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Gelinde

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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16 in 15 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Gelinde

Bd. 2, Sp. 536
Gelinde, -r, -ste, adj. et adv. 1. Eigentlich. 1) Sanft, glatt, dem Gefühle nach, im Gegensatze dessen, was rauh ist. Ihre Worte sind gelinder (glatter) denn Öhl, Ps. 55, 22. Mandelöhl macht eine gelinde Haut, gelinde Hände. Gelindes Leder. 2) Weich, im Gegensatze dessen, was hart ist; doch nur noch selten. Gelindes Fleisch, welches weich oder mürbe ist. Ein gelindes Bett, ein gelindes Küssen, ein weiches, im Oberdeutschen. Gelinde Saiten aufziehen, figürlich, nachgeben. Das Kupfer ist gelinde, bey den Kupferstechern, wenn der Grabstichel leicht und rein schneidet. 2. Figürlich. 1) Die gelinde Aussprache eines Buchstaben, im Gegensatze der harten. Jemanden mit gelinden Worten besänftigen, mit sanften, sanftmüthigen. Gelinde Sitten haben, im Gegensatze den rauhen. Eine parteyische[] Empfehlung der Blutsfreunde ist, sie mit dem gelindesten Nahmen zu belegen, ein frommer Betrug, Gell. 2) Einen geringen Grad der innern Stärke oder des Prädicates überhaupt habend. Ein gelinder Regen, ein sanfter Regen. Eine gelinde Wärme. Gelindes Wetter, im Gegensatze des kalten. Ein gelinder Wein, im Gegensatze eines starken, feurigen. Eine gelinde Purganz, gelinde Arzeney, im Gegensatze einer heftigen. Die Arzeney wirkt sehr gelinde. Ein gelindes Feuer anmachen, im Gegensatze eines starken oder heftigen. Ein gelinder Wind. Ein gelinder Schmerz. Jemanden sehr gelinde strafen. Etwas gelinde anrühren. 3) Geneigt, in Beurtheilung anderer und in seinem Betragen gegen sie auf das vortheilhafteste, d. i. so wie es ihre Wohlfahrt erfordert, zu verfahren; im Gegensatze dessen was strenge ist. Niemand lästern, nicht hadern, gelinde seyn, Tit. 3, 2. Eine gelinde Strafe. Seinen Kindern gar zu gelinde seyn. Sehr gelinde mit jemanden umgehen. Eine gelinde Herrschaft. Gelinde Mittel versuchen, im Gegensatze der strengen. Anm. Im gemeinen Leben Ober- und Niederdeutschlandes oft nur linde, welches auch Sprichw. 15, 1, 15 vorkommt, bey dem Ottfried und seinen Zeitgenossen lindo und lind, im Nieders. und Dän. lind, im Schwed. len, im Angels. lith, im Latein. lenis. Das e am Ende ist das e euphonicum, welches durch die gelinde Aussprache des d nothwendig wird. Bey den Schwäbischen Dichtern kommt auch das Zeitwort gelinden vor, gelinde werden. S. Lindern.
2263 Zeichen · 54 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gelindeadj.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    gelinde adj. blandus sumerl. 3,15.

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    gelindeAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    gelinde , Adj. nhd. gelinde Hw.: vgl. mhd. gelinde E.: s. ge, linde (2) R.: gelinde wēder: nhd. gelindes Wetter, laues W…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gelinde

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gelinde , -r, -ste, adj. et adv. 1. Eigentlich. 1) Sanft, glatt, dem Gefühle nach, im Gegensatze dessen, was rauh ist. I…

  4. modern
    Dialekt
    gelinde

    Rheinisches Wb. · +1 Parallelbeleg

    ge-linde: -len Saarbr ; -li·n., –a- Bitb ; -a- Wittl ; -ī- Trier-Karthaus ; -lę·n.t Eup ; -e- Mörs-Neuk . 1. a. von der …

  5. Sprichwörter
    Gelinde

    Wander (Sprichwörter)

    Gelinde 1. Etwas gelinner, schruiwed (schreibt) de Kalänner. ( Iserlohn. ) – Frommann, III, 256, 57. 2. Sei nicht allzu …

  6. Spezial
    gelinde

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    ge|lin|de adj. 1 (mild, sanft) lisier (-s, -a) , saurí (-isc, -ida), morjel (-jí, -a) 2 (gemäßigt, mäßig) moderé (-rá, -…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gelinde

7 Bildungen · 1 Erstglied · 5 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gelinde

ge- + linde

gelinde leitet sich vom Lemma linde ab mit Präfix ge-.

Zerlegung von gelinde 2 Komponenten

gel+inde

gelinde setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

gelinde‑ als Erstglied (1 von 1)

gelinde als Zweitglied (5 von 5)

sigelinde

MNWB

sigel·inde

(sigelinde) „laureola, sutebast, ogelinde ” (l. cigelinde ?) Dief. 97. Vgl. singelinde.

singelinde

MNWB

singe·linde

singelinde „alipiades cingelinde ” (Dief. 85), l. sigelinde ? —

zigelinde

DWB

zigel·inde

zigelinde , f. , seidelbast, daphne mezereum, s. zeiland m. ( sp. 512) und Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 2, 31 .

Ableitungen von gelinde (1 von 1)

ungelind(e)

DWB

ungelind(e) , adj. adv. , gth. von gelind(e); seit dem 16. jh. bezeugtes, immerhin nicht häufiges, im 19. jh. fast nur dichterisches wort, d…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gelinde". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 16. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gelinde/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „gelinde". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gelinde/adelung. Abgerufen 16. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gelinde". lautwandel.de. Zugegriffen 16. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gelinde/adelung.
BibTeX
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