Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
linde
2 ‘von geringer Grobheit, zart, fein’
3 ‘von geringer Intensität, sanft, gering, leicht’ , meist von elementaren Kräften (Feuer, Wellengang, Wind und Wetter)
4 übertr. ‘sanft(mütig), milde, angenehm, freundlich’
1 ‘von geringer Härte, weich’ nû hât man vunden einen list / daz er [ein Diamant] in vil kurzer vrist / linde wirt als ein rüebe, / daz man in snite wol oder grüebe, / swie den man dunket guot Volmar 305; diu betwât vil linde was, / der pfulwe und ouch daz küssîn UvZLanz (K) 4156; mit weichen linden chleidern [ mollibus vestimentis Lc 7,25] angetan EvAug 145,16; AvaJo 25,8; Iw 5570; Parz 552,18; nû merkent, wie daz linde blî / versmelze vor des fiures craft KvWTroj 26102; Seuse 155,17; Wh 100,13; SalArz 8,48; Athis C* 85; OvBaierl 15,2; diu lung [...] von waichem lindem flaisch ist BdN 30,15. 50,29; swâ diu erde ist linde [weich, locker] , / dâ wirt daz wazzer swinde / unde weich in dem munde LvRegSyon 3444; SalArz 18,31. – ‘schlaff’ so wir trachlichen zekirchen gen. vnde sten trachlichen div ovgen vͦf hefen zeden armen vnde ze den siechen. trachlichen fuzze unde hende. linde ellev unseriv lît. bieten ze troste vnde ze hilfe den armen. daz ist ein grozziv sunde PrKlostern 37 2 ‘von geringer Grobheit, zart, fein’ diu pleter [des Ahorns] sint gar lind und zart BdN 338,12; der meie lât den küelen tou / ze linden bluomen fliezen KvWTroj 26123; swâ man von îse ein lindez [dünnes] vel / ûf einem tiefen sêwe kôs, / und er sô lützel dâ gefrôs, / daz man durch sîn vil dünnez dach / ein hâr bereiteclîche sach ebd. 6104; ir [der Boten] spise die was linde. / nach hoves ere man in bot / simeln unde schuzzelbrot / unde da zu edel spise Elis 422; swaz lind was und klâr, / daz hiez ich allez dar / dînem lîb gewinnen EnikWchr 16149. – oft von menschlichem Erscheinungsbild, spez. der Haut: rûch ist mîn bruoder [Esau] , / ich [Jakob] bin sleht unde linde Gen 1131; daz din hut luter, linde und schoͤn werde, nim bioniewurz BenRez 23; Barth 138,29; an hiuten lint tuot winter wê SM:Had 3: 2,4; mit alsô liehter varwe / was ir lîp über al / linde und eben hin zetal Wig 902; mit siner linden wizen hant GrRud H 24; lindiu diehel [Schenkel] , slehtiu bein, ir füeze wol gemezzen Tannh 3,48; KLD:UvL 36: 7,1; Parz 88,15 3 ‘von geringer Intensität, sanft, gering, leicht’, meist von elementaren Kräften (Feuer, Wellengang, Wind und Wetter): daz [die Zutaten] sut allez ensament bi einem linden fuer SalArz 76,39; dar nach pey ainer kurtzen stund / ließ das mer sein greynenn. / [...] / di unden [Wellen] wurden linde HvNstAp 4964; vil linde wart ir weter do Pass I/II (HSW) 14262; die senften linden winde Tr 559; [Gott schickt] den winter herte, den sumer linde Aneg 524; RvEBarl 12372; DvAStaff 262; KvHeimUrst 1936. – phras. (?), wohl hierher: kindes ellen daz ist linde / swa man nach prise vihtet. / diu diet ist unberihtet / swa der kuͤnc ist ein kint: / diu wort dicke bewæret sint Rennew 12662 4 übertr. ‘sanft(mütig), milde, angenehm, freundlich’ er sprach, daz got lindes gemvͦtis wâre wider die in vorhtin vnde die ze siner barmherz gedingen hetin Spec 9,1; Ottok 96558. 9206; sîn [Achills] werder lîp der was geslaht / und alsô linde in sîner maht, / daz er die lêre [des Cheiron] sanfte enphienc KvWTroj 6380; [nirgendwo] vant man sô rehte linden man [wie Joachim] , / nît noch haz er nie gewan MarlbGr 9; Renner 7675; ih han dih gotis toufere irkorn / [...], / dih milden vnde dih gnedigen, / dih semften vnde dih linden Litan 541; KvWSchwanr 834; Daniel 7836; Minneb 1466; dî mûtir [musste sich trennen] von dem kinde, / daz sî dennoch linde / zôch mit der spune [Mutterbrust] vûtir! NvJer 16722; er ist semfter dan ein lämbelîn, / da enkegen als ein eberswîn / ist er, swâ man sîn bedarf: / friunden linde, vînden scharf Georg 432; kegn den vîndin linde NvJer 16546; grüss, wilkomen linde / wider für der rainen magtt GTroj 7278; der wîbe lœn sint süezze und lind SM:Had 53: 8,7; sin minne ist also linde / [...] / daz er dir nichtesnicht verseit Hester 1968; deheiner tugent in nie bevilte [verdross ihn nie] , / si wær im ze tuonne lint Ottok 3635; er machte fride zuo drin tagen / mit des povels [Volkes] ingesinde. / dô daz dinc wart sô linde [besänftigt] ebd. 14238; urloup gap er über al / den müeden ze varn, / von dann si komen wârn. / der wec was in linder ebd. 32050; Wernh D 3408. – von Äußerungen: sein rede was süeze unt linde Serv 678; RvZw 241,8; mit lindin, senften worten RvEWchr 21983. 14905; Wig 8103; er chot: ‘wer ist dâ, weri got? dû hâst mich unsanfte irwecchot!’ / Esau sprach duo sînem vater lindere zuo: / ‘hie ist Esau [...] ’ Gen 1186; din scheltwort alsô heize / diu wâren ir linde als daz tou Wernh 3573
MWB 3,3 1171,39; Bearbeiter: Richter