sense,
f. werkzeug zum mähen. II.
formelles. I@11)
das wort ist eine ableitung zu der wurzel sek- '
schneiden',
die auszer dem germ. besonders im lat. reich entfaltet ist: secāre, sectum, sector, secīvum, secula, secūris, segmen, segmentum, sica, sacēna, saxum,
vgl. Fick3 3, 314
f. 41, 559
f. wenn dieser dafür *seqo
ansetzt, so steht dem das vollständige fehlen der labialisierten gutturale oder labiale im lat. und germ. entgegen. dieses spricht auch gegen die (
an sich wenig einleuchtende)
hineinbeziehung von sehen,
got. saihwan,
in diese gruppe, für welches die zusammenstellung mit sequi (
s. th. 10, 129)
immerhin wahrscheinlicher ist. wir hätten dann idg. *sékô '
schneiden'
und *séqô '
folgen'
deutlich geschieden nebeneinander. freilich bleibt dabei das k
der slav. sprachen unerklärt (
durch dissimilation gegen das anl. s
erhalten?).
hier erscheint sek-
nur in sekyra '
hacke' (
sollte dies nur in altkirchensl. quellen bezeugte wort nicht doch entlehnt sein?);
alle anderen bildungen zeigen langen vokal: sěk, sěšti
schneiden, sěčivo
axt u. s. w. s. Miklosich
etym. wb. 290.
vgl. dazu ahd. suohha, '
egge, furche', saga,
altnord. sg '
säge' (
s. th. 8, 1647
f.),
und lat. saxum,
altn. sax,
ags. seax,
ahd. sahs,
die ebenfalls einen ablaut ê—ô—a (
oder â—a)
vorauszusetzen scheinen. wieder ein anderer wurzelvocal tritt zu tage in lat. sīca '
dolch',
lit. sỹkis '
hieb, mal' (
altisl. sík
graben, síkr
sichel?, s. Noreen
urg. lautl. 184). —
im germ. ist das verbum *sehan '
schneiden'
nicht erhalten, wol aber ableitungen, so auszer den schon erwähnten säge
und sachs (
th. 8, 1604)
noch sech '
pflugmesser' (
s. th. 9, 2772
ff.), sichel (
s. das.), sense
und die in demselben sinne (
bez. für '
sichel')
in den auszerdeutschen sprachen übliche bildung mit þ:
altisl. sigðr,
m. und sigð,
f. Cleasby-Vigfusson 527
a,
norw. sigd Aasen 648
b;
ags. sigþe,
gew. síþe. Bosworth-Toller 879
a,
mittelengl. sithe,
engl. scythe,
vgl. Grimm gramm.3 1, 387
und Skeat 536
b;
mnd. segede,
sichel Schiller-Lübben 4, 166
b. —
so noch neund. seged, segd, seed, seid,
s. brem. wb. 4, 733,
daher in der schriftsprache: eine mark z. e. worin der boden steinigt ist, verstattet die plaggen zu schaufeln. in andern aber müssen sie mit der segede (einer hauenden sense) gemähet werden. Moser
osnabr. gesch. 1, 89. —
und sichte 203
a (
so noch ostfries. sichte Stürenburg 245
b).
vgl. Kluge4 326
b. Noreen
urg. lautl. 58. 84. 183
f. (
der weiteren zusammenhang mit scheren
annimmt). I@22)
die bildung sense,
urspr. *segasna (
über das ableitungssuffix vgl. Kluge
stammb. § 86)
ist auf das deutsche im engern sinne beschränkt: alts. segisna
falx, Strasz. gloss. 88,
s. Heyne
kl. and. denkm.2 93;
mnd. in mannigfach zusammengezogenen formen, s. Schiller-Lübben 4, 175
a; seysene, sesene (194
b), sesne; seysze, seise, zeyse, zeytze; sêsse, se(e)tze (
vielfach in der form mit segene,
zugnetz, vermischt);
daneben segede (
s. 1)
und die mischform segedese (?) 166
b. —
mnl. zeis(s)ene,
nnl. zeis, zeisen (
und zein?)
s. Franck 1200. Grimm
gramm. 1
2, 532. 1
3, 293. —
ahd. segesna,
gew. segensa, seginsa, segense,
dazu houuuisegansa, '
heusense',
und riutsegansa, '
falcastrum'. Graff 6, 89;
mhd. segense, segens, seganse, segunse; sengs(e), -en; segesse, seges, segen; seisene; seinse, sains, sênse, sense, sentz, sensch, sans, sansze; seise, seisze Lexer
handwb. 2, 849:
falcastrum hd. segense, segensz, segens; sengsze, sense, senhsse, sensse, seusse der mader, sensze, sansze; seysze, seyse, seytze, seyssen to meyen. Dief.
gl. 223
b;
falx, segensa, seginsa, segesse, segesz, seges, segeisen, sægeysen,
belg. seyssene,
vel zeyne, seyce; segen
vel sans, sich
vel sens(z). 224
a; sensch ... seges, rebenmesser, zekel, zessene.
nov. gloss. 166
a; (
falcastrum) zessen, seysene, segësz, segens, sengsen, ein sagen, rut segense 165
b;
vgl. dazu Dief.-Wülcker 853.
Weigand 2, 700. Grimm
gramm. 2, 346. I@33)
die grosze mannigfaltigkeit der formen besteht auch im nhd. weiter, um erst allmählich in der schriftsprache vor sense (
s. f)
zurückzutreten. doch gehen alle nhd. formen auf die umgestellte wortsgestalt segense
zurück; die ursprünglichere form *segesne (
nd., ganz vereinzelt ahd. segesna,
s. o.)
ist allgemein aufgegeben. I@3@aa)
die im mhd. vorherrschende form segens(e) scheint später auf das bair.-österr. sprachgebiet beschränkt zu sein. litterarisch selten bezeugt: die son alle uf einne tag dem gotzhus hellfun mogen mit iren segunsen. Grimm
weisth. 1, 313 (
von Weitnau im Schwarzw., aus d. j. 1344); der in die obgeschribnen multen gieng zu meien vor den obgeschribnen tägen, der ist verfallen von iedlicher segens ain phunt perner.
tirol. weisth. 3, 73, 23 (
vom j. 1543); wer vor dem tag vorgemänt hiet, ... als oft ain segnes, als oft ain pfunt perner. 4, 156, 27;
s. auch sensenschmied.
heute bair. sége(n)ssn, sége(n)ss, ségnss, sengss(n), sengst, senst, sá~st Schm. 2, 241;
vgl. Frommann 3, 531, 18;
österr. segens Höfer 3, 139;
tirol. sêgensen, ségens, sêges, sâ~se, sengs Schöpf 665, segnes Frommann 3, 462, segnest Zingerle 51
a;
cimbr. segense
cimbr. wb. 230
a.
auszer der anhängung eines anorganischen t
kommt im 15.
jahrh. auch abfall des s
vor: segen, falx. voc. v. 1419
bei Schm. 2, 241;
metastrum. voc. von 1482
bei Lexer
hwb. 2, 849; dieselben von Berg ein segen, darmit man meet, in irem schilt füerten.
d. städtechron. 3, 114, 18; do lieffend dis mit iren segen den hayden auf das veld engegen und hubend an ze mäyen do der häyden payn, sam häw und stro. Heinr. Wittenweiler
ring 54
c, 44. I@3@bb)
mit ausfall des n
in unbetonter silbe; so schon mhd. segesse, seges,
s. 2;
diese form gehört besonders, doch nicht ausschlieszlich dem alem. sprachgebiete an: dasz usz den segeszen und sicheln, die man mit arbait zu dem koren ze schniden gekruimet hat, scharffe und spiczige schwert und messer gemacht werden.
quelle bei Scherz-Oberlin 1469; er hanckt sein segessen an ein baum. Pauli
schimpf und ernst s. 238
Österl.; wann er hat als wol howend als ein
sägesz; wann es ist kein harnisch so starck, den er nüt zerstosse mit den zennen.
Morgant s. 153, 26
Bachm.; sy schluogentz nyder wie ein sägysz das gras vor ir. 259, 33; er nam sein segsen unnd eylet gantz mit groszem ernst auff die wisen. Wickram
rollwagenb. 78, 18
Kurz; als aber der guot meder ein schar oder zwei gemeigt, und jm sein seges gar nit mer schneiden wolt. 22; dan das wisenland soll man allzeit ... eggen ..., damit die mäder im mayen, jre sägisz nicht verterben. Sebiz
feldb. 458; ob er aber kain segeszen da funde.
tirol. weisth. 1, 180, 22; von ainer seges 3 krz. 3, 13, 31; aber sie haben mir auch schon manchmal alle ihre segessen zu wetzen gegeben und haben gesagt, es nehme sie nur wunder, wie ich es mache; so hauig hätten sie noch niemand wetzen sehen, und doch meine man, ich nehme die segesse blosz i d finger. Gotthelf
Uli d. knecht s. 128
Vetter; er fand keine einzige segessen, die sich ihm in die hand schickte. 223;
s. auch unten II, 5,
a. 6,
a, sensenhandel
und sensenwurf. —
in modernen mundarten: schweiz. säges, segis, sägese Stalder 2, 298, seges (säkes) Tobler 420
a; sëgesse, sëgisse Hunz. 238, säge(t)se Seiler 247
a, sägassa Bühler
Davos 1, 154. 2, 51;
vorarlb. sægess Frommann 3, 531, 18; säges(e) 2, 568, 62;
tirol. sæges 3, 91. Schöpf 665
f.; schwäb. säges Schmid 445, seagas
Baierns mundarten 1, 40. I@3@cc)
auf dieser form beruht eine durch volksetymologische umdeutung entstandene entstellung, die als segîsen schon mhd. (
im 14.
jahrh.)
begegnet, s. Lexer
hwb. 2, 850 (
dagegen ist das ebenda angeführte segens-îsen: prîsen Ottokar
reimchr. 26404
und 57885
wol eine normale zusammensetzung).
auch sagisen: es wär dann, das es angriffen wäre mit der sicheln oder mit der sägysen. Grimm
weisth. 1, 361.
nhd. sägeysen (die)
falces foenariae Maaler 340
c,
ebenso im dictionariolum v. 1556
s. Weigand 2, 700;
neben sense: segeysen,
n. sense
f. une faulx à faucher le foin. Hulsius 295
a. sageisen
noch im voc. v. 1618,
s. Schm. 2, 241,
sowie Andresen
volksetym. 60. (Frisch
nimmt 2, 265
a wirklich zusammensetzung aus säg-eisen
an.)
s. auch II, 6,
b und sensenschmied. I@3@dd)
im bair. sprachgebiete tritt häufig eine umstellung des g(e)n
zu ng,
bez. ein zusammenflieszen zum gutturalen nasal ein, so schon mhd. sengse(n), sengs, s. 2: in Italien erfand künig Sabatius .. pflueg sichel sengs mül und pachöfen. Aventin
chr. 1, 93, 10; gras nit zu ropfen oder wohl gar mit sengszen oder sichlen abzuschneiden.
tirol. weisth. 2, 30, 10; wo ain jäger richtet wildn tiern mit sengsen, eisen oder selbschosz.
Salzb. taid. 311, 8; von ainer sichl oder sengsen 1 D
steir. taid. 220, 24; wanne ich sengs und arlinc kouf, sô ist eʒ vertiwert gar. Teichner 16.
in lebenden mundarten: bair. sengss(n), sengst,
s. unter a; im bair. wald sengs,
plur. sengsn.
Baierns mundarten 2, 256;
kärnt. sèngase, sèngisn, sèngsten. Lexer 231;
ung. sengesn Schröer 206
a;
auch in Posen seingsze, sengsze Bernd 285.
vgl. noch II, 7
und sensenschmied. I@3@ee)
das g
wird vocalisiert, so schon mhd. seinse, z. b. die scharphe seinse (: Greinse). Heinr. v.
d. Türlin
krone 18402 (
dagegen: diu sense und der lêbart 18431).
an stelle des diphthongs tritt später meistens langer vocal: gleichwie das grasz, das schön und grün die matten zieret, bald durch der
sähnsen schnitt all jhren pracht verlieret. Weckherlin
ged. 204 (
ps. 102, 5); o andachts-volle ros', o richtschnur keuscher frauen! hat euch die scharffe
seens des todes abgehauen eh' als eur mittag hin! A. Gryphius 2, 306.
in bair.-österr. mundarten mit langem (
oder auch gekürztem) a: sá~st Schm. 2, 241, saans'n, sans'n Schöpf 666.
sans(ze) ist schon mhd. bezeugt, s. 2. I@3@ff)
auf diese zwischenform (seins - sêns)
geht auch die nhd. herrschende normalform sense zurück, nur läszt die schreibung in der regel nicht erkennen, ob noch langer vocal oder bereits gekürzter vorliegt. die form ist schon im mhd. zahlreich belegt, s. Lexer
hwb. 2, 849
f.; im nhd. ist sie von anfang an in gebrauch (
auch bei Luther): sense,
f. faulx à faucher le foin. Hulsius 296
b (
neben segeysen,
s. c); sense,
falx Schottel 1414; sens, sense,
f., sensen,
plur. falce, sega, falcastro Kramer
dict. 2, 771
c;
falx, secula, sicilix. Steinb. 2, 581; und muste gantz Israel hinab ziehen zu den Philistern, wenn jemand hatte ein pflugschar, hauen, beil, oder sensen zu scherffen.
1 Sam. 13, 20; die schnitter sehn die sens von scharffen rost verzehret. A. Gryphius 1, 551 (
daneben seens,
s. e).
nicht selten ist z
für s: senze
doalgis. Nesselmann 546; ein sentz, da mit man pleit zo meien. Frommann 2, 452
a (
köln. quelle des 15.
jahrh.); benden oiff bomgarten ein silveren sentz off VII alb. Grimm
weisth. 3, 853 (
v. Irnich bei Zülpich vom j. 1491). — sense
scheint besonders im mitteldeutschen zu hause zu sein, wo es auch mundartlich lebt; z. b. thür sènse, sänse (
vgl. h)
s. Hertel
sprachsch. 228. I@3@gg)
eine form mit ausfall des g
und des n,
also gew. seisze, herrscht zunächst im nd. (
und nl.),
vgl. 2.
so heute seisze,
s. Dähnert 421
b.
nd. korrespondenzblatt 1, 53. Frommann 2, 43, 23. 123 (
Hildesh.), seiʒe Schambach 189
b, seisz Mi 79
a,
ostfries. sseisse Stürenburg 256
b. ten Doornkaat Koolm. 3, 170
b,
lippisch seisze, seusze Frommann 6, 483,
brem. seesse
und seisse
brem. wb. 4, 757 (
bedeutet 1.
sense, 2.
groszes netz, s. sege;
daneben auch lehe, lee
für '
sense',
und seged, segd, seed, seid,
eine art sichel, scharfe querhacke, s. das. 733
und oben 1).
zuweilen mit weiterbildung, so in Fallersleben seissel,
f. Frommann 5, 292,
altmärk. seissl
und sêssl Danneil 191
a,
brem. seessel
handsichel. brem. wb. 4, 758.
auch die nhd. wörterbücher nehmen vereinzelt davon notiz: seisz,
falx, v. sense. Schottel 1414; sens,
et sense, die,
plur. sensen,
olim, hodieque etiam seis. Stieler 2012. I@3@hh)
solche formen finden sich auch mitteld., so clev. seyssen.
quelle vom j. 1475
bei Weigand 2, 700;
ferner im thür., besonders im norden, so in Stiege (
an der nd. grenze) saesze Liesenberg 189.
sonst mit gekürztem vocal sésse, sisse Hertel 44, sésen, sèsn, sise(n)
sprachsch. 228.
ganz vereinzelt sind derartige formen in die litteratur eingedrungen: der todt sahe was er für ein han an jm hat, und wolt nicht hinan, wie er im sinn hat mit der sissen, oder jn in die goppen schiessen. Fuchs
mückenkr. 82
Genthe (2, 317).
luxemb. séssel Gangler 416. IIII.
bedeutung. II@11)
ein werkzeug zum mähen (
seltner zum hauen)
von getreide, gras u. s. w., bestehend aus einem langen, breiten, vorn bogenförmig gekrümmten, stählernen blatte und einem sehr langen hölzernen stiele, das mit beiden händen gefaszt und mit ausgestrecktem arm in gleichmäszigem schwunge über den boden geführt wird, dadurch unterschieden von der stärker gekrümmten (
halbkreisförmigen),
kurzstieligen, mit einer hand geschwungenen sichel. Adelung. Jacobbson 4, 143. 7, 338
b. Karm.-Heeren
3 8, 223—226: das hew, wenn es mit einer sensen (
siculâ) von den wiesen abgeschnitten und nachgemedet ist, wird getrocknet
u. s. w. Comenius
sprachenth. 418;
falx foenaria, eine sense, damit man das gras abhäwet. Corvinus
fons lat. 244
b; sens ...
falx foenaria, instrumentum notissimum. quô foenum secatur, dicitur etiam falx messoria major. Stieler 2012; die sense dengeln, abdengeln, zudengeln,
battere la falce per affilarla. das grasz mit der sense abmehen,
mietere, segare l'herba colla falce. Kramer
dict. 2, 771
c; sense,
f. falx. eine sense das gras zu mähen,
falx foenaria. das getraid abzumähen,
falx messoria. Frisch 2, 265
a. —
als synomyme ausdrücke dienen im nd. lee, lehe (
dän. lee),
s. brem. wb. 4, 757.
nd. korrespondenzbl. 2, 53
f., und als bezeichnung einer breitern art, schwaa. Stürenburg 256
b.
ähnliche werkzeuge bezeichnen sichel (
s. o.), hippe (
th. 4, 2, 2552),
und die mundartlichen ableitungen aus demselben stamme segede, sichte (
schlagsichel Stürenburg
a. a. o.),
s. I, 1. —
belege aus der litt.: Philine ... schnitt in die luft, die ernte für sichel und sense, wie sie sagte, schon vor sich sehend. Göthe 23, 207; gleich nebenan ... handhabte ein langer hagerer bauer ... die sense und eine mannbare und eine halbwüchsige dirne die sichel, aber während die männer über das ganze feld weg mähten, schnitten die mädchen ... am fusze des buschwerkes. Anzengruber
3 2, 215; die sense, die zu einem weiten schwunge ausgeholt hatte, bog auf halbem wege ab.
ebenda; (
Augustus) machte sô getânen vride, daʒ man die swert begunde smide in segense unde werken lieʒ zû den sicheln den spieʒ. Albr. v. Halberstadt
prol. 73, dem vater er brâht ein wetzestein, daʒ nie mâder dehein in kumpf beʒʒern gebant, und eine segense, daʒ nie hant sô guote gezôch durch daʒ gras.
Helmbr. 1060; als dâ der mâdær ûʒ gras mit der segense machet heu. Ottokar
reimchron. 21136; die sensen blitzeten, es rauschte jeder hieb, wenn die beschwitzte faust ihn durch die halmen trieb. Brockes 1, 82; wer vor der ähre die sense wetzet. Klopstock 2, 14; da ergriffen die schnitter die sensen. Hölty 41
Halm; und bei frohem gezwitscher der vögelein schwangen wir mäher rasch die blinkende sens'. Voss 2, 296 (
id. 17,
die heumad, v. 14); lieblich tönt die gehämmerte sens'. Hölderlin 1, 68
Köstlin; semper Augustus heisze ich. mein bild, das jungfräulein, zieht in der sonne glut zur erndte, in das goldne korngefild', ... und zückt die sense durch die segensflut. Brentano 2, 591 ('
die monate: august'); wie schwingt sie die sense, wie streckt sie die mahden danieder! Uhland
ged. (1864) 238 (
die mähderin); Marie sie dengelt die sense zu neuem beginnen. 239; dort sitzt ein freier bauer am abend auf der bank; er dengelt seine sense. 393 II@22)
redensarten und sprichwörter: eine scharfe sense mäht mehr als zwei stumpfe. es kommt nicht auf die sens' allein an, sondern auch auf die mäher. wie die sense, so der schnitt. die sense hat auf einen stein getroffen. wenn die sensen anfangen zu klinken, fangen die kühe an zu winken. Wander 4, 543; die sense steht am rocken,
die erntezeit beginnt. sogar sense
für die zeit: bair. vor und nach der segensen,
der heumahd. Schmeller 2, 241; item es ist auch zu wissen, dass die von Peytigo recht haben vor der segens und nach der segens auf die purck zu treiben. Grimm
weisth. 3, 658, 57. — die sense streichen,
bildlich: ja, wenn es uns bey unserm auftreten in einer gemeinde ginge, wie Pythagoras es in Croton sah: sechs hundert unterwarfen sich sogleich seinen regeln, zwey tausend nahmen seine lehre
an. oder dasz wir sagen könnten mit einem kirchenvater, so ungefähr: man gebe uns einen weinsäufer, wir machen ihn zu dem mäszigsten menschen .. nein, so hoch können wir nicht sprechen, sondern müssen mit dem lieben Hasencamp im thal klagen, dasz die guten nicht besser und die schlechten nicht gut werden wollen. verlieren wir aber doch den muth nicht dieserhalb, sondern streichen wir unsere sensen. Cl. Harms
pastoraltheol. 1, 64. II@33)
besondere sitten und gebräuche: darnach dantzet man umb ein hannen zu dem Almannshoff .. und ein plinter dantzet auf senszen.
d. städtechron. 11, 457, 18. in die sense nehmen, die sense vor die füsze legen
und andere erntesitten s. Mannhardt
mythol. forschungen 39
ff. II@44)
die sense
als bäurische waffe: schnell verwandelte sich des feldbau's friedliche rüstung nun in wehre; da troff von blute gabel und sense. Göthe 40, 293 (
Herm. 6); die städter sind gekommen: der bauer hat sein gut zum festen ort geflüchtet und hält's in tapfrer hut; mit spiesz und karst und sense treibt er den angriff ab. Uhland
ged. 367 (
Eberh. 4);
s. auch Wittenweiler
unter I, 3,
a. im mittelalter auch bezeichnung einer besondern waffengattung, s. Schultz
höf. leben 2
2,
s. 209.
zeitschr. für d. phil. 13, 125.
in der heutigen soldatensprache für den säbel oder degen, s. Horn sold.-sprache 69. — sense
im wappen: die herren vom Berge füerten ein segens.
d. städtechron. 3, 99, 20. II@55)
manchen personificationen wird im allegorischen bilde eine sense
beigelegt, so besonders II@5@aa)
dem tode: so thuot der jüngling sam wöll er ouch fliehen, so erwüscht jhn der tod mit der hültzinen sägesszen. Kohlrosz
betrachtn. B 2
a; er hat ein doppeltes band zerrissen; ein band an dem selbst die scharfe sense des todes hätte stumpf werden sollen.
der junge Göthe 2, 112 (
Gottfr. von Berl. 3); der grimme tod werd ich genannt ... die sense ist mein wappen, das ich mit rechte führ.
wunderh. 1, 68
Boxberger; dein schwert, so wie der strahl und des tods sägis schlachtet. Weckherlin 656; hier blinkt nicht die sense des todes, wo sünde nicht sä'te. Stolberg 1, 393; der erste arzt der christenheit, des rufs, erklungen weit und breit, dasz, wo er nah' mit seinen tränken, der tod ablasse von dem schwenken der mäh'nden sense. Immermann 13, 151
Hempel; da schwingt die sense schon freund Hein, und der totengräber scharrt sie ein. Platen 161
b; dann sah ich den tod mit der sense vor mir, und er mähte mich unter die bettstatt. 276; doch wenn er erwacht, erwacht sein liebesgram mit ihm und schleift dem tod die sense. Hebbel (1891) 1, 159 (
Genov. 4, 1);
s. auch A. Gryphius 2, 306
unter I, 3,
e und Fuchs (I, 3,
h). II@5@bb)
der zeit: ein werk ..., in welches weder die schnelle sense, noch der träge zahn der zeit ... einzuschneiden vermögend sind. J. Paul
Tit. 1, 66; seine bücher fürchten nicht den zahn, sondern die sense der zeit.
lit. nachl. 4, 35; dasz dereinst an meinem monumente stolzer thürmend nach dem firmamente Chronos sense splitternd niederfiel. Schiller 1, 261; ewigkeit schwingt über ihnen kraise, bricht die sense des Saturns entzwey. 285. II@5@cc)
seltener andern abstracten: obgleich der bleiche frost die scharffe sensz ausstrecket. A. Gryphius 2, 312. II@66) sense
auf anderes übertragen. II@6@aa)
anatomisch für den processus falciformis, der sonst auch hippe,
kornsichel heiszt. Hyrtl
kunstw. der anat. s. 142.
so nur einmal in einer quelle von 1619: fürschusz der harten mutter, einer segesen gleich. (
könnte man hier nicht die gewöhnliche bedeutung annehmen?) II@6@bb)
der gemeine sensenfisch (
vgl. daselbst),
regalacus taenia, venet. falce. Oken 6, 142. II@6@cc)
bair. sensen
als name eines sternbildes (
krone?): die sensen steigt schon hoch empor. Hartmann-Abele
volksschausp. s. 354, 21.
ebenso tirol. die segnes Frommann 3, 462. II@77)
über segens,
schlepp-, zugnetz, s. I, 2,
sowie säge
theil 8, 1648
f., sege(n),
sp. 81. Schmeller 2, 240
f. auch in der form sengse, zugfalle: die selbgeschlosz, zucken, predtfallen, sengsen und andern dergeleichen gericht soll man kains weegs bei den strassen und weegen richten.
steir. taid. 236, 25.
indessen scheint hier doch die bedeutung '
sense'
näher zu liegen; mindestens ist eine vermischung beider wörter auch in der bedeutung anzunehmen, wie sie ja formal in den mundarten meist zusammengeworfen sind.