ruhm,
m. gloria. II.
Form. ahd. hrôm, hroam, hruom
und roam, ruom, rûm (Graff 4, 1138),
mhd. ruom, ruon,
md. rûm,
alts. hrôm,
mnd. und nnd. rôm,
mndl. und ndl. roem;
eine ableitung aus derselben germanischen wurzel hrô,
welcher auch altn. hrôþr,
ags. hrêð, hrôðor,
goth. hroþeigs
und das erste compositionsglied in deutschen eigennamen wie Hruodolf, Ruodfrid, Hruadpert (Graff 4, 1153)
entstammen; die bildungen führen zurück auf die indogermanische wurzel kar,
rühmen, gedenken Fick
4 1, 19.
die schreibung schwankt im 16.
und 17.
jahrh. zwischen ruom, rmb, rum, rhum
und ruhm,
die letztere hat sich seit dem 17.
jahrh. allgemein ergeben. IIII.
Bedeutung. II@11)
ursprünglich geschrei, besonders freudengeschrei, jubeln, jauchzen, in ahd. glossen für clamor (Graff 4, 1137).
im neuhochdeutschen ist das wort in dieser bedeutung veraltet; belege finden sich noch in der bibelsprache: also werden die erlöseten des herrn widerkeren und gen Zion komen mit rhum, und ewige freude wird auff jrem heubt sein.
Jes. 51, 11; rhüme du unfruchtbare, die du nicht gebierest, freu dich mit rhum und jauchtze, die du nicht schwanger bist. 54, 1; denn jr solt in freuden auszihen, und im friede geleitet werden, berge und hügel sollen fur euch her frohlocken mit rhum, und alle bewme auff dem felde mit den henden klappen. 55, 12; und ich wil wegnemen jre macht, dar auff sie trotzet, und jren rhum in klage verwandeln.
Baruch 4, 34. II@22)
später entwickelt zu der bedeutung ruf, gerücht: nit vast ein guoten ruom haben,
minus commode audire. Maaler 338
c; ewer rhum ist nicht fein.
1 Cor. 5, 6; und kompt .. ein guter rhum durch jr gemeinschafft und rede.
weish. Sal. 8, 18; einen kostfreien man, loben die leute, und sagen, er sey ein ehrlicher man, und solches ist ein guter rhum.
Sir. 31, 28;
pulcherrimus rumor hic de te exortus est, es ist hie ein gar ehrlicher rhum von dir entstanden. P. Apherdianus
methodus disc. form. lat. ling. (1601) 219; wenn dem ruhme (
gerücht) zu trauen ist. Adelung (
als veraltet). noch jetzt in der Aargauer mundart: er het de ruem, de best wi z'ha. Hunziker 212. II@33)
in engster bedeutung als guter ruf. sinnverwandt mit ehre (
lob, preis),
doch mehr die äuszere laute anerkennung betonend. in ahd. glossen gloria Graff 4, 1137;
mhd. sô mac diu küneginne vil lützel iht bejagen an dir deheines ruomes.
Nib. 455, 3
Bartsch; si berieten sich beide daʒ sî durch gotlîchen ruom ein rîcheʒ erzebistuom machten ûf ir eigen.
g. Gerhard 173. II@3@aa)
vielfach in den verbindungen nichtigen, eitlen, schlechten, falschen, echten, wahren, groszen, hohen, schönen, öffentlichen, edlen, unsterblichen ruhm haben, tragen, behaupten, bewahren, suchen, erwerben; der ruhm jemandes erschallt, ist bekannt; zum ruhme gereichen, ausschlagen
u. s. w. von gott und Christus: las meinen mund deines rhumes, und deines preises vol sein teglich.
ps. 71, 8; dis volck hab ich mir zugericht, es sol meinen rhum erzelen.
Jes. 43, 21; dein ist allein die ehre, dein ist allein der rhum, dein gnad mir täglich mehre, dein segen zu mir kum. Wackernagel
kirchenl. 3, 115, 4; die, so, als gottes eigentum stets preisen sollten gottes rhum. P. Gerhardt 15
Gödeke; ich herz und küsse wiederum aus rechtem treuen herzen, herr, deine händ und sage ruhm und dank für ihren schmerzen. 44; auch jene, die ihm (
Christus) nicht den ruhm des besten königs gonnten. Günther 34; wir werden uns bemühn durch wohlthun und studiren als wercke deiner hand des schöpfers ruhm zu zieren. 700; ich bin auf deinen ruhm beflissen, bisz dasz ich nimmer athmen kan. Drollinger 35; du bists, dem ruhm und ehre gebühret, und ruhm und ehre bring ich dir. du, herr, hast stets mein schicksal regieret, und deine hand war über mir. Gellert 2, 95.
von menschen: wer ruhm und ehr will erjagen, musz viel fahr und unfall wagen. Henisch 814, 51; man hat die lust, dasz man seine tugenden mit hohen ehransehen und unsterblichen ruhm begleitet siehet. Butschky
Pathm. 47; wolltest du der elende seyn, der den ruhm hat und nicht verdienet, ihn niederträchtig sucht und mit kriechender angst behauptet? Gellert 7, 76; er erhielt sich dabey im besitz des ruhmes eines gutartigen friedliebenden knaben. Wieland 15, 163; die emigrirten ... hetzten deshalb an den obersten behörden, denen aber zum ruhme zu rechnen ist, dasz sie in diesem wie in anderen fällen sich mit geziemender hoher ruhe und anständigem gleichmuth betragen. Göthe 30, 43; den rum und preis, musz ich ir geben. Gödeke-Tittmann
liederb. 32; bei diesen zwölf durchleuchting frawen mag man gar augenscheinling schawen, worinnen steh weiblich preisz und ruhm. H. Sachs
fastn. sp. 1, 209, 9
neudruck; der ist ein halber mensch, der sein unart verblümet mit seiner eltern rhum. Zinkgref
auserles. ged. 55, 6
neudr.; geliebter Rist! der du ... dir einen namen auch und ruhm hast können stiften. Rompler 160; die ehre krön sie (
die jungfrauen) schön, jhr ruhm bleibt nicht dahinden, geht mit dem himmel um, rührt bisz an himmel
an. Logau
sinnged. 2, 65, 58; drumb, wer jhm wünscht ein frey gewissen und ist auf ehr und ruhm bedacht, hofft auch des himmels zu genieszen, der habe seiner fleiszig acht! S.
Dach in den ged. d. Königsb. dichterkr. 215
neudruck; denn der hat angehört, mit was vor fähigkeit dein öffentlicher ruhm den preisz davon getragen. Günther 576; die seele des jünglings dürstete ruhm. Wieland 16, 33; geöfnet hat sie ihren fürstenhof in Brüssel allen kämpfenden partheien und zu vermitteln ist ihr schönster ruhm. Schiller 15
1, 240; wohl fechten die andern tagaus, tagein, doch sind sie des skalden vergessen, und werden einst selber vergessen sein, so kühn sie des ruhms sich vermessen. Geibel 1, 64; lockt's dich nun nicht, zurück es zu gewinnen, das schöne vorrecht; dir zum höchsten ruhm und allem volk zum segensreichen frommen? Grillparzer 6, 10.
von unpersönlichem: ein besonderer ruhm war bei dem allgemeinen statwesen, dasz der rathskeller ... zwei stuben hatte. Riemer
polit. maulaffe 136; sie (
Luise von Voss) kann daher, was ihr zu hohem ruhm gereicht, mit keinem modernen gedicht aus ihrem fache, sondern musz mit griechischen mustern verglichen werden. Schiller 10, 489; aber kannst du auch den ruhm seiner und seiner väter thaten tödten? Klinger 5, 394; ich weisz ein blum, hat groszen rum, sie wechst im grünen felde. Gödeke - Tittmann
liederb. 32; deine liebe wangen halten mich gefangen, diesz dein augen-liecht und dein ruhm der sitten hatt mein hertz bestritten, dasz es fast zerbricht. Celadon
in den ged. des Königsb. dichterkr. 143
neudruck; weil häupter, die den ruhm der wissenschaften schützen, so grosze dinge thun, als die im helme blitzen. Günther 774; des grünen lenzen ruhm erhöhn. Hagedorn 3, 99; nichts von den weltlichen geschichten zu sagen, sehn wir nicht sogar das heilge buch den ruhm der weibertreu' von anbeginn vernichten? Wieland 22, 287; seit ich (
Friedrich der grosze) entschlief, war niemand wach geblieben; und Roszbachs ruhm ging unter in der Saale. Rückert 1, 13; es war ein alter eichenwald, desz ruhm in aller welt erschallt. 1, 109. II@3@bb)
in poetischen bildern, wobei auch mehrfach mehr oder weniger deutliche personification auftritt: denn wer ist unser hoffnung oder freude, oder kron des rhums? seid nicht auch jhrs fur unserm herrn Jhesu Christo, zu seiner zukunfft? 1
Thess. 2, 19; aber zu was ende diese vielschreiberei? welche frage! als wenn man sich nicht mit aufgethürmten büchern den thron des ruhms erbauen müszte. J. Paul
grönl. proz. 1, 23; denn eures ruhmes lorbeer-äste, worüber sich der neid erboszt, verwelcken von dem geiffer nicht, den viel verwegne mäuler werffen. Günther 438; sieh, der riese schrumpft durch dich (
Laura) zum zwerge, weggehaucht die aufgewälzten berge, zu des ruhmes sonnenhöhn. Schiller 1, 259; wie tanzte vor des lebens wagen die luftige begleitung her! die liebe mit dem süszen lohne, das glück mit seinem goldnen kranz, der ruhm mit seiner sternenkrone, die wahrheit in der sonne glanz! 11, 29; über ihm schwebte der ruhm von seiner weisheit, und legte willige völker zu seinen füszen. Wieland 16, 6; ihre männliche brust, zu geduld und arbeit gestählet, trotzte dem schmerz, dem hunger, dem frost, der glühenden sonne, jeder gefahr und jeder gestalt des blutigen todes, wenn die posaune des ruhms in ihren ohren ertönte. 10; lorber ward dem lyr'schen ruhme dargebracht auf Hellas flur. Platen 24; sie schlafen auf des ruhms erhabnem bett.
Shakesp. Titus Andronicus 3, 1; ha, dacht ich, ruhm, du mordgesell, kömmst nur als leichenhuhn geflogen! A. v. Droste - Hülshoff 1, 214; dem lauscher wird ums herz so bang, als hätt' er im geläut vernommen jetzt seines ruhmes grabgesang. Lenau 2, 244; ich raube meinem volke nimmer, was ich ihm gab, den stern des ruhms. 264; der könig auf erobrerpfaden verfolgt ein falsches heldenthum, der eitle will im blute baden das neugeborne kindlein ruhm. 274; weh dir, verruchter mörder, du fluch des sängerthums! umsonst sei all dein ringen nach kränzen blutgen ruhms. Uhland
ged. 392; ein bisz nur in des ruhmes goldne frucht .. reiht dich auf ewig zu den stillen schatten. Grillparzer 3, 191; der aar des ruhmes zieht in treuen kreisen um seine stirn. Freiligrath 2, 17. mit ruhm krönen, bekränzen; sich mit ruhm decken, bedecken;
vgl.ruhmbedeckt, -bekränzt, -bekrönt. II@3@cc)
das wort wird auch übertragen auf den gegenstand oder träger des ruhmes und bezeichnet das, was man preisen musz oder was einem anerkennung verschafft: denn du bist der rhum jrer stercke, und durch deine gnade wirstu unser horn erhöhen.
ps. 89, 18; denn wir sind ewer rhum, gleich wie auch jr unser rhum seid.
2 Cor. 1, 14; jr seid mein rhum und trotz, meine freude und ehrenkrantz am tage des herrn. Luther 6, 54
b; ihr menschen bawet einen tempel für den, der aller fürsten ruhm. Weckherlin
bei Zinkgref
auserles. ged. 37, 2
neudruck; ich will mich dir, mein höchster ruhm, hiemit zu deinem eigenthum beständiglich verschreiben. P. Gerhardt 70
Gödeke; o mein ruhm, edle blum, lasz dich recht genieszen. 157; der mensch, der schöpfung ruhm und preis, ist sich ein täglicher beweis von deiner güt und grösze. Gellert 2, 146; sprich, preisvoller Odysseus, erhabener ruhm der Achaier, wie ihr doch die rosse gewannt? Voss
Ilias 10, 544. II@44)
in subjectiver wendung tritt der verbale sinn hervor '
das rühmen, prahlen von sich selbst und anderen',
jactantia, elatio u. s. w. Graff 4, 1137
fg. Dief.
gloss. 50
c. 403
a: bis daʒ ein ruom von im geschach, dâ mite er sînen prîs zerbrach.
g. Gerhard 75; den (
preis) hât dîn ruom geneiget: dîn guottât ist gesweiget durch dîn itwîʒe grôʒ. 531. II@4@aa)
von der bedeutung '
prahlerei, eigenes rühmen'
finden sich auch im neuhochd. noch beispiele: vergebener ruom oder eytele üppige eer,
inanis jactantia Maaler 338
c; nu aber rhümet jr euch in ewrem hochmut, aller solcher rhum ist böse.
Jac. 4, 16; eygener ruom stet nyemand wol an dann dem alter. S. Franck
sprichw. 1, 90
a;
aber dialektisch lebt das sonst eben nicht volksthümliche wort sogar vorzugsweise in dieser bedeutung fort: niederdeutsch brem. wb. 3, 523 (
vgl. auch Schiller-Lübben 3, 504
a),
bair. Schm. 2, 99.
erhalten hat sich ferner die formel ohne ruhm zu melden, sagen (
vgl. Müller-Zarncke 2
1, 808
b):
id citra arrogantiam dico, procul absit arrogantia, absit verbo invidia, das sage ich ohn ruhm, ohn vermessenheit. Petr. Apherdianus
methodus disc. form. lat. ling. (1601) 12; ohne ruhm zu melden,
absit jactantia dictis. Frisch 2, 134
c; mein Bunzlaw, ohne ruhm zu sagen, die erzieherinn vieler stattlichen, berühmbten leute. Opitz
poeterey 124
Witkowsky; alles schadens ungeacht', den dadurch mein leib bekommen, hab ich, ohne ruhm gesagt, an erfahrung zugenommen. Günther 804. II@4@bb)
auch mit ruhm
heiszt bei Maaler 338
c und Stieler 1637
noch jactanter, ruhmsüchtiglich,
wird aber später nur noch im sinne von rühmlich, so dasz man rühmt, gebraucht (
unten c): hiermit kam er auff unterschiedene fragen, und befand, dasz der mensch sehr wohl qualificirt war, ein und ander vornehmes ampt mit ruhm zu verwalten. Weise
erzn. 177
neudruck; zum dichter machten dich (
Hoffmannswaldan) die lieb und die natur. o wärst du dieser stets, wie Opitz, treu gewesen! du würdest noch mit ruhm gelesen. Hagedorn 1, 113; niemand als du, der ihn mit ruhm geführt, soll diesen krieg, den fürchterlichen, enden. Schiller
Wallenst. tod 3, 15. II@4@cc)
im sinne von '
lob, lobrede'
selten, aber noch heute im gebrauch: denn was ich fur jm von euch gerhümet habe, bin ich nicht zuschanden worden, sondern gleich wie alles war ist, das ich mit euch geredt habe, also ist auch unser rhum bey Tito war worden.
2 Cor. 7, 14; erzeiget nu die beweisung ewer liebe und unsers rhumes von euch. 8, 24; da werde ich euch erfür ziehen, das jr meine zeugen sein müsset, und meinen rhum war machen. Luther 6, 54
b; der münch, so sich ... eines groszen ruoms von jr gewertig was, fand ein gar verachtliche antwurt. Wickram
rollwagenb. 114, 25; die mutter war unerschöpflich im ruhme des vornehmen wesens (
des herrn von Fink). Freytag
soll u. haben 1, 354; ihr jungfern, hört mir zu, doch fasset die geberden und meint durch meinen ruhm nicht stoltzer wo zu werden! Logau 2, 64, 58; Carl ist es, dem der ruhm der saiten vor allen überhaupt gebührt. Günther 157. II@4@dd)
manchmal geradezu für ehrgeiz, ruhmsucht: die allgemeine leidenschaft ist nicht der ruhm! in meinem vaterlande zum mindsten nicht. denn ach! der Deutsche rafft nach golde nur. was kümmert ihn die schande? Göckingk 3, 122;
Bliomberis: doch, ist die ruhmbegier nicht lasterhaft?
Rhampsinit: es kommt drauf an, was man sich denkt dabei. gemüter giebt's, die einem ganzen volk, die einer welt zu dienen sich erdreisten, und wünschen, theuer ihr zu sein. daraus entsteht ein gegenseitiges verhältnisz. der ruhm ist auch nur eine liebe, doch die liebe groszer herzen; denn sie geht nicht mehr vom einzelnen zum einzelnen. Platen 205
a.