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Speer

nhd. bis spez. · 12 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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15 in 12 Wb.
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Speer

Bd. 18, Sp. 702
Speer (Spieß, Lanze), eine der allgemeinsten Angriffswaffen der Menschheit. Die Urform aller Spieße ist der einfach zugespitzte, event. vorn im Feuer gehärtete Stab. Derartige Urformen sind noch ganz allgemein in den metallosen Gebieten der Erde (Ozeanien, Australien, Tasmania, Amerika; s. Tafel »Indianische Kultur I«, Fig. 19); aber auch im metallreichen Afrika gibt es bei den Wassiba am Westufer des Victoria Nyanza noch reine Holzspieße, ebenfalls bloß aus Holz bestehende sogen. Kampfstöcke sodann bei den Konde am Nordende des Nyassa. Die Weiterbildung zum Spieß mit abnehmbarer Klinge ist in den metallosen tropischen Erdteilen durch Aufsetzen von Bambus auf Holz (Melanesien), Hartholz auf Bambus (Neu-Irland), zugespitzter Tierknochen (Kasuar in Neuguinea, Eskimo) und geeigneter Tierhörner auf Holz (Nubien), schließlich aber und ganz allgemein durch Anfügung besonders zugespitzter Steinklingen auf den pflanzlichen Schaft erfolgt. Derartige Spieße mit Steinklingen finden sich noch heute auf den Admiralitätsinseln (Obsidian), in Australien, bei den Feuerländern, den Eskimos; sie sind ferner bis in jüngste Zeiten gebräuchlich gewesen bei den Polynesiern und andern Naturvölkern; für die Steinzeit der Vorfahren der alt- und neuweltlichen Naturvölker sind sie geradezu charakteristisch (s. Steinzeit). Der Spieß mit an gefügter Metallspitze stellt gegenüber dem wegen der Zerbrechlichkeit des Materials doch immerhin primitiven Steinklingenspieß einen gewaltigen Fortschritt dar. Kupferklingen werden bei den Wahumavöltkern und im südlichen Kongobecken noch heute getragen. Sonst ist in Afrika und bei den Naturvölkern Südasiens und Indonesiens der Spieß mit Eisenklinge ganz allgemein, desgleichen bei den asiatischen Arktikern (s. Tafel »Malaiische Kultur II«, Fig. 10 u. 20). Man kann Stoßspeere und Wurfspeere (-Spieße) unterscheiden. Schwerer Metallbeschlag, wie im Kongobecken und vielen Teilen Afrikas, oder große Länge und Schwere, wie in Indonesien und Ozeanien, zwingen zum Stoß; während die entgegengesetzten Eigenschaften auch den Wurf mit bloßer Hand gestatten. Die Assagaie der Sulu ist ursprünglich Wurfspeer; erst seitdem der Sulufürst Tschaka um 1818 den Schaft verkürzen und versteifen ließ, ist er zum wirksamern Stoßspeer umgestaltet worden. In dieser Form haben ihn die meisten Völker Ostafrikas, bis mitten nach Deutsch-Ostafrika hinein, angenommen. Zur Erhöhung der Durchschlagskraft und zur Vergrößerung der Anfangsgeschwindigkeit des Spießes haben viele Völker Schleudervorrichtungen zu Hilfe genommen, und zwar Wurfbretter (Wurfhölzer, wie in Australien, Deutsch-Neuguinea, in Teilen Mikronesiens, bei den Eskimos, auf den Aleuten, im alten und neuen Mexiko, im nördlichen Andengebiete, im Quellgebiet des Schingu in Südamerika u. a.) oder Wurfschlingen (Rollriemen; auf Neukaledonien, Neuseeland, im Hinterland von Togo [Kabre, Loso, Pama], bei den alten Griechen [ἀγκύλη] und Römern [amentum], in Nordeuropa während der Bronzezeit etc.). – Die letzten Weiterbildungen des Speers betreffen die Zahl und die raffiniertere Ausgestaltung der Klingen, die Anbringung von Widerhaken, die bei manchen Völkern (Betschuanen, oberer Nil, Engano, s. auch Tafel »Chinesische Kultur II«, Fig. 10) den Charakterzug der Waffe ausmacht. Auf den Gilbertinseln und der Mattyinsel bestehen die Widerhaken aus angebundenen Haifischzähnen. Vorwiegend zu Jagd- und Fischereizwecken dienen die Speere mit mehreren Spitzen (Zweizack, Dreizack). Als Fischspeer ist ein derartiger Vielzack in allen Tropenländern verbreitet. Ablösbar oder biegsam ist schließlich die Klinge beim verbesserten Pilum der Römer und die Jagdlanze von Südcelebes. Die Harpune mit frei ablösbarer Klinge ist das Endglied dieser Entwickelung. – Der S., symbolisch das Zeichen der Macht, aus dem das Zepter hervorging, auch als Bezeichnung des Mannes als Krieger, diente bei den Germanen zum Stoß und Wurf (Wurfspeer) und bestand aus einer Holzstange zuerst ohne Klinge, dann mit 30–40 cm langer, breiter, zweischneidiger Eisenspitze. Um 600 n. Chr. wurde der Wurfspeer Ger genannt und war auch Waffe der Reiter. Die langobardischen Reiter waren berühmte Gerwerfer; das 841 bei Fontenay veranstaltete Speerrennen war der Ursprung der Hastiludien. S. auch Pike, Sponton, Framea, Lanze. Vgl. Jähns, Entwickelungsgeschichte der alten Trutzwaffen (Berl. 1899) und Handbuch einer Geschichte des Kriegswesens von der Urzeit bis zur Renaissance (Leipz. 1880, mit Atlas); v. Luschan, Wurfhölzer in Australien (in der Festschrift für A. Bastian, Berl. 1896); Krause, Schleudervorrichtungen für Wurfwaffen (im »Internationalen Archiv für Ethnographie«, Bd. 15, Leiden 1902).
4672 Zeichen · 48 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Spêêr

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Der Spêêr , des -es, plur. die -e, ein altes Wort, welches ehedem den Begriff der langen dünnen Spitze hatte, und daher …

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Speer

    Goethe-Wörterbuch

    Speer [bisher nicht online publizierter Wortartikel]

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Speer

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +1 Parallelbeleg

    Speer ( Spieß, Lanze ), eine der allgemeinsten Angriffswaffen der Menschheit. Die Urform aller Spieße ist der einfach zu…

  4. modern
    Dialekt
    Speerm.,, n.

    Mecklenburgisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    Speer m., a. Spr. n. Speer: 'Ik richtede dat sper in syn herte' Red. Ost. 413; se schrig't, as wenn se up 'n Speer steck…

  5. Sprichwörter
    Speer

    Wander (Sprichwörter)

    Speer 1. Kauf den Speer dir von der Seite oder trag' ihn. – Graf, 42, 137. Die Fehde zwischen der in einem ihrer Glieder…

  6. Spezial
    Speer

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Speer m. (-[e]s,-e) lanza (-zes) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit speer

95 Bildungen · 93 Erstglied · 1 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von speer

spern + -e + -er

speer leitet sich vom Lemma spern ab mit Suffixen -e und -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

speer‑ als Erstglied (30 von 93)

speerangriff

DWB

speer·angriff

speerangriff , m. angriff mit dem speer, mit speeren: des burghofs pflaster widerhallte vom schweren schritt der mönche, die in geschlossene…

speerbaum

DWB

speer·baum

speerbaum , m. , vom speer einer riesin: die riesin ist nicht faul den wolff ( auf dem sie reitet ) auch anzustechen, sie fast sich, und ged…

speerbehälter

DWB

speer·behaelter

speerbehälter , m. δουροδόκη . Pape griech.-d. handwb. 1 (1888) , 663 a . vgl. speerverschlosz.

speerberühmt

DWB

speer·beruehmt

speerberühmt , part : denn vor allen städten unter sonn' und mond und dem gestirnten himmel waren stets die fromme Ilion mir werth, und wert…

speerberühren

DWB

speer·beruehren

speerberühren , n. : kann gott erlauben, dass der albre wicht uns alle wirft bei'm ersten speerberühren? Gries Bojardo 1, 3, 17 .

speerbewacht

DWB

speerbewacht , part. : ich sasz auf speerbewachtem thron. Freiligrath 1, 41 .

speerbraten

DWB

speer·braten

speerbraten , m. , für spieszbraten: würst lenger dann ein spärpraten. Garg. 96 b . zur schreibung vgl. speer , m. I.

speerbrechen

DWB

speer·brechen

speerbrechen , n. das brechen des speers, von speeren im ritterkampf oder turnier, mhd. sperbrechen: wirt immer tjost mit hurtevon sperbrech…

speerbrecher

DWB

speer·brecher

speerbrecher , m. , im sinne des vorigen: ein tüchtiger mann unter ihnen ( den rittern ) konnte in seiner landschaft ebenfalls ansehen gewin…

speerdistel

DWB

speer·distel

speerdistel , f. die gemeine wegedistel, carduus lanceolatus (' die blätter sind lanzenförmig '). Nemnich 1, 879 , sperdistel, spina lanceam…

speereep

DWB

spee·reep

speereep , n. , in der seemannssprache ein tau, woran die boje eines heringsnetzes befestigt ist. Bobrik 646 a .

speereführer

DWB

speer·e·fuehrer

speereführer , m. : welch' gebürg erzog dich, stolzer speereführer? F. Müller 2, 310 .

speereisen

DWB

speer·eisen

speereisen , n. eiserne spitze des speers, mhd. sperîsen Lexer mhd. handwb. 2, 1081 : dar in ( in einem hemde, das Dietrich von Bern unter d…

speerelster

DWB

speer·elster

speerelster , f. der neuntöter, lanius excubitor. Campe, speerälster Nemnich, daneben sperälster 2, 323, speralster Höfer 3, 156 . Schm. 2 2…

speeren

DWB

spee·ren

speeren , verb. mit speeren schieszen: von den australischen wilden gespeert und gefangen. Gerstäcker blau wasser 27 . vgl. ahd. sperôn, lan…

speerenstich

DWB

speer·en·stich

speerenstich , m. der kreuzenzian, die kreuzwurz, gentiana cruciata. Nemnich 2, 35 , ' deren lange weisze wurzel zu beyden seiten kreutzweis…

speererfochten

DWB

speer·er·fochten

speererfochten , part. : da die sage scholl, du ( Ajas ) wüthetest auf den wiesen, und schlügst, ermordend mit strahlendem schwert, die heer…

speeresprall

DWB

speer·e·sprall

speeresprall , m. : du schlechter von schlechtem stamm, kommst du allein hieher zur schlacht, mutig zu dieser heeresmacht, so sei nun dein f…

speerfechten

DWB

speer·fechten

speerfechten , verb. mit dem speer fechten. göttingisch heiszt sperfechten, sparfechten, spârfechten, nicht wissen, wie man die zeit hinbrin…

speerförmig

DWB

speer·foermig

speerförmig , adj. die form eines speers habend, lanceatus ( in der botanik ). Illiger bei Campe.

speergasse

DWB

speer·gasse

speergasse , f. , beim spieszrutenlaufen: wer von den landsknechten im peinlichen malefizgericht zu bitterem soldatentod verurtheilt war, de…

speergefahr

DWB

speer·gefahr

speergefahr , f. : erweckt' er ( Ajas ) lebend ihre sehnsucht nicht, so thut er's todt in speergefahren einst. Stolberg 14, 221 .

speergeklirr

DWB

speer·geklirr

speergeklirr , n. geklirr der speere im kampf, speerkampf: Äneas, als er so die schlachtreihn ihn zerwühlen sah, schritt mitten durch's gefe…

speergemenge

DWB

speer·gemenge

speergemenge , n. , für speerkampf: im speergemenge war er ( ritter Bayard ) laut und wild. Stolberg 1, 291 ; die fürsten eures heers sind l…

speergenosse

DWB

speer·genosse

speergenosse , m. genosse in einer mit speeren bewaffneten schar: doch dem helden Berthar entging nicht die drohende gefahr, die nächsten sp…

speergesell

DWB

speer·gesell

speergesell , m. mit einem speer bewaffneter mann, krieger, namentlich hinsichtlich seines verhältnisses zu genossen und herrn. vgl. speerge…

speer als Zweitglied (1 von 1)

rippspeer

DWB

ripp·speer

rippspeer , n. , auch rippespeer oder ribbespeer. bezeichnung für gebratene schweinsrippchen. ursprünglich niederd.; zuerst in einem Wismare…

Ableitungen von speer (1 von 1)

gespeer

DWB

gespeer , n. coll. zu speer, die speere: er hies gar bald bringen her rosz, schilt, harnisch und sein gespeer. Sigenot (1490) a 3 a Schorbac…