mausen,
verb. mäuse fangen, schleichen, stehlen; mhd. mûsen,
ahd. zwar nicht aufgewiesen, doch ist ein mûsôn (
gebildet wie fiskôn
fische fangen von fisk)
sicher vorauszusetzen, während ein spät ags. mûsian,
das im engl. mouse
fortlebt, ein mnd. nnd. mûsen,
nl. muysen
mures capere (Kilian)
die verbreitung der bildung über das gesammte westgermanische sprachgebiet bezeugt; im nordischen dagegen fehlt sie. die vermutung, dasz mûsen, mausen
mit dem subst. musido, musdo, mosido
spoliatio der malbergischen glosse zusammenhänge (J. Grimm
in Merkels lex sal. s. xliii
fg.)
ist nicht haltbar, da die form dieses altfränkischen wortes vielmehr murdio, murdo
lautete (Kern
bei Hessels
lex sal. 471
fg. § 86),
wie bereits gesch. d. d. spr. 569
vermutet ward. mausen
wird gesagt 11)
von der katze, mäuse jagen: ags. ofte mûsed þe catt after þe môder.
Älfreds proverb. 21;
niederd. kattenkinder musen gêrne. Tunnicius 274; Hinze neve, recht in dit gat, krupet dar in, ik holde de wacht, die wile gi musen, wente it is nacht (
spricht Reinecke).
Reinecke fuchs 1044;
mnl. 'ja, Tibeert segdi mi ooc waer? wildi musen mit goeden wille?' Reinaert, maect des een ghestille. ic minne muse boven alle saken.
Reinaert II 1154
Martin; mhd. katzenkint gelernt wol mûsen.
Renner 13282;
nhd. mausen
captare mures Schottel 1362; will die katz nicht mausen, so laszt sie drauszen. Fischart
bienk. 50
b am rande; wie der auf den pferden merket, dasz der katzen das mausen übel bekommen und ihr die haar ausgehen wolten. Kirchhof
wendunm. (1602) 3, 75; eine .. cyprische katz die wol mausen kan. Schuppius 36; die katzen mausen.
polit. stockf. 49; die katze maust gerne. Fr. Müller 1, 142; die katze lässet ihr mausen nicht,
Aethiops non dealbescit, naturae sequitur semina quisque suae. Stieler 1258; doch dem sei wie ihm wolle, die katze läszt das mausen nicht. Wieland
in Mercks briefs. 2, 70; die katz die lest nit von irm mausen.
fastn. sp. 702, 31; die katze lesset ihr mausen nicht, haben mich mein eltern bericht.
froschmeus. R 4
b (1, 2, 25); im finstern mausen gern die katzen. Pape
christ. (1617) H 6
b; die kater unsers dorfs sind meine besten freunde. es lebe, was gut maust! Hagedorn 2, 19; vater, bedenk, was du sagst! sie verschläft des bräutigams ankunft? unsere rasche Luise verschläft? und des bräutigams ankunft? sag auch, es schlaf im mausen die katz und der has an der trommel! Voss
Luise 2, 165. 22)
von anderen mäuse fangenden thieren: als sich der fuhs mûsens schamt, sô hete er gerne ein hœher amt. swer dem fuhse mûsen wert, der hât im spîse gar verspert. Freidank 138, 21; ein vuhs und ouch ein mûsar mûset nâch sîner art. Frauenlop
sprüche 88, 5; sie (
die füchse) mausen im felde auch fleiszig, sitzen und lauren wie die katzen und springen gewis. Tänzer
jagdgeheimn. (1682) 110; neulich ward ein falke, der triumphirend thurmhoch in den lüften herschwebete, von einer mausenden nachteule angefallen und getödtet. Schiller
Macbeth 2, 12, a falcon, towering in her pride of place, was by a mousing owl hawk'd at, and kill'
d. 33) mausen,
übertragen auf menschen, zunächst vom lauern auf jagdbares wild: mausen heiszt bei den jägern, wenn sie ganz still etwas beschleichen. Heppe
wohlredender jäger 215; sô ein birsær mûset bî wilde in einer dicke. H. v. Laber
jagd 546;
dann von hinterlistigem oder tückischem gebahren überhaupt: wir haben nicht mum, mum gesagt, noch unter dem hütlin gespielet, sondern da stehen unser helle, durre, freie wort, on alles tunkeln und mausen. Luther 6, 108; er soll das evangelium helfen verfolgen, den teufel anbeten, den bapst, Meinz und kurtisanen unter seinem schutz, lassen mausen, meuchelen, und machen alles was sie wollen. 8, 4
b; er maust herum,
occasiones captat, insidiatur rei Serz 98
a;
gern namentlich vom listigen schleichen und heimlichen handeln, in den verbindungen im finstern mausen, heimlich mausen: das sie zu Wittemberg nicht kondten die lenge so sich verkriechen und im finstern mausen. Luther 3, 48
a; spielet jr also der blindenkue mit unsern seelen, leib und gut, und mauset im finsternis. 5, 224
a; da sihe doch den rechten teufels trit und griff, wie er das liecht schewet, und im finstern mauset. 491
a; ja so mauset jr im finstern, unter dem namen der kirchen, und sol darnach alle ewer grewel, der kirchen meinung heiszen? 6, 84
b; es gilt hie nicht, so unter dem hütlin spielen, und im finstern mausen. 106
a; wie solche ehrvergessene leute zu thun pflegen, die im finstern mausen, und ehrliche leuthe mit solchen famosschriften, tückischer boszhaftiger weise graviren und beschweren. Schuppius 630; wie ich hingegen, was im finstern mauset und einem ehrlichen mann nicht getrost selbst unter das gesicht treten darf, billig nicht zu achten habe. Spener
natur u. gnade (1708),
anspruch A 5
b;
vergl. mhd. mir begunde grûsen dô ich in nâch dem fuoʒe mûslîchen hôrte mûsen. H. v. Laber
jagd 451; mausen
von der heimlichkeit des buhlens: weil nu solchs (
der ehebruch) mus im finstern gespielet und heimlich gemauset sein. Luther 8, 130
a; der guckgauch der flog hinden ausz, wol für der beckerin hausz, darinn ein goldschmid mauszt.
Garg. 28
b; bei sieden, kochen, braten wirbt Fuscus jhm soldaten; die drommel sind die deller; bezahlung, gibt der keller; der krieg ist, schmeicheln, schmausen, schmarotzen, bübeln, mausen. Logau 2, 53, 97;
es heiszt mausen um einen
oder etwas: sô sint dannoch tûsent die umb die schrannen mûsent.
Helbling 2, 708; der jüngling fellt, der teufel geht stäts umb jhn mausen. H. Sachs 3, 1, 249
d; umher sie (
die bösen leute) mausen, die leut darbauszen (
drauszen) auf allen pletzen zur rede setzen, ihr red darnach gen hof bald schwetzen. Henneberger
landt. 419;
wobei auch der sinn des listigen oder tückischen sich verliert: und jm (
der geistliche dem kranken) das öl wolt raichen, und mauset umb das pet.
meisterl. fol. 23,
nr. 190; ei lieber herr, die hett mich lieb und mauset heimlich stets umb mich. H. Sachs 4, 3, 23
a;
wie denn mausen
auch, wie lauern (4,
a oben sp. 305),
gelegentlich nur ein verstärktes dasitzen, warten, nicht vom flecke gehen, bezeichnet: so sags im gut, dasz er bald weich (
von deinem sitze), wil er da sitzen lang zu mausen, so greif jm bald nach der kartausen, und wirf jn uber dnechste bank.
Grob. 1568 B 4
a (
b. 1, 4);
bair. mausen,
dim. mäuseln
langsam und leise gehen, schleichen. Schm. 1, 1665
Fromm. schwäb. mausen, sich vor einem mausen,
sich vor ihm verkriechen, weit zurückstehen. Schmid 379.
vergl.duckmäuser und kalmäuser,
th. 5, 72. 44) mausen
auch schleichend tasten, still greifen: (
man soll) in anderer leute trühn (
truhen) tisch und kestlein nicht kucken, viel minder mausen. Mathes.
Syrach 1, 140
b; (
der kleine) mauste auch wol selbsten im quersack. Stilling 1, 62; (
ich) sprach: ach junkfraw, wen ir west das ir in meines herczen nest so süszlich ruet und auch lawst! mit dem ich ir zum pusen mawst. so spricht sie zu mir mit eim raschen: ein dreck! was hastu do zu naschen? du dapst, als habestu sein recht. H. Folz,
Haupts zeitschr. 8, 513, 110; endlich der vater mich ansahe (
der alte sperling den jungen), wie ich der muttr im armen lage, wie sie mich in den federn mauset, ausz mütterlicher lieb mich lauset.
froschmeus. Bb 2
b (2, 2, 7). 55) mausen
endlich für stehlen, auch im spätesten mittelniederdeutsch entwickelt (Schiller-Lübben 3, 140),
scheint zunächst ein wort der landsknechtkreise gewesen zu sein, das ihnen das beutemachen auf einem zuge bezeichnete, es ist öfters ausdrücklich an das mausen
der katze angelehnt: nun hatten sich etliche knecht in der kirchen versäumt, .. kan gedenken, sie haben irgend wollen mauszen. Götz v. Berl. 42; welche (
kriegsleute) sich heimlich von dem rechten zug zur seiten auszdrehen und ihrem mausen nachhangen. Kirchhof
mil. disc. 120; diese dörfer seindt von den reisigen .. durch und durch auszgemauset. 122; rauben, mausen und stehlen. 59; wie dunket dich Bernhart, ... habe ich nicht recht gemauset?
wendunm. 101
a; die landsknecht .. keiner katzen bedürfen und wol selber mausen können. 102
a; jener hat sein tag zwenzig mal mehr denn ich gemauset und geplündert. 282
a; im übrigen dünkte ich mich (
als besserer soldat) viel zu gut darzu sein, dasz ich die arme bestehlen oder hüner fangen und andere geringe sachen hätte mausen sollen.
Simpl. 1, 248
Kurz; etliche (
von der garnison) konnten besser mausen als die katzen. 390; die fürsten wölln den soldt nit geben; so kan man doch des lufts nit leben. das garten, mausen und das rauben wil man uns auch nicht mehr erlauben. B. Waldis
Esop 2, 79, 21; in kriegs noth, in der bösen zeit, wenn Hans Marter und bruder Veit mit groszen rotten bei jm hausen, durch alle winkel nemlich mausen. 3, 89, 36;
es geht aber schon im 16.
jahrh. in die rede des gemeinen lebens, als niederes wort für stehlen, über: saccularius, der da mauszt, seckel abschneidt. Alb.; die kasten aufzuschlieszen, zu mausen, und die beutel zu fegen. Luther
tischr. 385
a; die alten haben wol gespürt, weil ins menschen herzen vil winkel und querschleg sein, und das man denen so mausen wöllen, mit gesetzen und aufsehern nicht alle löcher verrennen oder verstopfen kan. Mathes.
Sar. 21
a; in seigerhütten, do sichs die herrn was kosten lassen und wenden etwas auf leute, .. oder lassen die vorsteher mit an der hütten theil haben oder erhalten sie doch also, das sie nicht mausen dörfen. 155
b; mausen und der pferdte warten, worzu die böhmische art, wie ich höre, die beste sein soll.
Simpl. 3, 15
Kurz; die dieb meinen, stehlen sei besser als müszig gehen, darumb schaffen sie ihnen mit mausen arbeit. Lehmann
flor. 1, 136; wer selbst mausen kan, bedarf keiner katz.
ebenda; der vater will, wir sollen nicht stehlen, und er mauset selber.
exemplarischer priester (1690) 49;
mit acc., etwas mausen: einer maust eim andern in der kirch ein säckel aus den hosen. Lehmann
flor. 1, 137; sie kam in dieser kunst (
dem stehlen) so weit, dasz sie mir die silbern gesperr von denen gebetbüchern mausete.
Jucund. 39; pferde mausen,
equos abducere, furari Stieler 1258; geld mausen,
nummos furtim deferre Steinbach 2, 34; wenn seine linke hand dem nachbar im schauspielhause das schnupftuch maust. J. Paul
grönl. proz. 2, 40; dann fuhr er wie ein sonnenstral schnell ins chor, und mausete dem jungen altisten sein pensum weg, und sangs dem kirchensprengel in die ohren.
Hesp. 2, 89; ihr seid mir rasche diebe! doch maust ihr auch die ganze nacht, ihr maust nicht eine rübe! Voss 6, 153; als der riese lag am felsen, schnarchend, dasz die wälder rauschten, hast du keck die meilenstiefel von den füszen ihm gemauset. Uhland
ged. 262; die zeit mausen,
die zeit stehlen, von dem wegnehmen derselben durch unnützes: wären wir (
sagt der löwe zu besuchenden thieren) zu nichts auch da, als um zu schmausen, so sollt uns doch kein kluges thier die zeit durch solche possen (
complimente) mausen. Gökingk 3, 226. 66)
etwas geht wie gemaust,
flink, im umsehen: ein rüstig mädel ists, ich habs beim ernten gesehn, wo alles von der faust ihr ging, und ihr das heu so flog als wie gemaust. H. v. Kleist
zerbr. krug, 7.
auftr.