lodern,
verb. flammigare; eine mitteldeutsche bildung, seit dem 15.
jahrh. nachzuweisen: flammare ludern Dief. 238
a,
von Luther
nur einmal verwendet, aber seit dem 17.
jahrh., namentlich in poetischer rede mehr und mehr beliebt werdend, gehört als eine iterativbildung zu dem subst. loden 1
in der bedeutung flocke, zotte, und ist von derselben anschauung aus gebildet, die für das wabernde feuer das verbum flocken (
th. 3, 1811)
gebraucht, welches sich wieder mit flackern,
ahd. flokarôn, flogarôn (
ebenda 1706)
berührt. lodern
wird gesagt 11)
von dem feuer, der flamme, lohe, glut: wie eine flamme loddert im stro.
Joel 2, 5; das feuer lodert,
ignis flammas spargit. Steinbach 1, 1068; sie (
ein in feuer sich verwandelndes mädchen) flammt auf und lodert in die höhe. Göthe 41, 238; (
wann) gluht und fluht im kampf sich mischt, alles lodert, braust und zischt. Brockes 1, 356; alsdann funkelt, lodert, blitzet, schnaubt und braust sie (
die gluth) mit gewalt. 368; zauderer gruben den brand lässiges armes ab, lehnten sich oft auf den spaden, drangen nicht tief; und so kams denn, und hinüber leckt es (
das feuer) über den kindergraben, lodert in andres gebüsch. Klopstock 2, 73; die flamme lodert, milder schein durchglänzt den düstern eichenhain. Matthisson
ged. 44; lodre, lohe, kessel brodle! Bürger 303
b; wie ich blitzend niederfahre, lodert hell ein weltbrand auf. Rückert 202; am schwarzen kamin da sitzet mein lieber, doch geh ich vorüber, die bälge dann sausen, die flammen aufbrausen und lodern um ihn. Uhland
ged. 31; sie dort zogen einher, wie wenn gluth durchs ganze gefild hin loderte.
Ilias 2, 781; lodernd brannt auf dem herde die flamm.
Odyssee 5, 59;
vom blitz: thor! der den himmel wagt, herauszufodern, vergessend schon, wie gottes blitze lodern. Gries
Tassos befr. Jerus. 1, 91;
von der sonne selbst: als die sonne wie eine lodernde welt .. untersank. J. Paul
Hesp. 4, 73; im raum, wo deine (
gottes) sonne lodert. Bürger 79
a;
in bildern: ja ja, es lodern itzt verzehrnde kriegesflammen. Brockes
in Hamanns poet. lex. (1737) 63; denn was flecken war, vermodert; nur der himmelsfunke lodert einst, geläutert, zur verherrlichung. 15
b; und der funke der freiheit ist glühend erwacht, und lodert in blutigen flammen. Körner 1, 97; hast du den ewgen tempel dir gebaut, wo deines namens flammenzüge lodern. 2, 189. 22)
von dem gerät, das eine flamme gibt, fackel, kerze, licht: (
der zank) steckt und zündet ihn (
den zornigen) an wie ein brennende fackel, welche, je mehr man sie beweget und hin und wieder schwenket, je sehrer sie brennet und dahin lodert. Mathesius
Syrach 1, 48
a; um einen lodernden kronleuchter. J. Paul
mumien 3, 18; allein ein lodernd licht musz bald in staub verfallen. Lohenstein
blumen s. 46; (
es) wird dem herrscher der bergkluft und Glyceren Hymens fackel am goldnen torus lodern. Matthisson
ged. 41; vor ihrem (
der kerze) hellem lodern. Rückert 180. 33)
von dem was vom feuer ergriffen wird, in brand gerät: die erden loder und verbrenne! A. Gryphius 1698 2, 18; meinen groll will ich der erde weihen, schlage, flamme, durch den holzstosz hin! glücklich, glücklich! seine briefe lodern, seine eide friszt ein siegend feur, seine küsse! wie sie hochauf lodern! Schiller
die kindesmörderin; bildlich: wär ich im bann von Mekkas thoren (
geboren) ... dann abends wohl vor meinem stamme, in eines zeltes luftgem haus, strömt ich der dichtung innre flamme in lodernden gesängen aus. Freiligrath
dicht. 1, 25;
auch von dem, was durch das feuer ergriffen erscheint und in seinem glanze gleichsam brennt: ihrer hütte zu, die in Lunens silberflammen loderte. J. Paul
uns. loge 3, 110; wie schön der mond die wellen des erlenbachs besäumt, der hier durch binsenstellen, dort unter blumen schäumt, als lodernde kaskade des dorfes mühle treibt, und wild vom lauten rade in silberfunken stäubt. Matthisson
ged. (1794) 86;
und von dem in eigenem glanze brennenden: feurige büsche von arabischen bohnen loderten tiefer aus laubvorhängen. J. Paul
Hesp. 1, 219. 44)
von empfindungen und trieben der seele und des herzens, die sonst als feurig, glühend, glutvoll, flammend geschildert werden: die ruhe des äuszern anblicks täuschte das auge, aber sie war nur scheinbar, und in ihrem stillen schosze loderte die gefährlichste zwietracht. Schiller 799
b; kein feuer, worvon Zeus in flüszend gold zerronnen, kein lodernd seufzen flöst ihr laulicht lieben ein. Lohenstein
blumen 32; kein hasz in meinem busen lodert. Gotter 1, 431; (
ihr ergebner knecht) sieht nicht ein, warum ihr zorn so heftig lodert. Göthe 7, 100; waffenklang wird auch gefodert, dasz auch die drommete schmettre! dasz, wenn glück zu flammen lodert, sich im sieg der held vergöttre. 5, 12; zu gleichem preise sieht sich aufgefodert wem gleicher trieb im edlen busen lodert! 11, 336; becher! deinen purpursaft schlürf ich froh hinunter, denn des herzens stolze kraft lodert im Burgunder. Körner 1, 197. 55)
aber auch die seele selbst, herz, geist, muth, brust lodern: aber warum wollen einige von ihnen mir nicht glauben? dasz dieser feurige geist nicht immer sprüete und loderte. Lessing 10, 3; der feurige geist, der in dem buben lodert. Schiller
räub. 1, 1; der wirbelwind der töne wehte in seine lodernde seele. J. Paul
Tit. 2, 237; ich fühl, dasz meine seele lodert. Bettine
briefe 1, 144; wie der sänger vom lodern des geistes in ihm aufgezehrt ward und dahin starb. Scheffel
Ekkeh. s. 399; mein herze lodert schon von tausend süszen flammen. Lohenstein
blumen s. 60; es lodert seel und leib und steht in voller glut. Menantes
galante ged. 1 (1704) 43; die augen sagen dir durch ihre lieblichkeiten: wer einmal uns gesehn, dem lodert schon die brust. 2 (1703) 154; immer blick ichs (
das vergehen der liebe) an und immer lodert hoch das herz bei seinem anblick mir. Bürger 98
b (
Heloise an Abelard); lodern (
wollen) seelen in vereinter glut. Schiller
fantasie an Laura; ihrer blicke sanfter schein war in mir zu wildem lodern (
geworden). Uhland
ged. 254;
und der mensch selbst, von seiner innern glut ergriffen: wie wird mir? ich vergeh! ich loder, ich verbrenne! es überschwemmet mich ein ganzes wollust-meer. Lohenstein
blumen 61; es ist ein gutes volk, in seiner liebe raschlodernd, wie in seinem zorn. Schiller
jungfr. von Orl. 3, 2;
sowie sein antlitz, seine wangen, seine augen: der sterbende .. schlug zwei lodernde augen auf. J. Paul
uns. loge 3, 172; es war rührend und hart zugleich, wenn er lachend unter seinen freunden und deren freunden sasz mit einem entfärbten gesicht, mit höhern, schärfern knochen der augen und der nase, mit einem wildern auge, das aus einer dunklern knochentiefe loderte.
Tit. 3, 156; die marquise blickte mit tödtender wildheit bald auf den grafen, bald auf die mutter ein; ihre brust flog, ihr antlitz loderte. H. v. Kleist
werke 4, 28; ein mann (ihn nenne dir das lodern deiner wangen!) hat freventlich sich gegen uns vergangen. Wieland 21, 335.