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Haut

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Haut

Bd. 2, Sp. 1038
Die Haut, plur. die Häute, Diminut. das Häutchen, Oberd. Häutlein, eine Benennung verschiedener Arten natürlicher biegsamer Decken, so wohl flüssiger als fester Körper. 1. Bey flüssigen mit fremdartigen festern Theilen vermischten Körpern bildet sich auf der Oberfläche eine solche Decke oder Haut, wenn die feinern flüssigen Theile abdampfen und die festern fremdartigen zurück lassen. 2. Bey festern Körpern, besonders aus dem Pflanzen- und Thierreiche, ist die Haut, 1) überhaupt ein aus Fasern verschiedener Art bestehendes biegsames Gewebe, die darunter liegenden Theile vor den Verletzungen zu bewahren. Von der Art ist die Haut, womit manche Früchte, Kerne, Zwiebeln und andere Theile der Pflanzen umgeben sind, und welche bey vielen noch eine Schale über sich hat. In dem thierischen Körper werden sehr viele Theile von einem ähnlichen aber festern und zähern Gewebe bedecket, welches, wenn es sehr zart und fein ist, das Häutchen oder Häutlein genannt wird. Dahin gehören die[] Hirn- oder Gehirnhaut, die Beinhaut, die Hornhaut des Auges u. s. f. 2) In engerer Bedeutung, die äußere natürliche Bedeckung der thierischen und menschlichen Körper, welche gemeiniglich aus weißlichen Fasern bestehet, oft mit Haaren bedeckt ist, und auch das Fell genannt wird. In der Zergliederungskunst unterscheidet man das Häutchen oder die Oberhaut (Cuticula) von der eigentlichen Haut (Cutis.) Ersteres ist sehr zart und glänzend, bedeckt die letztere, und gibt sich los, wenn die Haut mit heißem Wasser verbrannt wird. Im gemeinen Leben verstehet man unter dem Nahmen der Haut entweder beyde zusammen genommen, oder auch nur die erstere. Einem Thiere die Haut abziehen. Eine Haut gärben, gar machen. Harte Haut an den Händen haben. Es läuft mir ein Schauer über die Haut. Ein Geschwür aus heiler Haut, im gemeinen Leben, welches von sich selbst entstehet, ohne Verletzung von außen. Wenn von den natürlichen Bedeckungen der thierischen Körper die Rede ist, so wird Haut bald in der weitesten Bedeutung von allen Thieren gebraucht, bald aber auch in engerer. In der ersten Bedeutung sagt man, daß die Schlangen ihre Haut ablegen, eine abgestreifte Schlangenhaut, eine Fischhaut, Aalhaut u. s. f. in welchem Falle das Wort Balg üblicher ist. In engerer Bedeutung ist es nur von den Häuten größerer Thiere, besonders solchen, welche ausgewirket und nicht abgestreifet werden, üblich, sie mögen übrigens noch mit Haaren bedeckt seyn oder nicht. S. Balg und Fell. Von der menschlichen Haut sind eine Menge figürlicher R. A. im Gange, welche aber größten Theils niedrig, höchstens in der vertraulichen Sprechart üblich sind. Dahin gehören: Einem die Haut über die Ohren ziehen, ihn seines Vermögens berauben, welches Mich. 3, 2, 3 heißt, die Haut schinden und abziehen. Mit ganzer Haut davon kommen, ohne Verwundung, ohne Schaden. Die Haut juckt ihm, sagt man von einem frevelhaften Kinde oder Menschen, wenn beyde sich nach Schlägen zu sehnen scheinen. Jemanden die Haut voll schlagen. Jemanden die Haut voll lügen. Einem recht auf die Haut greifen, ihm mit Ernst zusetzen, scharf in ihn dringen. Sich seiner Haut wehren, sich nachdrücklich vertheidigen. Seine Haut theuer verkaufen, nicht ungerochen sterben, nicht ohne den Schaden eines andern zu Grunde gehen. Mit der Haut bezahlen, für ein Verbrechen am Leibe, oder mit dem Leben büßen. Es gilt seine Haut, sein Leben. Auf der faulen Haut liegen, müßig gehen, siehe Bärenhäuter. Wieder in die alte Haut schliefen, wieder in seine vorigen Fehler oder Sünden verfallen. Vor Zorn, vor Freude aus der Haut springen wollen. Ich möchte aus der Haut fahren, sagt man in einer heftigen Leidenschaft. Er ist ein Schelm in der Haut, die Leichtfertigkeit ist ihm angeboren. Seine Haut selbst zu Markte tragen, etwas auf seine eigene Gefahr versuchen. Er steckt in keiner guten Haut, hat keinen gesunden Körper. Ich möchte nicht in seiner Haut stecken, möchte nicht an seiner Stelle seyn. Aus fremder Haut ist gut Riemen schneiden, mit anderer Vermögen kann man leicht freygebig seyn. Wohin auch folgende niedrige Stelle aus dem Opitz gehöret: Ist schon der Geist entflogen, Und aus der Haut gezogen. Eine gute ehrliche Haut, im gemeinen Leben, eine gute, ehrliche Person, ohne besondere Gemüthsgaben; Franz. un bon Diable. Er ist immer eine gute Haut gewesen, Less. Anm. Bey dem Ottfried Hut, bey dem Notker Hiute, für Leder, im Nieders. Huud, im Angels. Hyd, im Engl. Hide, im Holländ. Huid, im Schwed. Hud, im Lettischen Uda, im Lat. Cutis. Es wird gemeiniglich, und zwar mit vieler Wahrscheinlichkeit, von dem Zeitworte hüthen, bedecken, Angels. hydan,[] Engl. to hide, Griech. κευθειν, hergeleitet, so daß es ursprünglich eine jede Decke bedeutet haben kann; welcher Begriff auch in dem Worte Fell zum Grunde lieget. Im Nieders. bedeutet daher behüen auch mit Kleidungsstücken bedecken. Das Nieders. Schuut, Fell, Haut, Griech. σκυτος, ist nur durch den vorgesetzten Zischlaut davon unterschieden, so wie in dem Lat. Scutum, ein Schild, noch die erste Bedeutung des Schutzes, der Bedeckung, übrig geblieben ist.
5065 Zeichen · 75 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Haut

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Haut , plur. die Häute, Diminut. das Häutchen, Oberd. Häutlein, eine Benennung verschiedener Arten natürlicher biegs…

  2. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Haut

    Goethe-Wörterbuch

    Haut einmal Kleinschr; fast die Hälfte von ca 240 Belegen in natwiss Zshg, besonders in Bed 5; neben ausgeprägtem (tradi…

  3. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Haut

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Haut , der äußere Ueberzug organischer Körper, als Rinde, Fell, Balg etc., in der gewöhnlichsten Bedeutung die allgemein…

  4. modern
    Dialekt
    Haut

    Lothringisches Wb. · +9 Parallelbelege

    Haut I s. Hutt.

  5. Sprichwörter
    Haut

    Wander (Sprichwörter)

    Haut 1. A junge Haut schreit überlaut. ( Schwäb. ) 2. Alt heut bedörffen vil gerbens. – Franck, II, 36 b ; Eyering, I, 4…

  6. Latein
    haut

    Mittellateinisches Wb.

    haut v. haud. Leithe-Jasper

  7. Spezial
    Haut

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Haut f. (-, Häute) 1 ‹anat› pel (pels) f. 2 fol (foi) m. 3 ‹anat› (Wand eines inneren Organs) pel (pels) f. , tëra (tëre…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit haut

278 Bildungen · 213 Erstglied · 65 Zweitglied · 0 Ableitungen

haut‑ als Erstglied (30 von 213)

Hautei

SHW

Haut-ei Band 3, Spalte 193-194

Hautfarbe

SHW

Haut-farbe Band 3, Spalte 193-194

Hautfaule

SHW

Haut-faule Band 3, Spalte 193-194

Hautfetzen

SHW

Haut-fetzen Band 3, Spalte 195-196

hautgoût

SHW

haut-goût Band 3, Spalte 195-196

Hauthemd

SHW

Haut-hemd Band 3, Spalte 195-196

Hautihn

SHW

Haut-ihn Band 3, Spalte 195-196

Hautjack

SHW

Haut-jack Band 3, Spalte 195-196

Hautlappen

SHW

Haut-lappen Band 3, Spalte 195-196

Hautmesser

SHW

Haut-messer Band 3, Spalte 195-196

Hautpickel

SHW

Haut-pickel Band 3, Spalte 195-196

Hautwunde

SHW

Haut-wunde Band 3, Spalte 195-196

Hautwurzel

SHW

Haut-wurzel Band 3, Spalte 195-196

Hautabschürfung

Meyers

haut·abschuerfung

Hautabschürfung ( Exkoriation, Erosion, Schrunde ), oberflächlicher Substanzverlust der Haut, durch den sie ihrer schützenden hornähnlichen …

hautbekleidung

DWB

haut·bekleidung

hautbekleidung , f. : ob wollene oder linnene hautbekleidung besser sei. Hufeland makrobiotik (1823) 2, 199 .

Hautbinner

MeckWB

haut·binner

Hautbinner -o- m. Verfertiger von Strohhüten: 'Rodolphus hotbindere' (1259); 'Johannes hotbindere' (1282) Beitr. Rost. 2, 3, 96.

haut als Zweitglied (30 von 65)

Bärenhaut

RDWB1

Bärenhaut f auf der ~ liegen idiom. - валять дурака идиом. , ничего не делать, бездельничать

Gänsehaut

RDWB1

Gänsehaut f umg. "гусиная кожа" разг. (только от холода); мурашки (от холода, от страха, от возбуждения) разг.

Glückshaut

RDWB1

Glückshaut f mit ~ geboren idiom. , in ~ geboren idiom. родиться в сорочке / в рубашке идиом. , разг. , счастливчик разг. , удачливый челове…

Kuhhaut

RDWB1

Kuhhaut f etwas geht auf keine Kuhhaut idiom. - что-л. невозможно себе представить / вообразить; что-л. и в дурном сне не приснится идиом. ;…

Lederhaut

RDWB1

Lederhaut f übertr. кожа как пергамент, сухая кожа (напр., лица)

Schleimhaut

RDWB1

Schleimhaut f слизистая, реже слизистая оболочка

Bad'haut

MeckWBN

bad·haut

Wossidia Bad'haut m. a. Spr. Badehut: '1 badehoet und 1 rot barret' (Wi 1551) Schill.-Lübb. 6, 27 b ; '3 badehode' (Wi 1546) ebda.

bärenhaut

DWB

baeren·haut

bärenhaut , f. pellis ursina, altn. biarnarfeldr, biörnskinn, biörnstaka. es musz davon in unserm alterthum manche sage umgegangen sein, der…

Bauernhaut

Wander

bauern·haut

Bauernhaut Eine Bauernhaut ist ein Futteral für einen grossen Schelm.

beinhaut

DWB

bein·haut

beinhaut , f. periosteum, dünne, die knochen umgebende haut.

bubenhaut

DWB

buben·haut

bubenhaut , f. der musz mit einem buben überzogen sein, der einen in einer bubenhaut will kennen. freie leute stecken in keiner bubenhaut. H…

Êselhaut

Adelung

esel·haut

Die Êselhaut , plur. inus. eine Art Pergamentes für Scheibtafeln, welches mit Öhl zubereitet wird; daher der Nahme aus Öhlshaut verderbt zu …

eselshaut

DWB

esel·s·haut

eselshaut , f. was eselsfell: trutz dir und pfui dich nur, du grober esel hinwider, in dein eselshaut, so oft du trotzt. Nasenesel 75 b ; si…

Fedderhaut

MeckWBN

fedder·haut

Wossidia Fedderhaut m. Federhut: Hans ... hett 'n Fedderhaut upsett't S. Neum. Volksm. 285.

fischhaut

DWB

fisch·haut

fischhaut , f. exuviae piscis, vgl. oben 1496, 3; im alterthum für kleider: von fremder vische hiuten bezoc wol getân. Nib. 354, 1 ; von vis…

gänsehaut

DWB

ganse·haut

gänsehaut , f. membrana anserina Stieler 803 , Steinbach 1, 720 , angewandt auf die menschenhaut, wenn sie durch kälte oder schreck zusammen…

gehirnhaut

DWB

gehirn·haut

gehirnhaut , f. hirnhaut. Adelung ; vergl. J. Paul unter gehirnbohrer, gehirnmark.

harnhaut

DWB

harn·haut

harnhaut , f. 1 1) allantoides, eine zur nachgeburt gehörige und zwischen dem amnion und chorion liegende haut. Nemnich 1, 174 . 2 2) die ha…

heidenhaut

DWB

heiden·haut

heidenhaut , f. unreinigkeit, die neugeborene kinder auf den köpfen mit zur welt bringen und die sich nachher in gestalt einer rinde oder ha…

Hêrzhaut

Adelung

herz·haut

Die Hêrzhaut , plur. die -häute, S. Adelung Herzbeutel .

hirnhaut

DWB

hirn·haut

hirnhaut , f. die haut, die die hirnmasse deckt, mhd. hirnhût: meninges hirnhäutlein Dief. 356 a ; man unterscheidet die obere und untere, a…

hirschhaut

DWB

hirsch·haut

hirschhaut , f. haut eines hirsches: wie der lithauisch könig Wüthold .. der die leut in bärenheut vernehet, und die hund an inen übet: wiew…

hornhaut

DWB

horn·haut

hornhaut , f. hornartige haut; namentlich auch cornea, eine haut im auge: die äuszere haut des auges, die dickste und stärkste augenhaut, ..…

hundshaut

DWB

hunds·haut

hundshaut , f. haut eines hundes. allgemein, für eine schlechte haut, schlechtes pergament: ( ablasz und bann ) der allein umb gelt wirt erd…