo nachgeahmt: die jungfer R. macht gar ein 'zuwidres' gesicht Holtei
erz. schr. 4, 12; etwas zuwideres, häszliches Sohnrey im
grünen klee 60.
die ursprüngliche bedeutung entgegen
zeigt sich besonders in der früheren zeit in der befestigung durch verbindung mit bedeutungsnahen wörtern: zuwider und zu entgegen der reynen lauttern ewangelischen lere Hartm. v. Cronberg 1
ndr.; ihren lesterbüchlin ... entgegen und z. Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 1,
vorr. a 3 a; solchen narren nur zu trotz und zuwider Luther 10, 2, 28
W.; den frommen eltern zu verdriesz und zuwidern A. Duncker
güldene kleinoth (1612) 33. 11)
räumlich entgegengesetzt, bes. vom winde: das die wind beide z. sein Xylander
Polybius 228; als uns aber der wind z. ... war Müntzer v. Babenberg
reisebeschr. (1624) 9; sollten ihm aber die ostwinde z. sein J. G. Forster
s. schr. 4, 103; heute war ihnen die see z. 1, 139; der wind blieb ... westlich, den reisenden z. Ritter
erdk. 3, 87.
im übr. selten: die hart wüste strasz, die mir allzeit zuwider was H. Sachs 6, 160
K.; ihr schwimmet dieses mahl zuwieder gantz dem strohm
Reinicke fuchs (1650) 263; die 2 puncten lauffen einander z. Kramer 1, 907; er bläst und heult und droht sie zu versenken, wenn sie das schifflein ihm zuwider lenken Gries
Ariostos rasender Roland 1, 42. 22)
dem wesen nach entgegengesetzt: a te totus diversus est er ist gantz wider dich oder dir zewider, er zücht nit zuo dir, er ist nienen deines sinnes Frisius 434
b;
repugnare, obsidere, resistere, sich weren, widerstehen, widerstreben zuwider sein Bas. Faber (1687) 660
b;
contrarius ... zuwider, entgegen 203
b; dir zu trutz dir zuwider Hulsius (1618) 2, 11
a; diese zwei dinge seynd einander z., jemand in etwas z. seyn, es ist (gehet) mir alles z. Kramer 2, 1342
a; wie das wasser dem feuer z. also ubermasz des weins Ambach
vom zusauffen b 4
b; dann ich fuol allweg wider runder; der fürnisz war mir zwider bsunder Fischart
flöhhatz v. 110
ndr.; wer der kinder willen und begierden z. ist, den hassen sie Lehmann
florilegium polit. (1662) 1, 76; der schiffer war hierinnen auch nicht z., sondern fuhr mit seinem schiffe ans ufer Chr. Reuter
Schelmuffsky 81
ndr.; warum ihr alle leute so z. wären Ph. Hafner
ges. lustsp. 1, 88; wenn sie sehen, dasz sowohl Frankreich als Österreich nicht z. Leibnitz
dtsche schr. 1, 195; die russische kartenzeichnung ist dieser ansicht nicht z. Ritter
erdk. 2, 997.
für das ggth. auch unzuwider Kramer. 2@aa)
feindlich, schädigend: got, der allen secten z. ist, begund auch dise ... in zu machen Seb. Franck
chr. zeytbuch 445
c; der poet ... will, das alle vätter natürlichen ernst haben gegen den kinden, der doch zwar der jugend allweg gehässig und zewider ist Boltz
Terenz (1539) 106
a; da ich nicht habe guten wind und richter mir zuwider sind Hayneccius
Hans Pfriem 37
ndr.; die händ und füsz und alle glieder, warn auf ein zeit dem bauch zuwider, und wolten ihm kein speisz mehr günnen E. Alberus
fab. 43
ndr.; [] den schnecken seind vast z. die schlangen Eppendorf
Plinius (1543) 8, 72; im groszen kriege ist sie ... dem orden in die vier jahr z. gewesen Hennenberger
preusz. landtaffel (1595) 30; sein euszerlicher lufft ist unsern leibern fast schädlich und z. P. Uffenbach
Atlas minor (1609) 592; also hat auch ein jeder mensch einen bösen engel, der ihm z. ist Äg. Albertinus
Lucifers königreich 10
L.; seien sie mir im procesz nicht mehr z. Stephanie
s. lustsp. 339; sie ... wurden sich unter einander so z. wie drei spinnen in einem netz G. Keller 4, 243. 2@bb)
dem natürlichen wesen, dem geschmack entgegen, widerwärtig, widrig: eulen und krähen sind einander z., drumb dienen sie nicht zusammen Petri 2, d d 5
a; dann die selbigen (
die Marsen) ein sonder volck gewesen, dem gifft zewider Herold-Forer
Geszners thierb. (1583) 18; warm wasser trinken war mir bei so warmen tagen fast z. Moscherosch
ges. (1650) 2, 283; nicht recht gedörrete fische ... macheten uns den orth z. Volquard Iversen
oriental. reisebeschr. (1596) 152
Olearius; die sauren speisen sind mir z., Christus und Belial seynd einander z. Kramer; die lichtstrahlen werden zurückgeworfen, wenn sie auf körper stoszen, die ihrer denkungsart oder ihrem geschmack z. sind
F. Th. v. Schubert
verm. schr. 3, 93; ausgelassene butter ... ist ihnen z. Ritter
erdk. 4, 294; pulver ..., ein ding, das mir seiner natur und wirkung nach in den tod z. ist E. Th. A. Hoffmann 10, 57
Gr. der natur z.: der natur gäntzlich z. Ryff
anatomie (1541) h 1
b; solches ist ihrer natur gar z. Sebiz
feldbau (1579) 347; das spiszglas im bleyertz und der rohe schweffel im kiesz, welche zugleich dem arsenico z. seind Ercker
min. ertzt (1580) 19
b; dem lauff der natur ... z. Moscherosch
ges. (1650) 130; weil dann die trochäi und jambi von natur einander z. seyn Schottel
haubtspr. (1663) 917; der ausdruck ist ... der sprache z. Herder 16, 488
S. 2@cc)
dem seelischen wesen, der empfindung entgegen: oder, du neidisch teufelsgfider, ist dir die person so zuwider, die damals hilt das regiment Fischart
glückh. schiff 53
ndr.; z. oder unangenehm A. Buchner
anleit. zur poesie (1665) 20; alle lust ist mir z. Chr. Weise
überfl. gedanken 47
ndr.; wenn dir herr D. z. ist, ... so liebe ihn nicht Gellert
w. 3, 22; niemanden kann seine eigene gestalt z. sein Göthe 27, 24
W.; pantomimen, die mir in den tod z. sind E. Th. A. Hoffmann 11, 57
Gr.; da ist ein junger mann, der mir nachgerade z. wird, wie die ärgste meiner sünden Stifter 1, 52; manchen scherz, der ihnen nicht z. war G. Keller 6, 156; was mir z. ist, das ist die lüge Fontane I 2, 28. 2@dd)
gott und dem göttlichen willen: straff mit dem eisern scepter dein, die deinem reich zuwieder sein Ringwaldt
evangelia b 2 a; gott und seinem wort zuwidder Luther 30, 2, 107
W.; (
bischöfe) mögen nit ... got z. erhaben ... sein Joh. Dietemberger
wider Martin Luther (1526) 6
b; gott z. und dem nechsten zur ergernis Musculus
hosenteufel 15
ndr.; das allem christengleuben z. sei Herm. Grimm
Michelangelo 1, 31. 2@ee)
einem gesetz, einer verordnung, einem vertrag u. ä. entgegen: welchs unser regel ist zuwider K. Scheidt
Grobianus v. 205
ndr.; seinem ampt z. Hulsius 2, 105; ferner ist bey denen land- und dorfgerichten noch ein dem gemeinen recht z. lauffender gebrauch v. Hohberg
georgica cur. aucta 3, 40
b; weil es der einheit des plans z. wäre Kant 3, 45
ak. ausg.; dem wohl des hofes z. E. Th. A. Hoffmann 10, 121
Gr.; den grundgesetzen der gemeinde z. Mommsen
röm. g. 1, 290; den verträgen z. Treitschke
dt. gesch. 3, 225.
ferner der vernunft, den regeln der kunst, der sprache z.: (
gott) schleget ihr der vernunfft zuwidder und trotz solche werck für, die er für nichts helt Luther 24, 448
W.; die gelübten, so der billigkeit nit z. Tschudi
chr. helvet. 1, 82;
[] zwar deine schriften sind nichts als gemeine lieder, ohn arbeit, ohne kunst und der vernunft zuwider B. Neukirch 167; was ... den regeln der deutschen sprache zuwider ist, gehört zu den barbarismen Kinderling
reinigkeit d. dt. sprache 19; eine anstalt, die ich, als dem ernste des stückes z., ungern geschehen liesz Göthe 21, 37
W.; der wahrheit z.
bgb. § 109. 33)
in ausdrücken des logischen prädikats: die väter unserer ... kirche lieszen es sich nicht z. seyn, gebrauch davon zu machen Lessing 8, 11
M.; wenn er heraufsah, lächelte, nickte, mich grüszte, war es euch z.? Göthe 8, 196
W.; es ist mir recht z.! recht ernstlich z.! 12, 91
W.; doch war es mir äuszerst z., mit irgend einer mich in den geringsten wortwechsel einzulassen G. Keller 4, 39; es war mir recht z., dasz der fremde mensch mein gesicht so auswendig lernte Storm 1, 16.
in höflichen wendungen des 17.
und 18.
jh.: es lasse ihm aber der günstige leser nicht z. seyn dasz ich ... geringe dinge ... mit gedacht A. Olearius
verm. reisebeschr. (1696)
vorr. 2; wann es ihm aber nicht z. ist, so will ich in seinen brieff ... einen grusz an ihn schreiben Schupp
schr. (1663) 286; es soll mir nicht z. seyn, wenn meine leser gedenken wollen, dasz alles, was ich bisher zur vertheidigung des spottens geschrieben habe, meine satyren nicht rechtfertige Liscow
sat. u. ernsth. schr. vorr. 57; er möchte ..., wenns ihm nicht z. wäre, mich abholen Göthe IV 3, 154
W.; sie möge ihr doch nicht z. sein lassen, womöglich alsobald aufzustehen br. Grimm
dt. sagen 1, 44. 44) z.
als präp. dem subst. folgend, kaum noch üblich: diser lugen z. saget Christus Joh. Nas
antipap. eins u. hundert 1, 3
a; denen er z. ein grosz volck samlet Stumpf
Schweizerchr. (1606) 209; etliche werden den jetzt gesagten dingen z. getrieben Ambach
vom zusauffen c 1
b; sie brechen diesen tempel nieder, und leugnen es doch, mir zuwider Besser
schr. (1782) 2, 81
K.; den ... gang, zu welchem sie ihrem eigenen triebe z. gezwungen sind Fichte
s. w. 2, 267; was sie gethan, sei nicht dem kaiser z. geschehen Ranke
s. w. 3, 109. 55)
aus der engen verbindung mit verben entstehen zusammengesetze verben, ohne obj. zuwiderarbeiten, -gehen, -handeln, -kommen, -laufen, -leben, -reden, -sprechen, -streben, -streiten,
auch zuwiderheiraten,
mit obj. zuwidermachen, -sagen, -setzen, -stellen, -thun. —