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fron

ahd. bis Dial. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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22 in 15 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

fron

Bd. 4, Sp. 230
frohn, fron, fran, ahd. frônô, alts. frâno, mhd. frône, nnl. vroon, uraltes, dunkles wort, über das ich mich akad. ber. 1849, 340—343 versucht habe. ein bares adj. und adv. läszt sich nicht sogleich darin erblicken. die goth. form steht nicht zu gebot, auf fraujanê wurde gerathen, nach bisunjanê. wenn dieses heiszt im kreise der nachbarn, ἐκ γειτόνων, ringsum, durfte auch fraujanê, ahd. frônô besagen unter den herrn, unter den heiligen und allmälich durch die adjectivische bedeutung dominicus, herlich, heilig ersetzt oder vertreten werden. dies dominica ist ja auch der tag des herrn und aus den lat. gen. pl. sanctorum, christianorum, Francorum entsprangen die altfr. formen sanctor, christianor, Francor, die neben andern substantiven so viel bedeuteten als heilig, christlich, fränkisch. ahd. und mhd. konnten diese oft wahrzunehmenden frônô, frône den substantiven, von welchen sie abzuhängen scheinen, sowol vorangehen als folgen, blieben selbst aber unveränderlich, z. b. daʒ frônô capët, oratio dominica, dës frônô capëtes, orationis dominicae und ebenso daʒ capët frônô, dës capëtes frônô. mhd. dër frône bote oder dër bote frône, der engel des herrn. wirkliche adjectiva hätten lauten müssen daʒ frônâ capët, dës frônin capëtes, wie unerhört ist. warum aber bediente man sich nicht des gen. sg. frôin (goth. fraujins)? ich denke, weil er veraltet war, weil auch der nom. sg. nicht mehr, nur noch der voc. in der anrede frô! frô mîn auftritt; die formel des gen. pl. frônô hatte länger gehaftet und wurde dann auf fälle des sg. ausgedehnt (wie etwa das irzen und siezen bei der anrede vordrangen). bei itis frônô, magad frônô müste man sich eine frau unter den göttern, aus dem kreise der götter oder heiligen denken. in einer alten Würzburger grenzangabe heiszt es merkwürdig: chirihsaza sancti Kiliânes ioh frônô ioh frîërô Franchonô erbi und hier steht der gen. pl. am rechten platz: sanct Kilians und der herren, der freien Franken erbe. nun aber geschah, was einen einwand wider die gegebne deutung zu bilden scheint, sie doch im grunde bestätigt, man faszte das so oft unbeweglich stehende frone allmälich seinem sinne nach adjectivisch und verlieh ihm flexion, so dasz statt des alten tac frône, mit frône gesange, gesange frône auch gesagt wurde frôner tac, mit frônem gesange, gerade wie andere im praedicat ohne flexion nachgesetzte adjectiva (der mann ist gut) attributiv vorangestellt die flexion empfangen (der gute mann, ein guter mann). damit war das adjectiv entschieden, nur galt das unbewegliche frone daneben fort. zur erläuterung mag dienen, dasz die aus lat. illorum entsprungnen it. loro, prov. lor, fr. leur den umständen nach bald illorum (und illarum) ausdrücken, bald das lat. possessivum vertreten. ich führe hier nur einige beispiele des flectierten, also adjectivischen mhd. frône an: vrôner tac. Kelle spec. eccl. 176; an frôner stat. Haupt 4, 523; mit frônem wîhgesange. Er. 9659; im frônen himelrîche. MS. 2, 146b; an dëm crûce vrônen. geloube 1121. andere stehn in meinem aufsatz s. 344 und mhd. wb. 3, 426. ahd. stellen kenne ich keine. dagegen zeigt sich ahd. wie alts. ein weiter abgeleitetes adj. frônisc, frânisc im sinne von nitidus, mundus, pulcher, dem von hêrlîh, nhd. herlich, almus, superbus ganz überein, also dominicus, sowol an frô, frauja als an frô laetus mahnend. das frohe ist glänzend, leuchtend, schön, wie hërre eigentlich hêrre, hêriro (goth. haiziza?) der leuchtende. das n von frônisc wieder auf einen gen. pl. zurück zu führen wäre gröszere verwegenheit, obschon sie einzelne mhd. adjectivbildungen wie irdensch, risenisch für irdesch, risisch (gramm. 1, 376), altn. gotneskr, saxneskr (s. 373) stützen. es könnte aber ein verschollenes, über die geschichte unsrer sprache hinausreichendes frôn, goth. frauns im spiel sein, vor dem auch das frônô = fraujanê weichen und fallen müste. man wird an frein, nitidus (sp. 118) erinnert, das mit frônisc zusammenstimmt, dem laute nach an skauns, ahd. scôni, nhd. schön, und 'in frôno' gleicht dem 'in scôno' (Graff 3, 808. 6, 516). beides aber fällt zu deuten schwer. heute ist der einfache adjectivische ausdruck fast erloschen, im 15. 16 jh. war er noch lebendig, meist unveränderlich, selten flectiert. 11) nachgesetzt: ich sach ein danz von minniclichen pilden in disem palast fron. meisterl. f. 23 no 222; als die zwölf botten haben gethon, da sie uf brachten den glauben fron. Murners luth. narr 1151; wer kan das evangeli fron im grunt uf erden basz verston? 2412; hat auch drübr itzt unsre kind gesegnet und geweiet schon mit seinem heilgen geist so fron. Heinr. Knaust verordn. der stende (Gödeke 327) 1539 c 7; o himlisch heer, gotts hailigen fron, laszt uns mit euch gemainschaft hon. Joh. Nasus kriegs und sigspredig F 1a; als er dan nachmals hat gethon am stam des heilgen kreuz so fron. Schade sat. u. pasq. 2, 199; dasz er sein heilgen leichnam fron für uns hab geben in den tod. 2, 236; zu eim süszen geruch des herrn, das es aufriech dem schöpfer fron durch die wolken für seinen thron. H. Sachs III. 1, 12a; nu wöll wir auf sein, es ist zeit und jenen wider nemen an und aufopfern dem herren fron. III. 1, 12b; wie ich das jetzt erfaren han, o groszmechtiger keiser fran ewr son lebet und ist nit todt. III. 2, 170c; wenn nur den zertling (zärtlichen) keiser fran nicht etwan stiesz ein fieber an. III. 2, 179a; wie sie werden das himelreich empfahen gleichsam für ein lohn aus lauter gnad des herren fron. IV. 1, 72a; wie auch Mose und Aaron unter seinen priesteren fron. V, 81d; (göttin) gebildet als ein magde fron, welche auf einem wagen stohn (stund). V, 284b; gott durch sein güt und weisheit fron hat alle ding erschaffen schon. Waldis I. 1, 1; da lacht der Jupiter so fron dort oben hoch in seinem thron. I. 75, 25; ein bettler kam für eine mülen, und bat denselben müller fron, er wolt sein milde hand aufthon. IV. 47, 3; Murnern, der katzianer patron lert mich kennen mein mutter fron. froschm. H 3a; von golt und silber auch ein cron Apollinis, des gottes fron. Spreng Il. 2b; Meriones, der fürst groszmächtig, bracht umb ein Trojaner prächtig, Laogonum den herzog fron. 380a; nemlich der edel ritter fron, Epeus Panopei sohn. 544a; aber fraw Cytherea fron, Eneae mutter wol gethon. Aen. 28b; als er ändert das parthenon, welchs zu Rom ein tempel fron. ganskönig D 2b; och eim heilgen, der auch ein christ und martyrer gewesen ist oder sonsten heilig und fron. D 3a; die newe constellation der himelischen gans so fron. G 1a; und des flusz Imbrasi patron, nemlich die göttin Juno fron kam auch nicht an das kränzlein fein. a. weish. lustg. 69; dieser könig fron will sein ein patron des evangeli. Opel und Cohn 268. 22) vorangehend: da Christus für mich gelitten hatt am fronen kreuz den tod versmecht. Wickram pilg. K. bl. 33; so beschirme uns got durch seine frone zehen gebot. Uhland 816; das darin unverweslich bleib sein fron heiliger todter leib. H. Sachs III. 1, 222a; bringet uns aus dem sacramentshäuslein den zarten fron leichnam Christi. Schade sat. u. pasq. 2, 260, 58, in welchen beiden stellen sich auch zusammenschieben liesze: fronheiliger, fronleichnam; an den galgen des fronen creuzs aufgehenket. Mathesius 66a; am fronen creuz unter den ubelthetern. 91b. zwei neuere, ganz verschiedenartige schriftsteller haben ein solches adj. nicht aus der lebendigen sprache, sondern aus büchern geschöpft: es war kein unerwogener ausdruck Ciceros, die plebs habe sich durch die secession die fronen rechte, ihre freiheiten hergestellt. Niebuhr 1, 474 mit der note 'ut leges sacratas sibi restitueret. fragm. der Corneliana. fron ist sacrosanctus'; ewiges heil ward dem brote beschieden, seit Christus in froner nacht es geweiht. Ann. von Droste ged. 281. das wort wäre gut und alt, aber Göthe und Schiller hätten es zurückführen müssen.
7869 Zeichen · 167 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    fron

    Althochdeutsches Wörterbuch

    fron Pk 32,13 s. fram.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    fronst. M., sw. M., st. F.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    fron , st. M., sw. M., st. F. Vw.: s. vrume

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Fron

    Adelung (1793–1801) · +9 Parallelbelege

    Fron u. s. f. S. Adelung Frohn .

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Fron

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

    Fron (altdeutsch frônô, von frô , »Herr«), dem Herrn zugehörig, herrlich, herrschaftlich, heilig, kommt besonders in ält…

  5. modern
    Dialekt
    fron

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    fron Adj. heilig. ‘der fron altar’ Geiler P. II 17 b . Zss.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fron

252 Bildungen · 235 Erstglied · 14 Zweitglied · 3 Ableitungen

fron‑ als Erstglied (30 von 235)

frôn(o)tag

EWA

frônodingAWB n. a-St., nur Gl. 3, 411, 63 (12. Jh.): ‚das Gebiet der königlichen Gerichts- gewalt, Staatswesen, res publica‘. S. frôno, ding…

Fronacker

SHW

Fron-acker Band 2, Spalte 967-968

Fronberg

SHW

Fron-berg Band 2, Spalte 967-968

Fronfasten

SHW

Fron-fasten Band 2, Spalte 967-968

Frongarten

SHW

Fron-garten Band 2, Spalte 967-968

Frongasse

SHW

Fron-gasse Band 2, Spalte 967-968

Frongeren

SHW

Fron-geren Band 2, Spalte 967-968

Frongewann

SHW

Fron-gewann Band 2, Spalte 967-968

Fronhof

SHW

Fron-hof Band 2, Spalte 967-968

Fronpfad

SHW

Fron-pfad Band 2, Spalte 969-970

Fronweg

SHW

Fron-weg Band 2, Spalte 969-970

Fronacker

PfWB

fron·acker

Fron-acker m. : 1. 'Acker der Herrschaft'. a. 1578: Im Frohnacker abwendig der straßen zwischen Ainoth und Enweiller [KSchArch., Rep. IV 68…

Fronalpstock

Meyers

Fronalpstock , 1) Gipfel der Schwyzer Alpen, südöstlich von Brunnen, 1919 m, mit Gasthaus. – 2) Gipfel der Glarner Alpen, westlich von Molli…

frônalter

BMZ

fron·alter

frônalter stm. der heilige altar. dô er für frônalter gie g. Gerh. 296. Servat. 2150. 3142. Clos. chron. 70.

Fronbach

PfWB

fron·bach

Fron-bach f. : 1. a. 1775: Das Frohnbächlein, so mit Sickingen-Hohenburg gemeinschaftlich [SSp., Hanau-Lichtenberg n. 23]. — 2. FlN in KL-Br…

fronbauer

DWB2

fron·bauer

fronbauer m. (zu fron f. 1 ): 1515 württ. ländl. rechtsqu. 1,274. 1970 Schaper abend 25.

Fronbefreiung

GWB

fron·befreiung

Fronbefreiung -oh-, -ey- [ zur Einrichtung einer Provinzialmiliz im Eisenacher Landesteil ] Unter Anführer .. wozu die Unteroffizire des ehm…

Fronberg

PfWB

fron·berg

Fron-berg m. : Name eines Berges bei KL-Ottbg, amtl. Frohnberg, mda. de kleeⁿ Froobeʳch, a. 1655: vfm Frohnberg. Südhess. II 968 . —

Fronbrot

PfWB

fron·brot

Fron-brot n. : 'das den Frönern zu reichende Brot'. a. 1596: Außgab Kornn an Brodt auff die Fröner vnd andere ... Item 18 frönbrot vff 9 Per…

Fronbrühl

PfWB

fron·bruehl

Fron-brühl m. : 1. 'Wiese der Herrschaft', vgl. Brühl . a. 1357: wann man den fronbrüel mehet by Steinacker, so ist jedermann zu Altheym und…

fron als Zweitglied (14 von 14)

Amtsfron

DRW

amts·fron

Amtsfron, Amtfrone Amtsbüttel 1564 Zörbig/ThürSächsZ. 12 (1922) 18 1714 HannovStR. 49 1736 Klingner I 285 Faksimile DWB. I 283 Faksimile

Nachfron

DRW

nach·fron

Nachfron, f. nachträglich zu leistender Frondienst so aber einer [der schiffleut oder himbler] nit inheimisch und das gebott [für den zu lei…

offron

KöblerAnfrk

offron , sw. V. (2) nhd. opfern ne. offer (V.), sacrifice (V.) ÜG.: lat. offerre MNPs, sacrificare MNPs Hw.: s. offer*?; vgl. as. oppraian, …

Personalfron

DRW

personal·fron

Personalfron, f. auf einer Person (I) lastender Frondienst vgl. Herrenfron, Personaldienst dass ein yedter schultheiss im landt, für andern …

Pferdefron

DRW

pferd·e·fron

Pferdefron, f. wie Pferddienst vgl. Handfron das er ine zu vnpflichtiger pferd frohn von einem guthlein ... dringen wolle 1551 Diefenb.-Wülc…

Pflugfron

DRW

pflug·fron

Pflugfron, f. wie Pflugdienst (I) drei tage handfron ... sechs tage pflugsfron 1583 MittSächsVk. 3 (1903/05) 27 120 acker, zusambt der dazu …

Realfron

DRW

real·fron

Realfron, f. auf Grundbesitz lastender Frondienst vgl. Personalfron dass ein yedter schultheiss im landt, für andern dieser privilegien zue …

Reisfron

DRW

reis·fron

Reisfron, f. der Herrschaft zu leistender Fuhrdienst bdv.: Reisbarkeit (II), Reise (V) vgl. reisbar (III), Reismene darczu ... leidet er all…

Schanzfron

DRW

schanz·fron

Schanzfron, f. der Obrigkeit zu leistender Arbeitsdienst [zur Holzanlieferung] wären keine ander weithe mittel zu ergreiffen, als auf der ax…

Schneidefron

DRW

schneide·fron

Schneidefron, f. Kornschneidedienst als Handfron bdv.: Schnittdienst, Schnittrobot vgl. Schneidegeld (I), Schneidtag (I) gesetzte schneide-f…

Schnittfron

DRW

schnitt·fron

Schnittfron, f. wie Schneidefron [sie] hat ein haws und hofreyt ... gibt ine auch 4 swertgrosch fur die schnytfron 1502 QFürstentBayreuth I …

Sichelfron

DRW

sichel·fron

Sichelfron, f. zu Fron (I 2 e) bei der Ernte zu leistender Frondienst das alle zu dem hoff A. behœrige gehœffer dem ... herren meiern, uff d…

Stadtfron

DRW

stadt·fron

Stadtfron, f. Frondienst der Bürger für ihre Stadt (III) der stadtfrone halber ist verordnet: das forthers mehe die burger zu B. mit jren pf…

Tagfron

DRW

tag·fron

Tagfron, f. auch Tage- Frondienst von der Dauer eines Tages; auch die Ablösesumme bdv.: Tagdienst, Tagfahrt (IV), Tagwan (I), Tagweide (II),…

Ableitungen von fron (3 von 3)

befronen

MeckWB

befronen den Fronen schicken, um jem. vor Gericht zu fordern; nur in ä. Spr.: 'Item effte de eine den andern bloett wundede, dat were wo et …

Befronung

Meyers

Befronung eines Grundstücks, im Mittelalter die Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Gut des Schuldners, wenn die Schuld auf dem Weg der …

frone

DWB

frone , s. frohne .