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Nichts

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Adelung
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23 in 19 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Nichts

Bd. 3, Sp. 486
Nichts, adv. welches nur allein von Sachen üblich ist, und dem etwas entgegen gesetzet wird, ein Ding zu bezeichnen, welches nicht vorhanden ist. 1. Im schärfsten, engsten philosophischen Verstande, wo nur dasjenige nichts ist, was nicht nur nicht vorhanden ist, sondern auch nicht vorhanden seyn kann, nicht möglich ist; Nihilum negativum. In diesem Verstande sagt man, nichts könne nicht etwas werden, oder aus nichts könne nicht etwas werden. Wo[] es denn auch in Gestalt eines Hauptwortes vorkommt, das Nichts, ein Nichts. 2. In weiterer und gewöhnlicherer Bedeutung ist nichts nur dasjenige, was nicht vorhanden ist, nicht existiret, aber doch existiren oder wirklich werden kann, folglich möglich ist; Nihilum privativum. Besser etwas als nichts. Ich habe nichts. Er hatte nichts gesehen, nichts gehöret. Ich weiß nichts davon. Durchaus nichts, ganz und gar nichts, schlechterdings nichts. Es wird nichts aus der Sache, sie kommt nicht zu Stande. Mein Leben ist wie nichts vor dir, Ps. 39, 6. Wenn es weiter nichts ist. Nichts sollte dich mehr rühren, als dieses. Es ist nichts an der Sache, sie ist ungegründet; ingleichen, sie hat keinen Wirth. Er ist nichts besser, um nichts besser. Gott schuf die Welt aus nichts, er brachte Dinge hervor, welche vorher nicht da waren. Aus nichts wird nichts, wo keine wirkende Ursache vorhanden ist, da kann auch keine Wirkung erfolgen, ingleichen, ein nicht vorhandenes Ding kann nicht den Grund wirklicher Dinge enthalten. Mit nichts anfangen, bey seinem Anfange nichts haben. Er wußte sich mit nichts, als mit seiner guten Absicht zu entschuldigen. Ich weiß von nichts. Zu nichts werden, nicht bloß aufhören zu seyn, sondern auch allen Theilen nach aufhören zu seyn, vernichtet werden. Wo es zuweilen auch Beywörtern, wenn sie als Hauptwörter stehen, zugesellet werden kann. Es ist nichts Gutes an ihm. Ich mag mit nichts Ungerechten zu thun haben. Noch häufiger wird es als ein unabänderliches Hauptwort gebraucht, ein nicht vorhandenes Ding zu bezeichnen. Das Nichts, ein Nichts. Ingleichen den Stand des nicht Daseyns. Falle ich nach dem Tode wieder in mein erstes Nichts zurück? Ferner das Mögliche, im Gegensatze des Wirklichen, besonders bey den neuen Dichtern. Befruchtet mit der Kraft des wesenreichen Wortes Geburt das alte Nichts, Hall. Ein Schöpfer, der allmächtig das Nichts gebären hieß, Dusch. Nichts desto weniger, oder nichts desto minder werden häufig als entgegen setzende Verbindungs-Formeln gebraucht. Im gemeinen Leben ist es sehr gewöhnlich, diesem Adverbio zur Verstärkung der Verneinung das nicht nachschleichen zu lassen, welches sich auch wohl gute Schriftsteller mancher Gegenden zu Schulden kommen lassen. Nichts nicht, für nichts. Habt ihr nichts eignes nicht? Opitz. Um nichts zu gewinnen, Lohenst. Wenn der nichts nicht fühlt, ebend. S. 3 Nicht 1. In der reinen Schreibart ist dieses eben so fehlerhaft, als wenn man einem vorher gegangenen verneinenden Worte noch zur Verstärkung das nichts nachschickt. Wird denn nimmermehr nichts aus dir? Raben. 3. Figürlich, wo es nach einer sehr gewöhnlichen Vergrößerung häufig für wenig, sehr wenig gebraucht wird. So sagt man von einem Menschen im gemeinen Leben, er habe nichts, er könne nichts, er tauge nichts, wenn er wenig Vermögen hat, wenig kann, oder wenig taugt. Da es denn nach einer noch weitern Figur auch für unerheblich, unwichtig, unvermögend gebraucht wird. Wie gar nichts sind alle Menschen! Ps. 39, 12. Alle Menschen sind doch ja nichts, Ps. 62, 10. Der Heiden Götter sind lauter nichts, Jerem. 10, 3, haben kein Leben, kein göttliches Wesen. Das heißt nichts gesagt, nichts das zur Sache dienet. So auch in Gestalt eines Hauptwortes. Je mehr wir die Unzulänglichkeit oder das Nichts unsrer Kräfte einsehen u. s. f. Gell. Ingleichen, obgleich seltener, von einer unbedeutenden, unerheblichen Person. So viele Nichts sind durch den gütigen Einfluß des Goldes zu Etwas geworden.[] Anm. Im Isidor neouuihd nist, bey dem Willeram nicuuetes, im Schwabenspiegel und noch jetzt in einigen Oberdeutschen Gegenden nihtzit, nützit, bey den Schwäbischen Dichtern nuitzit, nuite, in den gemeinen Hoch- und Oberdeutschen Mundarten nischt, im Nieders. niks, im Angels. nowhit, nowit, im Böhm. und Pohln. nic, bey den Krainerischen Wenden nas und nezh, im Dän. und Schwed. intet. Es scheinet aus nicht was oder nicht es zusammen gesetzet zu seyn. Kero und Ottfried gebrauchen noch nicht dafür oder vollständiger nach ihrer Aussprache und Schreibart neouueht, niauuiht. Manche Sprachlehrer rechnen es zu den Pronominibus, von welchen es doch nicht das mindeste an sich hat.
4593 Zeichen · 74 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    nichtsPron.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    nichts , Pron. Vw.: s. niht

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    nichtsAdv.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    nichts , Adv. Vw.: s. nichtes (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Nichts

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Nichts , adv. welches nur allein von Sachen üblich ist, und dem etwas entgegen gesetzet wird, ein Ding zu bezeichnen, we…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    nichts

    Goethe-Wörterbuch

    nichts auch Großschr; ‘nichs’ A1,79,28 , in mundartlicher Figurenrede ‘nicks’ 16,37 Vs 579 , niederdt ‘nits’ T3,22,11 , …

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Nichts

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Nichts , der Gegensatz von Etwas, über den schon außerordentlich viel philosophirt wurde. — Hinsichtlich der Schöpfung a…

  6. modern
    Dialekt
    nichts

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    ni ch ts , s. nix.

  7. Sprichwörter
    Nichts

    Wander (Sprichwörter)

    Nichts 1. Als Niet kommt tot iet, dann kennt iet hem selver niet. – Simrock, 7534. Wenn ganz arme Leute plötzlich zu gro…

  8. Spezial
    nichts

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    nichts pron. indef. nia. ▬ nichts sagen (wissen) ne dí (savëi) nia; es macht nichts al ne fej nia; al é bel anfat; nicht…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit nichts

108 Bildungen · 96 Erstglied · 10 Zweitglied · 2 Ableitungen

nichts‑ als Erstglied (30 von 96)

Nichtschen

SHW

Nichts-chen Band 4, Spalte 979-980

Nichtsfang

SHW

Nichts-fang Band 4, Spalte 981-982

Nichtsnutz

SHW

Nichts-nutz Band 4, Spalte 981-982

Nichtstuer

SHW

Nichts-tuer Band 4, Spalte 983-984

nichtsbedeutend

DWB

nichts·bedeutend

nichtsbedeutend , partic. bedeutungslos, unbedeutend, nichts sagend, wie franz. insignifiant: dieses sind nichtsbedeutende worte. Rabener 4,…

Nichtschätzung

GWB

nicht·schaetzung

Nichtschätzung fehlende Anerkennung, mangelnde Würdigung da man nicht mehr Ursache hat, sich über N. des Dichters [ Hans Sachs ] zu beklagen…

nichtschaft

DWB

nicht·schaft

nichtschaft , f. stand und verhältnis einer nichte oder der nichten, die gesamtheit der nichten. Fischart Garg. ( s. neffschaft ; in der aus…

Nichtschen

Wander

nicht·schen

Nichtschen En golden Niksken un en sülwern Wacht en Bietken (oder auch: en sülwern Watdam). ( Büren. ) Wird scherzhaft Kindern mitzubringen …

nichtschreiben

DWB

nicht·schreiben

nichtschreiben , n. : deine vorwürfe wegen des nichtschreibens sind gerecht. Hölty 225 Halm; du würdest mir mein nichtschreiben nicht angere…

nichtschreiber

DWB

nicht·schreiber

nichtschreiber , m. ( s. nichtantworter): andere briefe besitze ich wenig von diesem lieben sophistischen nichtschreiber. Sturz 1, 187 .

Nichtschulknabe

GWB

nicht·schulknabe

Nichtschulknabe die Schule nicht besuchender, sich noch nicht im Schulalter befindlicher Junge er [ Rektor JGAlbrecht ] ..reichte mir einen …

Nichtsdarüber

Campe

nichts·darueber

○ Х Das Nichtsdarüber , o. Umend. u. Mz . etwas wo nichts dar= über gehet, welches von keinem Andern übertroffen wird (das Nonplusultra ). C…

nichtsdestotrotz

LDWB2

nichts|des|to|trotz conj. tandeplü, impó, nia demanco.

nichtsdestoweniger

Pfeifer_etym

nicht Adv. der Verneinung. Ahd. niowiht (8. Jh.), mhd. niwiht, niweht, niht, asächs. nio-, neo-, niewiht, mnd. nicht, niet, mnl. nl. niet, a…

Nichtsehen

GWB

nicht·sehen

Nichtsehen Unmöglichkeit der, Unfähigkeit zur optischen Wahrnehmung Unempfänglichkeit des Auges für schwache Lichteindrücke..Das N. der Ster…

nichtseiend

DWB

nichtseiend , partic. : du bist das seiende und das nichtseiende. Rückert brahm. 1, 69 .

nichts als Zweitglied (10 von 10)

Habenichts

RDWB1

Habenichts m abwertend нищий перен. , ни гроша за душой идиом. , разг. , гол как сокол идиом.

Taugenichts

RDWB1

Taugenichts m er ist ein ~ - он (полный) ноль, он полное ничтожество презр. , он ни на что не годен, он лузер сниж.-разг. , презр.

Auge(n)nichts

Idiotikon

Auge(n)nichts Band 4, Spalte 876 Auge(n)nichts 4,876

habenichts

DWB

haben·ichts

habenichts , m. der nichts besitzende, eine imperativische bildung wie habegern, haberecht, dem sinne nach = nichtshaber, s. d. kommen sie i…

Kehrdichannichts

Wander

Kehrdichannichts He hett en goden Kehrdiannicks. – Wochenblatt für Schlesw.-Holst., 11. Er ist lau, gleichgültig, phlegmatisch.

Taugenichts

Pfeifer_etym

taugen·ichts

taugen Vb. ‘geeignet, brauchbar sein’. Das Präteritopräsens ahd. tugan (9. Jh.), mhd. tugen, tügen, tougen, asächs. aengl. dugan, mnd. dȫgen…

Thumirnichts

Wander

Thumirnichts E is e Thumirnix. – Tendlau, 413. Man braucht keine Furcht vor ihm zu haben.

Thutnichts

Wander

Thutnichts 1. Es thut nichts hat viele an den Galgen gebracht. 2. 'S thut nichts hat schon viele ins Grab gebracht. – Gaal, 568; Simrock, 10…

Ableitungen von nichts (2 von 2)

benichtsen

RhWB

be-nichtsen bəneksə Eup ; -i- Barm schw.: in den Wend.: Ek well dek b.! zu dem, der ‘nichts’ antwortet Barm ; necks te b.! nichts da, das gi…

urnichts

DWB

urnichts , u. Nirwana Schubart zs. f. d. wortf. 11, 135 ; Spielhagen 1, 392 ;