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Pflanze

mhd. bis spez. · 16 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Herder
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Eintrag · Herder (Konv.-Lex., 1854–57)

Pflanze

Bd. 4, Sp. 515
Pflanze, von dem lat. planta, ist ein Organismus ohne willkürliche Bewegung. Die P. ernährt sich, wächst, pflanzt ihre Art fort, ist dagegen an den Ort ihrer Entstehung, so weit nicht äußere zufällige Momente einwirken, gebannt u. unterscheidet sich eben dadurch vom Thier, welchem eine wenn auch noch so geringe freie Bewegungsfähigkeit zukommt. Die P. kann ausschließlich von unorganischen Stoffen leben, das Thier nicht. Das Thierreich wurzelt im P.nreich, letzteres verwandelt die leblosen Elemente der unorganischen Welt zu lebenden Organismen um. Die durch die gesammte P.nwelt verbreiteten chemischen Elemente sind der Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff und nächst diesen der Stickstoff. Von den übrigen Elementen, welche sich immer nur in verhältnißmäßig kleinen u. veränderlichen Mengen in den P.n finden, kommen vornehmlich noch die Kieselerde, Kalkerde, das Natron und Chlor in Betracht. Außer dem Jod, Brom, Phosphor, Schwefel, Kali, Kalkerde u. Eisen, welche allgemein im P.nreiche verbreitet sind, haben sich noch Spuren von Mangan und Kupfer in lebenden P.n gefunden. Die niedrigste Form einer P. ist die einer geschlossenen mit Ernährungsflüssigkeit gefüllten Zelle z.B.: als Spore der gefäßlosen Kryptogamen, als Staubpilz, als rother Schnee (Protococcus nivalis); die höchste Form eine in Blüte stehende oder mit Früchten bedeckte Gefäß-P., Aggregat von Zellen und Gefäßen, z.B. einer unserer Obstbäume. Der Stoffwechsel ist im Wesentlichen der gleiche bei beiden; bei beiden zersetzen unter dem Einfluß des Sonnenlichtes alle grünen Theile die in der Atmosphäre enthaltene Kohlensäure in der Art, daß sie den Sauerstoff als Sauerstoffgas abgeben und den Kohlenstoff zu ihrer eigenen Entwicklung zurück halten. Bei Mangel an Sonnenlicht zur Nachtzeit geben alle grünen Theile, wie alle nichtgrünen, Kohlensäure an die Atmosphäre dadurch ab, daß sie eben so viel Volumen Sauerstoff aufnehmen und an diesen die zur Kohlensäurebildung nöthige Quantität Kohlenstoff abtreten. Der bei Tag gewonnene Kohlenstoff übersteigt indessen immer den bei Nacht an die Luft abgegebenen. Während die P. auf diese Weise in gasförmiger Gestalt 2 Haupttheile ihrer Constitution, den Kohlenstoff und Sauerstoff, aufnimmt, dient vornehmlich die Wurzel dazu, die übrigen constituirenden Bestandtheile in flüssiger Form, aufgelöst und suspendirt in Wasser, zu gewinnen. Die 3 Hauptbestandtheile C + H + O verwendet der P.norganismus zu den mannigfaltigsten bis jetzt auf keine Weise darstellbaren chemischen Combinationen, die theils als P.nkörper, theils als Secretionen, theils als Excretionen des P.norganismus auftreten. Die Gefäße, welchen außer den Zellen die chemische Verwandlung der aufgenommenen Nahrungsstoffe der P.n zukommt, finden sich nur bei den höheren P., bestehen aus einem cylinderförmigen Schlauch, in dem sich eine ring- oder spiralförmige solide Faser befindet; manchmal sind die ringförmigen Stücke netzartig unter sich verflochten. Die Anordnung und Vertheilung der Gefäße in der P. selbst ist verschieden; bei den einen sind sie zwischen dem Zellensystem unregelmäßig vertheilt, bei den andern stehen sie alle zusammen und bilden einen soliden, zwischen Mark und Rinde befindlichen Holzcylinder. In diesem Falle (bei den 2samenlappigen P.n) steigt der rohe Nahrungssaft in dem Gefäßcylinder von der Wurzel nach oben zu den Blättern, wird in diesen verarbeitet und steigt durch die Rinde als Bildungsstoff für die neuen Zellen und Gefäße abwärts. Sämmtliche Organe der P. lassen sich auf 2 wesentlich verschiedene Systeme zurückführen: die Achse und die appendiculären Organe, deren ausgebildete Form das Blatt ist, während die Achse entweder Wurzel, nach unten wachsend, oder Stengel, nach oben wachsend, ist. Aus Blatt u. Stengel gehen alle Verwandlungen des P.norganismus hervor. Hauptverwandlungen sind diejenigen in die Blüte u. durch diese in die Frucht. Bei allen höheren P.n kommt die geschlechtliche Fortpflanzung vor; die Zeit der Blüte ist zugleich die der Geschlechtsreife und damit der Befruchtung. Der größere Theil der P.n sind Zwitter, bei dem kleinern Theil sind die Geschlechter auf 2 Individuen vertheilt. Die männlichen Organe sind die Staubgefäße (stamina), die weiblichen der Stempel (pistillum); Staubfäden u. Staubbeutel, welche den Blumenstaub enthalten, sind die Theile der Staubgefäße; Narbe, Griffel u. Fruchtknoten sind die Theile des Stempels. Bei der Begattung kommt der Blumenstaub auf die Narbe, von dieser durch das Zellgewebe des Griffels zu den Eiern des Fruchtknotens. Aus den Eiern wird durch die weitere Entwicklung der Same, aus dem Fruchtknoten die Frucht. Bei den geschlechtslosen P.n entwickelt sich die Spore, welche die Stelle des Samens vertritt, zuerst zu einem sogen. Proembryo, aus diesem dann erst durch Knospenbildung die künftige P. Durch Bildung von Adventivknospen können sich auch andere P.ntheile als die Samen, Stengel u. Blätter zu Vermehrung der P.n verwenden lassen. Diese Vermehrung durch Stecklinge dient namentlich dazu, die Eigenthümlichkeit des Individuums zu verpflanzen, während durch den Samen sich nur die Eigenthümlichkeit der Species vermehren läßt. Zur Uebersicht des ganzen P.nreichs werden die Individuen zu P.narten (species), diese zu Geschlechtern (genera) und letztere zu Familien gruppirt. Eine solche Zusammenstellung von Familien nennt man ein natürliches P.nsystem. Abgesehen von früheren Versuchen hat zuerst 1774 Anton von Jussieu ein solches aus 100 Familien bestehend aufgestellt, nachdem sein Onkel Bernhard 1758 dazu den Grund gelegt. Dasselbe ist seitdem namentlich durch Decandolle ergänzt worden. Die Vertheilung der Individuen, Species, Genera und Familien über den Erdball ist Gegenstand der P.ngeographie. — Schouw stellte 25 sogen. Reiche auf; die Anzahl sämmtlicher Species schätzt man auf 200000 Arten.
5835 Zeichen · 76 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    pflanzesw. F., st. F.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    pflanze , sw. F., st. F. nhd. Pflanze ÜG.: lat. planta PsM, STheol Hw.: vgl. mnl. plante, mnd. plante Q.: PsM (vor 1190)…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Pflanze

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    Die Pflanze , plur. die -n, Diminut. das Pflänzchen, Oberd. das Pflänzlein, ein Wort, welches im gemeinen Leben in einem…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Pflanze

    Goethe-Wörterbuch

    Pflanze je einmal ‘Planzen’ N6,379 u abgekürzt ‘Pfl.’ N5 2 ,151,25 ; wiederholt im kollektiven Sg; in Gesprächsaufzeichn…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Pflanze

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Pflanze , von dem lat. planta , ist ein Organismus ohne willkürliche Bewegung. Die P. ernährt sich, wächst, pflanzt ihre…

  5. modern
    Dialekt
    Pflanze

    Bayerisches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    Pflanze Band 2, Spalte 2,592f.

  6. Sprichwörter
    Pflanze

    Wander (Sprichwörter)

    Pflanze 1. Die beste Pflanze verdirbt, wenn sie zu fetten Boden hat. 2. Die Pflanze nicht fest (gut) wurzeln kann, die o…

  7. Spezial
    Pflanze

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Pflan|ze f. (-,-n) (Gewächs) planta (-tes) f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit pflanze

384 Bildungen · 314 Erstglied · 68 Zweitglied · 2 Ableitungen

pflanze‑ als Erstglied (30 von 314)

pflanzeisen

DWB

pflanz·eisen

pflanzeisen , n. eine art messer oder spaten, womit junge bäume zum zwecke des versetzens samt ihrem erdreich ausgehoben worden. Weber öcon.…

pflanzen

FWB

1. ›Gewächse (z. B. Absenker, Bäume, Pflanzen) in die Erde setzen‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›etw. (z. B. einen Garten) bepflanzen‹.; 2…

pflanzenabdruck

DWB

pflanzen·abdruck

pflanzenabdruck , m. : graues schieferiges gestein mit ganz feinen pflanzenabdrücken. Göthe 43, 186 , vergl. wie wir die form einer zarten p…

pflanzenabsonderung

DWB

pflanzen·absonderung

pflanzenabsonderung , f. : die thierabsonderungen fallen unter die rubrik der fäulnisz, die pflanzenabsonderungen unter die der gährung. Oke…

Pflanzenabstufung

GWB

pflanzen·abstufung

Pflanzenabstufung pl: für eine graphische Darstellung der (von der Höhe abhängigen, bestimmte Pflanzenklassen umfassenden) Pflanzenformation…

Pflanzenabteilung

GWB

pflanzen·abteilung

Pflanzenabteilung -th- botan: Klassifikationsgruppe einer Pflanzensystematik Die Vertical- oder Longitudinal-Tendenz scheint [ bei Monokotyl…

pflanzenabtheilung

DWB

pflanzen·abtheilung

pflanzenabtheilung , f. : die botaniker haben eine pflanzenabtheilung, die sie incompletae nennen; man kann eben auch sagen, dasz es inkompl…

pflanzenähnlich

DWB

pflanzen·aehnlich

pflanzenähnlich , adj. , vergl. pflanzenartig: bildsteine mit pflanzenähnlichen figuren, phytomorphi. Nemnich 2, 960 .

Pflanzenanfang

GWB

pflanzen·anfang

Pflanzenanfang Pflanzenkeim (im Samen) als Anlage einer neuen Pflanze in allen ihren Hauptteilen die bekannte Eintheilung eines P-s [ nach L…

Pflanzenansicht

GWB

pflanzen·ansicht

Pflanzenansicht Bindestrichschr ‘ästhetische P.’ für Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Botanik u Pflanzenmalerei N6,362,1 ÄsthetPflAnsi…

pflanzenarm

DWB

pflanzen·arm

pflanzenarm , adj. arm an pflanzenwuchs: niedrige sandhügel, die .. über den pflanzenarmen boden hervorragten. Freytag ges. werke 5, 5 .

pflanzenart

DWB

pflanzen·art

pflanzenart , f. : ja sogar entwickelt dieselbe pflanzenart glättere und weniger verfeinerte blätter, wenn sie in tiefen feuchten orten wäch…

pflanzenartig

DWB

pflanzen·artig

pflanzenartig , adj. und adv. : vegetative oder pflanzenartige systeme. Oken 4, 21 ; der hinterleib ( des insects ) in seinen pflanzenartige…

Pflanzenasche

Campe

pflanze·nasche

Die Pflanzenasche , Mz . u. die Asche von verbrannten Pflanzen, zu welcher auch die Holzasche gehört.

Pflanzenball

RhWB

pflanzen·ball

Pflanzen-ball Hunsr m.: alljährliches Fest mit Musik u. Bewirtung für die an der Pflanzung junger Baumsetzlinge in den Forsten beteiligten B…

pflanze als Zweitglied (30 von 68)

Áschenpflánze

Adelung

aschen·pflanze

Die Áschenpflánze , plur. die -n. 1) Der Nahme einer ausländischen Pflanze; Cineraria, L. 2) In einigen Gegenden auch des Beyfußes, S. diese…

Balsampflanze

Adelung

balsam·pflanze

Die Balsampflanze , plur. die -n, eine Art ausländischer Pflanzen, welche Balsam von sich geben, Amyris, L.

Beilpflanze

Adelung

beil·pflanze

Die Beilpflanze , plur. die -n, eine Pflanze aus eben dieser Classe, welche in dem mittägigen Amerika einheimisch ist; Securidaca, L.

Bèsenpflanze

Adelung

besen·pflanze

Die Bèsenpflanze , plur. die -n, bey den neuern Kräuterkennern, der Nahme einer Amerikanischen Pflanze, welche in Jamaica als Thee gebraucht…

Bürstenpflanze

Adelung

buersten·pflanze

Die Bürstenpflanze , plur. die -n, bey den neuern Schriftstellern des Pflanzenreiches, ein Pflanzengeschlecht, deren Blumen einer Bürste gle…

Cámpher-Pflanze

Adelung

campher·pflanze

Die Cámpher-Pflanze , plur. inus. eine Pflanze, welche einen gewürzartigen Geruch, fast wie der Campher, hat, und wovon die eine Art um Mont…

Congopflanze

Wander

congo·pflanze

Congopflanze Er ist eine Congoranke (Schlingpflanze) geworden. ( Surinam. ) Ein beschwertes Anhängsel.

drachenpflanze

DWB

drachen·pflanze

drachenpflanze , f. dracaena. geschlechtsname der pflanzen, die das rothe harz, das drachenblut, geben, wie die verschiedenen arten des drac…

Flöhpflanze

Adelung

floh·pflanze

Die Flöhpflanze , plur. die -n, eine Pflanze; Conyza L. besonders dessen Conyza squarrosa, welche auch Dürrwurz und Flöhkraut heißt, und die…

giftpflanze

DWB

gift·pflanze

giftpflanze , f. : die giftpflanzen sind unvollständig angegeben allg. dtsche bibl. 96, 547; unser leben ist jedem raubthier ausgesetzt, ein…

Ableitungen von pflanze (2 von 2)

urpflanze

DWB

urpflanze , f. , pflanze mit ur- C 4 c. 1 1) allgemein ' eine erste, ursprüngliche pflanze ' Campe : wer bildete nun die urpflanzen, in dene…

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Cotta, M. (2026). „pflanze". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 9. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/pflanze/herder?formid=P01012
MLA
Cotta, Marcel. „pflanze". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/pflanze/herder?formid=P01012. Abgerufen 9. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „pflanze". lautwandel.de. Zugegriffen 9. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/pflanze/herder?formid=P01012.
BibTeX
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