stelze,
f. herkunft und form. ahd. stelza,
mhd. stelze,
schw. f., mnd. mnl. stelte,
nd. nl. stelt:
grundform *steltōn,
wie die nhd. mundarten beweisen, die für ein ursprüngliches -ë-,
nicht für ein umlauts -e-
sprechen, vgl. z. b. Fischer schwäb. 5, 1780; Schatz
ma. v. Imst 50;
in anderen mundarten ist -ëlz-
in -ẹlz-
übergegangen, vgl. z. b. Heilig
ma. d. Taubergrundes § 55, 1.
daneben steht germ. *stiltjōn
in mengl. stilte '
calepodium, lignipodium',
nengl. stilt '
stelze, pfosten, brückenpfahl, handhabe am pflug',
nd. (
ostfries.) stilt(e) '
stamm, stange, stengel, bein, lende, keule', (
brem.) stilt '
der teil am schinken, wo er anfängt, fleischiger zu werden',
germ. *stultjōn
in aschw. schw. stylta,
dän. stylte,
mhd. nhd. stülze (
s. d.).
zweideutig ist aschw. stilta '
krücke',
s. Noreen
aschw. gr. § 108, 2
anm. 3
und Kock
sv. ljudhist. 1, 446.
unsicher ist auch, ob aus stelzia
pactus Alamannorum mon. Germ. hist. leg. V 22, 30
auch für das obd. eine form mit j
gefolgert werden musz. eine weiterbildung mit r
findet sich in norw. stiltra '
stelze'
und nd. (
ostfries.) stilter, stelter
in derselben bedeutung wie stilte.
zu germ. *stelt- '
steif (
sein),
stange'
gehören weiter ags. styltan '
verdutzt sein, zögern',
adän. stylte '
wackelnd gehen'.
schw. stulta '
watscheln',
mnd. stulten, stolten, '
dick, fest werden, gerinnen',
mhd. stolzen '
hinken'
sowie wahrscheinlich das adj. stolz (
s. d. und Meyer-Lübke 8275
a, H. Schröder
idg. forsch. 18, 514
ff. gegen Jud
zs. f. rom. phil. 38, 39
u. Frings
Germania romana 98). —
germ. stelt-, stult-
ist ohne sichere verwandte in den andern indogerm. sprachen; es gehört, wie die parallelen stelk-
und stelp-
zur idg. wurzel stel- '
stellen, stehen, steif',
vgl. H. Schröder
idg. forsch. 18, 513
ff.; Persson
beitr. z. idg. wortforsch. 426; Walde-Pokorny 2, 645.
die flexion ist schwach, der starke sing. seit dem 16.
jh.: wenn ein armer lahmer mensch ein steltze hette
theatr. diab. (1569) 462
a; vor der stelze Rückert 11, 225. —
neben dem fem. stelze
steht, spärlicher bezeugt, ein mascul. der stelz
u. der stelzen,
s. oben sp. 2277.
mundartlich obd., md. u. nd. verbreitet, vgl. z. b. stelze, stelzen Lexer
kärnt. 240; Schöpf
tirol. 706; štöltsə
u. šteltsə Wiget
Toggenburg. 65; Schmeller-Fr.
bair. 2, 754; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 594; Fischer
schwäb. 5, 1730; Follmann
lothr. 496; Rovenhagen
Aach. 139; stelte Woeste
westf. 254
a; Schambach
Gött. 209
b; stelten
brem.-ndsächs. wb. 1025; stelt
neben stölt Danneil
altmärk. 211
a; stelte
neben stölte Mensing 4, 382; up stölten (
dithmarsch.) Mittler
dtsch. volkslied.2 797
a;
als stölze Frischbier
preusz. 375
und bei dem Schlesier Steinbach
dt. wb. (1734) 2, 721;
als stalz'n Ruckert
unterfränk. 174.
über nd. stilte (Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 318)
s. oben und obd. stülze
vgl. teil 10, 4, 376. —
auffällig vereinzeltes stelch
gipsa (
voc. 1462)
bei Diefenbach
gloss. 263
a (
zur wurzelvariante stelk-?)
und stelle
scaca (
nd. voc. 15.
jh.)
ebda 515
b (
zur unerweiterten wurzel stel-?),
zu beiden vgl. dieselben formen bei 2stelze.
bedeutung und gebrauch. die allen anwendungen von stelze
gemeinsame grundvorstellung ist die einer hölzernen stütze in form einer kürzeren oder längeren stange, eines pfostens oder ähnl., wie sie in den technischen anwendungen des worts bis heute zu tage tritt (
vgl. unten 5)
und in engl. stilt '
pfosten, brückenpfahl',
nd. (
ostfries.) stilt, stilte '
stamm, stengel, stiel, stange', stilter '
lange stange'
ihre parallelen hat. bezeichnenderweise treten gerade hier masculine nebenformen auf, s. oben stelz.
den allgemeinen gebrauch des wortes beherrschen aber schon früh die anwendungen 1
als '
stelzbein'
und 3
als '
gehstelze',
die von allen die ausgeprägteste eigenbedeutung besitzen. 11) stelze
als '
stelzbein'
holzbein, am stumpf angebrachte stütze als ersatz für ein verlorenes bein; daher meist im singular; in älterer zeit auch in der form eines kleinen schemels mit 3
beinen, der, wie an die verstümmelten hände, auch vor die schienbeine geschnallt wurde, vgl. Heyne
hausaltert. 3, 23; Hoops
reall. 4, 283; stelze
ist in der anwendung als holzbein schon früh bezeugt und bis zum 16.
jh. die vorherrschende bedeutung: si (
truncatus) in campo suo cum stelzia ambulare poterit
pactus Alamannorum, mon. Germ. hist. leg. V 22, 30;
scaca stelte darme uppe geyt (1417) Diefenbach
nov. gloss. 328
b; stelcze, steltz, stelse (15.
jh.)
gloss. 515
b;
gipsa (
i. e. pes ligneus) stelcze, steltz, knyesteltz (15.
jh.)
ebda 263
a; stelte (
nd. voc. 1420)
ebda; dâ saz ein stelzære vor, der hât ein stelzen silberîn Heinrich v.
d. Türlin
krone 20566
Scholl; ein kruppel uff eyner stelczen meister Altswert 134
lit. ver.; Engelmair auf der stelzen dicit: so hiesz ich Engelmair, hort mer, und kum auf meiner stelzen her
fastnachtssp. 193
Keller; gleich als wenn ein armer lahmer mensch ein steltze hette, darauff er gehen und sich behelfen müszte, wie er könte, er aber gienge hin und liesze ihm die selbige steltze, den höltzerin schenckel, fein bund mahlen ... und verachtete darnach andere mit ihren geraden, gesunden beynen
theatrum diabolorum (1569) 462
a; sondern musz mit seinem höltzern bein oder steltzen, er wolle oder wolle nicht, ... davon hincken J. R. Glauber
Proserpina (1667) 53; ihm fehlte der linke fusz, weswegen eine stelze diesen verlust ersetzte
dtsche romanzeitung 17 (1880) 4, 322.
typisches attribut ist die stelze
für kriegsleute und solche, die ihr bein im kampf verloren haben: wirt dir der fuoz abe geslagen, si sol dir die stelzen tragen ze dem bette alle morgen
meier Helmbrecht v. 1318
Panzer; und wirt mir dann geschoszen ein schenkel von meinem leib, so tuo ichs nacher kriechen, es schadt mir nit ein meit: ein hülzene stelzen ist mir gerecht, ja e das jar herumbe kumt, gib ichs ein spitelknecht
a. d. 16. jh. bei Uhland
volksl. (1844) 520; der ander von einer büchszen (
zu schaden gekommen), die zersprungen war und im ein schenckel hinweggeschlagen hatt, derhalben er auff einer steltzen gon muost Wickram 3, 33
lit. ver.; du (
Springinsfeld) must ietzt mit deiner steltzen nach einer andern pfeiffen tantzen Grimmelshausen 2, 29
Keller. auch als bettlerrequisit häufig: da loffen dann die bettler zhauff. da hort einer die steltzen krachen Marx Mangold
marckschiff (1596) b 3; denn etliche geben sich fr lame und krppel aus, da sie doch nur jhre gebeine gebogen, vnd in steltzen geleget haben A. Pape
bettel- und gartenteuffel (1586) k 8
r.
als stütze eines verkürzten beines: die lügen wird gemahlet in gestalt einer abscheulich zerkratzten weibsperson ... der rechte fusz wird von einer steltzen gestützet Harsdörffer
poet. trichter (1653) 3, 331.
als stütze unter einem kranken bein eines pferdes: wann ein pferdt an einem bueg oder schenckel hinckt ... brich das eysen auff dem fuesz, daran es hinckt, ab ... und reyb sie (
die salbe) dann wol in den bueg und schlag ein steltzen auff den genannten fuesz ... und lasz es fünff oder sechs tag auff der steltzen steen
M. Seuter
buch v. d. roszartzney (1588) 283.
in fester verbindung von jeher auff stelzen geen
gipsare voc. 1482
bei Diefenbach
gloss. 263
a: ist iu Engelmares leit iht kunt? der muoz nû ûf einer stelzen gân Neidhart 263
Haupt-Wiessner; wer soll auch für uns wicken mäen, seit mal dasz mir alle auf stelzen gehen
fastnachtsspiele 420
Keller; da begegneten mir drey gesellen, der eine war nackicht der ander blint der dritte gieng auf einer stelzen
Finkenritter (1668) a 3
a;
vgl. noch oben Wickram 3, 33
lit. ver.; redensartlich einen auf steltzen bringen
u. ähnl. '
jem. ein bein abhauen': nun ist Neithart hinder si komen und hat das laster bedacht, dasz er si auf stelzen hat pracht ir wol zwen und dreiszig
fastnachtsspiele 1, 422
Keller; dô huop sich ein limmen unde ein kelzen: dô sach ich zwô niuwe klingen mit zwein wæhen helzen mit den sô wart her Engelmâr geriht ûf eine stelzen Neidhart
lieder xxxiv 5
Haupt-Wiessner; habn unsern ehren gnug gethon, redlich an bawren uns gerochen, sie verstümmelt, ghawen und gestochen ir eins theyls auff die stelzen gericht Hans Sachs 17, 208
lit. ver. häufig in zusammenstellung mit krücke,
meist in deutlichem bedeutungsunterschied, doch vgl. unter 2
u. oben teil 5, 2427: hufhaltzen (
hüftlahmen) und plinden der wurden da vil truncken. die auff den steltzen huncken, di slugen grosse lucken mit schemeln und mit krucken Heinr. v. Neustadt 18408
Singer; hir ligt de pekelmütz, dar ligt de halve krück, hir eine blödge bind, dar von der stelt ein stück Lauremberg
scherzged. 14
lit. ver.; die müeszen alle gemain auf stelzen kriechen und auf krucken
fastnachtsspiele 1, 424
Keller; it wolden dre kerls einen hasen fangen, se quemen up kröcken und stölten gangen
aus d. 16. jh. bei F. L. Mittler
dtsch. volksl.2 797,
vgl. dazu: da waren drei kerls, wollten einen hasen fangen, gingen auf krücken und stelzen
kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 295; dat sind kroppel gewesen, so alse de uppe stelten unde krcken ghan (1514)
chron. d. d. städte 16, 475 (
Braunschweig); zu Hall ... da so viler krppel vnd lamer steltzen vnnd krucken ... hangen Fischart
binenkorb (1588) 153
b; bey dem tag kriechen sie (
bettler) zuweilen auff allen vieren, hupffen mit steltzen, hincken mit krucken Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 464. 22)
doch hat stelze
selbst auch die bedeutung '
krücke',
d. h. stab mit griff oder stütze oder krücke in kreuz- und winkelform, also das gehwerkzeug der lahmen, wie andrerseits krücke
auch in der bedeutung '
stelze' '
stelzfusz'
erscheint, vgl. teil 5, 2427
sowie gipsum kruck
scaca vel steltz
voc. theut. 1482
bei Diefenbach
gl. 263
a und gipsa krücke
nov. gl. 193
a auch aschwed. stylta, stilta '
krücke': wer ist der sich fröwet der steltzen und des hültzin beins, so er nit me denn ein bein hat (1472) Ingolt
guldin spil 66
Schröder; gleich wie jhener allten frawen, die nit mehr gehn kundt und auf steltzen herein trat
M. Lindener
katzipori 148
lit. ver.; (
ein löwe) sitzt vor einem fuchs, der auf zwey stelzen gelehnt auf zwey beinen gegenübersteht Göthe I 47, 352
W. 33) '
gehstelzen',
zwei stangen, an welchen in bestimmter höhe trittklötze angebracht sind, auf denen man, sich an den stangen selbst festhaltend, gehen kann. da sie nur paarweise gebraucht werden können, ist in dieser bedeutung fast allein der pl. üblich. seit dem 16.
jh. lexikal. verbucht: steltz
gralla Alberus
nov. dict. gen. (1540) jj 1
b;
grallae stältzen Frisius
dict. (1556) 609
a; steltzen Calepinus
undec. ling. (1598) 624
a; Kramer
teutsch-ital. (1702) 2, 962
b.
neben charakteristischen verbalen verbindungen wie auf stelzen steigen, auf stelzen einherschreiten
ist wie bei stelze 1 '
holzbein'
von anfang an die häufigste auf stelzen gehen:
grallator der vff steltzen ghet Alberus
a. a. o.; Frisius;
nomenclator in us. schol. Hamburg (1634) 336; Stieler
stammbaum (1691) 2138; Steinbach
dt. wb. (1734) 694,
und zwar in eigentlichem sinne wie vor allem in bildlicher anwendung (
s. u. 6).
im laufe des nhd. tritt diese bedeutung '
grallae'
gegenüber der bis zum 16.
jh. vorherrschenden bedeutung 1 '
holzbein'
mehr und mehr in den vordergrund, besonders durch die häufigkeit ihrer bildlichen anwendung, s. u. 6. 3@aa) stelzen
zum durchwaten von wasser, sumpf oder schmutz dienend: so kan es nit sein die insel ob Stein im Werd, dann zu vilen zeyten mag man in die selbige von Helvetier seyten hineyn watten und auff stAeltzen hindurch wandlen Joh. Stumpf
Schweiz. chron. (1606) 305
b; dasz man etwan trockens fsz, etwan auch auff stAeltzen durch den selbigen teil Rheyns wandlen mag
ebda 418
b; ein baur gieng auff steltzen und fiel in den kath J. W. Zinkgref
apophthegmata (1628) 385; Walther von Wyl ... was uff steltzen durch das bächli gangen Äg. Tschudi
chron. helv. (1734) 1, 378; die haiden sind übrigens anders, als wir uns vorstellen, die wir an Walter Scotts wüste bergplataux ... denken, an die trügerischen sümpfe, an die bewohner, die auf stelzen einhergehen H. Laube
ges. schr. (1875) 5, 17. 3@bb)
als sport- und belustigungsmittel, vgl. auch stelzenkunststück: bald nahm er steltzen, und ging damit auff der linie (
von einem seiltänzer) J. Prätorius
anthropodemus Plutonicus (1666) 2, 11; (
es) eröffnete sich ihrem blicke ein merkwürdiges theater ... eine menge groszer riesenmäsziger figuren, die gravitätisch auf und abwandelten ... so fanden sie, dasz es zwerge waren ..., die auf unmäszig hohen stelzen daherwandelten ... je höher die stelze ihren mann emportrug ... desto eifriger waren die bemühungen, den herunter zu stürzen Joh. Wetzel
Belphegor (1776) 2, 177
ff.; sie (
Heidelberger studenten) spielen ball, gehen auf stelzen, suchen vogelnester Fr. Chr. Laukhard
leben und schicksale 1, 295.
bis heute bei kindern sehr beliebt, z. b. šteltsə
kinderstelze als spielzeug Wiget
Toggenburg. (1916) 65: das stelzengehen (
incessus grallatorius), da sie (
kinder) auf den stelzen gehend weite schritte thun
zs. d. ver. f. vkde 19, 404 (
beleg v. 1687); sehen sie den kindern aufmerksam zu ... dasz sie ball werfen und schlagen, ..., auf stelzen gehen, sich überschlagen Göthe IV 42, 108
W.; sieh, der lose kleine bub kommt auf stelzen in die stub A. v. Arnim 1, 119
Grimm; trommel auf dem bauch, hast einen schweren ranzen, kannst du erst auf stelzen gehn, so kannst du auch bald tanzen
ebda 17, 432; gäb es keine nachbarinnen, nicht niedrige fenster, keine knaben auf stelzen! Immermann 11, 66
Hempel; auf stelzen durchschritten muthwillige buben die Toledostrasze Gaudy 17, 56; bis ich (
als knabe) um die wette mit allen mitten im wasser stehen und auf einer stelze balancieren und mit der anderen präsentieren konnte Fontane
ges. werke I 4, 157; sehen sie den kindern zu, wenn sie ... auf stelzen gehen
schr. d. Götheges. 17, 257. 44) stelze
als '
stelzschuh'. stelzen '
sind in der modetracht des späteren mittelalters hölzerne klötzchen an der sohle eines überschuhs, um zu verhüten, dasz er zu tief in den straszenschmutz einsinke, im 16.
jh. zu einer unbehülflichen art des schuhes ausgebildet, die die menschliche gestalt höher machen soll' Heyne
dt. wb. 3, 795; Al. Schulz
höf. leben1 1, 223;
vgl. auch unter stelzschuh: da geht man auff hohen steltzen mit flügeln und langen schnebeln, wöllen storcken sein Fischart
Garg. 72
ndr.; sie theilet einem jeden die mode aus, was er für kleidung tragen solle: diesem lederne riemen, jedem seidne bänder: dem einen tanzschuhe, dem andern stelzen H. Lindenborn
der die welt beleuchtende Diogenes (1742) 2, 285;
im 16.
u. 17.
jh. auch in sprichwörtern und redensarten, z. b. einer laus ein stelzen machen,
u. a., s. u. 8
b. für die hölzernen klötzchen dieser stelzschuhe und später besonders für die hohen absätze von schuhen oder pantoffeln: macher- und flickerlohn ... von einem einfachen par mannschuch ... auff rahmen gedoppelt oder auch mit höltzer oder steltzen, wie es genennet wirdt, 12 kr.
quelle von 1642
bei Fischer
schwäb. nachtr. 3200; kein schuh, der sich auf stelzen steift, kein reifrock, der mehr ausgeschweift, ... macht dich zur ärgerlichen tocke D. W. Triller
poet. betrachtungen (1750) 3, 265; er gestand sich, dasz die hausehre des pfeifers von Hardt eine stattliche frau sei, die vielleicht manchen weniger kühnen mann als seinen führer und erretter unter die stelzen ihrer gewichtigen schuhe gebracht hätte W. Hauff
sämtl. werke (1890) 1, 126.
in der deminutivform: die weiszen, kaum mehr als zolldicken stelzchen unter den mit goldgestickten schleifen gezierten ballschuhen suchten dagegen am andern ende meiner kleinen person dieses miszverhältnis auszugleichen Johanna Schopenhauer
jugendleben (1838) 1, 236.
für die mit solchen absätzen versehenen pantoffeln: indem sie ihre pantöffelchen heraufholte und nebeneinander vor Serlo hinstellte: hier sind die stelzchen, und ich gebe ihnen auf, niedlichere zu finden Göthe 22, 166
W.; mit ... den hoche stelzerchen unter den füszen gings klippklapp nach haus Bettine
d. buch gehört d. könig (1843) 1, 73.
für den kothurn der griechischen tragödie: die erhöhenden cothurne, die eben deswegen
ἐμβάται (stelzen) hieszen C. A. Böttiger
kl. schrift. 1, 214; um ... von der tragödie zu sprechen, so braucht es nichts als ihren äuszerlichen aufzug um zu sehen, was sie ist, und dasz man sich schwerlich einen häszlicheren und zugleich fürchterlichern anblick denken kann als einen zu einer unproportionierlichen grösze aufgebauten menschen, der auf einer art von stelzen (
εμβάταις) einherschreitet, eine larve vor dem gesicht hat Wieland
Lucian (1788) 4, 396.
occasionell auf stelzen gehen
für '
tragödien dichten': überhaupt ist die ganze art, wie August im Cinna (
des Corneille) eingeführt wird, das unglücklichste, wozu die notwendigkeit, fünf akte herauszubringen, und die wut, auf stelzen zu gehen, je einen autor verleitet hat Grillparzer 16, 121
Sauer. 55) stelze
als '
stütze'
schlechthin; vgl. Lexer
kärnt. 240; Rovenhagen
Aachen. 139; stelte
stange, ende holz, worauf etwas steht oder ruht Doornkaat-Koolman
ostfries. 3, 309,
vgl.stelter stamm, stengel, stiel ebda; vgl. auch oben stelz,
m. und unten stolzbaum
sowie engl. stilt '
pfosten, brückenpfahl, handhabe am pflug'.
in verschiedenartiger anwendung der handwerke und gewerke für eine kurze stange, einen ständer, einen pfosten u. ähnl., vgl. die benennung eines dreibeinigen schemels als stelza
tripetia ahd. gloss. 3, 170, 12; 211, 15
St.-S. (12.
u. 13.
jh.);
trepedia stelcze (
anf. d. 15.
jh.) Diefenbach
nov. gloss. 370
b; stelze
tisch- oder stuhlbein Martin-Lienhart
elsäss. 2, 594;
hierher auch stibola stelze
ahd. gloss. 4, 217, 54
St.-S. (12.
jh.),
wenn stibola zu stiva '
pflugsterz'
gehört, s. u. 5
e. 5@aa)
im bergwerk: stelze, '
eine kurze stütze, so auf den schuh unter dem spiesbaum geleget wird'
bergmänn. wb. (1778) 525; stelzen A. v. Schönberg
berginformation (1693) 2, 91; Minerophilus (1730) 636;
auch als mascul. stelzen,
s. sp. 2277. '
die stützen der spieszbäume des korbes an einem pferdegöpel' Jacobsson
technol. wb. 4, 285
b; Beil
technol. wb. 1, 574. 5@bb)
im baugewerbe: stelzen '
stützen, echassés, heiszen bei den mäurern die stangen, an welche die rüsthölzer befestigt sind' Eggers
kriegslex. (1757) 2, 996; 'stelzen, stützen, trempel,
hölzer, womit etwas unterstützt wird, z. b. bey grabung eines brunnens wird das erdreich vermittelst der stelzen
und bretter zurück gehalten, damit es nicht nachstürzen kann' Jacobsson 4, 286
a; stelzen ist die hochstellung ... eines bautheiles durch einzelne steifen, stelzen Schönermark-Stüber
hochbaulex. 798;
vgl. auch das mascul. stelzen,
sp. 2277
sowie stelzen,
vb., 2
und stelzbogen, -fenster, stelzenfundament. 5@cc)
in der mühle: stelze '
der für die rumpfleiter in mahlmühlen ausgefalzte ständer' Mothes
ill. baulex. 4, 270; '2
ellen lang, 16
zoll breit und 6
zoll stark' Jacobsson 4, 285
b. 5@dd)
im böttchergewerbe: 'stelzen,
dieses sind die ständer, die einen theil des haublocks ausmachen. diese ständer werden von zwey bäumen gebildet, die den stab, der gelenkt werden soll, tragen' Jacobsson 7, 446
a. 5@ee)
in der landwirtschaft: man hat an dem pfluge ohne vorgestell zuweilen noch andere hülfen angebracht: eine stelze, worauf er vorne ruht Thär
grundsätze der rat. landwirtsch. 3, 36; (
pflüge,) welche am vorderende des grindels eine unterstützung durch ... eine stelze erhalten Karmarsch-Heeren 5, 288; der grindel, die sterze, die stelze (
als teile des pfluges) Lueger 6, 745; stelze
handhabe des pfluges Fischer
schwäb. 5, 1730;
auch als masc. stelz,
s. sp. 2277. 5@ff)
beim fischfang: stelt
der spreizstab des zugnetzes Schumann
Lübeck (1907) 38;
ebenso Mensing 4, 832; stölze '
spannende holzstelze zu beiden seiten des eingangs am keitelnetz' Frischbier
preusz. 2, 375
a; an den enden (
der zugnetze) sind meist spreizstäbe (butt, bottknüppel ... stab, schakel, stöldt, stelt) angebracht, welche die verbindung mit der zugleine herstellen und verhüten, dasz das netz durch den straffen zug strickartig langgezogen wird A. Seligo
die fanggeräte d. dt. binnenfischerei (1914) 94;
vgl.stelten,
vb., sp. 2296. 5@gg)
im weinbau ein unten mit einem haken versehenes gerät: durch stelzen treibt man die gegangenen reben etwa 60 cm tief in den boden Fischer
schwäb. 5, 1729; die stelze ist bey dem ... setzen der weinstöcke eben das, was der pflanzer oder das pflanzholz bey den gärtnern ist Sprenger
praxis d. weinbaus (1778) 112. 5@hh)
in der weberei sind stelzen '
die ober- und unterlitzen an dem schafte eines gazewebstuhles' Karmarsch-Heeren 8, 477; die österreichischen weber theilen die fäden, daraus die lizen bestehen, in zwey hälften, was über den augen ist, nennen sie den haarlauf, was unter den augen ist, die stelzen Popowitsch
versuch (1780) 610. 66)
bildlicher gebrauch von stelze
findet sich vereinzelt seit dem 13.
jh. (
s. u. 8
d),
zahlreich seit dem 16.
jh.; oft in sprichwörtern und redensarten (
s. auch unten 8). 6@aa)
im anschlusz an die bedeutung '
stelzfusz, krücke',
vor allem auf stelzen gehen '
im üblen, schlechten zustande sein',
mehr der älteren sprache angehörend, s. auch 8
c: des marggrafen grimm nit lobesam ist vorne blind und hinten lam, sein kriegen gehet uf stelzen; das macht, dasz er kein gelt mehr hat, brandschatzen ist im worden seltsen Liliencron
hist. volksl. 4, 60 (1557).
hierher wohl auch: und dem herzogen ursach gegeben, nach der grafschaft Hag zu drachten ... zaicht der herzog dem curfursten die wappenschilt und helm gemalt der grafen und herrengeschlechter, so vom haus Bayrn abkomen, dergleichen auch was sonst von hohen geschlechtern im land zu Bayrn gesessen; die alle weren hin und abgangen, allain die zwai geschlechter Hag und Bern weren noch vorhanden, die giengen uf stelzen und wurden auch bald zum gröszern haufen. also stellen die groszen herren und pottentaten nach den weniger, und der in seiner landtsart ein monarchiam will anstellen, ist von nöten das er die wenigere und kleine gueter nit verschmach, sonder einziehe, was ime werden möge
zimmer. chron. 3, 46, 31
Barack. öfters auf begriffe wie recht, treue, ehre
angewandt gleichfalls in dem sinne '
es ist schlecht bestellt mit',
ähnlich der bei diesen abstracten seit dem mhd. gebräuchlichen bildlichen verwendung von hinken (
vgl. Walther 102, 27; Lexer 1, 1299;
teil 4, 2, 1445), krumm stehen (
vgl. Konrad von Würzburg
lied. u. spr. 2, 47
Schröder), auf krücken gehen (
s. teil 5, 2427): darumb stat es in der welt nicht dest basz, dann warhait und frümkait ist seltzen und gat gerechtigkait uf stelzen
bei Liliencron
hist. volksl. 1, 560 (
um 1470); die schwinde sach macht trew so schwach, das sie nit kan dann leyder yetz auff steltzen gan Forster
frische teutsche liedlein 174
ndr.; fides gehet auff steltzen, nequitia ist nicht seltzam J. Nas
antipap. eins und hundert (1567) 4, 188
b.
adjectivisch gesteigert: fides geth auff den schmalen steltzen. nequitia ist darumb nicht seltzam Kirchhof
wendunmuth 3, 170
lit. ver.; und wenn sie solches daheim in jhrem hause nicht verrichten können, so sehen sie, wie sie sonsten eine ursach auszzuspatzieren vom zaun brechen, und sich beizeit an bestimte örter, der wescherin, näterin, kräntzmacherin und dergleichen, da die ehre gemeiniglich auff gläsernen steltzen gehet einstellen
cristalliner jungfraunspiegel (1653) e 2
b; die ehre geht auf schwachen stelzen, sie bleibt ein raub der flüchtgen zeit. was hilfts, sich aus den staube welzen? Stoppe
Parnasz (1735) 201.
so auch: mein glück gehet vff stelctzen
aus d. j. 1521
in d. allgem. dt. bibl. 3, 2, 83; ich glaube wohl, dasz die besoldung des kriegsvolcks dem kriegshaupte mehr gewalt zueigne, aber hiermit gehet auch die freiheit auf steltzen Lohenstein
Arminius (1689) 1, 740
b.
im 15.
und 16.
jh. verbreitet der (christen) glaube geht auf stelzen: so ist nicht wunder das uns got lasset mislingen, und abgestet. umb unser übeltet, wann cristen glaub auf stelczen get. den soltu, parmhercziger gott, wider czu creften pringen! Michael Beheim
zehn gedichte 10, 84
Karajan; der glaub gang ietz uf stelzen Steiff
gesch. lieder u. sprüche Württembergs 366 (1526); es gat yetzundt so wunder seltzen, das christen glouben gat vff steltzen Murner
narrenbeschwörung 74
ndr.; wer ubern zun syn gfatter grieszt, ein sack an gantzen enden bieszt, mit christen glauben gat uff steltzen, durch ein mulkorb frysset seltzen
ders. mühle v. Schwindelsheim v. 50
Bebermeyer; falsch waren sind in (
den Venedigern) auch nit seltzen. der christen glauben geht auff steltzen bei ihn, das waiszt all mencklich wol Wickram 4, 261
lit. ver. in diesem sinne auch zu verstehen: totus mundus in maligno positus est die welt stehet je vbel, gehet auf stelzen Äg. Albertinus
hirnschleiffer (1664) 510; 'es sind zwey fragen, erstlich ob die warmen suppen gut schmäcken und darnach, ob ich euch zur mutter haben wil? eins ist wahr, das ander gehet auff steltzen (
d. h. damit ist es übel bestellt)'. 'lasts immer auff steltzen gehen, wanns nur fortkömmt' Chr. Weisze
d. grün. jug. überflüss. ged. 193
ndr. sprichwörtlich seit Luther die zunge (
des trunkenen) geht auf stelzen,
vgl. unten 8
c. im 17.
jh. weniger formelhaft, von der sprache: man mus aber wol wohl achtung geben ... ob diese ... aussenlassung der selb- und mitlauter (
z. b. lan
statt lassen, sonn
statt sonne) ... den lauf der rede auch hämme oder verstelle ... ach es ist zu beklagen, wie unsere edle sprache durch solche auf krikken und stelzen hereinhinkende reime verdorben wird Ph. Zesen
vermehrter Helikon (1656) 1, 139; folgendes (
gedicht), worüber ich im durchlesen ein vomitiv ersparet ... diese geburth wird ohnfehlbar mit groszen kreisen zur welt seyn gebracht worden, weil sie erbärmlich auf steltzen geht und überall gebrächlich ist Chr. Fr. Hunold
d. thörichte pritschmeister (1704) 6;
vgl.steltzen,
vb., sp. 2294/5. 6@bb)
mannigfacher ist die bildliche anwendung von stelzen
in anlehnung an die bedeutung '
grallae'.
in ihr gewinnt das wort im laufe des nhd. einen eignen, umschriebenen geltungsbereich, besonders in der häufigsten verbindung auf stelzen gehen;
doch hindern hier die für den eigentlichen gebrauch bezeichnenden verbalen verbindungen wie auf stelzen (daher) (einher) steigen, treten, schreiten
die völlige verflüchtigung des bildhaften. 6@b@aα) stelze
als ausdruck für irgendwelche hilfsmittel zur erreichung eines zwecks, anknüpfend an den gebrauch der stelzen als gehwerkzeug beim durchwaten von wasser und sumpf, meist mit dem beiklang des unnatürlichen, unerlaubten oder auch des unsichern und so in vermischung mit dem gebrauch von β oder δ: dieser ergrimmte über den sumpfigen, bodenlosen weg rechtens und drang dem advokaten eine stelze darin auf, nämlich die gelder zum appellieren Jean Paul 11/14, 282
Hempel; er musz ... nicht auf den stelzen der nachahmung daher steigen Schubart
br. bei Strausz
w. 9, 53; sie (
die liebliche poesie) hat ihn (
den verstand) vielmehr zurückgehalten und in einen talar göttlicher beschreibungen verhüllet oder ihn auf stelzen einiger contraste der göttlichen regierung gesetzt, wo er entweder fällt oder schwerlich gehen lernet Herder 11, 383
Suphan; alle (
volksvertreter) sind auf den stelzen groszer, hoher worte über die gränzen gestiegen kommen, haben freiheit und glück versprochen, und geld und gut genommen Görres
schriften (1854) 2, 300;
gern antithetisch: und wir nicht auf den klaren worten gottes, sondern auf den betrüglichen steltzen unserer menschlichen vernunft stehn J. Scheffler
ecclesiologia (1735) 1, 6
b; warum wolten wir uns denn mit steltzen behelffen, da wir mit unsern eigenen schenckeln eben so weit, aber sicherer schreiten könten? D. C. v. Lohenstein
Arminius (1689) 2, 1306
a; die männer, die mit eignen augen sehen, und ohne stelzen überall auf ihren eignen füszen gehen, die wissen dir gewisz es dank J. G. Seume
ged. (1804) 34; denn die wahrheit allein macht den menschen grosz und schön; alles andere sind larven und stelzen, womit er nicht weit gehen kann W. Heinse 3, 405
Schüddekopf; statt dasz dort (
in Göthes märchen) die fantasie auf ihren eignen flügeln getragen wird, geht hier (
in Alins abenteuern) die künsteley auf den stelzen harter verse einher
Athenäum 3, 148;
fast redensartlich von unbedeutenden menschen, die eine unechte grösze vortäuschen wollen, vgl. stelzenzwerg u. stelze 8
a: wenn einer mit seiner natürlichen grösze nicht zufrieden auf stelzen einherschritt, oder sich vor eigendünkel blähte und auftrieb Wieland (1795) 8, 244
Göschen; bistu ein zwerg, so gehe nicht auff steltzen einher Adam Olearius
persian. baumgarten (1696) 67; es ist nichts unerträglicher, als wenn pigmäen auf stelzen einher schreiten, und es für natürliche grösze ausgeben wollen W. Heinse 5, 125
Schüddekopf; die zwerge, die auf stelzen gehn, meinen den riesen zu übersehn. aber stürzen sie in den graben, möchten sie doch seine beine haben W. Müller
ged. 336
Hatfield. selten ohne solchen pejorativen nebensinn, der einfachen feststellung einer überschätzung dienend: fast möchte ich ihnen und dem seligen Goethe grollen, mich auf höhere stelzen gestellt zu haben, als ich zu regieren vermag fürst Pückler
briefw. u. tageb. 3, 121. 6@b@bβ)
das steife, unfreie sichbewegen auf stelzen führt zur anwendung des worts auf steifes, unnatürliches wesen und benehmen, meist, besonders im sprachlichen bezug, mit dem beiklang des hochtrabenden, vgl. γ: beprillet und schulsackbehencket esel auf steltzen Fischart
Garg. 18
ndr.; wenn ich nur eine seele finden könnte auf erden, die weder die stelzen des hofmannes, noch den steifkragen des bürgers trüge G. Freytag
ges. werke (1886) 2, 86; in de stadt ... im Rosz mit den rössern skat dreschen oder mit'm herrn landrat auf stelzen gehn! gott bewahre! G. Hauptmann
Rose Bernd (1904) 105;
von gespreizter, unechter geistiger haltung, geschraubtem und gekünsteltem denken und sprechen: andere mögen darauf studieren, ihren geist in die höhe zu schrauben, und auf stelzen einhergehen zu lassen J. J. Chr. Bode
Mich. Montaignes ged. u. mein. (1793) 5, 89; die lebendigen geister der völker wurden in zwangstiefeln geschnürt oder muszten auf stelzen treten lernen E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 464; heiszt denn das nun aber nach dem luxurianten ausdruck des almanachstänkers — Herder geht auf stelzen? Lose
schattenrisse edler Teutschen (1783) 1, 106; lieber gott, was ist mir so wohl, dasz ich von den stelzen der philosophie auf meine eignen fuszsohlen herabgekommen bin G. Forster
sämtl. schr. 7, 158; der auf stelzen einherschreitende logische beweis Schopenhauer
w. 1, 122
Grisebach; jeder geht an seinem hof auf feyerlichen stelzen und spricht in bildern und figuren Klinger 6, 292.
in dieser negativen wertung besonders häufig auf die sprache selbst bezogen, auf schwülstigen, geblümten stil, insbes. gewisser dichtungsarten, stilepochen und einzelner dichter, vgl. auch stelzenpoesie:
vgl.auf stelzen gehen
sich hochtrabender ausdrücke bedienen Wander 4, 827;
s. Borchardt-Wustmann
sprichwörtliche redensarten 458: der discours gehet auf stelzen Matth. Kramer 2 (1702) 962
b; seine manieren sind gezwungen, sein gang abgezirkelt, seine reden auf stelzen Sonnenfels
ges. schr. (1783) 3, 389; und mit dergleichen eckel erweckenden periphrasiren und auff steltzen gehenden phrasibus ist diese seine fünff bogen lange vorrede bisz an ihr ende staffiret A. Bohse
Ariadnens liebesgesch. (1705)
vorw. 6
b; diese kleinen stelzen der rede (
z. b. weit entfernt, dasz, wenn, dann
u. a.) Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 314
lit.-denkm.; ihre (
der schriftsteller) sätze schreiten beständig auf stelzen einher Schopenhauer
w. 5, 552
Grisebach; er sieht es auch ein, dasz die ausdrückungen der englischen dichter zuweilen auf gar zu hohe stelzen steigen Gottsched
d. neueste 2, 223; ein Teutscher ist gelehrt, wenn er sein teutsch versteht. kein wort kömmt für den tag, das nicht auf stelzen geht Heräus
ged. u. lat. inschr. (1721) 15; es musz ... nicht jedes wort auf stelzen gehn, um reim und ausdruck aufzuschwellen Hagedorn
versuch einiger ged. 22
lit. denkm.; dasz ieder ... dir, was du bist und thust, aus eigennutz erzehlt, die wort auf steltzen setzt, aus hochmuth dunckel schreibet J. Chr. Günther
ged. (1735) 709; indem sie (
die übersetzer) nämlich den lyrischen dichter voll und erhaben zu machen gedenken, nehmen sie den mund voll und sprechen centnerschwere worte, oder setzen ihn auf stelzen, siegprangend und göttlich Herder 24, 218
Suphan; alte, sinnlose, hochtrabende schwüre, die auf stelzen zu allen toren hinausprahlen, so lange die welt steht Holtei
erz. schr. 7, 83; tanzt er (
der poet) auf stelzen her, wenn er gewitter wälzt, und eine feuersbrunst der herzen marmor schmelzt G. W. Rabener
satiren (1755) 2, 4; und manches (
im späteren Messias Klopstocks), was einmal stolzer schritt war, ging nun auf stelzen W. Schäfer
d. 13
bücher d. dt. seele (1925) 338; welch ein unterschied, hier (
in Rosenthal) die einfache predigt der natur, und dort (
auf dem gute der fürstin) sich durch den auf stelzen gehenden oberhofprediger betäuben zu lassen Th. G. v. Hippel
kreuz- u. querzüge (1793) 2, 528; eine erzählung, die bald auf den stelzen unserer neuern epopeen einhertritt
briefe, die neueste litt. betr. (1761) 11, 158;
besonders üblich für den stil einer gewissen tragödie (
vgl. auch stelzenkothurn, -manier
u. ähnl.): stelzen ... hernach ist dieses wort auch von der erhabenen schreibart gebraucht worden Gottsched
crit. dichtkunst (1751) 43; die tragische schreibart geht fast immer auf stelzen,
d. i. sie redet fast durchgehends verblümt
ebda 278;
ebenso allg. dt. bibl. 10, 2, 28; 102, 350; ein schauspieler legt seine königliche maske, seinen gang und seine sprache auf stelzen ab, so bald er den schauplatz verläszt J. G. Hamann
schriften 1, 430
Roth u. Wiener; doch lieber sprich mit ernst als oratorisch schön, den helden gleich, die auf der bühne stehn und auf des sittenspruchs geborgte stelzen steigen, dem volk die tugenden im falschen licht zu zeigen Lessing 5, 114
Lachmann-Muncker; ... dasz Buffon, immer hoch auf stelzen herschreitend, aufgeblasen declamire Göthe I 45, 55
W.; kostbarer ersaz eures verpraszten blutes ... von einem französischen tragödienschreiber auf stelzen geschraubt ... zu werden Schiller 2, 29
G., vgl. noch unter stelzenausdruck.
mit anlehnung an stelze 4 (
kothurn): denn nie haben possierlichere stelzen (
d. i. gespreiztere wendungen) den dienst des cothurns vertreten Börne
ges. schr. (1829) 2, 138. 6@b@gγ)
da das gehen auf stelzen zugleich ein erhöhtes schreiten ist, wird die vorstellung des unnatürlich erhöhten, des aufgeblasenen, des stolzen oft zum hauptsächlichen gehalt des bildlichen ausdrucks: es gat yetzundt, das gott erbarm! wie ist ein frummer rat so seltzen! ach gott, es gat yetz als vff steltzen, bisz das ein mal den hals abstürtzt Murner
schelmenzunft 59
ndr.; (
kupplerinnen verderben die frauen,) das sie hand weder rast noch rhuo bey jhren mannen und gond auff steltzen, dan frembde speis die ist in seltzen Montanus
gartenges. 270
Bolte; der ehrgeitz folgt der lieb auf hohen steltzen nach und ängstiget die welt mit blutgen trauerspielen Lohenstein
Sophonisbe (1689),
widmung a 6
b; deswegen mögen wir auf noch so hohen stelzen dahertreten, denn auch auf stelzen müssen wir immer mit unseren füszen stehen J. J. Chr. Bode
Montaignes ged. u. mein. 6, 365; (
die erschlaffung) kann nicht ausbleiben, wenn sie immer so hoch auf den stelzen ihres standes einhertreten, dasz kein ausdruck der vertraulichkeit ihre augen und ohren erreichen kann Thümmel
reise (1791) 4, 372; wirf endlich diese stelzen weg vornehmer gleisnerei Platen
w. 1, 82
Hempel; ging er (
Jupiter) überall auf stelzen, demuth lehrt seine frau ihn daheim Kotzebue
sämtl. dram. w. 21, 269; seht den narrn, wie er auf stelzen geht! ruft der plebs, wenn jemand edlere gefühle, höhere gesinnung zeigt. aber musz er nicht auf stelzen gehen, um rein durch den schmutz des lebens zu kommen? Fr. W. Gubitz
gesellschafter (1836) 555.
mit übersteigerung des bildes: nun zog er zürnend die wolke des blauen rockes wieder um sich zusammen, pfiff schrillender als je, ging auf doppelten stelzen, zog die schultern noch einmal so hoch am schwarzhaarigen kopfe herauf O. Ludwig
ges. schr. 1, 202.
nicht selten ist allitterierende verbindung mit stolz
aufgesucht: der stolz auf hohen stelzen stürze zum abgrund Herder 27, 130
S.; und jüngst noch so stolz auf allen stelzen deines stolzes! Nietzsche (1895) 8, 369; schütz uns ... vor der stolpernden stelze des stolzes Rückert 11, 225.
schon früh in sprichwörtern und redensarten, s. u. 8
a. 6@b@dδ)
das unsichere gehen auf den stelzen rückt gelegentlich die vorstellung des unsicheren, schwankenden, gefährdeten in den vordergrund, die in den anwendungen α und γ mehr oder minder deutlich mit zum ausdruck kommen kann (
vgl. oben bei α Herder 11, 383
S.; Scheffler [1735] 1, 6
b; Lohenstein
Armin. 2, 1306; W. Müller
ged. 336;
bei γ Murner
schelmenz. 59
ndr.; Rückert 11, 225): ein fürst, der an jm kein tugend hat, ist gleich dem der auf steltzen gaht: der selb ist der höchst über ander all, aber er luog mit fleisz, dasz er nit fall
keyser Maximilians leer (1532) 46
b; denn, ists nicht wahr, wenn der pfeil am höchsten in die lufft geflogen ist, so ist er am allerschwächsten, und dem fall am nächsten? drum gehet dieser aberglaube schon auff steltzen, und stehet nicht feste J. G. Schmidt
gestriegelte rockenphilosophia (1706) 2, 134.
s. auch unten 8
a. 77)
übertragung des eigentlichen gebrauchs von stelze
findet hauptsächlich im anschlusz an die bedeutung '
grallae'
statt auf grund der vorstellungen des langen und dünnen oder eines von beiden, seltener spielen die übrigen anwendungen des wortes hinein. 7@aa)
von langen, dünnen beinen, sowie abgegriffener von beinen überhaupt; in bewuszter übertragung meist scherzhaft gemeint; vgl.: ich meinte, es wäre der lange Engländer, der mir vorhin wie auf hohen stelzen nachkam Eichendorff
sämtl. werke (1864) 2, 505; wi ob sdölze gin
mit langen beinen ungeschickt gehen Christa
Trier. 201.
seit der mitte des 17.
jh. üblich: es scheint so lächerlich, wenn man an waden statt als noch ein junger mensch gedörrte steltzen hat Chr. Fr. Henrici
ernst. scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 391; mit wahren schwefelhölzern statt beinen ... dieser stelzen
d. salon 1 (1873) 40
Rodenberg; laufft, oder ich will euch steltzen machen Harsdörffer
frauenz.-gesprächsp. (1641) 2, 347; dasz die kindel auff allen vieren kriechen, weilln mich aber mein modesti auch zum kindel in der glahrten welt macht ... so ist ja am gscheidisten, dasz ich meine vier steltzen voranschick vnd den weg ein bissel fundiren thue J. J. Schwabe
tintenfässl (1745) a 6
a; denn meine stelzen fangen ... zu wackeln an Frz. Pocci
komödienbüchl. 233; die augen zu und dahin auf zwei wankenden stelzen wie ein traum wandler H. Zöberlein
d. glaube an Deutschland (1931) 842.
so besonders mundartlich: stelzen
lange, dünne beine Follmann
lothr. 496; Rovenhagen
Aachen. 139; lang sdölzen
beine Christa
Trier. 201; Hofmann
niederhess. 230; Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 560; du alter hemadkrag'n, den zwei stelzn trag'n
bei Schranka
Wien. 164; sie haben noch junge beene ... mit meine ollen stelzen will et ooch nich mehr recht H. Seidel
Leberecht Hühnchen (1899) 56;
ebenso in der soldatensprache beliebt: Horn 74; stelzen, kackstelzen René Delcourt 163
b.
ohne diesen spöttischen beiklang, fast terminologisch von langen, dünnen vogelbeinen (
vgl. stelzbein, stelzenähnlich
sowie die zusammensetzungen mit stelzen-
s. sp. 2296): der zarteste, schlankeste und hochbeinigste von allen ... wasserläufern ... schreitet auf seinen hohen, schwachen stelzen mit einer anmut einher J. A. Naumann
naturgesch. d. vögel 8, 180. 7@bb)
ähnlich von einem langen dünnen menschen: a dörra stalzn Ruckert
unterfränkisch 174; stelze
grosze weibsperson Martin-Lienhart
elsäss. 2, 594
a;
auch als masc. stelz (
s. d.).
vgl.stelte, eyn mait
stelta v.
d. Schueren
Theuton. 376
Verdam. 7@cc)
seltener von dingen; als verkürzter vergleich: und so stehen ... wenn zwischen ihnen (
den wurzeln) der stock weggefault ist, die oberen wurzelenden der in dem stocke geborenen fichte frei in der luft: der baum steht auf stelzen Rossmäszler
d. wald (1863) 308.
vgl.stelzwurzel,
stelzenpalme. 7@dd)
alt ist die bezeichnung stelze
für den schmal auslaufenden teil eines ackers, einer wiese von der stelle an, wo das grundstück von der regelmäszigen gestalt des rechtecks abweicht, sich zuspitzender teil eines ackers. für die übertragung auf grund der form vgl. flurnamen wie gehre, zange
u. ähnl. anscheinend auf Schwaben und Elsasz beschränkt, vgl. Schmid
schwäb. wb. 509; Fischer 5, 1730; Buck
flurnamenbuch 269; Martin-Lienhart
elsäss. 2, 594
a,
s. auch stelzen,
vb., 3: zwen morgen ... mit der stelzen
württemberg. geschichtsquellen 7, 173 (
beleg v. 1378); auf der stelzun
Alemannia 9, 30 (1474); der moosacker mit stelzen
zs. d. hist. vereins f. Schwaben 6, 242 (1484); am herrenwasen mit zwei stelzen
Alemannia 9, 30 (1600); 22 morgen ... sampt einer stelzen an ... dan anderseits einer stelzen an Fischer 5, 1730 (1630); die in fremde fluren vordringende stälze Friedli
Bärndütsch 6, 51; 119; 210; so sollte hierbei (
abzäunung d. wälder) nicht 'steltzenswysz' verfahren werden: man sollte nicht 'allnen stälzen nachfaren', sondern dieselben mit einer schnur greden
ebda 4, 239 (
für 1780). 7@ee)
winkelförmige rinne auf marksteinen: oben (
auf den marksteinen) ist meist eine vertiefung quer durch den stein gezogen, die den lauf der grenze anzeigt ... wo die grenze einen winkel bildet, ist auch im stein eine winkelrinne eingegraben, auch winkelgrinne, winkelmesz-, hackengrinne, stelze genannt (
für Tübingen 1735)
württemberg. jahrbücher für statist. u. landeskde (1909) 1, 140;
vgl. Fischer
schwäb. 5, 1730: dieser stein hat aber auf dem kopfe eine steltzen oder sog. wenckelmess (
beleg von 1735)
ebenda. 7@ff)
mundartlich: stelz'n '
der untere teil der schenkel vierfüsziger tiere' Hügel
Wiener. 156;
als beliebtes gericht Schranka 164;
vgl. dazu nd. stilt
u. stilter
u. stelter
als '
bein, lende, keule, teil am schinken'
oben sp. 2279;
so vielleicht schon vereinzeltes steltz
suffrago (1482
Nürnberg)
bei Diefenbach
gloss. 565
b zu verstehen. 88) stelze
in sprichwörtern und redensarten; reich vertreten. 8@aa)
am häufigsten in der bedeutung '
grallae'
; verbreitet seit dem 16.
jh.: die kuh geht auf stelzen: der alt narr reit auff stecken, die kuow geht auff steltzen, der esel spilt auff der leiren. also magstu die red varieren, wann du wilt sagen, eim steht ein ding vbel an Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 47; E. Eyering
proverb. cop. (1601) 1, 282; das mir wurd glich als wol anston, als gieng ein kuo uff stAeltzen und wölt ein suw die luten schlan, das wär on zwyfel sAeltzen H. R. Manuel
weinspiel 40
ndr.; camelus saltat die kuow gehet uff steltzen Tappius
adag. cent. sept. (1545) 41
a; die kuhe will auf steltzen gehen
un goffo ed imperito intraprende cose pericolose M. Kramer
teutsch-ital. 2 (1702) 962
b; bei ihm geht die kuh auf steltzen
nimium sibi tribuit Aler 2, 1832.
im sinne von stelze 6
b α: ob gleich mancher auf steltzen stünde, so were er doch zu sachen und geschäfften zu kurtz Lehman
florileg. polit. (1662) 1, 38; mancher kommt auf stelzen herein und ist doch allen zu klein Wander 4, 827.
nach 6
b δ zu verstehen: wer auf stelzen gehet, musz nicht wette lauffen P. Winckler
gute gedancken (1685) 28.
am häufigsten nach stelze 6
b γ: indesz müssen wir leiden, dasz die laus im grinde sich dicke weide und im alten pelz auf stelzen gehe Luther
sprichwörtersammlung nr. 189
Thiele, vgl. Petri
d. Teutschen weiszheit (1604) 2, K k 3
r; schönheit geht auf stelzen
pulchritudinem fastus sequitur Stieler 2138; hoffart gehet auf stelzen Kramer
teutsch.-ital. 2 (1702) 962
b; dünkel geht auf stelzen Binder 38; er geht auf stelzen
ebda 189;
so auch mundartlich: op stelze goen
hochmütig sein lux. ma. 423
a; Follmann
lothr. 496; A. Peter
volkst. aus österr. Schlesien 452; Danneil
altmärk. 211
a.
mundartlich verbreitet zur bekräftigung einer absicht: und wenn der teufel auf stelzen ginge, vor allem im südwesten: s mues sī, und wenn de tüfel uf stelze gieng Hunziker
Aargau. 253; und wenn der teufel uf stelze kummt, hüt geh ich nit schaffen Martin-Lienhart
elsäss. 2, 594; Ruckert
unterfränk. 174; Askenasy
Frankf. ma. 37; ich nemm se doch, un wenn der deubel uf stelze geht E. E. Niebergall
dram. werke (1894) 177. 8@bb)
zu stelze 4 '
stelzschuh'
stellt sich: was gehst auff steltzen, dasz der stümpff schonst, und fällst gar in treck Fischart
Garg. 250
ndr.; was hilffts auf stelzen gehen, dasz man der strümpff schone und fellt darnach gar in koht Janus Gruter
florileg. (1610) 3, 99; Lehman
florileg. polit. (1662) 3481.
vor allem die im 16.
u. 17.
jh. verbreitete redensart einer laus ein stelzen machen '
sich übergescheit gebärden': er könde einer lausz ein steltzen machen. die klügling und witzbold, die einer jeden lausz ein schuh messen oder anthuon könden, sticht man mit diesen sprichwörtern Seb. Franck
sprüchw. (1541) 2, 34; er möcht einer lausz ein stelzen machen. wider die naszweisen, die fur yede flesche ein zapfen finden
ebda 1, 11
b; seit und die worhait ist verkört, so hon ich geitz gar bald geleert, wie ich der lausz ein steltzen mach, das aus dem seckli werd ein sack (1513)
welsch gattung v. 264
Waga; mach ein steltz der lausz und ziehe den nackenden ausz Fischart
praktik (1607) c 4
b; J.
V. Andreä
moral. ged. 199
bei Fischer
schwäb. 5, 1729; Binder 120.
hierhin auch: kan unser herr gott regnen, so können die bawren oder reichen auff steltzen gehen Petri
d. Teutschen weisheit (1604) 2, L l 2
a; es regnet nicht, wann die bauren auff steltzen gahn, es hat aber geregnet Fischart
Garg. 288
ndr.; ähnlich Lehman
florileg. polit. (1662) 3, 89; wer hat ein schwert in handen, dem tut kein degen leid, damit pflegts man zu anden, helts ander in der scheid, so musz man eim begegnen, all zeit in breitschafft stehn, meynt jener, er könn regnen, kan der auff steltzen gehn
bei Morhof
unterricht v. d. dt. spr. (1682) 394.
hierhin wohl auch eher als zu a: jemanden wieder auf die steltzen bringen: wann man einen entrüst ... wider stilt, ich hab jn wider in die nusz bracht, in sattel gehebt, auff die steltzen bracht S. Franck
sprüchwörter (1541) 2, 72
b; solten mir (
der podagra) derhalben billich alle weiber sehr danken, das ich jre grimmige ... männer so artlich widerumb auf die steltzen kan stellen, in den sattel heben und in die nusz pringen, daraus sie sonst kurzumb wie ain ungepaltene käst aus dem feur wolten springen Fischart
trostbüchlein 107
Hauffen. 8@cc)
zu stelze 1 '
stelzfusz': ein mann, der auff einer steltzen gehet, kan auch sein lück vertretten Lehman
florileg. polit. (1662) 2, 525
s. v. mängel; eine stelze von holz hat auch ihren stolz Wander 4, 827; wo die gefahr zu pferde sitzt, da mus die versicherung nicht auf stelzen gehen Butschky
Pathmos (1677) 672;
ähnlich H. A. v. Ziegler
asiat. Banise (1689) 458.
hierher auch seit dem 16.
jh. verbreitet: die zunge (
des trunkenen) geht auf stelzen (
vgl. die zunge, die rede hinkt Lexer 1, 1299; Stieler 763;
teil 4, 2, 1455): aber ich halt, das sey nit deyn ursach geweszen, szondern das sichs hat tzymet auff ein truncken abent solch latin zureden, zu der tzeit, wen die tzunge auff steltzen geht und die vernunfft mit halbem segel feret Luther 8, 639
W.; ach die beyn wöllen nicht mehr tragen, die sonn will jren schein versagen, die zung geht auff steltzen, sie stottert, der kopf schlottert Fischart
Garg. 148
ndr.; die zungen jm ob der steltzen, thut von eim ort ans ander weltzen J. Spreng
gürtel d. lebens (1564) 48
b;
in ähnlichen variationen noch bei Burkh. Waldis
päpstisch reich (1555) N n 3
b; Friedrich Wilhelm
sprichwörterregister (1577) F 1
a; A. Agricola
gutes aug (1629) 438; Hebsacker
trunk. 38
bei Fischer
schwäb. 5, 1729; Aler
dict. (1727) 2, 1832
b; Kirchhofer
schweiz. sprüchw. (1824) 172; Binder 211. 8@dd)
an stelze 2 '
krücke, stütze'
anschlieszend: das recht geht oft auf steltzen der ungerechtigkeit Lehman
florileg. polit. 2 (1662) 647. 8@ee)
alt ist die redensart einem die stelzen bestreichen, jünger beschlagen in dem sinne '
jem. ans leder gehen, ihm schaden zufügen',
vom 13.
bis ins 17.
jh. verbreitet und heute noch mundartlich. die entstehung der ra. noch nicht befriedigend erklärt: sî wellent ûf der strâze niemen einen fuoz entwîchen. hei, solt ich ir einem sîne stelzen dâ bestrîchen! Neidhart 62, 11
Haupt-Wiessner; sammir Durinkhart! in geriuwet diu vart, widerdröut er mir sô, daz er bestrîchen wil mir die stelzen, sô muoz er sich zorndrucke nieten
ebda, s. 255
Wiessner; nû ist er hie gewaltes rîch, ob er var mit uns ze Francrîch, da wirt im sîn stelze bestrichen wol Ulr. v.
d. Türlin
Willehalm 163, 11
Singer; wir süllen von hin entweichen. man wirt uns di stelz verstreichen, daz wir uns der arbait nit haben geflissen
Erlauer spiele 3, 930
Kummer; so mus mans solchen gesellen reichen, wenn man jhm wil die steltzen bestreichen
M. Hayneccius
Hans Pfriem 69, 2140
ndr.; heute noch mundartlich: dän wär'ch de stelz bestreiche '
seine sache verleiden, sein vorhaben vereiteln' Müller-Fraureuth
obersächs.-erzgebirg. 2, 560;
auch noch in der Wiener mundart, s. Wiessner
Neidharts lieder (1923) 250. — zuo Dermolden ... war ein spielmann, der mit seltzam schwencken, bossereyen und gauckelwerck über sich desz orts keinen meister, sondern einem jegklichen die steltzen zuo beschlagen wuszt Kirchhof
wendunmuth 1, 173
lit. ver.; wo sind die bawern, grobe rltzn? ich werd euch noch bschlagn die steltzn: ihr thut kein gut, ihr böszewicht, wann man euch nicht zu boden schlegt Y. Gilhusius
grammatica (1597) 73; es kan einer der lügen besser ein farb anstreichen vnnd die steltzen beschlagen als der ander Lehman
florileg. polit. 1, 509; sie kondten ihr begehren fur diszmal an hertzog Wilhelmen nicht erhalten: derhalben gedachten sie ihm anderwerts die steltzen zu beschlagen und brachten bey kayser Maximiliano so viel zwegen dasz er ... hertzog Johann Wilhelmen das halbe hertzogthumb entzoge J. L. Gottfrid
hist. chronica (1657) 894
b.
ebenfalls noch mundartlich erhalten: ich wer em die steltzen beschlan '
ich werde seinen übermut dämpfen' Schön
Saarbrücken 200
b; anem dö sdölze beschlaon '
derb zurecht weisen' Christa
Trier. 201.
vgl. auch unten stelzenbeschlager, stelzendengler. 8@ff)
auf stelze 5
scheint zu weisen: eyn gansz offir stelcze
aucamatuta (
i. e. id est lignum super quo sedent gallinae)
im voc. ex quo (15.
jh. md.)
bei Diefenbach
gloss. 59
b,
offenbar redensartlich. 99)
zusammensetzungen mit stelze
als erstem bestandteil erscheinen seit dem 14.
jh. (
s. u.)
in der form stelzen-
und stelz-,
oft bei demselben wort in beiden formen z. b. stelz(en)fusz, -gang, -läufer, -schritt, stelz(en)beinig
u. a. das zweite element ist überwiegend ein substantiv; im breiteren umfange erst seit 17.
jh. bezeugt, vorher nur wenige bildungen, z. b. stelzacker (1377);
im 16.
jh. stelzenhaar; stelzenbeschlager; stelzenschritt.
die adjectivcomposita, seit dem 17.
jh., treten demgegenüber stark zurück, vgl. z. b. stelzenähnlich, -artig, stelz(en)beinig, stelz(en)füszig, stelzenhaft, -hoch, -mäszig.
verbalcomposita sind selten, nur als subst. infinitiv eines verbums der fortbewegung z. b. stelzengehen, -laufen,
seit dem ende des 16.
jh. von den verschiedenen anwendungen von stelze
ist die bedeutung 1 '
holzfusz'
und 2 '
krücke'
durch die geläufigen bildungen wie stelzbein, stelzfusz (17.
jh.),
älter vereinzelt stelzer bein, stelzer fusz (14.
jh.), stelzentreter
vertreten; die bedeutung 4 '
stelzschuh'
mit bildungen wie stelzenabsatz, -artig, -mäszig, -fusz, -schuh (17.-19.
jh.),
die bedeutung 5 '
stütze'
mit bildungen wie stelzbogen, stelzfenster (16.
jh.), -pflug, -rad (19.
jh.)
u. ä. die weitaus überwiegende menge der zusammensetzungen stellt die bedeutung '
grallae',
unter denen neben den eigentlichen wie stelzenschritt (16.
jh.), -gänger, -lauf, -macher, -tritt, -fusz
u. ä., vor allem der bildliche gebrauch von 6
b β u. γ besonders in der literarischen sphäre hervortritt, schon im 17.,
besonders aber um die wende des 18.
zum 19.
jh., vgl. stelzenartig, -ausdruck, -gang, -haft, -hoch, -lauf, -manier, -poesie, -rede, -sprache, -stil, -ton, -werk, -wort
u. a. daneben hat die zusammensetzung mit stelzen-
im sinne von 7
a im 19.
jh. fachsprachliche bedeutung erlangt vor allem für vogelnamen (
vgl. stelzenartig, -gänger, -läufer, -füszig, -vogel, -geier, -lerche, -ralle, -füszler
u. ä.).
gelegentlich greift diese anwendung auch auf andere tiere über, vgl. stelzenechse, -läufer, -tierchen.