reichlich,
adj. und adv. in reicher weise; reychlich, reylich, reichtlich
opipare Dief. 397
c; reichlich
largus, reichlichen, reilichen
regie, large, liberaliter Dasyp.; reychlich, uberflüssigklich, gnügsamlich, völligklich Maaler;
mhd. rîchelîch, rîlîch,
adv. rîlîche, rîlîchen,
ahd. rîhlîch,
adv. rîhlîcho,
ags. rîclîc,
adv. rîclîce,
altn. rîkuligr,
adv. rîkuliga,
dän. rigelig,
schwed. riklig,
mnd. rîkelîk, rîklik,
adv. rîkelîken, rîklîken. 11)
nach ursprünglicher bedeutung, einem herscher, gewaltigen gebieter angemessen, nach art eines solchen, mächtig, gewaltig, reich: ahd. rîchlîcha
regalem Steinmeyer - Sievers 1, 787, 18;
ebenso ags.: on ðam dagum rixoðe Aeþelbyrht cyninc on Cantwarebyrig rîclice. Aelfr.
hom. 2, 128; daz er diz ärmeclîche leben solde lâzen unde begeben und aber rîlîche næme sîn künecrîche.
Barl. 377, 37.
daher 1@aa)
prächtig, stolz, stattlich, kostbar: rilich
egregius Dief.-Wülcker 817; rîlîche huop er aber an einen senelîchen leich als ê.
Trist. 3612; er hieʒ in dô berâten mit rîchelîcher wæte. 4063; nû ginc dî frouwe hêrlîche alse ir gezam, rîlîche in ir gewande.
Elisab. 2295; da hett der May sein gezelt so reylich uff geschlagen. Hätzlerin 2, 20, 28; der marschalch sol haben ain reichlich ros.
regel des spitals zu Jerus. Schmeller 2, 19
Fromm.; Bisin, das ist ain herlich, reichlich und guet schlosz.
d. städtechron. 5, 142, 18;
später verschwunden. 1@bb)
ins üble gewendet, üppig, hochmütig: so bald dir gefalt ein unküscher oder reichlicher gedanck. Keisersberg
irrig schaf E
b; damit er dich zornig mach und reichlich.
emeis 56. 22)
da die milte
für die vornehmste tugend des germanischen fürsten gilt, so nimmt rîchlîch
die besondere bedeutung freigebig, in fülle spendend oder hingebend, an: der biber ist rîlîcher vil dan gnuoge herren schînen. K. v. Würzburg 400, 331
Bartsch; weil einer arm ist sô ist er reilicher dann so er reich würt; sô bald si reich werden, sô seint si zech. Keisersberg
narrensch. (1520) 168
b; ist er nit bey weylen karg? nein sunder auffs geüdischt reychlich. Hutten 4, 38, 27
Böcking; (
gärten) an welchen die natur nicht wenig hat gebaut und reichlich sich erzeigt. Opitz
ged. 1, 61;
in dieser bedeutung wird das adjectiv im späteren nhd. nicht mehr verwendet, sondern ausschlieszlich in dem sinne von copiosus, amplus, abundans: gott aber kan machen, das allerley gnade unter euch reichlich sei.
2 Cor. 9, 8; denn gott in dieser groszen welt, die gewohnheit sonderlich helt, das was dem einen theil gebrist, gar reichlich an eim andern ist. Rollenhagen
froschm. Ee 3
b; da der stifft so reichlich ist, das es disz summ, on beschwerd der underthonen ertragen mag. S. Franck
chron. (1531) 376
a; er hatte von jugend auf eine reichliche lebensart genossen: denn seine eltern waren wohlhabend. Göthe 15, 177; und da die officiere auch stark auf sie eindrangen, und sie sich in einem so reichlichen elemente befand, fiel es ihr ein, auch einmal die spröde zu spielen. 18, 279; von dieser ausbeute und reichlichem stoff an menschenkenntnisz, gegenden, kunstwerken und kunstresten. 32, 91; reichliche gabe, reichliche nahrung, ein reichliches mahl, reichliches einkommen; eine reichliche stunde zu etwas brauchen;
von körperlicher fülle: er war von hoher statur und reichlicher körpergestalt. Göthe 38, 232.
als adv. large, abundanter; die vorstellung des milde spendenden bleibt zum theil gewahrt: hastu viel, so gib reichlich.
Tob. 4, 9; und wie wol sie seer arm waren, haben sie doch reichlich gegeben in aller einfeltigkeit.
2 Cor. 8, 2; gott, der uns dargibt reichlich allerley zu genieszen.
1 Tim. 6, 17; zweierlei bitt ich von dir, zweierlei trag ich dir für, dir, der alles reichlich gibt, was uns dient und dir beliebt. P. Gerhard 80, 1
Gödeke; dem frommen mönch, der für sein kloster sammelt, gieb reichlich und entlasz ihn wohl gepflegt. Schiller
Tell 1, 2; den geist, der in euch wohnet, gelüstet wider den hasz und gibt reichlich gnade.
Jac. 4, 6; gott erzeigt mir reichlich seine güte.
ps. 59, 11; also werden wir auch reichlich getröstet durch Christum.
2 Cor. 1, 5; nach dem reichthum seiner gnade, welche uns reichlich widerfaren ist.
Ephes. 1, 7; die gleubigen behüt der herr, und vergilt reichlich dem, der hohmut ubet.
ps. 31, 24; auff das ir alles reichlich habt.
1 Cor. 14, 12; das ich das wort gottes reichlich predigen sol.
Col. 1, 25; darumb erbarmet er sich deste reichlicher uber sie.
Sirach 18, 11; ain volle garb gibt reilich korn.
fastn. sp. 748, 4; gesell, darauff thu reichlich zeren! hab grosz bancket und gasterey! H. Sachs
fastn. sp. 1, 111, 345; henget ein yeder eine härings-nase auf den ermel, darvon er dann die gantze fasten seine narunge nimpt und sich reichlich erhelt. Lindener
Katziporus 185
Lichtenstein; darinen hast gewunen zwar reichlich an ainer iden war. H. Sachs
fastn. sp. 2, 78, 243; in dem vertrawen, das er dir alles reichlich wil erstatten. Luther 4, 409
a; und wie gott so reichlich sein gnad an uns meusen bewiesen hat. Rollenhagen
froschm. H 1
a; das soll, weil ich hie leb auff erdn, gar reichlichen vergolten werden. Ayrer 193
b (962, 12
Keller); hat er uf gthon den schatz und brunnen, darin der ablosz leit verschloszen, hat den reilich umb gelt usz goszen. Schade
sat. u. pasqu. 2, 222, 936; gleich hebens an zu wohnen in also frischem sitz, und reichlich den belohnen, der sie nimmt in besitz. Spee
trutzn. 100, 89
Balke; ach, schütt und geusz sie (
die weisheit) reichlich aus in meines herzens armes haus! P. Gerhard 262, 75; unser leben wehret lang genung, und ist uns menschen zur verrichtung groszer geschäffte reichlich satt gegeben und mitgetheilet. Finkelthaus L 5
a; reichlich dampfen mir altäre. Schiller 1, 314; da ich die tausend blumen brach, die alle thäler reichlich füllten. Göthe 12, 15; das lied, das aus der kehle dringt, ist lohn, der reichlich lohnet. 1, 179; ach! die scheitel umwallt reichlich die locke nicht mehr. 1, 330; Hatem Zograi nicht, der reichlichst lebende von allen dichtern, möcht' ich sein. 5, 143; seht hier, o hin! wie's reichlich quillt. 41, 50; reichlicher flieszen bächlein zumal. 1, 90; der könig ruft sie, reichlich auszustatten gedenkt er sie. Uhland
ged. 460; der theil des volkes aber, welcher in den alten sitzen geblieben war, lebte seitdem reichlich auf den geräumten äckern. Freytag
bilder 1, 65.
etwas anders gewendet im sinne von ausreichend: das ich die lateynische spraach, gott sei lob und danck, gantz wol verstehe und reychlich verdolmetschen könne. Lindener
Katziporus 179
Lichtenstein; rechnerisch: es ist reichlich so viel als ..; reichlich eine stunde; zu dem latz nam man ausz sechtzehen ballen ein viertheyl, reichlich gerechnet. Fischart
Garg. 114
b; so kündte er reichlich tausent wolgerüster mann drunter verbergen. Lindener
Katziporus 182
Lichtenstein.