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Heilige

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Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Heilige

Bd. 9, Sp. 70
Heilige (lat. Sancti) sind nach der katholischen Kirchenlehre solche Verstorbene, die als Fürsprecher bei Gott und Christus von den Menschen verehrt und angerufen werden. In der alten Kirche wurde schon der Fürbitte der Märtyrer und Bekenner, solange sie noch lebten, eine von Kirchenstrafen befreiende Macht beigelegt, und es lag unter der Voraussetzung, daß die Gemeinschaft der Kirche durch das sinnliche Absterben ihrer Glieder keine Unterbrechung erleide, nahe genug, von der Fürbitte der verklärten Heiligen bei Gott um so Größeres zu erwarten. Hatten ferner schon seit Ende des 2. Jahrh. ganze Gemeinden das Andenken ihrer Blutzeugen (ihre Dies depositionis, Begräbnistage) gefeiert, an ihren Gräbern die Geschichte ihres Bekenntnisses und Leidens vorgetragen, so ging diese Gedächtnisfeier bald in Verehrung über, die von den angesehensten Kirchenlehrern empfohlen wurde. Das Volk fand in den Heiligen immer mehr eine Entschädigung für seine Untergottheiten, Genien und Heroen. Als die Gelegenheit, zum Martyrium zu gelangen, verschwand, wurden Eremiten und Mönche zu Heiligen gestempelt. Man ordnete nicht nur in den einzelnen Kirchen besondere Feste an zum Andenken gewisser Heiligen, sondern es ward auch schon im 4. Jahrh. in der orientalischen Kirche, wo die Zahl der Heiligen überhaupt früher zum Abschluß kam, später auch im Abendland das Fest Allerheiligen (s. d.) gefeiert. Seitdem wurden den Heiligen auch besondere Kirchen erbaut, in denen man ihre Reliquien aufbewahrte, und wo man, wie früher in den Göttertempeln, Abbildungen der Glieder, deren Heilung man der Fürbitte eines Heiligen zu verdanken glaubte, als Weihgeschenke aufhängte (s. Ex voto). So entstanden die besondern Schutzheiligen oder Patrone für einzelne Kirchen, Städte, Länder und gegen gewisse Übel und Gefahren. England verehrte Georg als Schutzpatron, Spanien Jakob, Ungarn Stephan. Die Juristen hatten sich Ivo, Schüler und Studierende Gregorius, die Maler Lukas, die Zimmerleute Joseph, die Schuhmacher Crispinus, die Musiker Cäcilia als Schutzpatrone auserkoren. Gegen die Pest rief man die Heiligen Rochus und Sebastian, gegen Augenleiden Ottilia, Klara und Lucia an. Selbst auf die Tiere erstreckte sich der Schutz der Heiligen; die Gänse z. B. schützte Gallus, die Schafe Wendelin. Der Zyklus der Heiligen erhielt in der Jungfrau Maria erst seinen eigentlichen Mittelpunkt; sie, das vollkommenste Ideal weiblicher Heiligkeit, tritt an die Spitze der heiligen Schar. Alle in der Heiligen Schrift erwähnten Personen, die für die Wahrheit gelitten oder ihr Leben im Dienste Gottes aufgeopfert hatten, traten in die Zahl der Heiligen ein und erhielten besondere Festtage, so die Apostel, die Evangelisten etc. Endlich meinte man auch Männern, die für die Rechtgläubigkeit gestritten hatten, z. B. Athanasius von Alexandria, Leo von Rom, Ambrosius von Mailand, Augustinus von Hippo, Martin von Tours u. a., die den Märtyrern und Konfessoren (»Bekennern«, s. Confessor) bewilligte Ehre nicht versagen zu dürfen. Gleichzeitig bildete die Wundersucht nicht bloß die Heiligenlegende immer üppiger aus, sondern die fromme Phantasie erfand auch nicht wenige H., von denen die Geschichte nichts weiß. Nachdem zuerst die morgenländische Kirche im zweiten Nicäischen Konzil (787) den Heiligendienst (Hagiolatrie) kirchlich fixiert hatte, unternahm es die abendländische Scholastik, den dem Volk zum Bedürfnis gewordenen Heiligendienst mit Gründen zu stützen, die im wesentlichen bis auf den heutigen Tag-in der römischen Kirche gelten. Durch ihre Tugenden und Verdienste Freunde Gottes und Vertreter und Fürsprecher der sündigen Menschen vor dem göttlichen Thron, zugleich als Teilnehmer an Christi Weltherrschaft uns allezeit nahe, dürfen sie nicht nur um ihre Fürbitte bei Gott angerufen werden, sondern haben auch einen Anspruch auf Verehrung. – Die christliche Kunst des Mittelalters hat sich vielfach mit Feststellung der Attribute der Heiligen beschäftigt und sie teils aus der Schrift, teils aus der Legende entlehnt. So ward z. B. dem Petrus der Schlüssel, dem Täufer Johannes das Lamm Gottes beigegeben. Vgl. Otte, Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie des Mittelalters (5. Aufl., Leipz. 1883–85, 2 Bde.); weitere Literatur über die Darstellung der Heiligen in der bildenden Kunst, ihre Attribute etc. s. im Artikel »Ikonologie«. Die Anerkennung der Heiligen war in den frühern Jahrhunderten nicht geregelt, sie ging vom Volk aus; das Recht der Heiligenernennung aber sollte den Bischöfen zukommen. Seit Alexander III. (1170) nahmen die Päpste selbst das Geschäft in die Hand, jene Zierden der katholischen Christenheit prozessualisch zu ernennen (Kanonisation) und ihr Verzeichnis fortzusetzen. Der Papst untersuchte entweder selbst, unter Zurateziehung einer Versammlung von Bischöfen und später von Kardinälen, den ihm übersandten Bericht über das Leben und die als unentbehrlich zur Kanonisation geltenden Wunder des Heiligzusprechenden, oder er übertrug dies auswärtigen Klerikern. Seit der Reformation nahm man vornehmlich auf solche Personen Rücksicht, die sich durch ihren Eifer gegen die Sache des Protestantismus ausgezeichnet hatten. In diesem Sinne lieferte der Jesuitenorden eine Anzahl neuer Heiligen. Auch zwischen Heiligsprechung (canonizatio) und Seligsprechung (beatificatio) wurde unterschieden. Letztere begründet nur eine lokale Verehrung an gewissen Orten, in einzelnen Provinzen oder Diözesen oder auch nur unter einzelnen Mönchsorden, erstere dagegen eine Verehrung in der ganzen rechtgläubigen Kirche (s. Beatifikation und Advocatus diaboli). Die Reformatoren verwarfen den ganzen Heiligenkult als im Widerspruch stehend mit der Lehre des Christentums, daß nur Gott angebetet werden solle, und daß Christus der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen sei. Den in dieser Richtung erfolgenden Angriffen wich das Tridentinum aus mit der Behauptung, daß mit dem Heiligenkult nur Gott gemeint sei, und die katholischen Kirchenlehrer suchten zwischen Anbetung (adoratio, griech. latreia), die wir nur Gott und Christo schuldig seien, und Ehrerbietung (veneratio, griech. duleia), die wir auch der Kreatur erweisen dürften, einen Unterschied zu machen, der natürlich für den Volksgebrauch wertlos ist. Die Legenden der Heiligen wurden frühzeitig gesammelt und nach dem Kalender geordnet; daraus entstanden die Kalendarien, Hagio- oder Menologien und Martyrologien (s. d.). Auch stellte man die Vitae Sanctorum in Sammlungen zusammen, von denen besonders die des Simeon Metaphrastes im Morgenland und die »Legenda aurea«, von Jacobus de Voragine (gest. 1298) veranstaltet, im Abendland bemerkenswert sind. Gedruckte Vitae Sanctorum gibt es von Aloys Lipomanus (Rom 1551–60, 8 Bde.), Laurentius Surius (3. Ausg., Köln 1618, 12 Bde.) u. a. Das ausführlichste Werk sind die »Acta Sanctorum«, von Joh. Bolland (Antwerp. 1643) angefangen und von den sogen. Bollandisten (s. d.) fortgesetzt. Ein vollständiges Inhaltsverzeichnis dieser Sammlung bei Potthast, »Bibliotheca medii aevi« (2. Aufl., Berl. 1896). Der 2. Band von Grotefends »Zeitrechnung des deutschen Mittelalters und der Neuzeit« (Hannov. 1892) enthält einen Kalender der Diözesen Deutschlands, der Schweiz und Skandinaviens mit alphabetischem Heiligenverzeichnis. Vgl. L. du Broc de Segange, Les saints patrons des corporations et protecteurs spécialement invoqués dans les maladies et dans les circonstances critiques de la vie (Par. 1887, 2 Bde.); Samson, Die Schutzheiligen (Paderb. 1889); Beissel, Die Verehrung der Heiligen und ihrer Reliquien in Deutschland (Freiburg 1890–92, 2 Hefte); »Hagiographischer Jahresbericht« (Mainz 1901, Kempten 1903).
7660 Zeichen · 89 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    heiligeswm.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +6 Parallelbelege

    heilige swm. der heilige, insbes. auch heiligenbild, reliquie. der himilshe cunic sicit zu gerehde in sîner mancrefde un…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    HeiligeDer, (die)

    Campe (1807–1813)

    Der (die) Heilige , des (der) — n, s. Heilig 2).

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Heilige

    Goethe-Wörterbuch

    Heilige überwiegend mask; gelegentl Kleinschr; 250 Belege, davon nur 30 in übertragener Verwendung (2) 1 im (kirchlich-)…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Heilige

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Heilige (lat. Sancti ) sind nach der katholischen Kirchenlehre solche Verstorbene, die als Fürsprecher bei Gott und Chri…

  5. Spezial
    Heilige

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Hei|li|ge m./f. (-n,-n) 1 sant(-a) m.(f.) 2 (Schutzheiliger) sant(-a) protetur(-ia) m.(f.) 3 (guter Mensch) bona porsona…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit heilige

184 Bildungen · 176 Erstglied · 5 Zweitglied · 3 Ableitungen

Ableitung von heilige

heil + -ig + -e

heilige leitet sich vom Lemma heil ab mit Suffixen -ig und -e.

Zerlegung von heilige 2 Komponenten

hei+lige

heilige setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

heilige‑ als Erstglied (30 von 176)

Heilige(n)frësser

Idiotikon

Heilige(n)frësser Band 1, Spalte 1325 Heilige(n)frësser 1,1325

Heilige(n)geiststein

Idiotikon

Heilige(n)geiststein Band 11, Spalte 823 Heilige(n)geiststein 11,823

Heilige(n)landpȫli N

Idiotikon

Heilige(n)landpȫli N. Band 4, Spalte 1181 Heilige(n)landpȫli N. 4,1181 o.

Heilige(n)lëcker

Idiotikon

Heilige(n)lëcker Band 3, Spalte 1247 Heilige(n)lëcker 3,1247

Heilige(n)pflëger

Idiotikon

Heilige(n)pflëger Band 5, Spalte 1235 Heilige(n)pflëger 5,1235

Heilige(n)schīn

Idiotikon

Heilige(n)schīn Band 8, Spalte 810 Heilige(n)schīn 8,810

Heilige(n)tagchleid

Idiotikon

Heilige(n)tagchleid Band 3, Spalte 624 Heilige(n)tagchleid 3,624

Heilige(n)tagrock

Idiotikon

Heilige(n)tagrock Band 6, Spalte 839 Heilige(n)tagrock 6,839

Heilige(n)toggel

Idiotikon

Heilige(n)toggel Band 12, Spalte 1162 Heilige(n)toggel 12,1162

Heilige(n)wëg

Idiotikon

Heilige(n)wëg Band 15, Spalte 826 Heilige(n)wëg 15,826

Heilige Allianz

Meyers

heilige·allianz

Heilige Allianz ( Heiliger Bund ), der Bund, der nach der zweiten Besiegung Frankreichs (s. Deutscher Befreiungskrieg , S. 729) auf Anregung…

Heiligechristangelegenheit

GWB

Heiligechristangelegenheit Pl für (die Vorbereitung der) Christbescherung, insbes die entspr Gaben Alles war beschäftigt mit Heiligenchrist-…

heiligedel

GWB

heilig·edel

heilig-edel in Kennzeichnung der weltzugewandten Religiosität PhNeris u seiner Kongregation Hier [ im neuen Kloster bei Navona ] blieb es je…

Heilige-Drei-Königs-Reste

GWB

Heilige-Drei-Königs-Reste metonym für das entspr Reliquiar ein .. seltenes Werk [ Ruppert Nr2391 ], auf die Geschichte und den ehemaligen Zu…

Heilige Familie

Meyers

heilige·familie

Heilige Familie , Darstellung des Christuskindes und seiner Angehörigen. Die frühere Malerei des Mittelalters beschränkte sich bei dergleich…

heiligeistlichheit

KöblerMhd

heili·geistlichheit

heiligeistlichheit , st. F. nhd. Wesen des Heiligen Geistes Q.: BdN (1348/1350) E.: s. heilec, geistlicheit W.: nhd. DW- L.: Hennig (heilige…

heiligeistlîcheit

MWB

heiligeistlîcheit stF. ‘das Wesen des Hl. Geistes’ und mag man niht gesprechen mit abgezogner [abstrakter] red: diu väterlichait ist diu sün…

Heilige Kriege

Meyers

heilige·kriege

Heilige Kriege , in der Geschichte des alten Griechenland die nach Amphiktyonenrecht zum Schutz des Apollonheiligtums zu Delphi und seiner B…

Heilige Lanze

Meyers

heilige·lanze

Heilige Lanze nennt man den Speer, mit dem der römische Soldat Longinus die Seite des gekreuzigten Christus durchbohrt haben soll. Angeblich…

Heiligelinde

Meyers

heilige·linde

Heiligelinde , Dorf im preuß. Regbez. Königsberg, Kreis Rastenburg, mit 284 Einw., berühmt durch das im Walde gelegene gleichnamige Kloster …

Heiligelindisch

Wander

heilige·lindisch

Heiligelindisch Er ist heiligelindisch. – Frischbier 2 , 1545. Aus Heilige Linde, ein Kloster bei Rössel. Um zu sagen, er ist ungeschickt.

heilige als Zweitglied (5 von 5)

Eselsheilige

Wander

esel·s·heilige

Eselsheilige Es sind Eselsheilige. Olearius im Persischen Rosenthal sagt S. 64: So werden die genannt, die äusserlich wie Heilige erscheinen…

Puppenheilige

Wander

puppen·heilige

Puppenheilige Es sind Puppenheilige. »Wie wir Puppenheiligen thun.« ( Luther's Werke, V, 82. )

Springheilige

DRW

spring·heilige

Springheilige, m. springender (II) Pilger; bei der sog. Echternacher Springprozession auf pinxtmontagh so[ll] der rich[ter] den gerich[ts]bo…

Ableitungen von heilige (3 von 3)

geheilige

BMZ

geheilige swv. werde heilig. dar umme geheilgete ir vile in den gezîten myst. 1,226,29.

Unheilige

GWB

Unheilige [bisher nicht publizierter Wortartikel]

verheilige

BMZ

verheilige swv. heilige. du gots erwelte creâtûr verheiligt über alle weib Wolk. 107,3,2.