pflücken,
verb. carpere, decerpere, plumare. mhd. pflücken,
md. pflucken, pflocken (
s. oben),
mnd. nd. plucken, plukken;
ags. pluccian (
decerpere, plumare Leo 522, 6),
engl. to pluk;
altn. plokka (
vögel rupfen).
das wol auch aus nd. gebiete eingedrungene, seinem ursprunge nach dunkle wort ist den oberdeutschen mundarten (
wie pflock)
fremd geblieben. vgl. Fick3 3, 167. Kluge 254
a. Diez
4 247. 11)
spitz angefaszt ausziehen, zupfen, rupfen (
haare, federn): er pfluct' den bart an sîme kin. Konrad
Alex. 74, 405
Maszmann; wir wellen in die vederen pflucken.
livl. chron. 5512; sie pflückten eilig dem hasen das fell und speisten mit gutem behagen. Göthe 40, 99; ein huhn
u. s. w. pflücken,
ihm die federn ausrupfen: die birkhühner und entvögel pflücken. Colerus 2, 76
a; die churländische bauren pflücken ihre gänse auszerhalb des hauses in der freien luft.
hausbuch 364; das pflücken der alten schwäne findet erst im monat august statt.
Kölner zeitung vom 9.
mai 1887,
zweites blatt; welche machen, dasz uns Frankreich drückt und die verstellte kröt' oft unsern adler pflückt. Wernike
überschriften 7, 4;
figürlich mit einem ein huhn, ein hühnchen pflücken
oder rupfen,
ihn worüber zur rede stellen, etwas mit ihm ausfechten theil 4
2, 1876
f.; einen pflücken (
wie ausziehen Göthe 1, 210, rupfen),
ihn fein und schlau plündern, ihm das geld abnehmen: die juristen .. werden euch, wenn sie euch lange gepflücket, und eine feder nach der andern auszgezogen haben, kein gut wort geben. Schuppius 304; sie haben ihn ziemlich gepflükt. Hennig
preusz. wb. 184; ihn aber pflückten sie (
beim spiele), ohn erbarmen, obwol sie ihn von zeit zu zeit gewinnen lieszen. Hermes
Soph. (1776) 5, 355. 22) an
etwas ziehen, zupfen: sie pflückte und zupfte an ihren kleidern. Engel 12, 340; (
die nachtigall) pflückt angstbetäubt am netze (
worin ihr junges gefangen ist), zieht des todes netz nur fester zu. Herder 1, 377
H. 33)
in stücke zupfen, reiszen, schneiden: semmeln pflücken, brot in die milch pflücken
u. s. w. Adelung (semmeln in frische milch einpflocken Stieler 1448); ein gepflückter (
zerstückter, von den gräten befreiter und gedämpfter) hecht Adelung; plukkfisk,
gehackter stockfisch. brem. wörterb. 3, 343; gepflückte finken,
ein norddeutsches fleischgericht, s. Schütze
holst. id. 3, 221, spyse van ghepluct vleisch of geplucte vineken,
tucetum Dief.
nov. gloss. 373
b (
vom j. 1500). 44)
durch pflücken (
wegnahme des unbrauchbaren)
reinigen: wolle, salat, petersilie
u. s. w. pflücken Adelung. 55)
jetzt am geläufigsten im sinne von abpflücken, abbrechen, brechen (8). 5@aa)
absolut: schau, wie sie sich geschäftig bückt, und pflückt (
veilchen), und unersättlich pflückt, ihr kleidgen füllt, ihr haar bekränzt. Drollinger 311; freue dich, auch ohne zu pflücken, manches blümchens. Stolberg 2, 151; aber bückend mich danieder ging ich pflückend hin und wieder. Rückert 6, 280. 5@bb)
transitiv, blumen, blätter pflücken: die blumenkörbe voll (
von blumen) zu pflücken. Wieland
Oberon 12, 11; so erfreuet uns ein veilchen, das man früh im märz gepflückt.
d. j. Göthe 1, 112; pflücke das blümchen auf dem wege. Stolberg 2, 151; glücklich, wenn du immer pflücktest jede blume, .. wie der ort sie bot. Rückert 4, 14; wenn du die blume pflückst, ist sie gebrochen, wenn du das glück genieszt, ist es verschwunden. Grabbe 1, 389; jammer und herzleid ... über das hinscheiden der schönen Blanca, die wie eine hundertblättrige rose von räuberischer hand gepflückt wurde, weil sie die zierde des gartens war. Musäus
märchen (1815) 1, 131,
vergl. 6; einen kranz, einen strausz (
blumen zu einem kranze, strausze) pflücken: ihr schönen frauen pflückt einen kranz. Hölty 156
Halm; kommen die mädchen .., sich festliche sträusze zu pflücken. Rückert 6, 304. früchte pflücken: ich will nicht undankbar eure (
der bäume) früchte pflücken, sie seien der lohn meiner sorgsamen pflege. Geszner 1, 58; es ist nöthig, dasz nichts gepflückt werde, ehe es reif ist. Göthe 16, 155; gleich wie ich Johannistrauben zu pflücken und quetschen zu schütteln mir ehedessen wünschte.
an Kestner (1773)
d. j. Göthe 1, 363; auf einem apfelbaum sasz ein dienender bruder, pflückte die äpfel und sammelte sie in körbe. Scheffel
Ekkeh. 44; eure bäcklein sind roth, wie granatäpfel, die des pflückenden harren. 72; dann ist die rechte zeit die eicheln zu pflücken. Stilling
georg. 1, 205; erdbeeren pflücken
u. dergl.: sie pflegte für die tafel ihres vaters ... ein körbchen waldkirschen oder erdbeeren zu pflücken. Musäus
a. a. o. 2, 14. 66)
oft in übertragenem sinne (
nach 5): von der rose meines herzens pflücktest (
du) blätter. Göthe 3, 237; mit leeren händen pflückst du keinen hoffnungsstrausz. Rückert
Bostan 52, 18; mit süszer gier im liebesbette .. der zarten schönheit blume zu pflücken. Heinse
Ardingh. 1, 122; das verliebte paar .. das lüstern ist verbotne frucht zu pflücken. Wieland
Oberon 6, 32; wo wir, für lorbern, küsse pflücken.
werke 10, 178; wo liebe träumend ruhet an weibesbusen der heisze jüngling, küsse vom munde pflückend. Kinkel
ged. (1857) 96; du konntest meine unschuld, mein glück, mein leben so zum zeitvertreib pflücken und zerpflücken. Göthe 10, 183; und dünkelt ihm, es wär kein ehr und gunst, die nicht zu pflücken wär. 12, 134; glücklich, wenn du immer .. pflücktest jede freude, wie der ort sie bot. Rückert 4, 14; pflücke lust, eh sie verblüht. 6, 298; die erde spricht: in meinen schoosz gepflückt hat mir der tod das mägdlein, das ihr misst. 4, 96; wie du (
geier), athmender blitz, zu boden niederzückest, und mit den krallen scharf ein warmes leben pflückest. Lenau (1880) 1, 160; es war ein herrlich wandern; vom klippenast des kalkes, vom schwarzen beet des abgrunds hab ich gepflückt gedanken. 172.