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pflücken

nhd. bis spez. · 10 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

pflücken verb.

Bd. 13, Sp. 1771
pflücken, verb. carpere, decerpere, plumare. mhd. pflücken, md. pflucken, pflocken (s. oben), mnd. nd. plucken, plukken; ags. pluccian (decerpere, plumare Leo 522, 6), engl. to pluk; altn. plokka (vögel rupfen). das wol auch aus nd. gebiete eingedrungene, seinem ursprunge nach dunkle wort ist den oberdeutschen mundarten (wie pflock) fremd geblieben. vgl. Fick3 3, 167. Kluge 254a. Diez4 247. 11) spitz angefaszt ausziehen, zupfen, rupfen (haare, federn): er pfluct' den bart an sîme kin. Konrad Alex. 74, 405 Maszmann; wir wellen in die vederen pflucken. livl. chron. 5512; sie pflückten eilig dem hasen das fell und speisten mit gutem behagen. Göthe 40, 99; ein huhn u. s. w. pflücken, ihm die federn ausrupfen: die birkhühner und entvögel pflücken. Colerus 2, 76a; die churländische bauren pflücken ihre gänse auszerhalb des hauses in der freien luft. hausbuch 364; das pflücken der alten schwäne findet erst im monat august statt. Kölner zeitung vom 9. mai 1887, zweites blatt; welche machen, dasz uns Frankreich drückt und die verstellte kröt' oft unsern adler pflückt. Wernike überschriften 7, 4; figürlich mit einem ein huhn, ein hühnchen pflücken oder rupfen, ihn worüber zur rede stellen, etwas mit ihm ausfechten theil 42, 1876 f.; einen pflücken (wie ausziehen Göthe 1, 210, rupfen), ihn fein und schlau plündern, ihm das geld abnehmen: die juristen .. werden euch, wenn sie euch lange gepflücket, und eine feder nach der andern auszgezogen haben, kein gut wort geben. Schuppius 304; sie haben ihn ziemlich gepflükt. Hennig preusz. wb. 184; ihn aber pflückten sie (beim spiele), ohn erbarmen, obwol sie ihn von zeit zu zeit gewinnen lieszen. Hermes Soph. (1776) 5, 355. 22) an etwas ziehen, zupfen: sie pflückte und zupfte an ihren kleidern. Engel 12, 340; (die nachtigall) pflückt angstbetäubt am netze (worin ihr junges gefangen ist), zieht des todes netz nur fester zu. Herder 1, 377 H. 33) in stücke zupfen, reiszen, schneiden: semmeln pflücken, brot in die milch pflücken u. s. w. Adelung (semmeln in frische milch einpflocken Stieler 1448); ein gepflückter (zerstückter, von den gräten befreiter und gedämpfter) hecht Adelung; plukkfisk, gehackter stockfisch. brem. wörterb. 3, 343; gepflückte finken, ein norddeutsches fleischgericht, s. Schütze holst. id. 3, 221, spyse van ghepluct vleisch of geplucte vineken, tucetum Dief. nov. gloss. 373b (vom j. 1500). 44) durch pflücken (wegnahme des unbrauchbaren) reinigen: wolle, salat, petersilie u. s. w. pflücken Adelung. 55) jetzt am geläufigsten im sinne von abpflücken, abbrechen, brechen (8). 5@aa) absolut: schau, wie sie sich geschäftig bückt, und pflückt (veilchen), und unersättlich pflückt, ihr kleidgen füllt, ihr haar bekränzt. Drollinger 311; freue dich, auch ohne zu pflücken, manches blümchens. Stolberg 2, 151; aber bückend mich danieder ging ich pflückend hin und wieder. Rückert 6, 280. 5@bb) transitiv, blumen, blätter pflücken: die blumenkörbe voll (von blumen) zu pflücken. Wieland Oberon 12, 11; so erfreuet uns ein veilchen, das man früh im märz gepflückt. d. j. Göthe 1, 112; pflücke das blümchen auf dem wege. Stolberg 2, 151; glücklich, wenn du immer pflücktest jede blume, .. wie der ort sie bot. Rückert 4, 14; wenn du die blume pflückst, ist sie gebrochen, wenn du das glück genieszt, ist es verschwunden. Grabbe 1, 389; jammer und herzleid ... über das hinscheiden der schönen Blanca, die wie eine hundertblättrige rose von räuberischer hand gepflückt wurde, weil sie die zierde des gartens war. Musäus märchen (1815) 1, 131, vergl. 6; einen kranz, einen strausz (blumen zu einem kranze, strausze) pflücken: ihr schönen frauen pflückt einen kranz. Hölty 156 Halm; kommen die mädchen .., sich festliche sträusze zu pflücken. Rückert 6, 304. früchte pflücken: ich will nicht undankbar eure (der bäume) früchte pflücken, sie seien der lohn meiner sorgsamen pflege. Geszner 1, 58; es ist nöthig, dasz nichts gepflückt werde, ehe es reif ist. Göthe 16, 155; gleich wie ich Johannistrauben zu pflücken und quetschen zu schütteln mir ehedessen wünschte. an Kestner (1773) d. j. Göthe 1, 363; auf einem apfelbaum sasz ein dienender bruder, pflückte die äpfel und sammelte sie in körbe. Scheffel Ekkeh. 44; eure bäcklein sind roth, wie granatäpfel, die des pflückenden harren. 72; dann ist die rechte zeit die eicheln zu pflücken. Stilling georg. 1, 205; erdbeeren pflücken u. dergl.: sie pflegte für die tafel ihres vaters ... ein körbchen waldkirschen oder erdbeeren zu pflücken. Musäus a. a. o. 2, 14. 66) oft in übertragenem sinne (nach 5): von der rose meines herzens pflücktest (du) blätter. Göthe 3, 237; mit leeren händen pflückst du keinen hoffnungsstrausz. Rückert Bostan 52, 18; mit süszer gier im liebesbette .. der zarten schönheit blume zu pflücken. Heinse Ardingh. 1, 122; das verliebte paar .. das lüstern ist verbotne frucht zu pflücken. Wieland Oberon 6, 32; wo wir, für lorbern, küsse pflücken. werke 10, 178; wo liebe träumend ruhet an weibesbusen der heisze jüngling, küsse vom munde pflückend. Kinkel ged. (1857) 96; du konntest meine unschuld, mein glück, mein leben so zum zeitvertreib pflücken und zerpflücken. Göthe 10, 183; und dünkelt ihm, es wär kein ehr und gunst, die nicht zu pflücken wär. 12, 134; glücklich, wenn du immer .. pflücktest jede freude, wie der ort sie bot. Rückert 4, 14; pflücke lust, eh sie verblüht. 6, 298; die erde spricht: in meinen schoosz gepflückt hat mir der tod das mägdlein, das ihr misst. 4, 96; wie du (geier), athmender blitz, zu boden niederzückest, und mit den krallen scharf ein warmes leben pflückest. Lenau (1880) 1, 160; es war ein herrlich wandern; vom klippenast des kalkes, vom schwarzen beet des abgrunds hab ich gepflückt gedanken. 172.
5787 Zeichen · 128 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Pflücken

    Adelung (1793–1801) · +2 Parallelbelege

    Pflücken , verb. reg. act. 1) Mit den Spitzen der zwey vordern Finger ausziehen, wo man es besonders im Oberdeutschen, u…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    pflücken

    Goethe-Wörterbuch

    pflücken 1 abtrennen, abnehmen a eine Blume am Stiel abbrechen, häufig als Zeichen der Liebe; auch in Bildern des sorglo…

  3. modern
    Dialekt
    pflücken

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    pflücke n [plìkhə Reipertsw. ; plekə Wh. ] pflücken.

  4. Sprichwörter
    Pflücken

    Wander (Sprichwörter)

    Pflücken 1. Plück diu diän, iek wel düen sghiären (scheren), sach äin Awekoate tiegen (gegen, zu) den annern, doa hadde …

  5. Spezial
    pflücken

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    pflü|cken vb.tr. 1 cöie (cöi, coiü) 2 (ernten) cöie (cöi, coiü), racöie (racöi, racoiü). ▬ Blumen pflücken cöie ciüfs; Ä…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit pfluecken

5 Bildungen · 0 Erstglied · 1 Zweitglied · 4 Ableitungen

pfluecken als Zweitglied (1 von 1)

abpflücken

DWB

abpflücken , decerpere, mit den fingern, zumeist dem daumen und zeigefinger abbrechen, abrupfen, abzwicken, nnl. afplukken, engl. pluck off.…

Ableitungen von pfluecken (4 von 4)

bepflücken

DWB

bepflücken , avellere, decerpere: schnee, der drücket denn der langen äste höh der erde zu, dasz jeder sie bepflücket. Schönborn bei Gryphiu…

entpflücken

DWB

entpflücken , decerpere, nnl. ontplukken. im voc. 1482 g 4 b entpflocken, wie auch nnl. ontplokken vorkommt: viel pflanzen hat er schon entp…

verpflücken

RhWB

ver-pflücken: 1. a. Runkelrüben v., einzelne überflüssige Pflänzchen ausreissen Ahrw-Gelsd Kräling Vettelhv , Rheinb-Fritzd . — b. en verplö…

Zerpflücken

Campe

Zerpflücken , v. trs . pflückend zerreißen, zerstören. Eine Blume zerpflücken . Ein Raubvogel zerpflückt seine Beute, wenn er die Haare, Fed…