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heimat

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

heimat f.

Bd. 10, Sp. 864
heimat, f. patria, domicilium. ahd. heimôti, mhd heimôte und heimuote neben heimôt und heimuot; das goth weist eine erweiterung haimôþli, plur. haimôþlja (ἀγρούς Marc. 10, 29. 30) auf, die sich auch ahd. als heimôdili (Graff 4, 951) wieder findet. das wort zeigt, wie armut, kleinod und monat, vor dem suffixalen, zustands- und ortsbildenden t ableitenden ursprünglich langen vocal, der sich auch, nachdem im allgemeinen solche vocale zu tonlosem e zurückgegangen waren, ausnahmsweise erhielt. freilich nicht ohne schwanken. die mhd. gewöhnliche verbreiterung heimuote, heimuot läszt sehen, wie man das wort misverständlich mit muot zusammenbrachte (wie man kleinod in kleinheit umdeutete 5, 1122), klar zeigt sich dieses zusammenbringen in der form heinmuot Lexer wb. 1, 1221; welcher tod dich füret zuo der heinmut dins vatterlands der ewigen seligkeit. Keisersberg bilg. 73a; sicher kummen zuo dem rechten woren heinmud und vatterland der ewigen seligkeit. 82a; heimmuot patria Dief. nov. gloss. 283a (15. jahrh.); heimuot, heimut dauert auch noch später fort; der mit flysz und ylent suocht sin zitlich heimuot. Keisersberg bilg., titelblatt; wenn einr ausz frembden landen kümpt zu den seinen in sein heimut. B. Waldis Esop 3, 29, 9. in dem heute ausschlieszlich schriftgemäszen heimat ist die ursprüngliche ableitungssilbe -ôt durch at verdrängt, ganz so wie zu mhd. mânôt sich mânât, ebenso zu kleinôt schon im 14. jahrh. die nebenform kleinât findet (5, 1121; der frouwen kleinât. Biterolf 12474 Martin). heimat ist seit dem 15. jahrh. aus verschiedenen gegenden nachweisbar: patria das haymat Dief. nov. gloss. 283a (augsburgisch), Luther braucht diese form (s. unten), ebenso kennt sie Maaler: aus unserem heimat, unser landsmann, consors patriae 216b, wie sie denn im 16. jahrh. schon entschieden überwiegt. aus ihr entspringen zwei nebenformen: eine mit nasal versehene heimant: das heimandt, vaterland, patria Maaler a. a. o.; nach dem nasal fällt der schlieszende consonant ab: die herberg und heimen, darin wir hie in zyt wonend. Zwingli 2, 208; in formelhaftem gebrauche ohne artikel: deszmals brachen die Gothier von heimant auszgetriben in Traciam. S. Frank chron. 1531 153b; und eine abgeschwächte: heimet, vatterland patria Dasyp.; wiewol sy die zeit in ainem frembden land und nit in irem haimet waren. Melanchthon hauptartikel d. h. schrift verdeutscht fol. 68; sich in irer heimet nit wusten weiter zu betragen oder zu erneren. Zimm. chron. 4, 304, 15; gaben sich widerumb auf die flucht nach irem heimet. H. Staden l 4; in meiner heimeth. Simpl. 4, 155 Kurz; der hecht thet sich von dannen machen und wider in sein heimet fliehen. B. Waldis Esop 3, 8, 17; ohne artikel: sich wend nach heimet unverzaget. B. Ringwald ev. Hh 3b; eine form, die sich in den süddeutschen mundarten bis heute erhalten hat, und der sich mitteldeutsches (dür., obersächs.) heimde, hêmde (patria heimede Dief. 416c, 15. jahrh.) anschlieszt. Das geschlecht des wortes ist ursprünglich nur neutrales gewesen, bereits im mhd. aber entwickelt sich daneben das weibliche und erscheint bald gleich häufig (gleiche geschlechtsschwankung bei armut, s. 1, 561). wenn für die heutige schriftsprache heimat als fem. ausschlieszlich gilt, so ist es im 16. jahrh. als neutrum noch häufig (beispiele s. oben), im 17. jahrh. wenigstens noch gebräuchlich: bei einnemung ihres heimats. Simpl. 3, 254 Kurz; wie es in meinem heimeth zu gehen pflegte. 4, 83; noch jetzt ist das neutrale geschlecht mundartlich vielfach ausschlieszlich üblich, so z. b. in Hessen das heimed, hêmed Vilmar 159, bair. das haimât, plur. die haimâter Schm. 2, 193; ebenso in Kärnthen hâmat Lexer 138. Bedeutung. 11) heimat, das land oder auch nur der landstrich, in dem man geboren ist oder bleibenden aufenthalt hat: der got des himels, der mich von meines vaters hause genomen hat, und von meiner heimat. 1 Mos. 24, 7; in seiner heimath (Deutschland). Zinkgref apophth. 1, 425; wie ich in mein heimat wider kommen bin. Schuppius 760; es ist entweder faulheit oder ungeschicklichkeit, oder aber eine schwere steuer, die sie (die emigranten) aus ihrer heimath treibt. Möser patr. phant. 1 (1798) 345; manche deutsche flüchtlinge haben in der Schweiz eine zweite heimat gefunden; familien ziehen über die see, um sich in Amerika eine neue heimat zu gründen; leider ist die heimat zur fremde dir geworden. Schiller Tell 2, 1; eingedenk der heimat, gleitet er (der schiffer) im wogensturz daher. Voss 4, 153; du weiszt ja, in der deutschen heimath blieb die junge gattin mir, kaum anvermählt. Uhland ged. 185; schon führt er zu der heimath strande, von golde schwer, den eignen mast. 242; wo so mancher von der heimath scheidet ohne widerkehr. 290; mir aber ist die heimath längst verloren. 385; sei mir gegrüszt, du ewiges meer, wie sprache der heimat rauscht mir dein wasser. H. Heine 15, 241. in bezug auf pflanzen, thiere: die heimath dieser pflanze (solanum pseudocapsicum) ist ungewis. Nemnich 4, 1319; und vögel flogen nach diesen und jenen richtungen wie nach verschiedenen heimathen. A. Stifter studien 5, 79. 22) heimat, der geburtsort oder ständige wohnort: wan .. die mergker einen uszman (aus einem andern dorfe) betreden, der sich nicht phenden laiszen woilde, dem solte er (nämlich ein märker) nachgehen wisz in syn haimaide, und dan den darumb furdern und anlangen. weisth. 3, 324 (Hessen v. 1440); solche vermächtnus hinderlägten wir ... in meines manns heimath in Hochdeutschland. Simpl. 3, 57 Kurz; traute heimat meiner lieben! Salis; doch vor der heimath thoren am altar da harrten schon zum festlichen empfang der frauen und der jungfraun helle schaar. Uhland ged. 379. 33) selbst das elterliche haus und besitzthum heiszt so, in Baiern. Schm. 2, 193 (vergl. auch unten heimathaus), woraus der sinn haus und hof, besitzthum überhaupt sich ausbildet, auszer in Baiern namentlich auch in der Schweiz: die hêmet, hâmet mit dem plur. hêmeta, hâmeta, auch in der formel hûs ond hêmet Tobler 259; das heimath sieht nicht am besten aus, selb ist wahr, aber das land ist gut. J. Gotthelf schuldenb. 8; er nimmt zum maasstab seinen erlös aus dem verbesserten heimwesen. das neue heimath kostet ihn wohl 10, 000 gulden ... s. 19. dim. heimathli: es geht um ein heimathli. das also hättet ihr gerne gehabt. s. 6. 44) heimat in freierer anwendung. 4@aa) dem christen ist der himmel die heimat, im gegensatz zur erde, auf der er als gast oder fremdling weilt: wann, friedensbothe, der du das paradies dem müden erdenpilger entschlieszest, tod, wann führst du mich mit deinem goldnen stabe gen himmel, zu meiner heimath? Hölty 84 Halm; ein zarter fremdling auf der rauhen erde, der bald zur heimath sich zurückgeschwungen. Uhland ged. 126; fremdling bin ich nur im staube, meine heimat such ich wieder, meine grüne himmelslaube. Arndt ged. (1840) 486. 4@bb) dichterisch: der entrückt nun den gefahren, wie Ulyss nach zwanzig jahren, in der wünsche heimath ruht. Bürger 72b. 4@cc) redensarten. in Baiern heiszt ein zweckloses, ungegründetes geschwätz ein schmaz, der keine heimat hat. Schm. 2, 193; etwas kommt einem von heimat aus, aus sich selbst; drum flickt er da und dort mit frömbden lumpen zu, wan nämlich teütsche wort dem ungeschickten kopf von haimatausz nicht kommen. Rompler 114.
7339 Zeichen · 154 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    heimatf.

    Grimm (DWB, 1854–1961) · +3 Parallelbelege

    heimat , f. patria, domicilium. ahd. heimôti, mhd heimôte und heimuote neben heimôt und heimuot; das goth weist eine erw…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Heimat

    Goethe-Wörterbuch

    Heimat überwiegend -th; Mehrzahl von rund 100 Belegen in 1 1 durch Abstammung od Ansässigkeit vertrauter Lebensraum, Ort…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Heimat

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Heimat ist Bezeichnung für den Geburtsort, auch für den Ort, wo jemand sein Heim, d. h. seine Wohnung, hat. In der Recht…

  4. modern
    Dialekt
    Heimat

    Schweizerisches Idiotikon · +4 Parallelbelege

    Heimat Band 2, Spalte 1283 Heimat 2,1283

  5. Sprichwörter
    Heimat

    Wander (Sprichwörter)

    Heimat 1. Heimat mein, was kann besser sein. – Pistor., I, 59; Simrock, 12326. Böhm. : Svá vlast' každému nejmilejši, mn…

  6. Spezial
    Heimat

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Hei|mat f. (-,-en) paisc nadé m. , daciasa m. , inciasa m. , patria f.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit heimat

87 Bildungen · 79 Erstglied · 3 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von heimat 2 Komponenten

hei+mat

heimat setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

heimat‑ als Erstglied (30 von 79)

Heimat(s)lēⁿ

Idiotikon

Heimat(s)lēⁿ Band 3, Spalte 1238 Heimat(s)lēⁿ 3,1238

Heimathaus

SHW

Heimat-haus Band 3, Spalte 227-228

Heimatort

SHW

Heimat-ort Band 3, Spalte 227-228

Heimatamt

Meyers

heimat·amt

Heimatamt , abgekürzte Bezeichnung des »Bundesamts für das Heimatwesen« (s. d.).

Heimatchammer(en)

Idiotikon

Heimatchammer(en) Band 3, Spalte 250 Heimatchammer(en) 3,250

Heimatdorf

PfWB

heimat·dorf

Heimat-dorf n. : wie schd. Ganz do iwwe so neiⁿgeguschelt (licht) deiⁿ Heimatdörfel [ Hartmann Unkel 62]. —

heimatforst

DWB

heimat·forst

heimatforst , m. : so führt die wilde löwinn ihre jungen, ... und macht durch beispiel frühe sie zum graun des jägers, wenn er stört die hei…

heimatgewässer

DWB

heimat·gewaesser

heimatgewässer , n. : ein revolutionärer frosch, welcher sich gern aus dem dicken heimatgewässer erhübe. H. Heine 11, 155 .

heimathaus

DWB

heimat·haus

heimathaus , n. elterliches, geburtshaus (heimat 3 oben ): beschleichend fieber brachte dir verderben, du wurdest bei der eltern weheklagen …

Heimathlich

Campe

heimath·lich

◬ Heimathlich , adj . u. adv . zur Heimath gehörig, die Heimath abgebend oder seiend, der Heimath ähnlich, gleich. — weggerissen von der hei…

Heimathlos

Campe

heimath·los

◬ Heimathlos , adj . u. adv . ohne Heimath, der Heimath beraubt. — — heimathlos Durchstürmten wir die kriegsbewegte Erde. Schiller. Davon de…

Heimathpforte

Campe

heimath·pforte

◬ Die Heimathpforte , d. Mz . ungew. die Pforte der Heimath; dann, die Heimath selbst. Doch wen'ge seh'n die Heimathpforte wieder. Schiller.

Heimathrecht

Campe

heimath·recht

○ Das Heimathrecht ( Heimathsrecht), des — es , d. Mz . ungew. das Recht der Heimath, das Recht der Eingebornen, welches einem Fremden der s…

heimathütte

DWB

heimat·huette

heimathütte , f. : munter fördert seine schritte fern im wilden forst der wandrer nach der lieben heimathütte. Schiller glocke v. 276 .

Heimathwelt

Campe

heimath·welt

◬ Die Heimathwelt , d. Mz . ungew. die Welt, in welcher etwas einheimisch ist, die Heimath. Uneigentlich. Die Fabel ist der Liebe Heimathwel…

Heimatierd'

MeckWBN

Wossidia Heimatierd' f. Heimaterde: tru is dei Heimatier Puls Licht 41.

heimatklang

DWB

heimat·klang

heimatklang , m. : die todtenglocke tönte mir so traurig sonst, so bang; seit euch geläutet ward von ihr, ist sie mir heimathklang. Uhland g…

heimatkreis

DWB

heimat·kreis

heimatkreis , m. : der heimatkreis des säugethiers ist beschränkter als der eines vogels oder fisches. Brehm illustr. thierleben 1, xxviii.

heimat als Zweitglied (3 von 3)

Wahlheimat

RDWB1

Wahlheimat f (Lakune) вторая родина (родина по собственному выбору)

Bërgheimat

Idiotikon

Bërgheimat Band 2, Spalte 1283 Bërgheimat 2,1283 u.

Ableitungen von heimat (5 von 5)

BEHEIMATEN

DWB2

BEHEIMATEN vb. jmdn., etwas in einem gebiet ansiedeln aufnehmen, ihm eine (neue) heimat geben; vorwiegend als part.adj. beheimatet i. s. v. …

Entheimatung

LDWB2

Ent|hei|ma|tung f. (-,-en) despatriaziun (-s) f.

unheimatlich

DWB

unheimatlich , adj. adv. , gth. v. heimatlich 1: Brentano schr. d. Götheges. 14, 81 ; Baumgarten - Crusius licht u. schatten (1824) 1, 106 .…

urheimat

DWB

urheimat , f. (ur- C 4 c). ursprüngliche heimat i. a.: denn so lebt diese grüne u. ( h. des vaters ) in des knaben gedächtnisz Gutzkow (1872…

urheimatlich

DWB

urheimatlich , adj. adv. R. Wagner 4, 149 ; 4, 311; mein leben 311. —

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „heimat". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/heimat/dwb?formid=H05424
MLA
Cotta, Marcel. „heimat". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/heimat/dwb?formid=H05424. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „heimat". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/heimat/dwb?formid=H05424.
BibTeX
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