Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
grimme stF.
1.1 ‘Zorn, Wut, Angriffslust’
1.2 ‘Wildheit, Heftigkeit, Ungestüm’
1.3 ‘Leid, Verzweiflung, Not’
2 ‘Bosheit, Grausamkeit’
1 von heftiger Erregung und rohem, ungestümem Verhalten, nicht immer klar zwischen den Bedeutungen zu unterscheiden 1.1 ‘Zorn, Wut, Angriffslust’ dô der künic hôrte daz, / er begreif sô grôzen haz, / daz sîn gemüete in zorne bran / und er grisgramen began. / von zorne wart er missevar: / er sach vil zornlîche dar. / mit grimme er zürnende sprach RvEBarl 8423; in grimme wart gewâfent dô der helt guot NibB 2325,2; [des] kampfes grimme / verwandelt ir stimme, / daz sî dâ wâren unerkant Iw 7519; dô Gêrfridolt, dem enen sîn [dem Schwiegervater des Gefallenen] , / wart gesagt, in het gevalt der Antschouvîn, / man iach, daz er vor grimme wol îsen vraeze [zum ‘Eisen fressen’ s. TPMA 2,449] Loheng 5726; Rol 8975. 5713; EnikWchr 24579; StrKD 58,I 113. – ~ ûf/ zuo etw.: er [der fromme Mensch] hat oͮch enkeinen grim, wan alleine uf die súnde und uf gottes smacheit [Entehrung] Mechth 4: 18,63; was hilfet liebin zuͦ gotte und [gleichzeitig] grimmi zuͦ guͦten lúten? ebd. 6: 30,9 1.2 ‘Wildheit, Heftigkeit, Ungestüm’ hie liez er [der Löwe] sîne grimme / und erzeict im [Iwein] sîne minne Iw 3872; si [das Volk des Zernubele ] ezzent diu ros, / si lebent mit grimme. / der tuuil wont dar inne Rol 2691; sô möhte boum unde gras / und swaz ie grüenes bî mir was / dorren von der grimme / mîner [Gregorius’] unreinen stimme Greg 3525; dâ man ê hôrt vogellîn sang: / der klang in tal, in lüften erschal, / süezze stimme – / winters grimme [Härte] / tuot siu swîgen überal SM: WvH 7: 1,8; KLD:Kzl 12: 1,9; ez kumt ein wint, [...] / der sol mit grimme ervarn elliu künicrîche Walth 13,14; RvEBarl 15086. – hierher oder anzusetzen als krim ‘Klammergriff’ zu krimmen stV. (zur Vermischung der Wortstämme s. DWB 5,2307-2310): ez tut mir not / daz ich so in jamer lymme [schreie] , / wann mich hat in starkem grymme / in sinen clowen ein mechtig ar. / der drucket zu so vestlich gar, / daz ich den adem koume / gevahen mag Minneb 5072; sag an: wie ist ez kumen dar / daz dich in sin cloen ein ar / mit grymme hat derwischet? ebd. 5093 (vgl. waz arn ez sy, der mich da grymme, / daz saltu hie verhorn von mir ebd. 5104 ); sine spilende vreude was so starc / daz er mit vreuden uf spranc, / als in diu gotes liebe ouch twanc, / die in hete in ir grimme Vät 3247 1.3 ‘Leid, Verzweiflung, Not’ sus wart ir nôt sô rehte starc / daz si von herzenleide / ir blanken hende beide / mit grimme zuo einander vielt. / daz herze ir in dem lîbe spielt / von sender jâmerunge KvWHerzm 519; die vrouwe [Maxilla] erschrac, dô siez [ihre brennenden Kleider] ersach; / sie rief in grôzem grimme / mit wîssagender stimme: / ‘Jesûs, mîn got und hêrre mîn!’ HvFreibKr 755; diu bitter leides grimme UvZLanz 5261; mit grimme unde mit sere AvaA 2,5; Iw 1324; EnikWchr 282; WhvÖst 19066 2 ‘Bosheit, Grausamkeit’ ich [Susanna] nie der dinge dort / begienc, die sie [die beiden Alten] han geseit / uf mich und uz geleit / boslich in irme grimme Daniel 7697; alsô wurden si [die Römer] innen / des kuniges ubele unt sîner grimme Kchr 7583. 1077
MWB 2 928,12; Bearbeiter: Richter