Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
SCHŒNE adj.
1. hell, klar, glänzend. clarus scôner sumerl. 5,57. sullen eineme beseʒʒenem manne vor gebieten di wîle iʒ schône tac ist freiberg. r. 265. daʒ he daʒ guit gekôpht habi rechte unde redelîche bî schônime tage unde bî schîninger sunnen mühlh. rb. 34. vgl. 35. ouch sol man kein korn niht koufen bî der naht, wan niur bî schœnem liehtem tage H. zeitschr. 6,415. andere belege bei Haltaus 1641. ir (der sonne) schîn wart schœn, ir hitze guot Bon. 66,39. auch in anderen wendungen klingt diese bedeutung noch nach: ein sterne der was schôner unde liehter denne dehein sterne den got gescaffen hete spec. eccles. 38. ûʒ iegelîchem orte schein ein alsô gelpfer rubîn, der morgensterne möhte sîn niht schœner, swenn er ûf gât und in des luftes trüebe lât Iw. 32. dô was eʒ XII wuchen an einander schœn, daʒ eʒ einen tropfen nie geregnote zürch. jahrb. 65,17. vgl. Stalder 2,347.
2. rein, sauber, unverletzt. einem sîn meʒʒer schœn machen bildl. die kosten eines mahles für ihn bezahlen Oberl. 1430. doch hôrte man der sachen (anschuldigungen) den pâbist sich schône machin (se purgavit) Jerosch. 172. b. is umi abir di hant schône (von dem glühenden eisen nicht verletzt), sô sal man su ume besigile mit wachsi mühlh. rb. 32. ein schœner man ein unbescholtener, von der anklage freier: sô sullen di boten bekennen daʒ he ein schône man sî und daʒ man in nicht volbrengen muge freiberg. r. 207. he blîbet ein schône man zu rechte, darumme daʒ si ân rede und âne recht gesûchet haben das. 268. sonst ist ein schœner man auch ein vornehmer; vgl. Schmeller 3,369. tôtend mengen schœnen man zürch. jahrb. 70,33. daher schœne ehrendes beiwort in der anrede: schœner meister! Trist. 3534.
3. schœniu huote ist eine solche, wobei man mit dem gefangenen sorgfältig, schonend umgeht: umbe schœne huote wir geben michel guot, daʒ ir genædeclîchen an iwren vîenden tuot Nib. 249,3. vgl. weiter unten schône schonung.
4. schön, herrlich. ein schœne man Iw. 141. ein schœne wîp das. 107. 108. ein sô schœneʒ wîp das. 91. ein schœne magedîn Nib. 2,1. si gewunnen samt schœniu kint Parz. 826,9. ich sage iu von dem degne wie schœne der wart Nib. 21,1. schœne unde rîch Iw. 134. troj. s. 7. d. schœne und missewende frî das. s. 9. a. diu schœne Engelh. 1985. der gê nâch der schônen MS. 1,52. a. comp. ern erkunnete nie schœnern lîp Iw. 239. daʒ ich nie schœner kint gesach das. 20. dâ wonent tûsent man die vil schœner sint Walth. 116,10. superl. maget unde wîp, die schœnsten von den rîchen Iw. 11. die schœnsten liute Barl. 23,19 Pf. der schœnsten ritter ein Walth. 80,28. ich bin aller manne schœnest niht das. 115,36. schône unde schône, aller schônist ist sie MS. 1,53. a. — ein schœne pfert Parz. 274,2. ir ros diu wâren schœne Nib. 69,1. mehr belege bei Pfeiffer das ross 8,37 fg. — sîn schœne houbet Nib. 1008,2. ir schœneʒ antlütze das. 240,1. von rôtem golde ein schœne horn das. 892, 4. ein schœne palas Iw. 236. daʒ senfte vogel gedœne, daʒ süeʒe daʒ schœne Trist. 574. — ze schœner kunst diu güete Iw. 208. von sînen schœnen listen Nib. 437,3. in schôner tugent Pass. K. 6,15.
5. in besonderer anwendung. schœneʒ brôt weissbrot. s. schœnbrôt. er kou si tägelîch vür schœneʒ brôt Nith. 42, 31 u. anm. schœneʒ leder corduan Schmeller 3,360.