stoppel,
f. geschichte und form. aa)
ganz im sinne von lat. stipula
und verlockend genug, das deutsche wort aus dem latein. unter voraussetzung einer vulgärlat. form stupula (
wie aucipium
neben aucupium, reciperare
neben recuperare Diez 308)
abzuleiten. es würde dann seine entstehung als urdeutsch *stuppla
im römischen Germanien etwa gleichzeitig mit wörtern wie flegel (
lat. flagellum
s. th. 3
sp. 1747), wanne (
lat. vannus
s. th. 13, 1
sp. 1883)
und zweifelhaft sichel (
lat. secula
th. 10, 1
sp. 713,
doch vgl. hierzu das einheimische sech th. 9
sp. 2772
und sense
sp. 604
z. b. in mndd. segede, sigde)
anzusetzen sein, wobei die andeutung von Diez
noch erwähnenswerth, dasz, bei auszerachtlassung des nicht belegten vulgärlat. stupula,
das entlehnte stipula
durch anlehnung an ein entsprechendes germ. wort umgestaltet sei (
s. darüber unten).
dieser german. vokalstand hat dann auch auf die bildung von ital. stoppia
eingewirkt (
unmittelbar aus lat. stipula
dagegen franz. éteule,
wie altfranz. neule
aus lat. nebula). —
doch daneben besteht die möglichkeit, dasz unser wort zu einer älteren einheimischen schicht von kulturwörtern des ackerbaus gehöre, vgl. sech,
sense,
furche (
urverwandt lat. porca)
und besonders halm (
urverwandt lat. culmus).
es würde dann zur verwandtschaft von unten stubben,
m., truncus (
s. auch oben stobben,
m., sp. 1)
gehören, ein verwandtschaftsverhältnis, welches engl. stubble,
frz. étouble (
prov.estobla)
wiederspiegelt. zur weiteren verwandtschaft vgl. noch slav. stĭblo '
stengel'. bb)
die form stuppel
nur vereinzelt zu belegen, so bei Hans Sachs (3, 23
Keller), Mathesius (
neben stoppel), Joh. Nas
warnungsengel (
s. die belege unten)
und wörterbuchmäszig stuppel, kornhalm, harkstroh
stipula, calamus est frumenti Bas. Faber (1587) 799
a (
vgl. noch die zusammenstellung holcz, heu, stuppel, stro Tilo von Kulm 6165)
plur. stuppeln Rollenhagen
froschmeuseler (1595) Aa 5
b; stupeln (
neben stoppelen)
bei Sebiz. —
bisweilen auch der singular stoppel
en
stipula Diefenbach
gloss. 553
b (
im Eltviler vocab.)
und als stoppeln
in der gemma gemmarum von 1507
ebenda. heute noch götting.-grubenhag. dei stoppeln. cc)
die weiterverschobene obd. form stupfel
s. unten besonders. sie ist von der niederd.-md. und unverschobenen form aus der schriftsprache völlig verdrängt worden: die bedeutung der norddeutschen landwirthschaft besonders auf dem gebiete des halmbaus ist bei diesem vorgang in anschlag zu bringen, und Luthers
eintreten gab für die wortwahl die entsprechende entscheidung. —
eine vermittlung zwischen ndd.-md. stoppel
und oberd. stupfel
in der form stopfel
s. dort. bedeutung II.
stumpf eines abgeschnittenen halmes: stoppel
culmus Diefenbach
gloss. 161
c; stopple
ebenda (
vocab. v. j. 1420) 553
b; ein halm oder stoppel, stengel, kornstengel
avena, calamus, stipula Alberus (1540) AA 1
b; (
neben stupfel:)
stipula der unterste kornhalm, stupffel, stoppel Corvinus
fons latin. (1646) 833. I@11)
wie er nach der ernte auf dem ackerfelde stehen bleibt: seht! wenn ein halm dem stahl des schnitters entkommen, und wie verwayst ... allein unter stoppeln
da steht! Hippel
lebensläufe 2, 617; ich fand feld voller stoppeln Jung-Stilling 6, 443; zwischen den breiten reihen (
von rebstöcken) sahen wir bald stoppeln von türkischem waizen (mais), bald jungen winterwaizen Stolberg 6, 310; '
manche nadelhölzer werden ... mit getreide gesäet, so dasz die jungen pflänzchen durch die stoppeln noch schutz genieszen' Rossmäszler
der wald 594; schon hat der boden seinen moderartigen fauligen zustand verloren, pflanzen und stoppeln haben ihre feuchtigkeit hingegeben Schwerz
prakt. ackerbau 29; so dasz im feld nichts übrig blieb, als stoppeln und entblöszte schollen Pfeffel
poet. vers. 5, 178; auch dann, wenn dürre stoppeln nur die felder, wo ich einsam fuhr, bedeckten J. G. Jacobi 5, 73.
gegensätzlich zur werthvollen ähre: der mann ... schnitt den haber und führte ihn auf dem wagen heim, die stoppeln liesz er stehen
Jacob Grimm
Reinhart Fuchs cclxxxix; der bauer geht hinter dem pflug, der vornehme aber geht hinter dem bauern und treibt ihn mit den ochsen am pflug, er nimmt das korn und läszt ihm die stoppeln G. Büchner
nachgel. schr. 295; wolleben spar dorthin: wer hier die saat verzehret, weil sie noch ist im kraut, was ist ihm mehr bescheeret, als stoppeln, leeres stroh, wenns zu der erndte kömpt Olearius
persian. rosenthal B 2
a (
vorr.); (
die lerchen) laufen immer geduckt im grase oder stoppeln fort Döbel
jägerpractica 1, 59; in die stoppeln gehen
colligere spicas a messoribus relictas Frisch 2, 340
a; wann die hämmel in die stoppeln gehen, fangen sie an allgemach gut zu werden Hohberg 1, 125; das vieh in die stoppeln treiben Adelung; das vieh hat sich an der magern weide (
auf dem anger) so müde gefressen, und alles hungert so sehr nach den stoppeln und den darunter befindlichen, oder jetzt nach entblöszetem boden aus der ruhe frisch hervorschieszenden ... kräutern Möser 3, 204 (
vgl.'
das brachfeld wurde bis Johanni beweidet, dann zur wintersaat umgebrochen, während die stoppeln des bisherigen sommer- und winterfeldes als weide
dienten' Wimmer
geschichte des deutschen bodens 59); (
wir) hatten eben eine zahlreiche familie bemerkt, die weit drinnen im felde mit der gerstenernte beschäftigt war, als wir beide zu gleicher zeit über die stoppeln hinriefen L. Steub
drei sommer in Tirol 2, 319; wie man denselben (
den hasen) auch sucht in dem weiten feld, do er in stoppeln sich gemeiniglich aufhelt, ... Angelicam so auch zu suchen sich befleist Orlando Dietrich v.
d. Werder
rasender Roland (1636) 12.
ges., 47; das damals noch in den ersten stoppeln liegende feld,
d. h. zum ersten mal bestellt und abgeerntet Jacob Grimm
kl. schr. 1, 170; noch ehe der haber in die stoppeln gegangen war Stifter 5, 1, 36,
d. h. ehe man die ernte eingebracht hatte; (
die felder) waren zum theile geackert, zum theile in stoppeln 2, 332; die felder liegen öd und wüste, die stoppeln sind schon umgestürzt Triller
poet. betrachtungen (1750) 3, 58. I@1@aa)
in der herbstlichen landschaft (
als poetisches mittel der schilderung): der alte weibersommer zog, von voreiligen herbstlüftchen getrieben, über die stoppeln Holtei
erz. schr. 36, 113; über die stoppeln zogen die kleinen spinnen ihr silbergraues gespinnst und die thautropfen glänzten als flüssige edelsteine darauf G. Freytag 11, 237;
vgl.da solche faden (
aus seide) auf der saat und stoppeln ... gelegen Prätorius
anthropodemus plutonicus 1, 252. — woselbst sie (
die lerche) dann über nacht bleibet und gerne in den stoppeln schaurig und vorm wind verwahret sitzet Göchhausen
notabilia venatoris (1741) 332; wie die herbstluft so schauerlich über die stoppeln herweht Chr. v. Schmidt
ges. schr. 6, 69; am liebsten flöge ich mit den fittigen des sturmes, der über die stoppeln hinjagt, allein nach dem heimathlichen herd Pückler
briefw. 5, 140; darauf sauset der wind in stoppeln, wo nichts hauset Immermann 13, 190
Hempel; und durch die stoppeln singt der wind sein lied Hoffmann von Fallersleben
ges. schr. 2, 283;
vgl. selbst Zephyr, als er (
im herbst) schon nicht mehr die bluhmen fand, die er, von liebe warm, vorhin gewohnt zu streicheln, fuhr kälter drüber hin mit unverliebter hand, und wollte stoppeln nicht, wie seiner Flora schmeicheln Weichmann
poesie der Niedersachsen 1, 175.
dann überhaupt die poetische zeitbestimmung für die herankunft des herbstes (
wie der pflug geht zu felde
für beginn des frühjahrs, vgl. Jacob Grimm
rechtsalterth.4 1, 52): der wind geht über die haberstoppeln
autumnus instat, aër fit frigidior messe avenae facta Frisch 2, 340
a; man geht noch immer in den dünnsten westchen einher, obgleich der wind schon über die stoppeln weht Lichtenberg
verm. schr. 5, 198; bewehn die winde die stoppeln ... dann beginnet der tag des hochzeitkranzes Hölty
gedichte 40; was ich fröhlich sang, verklang wie herbstwind über den stoppeln Geibel 2, 29; ich will dich vielmehr mit unserer hochzeit überraschen, wann künftigen frühling der wind über die stoppeln weht Raupach
dram. werke kom. gattung 1, 289,
das soll doch heiszen: wenn der kommende frühling wieder das fahle kleid des herbstes angezogen hat, es kann sich also bis zum künftigen herbst hinziehen (?)
vgl. noch wenn ich weizen säen sehe, so denke ich schon an die stoppeln und den erndtetanz Claudius 1, 10. I@1@bb)
vereinzelt die lose stoppel,
allerlei strohabfall: lasse auch nicht untergehn die stupeln und was abgeht von den bonen, erbsen Sebiz
feldbau (1579) 63; (
etwas) mit stroh, oder mit leinin stoppelen zudecken 269; die graben ... mit strohe, stoppeln, hew und dergleichen zufüllen Schütz
histor. rer. prussic. (1592) 2, M 1
b; der mühesamen zerstreuung der kinder Israel, da sie stoppeln samlen musten, (
ist) zu gedenken Dannhawer
catechismusmilch 1, 526; (
sie) stoppeln samleten, und ziegel branten Schupp 362; (
Rahab habe) die 2 männer unter dem dach schon verborgen, und mit vielen stoppeln und flachs zugedeckt Abraham a S. Clara
etwas für alle 2, 236; unförmliche linien, die fast eben so wunderlich aussehen, als wenn die hühner im sande gescharret haben; oder spreu und kleingehackte stoppeln über einen tisch gestreuet sind
die vernünft. tadlerinnen 1, 357; (
die würmer,) die ihre haare, oder zernagte blätter, oder zerkieftes holz, gesammletes stroh, stoppeln ... in ihr gewebe mit hinein flechten Reimarus
wahrheiten der nat. religion 334;
vgl. nassauisch stoppel
ausgerupftes kartoffelkraut Kehrein
Nassau 1, 393. —
der wind verweht sie (
neben spreu
th. 10, 2
sp. 57): sprew und stoppeln wird vom winde verweht Mathesius
Sarepta 50
b;
und so im beliebten vergleich: wie blätter, stoppeln, spreu und sand vor keinem wirbel bleiben Günther
ged. 48; nachdem es (
das gras) grün war und blühte, wird es zu stoppeln, die der wind wegweht Klinger
werke 7, 182; du wirst sie verwehen, wie der wind stoppeln verweht E.
M. Arndt
für und an seine lieben Deutschen 1, 286; wie sturm die stoppel jagt Freiligrath 4, 112; wie stoppeln für dem winde hastu, herr, deine feind gemacht Opel-Cohn
dreiszigj. krieg 256; so wie ein wirbelwind, wenn er ein wetter bringet, ... die stoppeln in die luft aus ihrem acker hebt Henrici
ernst-scherzh. und sat. gedichte 1, 219; gott! wie wirbel mache sie, wie stoppeln vor dem winde
M. Mendelssohn
ges. schr. 6, 252.
hierher auch: ich habe land und reich der Irren eingenommen, und ihre starke macht den stoppeln gleich zerstreut Hoffmannswaldau
auserles. ged. 3, 112. I@1@cc)
die stoppeln verbrennen Adelung,
s. auch unten stoppelfeuer,
zunächst auf dem felde, als früher empfohlenes mittel der düngung (
man liesz die asche liegen, bis es regnete, und pflügte sie dann unter Krünitz 174, 503),
anstatt sie (
wirtschaftlich nutzbringender)
unterzupflügen: die stoppeln auf dem felde angezündet, halb abgebrandt Neumark
neuspross. teutsch. palmbaum 231; sind unkraut und stoppeln vom feuer erst gefressen, dann sproszt fröhlich auf die junge saat Görres
ges. schr. 1, 247; sind die stoppeln aufgezehrt, dann wird auch ... die flamme verlodern 5, 425; ackerfelder, deren stoppeln im sommer durch feuerbrände auflodern Ritter
erdkunde 2, 725; wenn dieses trockenkorn ... eingebracht ist, verbrennt man die stoppeln des feldes 6, 787; vielleicht, dasz einem dünkt der mühe wert, die stoppeln zu verbrennen nach der ernte, und kommt zurück und tötet, was noch übrig Grillparzer 9, 204.
vergleichsweise: und zur zeit, wenn gott drein sehen wird, werden sie (
die seelen der gerechten) helle scheinen, und daher faren, wie flammen uber den stoppeln
bibel 5, 24
Bindseil; ist also dieser mächtige bund in wenig tagen ... mehrenteils zernichtet, und gleich einem in den stoppeln lodernden fewr, in eine grosze flamme aufgeschlagen, aber urplötzlich wieder erloschen Chemnitz
schwedischer krieg 1, 183; gleich einem schnellen feur in stoppeln angestecket, des glut stets weiter geht Treuer
deutscher Dädalus 1, 454; und wie ein brand durch dürre stoppeln fährt, macht sie sich weite bahn mit ihrem schwerdt Gries
Bojardo (
verliebter Roland) 2, 98.
neben den auf gleiche weise der vernichtung preisgegebenen dornen: darumb mus gottes glibter sohn für uns allhie das beste thon, damit der grewlich schrecklich zorn uns nicht verzehrt wie stopl und dorn Melchior Liebig
christliche tröstliche gedancken A 7
b. —
entsprechend b: diese kleine tenne fegen, und heu, stroh und stoppeln verbrennen Jung-Stilling 6, 265;
s. auch den beleg aus den Göttinger statuten unter e; (
vergleichsweise:) wie gott die schwindsucht unter solche güter schickt, die sie verzehret wie das feur die stoppeln Pape
bettel- und garteteuffel (1586) H 8; wie der rauch vor der vollen flamme entsteht: so musz der anfang eines gedichts sein; nicht aber wie stoppeln, die gleich lichterloh brennen Gottsched
versuch einer crit. dichtk. 26; geleich, als ob man leschen thu ein grosz, gewältig brennent fewer mit holtz, stro, stuppel oder sprewer Hans Sachs 16, 442
Keller-Götze; (
gottes heiszes zorngericht) wie die wilden flammen pflegen, in einer ungezäumten wuth, holz, stoppeln, kalk und stein verzehret Triller
poet. betracht. 1, 292. (
bildlich:) und da er (
der Italiener Ruccini) ein groszer kenner und lebhafter empfinder der dichterischen schönheiten und der kunst der alten und neuen ist, so nähret er sein feuer nicht mit stoppeln, wie so viele seiner landsleute, sondern mit wohlriechendem cedernholz Stolberg 7, 93. I@1@dd)
collective verwendung des singulars stoppel,
etwa in anlehnung an begriffe wie mist (
th. 6
sp. 2263; stoppel und mist Thaer
beschreibung der ackergeräthe 1, 16)
und besonders spreu (
th. 10, 2
sp. 52),
zunächst gewisz unter voraussetzung der bedeutung unter b;
neben schebe,
dem abfall des flachses (
th. 8
sp. 2380): ok alse vele lude scheve unde manstoppel bernen in oren husen, dar schade unde eventur af komen mOechte
Göttinger statuten 130, 5 (
z. j. 1427);
neben staub (
th. 10, 2
sp. 1069): sie sind zu stoppel und staub worden Luther 3, 366
b;
neben gras, geströh (
th. 4, 1, 2
sp. 4258 stroh): das mit und neben dem guten samen wächst, ja das zu geströ, grasz und stuppel wird Joh. Nas
der warnungsengel 112.
sprichwörtlich: denkt der herr nicht, dasz man pfleget zu sagen: der teufel sei geschwindlistig, das fleisch schwach, und stoppel bei dem feuer verursache gefahr A. Gryphius
lustsp. 454
Palm. I@1@d@aα)
selten in der bedeutung von oben 1 a
und dann als übergang zu unten II: die winterstoppel, sommerstoppel,
stoppeln von winter-, von sommergetreide Adelung; wir sehen ... in der stoppel die befruchtung für die neue saat L. v. François
die letzte Reckenburgerin 2, 30. I@1@d@bβ)
im vergleich zur hervorhebung des begriffes '
nichts': das recept zu einem schlechten recensenten, dem jedes organ für die verehrung des vortrefflichen mangelt, und der über eine tüchtige natur und einen groszen charakter hingeht als wäre es spreu und stoppel Göthe
gespräche 6, 80
Biedermann; gott, mach sie wie ein wirbel schwind, wie stoppel vor eim sturmewind Hans Sachs 18, 327
Keller-Götze; wenn gottlose durch den wind wie spreu verstreut, versengt wie stoppel werden Lohenstein
geistliche gedancken 89; gold in der grube wird wie leere stoppel geachtet Herder 26, 431.
auch bildlich s. oben bei Luther. I@1@ee)
mit adject. bestimmung: eine niedere stoppel,
wenn der halm dicht über der erde abgeschnitten wird, im gegensatz zur hohen stoppel; rothe stoppel,
wenn das korn durch die wärme das sommers zu ganz besonderer reife gebracht ist; gewöhnlich aber gelbe stoppel: dasz der alte mensch dem jungen so nahe war, das kind des grabes dem kinde der wiege, die gelben stoppeln dem heitern maienblümchen Jean Paul
flegeljahre 3, 73; die hügel, die von den lichten stoppeln der ernte glänzten Stifter 5, 1, 268.
sonst noch: wie herbstwinde durch die dürren stoppeln ... hinpfeifen E.
M. Arndt
werke 1, 76 (
vgl. oben J. G. Jacobi); leere stoppel (Herder
s. oben); so fällt die reife saat in welke haufen nieder, wenn durch sie hin der schnitter rauscht, und hinter ihm, der herbst, mit kalen stoppeln, die gegend öde macht
gedicht von 1758
bei Herder 12, 282; über kahle stoppeln, wenn der herbstwind wehet Gaudy 4, 10. I@1@ff)
der vergleich hat gern aus unserm begriff geschöpft; für die stoppel vor dem winde
und die stoppel im feuer
sind oben unter a, b
und c
belege gebracht worden; eines ist wie stoppel (und spreu)
als höchstes masz aller irdischen nichtigkeit s. unter d;
hierher auch: (
was kehrt sich der satan an abergläubische mittel,) da er eisen wie stoppeln, und ertz wie faul holtz achtet? Schmidt
gestriegelte rockenphilosophie 1, 61; hör, hoffertige Venus du! vil leichter denn der schwartze rauch, unnützer denn die stuppel auch Hans Sachs 3, 22
Keller. I@1@gg)
bildlich, so für den irrthum in menschensatzung, lehre und meinung: hab ich nu aus unwissenheyt auf disen grund hew oder stoppeln gebauhet, so hab ichs aus unverstandt gethan Karistadt
bei Luther 18, 462
Weim.; wehr aber yemand durch solchs hew, holtz odder stoppeln betrogen, der solte sich, und nicht mich, be schüldigen. erstlich, das ich nyemand gebotten odder genöttigt hab, meyn lere anzunhemen
derselbe ebenda; also stehet unser fels und dürrer heller text noch fest: 'das ist mein leib', und hat sich lassen mit stoppeln und sprew getrost stürmen, welche doch von eim kleinen wind zustoben und zuflogen sind Luther 23, 167
Weim.; das gold ist das wort und predigampt, hew und stuppeln sind menschenlere Mathesius
Sarepta 223
b; ist aber etwa stoppeln oder stroh in der predigt, so saugt er (
der gottlose) daraus die eitelkeit Jac. Böhme (1620) 4, 132; und da einige wirklich in gewissen irrthümern ... gestecket, ob nicht solch feuer der trübsalen diese stoppeln gründlich ausgebrant Arnold
kirchen- und ketzerhistorie (1699) 12
a; alle weisen ..., sie mögen Christum kennen oder nicht, bauen auf diesen grund, jeder nach seiner art, gold, silber, stroh und stoppeln Herder 19, 248; bauet jemand stoppeln, ... so macht es der tag klar
allgem. deutsche bibl. 70, 403.
auch: die aus allen christlichen partheien gesammelte, von allem heu, stroh und stoppeln gereinigte, treue gemeinde des herrn Jung-Stilling 3, 525; mir, bruder, stehts nicht zu, des bruders ruhm erheben, es wären stoppeln nur, des neides gaukelspiel Lohenstein
Arminius 1, e 3;
vom irdischen lohn: lasz die welt mit undanck lohnen, ist doch Jesus mein gewinnst, hier musz man Egypten frohnen, stoppeln heiszen der verdienst Schmolcke
trost- und geistr. schr. 1, 794 (
mit anlehnung an die bibelstelle da zustrewet sich das volck ins gantze land Egypten, das es stoppeln samlet, damit sie stro hetten 1, 128, 12
Bindseil).
vgl. auch: das ende wird stoppeln und marmor schon unterscheiden Joh. v. Müller
werke 6, 49; möcht er gern die linden blauen blüthen winden, und du lässest ihn nur stoppeln finden Rückert
werke 2, 338.
im bilde menschlicher vergänglichkeit: ein mensch, dessen stoppeln der tod vollends umstürzt und einackert Jean Paul 11-14, 365
Hempel; ich bin jetzt auch ein greis, der über die stoppeln der irdischen vergänglichkeit nur noch so hinwankt E.
M. Arndt
für und an seine lieben Deutschen 3, 386. I@22)
übertragen: I@2@aa) stoppel
im gesicht, kurzes, borstig emporstehendes barthaar: warum hat die alte hure dan so viel stoppeln ums maul?
Simpl. 53
neudr.; (
es seien) neue haar, nachdem die alten stoppeln vom barbier ausgezogen worden, gewachsen Hohberg
georgica 1, 264; am kinn ... die stoppeln Schönaich im
neuesten aus der anmuthigen gelehrsamk. 2, 697; eine fahle blässe überzog unter den stoppeln des grauen bartes sein gesicht Storm 2, 296; ein braun runzlig altweibergesicht, mit stoppeln um das kinn und die mundwinkel W. Raabe
schüdderump 1, 123; die aufgehängten becken hier verkünden euch den herrn barbier, dem, wo er irgend stoppeln sieht, das messer untern händen glüht Göthe 16, 47
Weim. (
das neueste von Plundersweilern).
vom eigentlichen kopfhaar: und nun musz Sophie die scheere nehmen und dem entnervten Simson ... die stoppeln auf dem kopfe reinigen Gutzkow
werke 5, 258; bei älteren leuten zumal fand sich die tonsur oft mit stoppeln überwachsen K. v.
d. Steinen
unter den naturvölkern Zentralbrasiliens 174; angst und zittern kommt mich an, und die stoppeln meiner haare stehn mir schon bestürzt zu berge Hoffmannswaldau
auserles. ged. 7, 232. —
mit adject.: die grauen stoppeln unseres bartes W. Raabe I 6, 143; bald soll Morgenschein, der abgelebte mann, durchaus mein bräutgam seyn, bald Huldreich, welcher noch die dünnen stoppeln zählet, die er am barte hat Gottsched
deutsche schaubühne 6, 476.
collectiv (
vgl. oben 1 d)
und masc. geschlechts, vielleicht in anlehnung an stoppelbart,
doch eher noch in unserm fall ein scherzhaftes gedankenspiel mit unten II: ich würde mich aus ungeduld rasiren, wenn ich einen spiegel hätte, in dessen ermangelung aber werde ich meine gönnerin Tata mit dem gestrigen stoppel begrüszen Bismarck
an seine braut 437. I@2@bb)
beim geflügel die jungen, eben aus der haut hervorschieszenden federkiele: stoppeln
plur. sanguineae caules pennae extra cutem emminentes Frisch 2, 340
a.
s. auch unten stoppelfeder: die stoppeln oder wurtzelfedern Fleming
teutscher jäger (1719) 162 (Illiger
thier- und pflanzenreich 170); die stoppeln im aufkeimen erstickter federn
am schnabel der saatkrähe Naumann
vögel 2, 79.
als gänsestoppel (
th. 4, 1, 1
sp. 1278),
wie sie beim rupfen auf der haut stehen bleibt. IIII.
begriffliche erweiterungen. II@11)
das stoppelfeld (
s. die zusammensetzung unten). II@1@aa)
zunächst noch im plural, in anlehnung etwa an den gebrauch unter I 1 a (
wobei es unentschieden bleiben musz, ob vereinzelt nicht schon dort unser erweiterter gebrauch in frage kommt): wann die schaf die stoppeln belaufen, so werden sie recht fett und gut
viehbüchlein (1667) 54; von diesen (
den genossen) hängt es ab, ob sie die stoppeln vor oder nach Bartholomäi, gehütet oder ungehütet betreiben wollen Möser 6, 18. — die ewigen stoppeln machten Fritzen langeweile Göthe IV 5, 196
Weim.; in Thüringen stand alles zum schönsten, im Fuldischen fanden wir die mandeln auf dem felde, und zwischen Hanau und Frankfurt nur noch die stoppeln IV 12, 212
Weim., d. h. die leeren felder; —
besonders deutlich mit der präposition auf: bisz man sie (
die jungen gänslein) auf die stoppeln jaget; da nehmen sie hübsch zu
viehbüchlein (1667) 106; die gemeine hat das recht, zusammen tausend schafe zu halten, ... sie werden auf stoppeln und brache getrieben Göthe III 2, 94
Weim.; auf die stoppeln entweichen Fr. L. Jahn 1, 134,
d. h. querfeldein laufen, wie unten über stoppel und stein; aber da sollt es dir geschwinde auf deine stoppeln regnen
der arme mann im Tockenburg 2, 274; auf stoppeln treibt man itzt das vieh, darauf zu weiden Brockes 2, 482; des nachts sitzen ... (
sie) gemeiniglich im felde, auf der saat, auf den stoppeln, wiesen Aitinger
jagd- und weidbüchlein (1681) 13; des tages weiden sie sich ... auf stoppeln Fleming
teutscher jäger (1719) 148; die stadtheerde hat ... das privilegium, auf Rummelsburger stoppeln zu weiden Kotzebue
dram. w. 18, 60 (
kleinstädter 3, 6); der grosze schnitter krieg mäht uns tapfer voran, ... wir geringen leut haben die nachlese auf den stoppeln Eichendorff 3, 402; er ist müde von der jagd, hat sich mit auf den stoppeln ... umhergetrieben Holtei
erz. schr. 20, 158; die felder in Thüringen waren geleert, die viehherden weideten auf den stoppeln und die jäger zogen mit ihren hunden in den bergwald G. Freytag 9, 214; o seht dort auf den stoppeln schafe Schwabe
belustigungen 3, 515.
durch: in silberhellem grün, mit reger hunde koppeln, trabst du zur Martinsjagd, durch auen, feld und stoppeln Vosz
gedichte 6, 17; und ist das feld einst abgemäht, die armuth durch die stoppeln geht, sucht ähren, die geblieben Brentano 1, 365; wenn wir durch die stoppeln ziehn und die ähren lesen 4, 73;
vgl. er (
Cunz) eilt, sie (
Adelheid) männlich anzugreifen; er trinkt auf jeden tanz ein glas und scheinet stoppeln, heid und gras mit ihr fast fliegend durchzustreifen Hagedorn 3, 185 (
tanz bei der weinlese); der kalte nord mag immerfort die öden stoppeln durchblasen!
Mildheim. liederbuch 43;
zwischen: Heinrich ging langsam ... durch die fuszpfade zwischen den stoppeln Jean Paul
Siebenkäs 1, 69.
über (
wie denn auch von den unter I 1 a
angeführten belegen einzelne schon hierher weisen): als lerchen über stoppeln strichen E.
M. Arndt 3, 179.
in: rüben in die stoppeln säen (Oken 3, 2, 1406).
hinter: am stillen abend, wenn du hinter abgeheimsten stoppeln die sonne sinken siehst Storm 4, 34,
d. h. hinter abgeernteten feldern. II@1@bb)
im singular gewöhnlich zur bezeichnung der gesammtheit aller stoppelfelder
in einer flur, die ja bei der alten felderwirthschaft alle zusammen lagen, gleichsam ein einziges feld bildeten: in die stoppel treiben;
vgl. id enschal ok nemant driven in yennich stoppel, dat sy myt koygen, swynen, perden, hemelen, schapen, ghensen eder yergen anders mede, der stad herde en hebbe dar vor gedrewen
Göttinger statuten 98, 3 (
vor 1413); schon trappste er ... in die stoppel Viebig
das schlafende heer 1, 7.
auch: die weideberechtigungen meist auf waldboden und in der stoppel geübt Stüve
wesen und verfassung der landgemeinden 171: (
sie) treiben uns (
vögel) fort in der stoppel mit schreckenrauschenden seilen bis zu den netzen Klopstock
oden 2, 119; du (
Ovid) kennst den steckenpferdemarkt, wohin den könig, der ein land regieret, so wie den bettler, der zusammenharkt, was in der stoppel sich verlieret, der wunsch, bequem zu reiten, führet Gökingk
gedichte 1, 126. aus: durch kluge hunde treibt man die fasanen mit blindem lärm aus dorn und stoppel fort Gries
Ariost (
rasender Roland) 1, 179. durch: laut klifft und klafft es, frei vom koppel, durch korn und dorn, durch heid und stoppel Bürger 69
b Bohtz; siehst du den schwarzen hund durch saat und stoppel streifen? Göthe 14, 58
Weim. (
Faust I). über: beim gehen über die stoppel scheuchte ich einen hasen auf Brehm
tierleben 5, 166
Pechuel-Lösche; hu, hu! wie kömmt der wind so kalt schon über die stoppel gelaufen! Gökingk
gedichte 3, 141; fort über stoppel und wälder und wiesen! Mörike 1, 63.
gegensätzlich: gleichwohl ist die leere stoppel hier behandelt worden, wie ein reiches ährenfeld
allgem. deutsche bibl. 100, 225; die hexen zu dem Brocken ziehn, die stoppel ist gelb, die saat ist grün Göthe 14, 199
Weim. (
Faust I). II@1@b@aα)
stoppelweide: weder stoppel noch herbstweide
allgem. deutsche bibl. 54, 299; dem vieh sollte stoppel ... zur hütung offen gestellt werden
handwörterb. der staatswissensch.2 3, 1117; rings noch freut sich der stoppel ein schwarm glattleibiger rinder Vosz
gedichte 2, 47. II@1@b@bβ)
besonders zu erwähnen über stoppel und stein
an stelle des gewöhnlichen über stock und stein (
oben sp. 13 stock 1 b
δ): da rennen s' um d' bastei wie toll, fort über stein und stoppel Raimund
werke 3, 426.
im plural: ein bild, auf welchem der alte general mit den drei söhnen und der ältesten tochter ... über stein und stoppeln dahinjagt G. Keller 6, 161. II@1@cc)
in der sprichwörtlichen redensart: kompst wie der hagel ynn die stoppel Luther
sprichw. 214,
d. h. zu spät kommen und so wenig ausrichten; ich merke beiläufig, du seiest die alte Courage, du wirst zwar wohl kommen, wie der hagel in die stoppeln, aber gleichwohl schiere dich herunter (
steige ab), damit wir hören mögen, was du guts neues anzubringen hast
Simpl. 3 (1699), 143. II@1@dd)
mit geschlechtswandel, so neutral (
wohl in anlehnung an stoppelfeld):
waldeck. štop
el,
n., stoppelfeld: in t štop
el dr
eiw
en Bauer-Collitz 99
b.
mit masc. geschlecht, vielleicht in anlehnung an acker: das vieh auf den stoppel treiben Steinbach; in des kömpt Reinke, der kluge held, ubren stoppel eins daher ... getrollt Werner
chronik von Magdeburg 166; spielend zogen die starken pferde die leeren (
ernte)wagen, querfeldein über den stoppel, dasz burschen und mädchen, die darin saszen, sich an den stricken festhalten muszten Polenz
Grabenhäger 1, 17. II@22) stoppeln
niederes buschwerk zur bekleidung der äuszeren dossierung eines deiches Benzler
beym deichbau vorkommende kunstwörter (1795) 2, 195;
doch eine nur dichterische licenz ist: mit seines jagdzugs tollen koppeln den ganzen wald zertrat zu stoppeln Rückert
werke 1, 111.